Lehrplan fürs Volk

Zwanzig nach Sieben. Missmutig trotte ich ich zu meinem Auto… Ich bin müde und lustlos. Es ist diesig und der Himmel ist verhangen. Richtiges Novemberwetter, trostlos und grau. Normalerweise bin ich kein bisschen wetterabhängig, aber seit ein paar Tagen geht mir das mangelnde Licht gewaltig auf den Keks. Die Sonne soll scheinen, es soll richtig hell sein und vor allem will ich nicht auch noch Unterricht von acht bis vier haben und dann noch eine zweistündige Konferenz!
Das Auto springt willig an. Wenigstens etwas.
Im Vorüberfahren fällt mein Blick auf ein Bushaltestellenhäuschen. Riesengroß und hell beleuchtet steht da:
DU WIRST STERBEN!
Ja, super, diese Message vergoldet mir spontan den Morgen und bessert meine Laune total auf!
Was ist das überhaupt für ein Satz? Wer schreibt den dahin? Und warum?
Ja, ja, ich weiß! Themenwoche in Funk und Fernsehen! Wir beschäftigen uns nicht genug mit dem Tod, finden die.
Überhaupt diese Themenwochen! Gibt’s da einen geheimen Rahmenlehrplan für das Volk? Wer legt so was eigentlich fest? Ich jedenfalls wurde nicht gefragt.
Gibt es irgendwelche Fernsehobercheflehrer, die das bestimmen dürfen? „Ist doch November, da lass mal Tod nehmen, damit das Volk nicht zu übermütig wird!“

Ich setzte mich mit dem Thema Tod auseinander. Okay, nicht besonders gerne, aber man kommt ja nicht umhin, wenn man nicht der Weltmeister im Verdrängen ist.
Meinetwegen sollen sie einen im Sommer daran erinnern.
Hortensien, Rosen und Lavendel… eine Grabbepflanzung wie aus „Haus und Garten“ fällt mir ein. Bienen besuchen mein Grab, die Sonne scheint und die Verbliebenen gehen in ein Gartenlokal.
Im November denke ich nur an ein nasses Urnenfeld, über das der Wind peitscht…

Danke Themenwoche! Hat mich mich echt aufgebaut heute Morgen.
War total positiv für meine Laune an diesem fiesen, griesen Novembermorgen…!

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27 Antworten zu Lehrplan fürs Volk

  1. inneres Stimmchen schreibt:

    Also meine Laune hebt sich zumindest in Anbetracht ihres zum Ausdruck gebrachten Unmuts darüber … danke!

    Urnenfeld

    haha weg- rofl…. TOTlach

  2. Stephan schreibt:

    Dieses Wetter zieht ein so richtig runter! Können unsere Volksvertreter dagegen etwas machen. Zu was haben wir die denn gewählt?! 😉

  3. Ulla39 schreibt:

    Danke wegen des Themas „Tod“.
    Hat sich jemand was gedacht, als man drei Männekens, nee, eins ist eine Frau, dieses Thema im Fernsehen „anpreisen“ ließ? Die Lippen von Frau Käsmann in Großaufnahme? So was attraktives! Grandioser Einfall!! Wie der Rest.

  4. OP-Tisch-Pilotin schreibt:

    um 7:20 sitz‘ ich schon längst im schulbus! 😀
    die themenwoche finde ich persönlich ganz gut, viele verdrängen das thema „tod“, haben angst davor oder sind schlicht und ergreifend der meinung, dass es sie (noch) nicht betreffen würde.

  5. Herr Anton schreibt:

    Liebes Frl. Krise,
    zu Ihrem heutigen Blog gibt es dann auch noch „Einfach genial“ passend den Schrank-Sarg vom MDR dazu.
    http://www.mdr.de/einfach-genial/sargmoebel122_showImage-0_zc-92006d25.html#inhalt
    Da hilft nur noch Sonne im Herzen!
    Viele Grüße.
    Herr Anton

  6. nana schreibt:

    ja, aber es ist doch noch nicht so weit, da kann sich frau doch noch frohgemut des lebens erfreuen! scheiß auf dein olles wetter – nördlich von hh ist es seit gestern hübsch sonnig 😉

  7. Barbara schreibt:

    YES! Danke, Frl. Kriste. Geht mir genauso. DANN kann ich mich ja auch direkt einbuddeln lassen… – Zum Glück bin ich autark von unerfreulichen Themenwochen.

