Endzeit

Vor der Aula steht EINE Gestalt. „Bin die einzige von Theaterkurs!“ erklärt mir Gülten.
Das sehe ich. Letzte Woche waren immerhin noch fünf zur ersten Stunde da.
Aber weshalb noch in die Schule kommen? Alles ist fertig. Die Noten, die Abschlüsse (und meine Nerven).
Dann kommt noch Hanna angekleckert. So, jetzt sind wir zu dritt. Man könnte Skat spielen. Wir warten eine Viertelstunde, dann ziehen wir in die Mensa um und trinken Tee und Kaffee. Nach und nach stoßen auch noch ein paar andere Chaoten aus den Zehner-Kursen dazu, die eben erst gekommen sind oder ihren Unterricht schwänzen. Auch Frau Herz biegt um die Ecke. Wir verabreden, mit unseren Schülern am Freitag gemeinsam grillen zu gehen. Eine Klasse alleine lohnt sich nicht mehr …

Als ich in der dritten Stunde unseren Klassenraum betrete, liegt Erkan wie ein Schlachtopfer auf einem Tisch – Aynur und Nesrin zupfen ihm die Augenbrauen. Azzize fuhrwerkt mit einem Faden durch sein Gesicht und sorgt für haarlose Haut. Musti und Sam wälzen sich aus unerfindlichen Gründen am Boden, Leila liegt auf ihrer Tasche und duselt vor sich hin, Gülten und Fatih spielen ein Spiel mit einer Münze, die sie sich volle Kanne gegen die Hand schnipsen. Beide bluten. Emre und Ömür (auch mal wieder da, ich staune!) hängen stumpfsinnig auf ihren Plätzen und gucken trübe.

Ich gucke mir den Haufen an und frage mich, was das alles soll. Elf von dreiundzwanzig Leuten sind anwesend. Turgut, Esra und Sara zum Beispiel habe ich schon ewig nicht mehr gesehen.
Alle andern kommen jetzt, in diesen letzten Tagen, wie sie gerade Lust haben. Sogar die drei, die am Donnerstag Nachprüfung haben! Nur Hassan zeigt noch Einsatz.
Fuat platzt herein, er war Zahnarzt und hat- oh Wunder- sogar ein Attest.
Ich bestehe darauf, dass sich alle um einen Tisch setzen. Nesrin legt gleich los:
„Frl. Krise, meine Freundins Klasse in andere Schule macht noch Ausflug. Warum machen wir nicht auch noch Ausflug? Nach Heidepark oder so!“
„Ja, und warum müssen wir überhaupt noch kommen!?“ beschwert sich Aynur.
Die hat’s gerade nötig! Herr Fischer hat sie gestern vom Unterricht suspendiert, sie, Hanna und Fuat. Die Drei haben sich auf dem Schulhof über eine Kollegin lustig gemacht, ihr fiese Dinge nachgerufen und das nicht nur einmal, sondern mehrmals. ICH hätte sie den Rest der Woche suspendiert. Sie sind wie abgeschossen, die Noten stehen fest, sie haben keinen Schulabschluss erreicht – wer kann ihnen noch was?
„Warum haben wir nicht frei?“
„Können wir Hof gehen?“
„Lass ma‘ Eis essen gehen!“
„Frl. Krise, können wir Erkans Augenbrauen fertig zupfen?“
„Werden Sie weinen, wenn wir Abschlussfeier haben?“ Das war Nesrin.
Sie guckt mich zweifelnd an. Ich seufze. Vor vierzehn Tagen wäre ich mir da nicht so sicher gewesen. Ich habe manchmal so einen verhängnisvollen Hang zu Sentimentalitäten…
Aber jetzt! „Nein“, sage ich.
„Aber Frl. Krise!“ Nesrin ist empört.
„Guck dir doch den Laden hier an“, sage ich.
„Wirst DU weinen?“ frage ich zurück. Nesrin nickt.
„Niemals !“ schreit Fuat und Emre schüttelt sich.
Emre. Der hat keinen Realschulabschluss, keine Lehrstelle und keine Anmeldung an einer Schule.
Er sucht jetzt. Hätte er damals nur die Lehrstelle bei dem Baumarkt angenommen, aber das war dem Herrn ja nicht genug. Er hätte sie ja nicht mal antreten müssen! Es war als Plan B gedacht. Aber wozu braucht Emre einen Plan B?
Letzte Woche hat er den Führerschein gemacht. Toll.
Und Ömür. Der ist auch daneben. Aber wirklich. Der tut mir leid. Warum haben die beiden Halunken auch nicht auf uns gehört? Wenigstens hat er sich noch im letzten Moment an irgendeiner Schule angemeldet, um zu versuchen den Realschlulabschluss nachzumachen… Und er will Bewerbungen schreiben. Mauer, Maler… (Maurer! Der heult doch nach zwei Stunden…)

