Klassenfahrt, Teil 3

„Frl. Krise!“ Hülya ist den Tränen nahe. „Voll gemein! Die Mädchen von diese andere Klasse kommen immer in Waschraum und meinen mir, ich darf Kopftuch nicht anziehen.“
„Bitte?“
„Ja, sie kommen von Ecke und sagen, ob ich Türkin bin. Und dass Kopftuch in Deutschland verboten ist!“
„Ist das gerade passiert?“
Hülya kaut auf ihrem Daumen. „Äh…nein…gestern und heute Morgen! Aber die dürfen das nicht sagen, oder?“
„Natürlich nicht! Warum hast du mir das nicht gleich erzählt? Los, zeig mir die!“

Wir sind die einzige Klasse in der Jugendherberge, deren Schüler (bis auf zwei Kinder) einen Migrationshintergrund haben und fallen deshalb schon ein bisschen auf. Die andere Klasse auf dem Stockwerk, mit der wir uns die Waschräume teilen, ist ein sechstes Schuljahr. Wir sehen uns wenig, denn große Feuerüren trennen die beiden Bereiche voneinander ab.
Leider finden wir niemand von der anderen Gruppe – sie ist ausgeflogen.
Beim Mittagessen erspähe ich die Lehrer der Klasse und setze mich kurz zu ihnen. Sie haben von den Vorfällen gehört und mit ihren Mädchen gesprochen, versichern sie mir. Das wäre natürlich unmögliches Verhalten und würde nicht geduldet.
Die Übeltäterinnen haben leider den Essraum schon verlassen und da die Klasse kurz darauf abfährt, können wir nicht mehr mit ihnen sprechen.
Hülya ist zufrieden, aber verunsichert. „Warum sagen die Mädchen so, Frl. Krise? Ich habe ihnen doch nichts getan?!“

Nach dem Abendbrot tändeln die meisten unsere Schüler kurz vor dem Haus herum, wir wollen noch zu irgendeiner abendlichen Aktivität aufbrechen.
Ich habe noch etwas im Haus zu tun und gucke zufällig aus dem Fensterdes ersten Stocks.
Einige Jungen einer Klasse, die gerade erst angekommen ist, spielen auf dem kleinen Platz vor den Haus Fußball. Sie sind alle deutlich größer als unsere Jungs, sehr sportlich und durchtrainiert.
Ihr Ball rollt Osman vor die Füße. Der dribbelt ein bisschen vor sich hin und schießt den Ball dann zu Musa. So geht das zwei-dreimal, dann bringen die großen Jungen den Ball wieder in ihren Besitz. Dabei fliegen einige Unfreundlichkeiten von beiden Seiten.
Ich kann zwar durch das geschlossene Fenster nichts verstehen, aber an der Körpersprache ist abzulesen, dass sich hier ein Konflikt anbahnt. Unsere Jungen ziehen sich vor den Großen zurück, sind aber sichtlich sauer und machen aus sicherer Entfernung Drohgebärden. Ich öffne schnell das Fenster, um besser mitzubekommen, was da abgeht.
Die großen Jungen imitieren nun Musa, der wegen seiner Körperfülle einen etwas watscheligen Gang hat. Einer tut sich dabei besonders hervor, am Ende seiner kleinen Show reißt er die Arme hoch und schreit höhnisch: “Türkiye! Türkiye! Ein schönes Leben noch!“ Die anderen lachen sich halbtot und meine Jungen schäumen.
So schnell bin ich lange nicht mehr eine Treppe runter geflitzt. Ich bin stocksauer.
Müssen denn meine Jungs dieses Theater mit dem Ball machen? Immer so ein unnützer Stress! Und weshalb ziehen diese Großen auch einen kleinen Konflikt um einen Ball auf diese Ebene?
Ich fauche meine Bagaluten an und versuche dann den Großen meinen Standpunkt klar zu machen, aber die fühlen sich gänzlich unschuldig und streiten ALLES ab. Sogar den „Türkiye“-Satz! Ich wende mich an den Lehrer, der gerade mit einem Mädchen Federball spielt und offensichtlich nichts bemerkt hat. Die Jungen gehen in die neunte Klasse eines Sport-Gymnasiums, erfahre ich von ihm. Sie umringen uns, verteidigen sich vehement und sehr eloquent und einer von ihnen, ein Chinese, beteuert, niemals hätten seine Mitschüler sich schon einmal zu ihm rassistisch verhalten.
Der Lehrer ist unschlüssig, er sagt nicht viel und ich stehe kurz vorm Platzen.
Wenn deutsch-türkische Kinder bei jeder Gelegenheit mit ihrer Herkunft beschimpft werden, muss man sich doch nicht wundern, wenn sie sich nicht richtig integrieren! Kapiert das denn keiner?
Schließlich ziehe ich dampfend ab.
Meine Jungs umringen mich aufgeregt. Sie sind ein bisschen kleinlaut und versprechen mir hoch und heilig sich nicht mehr mit den Großen anzulegen. Was auch passiert…die beiden Klassen strafen sich in der restlichen Zeit mit Nichtbeachtung.

