Vorläufiges Facit

So, weg von den Zähnen (alles bestens!), hin zu den Prüfungen.
Ich wollte ja unbedingt bei der Verkündung der Ergebnisse dabei sein, aber die Zahn-OP (die mehrfach verschobene) schummelte sich dazwischen. Die ließ sich partout nicht umlegen. Und VERSUCHE mal einen Termin in der Schule zu verschieben! Da könnte man auch gleich beantragen Silvester im Mai zu feiern.

Und jetzt zur alles entscheidenden Frage: Wer hat was bestanden?
Fatih – ein Wiederholer, der hier im Blog nur ein, zweimal Erwähnung fand, hat als einziger in meiner Klasse den Realschulabschluss gepackt. Zwar knapp und glanzlos, aber immerhin.
Jetzt wird es ein bisschen kompliziert. Ich erinnere mal kurz daran, dass diese Prüfung aus zwei Teilen besteht. Erstens: dem Prüfungsteil mit den schriftlichen Arbeiten und der Präsentationsprüfung und zweitens dem Jahrgangsteil, das heißt aus allen Noten dieses Schuljahrs. Man braucht bestimmte Kurse und einen bestimmten Notenschnitt.
Beide Prüfungsteile MÜSSEN bestanden werden. Beide. In meiner Klasse hat, wie gesagt, nur Fatih das Kunststück vollbracht.
Aber einige können jetzt Nachprüfungen ablegen… Wer das ist, entscheidet sich aber erst auf der Zeugniskonferenz Anfang Juni, wenn sämtliche Noten vorliegen. Das große Zittern geht also weiter….und das Geschachere um Punkte.
„Bitte, Frl. Krise! Wenn ich den EINEN Punkt Deutsch nicht bekomme, bin ich DURCHGEFALLEN!“ Und dieselbe Madame geht dann noch zu drei anderen Lehrern mit dem gleichen Spruch…“Bitte, bitte, Frau Schneider! Sie ruinieren mein Leben…blablabla.“ Je weichherziger der Kollege, desto höher die Erfolgsquote. Ich gestehe, auch ich bin da schon schwach geworden und wenn es auch nur der Gedanke war: „Wenn ich ihm den Punkt nicht schenke, fällt er durch, wiederholt und belastet das Schulwesen noch ein Jahr. Kommt nicht in die Tüte. Ich gebe ihm den Punkt und dann soll er mal sehen, was er dem miesen Abschluss macht.“

Einige dürfen also theoretisch Nachprüfungen machen. Aber ganz ehrlich: Es gibt es nur zwei, drei Delinquenten, die es schaffen könnten: Das sind: Hassan, Necla und vielleicht noch Gamze.
Und die anderen?
Emre ist glatt durchgefallen. Tscha… Nach der Kathi-Affaire ging es bergab mit ihm. In jeder Hinsicht. Jetzt hat er den erweiterten Hauptschulabschluss, dabei träumte er vom Abitur. Die Lehrstellen, die er vor einem halben Jahr angeboten bekam (zur Zeit seiner Praktika) waren ihm ja zu gering, die hat er ausgeschlagen. Ich hab mir in der Zeit mehr als einmal vor den Kopf geschlagen…ihn durfte ich ja nicht hauen….
Gülten ist auch weg vom Fenster – ist ihr aber egal, sie hat ja Lehrstellen ohne Ende.
Ömür? Der kann eventuell noch eine Nachprüfung machen, das sieht aber ganz schlecht aus. Kein Wunder. Im letzten Halbjahr hat er bedeutend mehr Zeit in Miristschlecht, Rücken und unklarem Bauch investiert als in DeutschMatheEnglisch.
Mustafa, Sam, Azzize, Sara und Esra sind auch eventuell Nachprüfungskandidaten, aber mit geringer Erfolgsaussicht. Immerhin können sie im schlechtesten Fall wie Ömür und Emre einen erweiterten Hauptschulabschluss vorweisen.
Nesrin, meine Sonne, hat den einfachen Hauptschulabschluss und jetzt kommt der Hammer:
Aynur, Leila, Erkan, Hanna, Fuat und Turgut verlassen die Schule ohne Abschluss.
OHNE! Ist das deprimierend!
Noch nie hatte ich eine Klasse mit so einem schlechten Ergebnis. Noch nie.
Noch nie hatte ich eine Klasse, die so extrem schwierig im Verhalten war.
Und noch hatte ich eine, die mich so gefordert hat und die auf der anderen Seite mir menschlich so nah gekommen ist. (Mit Ausnahmen natürlich!)

