Wartezimmerblues

Gehen Ärzte eigentlich mal in ihre eigenen Wartezimmer?
Bestimmt nicht. Sonst würden sie wahrscheinlich schreiend rauslaufen.

Aber was sollen sie auch in ihrem Wartezimmer? Da sitzen doch nur Patienten!
Außerdem waren sie da doch vor zwanzig Jahren schon mal drin, damals, als sie alles für das Wartezimmer getan haben, was man als Arzt tun kann: Sie haben Möbel gekauft, ein paar Zeitschriften und auch eine kleine Auswahl Kinderspielzeug (oder den abgelegten Kram ihrer eigenen Kinder angeschleppt und der ist oft besser, als der neu gekaufte!)
Ja. Und vorher mussten sie auch noch das ganze medizinische Zeug, diese vielen Instrumente und Apparaturen anschaffen – klar. Das war natürlich unsagbar teuer und deshalb litt die Ästhetik des Wartezimmers ein bisschen. Egal, Hauptsache praktisch und langlebig, dachte der Arzt und das war ja auch völlig in Ordnung.
Aber ‚Eins zwei drei, im Sauseschritt
eilt eilt die Zeit – wir eilen mit’ und schwupps – schon sind die Jahre ins Land gegangen. Der Arzt ist inzwischen ergraut, er hat Berufserfahrung angehäuft, eine Familie gegründet und ein Haus gebaut.
Das Wartezimmer aber ist immer noch das alte.
Und so sieht es dann auch aus.
Gestern musste ich zu meiner Augenärztin. Ihre Praxis brummt, man muss wochenlang auf einen Termin warten und dann noch mal mindestens eine Stunde, bis man aufgerufen wird.
Viel Zeit, das Elend genau zu studieren.
Abgewetzte Dielen, an drei Wänden entlang festgeschraubte, unbequeme Stühle mit fleckigen braunen Polstern, in der Mitte ein unfassbar oller Tisch mit TOTAL zerlesenen uralten Zeitschriften, eine wackeliger Garderobenständer, der umzustürzen droht, zwei Grünpflanzen, die mit dem Tode ringen und in der Ecke der Höhepunkt: das Kinderparadies! Ein Minipodest, mit grünem abgenutztem, schmuddeligen Teppichboden und darauf eine Plastikbox mit uraltem Ich-kann-nicht-erkennen-was, auf der die Keime Tango tanzen.
Ach ja und vier Bilder an den Wänden. Fotos. Griechenland und Portugal, glaube ich. Ausgerechnet…

Voll einladend.

Das Wartezimmer meines Hausarztes ist fast noch schlimmer. Seine Stühle sind so durchgesessen, dass ich jedes Mal nach ein paar Minuten Rückenschmerzen bekomme. Immerhin wird bei ihm manchmal Tee aus einer Thermoskanne angeboten.

Natürlich gibt es auch freundliche Wartezimmer, in denen man sich gerne aufhält. Bei meiner Zahnärztin kann man sich auf ein Sofa schmeißen, Wasser trinken und ‚Schöner wohnen’ lesen. Mehr will man doch gar nicht! Und genügend Spielzeug gibt es auch. Das Mumpikind konnte ich neulich mühelos eine Stunde damit befrieden.
Also – geht doch!

Liebe Ärzte – falls hier überhaupt welche mitlesen.
Tut mir EINEN Gefallen. Geht heute nach der Arbeit mal für drei Minuten in euer eigenes Wartezimmer.
Stellt euch vor, ihr wärt krank. Nix Schlimmes, eine Erkältung oder so. Ihr seid also noch fast im Vollbesitz eurer geistigen Fähigkeiten und nicht fiebrig-komatös! Tut, als ob ihr einen Termin hättet und trotzdem eine Stunde warten müsstet!
Setzt euch hin. Und dann guckt euch mal mit Verstand um….

Wenn ihr Hilfe braucht: Ich komme gerne vorbei und mache Probesitzen!

