Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Beim Herausfahren aus dem Hinterhof hatte mein Auto kurzfristig die Kontrolle über mich verloren.
Es schrammte mit einem ekelhaften Geräusch an der Hausecke entlang.
Kotflügel hinten rechts!
Und alles nur, weil es sich nicht in den Schacht stürzen wollte, an dem die beiden Arbeiter, die uns mit aufgerissenen Augen ansahen, schuld waren.

Mein Auto und ich, wir hatten schon die ganze Zeit ein bisschen Mühe gehabt, die durch die Baustelle verengte Ausfahrt zu nehmen, aber ausgerechtet jetzt, als die Männer dabei waren, die Grube wieder zu schließen, musste ES passieren.
Mit dem Kreischen des Blechs in den Ohren fuhr ich ganz cool weiter, so als ob nichts passiert wäre. Erst an der nächsten Bushaltestelle kletterte ich aus dem Auto, um mir den Schaden anzusehen. Der Kotflügel war auf einmal nicht mehr angenehm gerundet, sondern ganz platt. Außerdem hatte die Tür auch noch ein paar Kratzer.
Und die Farbe! Die war ziemlich ab. Sah aus wie eine überdimensionierte Schürfwunde.
Toll.
Das würde nicht billig kosten! Früher hätte man die Stelle ein bisschen ausgebeult und dann überlackiert, aber heutzutage würde garantiert ALLES – also die komplette Karosserie – erneuert werden müssen. Puh!
Ich beschloss, erst mal ein bisschen Gras über die Sache wachsen zu lassen…

Dann lieh sich meine Tochter Luise den verletzten Wagen aus.
Ich passte im Gegenzug auf das Mumpi auf. Stunden später, gegen Abend, als ich dem inzwischen leicht quengeligen Kind mehrfach erklärt hatte, dass die Mama ganz bestimmt BALD käme, klingelte das Telefon.

„Du, Mamaaaa…“ sagte Luise. Damit war jetzt ich gemeint.
„Ist was? Wo bist du? Ich dachte, du wolltest um sechs wieder hier sein?“
„Janein, also ja. Wollte ich. Aber ich habe… äh… ich bin jetzt immer noch in der Friedrichsstraße.“
„Immer noch? Warum das denn?“
„Ja, ich warte nämlich auf die Frau, der das Auto gehört.“
„Welches Auto?“
„Ja, will ich dir doch gerade erzählen. Also, ich habe gewendet hier auf dem Parkplatz, und ich weiß nicht wieso, aber ich hab den Abstand irgendwie nicht richtig eingeschätzt und da bin ich ein bisschen gegen das Auto gefahren. Sorry. Tut mir echt leid.“
„WAS? Gegen welches Auto?“
„Na, gegen DAS Auto. BMW. Von der Frau, auf die ich warte. Ihr Vater ist schon da, er sagt, sie müsste auch gleich kommen.“
Na, das war ja…. Vor meinem inneren Auge erstand mein armes Auto. Es sah erbärmlich aus. Rundrum zerblöttscht, wie der Rheinländer sagen würde.
Meine Tochter lachte.
„Warum lachst du?“
„Mama…hehehe…“
„Sehr komisch! Mein Auto kaputt fah…“
„Nein, nein! Hör erst mal zu! Also, es ist nicht ganz so schlimm, wie du denkst. Es nämlich genau derselbe Kotflügel, den DU auch schon angetickt hast. Hinten rechts!“

So war es. Die Schadstellen lagen direkt übereinander. Sozusagen.
Das irritierte die Gutachter, die versicherungsmäßig eingeschaltet wurden, schwer.
War das jetzt EIN Schaden? Oder waren es doch ZWEI? Wie sollte das nun bewertet werden?
Schließlich, nach langem Hin und Her, entschieden sie, dass der zweite Schaden geringer sei als der erste und deshalb das Ganze als EIN Schaden zu sehen sei.
Das fand ich sehr vernünftig.

Jetzt ist mein Auto wieder heil.
Und die Werkstatt hat es sogar innen und außen gesäubert – das war aber auch wirklich mal nötig…

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Melange

Das Leben lässt sich nicht anhalten.
Und doch… in den letzten Tagen hatte ich das Gefühl, die Zeit bliebe stehen, obwohl oder vielleicht gerade deshalb, weil so viel geschah.
Ich hatte keine Lust zu posten. Auch nicht zu den schrecklichen Taten in Paris. Da hat es mir die Sprache verschlagen.

