…noch kein Fazit!

Seit genau eineinhalb Jahren sind sie nun raus aus der Schule – meine alten Schüler.
Ihr wisst schon: Hanna, Nesrin, Aynur, Esra, Gülten, Erkan, Ömür, Fuat, Emre, Hassan, Mustafa, Sarah und wie sie alle heißen.
Wer hier schon lange liest, wird sich fragen: Was ist aus ihnen geworden?
Hier und da treffe ich einen von ihnen, rein zufällig auf der Straße oder gezielt bei facebook. Sie scheinen nur noch wenig Kontakt untereinander zu haben – trotz der großen Beteuerungen in den letzten Schultagen.
So sind meine Infos lückenhaft…
Gülten macht weiter brav ihre Ausbildung, es scheint alles rund zu laufen.
Mustafa hat den Realschulabschluss nachgeholt und sucht jetzt eine Stelle. Das ist schwierig – er hat noch nicht das Richtige gefunden. Oder sollte ich sagen: Es hat ihn noch nicht gefunden?
Esra soll frisch vermählt sein. Sie war ohne Abschluss abgegangen, machte dafür aber auch sonst jede Menge Probleme. Sie zu verheiraten dürfte die einfachste Lösung sein, werden sich ihre Erziehungsberechtigten gedacht haben…
Fatih (einer der beiden, der mit Realschulabschluss die Schule beendete) hat sein Glück nur kurzfristig auf der gymnasialen Oberstufe versucht. Jetzt macht er „was in einer Werkstatt, er wird Kfz oder so“, erzählt mir jemand.
Erkan? Keine Ahnung. Niemand weiß etwas. Aber ich sehe Fotos bei face: Er hat sich enorm verbreitert, genauer gesagt, er sieht schwer aufgepumpt aus. Und das in wenigen Monaten… na ja, kann man sich seinen Teil denken oder auch nicht.
Hassan geht auch auf eine weiterführende Schule, er will Fachabi machen – drücken wir ihm die Daumen.
Azzize hat den Realschulabschluss NICHT nachgeholt, obwohl sie es sich so fest vorgenommen hatte. Sie hat es nicht einmal geschafft, sich einen entsprechenden Schulplatz zu suchen. Das erste Jahr verbrachte sie mehr oder weniger zu Hause… Jetzt hat sie wenigstens einen Freund.
Nesrin! Super! Ich bin so stolz auf sie! Sie macht eine Ausbildung als medizinische Fachangestellte – und das mit ihrem windigen Abschluss! Ich treffe sie ab und zu, sie strahlt und wirkt rundrum zufrieden.
Aynur, die ohne Abschluss ging, hat den Realschulabschluss nachgeholt und macht irgendwas in Sachen Beauty. Sie hat jetzt offenbar kapiert, wie der Hase läuft. Schade, dass ich das nicht erleben durfte – so wie die bei uns rumgestresst hat…
Sarahs Verlobter aus Jordanien ist inzwischen in Berlin und ist nun ihr Mann. Von Ausbildung scheint Sarah nicht viel zu halten… ich erwarte eigentlich nur noch Nachwuchs und sonst nichts. Schade.
Hanna (hatte auch keinen Abschluss) wird Restaurantfachfrau und macht ihre Sache gut. Ich durfte mich schon von ihr bedienen lassen… ein schööööönes Gefühl.
Fuat (auch ohne Schulabschluss) hat es inzwischen zum Hauptschulabschluss gebracht und soll angeblich eine Lehrstelle haben oder… fast haben. Immerhin!
Emre konnte sich in ein oder zwei Stellen nicht halten. Bei Facebook prahlt er nun mit einer neuen Megaausbildungsstelle. Aber man weiß nichts Genaues und vor einiger Zeit hat er mir schon ähnliches erzählt (oder sollte ich sagen: vorgeschwindelt?). Ich werde ihn demnächst mal anschreiben. Im Moment trau ich mich nicht…
Ömür fightet auch, leider immer noch ohne durchschlagenden Erfolg. Verkäufer will er werden. Gerade hat man ihn ohne Angabe von Gründen in der Probezeit entlassen. Er sucht weiter… und er hat total abgenommen! 25 Kilogramm! Chapeau!

