Am Ende erwischt’s uns noch…

So, Wochenende! Nur eine Woche Schule und schon fühlt man sich wie eine Ruine. Die Ferien waren ja auch nicht sooo erholsam…
Es fing gleich nervig an:
Freitags kamen wir mittags von der Klassenfahrt zurück. Eigentlich wollten Frau Freitag und ich dann sofort in mein Auto springen und Richtung Holland abdüsen. (Diese Planung war schon mal nicht optimal, weil ja klar war, dass ich ziemlich unfrisch sein würde.)

Punkt 13.15 standen wir also wieder auf dem Schulhof. Vier unserer Kinder hatten wir in der U-Bahn an ihren Heimatadressen aussteigen lassen – was mit den betreffenden Eltern so abgesprochen war – der große Rest sollte an der Schule verabschiedet, bzw. dort den glücklichen Eltern überreicht werden. Karl und ich waren bester Stimmung – alles war gut gegangen und jetzt FERIEN!

„Herr Wolf! Wo ist mein Sohn?“ Der Vater von Orcun sieht sich suchend um.
„Der muss hier irgendwo sein. Vielleicht ist er mal schnell in die Schule rein! Aufs Klo! “ Karl sieht mich fragend an. Ich weiß auch nicht, wo der Knabe ist…
Die anderen Kinder zuckeln langsam mit ihren Eltern ab.
Ich werde ungeduldig, ich will weg, will aber auch Karl nicht mit dem besorgten Baba alleine lassen. Der ist inzwischen an die Bushaltestelle gegenüber getrabt, um zu sehen, ob Orcun vielleicht da wartet. Unverrichteter Dinge kommt er zurück.
Jetzt stehen wir drei ganz alleine da.
„In der U-Bahn waren noch alle bei uns! Wir haben nach jedem Umsteigen gezählt!“ beteuert Karl. Der Vater sieht uns finster an.
„Rufen Sie ihn doch mal auf seinem Handy an,“ schlage ich vor, aber der Vater winkt ab. „Da ist nur die Mailbox dran!“
Wozu haben diese Gören eigentlich alle teure Smartphones? Im Notfall funktionieren sie nie…
Karl und ich sind bedient! Man muss doch alle Kinder heil abgeben! Es darf keins fehlen!
Eine verdammt unangenehme Situation!
Ich werde langsam stocksauer. Dieser blöde Orcun! Bestimmt ist er einfach im Gewühl des U-Bahnhof an einem anderen Ausgang abgebogen und fröhlich nach Hause marschiert. Was kümmert ihn unser Geschwätz? Pffffhhhh. Das autonome Kind macht, was es will!

Der Vater hat natürlich auch schon zu Hause angerufen. Niemand meldet sich! Kein Orcun da! Jetzt telefoniert er mit den Freunden von Orcun… erfolglos natürlich, keiner weiß, wo er steckt
Ich jongliere inzwischen unschlüssig mit meinem Handy, soll ich mal Frau Freitag anrufen? Die wartet schließlich auch!
Das Display zeigt mir einen Anruf in Abwesenheit an. Das Schulsekretariat! Das Schulsekretariat – vielleicht wissen die was!
Aber Frau Schnell sagt, sie hätte vorhin nur nachfragen wollen, wann wir genau ankämen. Einige Eltern hätten im Laufe des Vormittags nachgefragt. Mann! Wozu habe ich den Kindern eigentlich unmittelbar vor der Klassenfahrt noch einmal einen Zettel geschrieben, auf dem unter anderem alle wichtigen Reisedaten und auch unsere Ankunftszeit standen!?
Von Orcun weiß Frau Schnell natürlich gar nichts.
Schließlich drängt mich Karl zu gehen. „Die Autobahn wird um diese Zeit immer voller!“ sagte er. „Ich mach das schon, Frl. Krise, fahr jetzt!“
Mit einem unguten Gefühl nehme ich mir ein Taxi. Es ist nämlich schon nach Zwei.
Eigentlich kann nichts passiert sein, denke ich und doch! Ich habe eine Stinkwut auf Orcun. Auf der Klassenfahrt hatten wir jede Menge Ärger mit ihm, denn der gnädige Herr versuchte immer wieder sein Privat-Ding zu machen – irgendwie passt das jetzt.
Während ich hektisch und unkonzentriert den Koffer umpacke, ruft mich Karl an. Das verschwundene Schaf ist gefunden! Orcun war, genau, wie wir es uns gedacht hatten, einfach auf den U-Bahnhof in die andere Richtung gegangen und gemütlich nach Hause gelatscht. Da war nur leider niemand und deshalb war er bei einem Freund in der Nachbarschaft gelandet.
Karl schäumt. Ihm ist noch ganz blümerant, sagt er – so ein Scheißabschluss dieser Fahrt! Allerdings! Ich bin bloß zu sehr in Eile, um mich noch lange zu ärgern…

Die Autobahn war dann auch proppenvoll und die Fahrt sehr unerqicklich! Bis Holland sind wir an diesem Abend nicht mehr gekommen.
Man muss allerdings ehrlich zugeben, das wäre vielleicht auch ohne Orcun passiert – aber dann hätten wir keinen gehabt, auf den wir im Stau hätten schimpfen können!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bloß cool bleiben veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