Unsere gute Laune bleibt an diesem Abend getrübt…

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58 Antworten zu Klassenfahrt, Teil 3

  1. Kejo111 schreibt:

    Da, wo es angebracht ist, verteidigst du deine Schützlinge wie eine Löwin ihre Jungen! Bravo.

  2. Robin Urban schreibt:

    …und gerade im Sport sollen doch Integration und Kameradschaft groß geschrieben werden! Widerlich sowas!

  3. inneres Stimmchen schreibt:

    es ist so schräg… ihre Jungs sind doch Deutsche Frl. Krise. Vielleicht ist es weniger Ausländerhass als Unverständnis für diese Verbundenheit mit der Herkunft der Eltern (bzw. im Fall des Kopftuchdings- der Religion) ?
    Und: hätten sich die Jungen nicht vielleicht auch in die Köppe gekriegt, wenn sie alle miteinander Türken gewesen wären? (Man weiß ja nie was die auffer Sportgymnasiumschulle so spritzen… vielleicht Testosterone? o.O 😉 )

    Ach Mensch, solche Schatten (im Hirn) braucht doch keiner…

    • dfhjhxs schreibt:

      Ist das Kopftuch nicht mehr so kulturell bedingt? Kultur und Religion sind zwar Geschwister, aber war da nicht was, dass es eigentlich keine Pflicht ist?

      • Robin Urban schreibt:

        Ist keine Pflicht im Islam (dafür aber EIGENTLICH im Christentum).

      • halab schreibt:

        keine Pflicht im Islam aber dafür eigentlich im Christentum?
        Ich bitte um Aufklärung.
        Bis jetzt wusste ich nur, dass orthodoxe jüdische Frauen Perücken tragen.

        Viele neugierige Grüße

      • @halab Je nach theologischer Ausrichtung werden auch die Regeln des alten Testaments und die Briefe aus verbindlich angsehen. Daraus kann man eine Bedeckungspflicht – keine Kopftuchpflicht – ableiten.

        Für die tatsächliche Praxis ist dass eher unwichtig, da im christlichen Mainstream unbestritten ist, dass solche Vorschriften in ihrem historischen Kontext zu betrachten sind und – da sie keine grundsätzlichen christlichen Werte betreffen – nicht wörtlich zu verstehen sind.

    • inneres Stimmchen schreibt:

      Die orthodoxen jüdischen Frauen sollten „eigentlich“ auch keine Perücken tragen sondern lediglich „ihr Haupt bedecken“- wenn sie denn verheiratet sind.(Die Perücke ist Auslegungsendergebnis und eher modisch kulturelle Entscheidung 😉 ) Ich weiß jetzt aber nicht genau, ob das Christentum und der Islam eine Entsprechung der Halacha in dem Punkt hat. Pflicht beginnt ja meistens da wo Kultur zwingt… irgendwie.
      Das ist ja was mich an Ausländerhass zweifeln lässt: Woher sollen die Kinder (oder überhaupt Unbeteiligte/ Aussenstehende) verstehen wie sie etwas einzuordnen haben, wenn es soviel Auslegungsmöglichkeiten gibt, die aber alle als DAS EINE ECHTE WAHRE verteidigt werden? Frl. Krise hatte doch irgendwann hier mal was von den Mädels in unförmiger Klotte mit „mir is nich warm!“ geschrieben- das werden Mädels in Kopftuch, Rock bis zum Boden und darüber noch ne lange Kutte gewesen sein, die doch recht strikt in diese „Verhüllungskiste“ gebunden sind. Es gibt aber auch Mädchen die ab der ersten Periode das Kopftuch „nehmen“ und trotzdem knackenge Hotpants und Megaausschnitt tragen- aber auch muslimisch eingebunden sind. Und dann die Mädels die sich ohne Ende behängen und never ever freiwillig das „Kopftuch nehmen“ werden. Aber alle werden sich hinstellen und sagen, dass sie Moslems sind und dass das eben nun mal so ist bei denen…
      Also ich für meinen Teil stehe dann immer so da: 😕

      • inneres Stimmchen schreibt:

        Achso und ganz ganz eigentlich sollten nicht nur orthdoxe jüdische Frauen ihr Haupt bedecken sondern jede jüdische Frau sollte das tun- tut es aber nicht. Ich denke diese Verwischung wird es im Islam und im Christum gleichsam gegeben haben.

