Dubidubidu

Wann ist eigentlich dieses komische Duzen in good old Germany eingerissen? Und warum?
Also – ich meine jetzt nicht das normale Duzen unter Freunden und Kollegen, sondern dieses hippe, z.B. beim Friseur, im Cafe oder im Fitnessstudio.
„Willst du was trinken?“ fragt mich die Bedienung im Szenelokal gnädig. (Wahrscheinlich sollte ich mich darüber freuen, kurzfristig in den geheimen Zirkel besonders angesagter junger Menschen aufgenommen worden zu sein…)
„Deine Haare sind zu trocken !“ stellt mein Friseur stirnrunzelnd fest und strubbelt vertraulich mit einer Hand durch meine Frisur. (Wer mir so nahe kommt, muss mich wohl duzen dürfen, oder?)
Ich bin da auch nicht pingelig, sollen die mich alle duzen, wenn ihnen danach ist! Auch wenn wir uns nicht kennen und ich hundert Jahre älter bin.

Aber neulich im Hotel. Das ging zu weit!
Frau Freitag und ich wollten einchecken. Die Frau an der Rezeption war so um die zwanzig und trug ein Dirndl. (Im Hotel waren gerade ‚Bayerische Wochen’, dabei liegt es schlappe fünf- bis sechshundert Kilometer weit weg von der ‚Wies’n’).
Das Dirndl reichte Frau Freitag den Schlüssel und fragte: „Willst DU WLAN?“
Frau Freitag stutzte ein wenig ob dieser vertraulichen Anrede, nickte dann aber geschmeichelt. Wahrscheinlich dachte sie, neben mir sähe sie tierisch jung aus….

Nun wandte sich die Rezeptöse an mich: „Und hier ist DEIN Schlüssel. DU willst sicher auch WLAN, oder?“

Frau Freitag und ich tauschten einen langen Blick. Hä? Was war das? Weshalb duzte die uns beide?

„Ich hoffe, ihr habt nichts dagegen, dass ich euch duze,“ sagte das Dirndl wichtig, „ wir machen das aus Prinzip. Unser Hotel hat das Motto: ‚Willkommen zu Hause’!“

Willkommen zu Hause! Was sollte das denn? Total bescheuert! Wenn ich mich zu Hause fühlen will, gehe ich doch nicht ins Hotel!

Dann durften wir unsere schweren Koffer ganz alleine in den zweiten Stock schleppen (es gab keinen Aufzug!).
„Ist ja original wie zu Hause!“ japste Frau Freitag, als wir auf dem letzten Absatz verschnauften.
Mich beschlich ein fürchterlicher Verdacht: „ Oh jeh! Hoffentlich ist wenigstens das Bad geputzt, Frau Freitag! Und das Bett bezogen!“
„Mal den Teufel nicht an die Wand!“ Frau Freitag stemmte ihren Koffer energisch hoch.
„Aber Hauptsache…. es liegt kein schlecht gelaunter Mann im Bett!“

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30 Antworten zu Dubidubidu

  1. Paterfelis schreibt:

    Ich bekomme schon bei I*EA eine Krise (sorry, nicht Sie natürlich), wenn mich jemand duzt. Finde ich absolut schrecklich. Dann sieze ich demonstrativ zurück.

  2. xs4all schreibt:

    Äußerst erfreulich mal wieder was von IHNEN zu lesen, Frollein !😉
    Gut, daß ich mich, allen Unkenrufen zum Trotz, immer geweigert habe Ihren Blog aus meiner Blogroll zu streichen.

    Weiter so !

  3. fraufreitag schreibt:

    OHHHHHHHHHH, Frl. Krise bloggt wieder!!!! Wie kommt das denn? Und warum die lange Pause? Und natürlich fühle ich mich neben dir voll jung. Deshalb häng ick doch mit dir ab.🙂

  4. Froggie schreibt:

    Schön, dass das mal jemand anspricht, ich bin ja auch nicht mehr so ganz die Jüngste und finde diese Duzerei vorwiegend von wesentlich jüngeren Leuten (ältere haben wohl noch ein wenig Respekt anerzogen bekommen….) absolut daneben. Die etwas abgespeckte aber trotzdem aufdringliche Variante ist das „Ihr“ – was macht „Ihr“ denn am Wochenende, fragen dann wildfremde Menschen. Meist hilft nicht mal betont Zurück-Siezen, die raffen das eh nicht und wenn doch, dann ist man sofort als „eingebildete Zicke“ abgestempelt.
    Ein Rezept dagegen gibt es wohl nicht, also ist man entweder Spielverderber oder man macht einfach mit. Ich bleibe da aber lieber auf der Seite der Spielverderber….
    Beste Grüße
    Regina
    P.S. – Lag denn nun ein schlecht gelaunter Mann im Bett?????