  8. Undo schreibt:

    Also ich finde das Wetter gerade extrem angenehm, da ich vor einer Woche offiziell als Vampir diagnostiziert wurde (Photodermatitis). Nach zwei Minuten an der Sonne werde ich krebsrot. Zehn Minuten und ich sehe aus wie nach einem Boxkampf. Etwas mehr und man könnte wahrscheinlich meinen Staub aufkehren und auf oben erwähntes Plakat streuen…

    Nebel, Wolken und Nacht sind derzeit meine besten Freunde. Also, Frl. Krise, nicht immer alles so negativ ich-bezogen sehen und auch anderen ihre Freuden und Geschmäcker gönnen.
    Das Wetter ist super! 😉

  9. oxypelagius schreibt:

    Das Leben ist nun mal tödlich! Ausserdem ist
    der Tod doch nur für die Hinterbliebenen ein
    Problem, oder? Das Wissen um ihn der Preis für unser Bewusstsein, oder?

  10. Mascha schreibt:

    Ich werde sterben?! Das glaube ich erst, wenn ich es mit eigenen Auge sehe……

  11. martinacarmenluise schreibt:

    Das Werbeplakat hab ich auch gesehen und da ich bereits an Werbung dachte, habe ich „Du wirst Werben“! gelesen und das fand ich recht stimmungserhellend. Gibt es eigentlich Freudsche Verdenker?

  12. Vor lauter Fassungslosigkeit ob dieser Plakatkampagne muss ich immer laut losprusten. Ein Lacher im November – da darf man sich nicht beschweren.

  13. Olaf aus HH schreibt:

    Wir alle werden sterben – so steht es im Prospekt des Lebens. Bei mir so statistisch in etwa zwanzig Jahren, dann bin ich (Jahrgang 1956) Mitte der 70er Jahre…
    Manchmal habe auch ich einen Hang zum Makaberen:
    Lebensversicherungsunternehmen könnten vor Gericht argumentieren, daß das „Wagnis“ (das versicherte „Risiko“) schon zum Zeitpunkt des Abschlusses des Lebensversicherungsvertrages bestanden habe, der Versicherungsnehmer sich dazu nicht erklärt habe und darum kein Versicherungsschutz bestehe (§ 1 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen: „Mit Eintritt des Schadenfalles erlischt der Versicherungsschutz“ oder: „Eine unvollständige Angabe des Risikos entbindet den Versicherungsgeber von seiner Leistungspflicht.“ Lalala).
    Wir Menschen sind vergänglich, „schwindlig‘ Geschöpfe“ (so jedenfalls ein Herr Scheeksbier“) und damit ist es gut/ oder auch nicht.
    Meine Ma – jetzt 81 Jahre alt – möchte irgendwann geurnet unter einem Baum vergraben werden – mit Messingplakette am Baum: Hier ruht Elisabeth Auguste M. *16.06.1931 – Gest. XX.XX.20XX
    Das werde ich schaffen – ob mit oder ohne Versicherung.
    Alle anderen so ähnlich wohl auch. Hoffe ich jedenfalls.