Noch ein paar Schultage, eine Konferenz, vier, fünf Prüfungen, einmal Grillen(?) , eine Zeugnisübergabe, eine Bootspartie und vielleicht ein paar Tränen – dann ist es vorbei.

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140 Antworten zu Vorläufiges Facit

  1. Thomas schreibt:

    Hm. Hätte das vielleicht anders laufen können, wenn man auf Fehlen wg. undifferenziertem Miristschlecht ohne Attest nicht mit Verständnis, sondern mit einem monumentalen Anschiss bis zum Heulen des Delinquenten reagiert hätte? (Klarstellend: das ist nicht als Provokation oder als rhethorische Frage gemeint, mich interessiert Ihre Einschätzung dazu)

    • frlkrise schreibt:

      Nein, mit Verständnis haben wir nicht reagiert. Sondern mit vielen Maßnahmen.
      Ein Attest zu besorgen ist übrigens simpel, da gibt es genug Ärzte… Und was dann? Wenn sie zweimal die Woche mit Attest kommen? Anschiss für den Arzt? Anrufen bei der Ärztekammer – das habe ich schon gemacht.
      Der monumentale Schüler-Anschiss wirkt vielleicht einmal, er ist aber nicht nachhaltig. (14-16 jährige Schüler zum Heulen zu bringen ist übrigens ziemlich schwer…die werden dann höchstens aggressiv und beleidigend und hauen türschlagend ab).
      Schüler, die so oft fehlen, haben Probleme, die ich als Lehrer oft nicht mal ansatzweise kenne, geschweige denn lösen kann. Schreien und „anscheißen“ nutzt da gar nichts, macht mich nur zur lächerlichen Person.
      Außerdem ist jedes Kind anders, jede Familie und jede Biographie anders…wenn es mit einem Anschiss getan wäre bräuchten wir keine Schwänzerprpjekte, keine Schulpsychologen und wir alle hätten viele Probleme weniger….

      • Thomas schreibt:

        OK, gut zu wissen. Aus Ihren Beiträgen hatte ich nicht so recht gesehen, dass Sie nicht nur mit Akzeptanz auf die Schüler zugegangen sind. Dann fällt mir auch nicht mehr ein, wie man dieses Problems Herr werden kann.
        Interessant wäre noch zu wissen, wo diese wirklichkeitsfremde Haltung, dass es schon funktionieren wird, bei den Schülern herkommen mag.
        Vielen Dank jedenfalls für Ihre Antwort, die mir mal wieder einen Einblick in den Schulalltag gegeben hat, den man auf dem Gymnasium ja nicht hatte.

      • kinderärztin schreibt:

        Als Kinder-/Jugendärztin stelle ich auch gelegentlich solche Miristschlecht- oder Kopfschmerzenzumumfallen-Atteste aus. Ich würde mich freuen, mit den betreffenden Lehrern ins Gespräch zu kommen. Mir ist auch klar, dass da oft keine akute Erkrankung dahinter steckt, doch das läßt sich nicht einfach beweisen. Atteste gibt es bei uns nur mit Elternunterschrift auf dem Attest, auch bei Eintagesattesten, also decken Eltern das Schwänzen mit. Mehr Kommunikation Lehrer/in-Arzt/Ärztin wäre schön, geht aber nicht so einfach ohne Einverständnis von Jugendlichen und Eltern.

    • fire walk with me schreibt:

      Ich gehörte damals auch zum erlauchten Kreis der Dauerschwänzer (meist mit Attest), aber nicht, weil ich so faul und dumm war, sondern aus schwerwiegenden familiären/psychischen Gründen. Und im Berufsvorbereitungsjahr, das ich daraufhin zum Glück erfolgreich absolvierte, ging es beinahe allen so.
      Mir ist natürlich klar, dass Lehrer keine Zeit haben, sich auch noch um solche Dinge zu kümmern, aber vielleicht sollte die Zahl der Schulpsychologen zumindest in solchen Schulformen erheblich aufgestockt werden.
      Ich wäre damals sehr froh gewesen, wenn mir jemand geholfen hätte.

