Noch dreimal schlafen…

Wo ist der Sommer hin? Erst kommt er nicht und dann ist er schon vorbei.
Und warum sind die Wanderwochen immer im September, wenn man sich krampfhaft am letzten Sommerrestchen festhält und sich weigert Socken und eine Jacke anzuziehen?
Kein Wunder, dass alle auf den Klassenfahrten krank werden! Es ist übrigens schlechtes Wetter angesagt…

Aber noch sind wir nicht weg…
Diese Woche war unsere Schule fast leer. Nur die siebten Klassen hielten die Stellung. Alle anderen – ausgeflogen! In die Türkei, nach Kroatien, Italien und was weiß ich noch, wo überall hin. Die zurück Gebliebenen hatten eine Woche Intensivkontakt mit ihren Klassenlehrern. Puh, eine ganze Woche nur die eigene Klasse zu unterrichten ist auch nicht so ohne. Zum Glück waren wir zu zweit. Ich hatte Karl und Karl hatte mich – und die Klasse uns. Trio infernale…
Gestern ging raus es aus der Schule und rein in einem großen Park, um an einem Teich ein paar Beobachtungen der Flora und Fauna zu machen. Unsere Schüler, wahre Stadtpflanzen, fanden schon den Weg dorthin eine Zumutung. „Wie – laufen? Warum gehen wir nicht mit Bus/Tram/U-bahn?“
Am Teich war es ganz still, die Sonne funkelte auf der Wasseroberfläche, ein Fischreiher guckte ein paar Enten beim Gründeln zu und Fisch, Frosch und Company gingen leise ihren kühlen Geschäften nach.
Dann… BRACHEN wir in die Idylle!
Der Fischreiher machte sich sofort etwas umständlich zum Abflug bereit (O-Ton Osman: „Ein Adler!?“) alle anderen Tiere, bis auf die Enten, entflohen und die Sonne versteckte sich kurz hinter einer dicken Wolke. Unsere Kinder bissen erstmal ins Butterbrot – so ein Marsch entkräftet schließlich – und fütterten anschließend die Enten mit den Resten. Eigentlich ist das in den Augen eines Siebtklässlers schon Tierbeobachtung genug…
Doch es musste ja noch eine Vielzahl von Fragen beantworten werden! Also machte man sich seufzend und murrend und hin und her rennend an die Arbeit.
Hülya, die gehört hatte, dass es ÜBERALL Drogenhändler im Park gäbe, schrie bei jedem Geräusch hysterisch auf, jedoch der einzige Mensch, der sich zeigte, war ein junger Papa mit einjährigem Töchterlein namens Josephine. Alle Mädchen ließen sofort jede Form der Pflanzen-und Tierbeobachtung sausen und umringten die Kleine. Menschenbeobachtung – „voll süüüüüüüüß!“ Finchen und der Papa strahlten.
Hamudi ließ unauffällig von einer Holzbrücke seinen Füller ins Wasser fallen und hoffte sich auf diese Art und Weise von der Arbeit zu erlösen, aber ich schenkte ihm gemeinerweise meinen Kuli…
Nach stundenlanger harter Arbeit ließen wir uns auf einer schönen großen Wiese nieder. Auch hier zogen sich Mensch und Dackel dezent zurück und überließen uns das Feld.
Wieder wurden dicke Brote (Jawohl, BROTE! KEINE CHIPS!) aus umfangreichen Plastikdosen hervorgezaubert und vertilgt. Was in Kinder reingeht, ist unglaublich. Helena erzählte, dass sie schon zu dritt Süßigkeiten im Werte von 50 Euro gekauft hätten. Für die Klassenfahrt!
Dann wurden ein paar Bälle bewegt und sich einige Male einen kleinen Hang herunter gewälzt und dann war endlich Wochenende.
WOCHENENDE!
„Vergesst nicht! Montag um halb neun geht’s los! Pünktlich!“ schärften wir unserer Kundschaft noch ein. Doch die stob schon in alle Richtungen davon.