Aber es geht ja immer weiter. Und wenn es schon draußen regnet, dann vielleicht wenigstens ein kleiner Spaziergang über den virtuellen Marktplatz…

Hier wurde mir einiges geboten:
Einer meiner ehemalige Schüler aus Hessen, der schon weit in den Vierzigern ist, ergeht sich mal wieder unter anderem über die „Lügenpresse“. Ein anderer, deutlich jüngerer und arabischstämmiger Ehemaliger schwafelt von „westlicher Hetzpresse.“
Wie sich die Begriffe ähneln!

Der erste meiner Ehemaligen suchte gestern Mitfahrer nach Dresden. Er will zur Montagsdemo – äh, nein, zum „Pegida – Trauerzug“ nach Dresden fahren. Wenn der da mal nicht einiges durcheinanderbringt…

Der andere hält offensichtlich nichts von der Mahnwache des Zentralrats der Muslime morgen am Brandenburger Tor. Ob er sich mit Horst Seehofer abgesprochen hat?

So viel zu meinen „Freunden“ – das kann ja noch alles heiter werden.

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Muss ich mal los werden…

Mann, oh Mann – Pegida, Bärgida, Kögida – wie mich das ankotzt.
In Dresden gerieren sie sich als ‚das Volk’ und auch in Berlin ziehen sie bereits seit Wochen jeden Montag in Marzahn herum (wegen eines Containerheims für Asylsuchende – übrigens wochenlang fast komplett übersehen von Presse, Funk und Fernsehen).

In Köln und Berlin haben sie ihnen gestern das Licht abgedreht. BRAVO!

Ich habe nicht das geringste Verständnis für diese Demonstrationen. Ich schäme mich, dass es so etwas in Deutschland gibt.
Gerade war Weihnachten. Alle haben groß gefeiert. Und was? Die Geburt eines Kindes. Eine Geburt, die leider in einem Stall stattfinden musste – weil keiner die junge Familie aufnehmen wollte. Ha!
Und dann singen die auch noch Weihnachtslieder auf so einer Pegida – Demo. Ach nee, Verzeihung auf so einem ‚Spaziergang’. Crazy.
Sollte bestimmt was mit ‚deutscher Leitkultur’ zu tun haben, oder? Christliche Nächstenliebe scheint aber nicht dazu zu gehören, also zur Leitkultur…

Natürlich müssen wir Flüchtlinge aus Krisengebieten aufnehmen. Kann man so was überhaupt ernsthaft diskutieren? NEIN, wir sind ein reiches Land. Und auch wenn wir das nicht wären… !

Natürlich wird es bei der Aufnahme Probleme mit Einzelnen geben. Gibt es doch immer, wenn es um Menschen geht – egal, welcher Nationalität. Es soll ja sogar Deutsche geben, die hier und da Probleme machen.

Und was die Integration angeht: Die Integration der Flüchtlinge wird wahrscheinlich leichter sein, als die Glatzen zu integrieren, die in Marzahn und anderswo zugange sind. Als ich die in Aktion gesehen habe, ist mir schlecht geworden….

Aber was ist es, das gerade in Dresden Tausende angeblich ‚konservativ – bürgerliche’ Bürger auf die Straße treibt?
Die vor der Tür stehende Islamisierung und drohende Überfremdung im Tal der Ahnungslosen kann ja kaum schuld sein – bei dem verschwindend geringen Ausländeranteil in Sachsen. Außerdem gab ja wohl noch etliche, die aus der gesamten Republik anreisten – scheint eine seltsame Mixtur zu sein, die aus sozialer Unzufriedenheit, sich zu-kurz-gekommen fühlen, Unaufgeklärtheit und Rückwärtsgewandtheit besteht und dem Glauben daran, die Welt ließe sich fein ordentlich in Gute und Böse einteilen. Wie damals im Märchen.
Damit wird schwierig umzugehen sein….

Aufklärung, Weltoffenheit und Toleranz gingen jedenfalls nicht mit.
Die müssen jetzt alle anderen schleunigst einbringen….

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Ach soooo!

„Komm, wir warten draußen,“ sage ich zum Mumpikind. Manche Geschäfte sind mit einer Zweijährigen echt eine Zumutung. Soll Mumpis Mama mal schön ohne uns in das winzige Lädchen gehen, um ihre Gewürze zu kaufen.

Eine Frau bleibt neben uns stehen. Sie macht sich nicht die Mühe, ihren Kinderwagen in den Laden zu quetschen, sondern lässt ihn vor der Tür stehen – bewacht von ihrer etwa dreizehnjährigen Tochter.

