Montag geht’s loooooooos!

Noch fünfmal schlafen, dann gehts los. Klassenfahrt. Oh je.
Die meisten Schüler freuen sich. Juchu, keine Schule, Lagerfeuer, keine Eltern, Flaschendrehen, keine Geschwister, die Nächte durchmachen, nix als Süßigkeiten essen und Cola trinken, Pyjamapartys, niemand, der ihnen was verbietet… “
„Stopp mal“, sage ich, „Habt ihr was vergessen? Die alten Spielverderber Herr Wolf und Frl. Krise fahren auch noch mit!“
„Ach!“ Hamudi winkt lässig ab. Zwei gegen vierundzwanzig!
„Dürfen wir Handys benutzen?“ „Wie viel Taschengeld soll ich mitnehmen?“ „MUSS ich im See baden?“ „Kann man ausschlafen?“ „Gibt es Schweinefleisch?“ Fragen über Fragen.

Aber es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Wäre ja auch sonderbar!
Marvin hat keine große Lust mitzufahren. Der will mit „diesen Leuten“ nicht auch noch seine Freizeit verbringen. (Nein, er meint weder Karl noch mich!) Aber er muss, seine Mutter ist hart geblieben. Seine lange Miene spricht Bände, ich glaube, er denkt im Stillen darüber nach, welche Krankheit er sich bis Montag zulegen könnte.
Hakan jammert, er darf nicht schwimmen. Seine Mutter hat’s verboten.
„Der See zieht runter, hat meine Mutter gesagt!“
„ (?????) Aber wir schwimmen bestimmt nicht mehr im See, Hakan, das wird zu kalt sein!“
Heute treffe ich Hakans Mutter zufällig im Sekretariat. Ich spreche Sie auf das Nichtschwimmendürfen an und sie erklärt mir, Hakan hätte eine Neurodermitis, deshalb soll er nichts ins Seewasser. Ach ja, und Asthma hat er auch noch. Sie ist lieber ein bisschen vorsichtiger… er muss sie ja auch jeden Tag anrufen, wenn er morgens in der Schule angekommen ist….Hm.
Hülya weint. Nach langem Hin-und Her gesteht sie unter Schluchzen, keiner will sie, und vor allem: keiner will mit ihr in ein Zimmer. Der Grund: Sie hat ja nicht mal Facebook… hat Helena gesagt.
Musa möchte sein kleines Motorrad mitbringen. Ich greife mir an den Kopf und er verzichtet großmütig. Vallah, den Versuch war’s aber wert, wa?….
Ich verbiete Cola und Energy-Drinks. Schließlich soll irgendwann mal abends Ruhe herrschen. Empörung und Entrüstung! „Aber es gibt doch so Nüsse, die sind wie Energy-Drinks, sind die auch…?“ fragt Osman.
Gürkan hat noch nicht bezahlt. Seine Mutter geht heute Jobcenter, verspricht er jeden Tag. Langsam wird es eng für ihn…

Ich bin hin und her gerissen. Klassenfahrt! Das bedeutet 24 Stunden Verantwortung – jeden Tag von Montag bis Freitag, ungemütliche Jugendherbergsbehausung, schlechte Betten, dünne Zudecken, frühes Aufstehen, spätes ins Bettgehen, immerzu Lärm, unterbrochene Nächte, nie alleine sein, kein Internet, Stress mit fremden Klassen und Kollegen …stundenlang könnte ich so weiter schreiben.
Auf der anderen Seite kann es ein großer Spaß werden, nie sonst darf man so viele kindische Sachen ausprobieren – Berufskind sein, sozusagen.
Und wenn’s gut gegangen ist, ist man jedes Mal richtig glücklich.

Musa fragt: „ Freuen Sie sich auch schon, Frl. Krise?“ Ich nicke tapfer.
„Ja, wa? Ich weiß, warum! Da brauchen Sie nicht in die Schule, Frl. Krise!“

Genau Musa! Keine Schule! Statt dessen mit 24 Siebtklässlern, einem Koffer voll Energy-Drinks, Oropax und Heimwehpillen unterwegs sein – das muss einfach die coolste Woche des Schuljahrs werden!

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48 Antworten zu Montag geht’s loooooooos!

  1. puzzle schreibt:

    „einem Koffer voll Energy-Drinks“? ist die zu konsumieren nicht auf Klassenfahrt verboten? tststs, Frl. Krise!

  2. Stephan schreibt:

    Klassenreisen sind doch was tolles! Na gut für das Begleit- und Aufpassssspersonal sollte man dann gleich eine Kur dran hängen! 😉 Viel Spaß mit den Kids!