      • frlkrise schreibt:

        Genauso ist es sehr vielen meiner Schüler auch! Allerdings kommt in der Regel eine negative oder gleichgültige Einstellung zum Erwerb von Bildung dazu. Das ist leider bei Kindern aus bildungsfernen Schichten (EGAL welcher Nationalität!!!!!) häufig der Fall, besonders in der schrecklichen Pubertät.

      • Nele Abels schreibt:

        „vielleicht sollte die Zahl der Schulpsychologen zumindest in solchen Schulformen erheblich aufgestockt werden.“

        Wird nicht passieren, zu teuer. Momentan kommt in NRW grob geschätzt ein Schulpsychologe auf 10000 Schüler. Und das wurde nach den letzten Amokläufen seitens des Schulministeriums als großer „Wir-haben-verstanden“-Erfolg gefeiert.

      • hajo schreibt:

        Frl. Krise, ich halte Ihren relativierenden Satzteil „EGAL welcher Nationalität!!!!!“ für immens wichtig: „wir Urdeutsche“ sollten uns da nicht so sehr an die Brust schlagen.
        Allerdings halte ich die von Nele Abels vorgeschlagene Erhöhung der Jugendpsychologen für zu kurz gegriffen: hier haben wir ein tief greifendes Problem, das wir nur über Eingriffe in die Erziehung durch die Eltern lösen könnten, das allerdings würde eine mittlere bis schwere Palastrevolution auslösen
        .. weil nicht sein kann, was nicht sein darf 😦

  2. tina schreibt:

    Wie, wenn jemand im letzten Schuljahr durchfällt, dann verlässt er einfach die Schule ohne Abschluß und muß nicht wiederholen? Oder dürfen die nicht wiederholen?

    • frlkrise schreibt:

      Die haben doch schon zig-mal wiederholt…alle sind eigentlich erst im 7. bzw. 8. Schuljahr, sind da sitzen geblieben und dann nie wieder versetzt worden. Allerdings konnten sie jetzt am Ende eine Prüfung machen: Wenn sie die bestanden hätten, hätte sie den Hauptschulabschluss bekommen. Diese Prüfung ist übrigens eigentlich für LERNBEHINDERTE Schüler gedacht, damit die den Hauptschulabschluss bekommen. Superleicht! Diese Sechs Schüler sind aber nicht lernbehindert, die haben andere Probleme….

      • Anon schreibt:

        Wie klappt das eigentlich? Ich meine sitzen bleiben und dann in der gleichen Klasse doch ein Jahr aufsteigen. Es wird dann ja logischerweise der Stoff des neuen Schuljahres unterrichtet und mit den Defiziten die ja offensichtlich da sind is es doch sehr schwer den Inhalten zu folgen… irgendwie macht das für mich keinen großen Sinn?

        Für Nesrin freut es mich, wenn ich mich nich total verlesen hatte (bzw mit den Namen durcheinandergekommen bin) gehört sie ja wirklich zu den lernschwachen Schülern.

      • frlkrise schreibt:

        Das mit dem Sitzenbleiben bringt es nicht. Deshalb dürfen die Schüler weitergehen, wenn sie es beantragen, sie können aber auch wiederholen. Wenn sie mit der Klasse in die nächste Jahrgangsstufe aufrücken, werden sie ein bisschen anders benotet. Außerdem können sie im Februar offiziell aufsteigen, wenn sie jetzt bessere Noten vorweisen. Das ist durchaus im Bereich des möglichen, man muss aber sein Arbeitsverhalten ändern. Das hat bei uns aber außer Ömür nie einer geschafft.

      • Anon schreibt:

        Ah danke schön. Ich hatte das bisher immer gelesen, dass man mit aufsteigen muss, und hatte mich halt immer gewundert.

    • Kejo111 schreibt:

      Wenn diese Schüler ihre volle Schulpflicht noch nicht erfüllt haben (die dauert nicht neun, sondern in aller Regel elf Jahre, sofern sie nach neun/zehn Jahren keine Ausbildung beginnen), werden sie vermutlich in berufsbildenden Schulen aufgefangen.

      In Hamburg nennt man das Berufsvorbereitungsschule bzw. duale Ausbildungsvorbereitung. Dort haben sie die Chance, den Schulabschluss nachzuholen und in diversen Langzeitpraktika verschiedene Berufe kennenzulernen und sich womöglich dort so gut zu bewähren, dass sie in eine Ausbildung übernommen werden.