Beide sind so mürrisch, dass ich mich aus Versehen auch mit ihnen anlege.

Zwischen Unterricht und Konferenz fange ich dann an meinen Platz im Lehrerzimmer aufzuräumen und meine Fächer. Massenhaft wandert Papier in den Papierkorb. Was sich so alles angesammelt hat…. Es tut gut das alles wegzuschmeißen.

Ich habe schlechte Laune. Vier Jahre Arbeit. Das schlechteste Ergebnis, das ich je mit einer Klasse erzielt habe. So viel geackert, und so wenig erreicht. Da darf man wohl mal schlecht gelaunt sein.
Und jetzt auch noch dieses unerquickliche Ende…

Morgen noch ein paar Stunden und Donnerstag die Nachprüfungen, Freitag Grillen, Montag Abschlussfeier und Bootsfahrt und Dienstag morgen Abholung der Zeugnisse.

Dann ist es vorbei.

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45 Antworten zu Endzeit

  1. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Liest sich frustriert und das zu Recht. Eigentlich traurig, gerade bei Emre und Ömür war ich mir sicher, dass sie am Ende den Sprung nach vorne schaffen. Hab mit den zweien regelrecht mitgefiebert.
    Aber das Kapitel ist jetzt zugeklappt. Frisch nach vorn geschaut und neuen Mut geschöpft, frl. Krise! Nächstes Schuljahr wird alles besser.

  2. Frau Elise schreibt:

    Ach Mensch. Es ist echt frustrierend 😦

  3. FrauSoooooo schreibt:

    Liebes Frl.Krise-ich bin da ganz bei Ihnen!
    Hatte eben auch Konferenz-wenn’s wenigstens noch mal „Sitzenbleiben“ geben würde-aber nein-
    die Damen und Herren sind Sinnbilder der Faulheit und“steigen auf“-fürs Nichtstun!!!
    Habe ebenfalls Schuljahresendeabschlussschlechtelaune!

  4. Blüte schreibt:

    Ich fühle mit Ihnen, Fräulein Krise, wirklich. Aber der beste Lehrer der Welt, der engagiertes Lehrer der Welt kommt in unserem Schulsystem nicht gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse, die Probleme in den Familien, die Probleme in den Köpfen der Schüler und überhaupt an. Mehr als Ihr Bestes konnten Sie nicht geben und das haben Sie getan, den Lauf der Welt können Sie nun leider auch nicht aufhalten. (Und wenn Sie es könnten, würde ich Ihnen SOFORT mein Patenkind in die Klasse schicken, der geht trotz größter Bemühungen nämlich genau den Weg, den die meisten Ihrer Schüler gerade gehen…. *seufz*).

    • wau schreibt:

      @ Blüte: lass Dein Patenkind diesen Blog lesen!
      Ansonsten: bin ganz und gar derselben Meinung, Frl. Krise, Sie allein können die Schüler/innen nicht retten, das müssen die schon selber tun. Wir können nur hoffen, dass diese in den nächsten Jahren nachreifen – und weiterhin Menschen finden, die sie trotz und mit allem gern haben.

      • re56nates schreibt:

        Wichtig, wäre tatsächlich Nachsorge!. Bis sie achtzehn sind, gehören sie so lange in ein Praktikum und nebenher Schule, bis sie einen Abschluss haben! Es ist doch traurig, so junge Menschen, schon so früh aufzugeben! Das sollte vom Staat unterstützt werden und wäre immer noch billiger, als so viele ungelernte Arbeitskräfte!