Gute und schlechte Nachrichten.
Für abschließende Äußerungen ist es zu früh. In zwei, drei Jahren – so lange werden sie wohl noch mindestens brauchen, um sich beruflich einzufädeln – werden wir vielleicht mehr wissen. (Hoffen wir, dass bis dahin nicht zu viele kleine Sarahs und Fuats dazwischen funken!)

Also! Fassen wir uns in Geduld!
Sabrin sonu selamettir – am Ende der Geduld wartet der Segen…
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Klau – die zwoote

Tochter Nummer Zwei – nennen wir sie der Einfachheit halber Luise – ruft mich empört an. „Stell dir vor!“ sagt sie. „Unser Buggy ist aus unserem Hausflur geklaut worden! Und alle anderen Wagen, die da noch standen, auch!“
Das Haus, in dem Luise wohnt, ist kinderreich und hat keinen Aufzug. Entsprechend sieht es im Hausflur aus. Die Eltern lassen ihre Buggys gerne dort kurzfristig oder über Nacht stehen. Ich übrigens auch, wenn ich babysitte, denn ich schaffe es nicht, Kind plus Wagen auf einmal in den dritten Stock hoch zu hieven.

Nun sind sie also weg, die Buggys und man muss das Mumpikind schleppen, denn es weigert sich, längere Fußmärsche auf sich zu nehmen – Kunststück, – es ist ja erst anderthalb Jahre alt.
Luise schäumt. „Kein Wunder! In unser Haus kommt man ja auch jederzeit locker rein“, sagt sie. „Das sind die Nachbarn von ganz oben schuld, die machen absichtlich das Schloss oder den Türschließer kaputt, damit ihre sieben Kinder nicht klingeln müssen! Die haben wohl nicht genug Schlüssel! Die Hausverwaltung hat denen angeblich schon mit Tod und Teufel gedroht, aber die machen das immer wieder.“

Luise spricht Leute aus dem Haus an. Die sind fatalistisch und wollen in Bezug auf den Diebstahl nichts unternehmen, ganz nach dem Motto „Der Herr hat’s gegeben – der Herr hat’s genommen.“
Meine Tochter sieht das etwas anders. Sie gibt eine Anzeige bei der Polizei auf und schreibt ihrer Versicherung. Schließlich handelt es sich um einen teuren Wagen, den sie sich auf keinen Fall noch mal leisten kann.
Außerdem ruft sie bei der Hausverwaltung an.
„Ich weiß von nichts, aber ich erkundige mich,“ sagt die Dame am Telefon gnädig und unterlässt es nicht, Luise noch im strengen Ton darauf hinzuweisen, dass es nicht gestattet sei, Kinderwagen im Flur zu parken! „Nach den feuerpolizeilichen Bestimmungen sind die Durchgangsbereiche, wozu auch das Treppenhaus und der Hauseingangsbereich gehören, frei zu halten, das steht übrigens auch in Ihrem Mietvertrag!“
„Wir parken den Buggy ja auch normalerweise im Auto oder holen ihn nach dem Einkaufen hoch, “ sagt Luise, “aber es muss doch wohl möglich sein, ihn kurzfristig im Flur abzustellen! Wenn es schon keinen Raum gibt, wo man ihn lassen könnte. “
Die Dame schüttelt fernmündlich den Kopf und verabschiedet sich kühl.

