Vallah, ich schwör‘!

Es ist entweder grau oder dunkel oder es regnet. Meistens sogar alles zusammen und das seit Wochen. Ich werde langsam trübselig, aber die Schüler der neunten Klasse, die ich in Kunst unterrichte, reißen alles wieder raus. Wer die unterrichtet, kann auf Sonnenschein als Muntermacher verzichten…

Zu Beginn der Kunststunde verkünde ich:
„So, Leute, denkt dran, nur noch dreimal Kunst, dann habt ihr wieder Musik!“
„Hä?“
„Was Musik?“
„Warum Musik?“
Ich seufze: „Nach den Winterferien kommt doch der Wechsel!Wie immer! Ein halbes Jahr Kunst, dann ein halbes Jahr Musik!“
Ja, wie immer, denke ich. Gerade, wenn man sich eine Gruppe so halbwegs hingebogen hat, wird’s wieder epochal!

„Och nöö, Musik! Muss das?“ Pascal sieht mich fragend an.
„Ist doch voll gut! Endlich Musik! Ich liebe Musik!“ schreit Yussuf.
„Voll übertrieben langweilig, Musik! Lass ma weiter Kunst machen!“ ruft Bianca.
„Auf keinen!“ Yussuf springt auf. „Musik ist besser, außer, wir müssen wieder andauernd diesen…diesen… Mozart hören!“
„Ja eben! Mozart!“ Pascal schüttelt sich angeekelt und schweigt einen Moment. Dann sagt er träumerisch: „Da wär‘ ja Fidel Castro noch besser, wa Yussuf?“

Ja, ich weiß! Ihr denkt jetzt: Diese Story hört sich voll ausgedacht an!
Nicht mal Frau Freitag, der ich das eben am Telefon erzählte, wollte sie mir abnehmen.

Aber ich schwöre auf Duden: FIDEL CASTRO – genau DAS hat er gesagt !!!

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30 Antworten zu Vallah, ich schwör‘!

  1. C. Rosenblatt schreibt:

    na- wenn DAS nicht mindestens epochalen Bezug hat… haha

  2. Va Nessa schreibt:

    Ich muss zugeben, dass ich auch kein Halbjahr ohne Kunst ausgehalten hätte.
    Selbst vor dem Halbjahr Fotokunst mit Entwickeln war ich skeptisch. xD

    Ist es denn wirklich erwiesen, dass beim Epochal-Unterricht mehr rüberkommt (anstatt die WS auf’s ganze Jahr zu verteilen)?

    • frlkrise schreibt:

      Wer fragt denn nach der Sinnhaftigkeit????
      Den Schülern steht einfach nicht mehr Unterricht in Ku und Mu zu.
      Schmu!*

      Synonyme zu Schmu
      Augenwischerei, Bauernfängerei, Betrug, Betrügerei, Bluff, Fälschung, Gaunerei, Hintergehung, Irreführung, Lüge, Prellerei, Scharlatanerie, Schwindel, Täuschung, Trick; (umgangssprachlich) Fake, Mogelei, Schummel, Schummelei, Verschaukelung; (österreichisch umgangssprachlich) Pflanz; (umgangssprachlich, oft abwertend) Tour; (salopp) Beschiss; (abwertend) Schwindelei; (umgangssprachlich abwertend) Bims, fauler Zauber, Humbug; (landschaftlich) Beschub, Fickfackerei
      Nonsens, Unfug, Unsinn; (umgangssprachlich) Kokolores, Larifari; (salopp) Bockmist, Koks; (umgangssprachlich abwertend) Blech, Blödsinn, Firlefanz, Humbug, Käse, Kiki, Kohl, Mist, Mumpitz, Schmarren, Schwachsinn, Stuss, Tinnef; (umgangssprachlich, oft abwertend) dummes Zeug; (salopp abwertend) Quark, Quatsch, Scheiß, Zinnober; (derb abwertend) Scheiße; (westmitteldeutsch, westdeutsch) Kappes
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  3. Till schreibt:

    Fidel Castro ist:
    – Spanischer Komponist des 18. Jhdt.
    – Berühmter italienischer Geigenbauer.
    – Zigarrenmarke aus Kuba

    • Onlein schreibt:

      Sie haben was vergessen. Fidel Castro war auch der Erfinder des Geigenkastens.
      Ferruccio Busoni (siehe Wikipedia) hingegen war der Erfinder des BHs.

  4. christjann schreibt:

    Nee, echt jetzt Frollein Krise, ich glaub‘, Sie haben es an den Ohren. Sie haben gestern auch schon Fahrstuhlkinder gehört. Natürlich geht es um José Carreras. Keine Frage!

  5. hajo schreibt:

    meine Fresse, liebe FrlKrise, weisst Du noch nicht einmal, was eine Fidel ist (über das winzige, banale „e“ wirst gerade Du doch nicht stolpern 😉 )

  6. seelenhafen schreibt:

    Epochalunterrricht. So was hatte ich nie. Aber Heute wünschte ich mir so sehr den Musikunterricht von damals zurück, auch wenn ich ihn schon damals in Ordnung fand. Aber vielleicht werden Ihre Schüler auch noch an den Punkt kommen, an dem Musik zu etwas sehr, sehr wichtigem wird bzw geworden ist, ohne dass es ihnen bewusst war und sich ärgern, dass sie das damals so abgetan haben.