Klassenfahrt!
Und dann zwei Wochen Herbstferien…Ich fürchte, die werde ich brauchen…

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15 Antworten zu Noch dreimal schlafen…

  1. nadineswelt schreibt:

    Ich wünsch Dir starke Nerven!

  2. rhadamanthys schreibt:

    Weshalb sind denn die anderen Klassen alle unterwegs?

  3. Kejo111 schreibt:

    Hm. Wenn ich mich mit meinen „Stadtpflanzen“ z. B. in den Park begebe, bricht eigentlich jedes Mal Chaos aus, weil diese Kinder nicht damit umgehen können, dass sie das einigermaßen naturnahe Terrain immer mit kleinen Tierchen teilen müssen. Wespen, Fliegen, Käfer, Bienen, Ameisen … alles bedrohlich und höchst gefährlich.

  4. Jana schreibt:

    Ich bin eben zurückgekommen von unserer wunderbaren Studienfahrt nach Paris. Meine Schüler der 9. und 10. Klasse waren superlieb. Um 11 Uhr abends war Ruhe, alle haben tagsüber brav gemacht was ich geplant hatte. Toll! Trotzdem wird diese Fahrt immer in meinem Gedächtnis bleiben, denn gefahren haben uns die unfähigsten Busfahrer dieser Erde! Die Hinfahrt hat aufgrund zweier Unfälle (mit unserem Bus) 18 Stunden gedauert, es fehlten grundlegende Kenntnisse des Straßenverkehrs – und ich rede nicht von den französischen Besonderheiten! Auf der Autobahn sind wir mit 60 km/h in der Mittelspur gefahren, manche Autos haben nur keine Delle abbekommen, weil sie schnell genug an uns vorbeigehuschelt sind. Es war der reine Horror! Vor Panik weinende Kinder, irritierte Eltern an den Handys, und wir zwei Lehrer waren auch seeehr angespannt.
    Für die Rückfahrt habe ich wenigstens einen neuen Busfahrer erbettelt, und der war so, wie man sich einen kompetenten Busfahrer vorstellt.
    Ich wünsche eine schöne Woche und vor allem eine gute Fahrt.

    • Claudia schreibt:

      Oh Gott, das kenn ich. Wir 12er und 11er hatten dieses Jahr eine freiwillige Exkursion in die Toskana. Wir waren ungefähr 50 Leute in einem großen Reisebus und mit dem haben wir uns durch Italien gequält. Auf dem Weg einen Berg hoch, um einen Marmorsteinbruch anzuschauen, haben wir beinah ein paar Häuser und Autos in einem Dörfchen angeschrammt, die Italiener sind ausgerastet (die konnten kein Englisch und unsere Busfahrer kein Italienisch) und der Höhepunkt kam dann in den Serpentinen: Während unser Bus sich um so eine Kurve wälzte, der einzige Schutz vor dem Absturz eine Leitplanke (ich habe geheult, aber gut, ich hab auch schlimme Höhenangst), und hupte, kam von oben ein kleiner Fiat (wahrscheinlich mir überhöhter Geschwindigkeit), fuhr in uns rein, schlatzte uns die Seite auf und knallte gegen die Leitplanke, wobei die Beifahrertür, die Stoßstange und der linke Kotflügel verloren gegangen sind. Nach einer Stunde kam die Polizei, die wieder kaum Englisch sprach, und ich denke es ist müßig zu erwähnen, dass es uns eigentlich gar nicht erlaubt gewesen wäre, dort hochzufahren, da unser Bus viel (VIEL!!!) zu groß für die Straßen war.
      Den nächsten Tag wollten wir Volterra anschauen und haben 3 Stunden im Bus verbracht für eine Strecke von 80 Kilometern, weil der Busfahrer ständig Straßen nutzen wollte, die für Gefährte unserer Größe nicht zugelassen waren. Es war eine Schreckenstour, ganz ehrlich. Und wäre auf dem Berg die Leitplanke nicht dagewesen, der Mann im Fiat wäre den Berg runtergekracht. Juchhe. Wir waren auch sehr froh, dass wir keine Koffer mehr im Gepäckfach hatte. Die ganze Fahrt war größtenteils ein Alptraum (aber es war klasse, in der Toskana rumzuturnen und braun zu knuspern, während es in Deutschland die ganze Woche geregnet hat :D)

