Patientissima

Mittwochs ist es neuerdings herrlich, wenn auch schulblogtechnisch mager. Unterricht erst zur Dritten und dann nur zwei Stunden! Aber ich liebe das! Man tut so so, als ob man arbeitet, dabei erholt man sich von zu Hause!

Heute war es ein bisschen doof, weil ich schon um acht Uhr einen Termin hatte. Um ACHT! Also quasi zur ersten Stunde – bei meiner Zahnärztin Frau Dr. Walter.
In letzter Zeit war ich so oft in der Praxis, dass ich mich da schon fast wie zu Hause fühle. Ich werde immer ganz reizend von einer ihrer Assistentinnen begrüßt – meistens ist es Frau Schönwetter – und darf erst noch kurz in einer „Schöner Wohnen“ blättern, bevor ich dran komme. Diese Zeitschrift liebe ich, bin aber zu geizig sie mir zu kaufen, deshalb habe ich nichts dagegen, noch ein paar Minütchen warten zu müssen. (Wenn ich was hasse, dann ist es, im Wartezimmer die ‚Gala‘ lesen zu müssen! Nach dem Konsum nur einer Gala wird mir irgendwie schlecht, so, als ob ich zu viele Pralinen gegessen hätte.)

Hingegossen auf den Behandlungsstuhl überkommt mich dann die große Entspannung. Ja, Entspannung! Man liegt doch nirgendwo so bequem – echt wahr. Außerdem bin ich für die nächste halbe oder oder ganze Stunde völlig aus dem Verkehr gezogen und für niemanden ansprechbar. Wann hat man das schon mal?

Ich bin leider ein Hasenfuß und wenn Frau Doktor überlegt, ob sie mich betäu…schreie ich sofort „JA! JA! Auf jeden Fall!“ Trotzdem ist die Behandlung nicht immer angenehm, das muss ich zugeben. Komischerweise habe ich aber später, wenn ich mich wieder auf mein Rad schwinge, das Gefühl, ich hätte mich gerade gut erholt. Am allergeilsten fand ich es natürlich damals, als sie mich stundenlang unter Lachgas setzten…

Heute Morgen um acht war es ganz still und friedlich in der Praxis. Ich krabbelte ergeben auf den Behandlungsstuhl, ließ mir das Lätzchen umbinden und öffnete brav meinen Mund.
‚Frau Dr. Walter weiß gar nicht, wie gut sie es mit mir hat!‘, dachte ich plötzlich.
Stünde dieser Stuhl in der Schule und ich wäre ein Achtklässler, wäre ich mal vorneweg mürrisch zehn Minuten zu spät reingeschlurft und hätte mich hartnäckig geweigert, die dicke Steppjacke auszuziehen. „Was ausziehen! Fass mich nich an!“
Und dieses alberne Lätzchen hätte ich mir auch nicht ohne Widerstand anlegen lassen. „Was glauben Sie, wer Sie sind!“ hätte ich gerufen. „Hässlichkeit! Zieh doch das behinderte Lätzchen selbst an!“
Jeder Behandlungsschritt hätte mit einer Debatte erkämpft werden müssen… voll anstrengend.
Und das wäre so weitergegangen bis zur Mittagspause und Frau Dr. Walter hätte neben einem Kaffee einen Zug Lachgas nehmen müssen.

A propos Lachen:
Neulich sagte sie mitten in der Behandlung freundlich: „Spülen Sie ruhig erst mal Ihren Mund aus!“ und drehte sich um, um etwas im Hintergrund zu erledigen.
Ich wollte mich aufsetzen und nach dem Becher greifen, aber es ging nicht. Ich kam nicht hoch! Was war das? Auch ein zweiter Anlauf scheiterte. Geheime Kräfte hielten meinen Halsbereich wie angeklebt am Stuhl fest.
Oh Gott! Plötzliche Lähmung des Thorax ohne erkennbare Ursache! Das verhießt nichts Gutes! Oder war es nur hysterisch bedingt wie damals bei der Schülerin von Frau Freitag, die auf einmal nicht mehr laufen konnte?
„Es geht nicht!“ sagte ich kläglich.
„Oh nein!“ schrie die Helferin auf – Ria heißt die, glaube ich. „Sorry, ich habe Sie gefesselt!“ Sie kicherte. „Das ist mir aber auch noch nie passiert!“
Ria hatte die Lätzchenkette nicht um meinen Hals, sondern sauber um den Stuhl herum geführt. Ganz was Neues!

Fesselspiele beim Zahnarzt!

Bin ja mal sehr gespannt, welchen Gebührensatz Frau Doktor dafür nimmt und was die Krankenkasse und die Beihilfe dazu sagen werden….

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14 Antworten zu Patientissima

  1. shades of grey kostet teuer!

  2. Franz schreibt:

    Das Fesselspiel wird sicher mit dem Faktor 4,7 multipliziert …lol

  3. bayernpauline schreibt:

    So ein Fesselspiel hatte ich noch nicht, war bestimmt lustig für die anderen. Das mit dem Lachgas interessiert mich, in welchem Artikel steht das, bin noch nicht so weit gekommen mit dem Durchlesen oder erscheint der erst noch? LG bayernpauline

  4. Inch schreibt:

    Entspannung beim Zahnarzt! Sie haben vielleicht Nerven!

  5. iscribo schreibt:

    Die meisten Ärzte sind so arm, die können sich keine Zeitschriften leisten, zumindest keine aktuellen. Beim Augenarzt z,B, liegen seit Jahren immer die gleichen rum, wahrscheinlich sollten seine Patienten gar nicht lesen, um die Augen zu schonen.

  6. Katrine schreibt:

    „So leg den Kopf auf diese Lehne und denk dabei an alles Schöne!“

    Auf diesen Spruch an der Wand konnte ich stundenlang bei meinem vorletzten Zahnarzt schauen…

  7. kirchenmaus schreibt:

    momentan wäre mir ein Zahnarzttermin auch lieber als mein Job …. und ich würd mindestens Faktor 3,5 zahlen

  8. Lehmann schreibt:

    Ich war ja in meiner Jugend auch bei Zahnärzten, die ich eher als Schlächter, denn als Arzt bezeichnen würde.
    Letzte Woche hatte ich eine Unterhaltung mit meinem ZA, der mich glücklicherweise schon seit 25 Jahren behandelt: Er meinte, dass sich halt der Körper an alle Schmerzen erinnern würde (na ja, er ist halt auch Psychologe) und er grundsätzlich so lange Spritzen würde, bis man nichts mehr merkt. Das geht heute super, Oberflächennarkotisation und diverse Spritzen, von denen man gar nichts merkt. O.k. so ganz kleine Schmerzen halte ich dann noch aus, aber da wird bei etwas größeren Zuckern auch sofort nachgespritzt.
    Am Anfang hatte ich bei ihm mal eine Totalsanierung, all das alte Amalgam raus,die 8 Stunden am Stück dauerte, das würde ich einem schlechten Gebiss immer wieder vorziehen:). In meiner Jugend war mir ZA auch ein Graus, aber heute sehe ich das ganz locker.

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