  3. nadineswelt schreibt:

    Oh je. Viel Spaß, viele Nerven und noch mehr Kaffee!

  4. Ich empfinde großes Mitgefühl für Frl. Krise aber freue mich schon auf den Bericht von der Klassenfahrt….;-)

    • krizzydings schreibt:

      jaaaa aber das bedeutet dann auch, dass sie eine ganze woche niiiichts schreibt -.- und wenn sich dann noch frau freitag eine auszeit gönnt dann kaum action in deer bude…wobei ich ja noch frau weh frlRot und Frau Falke habe;)

  5. Olaf aus HH schreibt:

    Hach ja – Klassenreise !
    Das haben wir in den späten 60er Jahren an der Gümnasiumschulle auch gemacht. Für eine Woche nach Neetze, Lüneburger Heide, nicht so wirklich weit weg von Hamburg. Jugendherberge.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Neetze

    Wir haben dort nach einem umlaufenden Plan die Mahlzeiten organisiert bzw. teilweise zubereitet und ausgerechnet unter meiner Anleitung bzw. Vernatwortung wurde zu einem Frühstück so richtig Mist gebaut. Alle wollten gesüßten Caro-„Kaffee“ (wurde in mehreren Edelstahlkannen auf die Tische gestellt). Also haben wir Zucker hineingerührt, aber tatsächlich war es Salz.
    Bäääh ! Proteste wurden laut. Die Protestler waren gnadenlos in ihrem Urteil. Also schnell alles noch einmal. Buchstäblich. Heißes Wasser, Caro, Zucker. Wieder hatte irgendsolch ein Honk Salz hineingerührt. Helplessly hopeless, bein dritten Anlauf hatte ich den Vorkoster gemacht. Und es wurde Zucker. Ich bin einfach kein guter „Chef“.
    Zugleich eine drollige Erinnerung.
    Ihnen alles Gute zum Projekt – ich bin sehr gespannt, was da passieren wird.
    Wird es eine Nachtwanderung geben ? 😉

  6. Robin Urban schreibt:

    Klingt, als hätten Sie gleich zwei Mobbingfälle in der Klasse…

  7. Ich freue mich schon auf die spannenden Geschichten, die du uns mitbringen wirst. 😉

  8. Neulehrerin schreibt:

    Ich denke an Sie. Ich bin auch jedes Mal hin- und hergerissen. Aber so anstrengend es auch jedesmal ist, so schön ist es auch die Kinder mal ganz anders kennenzulernen!

  9. zwischenbuechern schreibt:

    Viel Vergnügen und gute Nerven, Frl. Krise 😉

  10. HarrietKrohn schreibt:

    Ich bin, als ich in der 11. war, mit meiner 5. Klasse (als Tutor/Pate) auf Klassenfahrt mitgefahren – und das hat mich schon völlig geschafft, obwohl ich nachts „frei“ hatte und die Kinder eeeiigentlich recht lieb waren. Ich wünsche Ihnen, dass der Spaß letzten Endes überwiegt!

  11. Blüte schreibt:

    Wie schön Sie die Gefühle vor einer Klassenfahrt beschreiben!!!!! Aber letztlich war es nachher immer schön…
    Und wenn Hakan ECHT Asthma hat, gibt Ihnen die Mutter hoffentlich entsprechende Medikamente und Notfallpläne mit, sonst kann sowas den Spaß an einer Klassenfahrt empfindlich mindern.

  12. michael schreibt:

    > Der Grund: Sie hat ja nicht mal Facebook… hat Helena gesagt.

    Zur Strafe muessen alle Facebook – benutzer zu Hause bleiben. Das würd ne entspannte Klassenfahrt, nur Hülya und Herr Wolf.

  13. rotezora. schreibt:

    Auf Klassenfahrt müssen alle ohne Facebook, Spielekonsole, Laptop und weitgehend ohne Handy auskommen, auch wenn’s hart ist. Könnte das der Grund sein, warum Marvin keine Lust hat? Was sind das übrigens für Nüsse, die wiie ein Energy-Drink wirken? Wird Gürkans Mutter sich aufraffen und zum Job-Center gehen, um den Antrag abzugeben? Fragen über Fragen…

  14. Nania schreibt:

    Oh Mann, da drücke ich die Daumen das alles klappt. Wir haben auf dem Gymmi in der sechsten eine Klassenfahrt gemacht (http://de.wikipedia.org/wiki/Hinsbeck hierhin), dann in der zehnten (aufs Plattenboot in den Niederlanden, war klasse, wenige Parties (bin kein Partygänger) und wirklich eine Fahrt, die Zusammenarbeit erforderte, sonst fuhr das Schiff nicht 😉 ) und schließlich in der 13 nach Berlin. Aber da ist man dann schon was älter und der Lehrer war lockerer.