  4. fraufreitag schreibt:

    gibt doch nichts schöneres, als die eigene klasse vor anderen klassen zu verteidigen.

  5. fraufreitag schreibt:

    schön, dass Sie wieder da sind frl. krise!

    • daisy schreibt:

      Bei meinen Klassenfahrten war keine dabei, wo sich meine Herzchen nicht mit irgendeiner anderen Gruppe gezofft haben. Aber bevor wir uns einmischten, war der Stress schon wieder vorbei und hinterher flossen sogar mal Tränchen beim Abschied.

  6. Kejo111 schreibt:

    Du kannst deinen Schülern übrigens ruhig erklären, dass diese doofen „anderen Schüler“ gaaaanz alt aussehen würden, wenn sie plötzlich in die Großstadt ziehen müssten. „Street cred“ haben die doch weniger als Null. Landeier, weltfremde!

    • Stöcker schreibt:

      Sportgymnasien liegen nicht fernab der Zivilisation, im Gegenteil, meist in Städten mit entsprechenden Sportstätten, wie Radstadien, Leichtathletikzentren, Sportuniversitäten etc.

    • Will Munny schreibt:

      Stimmt, in der Großstadt wäre das ganz anders gelaufen. Da wären nach 5 Minuten 20 Cousins der Migrationshintergründler vor Ort gewesen und hätten die weltfremden Landeier „Messä gemachd“. Es stimmt mich froh, dass es in unserer Jugend noch weltfremde Landeier gibt, die wissen, wie man sein Recht durchsetzt, und sei’s nur das Recht auf seinen Ball.

      • frlkrise schreibt:

        Recht auf Ball kann man ohne solche Parolen auch durchsetzen! Aber so ist es natürlich einfacher…

      • Tine schreibt:

        Oha, das trieft hier ja vor Vorurteilen!!!

      • krizzydings schreibt:

        Na das schaut dann ja rosig aus für Deutschband Nicht nur dass die Vermittlung von Toleranz & Umgangsformen nicht als wichtig erachtetet wird.Nein, auch wird es gutgeheißen, wenn die Kinder zu kleinen egoistischen Sturrköppen erzogen werden, die sich auch bitteschön (weil das Recht des Stärkeren gilt) als die Stärkeren darzustellen haben.Manchmal brauch ich mir nur vorzustellen,was es für Meinungen in der Sache und mir kommt mein Mageninhalt hoch.

      • Kejo111 schreibt:

        „Die wissen, wie man sein Recht durchsetzt“? Das willst du tatsächlich gutheißen, WIE sie es „durchgesetzt“ haben?

      • Pico schreibt:

        >> (…) Da wären nach 5 Minuten 20 Cousins (…) vor Ort gewesen (…) << – Ja. Und man sollte sich gerade anhand eines so popeligen-, dafür aber auch überschaubaren Vorfalls mal überlegen, wie das ohne die Überlegenheit der eigentlichen Ballbesitzer gelaufen wäre. Kein Vorwurf an das Frl. (hat in ihrer Position korrekt gehandelt), dafür umso mehr an diejenigen, die derartige Verhältnisse mit Gleichmacherei und Moralkeule vom Tisch wischen wollen. Dadurch wird es nicht besser, sondern schlimmer. Das Verhalten der Gymnasiasten entspringt aus meiner Sicht der heutigen Dinge nicht dumpfer Fremdenfeindlichkeit, sondern alltäglichen negativen Erfahrungen mit einer abgrenzbaren Personengruppe.

      • Will Munny schreibt:

        @frlkrise: Stimmt, die dämlichen Parolen waren überflüssig.

        @krizzydings: Ich erachte die Vermittlung von Toleranz und Umgangsformen sogar für ausserordentlich wichtig, und zwar für alle Kinder Dazu gehört auch, dass man einer Gruppe spielender Kinder ihren Ball nicht einfach wegnimmt, sondern fragt, ob man mitspielen darf. Es geht auch in keinster Weise um das Recht des Stärkeren sondern um Eigentumsrecht. Bezeichnen Sie ernsthaft einen Schüler, der SEINEN Ball gerne wiederhaben möchte, als egoistischen Sturkopf?
        Halten Sie Ihren Mageninhalt lieber unten, Ihre geistigen Ergüsse reichen schon.