  7. stellinchen schreibt:

    Armes Frl Krise – ICH glaube Dir! 😉

  8. Jürgen schreibt:

    Fidel ist prima!
    Recht hat er!

  9. nadineswelt schreibt:

    Mozart, so ein komiger Mann der komige Musik macht, voll madig.

  10. carlinda schreibt:

    Ich glaube den Fidel sofort.
    Mir hat mal ein Schüler stolz von einem Catweazel erzählt, den er im Urlaub bei einem Waldspaziergang gesehen hat!

  11. klosterfrau schreibt:

    Musiklehrer an einer Gesamtschule können einem leidtun.

  12. Heini schreibt:

    Ich fand Musik zwar immer besser als Kunst, aber das ist wahrscheinlich Geschmackssache. Bei uns wurde sich während meiner Schulzeit in Abstimmung mit den Fachkonferenzen gegen Epochalunterricht (in der ersten und zweiten Klasse des Gumminasiums hatte ich sogar beides ganzjährig) entschieden.

    „Kunst“ habe ich in der Mittelstufe als Mal- und Bastelunterricht erlebt und in der Oberstufe dann nicht mehr belegt. Das hat zur Folge, dass ich im Bereich der Architektur, Malerei, Bildhauerei, (gehört Theater auch zum Gegenstand des Kunstunterrichts?) … wirklich wenig weiss. Der Unterricht in Musik war vorallem dadurch reizvoller, weil es Praxisanbindung gab – wir hatten einen aktiven Chor mit mehreren Aufführungen im Jahr (konzertant und szenisch) und ich häuslich vorbelastet (Instrumentalunterricht) war.

    Wir hatten auch mal – leider nur kurzfristig – eine sehr engagierte junge Kunstlehrerin, die dann den Bühnenaufbau für eine Aufführung mit Freiwilligen gestaltet hat, uns bei Plakaten für eine Demo geholfen hat und sogar einen Großteil der Schule in einer Projektwoche mit Schülern neu ausgemalt hat.

    Ich wundere mich immer, wie Unterricht in solchen Gegenständen wie Musik und Kunst überhaupt sinnvoll möglich sein soll, ohne dass intensiv über den normalen Unterricht hinaus pratiziert wird.

  13. Thommi schreibt:

    ohje, das wäre ja ein Aufreger geworden. Zu meiner Zeit hatten wir noch Musik UND Kunst.
    Ich liebe Musik in allen Formen, spiele auch selber Instrumente und alles, ABER: Wenn ich was malen soll, dann sieht es noch immer aus, wie meine frühesten Kindergartenbilder vor mehr als 25 Jahren. Wie schön, dass man mit Beginn der 11. Klasse ja gott sei dank leider eines der beiden Fächer abwählen dürfen mußte. Welches das bei mir war ist offensichtlich denke ich 🙂

  14. huhnic schreibt:

    Großartig. Ich hätte auch noch was zu bieten 😉
    Meine Kollegin, die letztes Jahr kurz vor dem von den Mayas vermeintlich prognostizierten Weltuntergang noch in einer Mittelstufenklasse unterrichtete, sprach mit den Schülern darüber, was sie von der ganzen Weltuntergangs-Panik hielten. Wie auch sonst überall glaubten ein paar daran, die meisten waren aber skeptisch.
    Nur eine Schülerin meinte einfach: „Weltuntergang? Mir doch egal, da bin ich eh nicht da!“
    Meine Kollegin fragte erstaunt nach: „Wieso, wo bist du denn dann?“
    (Mond? Mars??? Wäre bei dieser nicht ganz angenehmen Schülerin eine durchaus gute Neuigkeit gewesen…)
    Die Schülern: „In Dorsten!“

  15. Frau Hilde schreibt:

    Fidel Castro?
    Hat der nicht den berühmten Gefangenenchor „Cuba libre“ komponiert?

  16. nicabel schreibt:

    Pascal ist halt ein kleiner Revolutionär 🙂 also in Brüssel hat heute die Sonne geschienen, aber leider nur eine Stunde lang…

  17. sandramariaerd schreibt:

    Der meinte sicher die Fidel des Castro 🙂 Sehr schöne Geschichte

  18. Nania schreibt:

    Ach ja… Der Musikunterricht ist aber auch immer wieder problematisch. Bei uns war auf dem Gymi das Problem, dass einige von uns gut Noten lesen konnte (mich eingeschlossen, später fließend zwei Schlüssel) und andere eben gar nicht. Die haben es dann aber auch nicht versucht und sind von den paar Leuten, die es gut konnten irgendwann abgehängt worden. Aber weder macht Musik so allen Spaß – auch den guten nicht – noch lernt man viel neues.

    Musikunterricht sollte m.E. immer auch Praktisch erfolgen. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen an der Schule ist. Aber Musiktheorie ohne die Vorstellung, wie welcher Ton klingt, ist unglaublich schwer.

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