Der Papst und ich

Der Papst und ich haben fertig. Okay – stimmt nicht ganz, der Papst hat sich schon von seinen Gläubigen verabschiedet, mir steht das mit den Schülern noch bevor. Leider hat meine Schule keinen Balkon, sonst würde ich es genau wie er machen. Vielleicht in einer Mittagspause … bei dem schönen Wetter sind ja alle Kinder draußen.
Weshalb er wohl so überstürzt sein Amt aufgegeben hat? Na ja, richtig fit soll er nicht mehr gewesen sein. Man kann nur hoffen, dass seine Doktorarbeit nicht der Grund…

Wie ich las, zieht er erst mal in eine Sommerresidenz um. Das hat doch was – zumal er mit ziemlicher Sicherheit seine Gläser, Teller und Töpfe nicht eigenhändig einpacken und auch keine schweren Bücherkisten die Treppen rauf und runter schleppen muss. Ein paar junge Kapläne werden schon dafür sorgen.
Meinen kleinen amtlichen Umzug darf ich natürlich ganz alleine bewältigen. Täglich befördere ich Bücher in die Schule und allerhand Krimskrams von der Schule aus mit nach Hause. Es hat sich ganz schön was angesammelt. Das Pontifikat an meinem Arbeitsplatz dauerte ja deutlich länger als das vom Papst im Vatikan.
Leider hat hat noch kein Kaplan die Bananenkartons in den zweiten Stock gehievt…

Ob der Papst wohl die schönen roten Schuhe behalten darf? Und wenn ja – bei welcher Gelegenheit soll er die noch anziehen?

Was ist mit seinen Haushälterinnen? Ich finde, vier Frauen sind zu viel für einen alten Mann. Der braucht doch jetzt seine Ruhe. EINE Nonne, die gut eingearbeitet ist, bayerisch kochen kann und fließend Deutsch und Lateinisch spricht, sollte er meinetwegen behalten dürfen.
Da ich ja nicht mal eine Putzhilfe habe, erübrigen sich diesbezügliche Überlegungen für mich. Vielleicht hätte ja eine der drei frei gestellten Damen Lust zu mir zu kommen? Gegen Gotteslohn – versteht sich.

Ich frage mich auch, ob der Papst seinen Kolleg…äh… seinen Mitarbeitern wohl noch einen ausgibt zum Abschied? Vielleicht zweigt er dafür ein paar Flaschen Messwein ab – falls der trinkbar ist. Und dazu reicht er Oblaten – ohne Parmaschinken und Parmesan natürlich – wir haben schließlich Fastenzeit.
Ich will mir so eine Verabschiedung sparen. Meine Pensionierung wird erst im Juni gefeiert. Beim Lehrergrillen! Punkt.
Da werde ich es einmal krachen lassen und es ist mir auch egal, wenn die Kollegen dann fragen: „Wer ist diese fremde Frau und warum will sie uns betrunken machen?“
Vermutlich weiß nämlich zu diesem Zeitpunkt bereits niemand mehr, wie ich heiße.

Einen ganz großen Unterschied gibt es noch zwischen mir und Benedikt:
Mein Nachfolger steht schon fest.
Ein aufwendiges Konklave entfiel, niemand wurde eingemauert und der weiße Rauch in der Ecke hinter der Turnhalle hat eine ganz andere Bedeutung…
Niemand hat frenetisch: Habemus magistrum gerufen, die Kollegen sagen höchstens morgens: Hallo Alex!
So heißt er, mein Nachfolger. Er ist noch deutlich unter Siebzig und das ist gut so!

Eigentlich schade, dass ich jetzt gehen muss, ich glaube, wir zwei wären sonst best buddies geworden….

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32 Antworten zu Der Papst und ich

  1. dfhjhxs schreibt:

    Best buddies? Arme Frau Freitag… 😉

  2. C. Rosenblatt schreibt:

    Ich wünsche ihnen irgendwie mehr Pomp…
    wenn schon nicht in der Schule selbst, dann aber zu Hause. Keine Ahnung wie genau- aber nach so ener langen Zeit ist es irgendwie einfach falsch so zu entfleuchen
    Denn ja- einen richtigen Tusch wird es zum Lehrergrillen nicht geben. Der Abschiedsschmerz ist dann nicht mehr frisch und wenn man ehrlich ist, gibt man auch zu, dass es eigentlich immer nur dieser Schmerz ist, der Abschiede zu richtigen Abschieden macht…

    Irgendwie wünsche ich ihnen eine Silvesterakete oder sowas…
    *melancholisch seufz und mit Kulleraugen gen Himmel guck

  3. M schreibt:

    Hier in Bayern können Lehrer (entweder offiziell oder „irgendwie dunkelgrau“) auch nach dem 65. weitermachen, so sie denn wollen. Geht das in Berlin nicht?

