Wer ist hier Bluna?

Der Himmel ist blau, die Sonne blendet und wo ist meine Sonnenbrille? Wieso habe ich keine Übergangsjacke? Welche Schuhe trägt man bei 15° C? Muss man wirklich jetzt schon die Socken ad acta legen wie dieser Typ, der in halblangen Hosen vor mir an der Lidl-Kasse steht? Warum zum Teufel bin ICH seit geschlagenen vier Wochen erkältet?
Weshalb fühle ich mich nach dem Winter, der keiner war, wie ein zerzauster Maulwurf, der aus Versehen seinen Kopf aus der Erde steckt und schnell wieder in die gemütliche Finsternis zurück will?
Fragen über Fragen.
Und vor allem: Wann bin ich endlich dran?
Die Langsamkeit liegt eindeutig an den unfähigen Kunden. Der eine friemelt umständlichst sein Kleingeld Cent für Cent hervor, der andere entdeckt einen ‚weißlichen Belag’ auf seiner Avocado und beim nächsten offenbart sich ein ganz gravierendes Problem: Er hat kein Geld. Portemonnaie vergessen, vermute ich.
Unangenehm, aber lösbar. Ist mir auch schon passiert. Da stellt man seinen Wagen bescheiden ab, geht nach Hause und kommt mit der Knete wieder.
Nicht so dieser Herr. Der will- im übertragenen Sinn – eine Art ‚Deckel machen‘. Das klappt vielleicht in seiner Stammkneipe, hier jedoch nicht.
Schließlich verlässt er schnaufend den Laden.
Die Kassiererin – eine bemerkenswert coole Person mit Glatze, Nasenring, Flesh Tunnel und vielen Tattoos – zuckt ungerührt die Schultern: „Den kenn’wa schon, der kommt öfta.“
„Schizo oder Para?“ fragt der sockenlose Mann vor mir.
Sie schüttelt den Kopf und greift nach der ersten seiner zahllosen Bierflaschen. Dann zeigt sie auf ihren Kopf und sagt milde:
„Tzycho eben – jenau wie Sie und icke.“

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12 Antworten zu Wer ist hier Bluna?

  1. Franz schreibt:

    … richtig „geile“ Momentaufnahme … hab selten so intensiv geschmunzelt

  2. hafensonne schreibt:

    Wer regelmäßig an einer stinknormalen Kasse arbeitet, könnte wahrscheinlich sämtliche Fachbücher über Psychopathologien neu schreiben… eigene Erfahrung! Ich empfehle hierzu die Lektüre von Ulrike Sterblich aka Supatopcheckerbunny: Tüte oder sowas.

  3. Heini schreibt:

    Ich bin an der Supermarktkasse ja immer superungeduldig. Versuche mich dann innerlich zurückzuhalten, sonst … keine Ahnung, aber es wird sicher schlimm. Mich nerven wirklich alle anderen Menschen:

    – die Leute, die es wagen, zur gleichen Zeit einkaufen zu wollen wie ich
    – die Kassen-Arbeiterinner und Arbeiter, die jeden Artikel einzeln begutachten und dann mit der Geschwindigkeit der Kontinentaldrift über ihren Scanner ziehen
    – die Menschen vor mir, die ihre Waren nicht richtig aufs Band legen
    – die Leute, die ihr Geld nicht griffbereit haben
    – die Angeber, die in 5 Sekunden bezahlt und ihren Kram weggepackt haben
    – die Ungeduldigen Typen (U20) und Typinnen (Ü70), die auf dem Weg zum Bezahlen „KASSA BITTE“ schreien und sich dann zur freien Kasse stellen stand ans Ende der Warteschlange
    – das Personal des Marktes, dass dann DIESE Kasse auch aufmacht

    Supermärkte führen bei mir zu aktuen Misanthropie-Anfällen…

  4. elfchen1971 schreibt:

    Hahaha, ich sehe Sie vor mir, wie Sie in der Schlange stehen und dabei diesen Blogeintrag ins Handy getippt haben. Oder sogar diktiert?
    😀😀😀👍👍👍

  5. Hauptschulblues schreibt:

    Bluna?
    Das war doch die Limonade meiner Kindheit!

  6. Roland_09 schreibt:

    Ich weiß nicht… irgendwie war ich früher immer schwer beeindruckt von den Ladies an der Kasse, die alle Preise in ihrem Supermarkt auswendig kannten. Da hat kaum mal eine auf ein Preisschild geguckt, jedenfalls kam mir das so vor. Olympiareif. Bestimmt haben die sich mit der Einführung der Scannerkasse alle zu Tode gelangweilt.

    • hafensonne schreibt:

      Bei Aldi waren das nicht mal die Preise, sondern dreistellige Codes, für jeden einzelnen Artikel einen. Wenn man die erstmal draufhatte, waren die Kassierer schneller als mit Scannerkassen. Erst mit der Ausweitung des Sortiments kam Aldi nicht mehr um die Scanner herum…

      • Panama Jack schreibt:

        Jepp, das fand ich auch immer beeindruckend.

        Aber wehe, man geriet an einen, der die Kunst der dreistelligen Codes gerade erst erlernte …

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