    Ich darf übrigens am ersten vollen Wochenende des nächsten Jahres mit unserem Orchester in eine Jugendherberge. Das ist auch immer schön….

  15. Ulla39 schreibt:

    Düstere Erinnerungen tauchen auf an die Vorbereitung von Klassenfahrten der Kinder der ersten Generation von (türkischen) sog. Gastarbeitern: Geschwister fallen vom Pferd (war ein Ponyhof, seit Jahren bewährt) und sind tot, eine Schlange wird sie beißen und sie sind tot ( in der Wetterau!); die Mutter hatte die Kinder entsprechend (geimpft), der Vater sagte, das sei in Deutschland wohl üblich, er sei nicht dagegen. Die Kinder hatten zunächst aber erzählt, er verbiete ihre Teilnahme. Wie so oft: Der Vater verkündet (und macht sich unbeliebt), was die Mutter beschlossen hat. Ein anderer Vater: Susammen verreisen, susammen schlafen, was sonst?! Er ließ sich aber umstimmen. Ließe sich beliebig fortsetzen!
    Sie sind eine erfahrene Lehrerin, liebe Krisi, mit dem Herz auf dem rechten Fleck: Sie packen das locker und erfreuen uns anschließend mit Ihrem Bericht ( den ich wegen Urlaubs leider erst später lesen kann).

  16. Mascha schreibt:

    Kein Facebook Account ist ein Ausgrenzungsgrund?! Und P.S.: Ich hasse Klassenfahrten!!!!

  17. Superbulli schreibt:

    Wir waren in der 5. in Lauenburg, eine Woche lang, das war grauenhaft. Dauerregen, und jede Nacht das Gefurze von 7 „Mithäftlingen“. Danach zum Glück nie wieder irgendwohin mitgefahren.

  18. Wendy schreibt:

    Oh – wir waren in Violau (das gibts glaub ich als Schullandheim gar nicht mehr) und dann in Passau – Veste Oberhaus. in der 10. Klasse. Und wir wurden da nachts EINGESPERRT in den Turm (ohne Witz! Das ist ein Nebengebäude – die Lehrer im Hauptgebäude. Um da den Zugang zu sperren, wurde halt von außen zugesperrt.) und der Strom wurde ab 22:00 Uhr abgedreht. Damit wollte man ewiges gequatsche unterbinden. Wir haben das von anderen vorab erfahren und Kerzen besorgt… wenn ich denke – was da hätte passieren können – eingesperrte 16 jährige mit Kerzen, aber ohne Strom….

  19. Beatrix schreibt:

    Oh, ich fahre am Montag auch mit auf Klassenfahrt, allerdings 6.Klasse und 3 Betreuer auf 28 Schüler. Ein bisschen mulmig ist mir schon…ah, und Ohropax, so was muss ich mir erst noch besorgen…

  20. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Vor Klassenfahrten habe ich auch jeeetzt schon Angst, keine Ahnung, wie man sich da als Lehrer zu verhalten haben wird…
    Aber mir tut Hülya leid – nur weil jemand kein Facebook hat, ist dieser Mensch doch kein Unmensch, den man mobben darf 😦
    Marvin aber kann ich sowas von verstehen – ging mir bei einer Klassenfahrt genauso, als ich keine Freunde in der Klasse hatte. Mit musste ich trotzdem, habe aber dauernd nach Hause telefoniert.

    • Susann schreibt:

      Ach, Klassenfahrten…einmal war ich auf einer Klassenfahrt, auf der der übliche Spuck- und Speivirus in epischer Breite unterwegs war…man wußte einfach, wenn irgendwo aus dem Haus Geschrei ertönt, hat einer auf den Boden gekotzt.
      Um drei Uhr morgens klopfte es dann an meiner Tür, ein schluchzender bleicher Fünftklässer stand davor mit einem gut gefüllten durchsichtigen Plastiksackerl, in dem sich unübersehbar sein Mageninhalt befand. Der Fünfklässler sah mich, hörte kurz auf zu schluchzen, und sagte: „Wo soll ich das denn jetzt hintun?“

      Klassenfahrten.
      Oh yeah.