  4. hajo schreibt:

    „Wer ist diese fremde Frau und warum will sie uns betrunken machen?“
    Menno, weil Ihr den „dicken Kopf danach“ redlich verdient habt 😉
    Ach Mensch, liebe Frl Krise, jetzt werd‘ nicht melancholisch und bleib auf dem, der Dich immer wieder auffängt: dem Teppi(!)sch 😀
    Herzliche Grüße
    Hajo

  5. Hummel schreibt:

    Also das mit den roten Schuhen ist bereits geklärt – die muss er zurückgeben (kam letztens in irgendeiner Berichterstattung)

  6. hafensonne schreibt:

    No red shoes anymore – er wird zukünftig ein weiß‘ Gewand nebst braunen Schühchen tragen. Die Kirchenrechtler, die aktuell ja keine anderen Sorgen haben, mussten sich dergestalt den Kopf zerbrechen. Tja, der Ex-Pontifex…

  7. Maukedi schreibt:

    och…Kein heliumgefüllter Luftballon? Keine Reden? Keine Kuchenschlacht? Müssen die Kollegen etwa an dem Tag doch eigenes Essen für die Pause mitbringen?

  8. zweitesselbst schreibt:

    joa, da sag ich auch schon jetzt mal alles Gute, Frl. Krise 😀

  9. frauhilde schreibt:

    Ich las grad „der Papst hat sich schon von seinen Gläubigern verabschiedet“ …

    Mensch, Frl. Krise, nimmer lang.
    Haben Sie im Moment eher ein lachendes und ein weinendes oder zwei lachende oder … Auge?

  10. Land Ei schreibt:

    Könnten die Bananenkisten nicht ein paar knackige Referendare übernehmen? Ich finde, das wäre doch eine zumindest überdenkenswerte Alternative zum Alleinschleppen und ein absolut passendes Pendant zu den päpstlichen Kaplänen.
    Und wieso werden in Berlin eigentlich Lehrer gegrillt? Bei uns in NRW ist sowas nicht erlaubt.
    Beste Grüße vom
    LandEi

  11. bayernpauline schreibt:

    frlkrise, ich glaube nicht, dass Du schon 65 bist, sondern etwas eher in den „Unruhestand“ gehen, zu viel angehäufter Urlaub/Vorruhestand oder sowas. Außerdem steht es Dir sehr wohl zu, etwas melancholisch zu werden, ist einfach so und normal. Du wechselst ja „nur irgendwie“ den Arbeitsplatz?! Und zum Papst: die roten Schuhe muß er sehr wohl abgeben, dafür bekommt er aber drei Paar schneeweiße, handgemachte von irgendeinem ital. Schuster“, natürlich für Gotteslohn! LG 😉

  12. Jürgen schreibt:

    Tja.
    Ich meine auch, Abgänge gehören sofort und gehörig gefeiert.
    Ich machs jedenfalls so in 1 1/2 Jahren.

  13. Croco schreibt:

    Wenn man geht, darf man ruhig traurig sein. Aber dann auf keinen Fall umdrehen, sonst erstarrt man, wie Lots Frau, die zur Salzsäule wurde, als die Familie aus Sodom und Gomorra verließ.
    Zeitweise kommen pensionierte Kollegen in der Pause vorbei und berichten von ihrem tollen Pensionistendasein. Das ist ganz nett, aber die Welt danach ist eine andere.

  14. Elli schreibt:

    Rote Schuhe für Frl Krise wären cool! 🙂 Der Papst darf seine leider nicht mehr tragen. Aber er hat mal irgendwo braune Lederschuhe geschenkt bekommen, die er nun tragen will – so ein Artikel des Spiegels.

  15. michael schreibt:

    Wat denn? Führt die Theatergruppe zum Abschied keine Sketche aus ‚Ghetto Oma‘ auf? Vielleicht könnte ja auch Ihr Nachfolger mit der Klasse ein paar Abschiedsliedchen einstudieren.