        @Kejo111: „…dann bringen die großen Jungen den Ball wieder in ihren Besitz.“ Das war ihr gutes Recht. WIE sie dies gemacht haben, steht nicht in dem Artikel. Wie bereits gesagt, waren die anschliessenden blöden Bemerkungen natürlich völlig überflüssig.
        An Ihrem obigen Posting stören mich zwei Dinge: (1) Die Kinder von Fräulein Krise haben den Ärger offensichtlich angefangen. Deshalb hielte ich es für richtig, sie auf ihr falsches Verhalten hinzuweisen (hat Frl. Krise ja vieleicht gemacht!?) anstatt ihnen, wie von Ihnen empfohlen, durch Herabsetzung der anderen Gruppe auch noch den Rücken zu stärken. (2) Ich glaube nicht, dass man sich als Lehrer Respekt vor Schülern verschafft, indem man sich durch Verwendung von albernen Jugendslang-Begriffen wie „Street cred“ auf ihr Niveau begibt. Wer sowas macht, wird von Schülern nicht ernst genommen.

    • Was soll “Street cred” sein? Es geht hier um Kinder der unteren Jahrgangsstufe, anscheinen auf Hauptschulniveau, für die 30 km Entfernung zum eigenen Bezirk eine riesige Entfernung darstellt.

      Ansonsten: Irgendwie etwas bigott, beim Thema Diskriminierung eine andere Gruppe wegen der vermeintlichen ländlichen Herkunft abqualifizierten.

      Als in einer Großstadt und einem durchaus metropolen Raum (Ruhrstadt) aufgewachsener, kann ich nur feststellen, dass der Anteil wirklich urbaner Großstädter verschwindend gering ist und der Anteil ehemaliger Landbewohner darin der zu erwartenden Verteilung entspricht.

      Der Rest hängt auch nur im jeweiligen Kiez herum, nur dass an der Grenze keine Kühe stehen, sondern ein anderer Kiez.

  7. Stöcker schreibt:

    Aber das Verhalten der Migrationshintergrundler war doch so, wie es jeder erwartet. Dann darf man sich auch nicht wundern. Statt den Ball zurückzuspielen und zu fragen, ob man mitspielen dürfte sich einfach etwas nehmen ist nichts, was ich integrieren möchte.

    • frlkrise schreibt:

      ach, ja? erwartest du das?

      • Anna schreibt:

        Sowas erwarte ich auch, bzw. überrascht es mich nicht. Aber eben generell von Jugendlichen und nicht von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. So ein Verhalten hat denke ich wenig mit der Herkunft der Eltern zu tun.
        In dem Alter (gerade auf einer Klassenfahrt, meist das erste Mal alleine von zu Hause weg) ist sowas doch normal. Und wirklich kein Grund für rassistische Bemerkungen.

      • Stöcker schreibt:

        Ja.
        Und zwar aus Erfahrung und alltäglicher Beobachtung. Nicht alles ist Vorurteil oder Klischee, Frl Krise, vieles ist leider Alltag und bittere Realität.
        Gerade gegenüber „Gymnasiasten“, gemeint als Sinnbild von gehobenem Mittelstand mit Zukunftsperspektive, ist das Verhalten von Provokation durch Körperlichkeit häufig zu beobachten.

        „Ihr Ball rollt Osman vor die Füße. Der dribbelt ein bisschen vor sich hin und schießt den Ball dann zu Musa. So geht das zwei-dreimal, dann bringen die großen Jungen den Ball wieder in ihren Besitz. Dabei fliegen einige Unfreundlichkeiten von beiden Seiten.“
        „sind aber sichtlich sauer und machen aus sicherer Entfernung Drohgebärden. „…“ Einer tut sich dabei besonders hervor, am Ende seiner kleinen Show reißt er die Arme hoch und schreit höhnisch: “Türkiye! Türkiye! Ein schönes Leben noch!“ Die anderen lachen sich halbtot und meine Jungen schäumen.“

        Und sie beschreiben hier eindeutig eine Reaktion auf eine Provokation und keine Feindlichkeit gegenüber armen unschuldigen Kindern mit Migrationshintergrund, dass im Eifer unschöne und ungerechtfertigte Begriffe fallen ist auf beiden Seiten so. Hier fehlt wohl einfach das SOZIAL-Verhalten.
        Nach meinen Beobachtung bleibt aber die soziale Komponente nur bei der eigenen Sippe und „Nationalität“, „unser Dorf“, sie erinnern sich an ihre eigenen Blogs? Soziale Verbindungen ausserhalb dieser eigenen Welt gegenüber der ach so ungerechten Umwelt bleiben aus.

        Und so bleibe ich in dieser Beziehung ein Pawlowscher Misanthrop.