Das Mumpikind ist erfreut. “DA! Ein Baby!“, sagt es, und setzt sich in Bewegung.
Die Mädchen lächelt Mumpi an. „Junge, wa?“ fragt sie in meine Richtung Ich schüttele den Kopf. „Nein, das ist ein Mädchen.“
Die große Schwester zieht eine Augenbraue hoch.
Mumpi steht schon neben dem Kinderwagen. „Oma tommmal her!!“ befiehlt sie. „Ich will das Baby sehen!!“
Gehorsam hieve ich sie in die Höhe und pralle geblendet zurück. Eine Symphonie in Rosa! Das ganze Innenleben des Wagens, die Decke, das Kissen, das Jäckchen, das ganze Baby – alles ist knallrosa.
„Aha, ein Mädchen!“ stelle ich überflüssigerweise fest.
(Das arme Mumpikind ist ganz in unmädchenhaftes Dunkelblau gewandet. Deshalb die Augenbraue… )
Die große Schwester nickt. „Ja, ist Mädchen! Ist drei Monate, aber voll klein, weil sie kam in Oktober, dabei sollte sie erst in Dezember kommen.“
„Ach je!“
„Ja, wa?!“ Die Schwester schuckelt den Wagen ein bisschen hin und her. „Sie war voll lange im Krankenhaus, weil sie war Frühling!“
„????“
Die große Schwester sieht mich ein bisschen zweifelnd an. „Na ja, Frühling!“, wiederholt sie. „Sagt man doch so, wenn Baby zu früh kommt!“

Ach soooooo! Ich verstehe! Früh-LING, na klar! Was sonst!
Wenn ich Spätling nur nicht immer so was von begriffsstutzig wäre…

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Oxidativ beölt….

Der Verkäufer – ach nee. so selbstbewusst, wie der sich hier vor mir aufbaut, ist es der Inhaber – sieht mich an, als hätte ich ihm einen unsittlichen Antrag gemacht. Dabei habe ich nur harmlos gefragt, ob ich in seiner feinen ‚Parkettmanufaktur’ ein Reinigungs-und/oder Pflegemittel für meinen Dielen- bzw. Parkettboden erwerben könne.
„Was haaaben Sie denn überhaupt für einen Boden?“, fragt er leicht angewidert, „lackiert, oxidativ geölt, UV geölt, gewachst?“
„Das weiß ich gar nicht so genau,“ sage ich unschlüssig. „ Ich wische bisher immer mit so einem Mittel, äh… mit so einer Art Pflegeseife. Damit wird alles sauber und glänzt auch schön.“
„Ach, Sie wissen also nicht, was Sie für einen Boden haben! Hmpf!“ Verächtlich mustert mich aus schmalen Augen.
„Janein,“ sage ich ein bisschen ratlos. In meinem Kopf rattert es.
Ist es vielleicht strafbar, nichts über die Genese seines Parketts zu wissen? Warum guckt der mich so überheblich an? Stimmt was nicht mit MIR? Darf hier nicht jeder rein? Sehe ich so aus, als könne ich mir keine Dielen und schon gar kein Parkett leisten? Vielleicht nicht mal einen FUSSBODEN? Gut, ich bin mit dem Rad durch den Regen gefahren und mache gerade nicht viel her, aber trotzdem… Was zum Teufel hat dieser Typ? Der soll mir jetzt was empfehlen und dann nehm’ ich das und nichts wie raus aus dem Laden.
„Meine Vermieterin hat mir beim Einzug den Tipp mit der Seife gegeben,“ erzähle ich in der Hoffnung, das Verkaufsgespräch noch herumzureißen. Ich MUSS nämlich heute unbedingt die Küche putzen! Die Dielen kleben total, vorgestern hab ich in einem Anflug von Wahnsinn mit dem zweijährigen Mumpikind Pizza gebacken.
„Bisher hab ich mir dieses Zeug in so einem Fußbodengeschäft in der Kennedystraße geholt, aber jetzt kam ich gerade hier vorbei und da dachte ich, SIE haben doch bestimmt auch…“
Ich zeige auf das große Regal an der Wand und verrenke mir ein bisschen den Hals um zu sehen, welche Pflegeprodukte dort stehen. Gibt es Fußbodenseife? Aber der Mensch versperrt mir absichtlich die Aussicht und sagt in voll arrogantem Ton:
„Das glaube ich Ihnen nicht, dass Ihnen ein Fachgeschäft so etwas verkauft hat!“
„Wie bitte?“
Will der damit sagen, ich lüge? Ist der jetzt ganz übergeschnappt?
Bevor ich mich noch gefasst habe, holt der feine Herr Parkettmanufaktur schon zum nächsten Schlag aus: „ICH verkaufe Ihnen jedenfalls nichts. Wir sind ein Fachhandel! Nachher machen Sie mich noch haftbar, wenn ein Schaden am Boden entstanden ist!“
Langsam, ganz langsam fange ich an, mich zu ärgern.
Er legt schnell noch einen drauf: „Gehen Sie doch zu DROSPA und kaufen Sie sich DA was für Ihren Boden!“

HALLO?
So, jetzt reichts.