      • frlkrise schreibt:

        Fast alle der „Gescheiterten“ sind noch ein Jahr versorgt – Nachmachen des Hauptschulabschlusses o. Ausbildung bei einem Träger. Eigeninitiative u. Engagement ist aber notwendig.

    • rhadamanthys schreibt:

      Was haben die gesellschaftlichen Verhältnisse mit ständig zu spät kommen, kein Bock und Faulheit zu tun?

      • Kejo111 schreibt:

        Nun, die „gesellschaftlichen Verhältnisse“ haben durchaus etwas damit zu tun, dass in vielen Familien die grundlegendste Erziehung nicht stattfindet bzw. den Bach runtergeht …

  5. Kennguru schreibt:

    <<>>
    Starke freudsche Fehlleistung, dass Sie Ömür gleich zur Mauer machen wollen. So dick isser ja nun auch wieder nicht oder?

  6. michael schreibt:

    > Zlf von ,,,

    kriesisch für elf oder zwölf ?

  7. RogueEconomist schreibt:

    Lieber ein Ende mit Schrecken als… Schade nur um die ganze Energie die sie aufgwendet haben in den letzten Jahren. Naja. Sie sind reif für Ferien. Sie sollten bald Urlaub machen. Kann ich nur empfehlen. Mach ich auch grade 😉

  8. Diana schreibt:

    Oh weh – Endzeitstimmung!

  9. Olaf schreibt:

    > … Ich habe schlechte Laune. Vier Jahre Arbeit. Das schlechteste Ergebnis, das ich je mit einer Klasse erzielt habe. So viel geackert, und so wenig erreicht. Da darf man wohl mal schlecht gelaunt sein.
    Und jetzt auch noch dieses unerquickliche Ende…<

    Liebes Frollein Krise,

    ja wirklich, schade ist das sicherlich schon, aber dafür sind wir alle ja bei Ihnen, um zur Heilung zu pusten.
    "Hat jemand einen Lolli für Frollein Krise ??" – " Ja, hier !!."

    http://www.google.de/search?q=lollies&oe=utf-8&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&um=1&ie=UTF-8&hl=de&tbm=isch&source=og&sa=N&tab=wi&ei=gnTXT9PaOYbdsga-7d31Dw&biw=1280&bih=552&sei=k3TXT-a1CITIsgaz-KHuDw

    Auch ich hatte neben vielen anderen nach all der Zeit doch etwas größere Hoffnungen, was Ihre Klasse angeht, mich über manches dann doch gefreut (all die "big stories")v- und wohl nicht nur ich, fast alle haben mitgelitten, gelästert, manchmal gestaunt und zuletzt mitgezittert.
    Don't worry und seien Sie getröstet.

    Beste Grüße in Ihr kleines Dorf

    Olaf (sigh)

    • frlkrise schreibt:

      Danke für die Lollie-Orgie! (Wenn das mein Zahnarzt sehen würde…!)

      • Olaf schreibt:

        Das müssen Sie ihm ja nicht verraten/ mailen (oder liest der hier mit ?) – und immer schön abends die schönen Zähne putzen.
        Und dann das Licht aus. Bis morgen. Gut ?

  10. hajo schreibt:

    „„Werden Sie weinen, wenn wir Abschlussfeier haben?“ Das war Nesrin.“
    Freudentränen? 😉

  11. dorothy_jane schreibt:

    Irgendwie tut mir das alles Leid: für Sie, für Ihre Schüler…aber hauptsächlich für Sie! Verstehen Sie mich nicht falsch: das ist kein Mitleid, aber nach der ganzen Arbeit hätten Sie doch ein besseres Klassenergebnis verdient, finde ich.

    Ich persönlich empfinde es als äußerst anerkennenswert, dass sie die ganze Schei*e (Verzeihung!) nicht einfach hinschmeißen. Stattdessen kommt bald die nächste Klasse und ich gehe davon aus, dass Sie sich wieder engagieren und kämpfen und einsetzen und tun und machen werden.