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Dem Coiffeur ist nichts zu schwör

„Wie geht’s, Madame?“ Murat lächelt mich ein bisschen zerstreut an und schiebt mir galant den Stuhl unters Hinterteil.
„Was soll gemacht werden?“
„Schneiden, bitte!“
Murat legt die flache Hand auf meinen Kopf und wuschelt mit gespreizten Fingern durch meine Haare. Das machen die Friseure immer so. Ich weiß nicht, warum. Damit verschaffen sie sich irgend einen Aufschluss, vermute ich. Vielleicht über die Qualität der Haare oder der Kopfhaut. Oder es macht ihnen nur einfach Spaß- wie gesagt, keine Ahnung.
Dann seufzt er.
„Wie immer, Bob?“ fragt er.
„Ja, bitte, aber nicht zu kurz.“
„Da muss Form rein!“
„Äh, ja…“.
„Und Färben!“ sagt Murat.
Das habe ich befürchtet. Widerspruch ist zwecklos.
„Okay!“
Murat schlurft ein bisschen gebeugt von dannen. Es sieht immer so aus, als hätte er Hausschuhe an, dabei trägt er schicke Slipper. Aber er ist auch sehr groß und nicht mehr der Jüngste. Murat sieht überhaupt nicht aus wie ein Friseur , eher wie ein französischer Journalist. Einer aus dem Feuilleton. Er hat auch keine Friseurfrisur, sondern einen leicht schütteren, unregiert-lockigen Kopf. Dazu eine schwarze kleine Lesebrille, ein schwarzer Rollkragenpulli, eine legere, ebenfalls schwarze Hose – und fertig ist sein Intellektuellenlook. Er ist der Chef des Salons – ‘Coiffeur Murat’ steht draußen auf dem Ladenschild.
Da schlurft er auch schon wieder herbei mit der angerührten Farbe in der Hand.
„Selbst gefärbt, was?“ fragt er streng, scheitelt mein Haar und beugt sich hinunter, wahrscheinlich, um das Elend besser in Augenschein nehmen zu können.
„Hm,“ sage ich demütig. Ich war ja bestimmt ein halbes Jahr nicht mehr hier. Und Selbst-Färben ist absolut pfui! Jedenfalls findet Murat das.
„Das Haar ist überfärbt!“ stellt er traurig fest .
„Aber ich habe doch immer nur die Ansätze…,“ versuche ich mich zu verteidigen.
Murat schüttelt leicht den Kopf und schweigt.

Dann muss die Farbe einwirken und ich besehe mich derweil im Spiegel. Wie ich aussehe! Katastrophe! Aber ich bin nicht allein. Ich habe mal gelesen, dass sich Frauen beim Friseur während der gesamten Prozedur extrem hässlich finden. Es gab eine Studie dazu…
Die Frau neben mir sieht zum Glück auch nicht viel besser aus. Sie hat eine Million winzigster Lockenwickel auf dem Kopf. Bestimmt Dauerwelle. Voll Achtziger. Ich wusste gar nicht, dass es noch Menschen gibt, die so was haben wollen. Dummerweise sitzen wir in so einer Art Schaufenster und die Passanten wechseln, glaube ich, extra die Straßenseite, um einen Blick auf uns zu werfen Ich lege die Brille ab. Dann sieht man mich nicht so gut.
Murat bringt mir zum Trost Kaffee und einen ‚Spiegel’. „Das lesen Sie doch gerne, Madame“, sagt er und verbeugt sich leicht. Er muss ein irre gutes Gedächtnis haben, jedenfalls besser als meins, denn ich kann mich gar nicht dran erinnern, hier schon einmal den ‚Spiegel’ gelesen zu haben.