Ich hole zweimal tief Luft – bloß nicht laut werden!- wende mich halb ab und sage leise, aber deutlich hörbar: „Vielen Dank für die NETTE Beratung! Da geh ich wirklich lieber zu Drospa als in Ihren Scheißfachhandel! Auf Wiedersehen!“.

Ja – hab ich gesagt…Scheißfachhandel. Und hab es auch genauso gemeint!

„UNVERSCHÄMTHEIT! So was! Verlassen Sie mein Geschäft! SOFORT Und kommen Sie nie wieder!“
Der Typ läuft knallrot an und stürzt zur Tür. Aber ich bin schneller und schon draußen.

Es schneit. Ich stülpe mir wütend die Mütze auf, knalle das Bügelschloss über den Lenker und schiebe mein Rad ein Stückchen weiter. Aufsteigen geht nicht. Ich habe plötzlich den totalen Lachflash.
Hahaha…rausgeschmissen…hahaha….Parkett-MA-NU-HU-Hu-Hu-FAK-TUR… fuck…Seife…’und kommen Sie nie wieder’…hahahaha…

Ich latsche kichernd zum Bioladen -UV beöhöhölt- um die Ecke -hahaha-, die haben doch bestimmt was für Holzböden. Und genau das hatten sie auch.
Drospa! Pöh!

Abends bin ich dann doch mal auf die Website von der tollen Manufaktur gegangen. Ich wollte nur mal gucken, ob…und siehe da: Dick und fett wurde unter dem Stichwort ‚Pflege’ neben diversen anderen Produkten sogar Holzbodenseife angeboten – und die sogar: „…seit Jahrhunderten erprobt“!

Das staunt der Laie… und was macht der Fachmann?

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Schöne Aussichten

Mir ist leicht übel. Der Boden schwankt unter meinen Füßen, die Tischplatte schlägt Wellen und mein Nacken schmerzt.

„Oho,“ ruft jetzt der Leser aus. „Frl. Krise ist auf Kreuzfahrt – die hat’s gut.“ Leider falsch geraten.

„Erdbeben in Berlin?“ No!

„Dann Nachwirkungen von Silvester. Restalkohol. Zu viel getrunken?“ Auch das nicht – leider. Wenn der Zustand anhält, werde ich jedoch spätestens heute Abend zur Flasche greifen müssen.

Die Lösung ist profan. Ich habe das Neue Jahr mit einer neuen Brille angefangen. Mit einer Gleitsichtbrille. ‚Gleiten’ – wahrscheinlich deshalb, weil ich schon beim Verlassen des Geschäfts fast zu Boden ging. Da gab es Stufen. Drei Stück. Hätte mir der Optiker ja auch ruhig sagen können.

Das war um 12.30. Jetzt ist es zehn nach vier und ich habe die Brille weggepackt, denn das geht ja alles gar nicht. Der Ausschnitt, den ich scharf sehe, ist jeweils nur so klein, dass ich verzweifele. Die Tastatur ist zum Bleispiel nur in der Mitte scharf. Wenn ich dann nach links gucke, verzieht sich sie gummiartig und hat plötzlich die Form eines Nippon-Riegels. Schaue ich zum Monitor hoch, muss ich mir vorsichtig durch kleine Kopfbewegungen den scharfen Ausschnitt erarbeiten – Hölle, Hölle, Hölle. Lesen im Buch ist auch schwierig, Fernsehen im Liegen geht gar nicht. Außerdem sieht alles so groß aus. Viel größer, als vorher. Komisch.

Beim Gehen muss ich jetzt wie Lady Di so schamhaft von unten nach oben gucken, damit ich die Ferne erkenne. Das sah bei der Königin der Herzen vielleicht bezaubernd mädchenhaft aus, ist aber dummerweise ein Look, der mir so gar nicht nicht steht. Tscha. Kann man sich an so was gewöhnen? Nee, oder???

Aber ich werde üben. Sehen üben durch meine neue Brille. Ab morgen. Ich bin ehrgeizig und schließlich kostet so eine Brille ja auch nicht billig….