  5. westernworld schreibt:

    im hotel finde ich das auch komisch,beim friseur und in der kneipe eher normal. die zwangsamerikanisierte lockerheit von ikea oder starbucks stößt hingegen auf bewaffneten widerstand bei mir.
    ich finde ja dass das siezen beim bürgerlichen teil der jungen leute eher wieder zunimmt. da waren die sitten in meinen,heute in den vierzigern stehenden, jahrgängen lockerer.

  6. jezabelbotanica schreibt:

    in meinem liebsten Frühstückslokal wird auch geduzt…. mit der Omama gehe ich da garantiert nicht rein. Sie würde das nicht verstehen.

  7. alltagsfreak schreibt:

    Hm.. Online Duze ich gerne. Offline ziehe ich bei Fremden das „Sie“ vor. Erhöht ausserdem die Hemmschwelle. „Sie Rindvieh“ sagt man seltener als „Du Rindvieh“😉

    • Andrea Stock schreibt:

      Genau das sagte unser Klassenlehrer auch als Begründung dafür, warum wir ihn nicht duzen durften (ist schon über 30 Jahre her und wir haben es auch nur einmal probiert) Heute verstehe ich ihn gut……

      Liebes Frl. Krise, es ist schön, wieder von Ihnen zu lesen.

      Andrea

      • alltagsfreak schreibt:

        Anders als bei meiner Technikerausbildung. Den kauzigen Chemielehrer sagte ich, als er uns duzte, dass wir keine Kumpels oder Kegelbrueder sind und er uns ruhig siezen ‚darf‘.

  8. Seemädel schreibt:

    Die Duzerei in Cafés und ähnlichem finde ich auch gewöhnungsbedürftig, während ich es im Internet in aller Regel voll mitmache (in Blogs, Foren etc.) Dabei gehöre ich zur „jungen“ Generation (zumindest noch U30^^), aber trotzdem duze ich nicht jeden, auch nicht jeden Gleichaltrigen – Kommilitonen an der Uni natürlich schon, aber eben nicht in Läden/ Arztpraxen/ Cafés u.ä.
    Und in einem Hotel würde ich das „Sie“ auf jeden Fall erwarten, wenn ich nicht gerade ein absolut hippes (Jugend-)Szenehaus gebucht habe…
    @paterfelis und westernworld: Na ja, der Möbelladen ist halt schwedischen Ursprungs und pflegt ja auch das Schwedenimage (Restaurant, Lebensmittel etc.). Und in Schweden ist das „Du“ nun mal so normal wie hier (eigentlich) das „Sie“. Mit Amerikanisierung dürfte das eher wenig zu tun haben.

  9. Sandro schreibt:

    Ich find siezen doof, aber ich passe mich halt an. Mich kann von mir aus jeder duzen, den Jüngeren sage ich das auch direkt, bei den Älteren bin ich halt höflich und warte bis sie mir das Du anbieten… Aber generell find ichs ziemlich überflüssig.

    Und Rindvieh sagt man am besten gar nicht😉

  10. Herr Ärmel schreibt:

    Schön, wieder von Ihnen zu lesen, Fräulein Krise.
    Ich finde die Duzerei ätzend. Fand ich auch schon als wesentlich jünger war. Deshalb halte ich es mit Loriot – Zitat:: ”Ich bin jemand, der die Vorzüge der Konvention zu schätzen weiß. Ich sehe in ihr keine unnatürliche Fessel, sondern für mich die einzige Möglichkeit, mit einer Unmasse von Menschen, mit denen mich garnichts verbindet, erträglich auszukommen.”

  11. thehighwaytales schreibt:

    Schön zu lesen, dass es ein Blog-Leben nach der Schule gibt, Frl. Krise!