Das Wochenende vergeht kinderwagenlos. Das Kind wird von A nach B geschleppt, das Einkaufen gestaltet sich schwierig und Luise telefoniert erfolglos in der Gegend herum, um sich einen Buggy auszuleihen.
Montags meldet sie sich ein zweites Mal bei der Hausverwaltung. Diesmal ist ein netter Mann am Telefon. „Ick weeß nüscht jenauet,“ sagt er, „ aber da wa wat mit Buggys oda so, ick weeß nur nich wat und wo. Ick hör ma mal um!“
Also ruft Luise am nächsten Tag wieder an. Diesmal hat die uns schon bekannte Dame Dienst und verkündet mit leichter Schadenfreude in der Stimmet: „Ja, ich kann Ihnen mitteilen, wo die Wagen sind. Sie wurden alle in den Haustechnikraum ihres Hauses verbracht. Die Hausverwaltung hat sie dort eingeschlossen, weil die Abstellung im Flur und Eingangsbereich bekanntlicherweise streng verbo…“
„Was!? Das war die HAUSVERWALTUNG?“ Luise fällt fast vom Glauben ab.
„Ja, und zwar mit gutem Recht! Es handelte sich sozusagen um die Durchsetzung der Hausordnung. Sie wissen doch sicher, dass es in Neukölln mehrfach gebrannt hat , weil jemand die …“
„Wann bekommen wir die Wagen wieder?“
„Frühestens voraussichtlich morgen Mittag! Falls der Techniker Zeit hat…!“

Der Techniker hatte Zeit… und meine Tochter und ihr Mann schrieben dann noch einen freundlichen Brief an die Hausverwaltung, mit der mit einer unfreundlichen Abmahnung beantwortet wurde.

Dem Mumpikind ist das alles egal. Hauptsache, es hat seinen Buggy und muss nicht mehr durch Schnee und Eis laufen, denn das ist in seinen Augen richtig “BÄH”!

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Unglaublich, aber wahr…

Bei Lidl entdecke ich gestern morgen zwischen Thermo-Söckchen und bunten Papierblöcken komische Kästchen. ‚TV Simulator’ steht darauf.
„Hä? Wozu braucht man DAS denn?“ frage ich und drehe unentschlossen den kleinen Apparat hin und her.
TV – Simulator…ist das was zum Abgewöhnen? Für Fernsehsüchtige?
Kann man so Kinder mit Fernsehverbot ruhigstellen?
Oder ist es das TV-Einsteigermodell für Babys und Haustiere?

Männe schüttelt den Kopf und erklärt mir, dass man mit Hilfe eines derartigen Geräts einen wechselnd-farbigen Lichtschein erzeugen könne, der Einbrechern vorgaukeln würde, jemand sei zu Hause und sähe fern. Dschungelcamp oder so. Kakerlaken, Maden, Spinnen und Larissa!

Ach so! Ich verstehe… Gar nicht so dumm, eigentlich!

Für den Kauf spräche, dass in der Weihnachtszeit in meinem Hausflur ein Zettel hing, auf dem stand, dass Bösewichter „Markierungen an verschiedenen Wohnungstüren“ angebracht hätten. „Wir sollten alle sehr vorsichtig sein,“ riet die Hausverwaltung, es könne sich um Vorbereitungen zu Einbrüchen handeln und man solle keinem Fremden öffnen und darüber hinaus abschreckende Maßnahmen ergreifen.

Markierungen konnte ich an meiner Wohnungstüre zwar nicht entdecken, aber ich lasse nun- wenn ich weggehe – das Licht in meiner Wohnung brennen und das Radio dudeln.
Außerdem erwäge ich den Kauf eines Wachhundes oder eines elektrischen Klaviers, denke über einen Trompete spielenden Untermieter nach und plane wenigstens Männerhusten oder Babygeschrei auf Band zu nehmen…

Natürlich habe ich noch nichts davon in die Tat umgesetzt und auch den Simulator nicht gekauft. Noch mehr Elektroschrott – nein danke.

Nachmittags klingelt es. Ich öffne furchtsam die Tür, aber es handelt sich nicht um übel wollende Fremde, nein, Tochter Zwei und ihre Freundin Millie schneien mal kurz auf ein Käffchen herein.

„Bei uns im Haus wurde heute Nacht eingebrochen!“ erzählt Millie. „Stell dir vor, die haben echt sämtliche Kellerschlösser geknackt und alles mitgehen lassen, was nicht niet- und nagelfest war.“
„Aber was gibt es denn schon Wertvolles im Keller? Lohnt sich das?“ wundere ich mich.
Die meisten Keller in den alten Mietshäusern sind doch feucht, unwirtlich und von gemeingefährlichen Lebewesen wie Spinnen und Ratten besetzt. Ich ginge da nicht freiwillig rein! In meinem Keller liegen nur die Sommerreifen…. okay…ist ja auch was….