      Manche nutzen diese Chance, andere nicht. Ich unterrichte solche Schüler seit vielen Jahren und könnte ganz ähnliche Geschichten erzählen wie Frl. Krise …

      • krizzydings schreibt:

        oooh interessantes thema…
        hiermit möchte ich sie ermutigen auch mal was zu bloggen…bin in hh-nord aufgewachsen und kenne glaube ich nicht die wahren probleme hamburger problemschüler…ich war ja schon mit nicht gemachten hausaufgaben ein schulproblemfall haha

  3. kingkenny7 schreibt:

    Man konnte ja schon recht Schlimmes erahnen, aber das ist dann doch noch übler, als ich erwartet hätte. Vor allem natürlich die sechs Leute so ganz ohne Abschluss. Ich kann mir die Flüche und das Tränenmeer vorstellen…

  4. Susann schreibt:

    Tja. Die Tränen können bei diesem Ergebnis ja heute schon kommen, nicht erst beim tatsächlichen Abschied.
    Zum Thema Anschiß – im Prinzip kommt man den Schülern ja tendenziell eher verständnisvoll entgegen, und das über Jahre. Ein paar nutzen das auch gnadenlos aus – es geht ja. Ich weiß nicht, ob bei manchen nicht eine beinharte Terrorherrschaft von der Grundschule an sinnvoll wäre? Allerdings kann ich mir mich und viele andere Kollegen nicht beimAusüben einer solchen vorstellen. Wenn uns die Schüler scheißegal wären und wir keinen Gedanken im Kopf hätten als „Wie komme ich möglichst schnell wieder möglichst ungestört nach Hause“, vielleicht. Aber sobald ich weiß, dass Xavers Eltern sich gerade scheiden lassen und er deshalb geistig nicht unter uns weilt oder Veras Mama seit Monaten im Krankenhaus liegt und sie möglicherweise deshalb keine Hausaufgaben auf die Reihe kriegt, schlägt das Verständnis wieder gnadenlos durch.
    Sind wir zu verständnisvoll und (würde der Schüler sagen) luschenhaft? Ich weiß nicht…was meint Ihr?

    • frlkrise schreibt:

      Was hat man denn für Maßnahmen:
      1. Anschiss (Mehrmals die Woche?)
      2. Telefonanruf zu Hause (wurde eine Zeitlang täglich vom Sekretariat gemacht, Null Wirkung)
      3. Briefe an die Eltern mit Auflistung aller Fehlzeiten – haben wir ungefähr einmal im Monat gemacht, in der Regel NULL Reaktion der Eltern
      4. Elterngespräch, meistens die Antwort: „Was soll ich machen, ich wecke ihn u. er steht nicht auf/ich gehe vor ihm aus dem Haus/verstehe ich nicht, er geht pünktl. weh
      4. Schulversäumnisanzeige: Riesenakt für mich (unter Einbeziehung von Jugendamt, Polizei, Schulpsychologie) , habe ich in dieser Klasse bestimmt 10 mal gemacht, , dann nach Monaten bekommen die Eltern die Androhung eines Bußgeldes (2500 €). Ich habe noch NIE erlebt, dass es vollzogen wurde, auch wenn Kinder weiter schwänzen.
      Turgut z. B. schwänzt seit Monaten. Wir haben alles gemacht, er hatte sogar 7 Std in der Woche einen Sozialpädagogen, jetzt hat das Jugendamt aufgegeben….)
      Das einzige, das (neben all diesem) -manchmal- klappt, ist die persönliche Beziehung zum Schüler. Das hat mit so dümmlichem „Verständnis“ und „luschenhaft“ gar nix zu tun.

      • Ulla 39 schreibt:

        Wie deprimierend!Bewundernswert, daß Sie durchhalten. Und Dank dafür, es sind halt doch Menschen ziemlich am Anfang ihres Lebens.

      • Susann schreibt:

        Ich wollte die Frage viel allgemeiner stellen – nicht, dass Sie glauben, ich halte Ihr Vorgehen in irgendeiner Form für „luschenhaft“; Sie tun ja, was sie können, aber für die Schüler hat das offenbar einfach keine Konsequenzen, die sie lieber umgehen würden. Also ändern sie ihr Verhalten nicht.

