Von Menschen und Tieren

Heute ging es schon ein bisschen mehr zur Sache, aber davon später.
Ich kann mich nicht beschweren, unser Wandertag war völlig in Ordnung. Alle waren da und zwar pünktlich und alle haben sich unterwegs ziemlich gut benommen. Es wurden keine Passanten umgerannt, niemand fiel im Bus negativ auf und keiner plumpste in einen Wassergraben oder wurde von einem wilden Tier gefressen – schließlich waren wir im Zoo!

Gleich am Eingang gibt es ein kleines Gehege, in dem uns vier Stachelschweine unfreundlich ihre bewehrten Hinterteile präsentierten. „Das sieht aus, als wenn die Strohhalme im Ar…äh in Po haben!“ Hülya will sich über diesen Anblick totlachen.
„Weißt du, wie die Tiere heißen?“ fragte ich sie.
„Keine Ahnung!“ Hülya sieht mich fragend an. „Weiß nicht. Ich glaube – Stachelbeeren?“ sagt sie dann. Gürkan schmeißt sich fast weg über diese Antwort.
Neben uns steht eine junge Frau mit einem kleinen Hund und lacht auch. Miriam erzählt mir, dass ihre Grundschullehrerin genau so einen Hund hatte. „Der war aber größer und nicht so weiß! Der hatte auch anderes Fell und komige Ohren und andere Beine. Und meine Lehrerin war einmal voll traurig, weil Weihnachten ist der Hund ausgestorben!“

Der Zoo ist ein bisschen uninteressant, finden unsere Schüler. Besonders Hülya mosert und meckert vor sich hin. Weshalb zeigen sich die dummen Tiere nicht? Warum stehen sie nur stumm in der Gegend herum? Weshalb gibt es keine Action? Sie könnten doch fressen oder Kinder kriegen oder f… Hülya und Nicole kichern.

Vor dem Elefantengehege ist die Stimmung dann auf den Nullpunkt. Natürlich stehen die ollen Elefanten ganz hinten, so dass man nichts von ihnen sieht! Natürlich ist keins der Elefantenbabys in Sicht! Warum müssen wir uns überhaupt so was Ödes wie Elefanten ansehen…?
Am besten sind noch die dicken Haufen, die ein Elefant vor kurzem genau da fallen gelassen hat, wo wir jetzt stehen. Ich rieche zwar nichts, aber ich verfüge ja auch nur über so ein abgestumpftes Raucherorgan und habe kein sensibles Kindernäschen. Meine Schüler ekeln sich. Bäh! Wie das stinkt! Lieber gehen sie ein bisschen zur Seite.
Ich bleibe stehen, zücke meine Kamera und versuche die kleine Elefantengruppe heran zu zoomen. Darüber entgeht mir, das sich ein seitlich stehender Elefantenbulle, wahrscheinlich genervt von den dummen Sprüchen meiner Lieben, in Bewegung gesetzt hat und auf uns zu galoppiert. Im letzten Moment sehe ich ihn erst: Aber da fliegt mir auch schon eine, mit Hilfe des Rüssels abgeschossene Kanonade aus Dreck, Kot und Staub um die Ohren.
„Macht voll Spaß im Zoo!“ findet Hülya jetzt und klatscht vor Freude in die Hände.

Gürkan ist sehr smart, sein blaues Yogi-Löw Jäckchen toppt er heute mit einer grünen Hose und einer blauen Kappe. Er trägt eine Umhängetasche schräg über die Brust- in den Augen meiner alten Klasse eine schwule Unmöglichkeit – deren Inhalt er bei einer kleinen Pause auspackt. Zeichenblock und Stifte. Er ist Sprayer, klärt er mich auf – legaler Sprayer natürlich. Er zeichnet ein Männchen und schreibt MUSA daneben. Musa wird ein bisschen wild: „Was das?! Soll ich das sein?“
„Bist du so dünn?“ fragt Gürkan kühl zurück und wenn Musa nicht so unbeweglich wäre, hätten wir wahrscheinlich die schönste Prügelei. Ich nehme Gürkan beiseite und tröste Musa, aber dessen gute Laune ist im Eimer. Er ballt die Fäuste.
Auf der Rückfahrt im Bus kommt es dann noch dicker! Ich sehe, dass eine Frau auf Musa einspricht. „Ich schlag die tot, wenn ich die noch mal sehe!“ stößt er beim Umsteigen hervor.
„Was hat sie gesagt?“
„Sie meinte mir, ich soll abends ein Brot weniger essen!“
Echt jetzt, das geht zu weit! Ich rege mich auf, spinnen die Leute? Was geht diese Frau das an, wie dick oder dünn der ist?
„Das nächste Mal, wenn so was passiert, sagst du mir sofort Bescheid! Hörst du, Musa! Der hätte ich was erzählt!“
Musa nickt und trottet unglücklich neben mir her.
„Frl. Krise?“ Hamudi, der einen Arm auf Musas Schultern gelegt hat, guckt mich von unten an.
„Die hätten Sie GESCHLAGEN, wa, Frl. Krise!?“

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43 Antworten zu Von Menschen und Tieren

  1. Frau Falke schreibt:

    Verbal ausgepeitscht hätten Sie die Frau auf jeden Fall. 😉

  2. Despicable Me schreibt:

    Um es auf dem Niveau Ihrer Schüler (und eigentlich auch auf meinem ;-)) auszudrücken: Manchen Leuten hat man doch echt ins Hirn gesch***en! Finde auch, das geht fremde Leute überhaupt nichts an, wie dick jemand ist! Furchtbare Menschen. Schön, dass Sie sich da für Ihre Schüler einsetzen, hätte ja gerne erlebt, was Sie gesagt/getan hätten in dem Fall. Schlägerei!!!