Millie zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung, auf was die aus waren!“, sagt sie und grinst. „Mir ist nichts geklaut worden. Ich habe keinen Kellerraum, zum Glück!“
„Na, dann!“
„Allerdings….“, Millie macht eine Kunstpause und beißt in einen Keks, „ das war nicht alles… Unsere ganze Haustür haben sie auch noch mitgenommen!“
„WAS? Nein!“
„Doch! Es ist jetzt echt saukalt im Haus – minus 12 Grad sind es draußen. Und mit einer neuen Haustür wird es noch ein paar Tage dauern, sagt der Typ von der Hausverwaltung – Sondermaß, Extraanfertigung!“

Na super! Die Haustür! Ich glaub es nicht… Wer kommt denn auf so was?
Ob ich mir doch den TV Simulator….?

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Frl. Krise lässt es krachen…

“Bumm bumm”, sagt das Mumpikind, reißt die Augen auf und hebt das Zeigefingerchen in die Luft, was soviel wie „horch“ heißen soll.
Dazu muss man eigentlich nicht extra aufgefordet werden, denn wer das Rumpsen und Knallen, das schon seit den Mittagstunden ertönt, nicht hört, der ist muss stocktaub sein.
In Berlin ist es an Silvester wie im Krieg, sagte mein Vater immer, der es wissen musste.
Auf dem Balkon im dritten Stock schwebt man schon fast im Kernschussgebiet. Es schweben zischende komische runde Drohnen unkontrolliert auf einen zu, bunte Funken fallen hinter die Brüstung und mancher Fehlzünder explodiert genau vor uns. Ich finde es GEIL!
Jawohl! Ich bekenne: Ich liebe Feuerwerk, je doller, je näher, je besser.
Ich selber würde kein Geld dafür zum Fenster rausschmeißen… aber zugucken? Gerne!

Leicht depressiv betrat ich mit einem Glas Sekt um 12.03 Uhr den Balkon.

2014… Wer weiß, was dieses neue Jahr nun wieder so bringt, dachte ich, die Töchter, das kleine Kind, Männe, die Familie, die Freunde – irgendwie brennts überall… so viele Probleme…und was alles noch passieren kann…dieser Unfall, Krankheiten, ach, ich will gar nicht wi…

PENGBUMKRACHBOINGPENGPENGPENGBUMMBUMMBUMM!!!!!!

Genau in diesem Moment explodierte genau vor meiner Nase ein gigantisches Sortiment von BombenRaketenBöllernKnallernSilberGold und was weiß ich für Feuerwerkskörpern. Die optische und akkustische Reizüberflutung haute mich dermaßen weg, dass sich alle meine trüben Gedanken in Nichts auflösten.

Ja! JAAAA! So war das vielleicht früher auch gemeint, dachte ich flüchtig. Mit Krach und Feuer wurden die bösen Geister vertrieben! Und es funktioniert!

Okay, okay, ich weiß schon… es gibt 1000 gute Gründe gegen dieses Scheiß- Geknalle zu sein! Braucht ihr mir jetzt nich alle aufzählen!

Aber bei mir hats gestern funktioniert! Die bösen Geister trollten sich blitzartig angesichts der bunten lauten Übermacht!
Nach einer Stunde bin ich erst wieder reingegangen, hustend, halbtaub, frierend und angeschickert von dem Sekt, den ich mir noch reingekippt habe. Und: Gut gelaunt!

Jawohl, genau so wars!
Unsere Ahnen waren gar nicht sooooo dumm…..

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2013 kann gehen…

Oh Mann, ich muss mich beeilen – gleich ist ja schon das Neue Jahr da und ich hab noch nicht mal das alte verabschiedet…

Also, 2013, das muss ich dir jetzt mal sagen, das Beste warst du gerade nicht.