        Ich erinnere mich an meine Schulzeit – gelernt haben wir a) für Fächer, die uns interessiert haben und b) für EINE Lehrerin, weil die knallhart war (Typ brutal hart aber fair) und weil wir Angst vor ihr hatten. Ich kann immer noch sehr, sehr gut Latein, das verdanke ich ausschließlich der Terrorherrschaft dieser Dame. Ich weiß, dass es heißt, dass man nicht aus Angst effektiv lernen kann, aber alle Klassenkameraden bestätigen, dass sie immer noch recht gut Latein können, nach fast 20 Jahren.

        So. Ihre Schüler lernen ja offensichtlich nicht für Fächer, die sie interessieren. Sie lernen offensichtlich nicht für Fächer, die sie für die Prüfungen brauchen. Gesetzt der Fall, die hätten einen knallharten Boxtrainer-Bundeswehrausbilder-In-Disco-Türsteher-Typen, vor dem sie einfach Schiß haben, würden sie dann lernen?

      • frlkrise schreibt:

        Schwänzen konnten Sie in ihrer Sozialisation nicht, oder? Trotz Terrorherrschaft! Da hätten ihre Eltern nicht mitgespielt, vermute ich mal.
        Meine Schüler würden schwänzen, wenn so ein Typ anfangen würde sie zum Lernen zu zwingen. Boxen dagegen würden sie mit ihm.
        Lernen ist ein Prozess, zu dem man nur sehr bedingt gezwungen werden kann…

    • Eike schreibt:

      Ich glaube, deine Äußerung („Terrorherrschaft“) zeigt ein großes Problem im Deutschen Schulsystem: Alle Beteiligten sehen Schule als strafende Institution, die niemals Spaß machen kann. Das ist ein kulturelles Problem. Die Eltern erinnern sich an ihre unangenehme Schulzeit, und haben darum Verständnis für ihre schwänzenden Schüler. Die Lehrer sehen sich als eine Art Besatzungsmacht im Land der Dummen, und träumen anscheinend von Terrorherrschaft.

      Ich vermute außerdem, dass auffällige Schüler extreme Dinge erlebt haben, und man sie nur schwer mit Strafen beeindrucken kann. In meinem Umfeld habe ich von zwei extremen Fällen gehört (beides übrigens urdeutsche Familien):

      * Bei meinem Zivildienst gab es einen Jungen der angeblich von seinem Vater mit einem Stromkabel um den Hals an der Decke aufgehängt wurde.

      * Meine Mutter (Grundschullehrerin) bekam von einem Vater Anweisungen wie man seinen Sohn am besten verprügelt: Man solle ein altes Stuhlbein nehmen, damit täten die Prügel ausreichend weh, ohne dass man dem Kind die Hose ausziehen müsse. Der Vater wollte meiner Mutter eine schriftliche Erlaubnis zum Prügeln seines Sohnes geben.

      Eine „Terrorherrschaft“ in der Schule würde den Kindern nur weitere schlimme Erlebnisse zufügen, und würde die Gewalt in der Gesellschaft steigern. Wir haben in Deutschland schon genug Gewalt: Viele junge Männer glauben gewalttätiges Verhalten sei normal.

      Hinzu kommt, dass der neoliberale Umbau der Gesellschaft die Hoffnung auf Aufstieg durch Leistung zerstört hat. Bildung lohnt sich darum für viele scheinbar nicht mehr.

      • frlkrise schreibt:

        „Die Lehrer sehen sich als eine Art Besatzungsmacht im Land der Dummen, und träumen anscheinend von Terrorherrschaft.“ So ein Quatsch! Ich versuche doch die ganze Zeit zu erklären, dass das eben NICHT funktioniert!!!!!

      • Susann schreibt:

        Nein, ich träume absolut NICHT von einer „Terrorherrschaft“ und auch meine Kollegen tun das nicht. Was wir – damit meine ich die Kollegen, die ich kenne, und mich – versuchen, ist, auf die Schüler einzugehen, ihre Situation zu berücksichtigen, den Unterricht interessant zu gestalten, die Schüler zu motivieren, immer wieder das Gespräch zu suchen, neue Unterrichtsformen ausprobieren, die „Spaß machen“, usw. usf. Dass Schule immer und überall Spaß macht, ist nicht – das funktioniert nicht, jeder Job hat angenehmere und unangenehmere Seiten und für Schüler ist Schule ein Job, den sie sich noch nicht mal selbst aussuchen konnten und für den sie auch nicht jeden Monat Geld überwiesen bekommen (ja, natürlich, der Staat zahlt ihre Ausbildung, aber welcher 13jährige verinnerlicht das denn und ist dann zutiefst dankbar). Aber als „Besatzungsmacht im Land der Dummen“ sieht sich, soweit ich das beurteilen kann, kaum einer, ich schon gar nicht.