    Schön, dass es Lehrerinnen wie Sie gibt und hoffnungsvoll auch, dass sich jemand für die Jugendlichen einsetzt. Und ich möchte mal sagen: vielen Dank dafür! 🙂

  12. evasbuecherkiste schreibt:

    Ich sehe voll und ganz ein, dass das Ergebnis frustrierend ist.
    Aber mal eine grundsätzliche Frage: Ist es nicht an den allermeisten Schule so, das man im Grunde eine Woche vorher Schluss machen könnte? Wenn ich so an meinen Schulzeit denke… da gab es zwar erst am Tag vor den Ferien die Zeugnisse und das Abiturzeugnis bekamen wir sogar, als wir schon „lange“ nicht mehr zur Schule mussten ;), aber schon eine Woche vor den Zeugnissen war bei wenigen Lehrern noch wirklich Unterricht (mein Englischlehrer gehörte wohl dazu).
    Ist das eine allgemeine Ferienmüdigkeit oder ein konzeptionelles Problem?

    • mum@work schreibt:

      klar, und wenn diese Woche-vorher-Schluss-machen dann zur Regel wird, braucht man ab den Osterferien nichts mehr zu machen …

      Ehrlich, das ist doch doof. Nat. braucht man keinen Super-Lernunterricht mehr zu machen, aber wenn die Schüler mitmachen, gibt es doch genug Gimmicks, für die im normalen Unterricht keine Zeit bleibt.

      • Fräulein Müller-Meier-Schulze schreibt:

        Schüler, die eh schon keine Motivation haben, sind ohne Notendruck gar nicht mehr zu Leistung zu bewegen und „Gimmicks, für die im normalen Unterricht keine Zeit bleibt“ finden bei uns im normalen Unterricht permanent statt, mit mäßigem Erfolg. Mein Vorschlag wäre eher normaler Unterricht bis zum letzten Tag mit Tests und allem drum und dran, dann Ferien und dann zum neuen Schuljahr die Zeugnisse, die die Lehrer in den Ferien schreiben.

    • frlkrise schreibt:

      In den Zehner-Kursen geht nichts mehr. Ich habe außer den Zehnern nur noch eine Neun. Da habe ich gestern noch normalen Deutschunterricht gemacht. Ab heute haben die nur noch Berufsvorbereitung. Mit Ferienmüdigkeit hat das nix zu tun. Normaler Unterricht ist meistens angenehmer als dieses Rumhängen. Den Schülern bekommt das gar nicht…

      • FrauSoooooo schreibt:

        Stimme Ihnen zu wertes Frollein…
        Powerchillen am Vormittag ist nicht von Vorteil!
        Bei uns folgen nach BuJus noch der X-Tag (hier zelebrieren die 9. auf äußerst dramatische Weise ihren Abschluss-gibt’s das bei Ihnen auch??),dann Sozialer Tag,Abschlussfeier der 9.,Allgemeines Geräume und Bücher suchen und der obligatorische Ausflug!
        Hach,so ne Stunde Deutsch wäre zuuuuuuu schön….

      • Alice Karén schreibt:

        Notendruck zur Leistungssteigerung funktioniert auch nur, wenn die Schüler eine Chance haben, die Konkurrenz zu bestehen. Wenn sie ohnehin weit zurück sind, dann hat der Notendruck genau den Gegenteiligen Effekt.
        Ich bin nicht für Reformpädagogik pur. Ich finde Schulnoten auch sinnvoll. 😉 Aber das sollte man sich manchmal einfach bewusst machen, bevor man (noch) mehr Druck fordert.

        Und manchmal sollte man sich auch Gedanken machen, warum die Jugendlichen so geworden sind. Das entsteht nicht von selbst.

        Deshalb sollten Sie, Frl Krise, sich den Schuh auch nicht anziehen. Sie haben ihr Bestes getan – und wer weiß, wie es der Klasse ergangen wäre, wenn Sie nicht so engagiert gewesen wären. Schlimmer geht immer, aber mehr als Schadenbegrenzung ist manchmal einfach nicht möglich. 🙂

  13. gotsassaufeinemast schreibt:

    An deiner Stelle wäre ich auch frustriert und schlecht gelaunt. Das liest sich wirklich bitter. Ich hoffe, du überstehst die letzten Tage gut.