    • Willi schreibt:

      Wenn ich da meine Schüler im Kopf habe war das kein „ich nehme mir was ich möchte ,egal wem es gehört“ sondern eher ein „ich denke nicht nach bevor ich handle“.
      Was bestimmt keinen Zusammenhang mit einem Migrationshintergrund hat…

    • Ulla39 schreibt:

      …wie es JEDER ERWARTET von Migrationshintergrundlern? Was für einen bornierten Mitmenschen haben wir denn hier vor uns?

      • Stöcker schreibt:

        Nicht borniert, Straßenbahnfahrer in der gleichen Linie wie Schüler aus drei verschiedenen Schulen, Gesamtschule mit hohem Migrationsanteil, Gymnasium mit „normaler“ Mischung, also von Chantall und Jeremy über Nesrin, Chang, Tonio, Pedros, Anna und Johannes bis hin zu „von und zu“ Gottfried-Fürchtegott, und Privatschule.
        Bitte nicht für die beispielhaften Namen wieder gleich losschreien, sollen nur das Spektrum darstellen und der Begriff „normal“ ist wörtlich als statistische Verteilung in den Schulen zu verstehen.

  8. nadineswelt schreibt:

    Gut, dass Du rechtzeitig eingeschritten bist und es nicht mehr eskaliert ist.

  9. Olaf aus HH schreibt:

    Soo funktioniert „Fußball“ – zwei Parteien ringen um den Ballbesitz.
    Vielleicht war es eine etwas hölzerne Art, zum Improvisationsturnier zu bitten. Als Junge habe ich auch gebolzt und so oder so ähnlich lief das damals auch bei uns manchmal auf dem Bolzplatz ab, daß „Neue“ auftauchten und sich unkompliziert ohne viel Gesabbel einklinkten. Das war sogar eine willkommene Abwechslung Jedenfalls hätten die „Supersportler“ von der Spochtgymnasiumschulle anders und weniger herablassend reagieren können.

  10. Waldemar schreibt:

    Naja ihre Klasse bzw. die ganze Schule scheint auch jedes denkbare negative Klischee zu erfüllen. Irgendwie nicht verwunderlich, dass da häufig Ablehnung kommt.

  11. Tolkienist schreibt:

    Spricht es nun eigentlich für oder gegen mich, dass ich mich beim Lesen doch reichlich gemütlich in meinen Vorurteilen gegenüber Sportlern gesuhlt habe – und nicht mal an den MiGraHiGru der anderen gedacht hab? Schon auf dem normalen Gym waren/sind die Sportler oft die gemeinsten Mobber, meist ein halbwegs intelligenter Anführer und seine Muskel-Buddies. Sport als Verbindungselement? Pfff, klaro. Im Kiez meiner Kindheit vielleicht, wo es nicht gleich als Bedrohung aufgefasst wurde, wenn zwei fremde Jungs mal gedribbelt haben… da galt das noch als normale Kontaktaufnahme. Und Großstadt, eben, „Arbeiterviertel“. In der lieben netten Kleinstadt, wo ich später gewohnt habe, sah das schon ganz anders aus (Wah, eine Fremde!).

    Sie können Ihre Kiddies mal ernsthaft ganz lieb von mir grüßen, die meisten Muskelprotze fallen im echten Leben, sobald niemand sie mehr wegen ihres „tollen Sports“ protegiert, superfix auf die Nase. Life Smart wird man nicht vom Ballspielen!

  12. kaeks schreibt:

    Ich kann mir das richtig gut vorstellen – Krise in Action! Schade, dass es soweit kommen musste. Für Jugendliche, im Testosteronstreit ist natürlich ein Migrationshintergrund eine wunderbare Grundlage für Sprüche. Wenn es das nicht gewesen wäre, wären die Mütter beleidigt worden. Feige ist von denen, es abzustreiten o.O

  13. Kneifer schreibt:

    Ich würde allerdings auch erwarten, dass diese Burschen meinen Ball stehlen oder zerstören wollen. Sorry, aber ist nunmal so. Was das Türkiye-Gebrüll soll, verstehe ich allerdings auch nicht.

  14. kinder-sind-unschlagbar schreibt:

    Die wollten einfach Stress (und zwar beide Gruppen). Dann sucht man sich irgendeinen Punkt, an den man das aufhängt. Wenn es Deutsche gewesen wären, dann wäre es vielleicht die schiefe Nase gewesen, die Klamotten oder der Sprachfehler. Das Thema „rassistische Beledigungen“ ist überbewertet. Es geht einfach um Beledigungen, der Grund ist dafür zweitrangig.