Später beim Schneiden sagt er bekümmert: „Die Spitzen sind sehr, sehr schlecht.“ Es hört sich so an, als spräche er über den Verfall von Sitte und Moral.
„Bestimmt, weil ich oft ins Schwimmbad gehe,“ beeile ich mich zu erklären.
Murat senkt den Blick und murmelt etwas. Ich bin erkältet, meine Ohren sind dicht und ich kann nicht verstehen, was er meint. Vielleicht besser so.

Dann ist es überstanden. Murat, der einzige Mensch auf Erden, der es schafft, meine Haare ganz glatt zu fönen, hat sich wieder mal selbst übertroffen. Der Bob sitzt, die traurigen Spitzen sind Vergangenheit und die Farbe meine Haare war nie so schön wie heute.

Murat ist plötzlich strahlender Laune, er wuschelt mir Abschied nehmend noch einmal die ganze Pracht durch, fegt noch einen Hauch Haarspray durch die Luft, der mich wie ein Schleier umweht, charmiert mich zur Kasse, hilft mir in den Mantel, reißt die Tür auf und verabschiedet mich mit den Worten: „Bis bald, Madame Krise!“

Au revoir, Murat. Wir sehen uns wieder. Aber so ganz bald bestimmt nicht…

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HELP! 2

Sie kramt in ihrer Handtasche. Ohne Erfolg.
“Sie müssen doch so Zettel ausfüllen,” sagt sie, “wie lange ich hier war und so. Und unterschreiben.”
Doch leider hat sie das Formular vergessen. Ich wundere mich über gar nichts mehr.
Paula wird energisch. Sie weigert sich ohne Unterschrift zu gehen und wir machen uns auf die Suche nach einem Stück Papier. Schließlich finde ich einen Kassenzettel von der Tanke in meinem Portemonnaie. Auf den Rand desselben schreibe ich auch, dass ich DRINGEND einen Rückruf der Agentur erwarte.
Paula ist sehr unzufrieden mit diesem Text und mir.
“Aber ist schon okay,” gibt sie sich versöhnlich beim Abgang. “Ich hab was gelernt bei Ihnen. Jetzt weiß ich wenigstens, wie viel der Chef mit meiner Arbeit verdient. Na, dem werde ich morgen was erzählen!”

Ich putze weiter. Komisch, jetzt, wo Paula weg ist, zerbröckelt auch meine Motivation, aber…
Das Telefon klingelt. Die Agentur.
“Frl. Krise, alles in Ordnung?”
“Ganz im Gegenteil,” rattere ich los und dann bekommt die reizende Dame allerlei von mir zu hören. Sie seufzt mitfühlend und bedauert mich überschwänglich, schüttelt fernmündlich den Kopf über Paula – “sie ist noch in der Probezeit ” – bietet mir an, noch rasch jemand anderen zu schicken (bloß nicht!), will mir entgegenkommen, was den Preis angeht – “ich rede noch heute mit dem Chef”- und so weiter und so fort.

Als ich endlich mit der Arbeit fertig bin und ermattet und schwer beladen gehen will, fällt mein Blick auf eine kleine verhärmte Plastiktüte, die einsam und im allein im Flur liegt.

Inhalt: Eine ‘Gala’, das gesuchte Formular und ein Fensterabzieher.

Paula, diese Törin… ich bin geneigt, die Tüte schmucklos in der nächsten Mülltonne zu versenken, nehme sie dann aber doch mit.

Am nächsten Tag ruft Paula an. Sie sei auf dem Weg zu mir und habe das Formular dabei, das ich unterschreiben müsse.
“Nicht nötig! Ich hab eins hier, ich schicke es mit der Post!” versichere ich , aber das nützt mir nichts.
“Ich muss doch meinen Abzieher holen und ich bin gleich da,” verkündet sie und der Chef sei sehr böse gewesen, weil sie mit einem Aralzettel kam und ich so schlecht über sie gesprochen hätte und wo sie denn aus dem Bus aussteigen müsse und wie dann weiter? Rechts rum oder links? Und welche Hausnummer?
Sie ruft noch zweimal an. Die BVG! Wer blickt da schon durch…

