Zweite Reihe

Es macht mir ein bisschen Sorge, dass so viel passiert.
Also, ich meine, es passiert so viel, seitdem ich wieder blogge.
Ich denke dabei gar nicht an die große Politik, sondern…
Obwohl – in der großen Politik ist ja eigentlich auch schwer was los. 2015 ist doch erst vier Wochen alt – und was gab es nicht schon alles in dieser kurzen Zeit. Da kommt ja kein Mensch mehr mit.
Nein, ich dachte jetzt mehr an mein private life. (Private life hört sich irgendwie besser an als Privatleben, oder?)
Jeden Tag gibt’s einen neuen Aufreger. Oder fällt mir das bloß mehr auf? Für den Blog ist es ja gut, aber nicht für meine Nerven.

Zum Beispiel vorgestern Abend: Ich kam so kurz nach sieben aus dem Fitnessstudio und schlich in Richtung Auto – fix und foxi, die Haare noch halb nass und natürlich ohne Mütze. Meine Generation hat ja noch in den Genen, dass Mütze uncool ist. Bei mir ist das jedenfalls so.
Jetzt nichts wie schnell nach Hause, war der Plan. Unterwegs irgendwo kurz anhalten und Brot kaufen und irgendwas Nettes, Dickmachendes und dann ab auf die Couch, den vermaledeiten Socken für das Mumpi fertig stricken und Dschungelcamp gucken. Aber nur, wenn die nicht wieder so ein Ekelzeug essen…

Mein Auto parkte in einer langen Autoschlange an einer sehr befahrenen Straße. Rein ins Auto, Blick nach hinten und los. Ach nee, geht nicht – man sieht ja gar nichts. Neben meinem Hinterparker steht ein fetter Kleintransporter in zweiter Reihe.
Zweite – Reihe – Parken ist in Berlin voll angesagt. Was soll man denn auch machen, wenn man keinen Parkplatz findet? MUSS man doch in zweiter Reihe stehen, wa?
Ich warte also ein bisschen, kommt da was? Nee, scheint alles frei zu sein. Also schiebe ich mich wie so langsam wie eine Schnecke, die bei der Schneckenolympiade die Goldmedaille im Übertriebenlangsamkriechen gewinnen will, ein Stückchen vor. Höchstens einen halben Meter, ich schwöre. Das knallt’s auch schon – ein winziges Äutochen ist mit einem absurden Schlenker hinter dem Sprinter hervorgeschossen und schrammt mit seiner ganzen rechten Seite an meinem vorderen Kotflügel entlang.
Bingo!

Ade gemütliche Couch, warme Decke, trockene Haare, Rotwein und Walter.

Eine Frau krabbelt aus dem Winzauto und setzt schon ihr Handy in Gang. „Ich rufe die Polizei an! Nichts gegen Sie, aber ich bin Rentnerin mit einer gaaanz kleinen Rente! Einer GANZ kleinen Rente! Sie sind auch keine Millionärin, oder?“
Ich schüttle ergeben mein feuchtes Haupt und nehme den Schaden in Augenschein – Millionärin hin oder her. Ohne meinen Altours sage ich sowieso nichts…

Boah! Wie kalt das ist! Und jetzt auf die Polizei warten. Das kann dauern. Bestimmt sind die alle auf irgendeiner Demo… Scheiß-Pegida!

Meine Macke ist marginal. Echt. Ein bisschen Lack abgeschürft an einer kleinen Stelle. Lohnt sich nicht mal die Versicherung zu bemühen, schätze ich. Ich habe ja jetzt Erfahrung! Ich bin stolz auf mein Auto. Dieser Lack! Phänomenal!
Der Daihatsu hat mehr abbekommen. Aus gaaaaanzer Länge angeschrappt. Pech. Die Frau, sie heißt übrigens Heidelore, seufzt und wirft mir vorwurfsvolle Blicke zu.

Zu Recht, wie sich rausstellt, als nach 55 Minuten die Ordnungsmacht kommt, bestehend aus einer netten Frau und einem betont mildem jungen Mann. Er spricht mit uns, als wären wir geistlich zurückgebliebene Kleinkinder. Soll sicher deeskalierend wirken, ist aber bei Heidelore und mir nicht nötig. Wir haben uns fast schon angefreundet, haben uns eine halbe Tüte Wasabi-Erdnüsse (aus meinem Handschuhfach) und einen Schokoladenriegel (Vollmilch-Nuss, aus ihrer Handtasche) geteilt und auf die anderen Autofahrer geschimpft, die sich über das Verkehrshindernis, das wir darstellen, aufregen, laut hupen und blinken..

Ich sei schuld, sagt der milde Polizist. Ich hätte meine besondere Sorgfaltspflicht missachtet, als ich mich aus dem ruhenden in den fließenden Verkehr einfädelte. Ja, er weiß, ich konnte nichts sehen, aber so nun mal die Gesetzeslage.
Heidelore triumphiert und ist nicht mehr meine Freundin.

Eben war ich in der Werkstatt. 300 Euro kostet der Spaß.

Ich glaube, ich hör auf zu bloggen. Wird mir zu teuer. So wird das ja nie was mit der Million!