  15. wolf147 schreibt:

    Früher war es mal so, das Kinder und Jugendliche ihre Streitigkeiten selbst lösen konnten. Wo sind wir bloß hingekommen, wenn für jeden banalen Streit ein Regulativ benötigt wird. Hier Rassismus Vorwürfe zu verteilen, zeugt für mich von der absoluten Unkenntnis der deutschen Geschichte. Würden die Deutschen beim ESF Beschluss des BVG so vehement intervenieren, wie Frl. Krise bei ihren Migranten Kindern, würden wir nicht auf die EU Diktatur zusteuern.

    • krizzydings schreibt:

      Das Problem ist doch, dass diesen eher minder erfolgreichen Kindern ihr Migrationshintergrund permanent als DIE Negativeigenschaft vorgehalten wird. Man sieht sich automatisch dorthin zurück, wo man sich wohl fühlt, weiles keine Rolle spielt oder gar zusammenhalt stiftet. So wird das andere wo man sich nicht wohlfühlt automatisch zum schlechten/verpönten und es finden sichplötzlich absolut groteske Gründe für die Abschottung. Und so lernt jeder: du musst dich 1x anstrengen, um den Migrationshintergrund auszugleichen und dann noch einmal, um gegen die Konkurrenz zu bestehen. kann auch mal abschreckend anstrengend sein

  16. Susann schreibt:

    Naja, es ist nicht so, dass Gymnasiasten nicht einen gewissen Dünkel zeigen können (bzw. ihn von der lieben medialen Umwelt eingeimpft bekommen)…

  17. paule t. schreibt:

    „Und weshalb ziehen diese Großen auch einen kleinen Konflikt um einen Ball auf diese Ebene?“

    Weil es ihnen die noch Größeren, sprich die Gesellschaft, so vormachen. Da wird doch in den letzten Jahren auch jeder Konflikt, bei dem das nur möglich ist, auf diese Ebene gezogen. Was sind denn Sarrazin-Debatte etc.pp. anderes?

  18. Gemeinsam hoch hinaus schreibt:

    Der Schäferhund der seine Schäfchen verteidigt, aber sich auch nicht zu schade ist auch mal Tacheles mit seinen Schäfchen zu reden. So ist es richtig!

    Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen gibt es immer. Da muss man leider aber immer häufiger hoffen, dass der andere Betreuer einigermaßen human ist und die eigenen Kinder doch irgendwie die klügeren sind.

  19. kecks schreibt:

    Es erwartet doch niemand ernsthaft, dass eine Gruppe von Jungs eine jüngere Gruppe, die auch noch versucht hat, den Ball zu kapern, einfach so mitspielen lässt? Klar eskaliert das dann schnell in den bekannten Bahnen. Rassistisch ist da nichts, sondern einfach 14 Jahre alte Jungs, (zu)viel Testosteron und große Zugehörigkeitsgefühle (inklusive Abwehrhaltung nach außen) zur eigenen Bezugsgruppe Gleichaltriger. Und dann darf man vor den Kollegen auch nicht wie ein Loser aussehen, gockeln muss sein – wups, wird es unschön.

    (PS, Sportgymnasien sind keine Orte, an denen sich asoziale Idioten lange halten. Das Leben dort ist hart und fordert viel, viel, viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Zweimal täglich Training und Schule sind nichts für Leute, die willensschwach sind/sich nicht quälen können. Dadurch entsteht sicherlich ein gewisser Dünkel, der aber auch nicht ganz unberechtigt ist. Kaum ein Jugendlicher außerhalb dieses Umfelds arbeitet so konzentriert und hart wie angehende Leistungssportler. Man kann Dinge, die ’normale Menschen‘ für völlig unmöglich halten, und das ist das Ergebnis von Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit. Und wenn du kotzen warst, dann nochmal von vorn. Vielleicht ist es schwierig, das von außen nachzuvollziehen, wenn man es nicht durchgemacht hat.)

  20. michaela schreibt:

    Kinder sind immer grausam! Da werden alle Minderheiten zur Minna gemacht. Und beschimpft. Und weiss ich nicht alles. Man muss – weder auf der einen, noch auf den anderen Seite – immer alles in Gold aufwiegen! Und als angeblichen Beweis für irgendwas überdramatisieren.
    Es gibt in Deutschland viel Fremdenfeindlichkeit. Und es gibt viele integrationsresistente Migranten bzw. Menschen mit Migrationshintergrund. Der Fehler der Nichtintegration liegt auf *beiden* Seiten. Außerdem:
    Wenn in der Schule jemand mit uncoolen Klamotten auftaucht, und er statt mit einem teuren Auto mit ’ner Pferdekutsche zur Schule gebracht wird, dann wird er von ALLEN (Schnösel-Deutschen sowie Migrationshintergrundskinderchen) gemobbt, soviel ist mal sicher. Selbst wenn er vielleicht Amish wäre und seine Religion diese Lebensweise vorgibt.