      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Naja… ich wurde genau wegen eines solchen Virusausbruches aus dem Bungalow geekelt als kleine Fünftklässlerin -.-

  21. in-der-12-abbrecher schreibt:

    Notebook einpacken, jeden abend schreiben und dann nach der heimkunft mal was richtig langes hier reinhauen, damit der entzug schneller abheilt.

  22. Kejo111 schreibt:

    Energy Drinks und Heimwehpillen, LOL! OK, meine Schüler sind älter als deine, aber auf Klassenfahrt mit denen kommt eine groooße Packung Kondome mit und ein deutlicher Hinweis an die Schüler, dass Verhüterlis bei Bedarf diskret bei mir erhältlich sind, kostenlos.

    Das dollste ist übrigens, dass man zwar 4 bis 5 Tage rund um die Uhr im Dienst ist, aber entsprechende Überstunden angerechnet bekommen? Nö, ist nicht.

  23. nick knatterton schreibt:

    alles gute!

  24. mag klassenfahrten, aber...für jeweils 1 Fahrt müssten die begleitenden Lärer mind. einen Tag freikriegen schreibt:

    ROTWEIN EINPACKEN….

  25. Bloß gut, dass danach die Herbstferien anfangen! Urlaub von der Klassenfahrt 😉

  26. crocodylus schreibt:

    Dürfen alle Handy?
    Und gibt es Wanderung?
    Und wann wird wer heimgeschickt?
    Wieviel Taschengeld dürfen wir?
    Stimmt das, dass es nur Tee gibt?
    Und kein Bus, wir laufen müssen?
    Dann holt meine Mama mich ab, genau.

    Ach ja, wir haben viele religiöse russlanddeutsche Kinder.
    Die dürfen nicht mit, weil das Verderben lauert.
    Also eben die Verführung zu allem möglichen.
    Ja, genau, dazu auch.

  27. Ulla39 schreibt:

    Die Religion, egal welche, muß für viele Verbote herhalten; z.B. soll es ja türkische (und andere) Väter geben, die die wildesten Phantasien haben, was passiert, wenn die Töchter schwimmen lernen. Deshalb ertrinken bei Fährunglücken u.ä. überproportional viele Mädchen und Frauen (nicht nur wegen der Stoffmassen, mit denen sie sich bekleiden müssen und die naß noch schwerer sind).Diese Väter können nämlich oft selbst nicht schwimmen und kennen ein Schwimmbad auch nur aus dem Kino (Kulisse für dies und das). Traurig…

  28. Christine schreibt:

    Viel Spaß! Ich fand unsere Schullandheimwoche auf Rügen damals eher durchwachsen, aber dafür waren wenigstens ALLE Klischees erfüllt. Bliebt nur noch das Vorhaben, so eine Reise besser zu organisieren, wenn ich mal am längeren Hebel bin… Den Kommentaren nach scheint die Aktion „Schullandheim“ ja auf beiden Seiten nur verhaltene Freude auszulösen.

    Viele Grüße

  29. Bri.Gitte schreibt:

    Nächste Woche ist wohl „Klassenfahrtswoche“ 😉 Mein 5.-Klässler ist dann auch unterwegs. Ich denke als Lehrer braucht man da starke Nerven. Die wünsche ich Dir und viel Spaß. LG Brigitte

  30. Nele Abels schreibt:

    Es ist schon schön, in der Erwachsenenbildung zu arbeiten… 🙂

  31. frl freizeit schreibt:

    Frl. Krise, Sie brauchen smart phon! Kein Internet ist doof

  32. daisy schreibt:

    Ich wünsche dir Gelassenheit, die vielen möglichen Pleiten und Pannen locker zu umschiffen. Je häufiger man auf Klassenfahrt geht, um so weniger schocken Heimweh, Kotzattacken, Zickenkriege, verlorengeglaubte (oder gehoffte) Kinder und Speisen, die gewöhnungsbedürftig sind.
    Nimm eine Plastiktüte mit für zum Schluss übriggebliebene Socken, Unterhosen, Tshirts, Handtücher. Die Kinder packen ja in der Regel nicht ihre Koffer und kennen ihre eigene Wäsche nicht.
    Viel Spaß und einen gesunden Schlaf.

  33. Einalem schreibt:

    Ohhh, ich liebe Klassenfahrten! Bzw. habe sie geliebt, Schulzeit ist ja leider vorbei. Hameln, Spiekeroog, Duisburg, Berlin, Polen, Toskana – war trotz Blut, Tränen und Kotze immer super!

    Aber Frl. Krise, mittlerweile sind Sie doch wieder Zuhause, oder? Bin schon sehr gespannt. Oder mussten Sie sich noch ein paar Tage freinehmen, zur Erholung?!?

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