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25 Antworten zu Zweite Reihe

  1. Inch schreibt:

    Bitte mein Like nicht missverstehen. Das mit den 300€ ist natrürlich Mist. Und aufhören zu bloggen sowieso

  2. Frau Dienstag schreibt:

    Und bei den Wasabis habt ihr wohl ganz vergessen, den Zweitereiheparker zu identifizieren, wa?

    • frlkrise schreibt:

      Der saß im Auto und beim „Rums“ SOFORT weg gefahren – hatte ja freie Sicht.

      • gnaddrig schreibt:

        Wollte grad schon fragen, haben die Ordnungshüter dem wenigstens einen bösen Brief geschickt? Oder im Lichte des SOFORT weg gefahren: Hat sich jemand dem sein Kennzeichen gemerkt? Foto gemacht mittem Handy? Immerhin ist in 2. Reihe parken noch nicht ganz erlaubt…

  3. Fühlen Sie sich gedrückt, Fräulein Krise. Ich bin mal in Brüssel in einem dreispurigen Kreisverkehr direkt am Europaparlament rumgegurkt und tausend Tode gestorben, das hat mich zwar hart für den Großstadtverkehr gemacht, aber solche blöden Unfallsachen passieren dann und wann natürlich trotzdem. (Bitte nicht aufhören zu bloggen, ja?)

  4. Mir gibt nur eins zu denken: laut einer höchst privaten Erhebung von mir ist die Mehrheit der bekennenden Dschungelcamp – Gucker Lehrer oder Exlehrer – mich mitgezählt. Nun wieder eine mehr… Warum nur?

  5. Wombat schreibt:

    Ich arbeite schon an meiner 2. Million, aber nur weil es mit der Ersten nicht geklappt hat.;-)

  6. Charlie schreibt:

    Wer Dschungelcamp guckt, hat natürlich andere Prioritäten, als sich mit den Gründen zu befassen, die Pegida auf die Straße treibt.

    Dann wundert mich nix mehr.

  7. hafensonne schreibt:

    Nichts für ungut, Frl. Krise, aber ich dachte eigentlich immer, Ihre Generation *hüstel* sei diejenige, die immer SEHR darauf bestanden hat, dass man eine Mütze aufhat?!?😛

  8. ClauDia OverMann schreibt:

    Oh, oh, jetzt hab ich es gelesen und ich kenne mich, das setzt sich bei mir im Hirn fest und dann mache ich es nach. Das fehlt mir gerade noch, ein Crash so aus der dritten Reihe heraus.
    Ich will mich auch gar nicht mit einer eventuell Geschädigten gut verstehen und 300€ zahlen schon gar nicht. Frl. Krise, wären Sie für das nächste Mal bitte so nett und warnen sensible Gemüter vor. Vielleicht so: Ich schildere jetzt Situationen, die zur Nachahmung nicht empfohlen sind, deshalb weiterlesen auf eigene Gefahr. Danke schön auch, aber jetzt mal ernsthaft: Hauptsache Ihnen ist nichts passiert.

  9. Charlie schreibt:

    Gar nix „wat nu“. Aber haben Sie schon mal drüber nachgedacht, dass die Pegida-Bewegung unter anderem genau dafür auf die Straße geht, dass Sie hier bloggen und Ihre Meinung sagen dürfen? Dass auch Ausländer, Farbige, Juden, Menschen aller Couleur dort mitlaufen und von „anständigen“ Gegnern als Nazis und Rassisten verunglimpft werden?

    Ach ja, ganz wichtig: Wie geht’s Walter?

    • hafensonne schreibt:

      „dass die Pegida-Bewegung unter anderem genau dafür auf die Straße geht, dass Sie hier bloggen “

      Den Eindruck habe ich eigentlich nicht.

      • Charlie schreibt:

        Dann sollten Sie sich ebenfalls mal näher damit beschäftigen, anstatt sich nur auf einen „Eindruck“ zu verlassen. Informieren bildet!

      • Teacher schreibt:

        Das ist ja schon fast lustig, was der Herr Charlie hier schreibt. Fast.

      • hafensonne schreibt:

        Meinen Informationen nach gehen in Dresden, einer Stadt mit einem irrwitzig geringen Anteil muslimischer Einwohner, Leute auf die Straße, die sich vor der Islamisierung des Abendlandes fürchten. Das reicht mir eigentlich an Information.

  10. Teacher schreibt:

    „Geistlich zurückgeblieben“? Hat er einen Pfarrer hinzugezogen?😉

  11. Charlie schreibt:

    @hafensonne: Ihrer Ansicht nach darf man also nur wegen Dingen auf die Straße gehen, die sich unmittelbar vor der eigenen Haustür abspielen? Interessant. Dann muss sich hierzulande also auch niemand mehr über Kinderarbeit in Entwicklungsländern empören. Gibts ja hier nicht. Tropenwald haben wir auch keinen. Kann ja Robin Wood seine Infostände einpacken. Merken Sie eigentlich noch was? Steht das E in PEgida für „Sachsen“ oder vielleicht doch für „Europa“?

    • Olli schreibt:

      Bin schon etwas spät dran, kann’s mir aber trotzdem nicht verkneifen:
      Je ne suis pas Charlie! Höchstens wöchentlich.
      Und das E steht für Europäer. Wer auch immer dem Glauben (!) schenken mag.

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