  21. spreemieze schreibt:

    ja, ich finde das auch ganz schlimm. Auch besonders in Berlin. Die „Türken“ sind meist noch die einzigen gebürtigen Berliner und leben seit Generationen hier, sind aber immer noch „Türken“. Prollt einer mal rum, dann ist das gleich „typisch türkisch, deshalb mag man die nicht“. Aber alle erfolgreichen, eigenständigen, studierten oder sonst was sind höchstens mal Beispiele für gute Integration. Daran haben die Medien eine ganz große Schuld.
    Naja, aber wenn Bushido, der nur einen ausländischen Elternteil hat, mit dem Preis für Integration auszeichnet – der muss mal auf die Couch.

  22. Frank Bauer. schreibt:

    „Wenn deutsch-türkische Kinder bei jeder Gelegenheit mit ihrer Herkunft beschimpft werden, muss man sich doch nicht wundern, wenn sie sich nicht richtig integrieren! Kapiert das denn keiner?“

    Komisch.
    Ich wohne gegenüber einer Hauptschule. Hier werden immer nur die (wenigen) deutschen Schüler als „Kartoffel“ etc. beschimpft.
    Ist aber bestimmt nur ein Einzelfall in Deutschland.

    LG.

    • frlkrise schreibt:

      Und wenn die Verteilung anders herum ist ist, dann werden die Türken beschimpft…

      • Stöcker schreibt:

        Dann scheint das Problem aus Ihrer Sicht an den Deutschen zu liegen, aber das Problem ergibt sich anscheinend nur mit „Türken“, von den Millionen Griechen, Italienern, Chinesen, Vietnamesen, Japanern, Rumänen, etc. lese ich hier, und nicht nur hier, nichts.
        Integration muß auch gewollt sein und bedarf vieler Anstrengungen, aber genau wie in jeder Beziehung/Partnerschaft/Ehe von beiden Seiten.

      • poncho schreibt:

        Zwar weiß ich, dass Sie in Ihrem Blog Hausrecht haben, aber sich einem kritischen und sachlichen Kommentar nicht zustellen, ist unrühmlich. Aber wieso wundert mich dass nicht, die ÖRs zensieren auch wie die Blöden.

      • poncho schreibt:

        Tut mir leid, dass ich Ihnen das sagen muss, Sie sind leider nicht kritikfähig!

  23. Wolfram schreibt:

    Mich ärgert es, dass die Lehrer/Betreuer die Situation nicht kontrolliert haben. Spätestens an der Stelle „Unsere Jungen ziehen sich vor den Großen zurück, sind aber sichtlich sauer und machen aus sicherer Entfernung Drohgebärden.“ hätte man eingreifen und die Gruppen trennen müssen, z.B. indem man erklärt „Die Pause ist jetzt zu Ende, wir treffen uns NUN im Gemeinschaftsraum“.

    Den Konflikt aufzuwerten, indem er auf die Lehrer-Ebene gezogen und öffentlich (vor den Kindern) diskutiert wird („Der Lehrer ist unschlüssig, er sagt nicht viel und ich stehe kurz vorm Platzen.“), ist keine pädagogische Meisterleistung…

    Das Grundproblem sehe ich an anderer Stelle: Wenn Gruppe A Fussball spielt und der Ball in den Bereich der Gruppe B fliegt, dann hat B grundsätzlich vier Möglichkeiten:
    a) den Ball ignorieren
    b) den Ball kommentarlos zurückspielen
    c) den Ball zurückspielen und fragen, ob man mitspielen kann
    d) den Ball behalten
    Warum wählen Frl. Krises Kinder die Option (d), wenn die andere Gruppe in der Überzahl und dazu noch körperlich überlegen ist? Da fehlt es doch an grundlegender Sozialisation.

    Bei der ganzen Sache haben die Kinder nun eines gelernt: ich kann Sachen nehmen, die mir nicht gehören; falls es dann doch Ärger gibt, paukt mich jemand (Lehrerin, später (hoffentlich nicht) die Jugendgerichtshilfe) wieder heraus. Das gefällt mir nicht.

  24. Zero schreibt:

    Liebe Frl. Krise,

    ich finde es sehr gut, dass sie dieses Mal einen so kritischen Beitrag bringen und auch die richtigen Schlußfolgerungen ziehen.
    Obwohl natürlich auch klar ist, dass es dann in der anschließenden Diskussion wieder um Islamisierung Deutschlands und andere Schlagwörter gehen wird, die mit dem eigentlichen Beitrag nicht viel zu tun haben.
    Es krankt in unserer Gesellschaft ganz arg daran, dass die zweite, dritte und vierte Generation an „Gastarbeitern“ (ich mag dieses Wort nicht, weil es impliziert, dass „Gäste“ nur für eine gewisse Zeit geduldet werden) immer noch von selbst ernannten „Urdeutschen“ zurück in ihre „Heimat“ (in der die meisten noch nicht einmal waren) gewünscht werden.

