Graue Tage

Ich telefoniere mit Carla – sie fahren morgen weg, nach Marokko. Josef bemailt mich, er ist zwar in Rente, arbeitet aber jetzt für ein halbes Jahr in Fernost. Klara lädt mich ein, sie hat sich komplett neu bemöbelt. Frank schickt mir ein Bild seines neuen Kindes, mein Bruder gewinnt ein Smartphone und ich?
Mir soll auch was passieren! Was Schönes, was richtig Bombiges. (Mir fällt gerade auf: Das Wort Bombe ist heutzutage in diesem Zusammenhang auch nicht mehr unbedingt erste Wahl).
Jeden Tag öffne ich den Briefkasten in der Hoffnung, es läge ein Wunder drin. Nicht immer nur Zahnarzt, Finanzamt, Polizeipräsident und Kabel Deutschland.

Nee, lass mal, ist alles gut so, sage ich mir, spinn nicht rum. Frl. Krise. Wenn was passiert, ist das sowieso nur von Nachteil. Ist doch in der Biologie auch so. Mutationen sehr gut angepasster Lebewesen bringen selten etwas Positives. . .
In deinem Alter musst du froh sein, wenn…
Okay, okay! Ich bin ja auch froh. Sehr froh sogar.
Ich scheine gesund zu sein, (ich weiß natürlich nicht, was sich in den Abgründen der Zellen so tut, aber wer weiß das schon?) ich habe Familie, Freunde und eine funktionierende Heizung. Außerdem läuft – obwohl Winter ist – mein Auto, aber meine Nase nicht – und das kann auch nicht jeder von sich behaupten.
Warum schreibe ich das alles?
Keine Ahnung.
Mir war gerade danach.

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23 Antworten zu Graue Tage

  1. Laila schreibt:

    „Außerdem läuft – obwohl Winter ist – mein Auto, aber meine Nase nicht – und das kann auch nicht jeder von sich behaupten.“

    Frl. Krise! Sie sind so lustig!
    Und manchmal muss sowas halt raus.

  2. sanftmut schreibt:

    „Wir wollen nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“ (Montesquieu)
    Um was zu erleben, muss man was tun! An Gewinnspielen teilnehmen, Auslandsaufenthalte vorbereiten, neue Möbel aussuchen, aber den Aufwand sieht hinterher ja niemand. Alle sehen nur das Ergebnis. Aber falls es beruhigt, ich träume auch noch vom Lottogewinn, ohne je Lotto gespielt zu haben ;P

  3. anneinsideoffice schreibt:

    Ich fand heute Nachmittag im Büro, ich bleibe drin und gehe erst nach Hause wenn es Frühling werde. Weil ich keine Lust hatte in die graue, kalte Welt mit starkem Biswind rauszugehen…aber ich ging dann doch und hab jetzt wieder warm.

  4. einestachelbeere schreibt:

    Ich fragte mich kürzlich auch, warum ich immer so begierig den Briefkasten öffne. Als erwarte ich irgendwas. Obwohl ich auch kein Lotto spiele🙂
    Also entweder die Ruhe genießen, oder ein Projekt anpacken. Man will eben immer das, was man nicht hat.
    Liebe Grüße

  5. Hauptschulblues schreibt:

    Ist doch alles prima, oder? Warum nach Entferntem streben?

  6. michathecook schreibt:

    Traurig sein macht keinen Sinn
    Die Sonne scheint doch weiterhin….

  7. pollyglotta schreibt:

    Warum Du das geschrieben hast, weiß ich nicht. Aber Du hast Deine Leser damit zum Lachen gebracht und mir einen gute-gelaunten Tagesstart verschafft. Danke für diesen witzigen Beitrag🙂

  8. michaela schreibt:

    Ja. Es gibt solche Tage.

    Zum Briefkasten-Thema: ich wurde jahrelang von unserem neuen Vermieter gemobbt (nachdem ich seine Avancen, uns aus unserem mietenspiegelgebundenen, alten Mietvertrag rauszukaufen, abgelehnt hatte) und bin nun froh, nach vielen Jahren den Briefkasten wieder ohne Magenschmerzen öffnen zu können. War doch zwischendrin auch mal ’ne fristlose Kündigung oder eine Räumungsklage drin… von den fünf Wasserschäden an unserer Wohnung inklusive Feuerwehreinsatz etc mal ganz zu schweigen.
    Insofern bin ich wohl froh, Post von Kabel Deutschland vorzufinden😉
    Vom Polizeipräsidenten hatte ich allerdings noch nix.

  9. Ulla39 schreibt:

    Wie gut sich zu erinnern, daß man eine funktionierende Heizung hat. Um das Gegenteil zu sehen, muß man nur mal Nachrichten sehen. Und selbst dort, wo gerade mal kein Krieg ist. Eine Bekannte aus Mazedonien, die wegen Formalitäten in diesen Tagen dorthin fahren muß, erzählte von ihrem Telefongespräch mit ihrem dort lebenden Bruder. Sie hat ihn unter anderem gefragt, ob genug Holz da sei. Ich habe den Sinn der Frage erst verstanden, als sie mir erklärte „zum Heizen“.

  10. Frl Kriiiiise! Sie sind doch reich, schön und berühmt! Aber jetzt freu ich mich, daß Sie auch solche Tage haben!

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