Es ging ja ziemlich gut los mit dir, mein Pensionat im März zum Bleistift war sehr okay und es ging dann ja auch ganz erfolgreich mit den neuen Buch im Mai weiter. Aber der ganze Sommer, nee, nee… Es war zwar abzusehen, aber traurig.
Und auch die Sache mit… ich will ja keine Namen nennen…jedenfalls hätte ich darauf verzichten können. Ehrlich.
Der Oktober war dann wieder super! Danke!
Im Dezember hast du noch mal richtig Gas gegeben! Leider in die falsche Richtung. Was sollte das noch zum Schluss? Du weißt, wovon ich rede! Aber ich will an dieser Stelle lieber nicht meckern – ist ja noch mal gut gegangen.

Falls du 2014 siehst, ehe es bei uns vorbeikommt, bestelle ihm bitte, ich erwarte einiges von ihm! Du kannst ihm ruhig Details verraten, du weißt ja Bescheid und kannst vielleicht noch was gutmachen – das wär echt nett von dir…

So, tschüss, mach’s gut 2013, wir werden uns ja wohl nicht wiedersehen.

Und euch da draußen an den Bildschirmen wünsche ich, dass euer 2013 auch dem ’14 noch ein paar vernünftige Tipps gibt.
Besser werden kann’s ja immer!
Danke, dass ihr hier immer wieder reingeguckt habt, obwohl es so eine lange Pause gab – aber daran ist nur dieses olle ’13 schuld, ich schwöre…!

Rutscht gut rein ins Neue Jahr und man liest sich hoffentlich!
Prooooooost Neujahr!

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Das schönste Geschenk…

Heiligabend, gegen 16.00 Uhr.
Ich verstaue alle Geschenke in zwei großen blauen Ikeatüten und verlasse die Wohnung um zu Tochter zwei zu fahren. Dort soll sich die ganze Familie treffen, also auch Männe, der mal wieder mit dem Auto auf den letzten Drücker quer durch Deutschland fährt.
Während ich die Tür abschließe, bimmelt in der Wohnung das Telefon. Eigentlich will ich nicht mehr drangehen, stürze dann aber doch noch einmal rein.
Männe ist in der Leitung.
„Schlechte Nachrichten. Ich hatte einen Unfall!“ sagt er mit Bürostimme.
„Was?!“
„Ja, ich sitze noch im Auto.“
„Männe! Ist dir was passiert?“
„Mir tut die Schulter weh. Sonst nichts. Ich habe mich überschlagen.“
„Um Gottes Willen! Wo bist du?“
„Keine Ahnung. Ungefähr 350 Kilometer vor Berlin. In einem Gebüsch.
Die Feuerwehr kommt gleich. Es sind auch Leute hier! Komischerweise kann ich den Motor nicht abstellen.“
„Bist du immer noch im Auto drin? Dann steig mal schnell aus!“
„Geht nicht!“
„Männe!“
„Ich sag dir Bescheid, wenn sich was Neues ergibt!“

Aufgelegt.

Nein, das kann nicht sein. Ich weigere mich zu glauben, was ich da gerade gehört habe. Meine Knie verwandeln sich in Puddingmasse, sie sind auf einmal ganz glibberig. Trotzdem renne ich wie angestochen vor die Wohnungstür, schleppe alle Tüten rein, renne im Kreis herum, renne ins Bad, renne in die Küche und quer durchs Schlafzimmer und den Flur entlang wieder ins Wohnzimmer.

Unfall!
Und er sitzt im Auto, anscheinend eingeklemmt. Aber wie normal der sich anhörte! Bestimmt ist er voll im Schockzustand. Schulter! Wer weiß, was er noch alles hat. Im ersten Schreckzustand fühlt man doch gar nichts. Und was heißt, der Motor lässt sich nicht abschalten? Mein fantasiebegabtes Gehirn produziert sofort fürchterliche Bilder von brennenden Autos, Rettungsscheren, Krankenwagen, Blaulicht….
Mit zittrigen Fingern wähle ich Männes Handynummer. „Der Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar“ sagt die Telefonstimme. Das gibt’s doch nicht! Er war doch gerade noch dran!
Ich wähle wieder und wieder, allerdings ohne Erfolg.