    • muttimeckert schreibt:

      Genau so ist das, wie William es so poetisch feststellte.
      Da ich ein paar wenige Jahre älter bin als Sie, Olaf, werde ich evtl. schon früher zwischen den Wurzeln des bereits ausgesuchten Baumes (ohne Plakette am Stamm) in den ewigen Kreislauf eingehen … 🙂
      Ich habe, und darüber bin ich froh, schon seit einigen Jahren ein sehr entspanntes Verhältnis zum Ende meiner derzeitigen Existenz. Vielleicht deshalb, weil ich mein Leben bisher – mit allen Höhen und Tiefen – so zufriedenstellend und glücklich machend empfunden habe.
      Lebensversicherung … habe ich keine. Aber zur Entlastung meiner Hinterbliebenen eine
      Sterbeversicherung (oder wie das heißt). Weil ich nicht möchte, dass die, die ich liebe
      glauben, ihr Geld für meine Beisetzung ausgeben zu müssen. Lieber sollen sie das Erbe verprassen! … 🙂

      • Olaf aus HH schreibt:

        Liebe „meckernde“ Mutti – haben Sie herzlichen Dank für Ihre souverän gelassenen Worte.
        Sehr wahrscheinlich ist meine Mutter von Größe – so wie Sie – und hat vorsorgend ebenfalls eine Sterbeversicherung abgeschlossen, ohne daß ich davon jetzt etwas weiß. Sie soll noch mindestens zwanzig Jahre leben ! Ebenso wie Sie, hoffentlich.
        Und bevor ich dran bin, werden wenige wahrhaft gute Freunde/innen von mir informell bedacht, so mit Briefumschlägen mit barem, alle sollen dann danach das Erbe ausschlagen (meine wirklich wertvollen Schallplatten und auch meine Tagebücher haben dann auch schon gute verläßliche Adressaten gefunden).
        Und was mein Leben angeht, so ging (und geht) es auch bei mir rauf und runter, in der Bilanz kann es sich wohl so sehen lassen.
        Hier ein kleiner launiger gimmick für Sie (und alle anderen natürlich auch):

        Herzlichst aus Hamburg ! 😉

      • Olaf aus HH schreibt:

        Korrektur: Nicht „wahrscheinlich“ ist meine Mutter von Größe „und hat…“, sondern sie i.s.t von Größe und hat deshalb wahrscheinlich… etc.
        Ich sollte wohl besser ebenfalls eine Sterbepannenversicherung abschließen. Gute Idee…

    • muttimeckert schreibt:

      Ich weiß wohl, dass dies die falsche Stelle ist. Weiter unten konnte ich leider nicht antworten. Aber ich wollte und konnte und musste es einfach tun. Nämlich mich bedanken. Auch für die Kostprobe des salbungsvollen Könnens des Herrn von der Lippe.
      Aber noch wichtiger: die Schallplatten! Meine Schallplatten hatte ich nämlich noch gar nicht in die Planung einbezogen (es gibt halt Gegenstände, an denen das Herz mit besonderer Hingabe hängt und eine Trennung schier unmöglich erscheint).
      Freundliche Grüße nach Hamburg (mit sehr positiven Erinnerungen auch an die Binnenalster im Sommer) aus dem novemberlich heiteren Rheinland.
      Ich bin ganz sicher, dass wir – Sie, Olaf, ebenso wie ich – auch in 20 Jahren noch in blogs schreiben werden. Vielleicht ich ein wenig langsamer als heute.
      Und nun verspreche ich, dass ich hier nun nicht mehr Platz in Anspruch nehme.

      • Olaf aus HH schreibt:

        @ muttimeckert:
        😉 – danke für Ihren Dank und die freundlichen Worte, die ersichtlich am richtigen Ort plaziert sind (ich weiß, daß man das jetzt „platziert“ schreiben soll, bin aber bockig, was diese sehr deutsche „Rechtschreibreform“ angeht).
        Ja – Platten, Fotos und Tagebücher, auch einige Bücher und ähnliches sind mir so viel wertvoller und bedeutender als der (bescheidene bzw. unwichtige) Rest. Sie haben Geschichte. Nämlich meine und auch die anderer Menschen. Wenn ich in die ewigen Jagdgründe eingehe, möchte ich einfach nicht, daß ein entfernter Verwandter dann eventuell noch vorhandenes Geld einstreicht und den Rest auf den Müll wirft. Es gibt einige gute und/ oder bedürftige Menschen in meiner Welt, denen etwas Bargeld nützen wird und ich habe keine Lust darauf, daß dann noch die Kasse des Amtsgerichts oder des Finanzamtes davon profitiert. Es erspart allen eine Menge Arbeit und Ärger…
        Auch hier war das Wetter heute sehr gelungen und ich war – tatsächlich ! – am frühen Nachmittag an der Alster. Wunderbare Farben (Laub) und eitel Sonnenschein. Besser konnte es heute nicht sein.
        Und auch ich werde meine Lieblingsblogs lesen und dort kommentieren, solange es geht.