  14. Nadine schreibt:

    Das ist echt so bitter! Besonders auf Emre und Ömür hatte ich gesetzt… Dass die beiden das doch noch reißen!
    Und bitter ist es auch für Dich, liebes Frl. Krise, denn DU hättest verdient, dass die Klasse ein besseres Ergebnis bringt!

  15. Patrick schreibt:

    Verständlicher Frust, tut mir echt leid :/
    Neue Klasse…neues Glück?!
    Alles wird mal durchgemischt, neue Chancen, neue Geschichten…

    Wird schon! 😉

  16. Tades75 schreibt:

    Och bitte, bitte nicht Bootsfahrt und/oder Abschlussfeier ausfallen lassen! Dadurch würde man den lieben Kleinen ja schaden. Obwohl … Aynur und Co. fänden bestimmt noch ’ne hochinteressante und spannende türkische Hochzeit auf der sie stattdessen abfeiern könnten, die sind ja alle so individuell verschieden

    • Ulla 39 schreibt:

      tadeS?!?! ich hatte so auf einen „handfesten“ Kommentar von Ihnen gehofft!
      Meinen Kommentar verkneife ich mir.
      Ihnen, liebe Krisi, wünsche ich – hm, was eigentlich bei solchen Schülern? Ich hab’s: Bessere Schüler! Denn gute Gesundheit haben Sie anscheinend (glücklicherweise), Langmut und reiche Erfahrung als Lehrerin und den anscheinend unerschütterlichen Glauben an das Gute auch im schlimmsten Schüler.

      • Tades75 schreibt:

        Liebste Ulla,

        bitte entschuldige, aber solche nette rhetorische Mittel wie Zynismus oder Ironie sind das einzige, was ich bei Frl. Krises Blogeinträgen der letzten Tage noch von mir geben kann und ich muss mich sogar noch bremsen.
        Wie mag es da erst Frl. Krise ergehen, die diese Pappenheimer die letzten Jahre täglich gesehen, sich redlich bemüht hat, auch emotional involviert ist?

        Umso mehr ärgere ich mich, da ich die letzten Wochen bei Telefonaten und Schriftverkehr mit Verwandten in der Türkei mal wieder zu hören/lesen bekam, wie sich die Kinder den -SORRY- Arsch aufreißen um auf ein/e möglichst gute/s Gymnasium/Universität zu kommen, wie manche derer Eltern Überstunden machen oder gar Zweit/Drittjobs annehmen um den Kindern teuren Nachhilfeunterricht zu bezahlen, damit die Chancen auf guten Schulen noch etwas besser werden, da manche/viele Schulen in der Türkei im Vergleich zu deutschen Schulen miserabel sind und deren Besuch allein den Gewinn der Aufnahmeprüfungen besserer Schulen unmöglich macht.

        Und diese ganzen Unverschämtheiten, welche diese Blagen an den Tag legen … viele dieser Schüler kommen aus Ländern, in denen man Lehrern noch immer mit Respekt engegentritt, wo Unverschämtheiten fast nicht möglich sind.

        Ich frage mich ernsthaft, sind deren Eltern alle nur „Panne im Kopp“ ?

        Und auch solche Wonneproppen, Lieblingsschüler wie Ömür.

        Ich pfeife auf seine putzige Art!
        Immer Miristschlecht, Miristschlecht, Miristschlecht u.ä.

        So oft kann einem doch nicht schlecht sein, wenn er was Ernstes hätte, wäre Frl. Krise bestimmt darüber im Bilde und hätte uns das mitgeteilt, ist ja anonym hier.
        Und der wollte mal Polizist werden. Hat der Junge jemals in einem Kriminalfilm, einer Kriminalserie gesehen, dass einer der Polizisten ständig „Miristschlecht, Miristschlecht, Miristschlecht“ hatte?

        Emre, auch so ein Spezi. Hat vor paar Monaten ein zeitweiliges Hoch gehabt, wurde überall gelobt, kam im TV, traf Merkel, hat gute Lehrenangebote bekommen, arrogant alles ausgeschlagen und wie die anderen abgebaut, nicht mal Realschulabschluss.