  5. immerabgelenkt schreibt:

    Süßigkeiten für 50 Euro, für 3 Personen, für eine Woche? Wenn eine Tafel Schokolade einen Euro Kostet, eine Tüte Gummibärchen auch nen Euro ungefähr…also gehen wir mal von 50% Schokolade, 50 % Gummibären aus….2,5kg Schokolade + 6,25kg Gummibären…durch 3? Also vermutlich um die 2,9kg Süßes pro Person?? Wow. Das kann ja lustig werden…eine Woche überzuckerte Kids. Dann dir auch gute Nerven(-nahrung)!

    • frl_wunder schreibt:

      Süßigkeitenkonsum in der Menge ist ganz normal, keine Sorge, wir hatten vor drei Jahren im Schullandheim Vorräte, die die Hälfte vom Platz im Kleiderschrank beansprucht haben 😀 (und ja, wir haben alles gegessen ;-))

      Und zusätzlich zu Schokolade, Chips und Co gibt´s auch noch Energy-Drinks xD

  6. Iren schreibt:

    Gute Klassenfahrt!
    Und gutes Wetter!!
    Gute Nerven, gute Schuhe, guten Schlaf und gutes Essen!
    Und: guten Humor!

    Freue mich auf den Bericht!

    Herzlich,
    iren

  7. Tricia McMillan schreibt:

    Hach ist das spannend! Wie viele Kinder sind wohl schon verschwunden, wieder nach Hause gefahren, über die Stränge geschlagen…
    Sobald Frl. Krise das erste Mal die Klassenfahrt erwähnt hat, hätten wir sofort RTL2 benachrichtigen müssen. Die hätten die Klasse dann begleitet und täglich Bericht erstattet!

  8. Heini schreibt:

    Heute unterhalten sich die „Experten“ bei der Sueddeutschen über Klassenfahrten: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/556178/Profis-unter-sich

    Wichtigste Themen: Wie war bei euch Unterkunft und Verpflegung…

  9. Olaf aus HH schreibt:

    Ha ha – Frollein Krise !

    Sie haben heute (Samstag, 29.09.2012) Macht über Pixel. Von irgendwo unterwegs veröffentlichen Sie Nachrichten aus der Zeit Ihrer Klassenreise oder Sie sind wieder zurück (Samstag, 29.09.2012, ca. 14:14 Uhr).
    Ein Zeichen, daß Sie noch leben – wunderbar, sehr schön, ich bin beruhigt. Erholen Sie sich, schlafen Sie sich aus und dann…
    Ich bin sehr gespannt über Ihren Reise- und Survivalbericht. Und wohl nicht nur ich.
    Bitte – unbedingt.
    Ein wirklicher Fän fon ju 😉

  10. Sechs, setzen! schreibt:

    Hallo Frl. Krise, nun bist du wahrscheinlich schon völlig erschöpft von der Klassenfahrt zurück und hoffentlich nicht noch kränker…
    Eine Frage habe ich noch: Wie hast du denn deinen Lehrerblog-Link damals gestreut?! Ich lese seit längerem mit Begeisterung deine Posts (nach dem Artikel in der ZEIT) und werde jetzt auch selbst aktiv. Es ist einfach erleichternd und man spart sich wohl viel Geld für Yoga und Psychotherapie. Eigentlich müsste das Bloggen als Vorsorge bei der Krankenkasse anerkannt werden, so als Präventivmaßnahme zum Burnout 😉

  11. Frau Coach schreibt:

    wie war die klassenfahrt frl. krise?? 🙂

  12. Stefan K. schreibt:

    Mir scheint langsam, im letzten Satz von Frl Krise steckte mehr als eine dahingesprochene Befürchtung…

    Liebes Frl. Krise, alles OK bei Ihnen?? Ich hoffe, Sie haben zur „Belohnung“ nicht auch gleich zum Ferienbeginn eine dicke Erkältung oder gar diesen Novovirus erwischt…!

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