  3. Irrwisch schreibt:

    Ich glaub, es hackt! Eine Wildfremde sagt einem Wildfremden, er solle abends ein Brot weniger essen? Wie selbstgerecht ist das denn bitte?!

  4. fraudehnertsallerlei schreibt:

    Unverschämtheit! Armer Musa! Ich hätte Sie ja zu gern in Aktion erlebt… 😉

  5. Madame Chaos schreibt:

    Langsam laufen sie sich warm die kleinen 😉
    Herrlich!

  6. erzaehlmirnix schreibt:

    Ich glaube, ich besorge mir einfach mal 10 oder 20 Reserveknigge und wenn so eine Situation eintritt, drücke ich diesen Menschen kommentarlos einen in die Hand.^^

    • Minou schreibt:

      😀 Die Idee ist mal richtig gut! und es würde einem so viele arme, kleine Nerven sparen….

      • erzaehlmirnix schreibt:

        Und vielleicht noch ein paar Duden… ich stelle mir grade vor, wie jemand etwas richtig dummes sagt und du ihm kommentarlos nen Duden und nen Knigge in die Hand drückst… das Gesicht wäre sicher episch 😀

    • nadineswelt schreibt:

      das wollt ich schon immer mal bei meinem Schwiegervater machen… *träum*

    • Wolfram schreibt:

      Hm, ich hab den Knigge gelesen, und von Benimmregeln steht da herzlich wenig drin…

      das war übrigens ne Ausgabe für sechs Mark neunundneunzig, das kann man sich glatt noch zum Verschenken leisten. Aber dann sollte man doch wissen, was darin steht.

  7. bambooos schreibt:

    Geschlagen, bestimmt. Dann hätte es auch endlich mehr Action gegeben 😉

  8. Nania schreibt:

    der ausgestorbene Hund ^^

  9. muttimeckert schreibt:

    In diesen Zoo darf man seinen Hund mitnehmen?
    Wie gemein!
    Meiner muss entweder zu Hause warten oder von der Tochter hundegesittet werden, bis ich meine Neugier auf wilde Tiere gestillt habe.
    Dabei bin ich sicher, dass mein Hund schrecklich gerne einmal an – beispielsweise – einem Kamel geschnuppert hätte.
    Halt! Kein gutes Beispiel. An Kamelen mit zwei Beinen zum Beschnuppern mangelt es außerhalb eines Tierparks ja nicht.
    Die fahren sogar in Busen mit.
    🙂

      • rotezora. schreibt:

        Schöne Übung zur Unterscheidung von stimmhaftem und stimmlosem „s“: Hunde aller Rassen rasen auf dem Rasen. / Frauen mit vollem Busen fahren ungern in vollen Bussen, (To be continued)

      • rotezora. schreibt:

        …Bösen Bossen geht man besser aus dem Weg. / Unter dem Weinfass faselt der Winzer. / In den engen Gassen stinkt es nach Autoabgasen. / Hasen hassen Mähdrescher. / Zwetschenmus muss lange kochen. / Nasse Nasen sind ein Zeichen von Regen oder Scnupfen. / Wir wissen, dass Wisente gern auf Wiesen grasen.

  10. nadineswelt schreibt:

    Diese Frau ist ja echt unmöglich! Armer Musa!
    Aber schön, dass Du die Kinder erheitern konntest, als der Elefant Dich „angriff“.

  11. muttimeckert schreibt:

    Na endlich.
    So viele Jahrzehnte ist es her, dass ich in den Genuss einer Korrektur durch eine Lehrerin kam…
    🙂
    Wird ausgedruckt und an die Kühlschranktür gehangen.
    Noch besser gefällt mir, wieviel Anteil genommen wird … danke, Zora … 😉

  12. Kejo111 schreibt:

    Schöne Beispielsätze, Zora!

    Nur würden meine Schüler verständnislos gucken … Gassen? Wisent? Winzer? Mähdrescher? Solche Wörter gehören nicht zu ihrem Wortschatz … vor ein paar Jahren, als eine Kollegin von ihrer Familie erzählte und dass ihr Opa Bergmann war, erkannte ich schnell, dass sich kein einziger Schüler auch nur vage etwas unter diesem Beruf vorstellen konnte. Deshalb habe ich die Kollegin auch (natürlich höflich!) kurz unterbrochen, um das zu klären. Ihr war das gar nicht bewusst, dass unsere Kids keinen Schimmer haben, was ein „Bergmann“ ist.