        Der Effekt von Fräulen Krises Bemühungen und auch denen vieler anderer Lehrer ist aber nur in den seltensten Fällen:
        Lehrer -> steckt unglaublich viel Zeit in Unterrichtsgestaltung, die den Schülerinteressen entegegenkommen soll -> Schüler denkt „He, das macht ja Spaß!“ -> Schüler geht nach Hause und lernt wie ein Berserker.

        Sondern der Effekt ist ganz oft:
        Lehrer -> steckt unglaublich viel Zeit in Unterrichtsgesatltung, die den Schülerinteressen entgegenkommen soll -> Schüler fragt: „Muss ich das können?“ „Wird das benotet?“ -> falls Antwort nein -> Schüler geht nach Hause und denkt sich „Klasse, wird nicht benotet, muss ich nicht wissen“. -> Schüler geht am Computer zocken.

        Im mittlerweile abgedroschenen Lateinfall in meiner Schulzeit lief das:
        Lehrer -> macht extrem Stress -> Schüler haben Schiß -> Schüler gehen heim und lernen, bis die Birne raucht -> Schüler können Latein.

        Darum meine Frage – und ich bin wirklich ratlos, zumal nach der Korrektur der jüngsten Abiarbeiten – offensichtlich kommen aus Schulen Absolventen, die massive Wissens- und Könnensdefizite im fachlichen Bereich haben. Wahrscheinlich haben 80% der Lehrer versucht, ein positives Verhältnis zu den Schülern herzustellen und den Unterricht motivierend zu gestalten. Die Schüler können trotzdem nicht, was sie können sollen. Was machen wir falsch?

        PS: Mein Umfeld ist, anders als bei Frl. Krise, Gymnasiumschule, also, wie man gemeinhin annimt, ein Hort hochmotivierter, wissensdurstiger Schülerinnen und Schüler.

      • frlkrise schreibt:

        Lehrer -> macht extrem Stress -> Schüler haben Schiß -> Schüler gehen heim und lernen, bis die Birne raucht -> Schüler können Latein.
        Damals klappte das noch! Heute geht’s nicht mehr so und das kann auch nicht gewollt sein!!! Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel!

    • Eike schreibt:

      Ha, ha, ha… die Idee mit der Terrorherrschaft scheint ziemlich verbreitet zu sein. Hier ist ein pädagogischer Tipp für die nächste Theaterprobe Fräulein Kriese. Dann wird das Stück doch noch ein voller Erfolg!

  5. scrooge schreibt:

    Schade. Gerade Emre war doch letztes Jahr richtig gut unterwegs mit den verschiedenen Praktika etc. Und hat Gülten sich inzwischen entschieden? Ich hoffe, dass sie ihre Lehrstelle jetzt nicht vergeigt, weil sie zu lange mit der Entscheidung und/oder dem Bescheidsagen wartet.
    Frl. Krise, Sie haben auf jeden Fall für die Bande getan, was sie konnten. Aber man hat trotzdem immer ein mieses Gefühl, wenn es schiefgeht, das geht mir genauso.
    Gute Besserung nach der Zahn-OP!

  6. rhadamanthys schreibt:

    Wenn ich jetzt richtig mitgerechnet habe, dann liegt der Anteil der Realschulabsolventen bei unter 5%, während der Anteil der komplett durchgefallenen nach ersten Hochrechnungen die 30% erreichen wird. Toll, da braucht man natürlich eine Gesamtschule, man stelle sich vor, die Guten würden die Schlechten nicht mitziehen.