        Beste Grüße ins Rheinland !

  14. Clawitta schreibt:

    Pfff- Themenwoche.
    Und es ist erst Mittwoch…
    Ach, ich machs wie Musa, ich schwänz die Themenwoche!

  15. snoopylife schreibt:

    Ich finds schön, dass sich alle elt mal wieder übers Fernsehen aufregt. Und dass Einige sogar merken – huch, es geht ja auch OHNE!!! 🙂 sagt Snoopy, der das Thema vertraut ist, weil sie sowieso jeden Tag Thementag hat (Altenpflege) Liebe Grüße in die Runde – Snoopy

    • krizzydings schreibt:

      Man munkelt Thementage/-wochen sind für die gesamte öffentlichkeit, weil es eben genau menschengruppen wie Sie gibt, liebe Snoopy,die tagtäglich damit zu tun haben und der Rest nichts von hören will…
      Mir ist das wenn ich ehrlich sein soll ein bisschen viel Tod in letzter Zeit…ich hatte jetzt im Schulpraktikum von 5 Klassen gleich bei 3en Tod&Trauer als Unterrichtsthema

  16. irene dietrich schreibt:

    Herzerfrischend – sowohl der Beitrag als auch so mancher Kommentar. Ich empfinde diese Themenwoche irgendwie wie Nachsitzen – für gewöhnlich kümmert sich kein Mensch um das Wort „Sterben“ oder den Tod, aber dann fällt es einem Erzieher ein und prompt erhalten wir eine Themenwoche mit einem Plakat, das uns mit einem Hammerschlag wecken soll.
    Insofern danke ich für die sachkundigen Berichte, Kommentare und Auseinandersetzungen, die haben mir dies Plakat etwas verdaulicher erscheinen lassen. 😀

  17. nadineswelt schreibt:

    Ach, Frl. Krise, was meinst Du, wie schön es erst ist, wenn Werbung für die Themenwoche im Radio kommt O-Ton „Du wirst sterben!“, und das, während Du den Mann ins Krankenhaus zur OP fährst!!! So bei uns passiert! Ohne Scheiß!

    • frlkrise schreibt:

      Oh Mann! Ist ja heftig! Gute Besserung!

    • Olaf aus HH schreibt:

      Liebe Nadine – das finde ich auch sehr heftig, übel und unglücklich in einer solchen bösen Lage. Es ist hoffentlich alles gut gegangen ?
      Jedenfalls wünsche ich Ihnen beiden das ! Von ganzem Herzen.
      Zugleich ist das Thema wirklich flächendeckend über das Jahr eher sehr verdrängt zugunsten dieser jährlich (und jetzt) wiederkehrenden happyhappydingdong-Werbe-und-guter-Weihnachtsmarkt-Glühwein-Stimmungs-Welt, die sehr bemüht ist, weiterhin konsumalen Umsatz im TV und zugunsten der Geschäfte in den Einkaufszonen zu generieren. Bald ist Weihnachten und Jinglebells. Und wir werden in den Medien bald erfahren, wieviel Wert an Weihnachtsgeschenken dieses Jahr durchschnittlich geschenkt wurde.
      Wohl eine Art Intelligenz- oder Sonstwastest der deutschbundesrepublikanischen Ober- und Mittelgesellschaft, denn es gibt ca. 10 Mio. Menschen, die sehr wenig geben können…
      Es dennoch wollen und ggf. wieder selber etwas backen oder basteln.
      Me too. 😉

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