        Und diese Beiden gehörten noch zu den Bemühtesten.

        Ehrlich, so gern ich diesen Blog mag, manchmal denke ich mir, dass sich hier so mancher hohle Sarrazin-Fan bestätigt finden würde.

        Und ja, ich weiß, das ist nicht im mindesten Frl. Krises Absicht und die überwältigende Mehrheit der Kommentatoren ist auch nicht so stupide.

        Dennoch, diese Gedanke kommt mir manchmal.

        ‚tschuldigung, meine Laune ist gerade nicht die beste.

      • frlkrise schreibt:

        Tades, die vergleichbaren deutschstämmigen Schüler sind nicht für fünf Pfennig besser. Geh an Schulen in einem anderen Stadtteil, wo die Schüler Chayenne, Jayson und Scott heißen und du wünschst dich an meine Schule zurück…!!!

      • Tades75 schreibt:

        Frl. Krise,

        dass es bei „urdeutschen“ Schülern diverser Stadtteile oft gar schlechter aussieht mag sein, das „Prekariat“ (=welch toller Begriff, gell 😦 ) ist tolerant und kennt keine Vorurteile gegenüber anderen Nationalitäten.

        Ein Unterschied besteht dennoch, Ömür, Aynur, Emre und Co. sind aufgrund Ihrer Namen, ihres dunkleren Aussehens gegenüber Chantal, Kevin und Co.ohnehin schon benachteiligt, das ist Fakt und kann man nicht schönreden, auch wenn es je nach Region oder Stadt auch hier große Unterschiede gibt.

        Chantal und Kevin sind mir selbstverständlich auch nicht egal, aber wegen meiner eigenen, ähnlichen Herkunft sind mir die Biografien Ihrer Schüler ungewollt näher.

        Sicher werden Ihre Schüler irgendwie ihren Weg gehen, aber ich kenne auch die andere Seite. An der Universität gehörten türkischstämmige Studenten regelmäßig mit zu den Erfolgreicheren und die Absolventen waren/sind im Berufsleben fast immer sehr erfolgreich. Daher ärgere ich mich ja so, wenn sie wollten könnten Ihre Schüler genauso erfolgreich.

        Denn von den Nachteilen wie Ressentiments mancher Teile der „ursprünglichen“ Bevölkerung dieses Landes abgesehen ist so eine Herkunft doch eigentlich ein großes Plus.

        Man wächst seit der Geburt zwischen 2 verschiedenen Kulturen auf, lernt schon in der Kindheit multitasking-fähig zu sein und 2 verschiedene Denkweisen, die deutsche und die ausländische. Man beherrscht die deutsche Tüchtigkeit, Diszipliniertheit und Zielstrebigkeit ebenso wie die türkische Herzlichkeit, die immens wichtigen Fähigkeiten zwischenmenschliche Kontakte auch im Berufsleben mit Geschäftspartnern und Kollegen zu pflegen, die Improvisationsfähigkeit und Enstpanntheit.
        Auch aus diesem Grund waren die türkischen Studenten und Absolventen zu meiner Zeit meist so erfolgreich.
        Vielleicht ärgere ich mich auch deswegen, weil mir bei der Lektüre Ihres Blogs ihre Pappenheimer ja doch irgendwie ans Herz gewachsen sind. Ihnen sicher noch mehr, bestimmt sind Sie vor allem deswegen so schlecht gelaunt, nicht wegen der Quote. Wenn ihre Schüler Ihnen egal wären, würde so ein schlechter Abschluss Sie doch auch nicht so ärgern.

  17. Inch schreibt:

    Trauriger Blog…

  18. Wild Flower schreibt:

    „Vier Jahre Arbeit. Das schlechteste Ergebnis, das ich je mit einer Klasse erzielt habe.“
    Dann wird es mit der nächsten Klasse sicher wieder besser werden. 🙂 Bestimmt sind im nächsten Schuljahr ein paar motivierte Schüler dabei, die einen guten Abschluss schaffen.