Stunden später.
Es klingelt. Paula. Sie schnauft wieder die Treppe hoch, ist aber bestens gelaunt, viel besser als gestern, berichtet, dass sie dem Chef ordentlich die Meinung gegeigt habe, erkundigt sich, wie viel Miete ich zahle, fragt, ob in meinem Haus noch eine Wohnung frei sei – ihr blöde Makler sei eine Niete – präsentiert mir das Formular, wundert sich, dass ich schon eins habe und dann fällt ihr auch noch ihre ‘Gala’ und der Abzieher ein.
Ich unterschreibe, lasse mich in kein Gespräch verwickeln, schließe schnell die Tür hinter ihr und schlage ein Kreuz.

Übrigens verhielt sich die Agentur einsichtig, was die Bezahlung anging.
Paula arbeitet jetzt woanders.
Und ich putze immer noch ungern.

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HELP 1

Marie ist umgezogen. In eine schöne Wohnung, in der noch viel gemacht werden soll. Sehr viel.
Beruflich hat sie gerade auch einiges um die Ohren und die Übergabe der alten, inzwischen renovierten Wohnung macht ihr Bauchschmerzen.
„Die sind pingelig. Aber WIE!“, sagt Marie . „Kannst du dir nicht vorstellen! Da kam ein Mann von der Hausverwaltung, der hat ein mehrseitiges Protokoll mitgebracht, in dem alles steht, was überprüft wird. Hier, guck selbst! Unsere Kaution ist sonst flöten. Keine Ahnung, wann wir das auch noch machen werden.“
Fenster, Türen, Böden, Fußleisten, Heizungsrohre, Küchenschränke, Kühlschrank, Herd, Heizkörper, Steckdosen, Waschbecken, Abzugshaube, Dusche, Glastüren, Klo, Fliesen, Einbauten, Fensterbänke, Balkon und ich weiß nicht, was noch alles, sind penibel zimmerweise aufgeführt.
Die Wohnung ist gut in Schuss, finde ich. Mal durchwischen, Fenster putzen – aus die Maus. Das macht man ja auch normalerweise. Gut, ein paar Farbspritzer auf den Fliesen. Hm, die großen Fenster… na gut, wer putzt schon noch Fenster, wenn er weiß, dass er bald umziehen will.

„Pass mal auf,“ sage ich generös. „Ich kümmere mich drum, du hast ja wirklich noch genug zu tun.“ (Im Gegensatz zu mir, ich bin ja im Pensionat.)
Nun bin ich allerdings nicht gerade eine begeisterte Hausfrau, deshalb trachte ich nach Hilfe.
Im Netz lese ich mich quer durch die Welt des modernen Putzmanagements:
Da werden in sogenannten ‘Agenturen’ „kompetente Haushaltshilfen“ angeboten, die „faire Löhne“ erhalten und „betriebshaftpflichtversichert“ und „sozialversicherungspflichtig“ sind.
Das gefällt mir. Ich lese und lese und suche mir eine Agentur heraus, die gute Kundenbeurteilungen hat und mir irgendwie gefällt.
Die Dame am Telefon ist ganz reizend. Ich habe das Gefühl, sie würde am liebsten sofort durchs Kabel kriechen, um mir zur Hand zu gehen. “Sieben Fenster,” sagt sie, na, da wäre doch das Beste, wenn ZWEI ihrer fabelhaften Kräfte kämen, einer zum Fensterreinigen, der andere für den Rest. Das würden sie immer so machen.
Super. Ich bin sehr zufrieden mit mir.