Weitsicht, pah! Und Nahsicht wird auch maßlos überschätzt, von Nachsicht, Umsicht, Vorsicht, Rücksicht, Aussicht usw. will ich in diesem Zusammenhang lieber ganz schweigen.

2015 wird für mich das Jahr der Gleitsicht! Isch schwör!

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Feuchtgebiet – Zwischen Anhalter Bahnhof und Friedrichsstraße

Kann es sein, dass das Jahr schon zu Ende ist? Es war so eins der mittleren Sorte – mit Höhen und Tiefen und ziemlich wenig Blog… Ich streue Asche auf mein Haupt und gelobe Besserung, obwohl Stories mit Kindern jetzt im Pensionat (wie Frau Freitag meinen Zustand nennt) ja mehr oder weniger ausfallen.
Aber nein, stimmt nicht, Kinder gibt es überall. Und man muss nicht mal besonders auf sie achten, sie machen sich schon bemerkbar, die kleinen Racker.

Letzte Woche, halb zwölf. Ich sitze in der ziemlich leeren S-Bahn, muss eine längere Strecke fahren, lese, gucke ab und zu eine Runde ins winterliche Berlin und finde alles äußerst friedlich und gemütlich.
Am Anhalter Bahnhof entert plötzlich und unerwartet eine Horde Schüler den Wagen. Sechste Klasse, denke ich und ziehe Beine, Arme, Tasche, Buch und Kopf ein, denn einige Mädchen klemmen sich überfallartig neben mich. Sie sind aber altersgemäß süß, sie flüstern, kichern und schubsen sich. Bestimmt waren sie im Gruselkabinett und ich erinnere sie an die ERSCHRECKER, die dort den Besuchern auflauern…
So, weiter lesen. Aussichtslos. Machen die einen Krach! Früher hätte ich die Lautstärke wahrscheinlich nicht mal registriert … und so geht es wohl auch der Lehrerin der Klasse, die sich mit drei Jungen neben uns platziert hat. Die redet fast am lautesten von allen. Die Jungen lärmen auch herum, boxen und treten sich ein bisschen. Die Lehrerin übersieht das großzügig und ich kann sie verstehen. Nur kein Stress in der Bahn.
Die Jungen versuchen sich jetzt gegenseitig von der Bank zu drängeln und prompt verteilt einer von ihnen seine Limo großzügig über alle Beteiligten. Die Lehrerin hat nichts davon abbekommen und freut sich. Es beginnt ein großes Gewische und Geputze und vor allem Herumgezanke:
„Du Spast, was soll die Scheiße?“
„Selbst schuld, wenn du mich getretet hast!“
„Alta, meine Jacke ist ganz nass da. Bezahlst du Reinigung!“
„Was Reinigung!? Mir doch egal, deine Jacke!“
Die trockene Lehrerin schaltet sich ein: „Thomas, pscht! Setz dich sofort hin! Dustin – und du stell dich nicht so an. Deine Jacke ist doch gar nicht groß nass, höchstens etwas feucht!“
Die drei Jungs hören sofort auf, sich zu streiten, gucken sich kurz mit aufgerissenen Augen an und brechen dann in unterdrücktes Gelächter aus.
„Kennt ihr etwa nicht den Unterschied zwischen ’nass‘ und ‚feucht‘?“ forscht die Lehrerin unerbittlich weiter.
Die Jungen fallen übereinander her, lachen hemmungslos und ringen nach Luft.
„Ihr kennt wohl den Begriff ‚feucht’ gar nicht…?“ die Lehrerin schüttelt bedenklich den Kopf und sieht mich hilfesuchend an. DEN Eindruck habe ich nun nicht gerade, ich verkneife mir mühsam das Lachen.
„Feucht heißt nur leicht nass…“, doziert die Lehrerin und die Jungen hängen voll in den Seilen. Meine Mädchen haben es endlich auch gehört und quieken in den höchsten Tönen. Echt megapeinlich, diese Frau! Was die für Ausdrücke benutzt! Feucht! Voll porno! Und das mitten in der S-Bahn! Biolehrerin ist die garantiert nicht, denke ich. Bestimmt gibt sie Latein und Physik oder so…
Zum Glück steigt gerade ein großer schlanker Mann mit langem wehenden Haar zu. Er trägt einen schmalen beigen Mantel und eine Hose mit Schlag. Alles aus glänzendem Brokat oder wie der Stoff heißt und über und über mit üppigen bunten Blumenranken und Kronen bestickt.
Ein Märchenprinz.
Mitten in der S-Bahn.
So was sieht man auch in Berlin nicht alle Tage. Die Kinder fetzt es nun endgültig – die Jungen schreien vor Vergnügen und strampeln mit den Beinen, die Mädchen prusten laut in ihre Schals.
„Friedrichsstraße!“ ruft die Lehrerin genervt und winkt in alle Richtungen. Sie wirkt angeschlagen. „Friedrichsstraße. Wir müssen raus! Los!“

Eins der Mädchen winkt mir verstohlen von draußen zu. Sie grinst, denn der Prinz sitzt jetzt neben mir. Ich lächle zurück.
Prinz ist auch besser als Porno, in echt.