Zwei Stunden später. Inzwischen bin ich bei meiner Tochter. Die Wohnung ist festlich geschmückt, der Tisch ist gedeckt, aus der Küche duftet es köstlich, der Baum funkelt und glitzert und unter ihm stapeln sich die Geschenke. All das steht im herben Kontrast zu unserer Verfassung. Nur das Mumpikind ist bester Stimmung. Es spielt mit einem neuen Holzpuzzel und verdrückt dabei unauffällig ein Plätzchen nach dem anderen. Niemand entreißt dem Kind die Süßigkeiten, wir haben andere Sorgen.
Warum meldet sich der Mann nicht? Ich überlege, die Polizei anzurufen. Aber die Töchter meinen, wir sollten noch etwas warten. Bestimmt würde er jetzt gerade im Krankenhaus durchgecheckt und da könne er ja nicht telefonieren.
Trotzdem versuche ich es weiter. Und endlich!
„Hallo!“
„Männe! Wie geht es dir? Wo bist du?“
„Ich bin im Krankenhaus. Es ist irgendwas mit meiner Schulter. Sonst bin ich ok. Die haben mich komplett auf den Kopf gestellt, mit CT und allem.“

Männe klingt so normal und sachlich, als spräche er über ein Hühnerauge am kleinen Zeh. Er sei von der Autobahn abgekommen, sei eine Böschung runtergerast und habe sich überschlagen. Die Polizei hätte was von geplatztem Reifen gesagt. Man hätte dicke Äste absägen müssen, um an ihn heranzukommen. Aber er habe dann das Auto ohne große Hilfe verlassen. Durch die Frontscheibe, bzw. die leere Fensteröffnung… Das Auto sei natürlich hin! Er sei jetzt in Gotha, sagt er. Und wir sollten auf GAR KEINEN Fall kommen! Jedenfalls nicht heute Abend. Er wolle seine Ruhe haben, er bekäme jetzt ein Bett, was zum Schlafen und fertig.

Wir telefonieren dann noch ein paar Mal hin und her.

Der Heiligabend findet auch noch irgendwie statt, aber das größte Geschenk müssen wir nicht auspacken….

Am ersten Feiertag gibt es kein Familienessen, sondern eine Fahrt nach Gotha. Männe geht es wirklich ziemlich gut, er sieht aber ein bisschen aus wie Frank Stein, ein Auge ist schwarz und ein paar kleine Schnittwunden verzieren seinen Schädel. Das Schulterblatt ist gebrochen, sonst sind keine gröberen Schäden zu vermelden.
Ich darf ihn am zweiten Feiertag mitnehmen! Wir besuchen kurz das Auto, vielmehr, das, was von ihm übrig geblieben ist und räumen es aus. Dann geht’s durch dichten Nebel ab nach Berlin, gleich wieder in ein Krankenhaus zur augenärztlichen Notfallstelle – im Gothaer Krankenhaus konnten sie damit nicht dienen. Da lobe mir die Großstadt! Abends sind wir dann endlich zu Hause. Gerade ist Weihnachten vorbei…

Jetzt liegt Männe im Bett – mit ruhig gestellter Schulter. Er ist doch ein bisschen angeschlagen, lässt sich von mir betüdeln, trinkt Kakao und liest ein neues Buch.

Es ist kalt in der Wohnung. Wir warten auf den Mann, der die Heizung reparieren soll, denn die ist aus falsch verstandener Solidarität mit Männe auch noch in den Krankenstand getreten und produziert weder Wärme noch Warmwasser.

Aber was soll’s.
D a r ü b e r werde ich mich nicht aufregen….

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Frohe Weihnachten!

Euch allen wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest!
Natürlich mit übertrieben viel Besuch-Geschenken-Essen-Schnee-und allem, was dazu gehört!
(Und wer es lieber besinnlich mag, der soll es sich eben schön ruhig machen… hat ja auch was.)

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