Der Tag der großen Aktion bricht an. Pünktlich kurz vor 9.00 Uhr schleppe ich sämtlich Putzgeräte und -mittel (das ist nämlich Kundensache) in die leere Wohnung und fange schon mal mit der Einbauküche an. Das macht echt voll Spaß, leere Schränke auszuwischen, nur der Backofen macht mir ein bisschen Sorgen. Ich neble ihn ein und erst um 9.11, als mein Handy klingelt, fällt mir auf, dass ich immer noch alleine bin.
„Frl. Krise? Hier Agentur Wischmopps. Tut mir leid, Frl. Krise, aber..“
Mein Herz bleibt stehen. Im Internet beschwerten sich immer wieder Kunden sämtlicher Agenturen darüber, dass die Reinigungskräfte nicht erschienen seien und das wäre jetzt die Höchststrafe, denn die Wohnungsabnahme ist schon morgen.
„ …Frau Müller, die bei Ihnen arbeiten sollte, musste noch überraschend mit Ihrer Mutter zum Arzt. Ein Notfall. Sie wird etwa in einer halben Stunde bei Ihnen sein!“
Mein Herzschlag setzt wieder ein. Uff – gerade nochmal gut gegangen.

Die Küche zieht sich. Wie viele Schränke das sind! Und so viele Einlegeböden. Der Kühlschrank, der Tiefkühler, der Herd… und wo bleibt eigentlich Frau Müller?

Endlich klingelt es. Frau Müller. Sie kommt schnaufend die Treppe hoch und ist, obwohl erst höchstens Mitte Zwanzig, total aus der Puste und fix und foxi. Na ja, sie wird sich höllisch beeilt haben, denke ich und erkundige mich teilnahmsvoll nach dem werten Befinden ihrer Mutter.
„Was, Mutter?“ fragt sie und sie hieße auch gar nicht Frau Müller, sondern Paula. Sie ist die Vertretung für Frau Müller!
Sie blickt sich in der Wohnung um, seufzt und tut ihre Absicht kund, nur die Fenster zu putzen.
Ich rufe sofort die Agentur an.
Die reizende Dame ist nicht da, aber eine andere, nicht minder nette. Die weiß aber leider nicht Bescheid und so muss ich noch mehrere Male telefonieren, bis Paula endlich eine klare Ansage bekommt.
Alles putzen. ALLES!
Paula hat dazu sichtlich wenig Lust, und ich fürchte, auch nicht das Durchhaltevermögen. Mir schwant nichts Gutes.
Immerhin fängt sie jetzt endlich an.
Sie putzt sehr gründlich und sehr langsam das erste Fenster.
Zwischendurch bimmelt immer mal wieder ihr Handy oder eine SMS muss beantwortet werden, sie raucht mal rasch eine auf dem Balkon, isst eine kleine Stulle, trinkt ein Käffchen, beklagt sich über fehlende Handschuhe und kommt nicht so recht voran.
Ich ackere mich derweil durch die Küche, putze auch gleich das Fenster, die Heizung und den Boden und sehe dann mal wieder nach Paula.
Die telefoniert gerade mit dem Makler ihres Vertrauens. Sie sucht eine neue Wohnung und der Makler ruft im Halbstundentakt an. Sie bittet mich, mit ihm zu sprechen, sie verstehe nicht, was er wolle. Ich versehe es auch nicht, knirsche mit den Zähnen und sage ihm by the way, er störe Paula bei der Arbeit. Nun ist sie beleidigt und ich bin es schuld, wenn sie keine schöne Wohnung findet. Es geht auf zwölf zu, das erste Fenster ist fertig und ich bin auf 180.
In der Agentur geht niemand ans Telefon, die werden schon wissen, warum, denke ich erbittert und verfluche meine blöden Ideen. Wegschicken kann ich Paula auch nicht, morgen muss alles fertig sein und alleine schaffe ich es nicht.
Also verfüge ich mich ins Bad. Klo, Dusche, Badewanne, Waschbecken, Einbauschr… Paula erscheint, um sich frisches Wasser zu holen.
Ihre Stirn ist umwölkt, ihre Laune im Keller. Ja, sie ist schwer sauer, sagt sie und sieht mich feindselig an. In der Küche auf dem Tisch läge ein Zettel, den sie zufällig gelesen habe. Auf dem stünden meine voraussichtlichen Kosten. Das wäre ja die Höhe! SIE bekäme nur 7 Euro die Stunde! Das findet Sie nicht korrekt und ich auch nicht – fairer Lohn ist etwas anderes – aber ich fühle mich momentan schuldlos und die Wohnung MUSS fertig werden. Paula! HEUTE!
Paulas Arbeitsmoral ist nach der niederschmetternden Entdeckung völlig down. Ich hingegen putze dank zahlreicher Adrenalinschübe wie eine Wilde.
Nach vier Stunden hat Paula zweieinhalb Fenster gesäubert. Ich bin mit dem Bad fertig, inklusive Fenster, und habe bereits angefangen die Räume zu wischen.
Paula ist schwer angeschlagen, sie kann einfach nicht mehr. Immer diese Leiter rauf und runter…