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…noch kein Fazit!

Seit genau eineinhalb Jahren sind sie nun raus aus der Schule – meine alten Schüler.
Ihr wisst schon: Hanna, Nesrin, Aynur, Esra, Gülten, Erkan, Ömür, Fuat, Emre, Hassan, Mustafa, Sarah und wie sie alle heißen.
Wer hier schon lange liest, wird sich fragen: Was ist aus ihnen geworden?
Hier und da treffe ich einen von ihnen, rein zufällig auf der Straße oder gezielt bei facebook. Sie scheinen nur noch wenig Kontakt untereinander zu haben – trotz der großen Beteuerungen in den letzten Schultagen.
So sind meine Infos lückenhaft…
Gülten macht weiter brav ihre Ausbildung, es scheint alles rund zu laufen.
Mustafa hat den Realschulabschluss nachgeholt und sucht jetzt eine Stelle. Das ist schwierig – er hat noch nicht das Richtige gefunden. Oder sollte ich sagen: Es hat ihn noch nicht gefunden?
Esra soll frisch vermählt sein. Sie war ohne Abschluss abgegangen, machte dafür aber auch sonst jede Menge Probleme. Sie zu verheiraten dürfte die einfachste Lösung sein, werden sich ihre Erziehungsberechtigten gedacht haben…
Fatih (einer der beiden, der mit Realschulabschluss die Schule beendete) hat sein Glück nur kurzfristig auf der gymnasialen Oberstufe versucht. Jetzt macht er „was in einer Werkstatt, er wird Kfz oder so“, erzählt mir jemand.
Erkan? Keine Ahnung. Niemand weiß etwas. Aber ich sehe Fotos bei face: Er hat sich enorm verbreitert, genauer gesagt, er sieht schwer aufgepumpt aus. Und das in wenigen Monaten… na ja, kann man sich seinen Teil denken oder auch nicht.
Hassan geht auch auf eine weiterführende Schule, er will Fachabi machen – drücken wir ihm die Daumen.
Azzize hat den Realschulabschluss NICHT nachgeholt, obwohl sie es sich so fest vorgenommen hatte. Sie hat es nicht einmal geschafft, sich einen entsprechenden Schulplatz zu suchen. Das erste Jahr verbrachte sie mehr oder weniger zu Hause… Jetzt hat sie wenigstens einen Freund.
Nesrin! Super! Ich bin so stolz auf sie! Sie macht eine Ausbildung als medizinische Fachangestellte – und das mit ihrem windigen Abschluss! Ich treffe sie ab und zu, sie strahlt und wirkt rundrum zufrieden.
Aynur, die ohne Abschluss ging, hat den Realschulabschluss nachgeholt und macht irgendwas in Sachen Beauty. Sie hat jetzt offenbar kapiert, wie der Hase läuft. Schade, dass ich das nicht erleben durfte – so wie die bei uns rumgestresst hat…
Sarahs Verlobter aus Jordanien ist inzwischen in Berlin und ist nun ihr Mann. Von Ausbildung scheint Sarah nicht viel zu halten… ich erwarte eigentlich nur noch Nachwuchs und sonst nichts. Schade.
Hanna (hatte auch keinen Abschluss) wird Restaurantfachfrau und macht ihre Sache gut. Ich durfte mich schon von ihr bedienen lassen… ein schööööönes Gefühl.
Fuat (auch ohne Schulabschluss) hat es inzwischen zum Hauptschulabschluss gebracht und soll angeblich eine Lehrstelle haben oder… fast haben. Immerhin!
Emre konnte sich in ein oder zwei Stellen nicht halten. Bei Facebook prahlt er nun mit einer neuen Megaausbildungsstelle. Aber man weiß nichts Genaues und vor einiger Zeit hat er mir schon ähnliches erzählt (oder sollte ich sagen: vorgeschwindelt?). Ich werde ihn demnächst mal anschreiben. Im Moment trau ich mich nicht…
Ömür fightet auch, leider immer noch ohne durchschlagenden Erfolg. Verkäufer will er werden. Gerade hat man ihn ohne Angabe von Gründen in der Probezeit entlassen. Er sucht weiter… und er hat total abgenommen! 25 Kilogramm! Chapeau!