    • frlkrise schreibt:

      Unsere anderen Klassen haben besser abgeschnitten. Und: Wir sind doch GESAMTSCHULe! Allerdings dank der genialen Schulpolitik eine mit einer Schülerschaft, die überwiegend aus Kindern mit Hauptschulempfehlung besteht. (Normalerweise erreichen etwa 30 % unserer Schüler den Mittleren Schulschluss – die Jahr sinds bestimmt ein paar weniger…)

  7. schorse62 schreibt:

    es gibt doch noch berufsschulen, zumindest hier in niedersachsen.

    je nach abgangsklasse, die nach 9 schuljahren auch schon mal die 6. klasse war, landen sie bei uns in den verschiedenen schulformen, um in 1,2,3,4,5 oder mehr jahren einen abschluss zu machen.

    bock auf schule haben sie nicht mehr, aber ein jahr müssen sie noch absitzen, um die leidige schulpflicht hinter sich zu bringen. eine praktische tätigkeit mit berufsperspektive wäre da oft sinnvoller……….

    • Kejo111 schreibt:

      Von wegen 1, 2, 3, 4, 5 Jahre. Wenn sie ihre Schulpflicht erfüllt haben, ist auch in den berufsbildenden Schulen Schluss, wenn sie nach elf Jahren noch immer keinen Schulabschluss haben.

      Klar sind die schulmüde und praktische Tätigkeit wäre besser. Deshalb gibt es in Hamburg ja inzwischen die duale Ausbildungsvorbereitung – nur zwei Tage Schule, die anderen drei Tage Langzeitpraktikum.

      Und es ist ja nicht nur so, dass die praktische Tätigkeit ihnen meistens besser liegt – nein, in den Betrieben verhalten sie sich i. d. R. ganz anders. Da sind sie plötzlich endlich unter Erwachsenen statt unter lauter Gleichaltrigen. Das wirkt oft Wunder!

      • Nele Abels schreibt:

        Und am Ende eines langen Tages gibt es dann immer noch uns vom zweiten Bildungsweg, wo man in Abendrealschulen, Abendgymnasien und Weiterbildungskollegs alle Schulabschlüsse von Garnix bis Abitur nachmachen kann.

    • kaeks schreibt:

      Habe ich nach der 10. Klasse auch ein Jahr gemacht, mangels einer Ausbildung. Fand das Jahr nicht schlecht, nochmal ein kleiner Selbstfindungskurs 😉

      Danach Ausbildung und jetzt kommt das normale Abitur, bzw. sollte es dieses Jahr da sein!^^
      Ich finde es super, welche Möglichkeiten man noch, wenn man älter ist, hat, bezüglich der schulischen Bildung.
      Wir haben eine bei uns, die hat jetzt (hoffentlich) ihr Abitur relativ gut gemacht, sie gehört zum Jahrgang der in den 40ern geborenen =)

      • Pepes schreibt:

        NEIN!
        was hat die ihr leben lang gemacht???

      • Anon schreibt:

        was hat die gute Frau wohl gemacht – wahrscheinlich gearbeitet ^^ Meine Eltern sind auch beide in den vierzigern geboren und haben sehr drauf bestanden, dass ich gefälligst mein Abitur mache (das ich auch trotz grauseliger Orthographie auf dem 1. Bildungsweg gemacht hab), einfach weil sie die Chance nicht hatten, da damals alles was höher als Volksschule war Geld gekostet hat?

      • Nana schreibt:

        „was hat die ihr leben lang gemacht???“
        Och, da gibt es mehrere Möglichkeiten.

        Vielleicht hatte die Familie kein Geld, um sie bis zum Abitur auf der Schule zu lassen und sie musste ihr eigenes Geld verdienen. Der Krieg hat abhängig vom persönlichen Einzelschicksal während des Krieges teilweise recht lange nachgewirkt.
        Vielleicht wurde ihr ein Abitur aus politischen Gründen nicht gestattet. (Zehntausenden in Ostdeutschland ging das so.)
        Vielleicht wurde sie unpassend schwanger und musste sich erstmal um die Familie kümmern.

        Aber hey, sie hat sich jetzt noch aufgerafft und hat das nachgeholt. Siw braucht es (hoffentlich) nicht mehr, um sich damit eine Zukunft zu sichern. Sie macht es, weil sie es will und hoffentlich macht es ihr Spaß. *Das* muss man anerkennen.