ES REICHT! Ich bin kurz vorm Platzen. Wohnung hin, Sauberkeit her. Ich ‘kündige’ ihr kurzerhand.

Paule scheint nicht übertrieben traurig. Sie kramt in …

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Hallo, ihr Touries!

Wenn Leute mit Rollkoffer draußen vor der Haustür stehen und mit dem Schlüssel im Schloss herumstochern, dann weiß ich gleich: Aha, Touristen!.
Ich sage dann ‚Hello’, helfe, die Tür aufzuschließen – ich hab zwar was gegen Ferienwohnungen, aber ich muss ja auch ins Haus rein – und beantworte Fragen, sofern sie in einer Sprache gestellt werden, die ich verstehe.
Manchmal stell ich mich auch dumm.
Und wenn es nachts laut wird – so wie heute Nacht um halb vier, dann erinnere ich mich – ach ja, die Touristen von heute Nachmittag! Die kommen wohl gerade zurück von einer langen Kreuzberger- oder Was-weiß-ich-für-ein-Bezirk-Nacht, stolpern unten durch den Flur und singen laut im Hof.

Ich hab neulich gegoogelt. War ganz leicht, musste ja nur meine eigene Adresse eingeben. Ergebnis der Recherche: Zwei Ferienwohnungen gibt’s im Hinterhaus, mit je zwei Zimmern, Küche und Bad. Alles aufwendig saniert. Nicht direkt mein Geschmack, aber egal, ich wohne ja schon.

Dann lese ich in der Beschreibung:
“Sie werden sich wohlfühlen. Auch alle Nachbarn im Haus sind sehr ruhig, freundlich und hilfsbereit“!
Ach, nee !? ICH bin Teil dieses Projekts? Der Vermieter verkauft meine Höflichkeit und Nettigkeit? Schön, dass ich das auch mal erfahre. Und was hab ich davon?
Nachts Krach und den Unmut, an einem Projekt ‚beteiligt’ zu sein, das normalen Wohnraum in Billigunterkünfte umwandelt. Ausgerechnet Zwei-Zimmerwohnungen, die so gesucht sind. Bestimmt nicht mal angemeldet, das Ganze!
Kurz bin ich in Versuchung den Vermieter anzuschreiben, aber lasse es dann doch… die Bezirke kontrollieren eh nicht.

Ich versuchs jetzt erst mal hier:
Also! Falls ihr demnächst nach Berlin kommen wollt, zu Ostern oder so, dann tut mir einen Gefallen, nehmt euch ein Zimmer in einem Hotel oder in einem GuestHouse oder so was.
Keine Ferienwohnung.
Und schon gar nicht eine Ferienwohnung in meinem Haus. Ihr würdet es bereuen…

Ich kann nämlich verdammt unfreundlich und rücksichtslos sein!