Gute und schlechte Nachrichten.
Für abschließende Äußerungen ist es zu früh. In zwei, drei Jahren – so lange werden sie wohl noch mindestens brauchen, um sich beruflich einzufädeln – werden wir vielleicht mehr wissen. (Hoffen wir, dass bis dahin nicht zu viele kleine Sarahs und Fuats dazwischen funken!)

Also! Fassen wir uns in Geduld!
Sabrin sonu selamettir – am Ende der Geduld wartet der Segen…
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Klau – die zwoote

Tochter Nummer Zwei – nennen wir sie der Einfachheit halber Luise – ruft mich empört an. „Stell dir vor!“ sagt sie. „Unser Buggy ist aus unserem Hausflur geklaut worden! Und alle anderen Wagen, die da noch standen, auch!“
Das Haus, in dem Luise wohnt, ist kinderreich und hat keinen Aufzug. Entsprechend sieht es im Hausflur aus. Die Eltern lassen ihre Buggys gerne dort kurzfristig oder über Nacht stehen. Ich übrigens auch, wenn ich babysitte, denn ich schaffe es nicht, Kind plus Wagen auf einmal in den dritten Stock hoch zu hieven.

Nun sind sie also weg, die Buggys und man muss das Mumpikind schleppen, denn es weigert sich, längere Fußmärsche auf sich zu nehmen – Kunststück, – es ist ja erst anderthalb Jahre alt.
Luise schäumt. „Kein Wunder! In unser Haus kommt man ja auch jederzeit locker rein“, sagt sie. „Das sind die Nachbarn von ganz oben schuld, die machen absichtlich das Schloss oder den Türschließer kaputt, damit ihre sieben Kinder nicht klingeln müssen! Die haben wohl nicht genug Schlüssel! Die Hausverwaltung hat denen angeblich schon mit Tod und Teufel gedroht, aber die machen das immer wieder.“

Luise spricht Leute aus dem Haus an. Die sind fatalistisch und wollen in Bezug auf den Diebstahl nichts unternehmen, ganz nach dem Motto „Der Herr hat’s gegeben – der Herr hat’s genommen.“
Meine Tochter sieht das etwas anders. Sie gibt eine Anzeige bei der Polizei auf und schreibt ihrer Versicherung. Schließlich handelt es sich um einen teuren Wagen, den sie sich auf keinen Fall noch mal leisten kann.
Außerdem ruft sie bei der Hausverwaltung an.
„Ich weiß von nichts, aber ich erkundige mich,“ sagt die Dame am Telefon gnädig und unterlässt es nicht, Luise noch im strengen Ton darauf hinzuweisen, dass es nicht gestattet sei, Kinderwagen im Flur zu parken! „Nach den feuerpolizeilichen Bestimmungen sind die Durchgangsbereiche, wozu auch das Treppenhaus und der Hauseingangsbereich gehören, frei zu halten, das steht übrigens auch in Ihrem Mietvertrag!“
„Wir parken den Buggy ja auch normalerweise im Auto oder holen ihn nach dem Einkaufen hoch, “ sagt Luise, “aber es muss doch wohl möglich sein, ihn kurzfristig im Flur abzustellen! Wenn es schon keinen Raum gibt, wo man ihn lassen könnte. “
Die Dame schüttelt fernmündlich den Kopf und verabschiedet sich kühl.

Das Wochenende vergeht kinderwagenlos. Das Kind wird von A nach B geschleppt, das Einkaufen gestaltet sich schwierig und Luise telefoniert erfolglos in der Gegend herum, um sich einen Buggy auszuleihen.
Montags meldet sie sich ein zweites Mal bei der Hausverwaltung. Diesmal ist ein netter Mann am Telefon. „Ick weeß nüscht jenauet,“ sagt er, „ aber da wa wat mit Buggys oda so, ick weeß nur nich wat und wo. Ick hör ma mal um!“
Also ruft Luise am nächsten Tag wieder an. Diesmal hat die uns schon bekannte Dame Dienst und verkündet mit leichter Schadenfreude in der Stimmet: „Ja, ich kann Ihnen mitteilen, wo die Wagen sind. Sie wurden alle in den Haustechnikraum ihres Hauses verbracht. Die Hausverwaltung hat sie dort eingeschlossen, weil die Abstellung im Flur und Eingangsbereich bekanntlicherweise streng verbo…“
„Was!? Das war die HAUSVERWALTUNG?“ Luise fällt fast vom Glauben ab.
„Ja, und zwar mit gutem Recht! Es handelte sich sozusagen um die Durchsetzung der Hausordnung. Sie wissen doch sicher, dass es in Neukölln mehrfach gebrannt hat , weil jemand die …“
„Wann bekommen wir die Wagen wieder?“
„Frühestens voraussichtlich morgen Mittag! Falls der Techniker Zeit hat…!“

Der Techniker hatte Zeit… und meine Tochter und ihr Mann schrieben dann noch einen freundlichen Brief an die Hausverwaltung, mit der mit einer unfreundlichen Abmahnung beantwortet wurde.