20 Antworten zu Am Ende erwischt’s uns noch…

  1. inneres Stimmchen schreibt:

    ist doch immer wieder schön, wenn der Sündenbock ein Gesicht hat…
    (Trottelbub… wär ja auch geil gewesen wenn der Stau in dem sie dann steckten von den Suchtrupp um ihn zu finden, verursacht worden wäre 😉 )

  2. kaeks schreibt:

    Oh man. Zweier Reihen, Händchen halten und nach jeder Ampel zählen höhö

    • dfhjhxs schreibt:

      Das geht noch einfacher… Lange Kette zwischen Lehrer vorne und Lehrer hinten und die lieben Kleinen mit ner Hamburger Acht zu ihrem Glück zwingen…

      Ich finde es ja immer noch charmant mit der U-Bahn auf Klassenreise zu fahren. Wir sind zwar auch nicht quer durch die Republik gefahren, aber immer mit doofen Reisebussen. Ich stell mir U-Bahn aber für die anderen Fahrgäste ziemlich ätzend vor. Es ist ja schon nervig, wenn ’ne Klasse ohne Gepäck den eigenen Wagen belagert. Ich hatte ne Zeitlang den Weg zum örtlichen Zoo morgens als Feierabendweg zur besten Klassenanreisezeit. Manchmal war in jedem Wagen ne nervende Klasse und das rockt nach ner langen Nachtschicht echt nicht.

      Ein einziges Mal hab ich erlebt, dass ein Lehrer seinen ganzen Haufen in eine Wagenhälfte gestopft hat und sich in die Wagenmitte gestellt hat und die andere Hälfte zur „Erwachsenen-Ruhezone“ erklärt hat. Das war aber eh eine recht leise Klasse. Aber die Idee fand ich super.

  3. zweitesselbst schreibt:

    Guter Satz : Das autonome Kind macht, was es will! ^^

  4. nadineswelt schreibt:

    Hoffentlich kriegt er nen Anschiss vom Baba…

  5. Campino schreibt:

    Einer meiner Lehrer sagte mal: „Zehn Prozent Schwund sind immer!“
    Da waren wir allerdings auch schon in einem Alter, wo die Pädagogen eher besorgt waren, dass es Zuwachs geben könnte 😉 Und er hatte noch alle.

  6. Raoul schreibt:

    Also schön ist aber auch die Diskrepanz zwischen:
    „Wozu haben diese Gören eigentlich alle teure Smartphones? Im Notfall funktionieren sie nie…“
    und
    „Das Display zeigt mir einen Anruf in Abwesenheit an.“

    Hmmm… 😉

  7. Emes schreibt:

    Gehört zwar nicht direkt hierher, gehört aber gesagt: Frl. Krise, Ihr Blog ist großartig. Ich amüsiere mich immer wieder über Ihre lebendigen, verrückten, lustigen Texte! Vielen Dank!

  8. Nini schreibt:

    Da hätte ich auch miese Laune…und dann war das Wetter noch schlecht in Holland….fiese weltweise Verschwörung!
    Manchmal läuft es nicht wie geplant, bei mir grad auch nicht..müsste putzen….les aber grad „Ghetto Oma“ und auch nach 200 Seiten kann ich es noch nicht beiseite legen, um dem Haushalt die notwendige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen……noch 130…

  9. sockenbergen schreibt:

    na wo sind sie denn gelandet? in welchem der angrenzenden Bundesländer?
    Katzensprung von hier, da fahr ich mit de fietz herüber.

  10. freu schreibt:

    Es wird ein Buch geben?!?!?! Großartig!!!! 🙂 Das sollten Sie noch mal dick ankündigen, ich bin bestimmt nicht die Einzige, die sich darüber freut 🙂

  11. topas schreibt:

    Noch „besser“ ist wenn die Betreuungskräfte beim Zählen versagen. Aus meinen Zeiten als Betreuer von Kinderferienlagern kenne ich noch die Geschichte aus einem anderen Objekt von unserem Veranstalter: Die Anreise findet immer mit Reisebussen statt (4 Gruppen a 10 Kinder + je 1 Betreuer passt genau rein). Bei der Heimfahrt hatte es ein Betreuerteam noch nicht geschafft ein Team zu sein oder „seine“ Kinder gut zu kennen. So hat bei der Abfahrt von einem Rastplatz unterwegs jeder der 4 Betreuer einzeln seine Sitzplätze durchgezählt und einzeln das „OK“ gegeben. Nach 1,5 Stunden wurde der Reisebus dann von einem Polizeiauto eingeholt und angehalten – an Bord einer der Schützlinge. Während der Zählaktion hat sich nämlich ein Kind zuerst zu einem Freund gesetzt um noh etwas zu quatschen, dann auf seinen richtigen Platz. Somit wurde dieses Kind doppelt gezählt, und ein anderes sah nur noch die Rücklichter vom Bus. Lieder war das Kind definitiv minderjährig (10 oder 11 glaub ich) und die Aktion fand mitten in Tschechien statt. Das Donnerwetter vom Chef war wohl etwas heftig ausgefallen 🙂

  12. Kejo111 schreibt:

    Ui, ich habe von Amazon heute die Versandbenachrichtigung für „Ghetto-Oma“ bekommen“! Nix 1. November – bereits morgen soll das Buch eintreffen. *freu*

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s