Wunscherfühlung

Stehen fetzt nicht. (Da hast du voll recht, Frau Freitag!)
Aber Sophie Hunger und Band!

Ihr Konzert beginnt mit einer Premiere, einer Filmpremiere: „The rules of fire“., einem Dokumentarfilm über die Musikerin.
Dann erst kommt das, weswegen man eigentlich hingeht: Livemusik. Erst die Arbeit, dann das Spiel, sozusagen.
Die Wartenden in der Schlange vor dem Eventtempel fragen sich, ob der Saal wohl bestuhlt sein wird. Ein Film! Im Stehen! Das geht doch gar nicht.
Ich bin da eher skeptisch und hoffe auf eine Fensterbank oder einen Mauervorsprung oder irgendwas dergleichen, auf dem ich mich im drohenden Umfallfall ablegen könnte, zumal ich, wie üblich, nicht die allerbequemsten Schuhe trage. ‚Wrong Shoe’ ist nicht ohne Grund mein Indianername. Aber ohne Absatz sehe ich GAR NICHTS. (Nein, ich gucke nicht durch den Absatz – ich erhöhe mich mittels dieses unbequemen Teiles, denn ich bin zu klein für Konzerte, die Halteschlaufen in den Öffentlichen und meinen Kleiderschrank.
Ein Blick in den Saal. Alles klar: Kein Gestühl, aber viele auf dem Boden hockende Gestalten. Klar, man ist ja auch auf KINO eingestellt. Bevor es aber zu gemütlich wird, kommt eine Durchsage, die alle hochscheucht: Die werten Besucher werden gebeten sich zu erheben, damit alle reingehen.
Ach, was soll’s. Ich bin guten Mutes. Soooo lange wird der Film schon nicht dauern…
Tut er auch nicht. Nur 60 Minuten ist er lang, kürzer als ein Spielfim!
Aber Kino im Stehen fetzt überhaupt nicht – ich hätte drauf verzichten können.

Das Konzert, das dann folgt, tut nicht nur meinen Füßen gut. Die Musikerin ist grandios, ihre Musiker auch. Alexis Annerilles am Piano und haut sogar einmal Sophie weg. Die Songs, live gesungen, sind tausendmal besser als auf jeder Konserve – was man auch nicht bei jeder Band sagen kann. Ein großartiges Konzert!

Tochter Nummer Eins ist sehr zufrieden mit ihrer Aktion. Ich auch.
„Eigentlich wollte ich im Februar zu ihrem Konzert gehen, aber nachdem das nicht geklappt hat, hatte ich es schon für mein Leben abgeschrieben!“ sage ich, als wir zum Auto gehen (also – meine Tochter geht, ich humpele).
„Das nenn’ ich echtes Glück!“ sagt mein kluges Kind, „Ich meine, wenn sich Wünsche erfüllen, die man gar nicht hat…!“

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2 Antworten zu Wunscherfühlung

  1. na, das ist schön, dass du so einen schönen abend gehabt hast. und wenn ich nächstes mal auf ein konzert will, dann weiss ich ja, wen ich fragen muss.

  2. rotezora. schreibt:

    Aber einen Umfallunfall gab es immerhin nicht? Ja, wrong shoes in unserem Alter, das geht nicht gut zusammen. Trotzdem: Für ein wunderbares Konzert lohnt sich das Opfer!

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