Dem Mumpikind ist das alles egal. Hauptsache, es hat seinen Buggy und muss nicht mehr durch Schnee und Eis laufen, denn das ist in seinen Augen richtig „BÄH“!

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Unglaublich, aber wahr…

Bei Lidl entdecke ich gestern morgen zwischen Thermo-Söckchen und bunten Papierblöcken komische Kästchen. ‚TV Simulator’ steht darauf.
„Hä? Wozu braucht man DAS denn?“ frage ich und drehe unentschlossen den kleinen Apparat hin und her.
TV – Simulator…ist das was zum Abgewöhnen? Für Fernsehsüchtige?
Kann man so Kinder mit Fernsehverbot ruhigstellen?
Oder ist es das TV-Einsteigermodell für Babys und Haustiere?

Männe schüttelt den Kopf und erklärt mir, dass man mit Hilfe eines derartigen Geräts einen wechselnd-farbigen Lichtschein erzeugen könne, der Einbrechern vorgaukeln würde, jemand sei zu Hause und sähe fern. Dschungelcamp oder so. Kakerlaken, Maden, Spinnen und Larissa!

Ach so! Ich verstehe… Gar nicht so dumm, eigentlich!

Für den Kauf spräche, dass in der Weihnachtszeit in meinem Hausflur ein Zettel hing, auf dem stand, dass Bösewichter „Markierungen an verschiedenen Wohnungstüren“ angebracht hätten. „Wir sollten alle sehr vorsichtig sein,“ riet die Hausverwaltung, es könne sich um Vorbereitungen zu Einbrüchen handeln und man solle keinem Fremden öffnen und darüber hinaus abschreckende Maßnahmen ergreifen.

Markierungen konnte ich an meiner Wohnungstüre zwar nicht entdecken, aber ich lasse nun- wenn ich weggehe – das Licht in meiner Wohnung brennen und das Radio dudeln.
Außerdem erwäge ich den Kauf eines Wachhundes oder eines elektrischen Klaviers, denke über einen Trompete spielenden Untermieter nach und plane wenigstens Männerhusten oder Babygeschrei auf Band zu nehmen…

Natürlich habe ich noch nichts davon in die Tat umgesetzt und auch den Simulator nicht gekauft. Noch mehr Elektroschrott – nein danke.

Nachmittags klingelt es. Ich öffne furchtsam die Tür, aber es handelt sich nicht um übel wollende Fremde, nein, Tochter Zwei und ihre Freundin Millie schneien mal kurz auf ein Käffchen herein.

„Bei uns im Haus wurde heute Nacht eingebrochen!“ erzählt Millie. „Stell dir vor, die haben echt sämtliche Kellerschlösser geknackt und alles mitgehen lassen, was nicht niet- und nagelfest war.“
„Aber was gibt es denn schon Wertvolles im Keller? Lohnt sich das?“ wundere ich mich.
Die meisten Keller in den alten Mietshäusern sind doch feucht, unwirtlich und von gemeingefährlichen Lebewesen wie Spinnen und Ratten besetzt. Ich ginge da nicht freiwillig rein! In meinem Keller liegen nur die Sommerreifen…. okay…ist ja auch was….

Millie zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung, auf was die aus waren!“, sagt sie und grinst. „Mir ist nichts geklaut worden. Ich habe keinen Kellerraum, zum Glück!“
„Na, dann!“
„Allerdings….“, Millie macht eine Kunstpause und beißt in einen Keks, „ das war nicht alles… Unsere ganze Haustür haben sie auch noch mitgenommen!“
„WAS? Nein!“
„Doch! Es ist jetzt echt saukalt im Haus – minus 12 Grad sind es draußen. Und mit einer neuen Haustür wird es noch ein paar Tage dauern, sagt der Typ von der Hausverwaltung – Sondermaß, Extraanfertigung!“

Na super! Die Haustür! Ich glaub es nicht… Wer kommt denn auf so was?
Ob ich mir doch den TV Simulator….?

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