    Zum Thema des Duzens und Siezens: Ich empfinde die dahingehende Etikette als sehr schwierig. Ich arbeite in der Wissenschaft und habe dort erlebt, dass Duzen bis hoch zum Professor normaler Umgangston ist – so war es zumindest in dem Teilchenphysik-Institut, in dem ich früher gearbeitet habe. Heute arbeite ich „bei den Ingenieuren“ und da ist das „Sie“ doch ein Stück verbreiteter. Mit meinen Studenten hatte ich ein Experiment mit dem „Du“, bin aber wieder davon abgekommen, es entspricht einfach nicht dem Verhältnis zwischen Dozentin und Studenten.

    Sehr irritierend finde ich immer Gemeinschaften, in denen sich „alle Duzen“, und die das auch so tranportieren, wenn man tiefer hinein schaut, ist das aber längst nicht so einfach. Prinzipiell ist ein „Sie“ bei fremden Personen, die nicht gerade Kommilitonen, Mitschüler oder dergleichen sind, sicherer – von der Dame an der Hotelrezeption geduzt zu werden, würde mir auch sauer aufstoßen, bei Cafés käm’s für mich stark drauf an, was das für ein Café ist: So ein Studentencafé würde mich eher mit dem „Sie“ irritieren, das Café, in dem ich zwischen gut gekleideten Damen und Herren sitze, die sich zu Kaffee und Kuchen treffen, würde mich mit dem „Du“ überraschen.

    Ich glaube, es ist VERDAMMT schwer, bei den sehr unterschiedlichen Duz- bzw. Siez-Paradigmen, die „auf dem Markt“ sind und sicher meist eine gewisse Berechtigung haben, die Übersicht zu behalten.

  12. ani1988 schreibt:

    Ich stimme Dir voll und ganz zu. Ich als U30-Frau finde es auch nett, wenn man mich duzt, aber ich komme dann immer schnell durcheinander. Soll ich den Gegenüber jetzt auch duzen? ich kenne ihn doch nicht und habe gelernt, fremde Menschen aus Respekt erstmal zu siezen. Wenn ich jetzt auch losduze, komme ich mir komisch vor und irgendwie fühlt es sich nicht richtig an. Also sieze ich meist weiter…und versuche die verzwickte Situation schnell hinter mich zu bringen…

  13. Mumbai schreibt:

    Aehnlich ist es doch mit dem bussibussi. Man wird von Menschen gekuesst die man noch nie vorher sah. Lange sagte ich nichts und liess es geschehen. Doch irgendwann widerte es mich an und ich sage nun immer klar, dass es einer laengeren Freundschaft bedarf, sich so zu verhalten und ich es nicht mag wenn ich geduzt und gebusserlt werde von fremden Menschen. Altmodisch? Gerne!

  14. kinder-sind-unschlagbar schreibt:

    Ja, irgendwie nimmt das immer mehr zu.
    Aber ich möchte weder von einem Möbelhaus noch von einem Radiosender gedutzt werden.
    Im Netz ist das was anderes…

  15. Adelheid schreibt:

    Endlich sind Sie wieder da. Ich hatte ja schon Entzugserscheinungen. Ich bin übrigens eine Siesagerin aber das liegt wahrscheinlich am Alter.

  16. S. Van Lure schreibt:

    Bei vielen Branchen finde ich es ok wenn man sich duzt. eben zb im Fitnesstudio, wo ein „Sie“ vielleicht gerade Distanz schafft die man nicht brauchen kann, aber im Hotel??? Ich hätte der Dame auf ihre Aussage mit dem Duzen erwiedert das es sehr unangenehm ist und von wenig Proffessionalität spricht. Oder das ein „du“ das Hotel auch nicht heimeliger macht.
    Außerdem – ich drücke es jetzt mal vorsichtig aus – ich finde (fremde) ältere Personen sollte man immer siezen. Auch wenn die 80 jährige Omi jeden Tag 2 Semmeln vom selben Bäcker holt ist sie nicht dein Kumpel sondern ein Kunde den es (auch wegen dem Alter) mit Respekt zu behandeln gilt.