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petits fantômes

Ich mag Individualisten. Die sind mir tausendmal lieber als genormte Langeweiler.
Nur bei meinem Auto sieht die Sache anders aus. Das soll, bitte schön fahren – einfach normal fahren – ganz ohne Extravaganzen und Marotten.
Aber nein, mein Auto ist ein kleiner Franzose. Es heißt „Krasses Pferd“ und es hat beaucoup d’idées folles.

Am Samstag fahren wir mit Krasses Pferd durch die Stadt. Also ich vorne, neben mir Männe und hinten meine Tochter Marie.
Wir sind alle drei vorschriftsmäßig angeschnallt – natürlich. Wäre anders gar nicht möglich, denn Krasses Pferd hat auch eine tyrannische Seite: Sollte man es wagen, unbefestigt anzufahren, lässt es auf der Stelle ein grauenhaftes Gedüdel los- ein Gedüdel im Crescendo, ein Gedüdel, das auf der nach oben offenen Decibelskala sicher zum Ertauben führen würde, wenn man nicht klein beigäbe.

Wir setzen Marie vor ihrer Wohnung ab – winke, winke, tschüss und weiterfahren.
Gedüdel.
„Bist du nicht angeschnallt, Männe?“
„Wollte ich dich gerade fragen!“
Wir blicken uns an. Hä?
„Was zu Teufel…“, sagt Männe, „bleib noch mal stehen!“
Ich halte.
Ruhe.
Ich fahre los.
Gedüddel.
„Gibt’s doch gar nicht!“
Ich bleibe stehen.
Ruhe.
Männe seufzt und krabbelt nach hinten. Er schließt Maries Gurt.
„So“, sagt er zufrieden. „Ist zwar unsinnig, aber von mir aus!“
Ich fahre los.

Gedüdel.
Lautes Gedüdel.
Sehr lautes Gedüdel.

Ich halte an.
Wir sind ratlos. Zwei Menschen im Auto. Drei davon sind angeschnallt.
Was will Krasses Pferd noch?

Zu guter Letzt schließt Männe alle drei Gurte hinten.

Jetzt ist Ruhe. Gott sei Dank!

Krasses Pferd ist offensichtlich der Meinung, dass die Geister, die sich auf den Rücksitzen befinden, angeschnallt sein müssen.

Na ja, steht zwar in keiner Straßenverkehrsordnung, aber kann man ja irgendwie auch verstehen…

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Graue Tage

Ich telefoniere mit Carla – sie fahren morgen weg, nach Marokko. Josef bemailt mich, er ist zwar in Rente, arbeitet aber jetzt für ein halbes Jahr in Fernost. Klara lädt mich ein, sie hat sich komplett neu bemöbelt. Frank schickt mir ein Bild seines neuen Kindes, mein Bruder gewinnt ein Smartphone und ich?
Mir soll auch was passieren! Was Schönes, was richtig Bombiges. (Mir fällt gerade auf: Das Wort Bombe ist heutzutage in diesem Zusammenhang auch nicht mehr unbedingt erste Wahl).
Jeden Tag öffne ich den Briefkasten in der Hoffnung, es läge ein Wunder drin. Nicht immer nur Zahnarzt, Finanzamt, Polizeipräsident und Kabel Deutschland.

Nee, lass mal, ist alles gut so, sage ich mir, spinn nicht rum. Frl. Krise. Wenn was passiert, ist das sowieso nur von Nachteil. Ist doch in der Biologie auch so. Mutationen sehr gut angepasster Lebewesen bringen selten etwas Positives. . .
In deinem Alter musst du froh sein, wenn…
Okay, okay! Ich bin ja auch froh. Sehr froh sogar.
Ich scheine gesund zu sein, (ich weiß natürlich nicht, was sich in den Abgründen der Zellen so tut, aber wer weiß das schon?) ich habe Familie, Freunde und eine funktionierende Heizung. Außerdem läuft – obwohl Winter ist – mein Auto, aber meine Nase nicht – und das kann auch nicht jeder von sich behaupten.
Warum schreibe ich das alles?
Keine Ahnung.
Mir war gerade danach.

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