  16. lichterspiele schreibt:

    Oh, der Messwein ist üblicherweise eine ausgesprochen trinkbare Angelegenheit. Deshalb wird ja bei Katholens im Normalfall auch nur die Hostie mit den Anwesenden geteilt, und der Pfarrer trinkt allein 😉
    Das mit den Gläubigen dürfte bei Lehrern auch eher gering ausfallen, oder glaubt Dir jemand wenn Du sagst, dass das Leben nach der Schule eher weniger rosig ist, wenn man einen miesen Schulabschluss hat und ausser dem eigenen Namen in jedem geschriebenen Wort Fehler erscheinen?

  17. schwebse schreibt:

    Frl. Krise, Sie gehen im rechten Moment. Stellen Sie sich doch vor, Sie hätten im Ethikunterricht Ihrer geneigten Schülerschar die Sache mit den Friedrichshainer Unisexklos erklären müssen..

  18. christjann schreibt:

    Liebes Frl. Krise,
    Sie kommen ja ursprünglich aus dem tiefen Westen, insofern erlaube ich mir dieses kölsche Abschiedslied zu posten … niemals geht man so ganz … näää, wat is dat schön, schnüff, heul …

    Sie lassen weiter von sich lesen, vermute ich, gut so!
    liebste Grüße aus Fronkraisch, heute stürmisch, nass und grau
    Christjann

  19. Olaf aus HH schreibt:

    Ja, die Zeit rennt.
    Es ist schon März 2013 und die 50-55 Tage aufgelaufener Überstunden rücken an.
    Oh – ich mag mir das gar nicht vorstellen, wenn Ihr Quell nachdenklicher und auch lustiger Geschichten aus der Schule versiegt…
    Aber Sie hatten ja mal dazu etwas geschrieben, daß Sie ja auch woanders irgendwelche Geschichten erleben.
    Na ja – pädagogische oder sonstige Borderlines scheinen mir überall möglich… 😉

  20. HarryHirsch schreibt:

    Meine Erfahrung: Bist du erst mal weg, Krisi, kräht bald kein Hahn mehr nach dir! Zumindest in der Schule – so wichtig du auch gewesen sein magst. (HIER wird das natürlich irgendwie anders sein. Schaun mer mal.)
    Muß einen auch nicht weiter kratzen, denn wir wissen: es gibt ein Leben nach der Schule. Wirklich! Unsere Pensionisten berichten zumindest davon. Es übernehmen jetzt eben Jüngere. Das war bei mir 75 hier in der Frontstadt genauso. Wir waren Beamte auf Probe, uns wurde der Umzug aus Westdeutschland sogar bezahlt (echt, kein Witz!) und wir wunderten uns über Kollegen, die von Panzerfahrten in Rußland zu erzählen wußten, oder die mal eben eine Randstunde wegfallen ließen mit der Begründung, sie hätten keine Zeit, oder aber die ehrlich davon berichteten, daß sie noch vor einigen Jahren mit antiautoritären Unterrichtsversuchen kläglich scheiterten.
    Erzählte ich am Ende dieses Schuljahres bei meiner Verabschiedung davon, würden mich die meisten verständnislos anschauen: The times they are-a changing.
    That’s it!

    • frlkrise schreibt:

      Das mit dem „Hahn“ ist doch klar! Der Schulalltag rollt eben weiter…und die Lücken schließen sich geschmeidig.

      • Corinna schreibt:

        Ich habe immer noch einen guten Kontakt zu drei meiner Lehrerinnen. Wir treffen uns mindestens einmal (meist 2x) im Jahr und bringen uns gegenseitig auf den neuesten Stand, was unser Leben betrifft. Inzwischen sind sie alle Drei pensioniert.. Also ganz so „aus den Augen, aus dem Sinn“ muss es nicht immer sein. 🙂

  21. dorflehrer schreibt:

    Und das mit den Bananenkisten geht so einfach? Meine wurden bei meinem Auszug gründlichst kontrolliert, ob sie auch kein „Schuleigentum“enthielten! Dafür hielt sich meine Melancholie auch in Grenzen.Aber Sie werden es kaum glauben, die Schüler vermisst man mit der Zeit(nach einem gewissen Feriengefühl).

  22. kuestensocke schreibt:

    Liebes Frl. Krise, und was ist mit den Schülern? Ich habe neulich auf dem Heimweg schon überlegt, ob und wie sich Ihre Schüler von Ihnen verabschieden werden. Die lieben Kleinen werden sich doch von Ihnen verabschieden und Sie nicht einfach sang- und klanglos ziehen lassen? LG Kuestensocke

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