  17. hafensonne schreibt:

    In der Duzfrage verweise ich gerne auf Max Goldt, denn es geht mir ähnlich: Wird man von einem sympathischen 20jährigen gesiezt, freut man sich über den Respekt, wird man von einem sympathischen 20jährigen geduzt, freut man sich darüber, dass er einen, trotz mehr oder weniger vorangeschrittenen Alters, dessen für würdig erachtet.
    Ich persönlich bin eher duzend, aber nicht im Erstkontakt. Bei Älteren warte ich eher ab. Insgesamt kommt es eben drauf an, ob einem beim Siezen die Distanz eher als Unterkühlung oder als Respekt und umgekehrt das Duzen als Sympathiebekundung oder peinliche Anbiederei vorkommt.

  18. michaela schreibt:

    Ich fühle mich immer alt, wenn ich gesiezt werde. Aber im Berufsleben würde ich nie auf die Idee kommen, drauflos zu duzen. Es kommt doch sehr auf den Kontext an.
    Köstlicher Artikel, übrigens.

  19. welt2 schreibt:

    Hallo!
    Geht mir ähnlich, wenn ich z.B. bei Netto die mir wildfremde Kassiererin ein freundschaftliches „Hallo“ statt „Guten Tag“ entbietet – was ich eindeutig für passender halte unter Menschen, die sich nicht schon eine Weile ganz gut kennen und einander erst vor kurzer Zeit zum letzten Mal gesehen haben. Da komme ich mir dann alt vor und frage mich, ob ich hier der einzige bin, der sich noch zu benehmen weiss. In dieser Sekunde komme ich mir wegen genau dieses Gedankens gleich noch mal zehn Jahre älter vor. Während der Scanner piepst, gucke ich mir also die Kassiererin an und stelle fest: Die ist so ziemlich mein Alter, aber irgendwie wohl jünger geblieben als ich. Wie hat sie das nur gemacht.
    Was meint Frl. Krise dazu?

  20. nadineswelt schreibt:

    Schwierig. Beim Sport duze ich alle, auch die, die ich nicht kenne – das ist in meiner Sportart (Kampfsportart) quasi weltweit so üblich. Es wäre auch irgendwie schräg, vollen Körperkontakt mit Menschen zu haben, und diese dann zu Siezen.
    Auch wenn ich beim Weggehen angelabert werde, käme mir ein Sie komisch vor.
    Im Berufsleben bestehe ich allerdings darauf dass die Kunden mich Siezen und habe auch neulich ein Duz-Angebot von einer Vorgesetzten ausgeschlagen, weil sie mit meinen mir gleichgestellten Kollegen auch nicht per Du ist.
    Auch beim Supermarkt in der Kasse finde ich ein Sie angebracht.
    Im Lieblingscafe werde ich inzwischen geduzt. Anfangs waren wir per Sie, aber über die Jahre hinweg wurde es zum Du.

  21. Cfoe schreibt:

    Da erinnere ich mich doch gleich lebhaft an unseren Kunst Leistungskurs in den Achzigern ( ja, ich gehöre zu den schon etwas Älteren…). Der damalige Lehrer bot uns gleich in den ersten Stunden das Du an, um es uns zum Halbjahr wieder zu entziehen…peinlich,peinlich!

  22. Inch schreibt:

    Und? Lag da ein Mann? Gut oder schlecht gelaunt?
    Apropos: Zuerst ist mir das im Schwedischen Einkaufshaus oder bei HundM begegnet, das mit dem Duzen

  23. fabthink schreibt:

    Hier in meiner neuen Wahlheimat war eine der ersten Fragen, die ich im Kollegenkreis beantworten durfte: „Warum siezt man sich in Deutschland eigentlich so steif und ausgiebig?“ … wirklich erklären konnte ich es nicht. Aus der Ferne hat das wahrscheinlich keinen Sinn mehr…

  24. Camou schreibt:

    Ich bin nun auch sehr weit über die 20 hinaus und ich liebe das Duzen, ich hasse es gesiezt zu werden, ich hasse es zu siezen und bin immer froh, wenn ich irgendwo einfach mit Du angesprochen werde. Dann fühle ich mich wohl. Siezen gibt es bei mir in zwei Fällen: Wenn ich jemanden absolut nicht ausstehen kann oder eben „weil es sich so gehört“ – da aber immer mit einem unangenehmen Gefühl wegen des äußeren Zwangs.

  25. Pingback: Link(s) vom 14. November 2013 - e13.de

  26. Julia schreibt:

    super witzig geschrieben! Danke!

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