    Allerdings denke ich auch, dass wie Stöcker es erwähnte, hier einfach das Sozialverhalten fehlt. Bei uns gab es in der Kindheit ähnliche Situationen, ohne das jemand Migrationshintergrund gehabt hätte. Das heißt nicht, dass man diesen hier ausklammern sollte, man sollte es nur im Hinterkopf behalten.

  25. Sinnesrausch schreibt:

    Ich bin mir sicher, das Frl. Krise eine sehr gute Lehrerin ist. Das geht zumindest aus ihren Erzählungen hervor. Darum identifiziert sie sich mit ihren Schülern und beschützt sie. Toll, die Schüler können froh sein, sie zu haben. Vielleicht bringt sie ihnen sogar ein paar europäische Werte mit auf den Weg. Das sie also die Situation so einschätzt, wie sie es eben macht, kann ich verstehen. Ansonsten könnte sie ihren Job gar nicht so aushalten.
    Das die ganzen Leser hier aber diesen Gutmenschenkram bis zum Erbrechen durchziehen kann ich nicht verstehen.
    Klare Situation: Türken nehmen den Ball weg anstatt mal vorher durch ein paar höfliche Worte nach Mitspielen zu fragen. So wie es täglich passiert, weil sie kleiner und jünger waren und die größeren Brüder in weiter Ferne, sind sie nicht handgreiflich geworden. Klassisches Bild.
    Aaaach deutsche benehmen sich auch manchmal daneben? Ja sowas aber auch, hätte ich nicht gedacht, geniales Argument da habt ihr ja sogar recht! Ich sehe mit meinen eigenen Augen täglich wie sich deutsche benehmen, und dagegen Türken / Araber / sonstige Leute mit Koran 1.0 im Kopf. Ich brauche keine geschönten Statistiken (die trotz massiver Manipulation noch Bände sprechen) und vor allem keine Lügen für ganz rationale Schlüsse.

  26. nana schreibt:

    ich bin spät dran, wollte mich aber nochmal für den beitrag bedanken, weil ich ziemlich drüber hab nachdenken müssen. nicht so ganz direkt, weil ich inzwischen mehr in indien als in deutschland bin, aber auch hier kann man gut über den noch vorhandenen rassismus in sich nachdenken. vielleicht ist es hier nicht wirklich rassismus, sondern eher westliches dekadenzgedenke, aber es gibt situationen, wo ich mich manchmal bei diesem ertappe. was vielleicht nicht viele merken, weil es so „normal“ ist. und ich auch oft nicht.
    und es gibt hier interessanterweise im norden einen konflikt zwischen buddhisten und moslems, der mich in seinen mechanismen sehr an die integrationsstreitereien in deutschland denken lässt. wahrscheinlich könnte ich noch stundenlang was dazu schreiben/erzählen und wahrscheinlich mache ich auf meinem blog irgendwann einen eintrag dazu – hier einfach nur: danke!

  27. vanCham schreibt:

    [quote]Wenn deutsch-türkische Kinder bei jeder Gelegenheit mit ihrer Herkunft beschimpft werden, muss man sich doch nicht wundern, wenn sie sich nicht richtig integrieren![/quote]
    Umgekehrt wird auch ein Schuh draus.
    Wären sie vernünftig integriert, gäbe es weniger Gelegenheiten sie wegen ihrer Integrationsunwilligkeit anzugreifen.
    Wer wie ein Türke aussieht, Kopftuch trägt und darüber hinaus kein halbwegs vernünftiges deutsch spricht, braucht sich über Fragen nach seiner Herkunft nicht zu wundern.
    Integration ist nunmal ein Prozess, der von [b]beiden[/b] Seiten aus vorangetrieben werden muss.
    Dass hierbei von deutscher Seite aus gravierende Fehler gemacht wurden, steht ausser Frage.
    Dass sich besonders Migranten aus dem türkischen und großrussischen Raum aber überproportional häufig der Eingliederung verweigern, leider ebenso.
    Wer teilweise in der dritten Generation in einem Land lebt und sich immer noch abkapselt und eine Parallelkultur zementiert, zudem die Landessprache nicht richtig spricht und vorrangig mit Mitgliedern seiner eigenen Ethnie verkehrt, ist in meinen Augen im falschen Land und sollte besser gehen.
    Egal ob das nun der Türke (mit deutschem Pass) in Deutschland oder der Deutsche in Kolumbien ist.

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