  19. oachkatz schreibt:

    Ich hoffe, die Ferien geben einiges an Kraft zurück, die werden Sie dringend für die neue Klasse brauchen. Und die Kids brauchen Sie. Auch wenn es manchmal wie vergebliche Liebesmüh aussieht.

  20. A. Hopfenschauer schreibt:

    Und nächstes Jahr schlagen die dann bei uns auf (BBS).
    Oh, mann, da freu ich mich schon drauf. Ich habe gerade in den Tisch gebissen, so sehr freue ich mich. Willmmaaaa!!!

  21. Stefan K. schreibt:

    Liebes Frl Krise,
    es tut mir leid, dass Sie dieses Jahr ein so mageres Ergebnis Ihrer harten Arbeit erleben!
    Ich wünsche Ihnen, dass die Früchte noch nachträglich reifen, indem Ihre Schützlinge in den nächsten 12 Monaten vorbeikommen und von der Erkenntnis, dass es ohne etwas Anstrengung nicht geht, und neuen Plänen und ersten Erfolgen berichten!

  22. Ich eben wer sonst schreibt:

    Ach Frl. Krise, wenn Sie weinen wollen, dann hab ich was für Sie

    Heimlich auf den iPod geladen und bei der Abschlussfeier hören, dann können Sie weinen!
    Sind Sie sich eigentlich sicher, dass überhaupt irgendwer zur Abschlussfeier kommt? Ich meine ja nur, bis jetzt sind sie doch alle so unpünktlich gewesen.

  23. disel schreibt:

    „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“
    (A.Camus, Mythos des Sysyhos)

  24. chowbalu schreibt:

    Auf jeden Fall die Bootsfahrt, dann könnten Sie die schlimmsten Chaoten auf einer einsamen Insel aussetzten …natürlich mit genügend geistiger und physicher Nahrung. Jeden Monat fahren Sie dann einmal vorbei und nehmen die Abschlussprüfung ab, bis alle bestanden haben und Ömur gertenschlank ist.

  25. in-der-12-abbrecher schreibt:

    naja, oder die konferenzen einfach 4 wochen später ansetzen, dann können sie noch 4 wochen lang versprechen sich zu verbessern. und nach den konferenzen direkt ende. nachprüfler sind nachprüfler, 4 wochen machen da nix aus.
    das könnte die langeweile doch irgendwie noch bremsen, oder?

    • frlkrise schreibt:

      Die Zeugnisausgabe erfolgt dann in den Ferien oder wie? Nach den Konferenzen braucht man schon noch ein paar Tage, bis alles fertig ist. Das kann sich kein Mensch vorstellen, was da noch für ein bürokratischer Aufriss gemacht werden muss.

  26. klosterfrau schreibt:

    Ich hatte mal eine Klasse bei der ich am letzten Schultag gefeiert habe, dass ich die nicht mehr unterrichten muss. Die nächste(n) Klasse(n) waren dann wieder richtig nett.

  27. Ulla 39 schreibt:

    @frl. Krisi und tadeS
    Natürlich sind nicht nur die türkisch-stämmigen Schüler so wie beschrieben, was – gerade bei Ihrer Wortwahl, liebe Krisi – auf lehrerferne Leser durchaus oft erheiternd wirkt. Aber tadeS und ich hören und wissen,, wie sich Eltern und Kinder in der Türkei für qualifizierte Abschlüsse regelrecht abquälen. Wer’s nicht kann oder tut, nun, der geht Baumwolle pflücken oder Haselnüsse ernten(Saisonarbeiten) oder ähnliches. Da tut es einem richtig weh zu sehen, wie die Vettern und Kusinen hier in Deutschland ihre Chancen vertun. (Die Lebensumstände von Chayenne usw. kenne ich nicht, da tangiert mich deren Verhalten nicht weiter, nur die Lehrer tun mir leid.)
    Und noch eines, @ Anhänger des seltsamen Sarazenen: Dies ist der Blog einer engagierten Lehrerin an einer Schule mit schwierigen Schülern unterschiedlicher Herkunft. Die stehen nicht stellvertretend für Schüler türkischer Herkunft!

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