    • rotezora. schreibt:

      War auch eher zur Erheiterung der Bloggemeinde gedacht, ich weiß wohl, dass der Wortschatz unserer Klientel „Wisent“, „Winzer“, Mähdrescher“ oder „faseln“ nicht beinhaltet. 37 Jahre Gesamtschulerfahrung reichen dafür vollkommen aus. Die vollen Busen versus volle Busse waren aber immer ein Renner.

  13. Diana schreibt:

    Und alle von euch „dort oben“ geht jetzt alle mal in den Zoo eurer Stadt und kuckt, in WELCHEM die Stachelbeeren (grins – genial) direkt am Eingang sind…..damit würden wir dem werten Frl. Krise geograpisch vielleicht endlich auf die Schliche kommen! (In Stuttgart sind die Pinguine und Flamingos gleich am Eingang, aber ist ja leider uninteressant, da viel zu weit im Süüüüden)

    • Stefan K. schreibt:

      Wer die Kommentare hier aufmerksam verfolgt, weiß seit einigen Wochen, in welcher Stadt Frl Krise arbeitet…
      Aber wie Olaf so zutreffend sagt „es ist für diesen Blog nicht wichtig“ 🙂

  14. Diana schreibt:

    Oh Gott, man sollte einen Kommentar vielleicht lesen, bevor man ihn abschickt! Was ich meinte war:
    Und alle von euch dort oben gehen jetzt mal in den Zoo…..

  15. Kathrin schreibt:

    Und dann könnte man noch eingrenzen, in welchem Bundesland keine Ferien mehr sind…..
    ich bin auch dauernd am Suchen, aus welcher Gegend unsere Krisi stammt 😉
    Eine Option bislang ist Grömitz – da sind zumindest die Stachelschweine im Eingangsbereich… aber so weit oben?

  16. Ich eben wer sonst schreibt:

    Hallo liebes Fräulein Krise 🙂
    schön dass Ihre Ferien vorüber sind, dann hab ich nämlich was zu lesen 😉

    Viele Grüße von… mir! Wem sonst? 😉

  17. Knut schreibt:

    Ich bin wohl der Einzige, der es gut findet was die Frau im Bus gesagt hat. Wenn keiner Musa sagt, dass er fett ist, wie soll er es dann merken? Seine Eltern haben darin ja schon versagt, also müssen andere ran. Noch ist er in einem Alter, wo er seine Ernährung und seine Sportlichkeit dauerhaft umstellen könnte.

    • Christina schreibt:

      …Aber wohl keine wildfremde Frau wahnsinnig taktvoll im Bus…denn das ist sicherlich ein wunder Punkt bei Musa!

    • Susann schreibt:

      Ich hoffe sehr für Sie, dass Sie in Zukunft einige wildfremde Menschen auf diverse Ihrer Mängel aufmerksam machen, und Sie dann in sich gehen und prüfen, ob sie jetzt dankbar und glücklich sind, weil Sie jemand darüber informiert hat. Glauben Sie nicht, dass Musa, sofern er einen Spiegel besitzt, durchaus wissen könnte, dass er zu dick ist? Und dass das für ihn vielleicht ein sensibles Thema ist, das er vielleicht nicht mit irgendeiner fremden Frau im Bus diskutieren möchte? Und dass der Schritt von der Einsicht bis hin zur Lebensstiländerung bis hin zum Erfolg für ALLE ein schwieriger, langer Weg ist. Einmal laut und unverschämt tönen hilft da nicht besonders.
      Es ist einfach eine massive Unhöflichkeit, fremde Menschen -und auch Teenager sind Menschen! – in der Öffentlichkeit zu maßregeln, weswegen auch immer.

    • frlkrise schreibt:

      Das hat er schon längst gemerkt! Da muss keine wildfremde Frau ihn auch noch ungefragt demütigen!

  18. Cora schreibt:

    Schön, dass Sie wieder da sind! Ihre neue Klasse schient viel Potential für schöne neue Geschichten zu haben. Der arme Musa…manche Leute haben von Taktgefühl noch nie etwas gehört…einfach jemand anderem zu sagen, er solle weniger essen…tss. Ich denke auch, dass Sie diese Dame ganz schön zusammen gefaltet hätten.

  19. Tricia McMillan schreibt:

    Und heute muß ich mal korrigieren: die Viecher heißen Stachelbären, Frl. Krise.
    Stachelbeeren sind die die am Busch wachsen und nicht schmecken…

  20. zartbitterdenken schreibt:

    Manchmal müssen eben Erwachsene noch erzogen werden^^ Das geht wirklich nicht…

  21. Diana schreibt:

    Türlich ist es nicht WICHTIG aber was ist der Motor, der den Menschen antreibt? Genau…die NEUGIER!

  22. 6kraska6 schreibt:

    Meine Katze ist kürzlich auch ausgestorben. Die Welt wird ärmer.

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