  8. Fräulein Müller-Meier-Schulze schreibt:

    Schüler zum Heulen zu bringen oder ihnen Angst einzujagen sind sehr hohe, mit legalen Mitteln unerreichbare Ziele, zumindest wenn man nicht Gymnasiumschule ist. Aber zu Ihrer Abschlussbilanz: Wir würden von der Schulleitung, vom Schulamt und vom Ministerium daraufhingewiesen werden, dass wir ( Lehrer!) schlecht gearbeitet haben. Die Abschlussquote ist bei und der Maßstab einer guten Schule, was in der Regel zu „alle Hühneraugen zudrücken!“ führt.

  9. Miss Anne schreibt:

    Das mit dem vielen Fehlen/kranksein kommt mir mehr als bekannt vor. Und ich arbeite in der Erwachsenenbildung. Der diesjährige Spitzenreiter war in einem 3-Monatskurs genau einen Tag anwesend und anschließend „schwerkrank-demTodenahe“ – Bilanz: 12 AUBs von 5 verschieden Ärzten aus 3 Städten im Umkreis von 80 km. Gern auch bis zu einer Woche rückwirkend ausgeschrieben. Da verzweifelt man dran und muss sich irgendwann entscheiden: Kümmere ich mich um die, die wollen (oder wenigsten so tun) und eine reelle Chance haben oder investiere ich die Zeit in verlorene Fälle?

    • Kejo111 schreibt:

      Diese Entscheidung fällt nicht wirklich schwer – ich bin in allererster Linie für die da, die was erreichen wollen. Wer nicht will, der will eben nicht. Da investiere ich nicht kostbare Energie, die bei anderen dann fehlt.

  10. huhnic schreibt:

    Es ist shon krass, dass man oft gerade zu den im Verhalten eher anstrengenden Schülern oft eine gute Beziehung hat… und auch braucht, um überhaupt was auszurichten…

    @Fräulein Müller-Meyer-Schulze: Leider ist das so. Man sollte meinen, das Schulamt stünde _hinter_ seinen Schulen. Stattdessen wird man permanent kritisiert…

  11. RogueEconomist schreibt:

    Emre hätte ich mehr zugetraut. Schade. Können sie sagen, wie es Kathi ergangen ist? Ein schwacher Trost bleibt ja, denn trotz aller Schulreformen gibt es bislang noch keine erfolgsabhängige Vergütung für Lehrer 🙂
    Was mich aber noch mehr interessiert: Outen sie sich ggü. ihren Schülern, dass sie über sie geschrieben haben? Oder ist ihnen nach dem Ergebnis die Lust vergangen?

    • frlkrise schreibt:

      Kathi hats geschafft, eventuell sogar den Übergang in die gymn. Oberstufe
      Frage 2: No outing.

    • michael schreibt:

      > Ein schwacher Trost bleibt ja, denn trotz aller Schulreformen gibt es bislang noch keine erfolgsabhängige Vergütung

      Warts nur ab. Wenn irgendwann mal ein Beratungsunternehmen beim Kumi vorbeischaut, oder dort die Neoliberalen (der Kräfte des Marktes freisetzen … blabla) einziehen, wird das schon kommen.

      • frlkrise schreibt:

        Das glaube ich auch. Dann finden die aber keine Lehrer mehr für solche Schüler! Wird jetzt schon eng!

      • RogueEconomist schreibt:

        Das wird nie passieren, zumal die Probleme da schon eine Etage tiefer anfangen. Um mal ökonomisch (lies: ganz fies neoliberal) zu bleiben: Hier hat der Lehrer als individueller Nutzenmaximierer (mehr ist ja bekanntlich immer besser als weniger…) einen sehr großen Anreiz, sein Einkommen zu maximieren. Ergo werden die Schüler auf einmal sehr gute Noten bekommen. Solange dies von aussen niemand kontrollieren wird, werden nach der Grundschule alle auf das Gymnasium wechseln. Somit hätten wir ja eigentlich alle Probleme dieser Welt gelöst, zumindest die schulischen. Schlechte Schüler gibts nicht mehr. Da dies aber zu leichten Verwerfungen führen würde, müsste man eine unabhängige Behörde schaffen, die jede einzelne Arbeit bzw. Klausur stellt und korrigiert und benotet… Und das wäre schon sehr unrealistisch.
        Ich bin aber immer wieder froh, dass Leute wie das frlkrise eher daran denken, dass niemand mehr Lust hat diese Schüler zu unterrichten als einfach zu sagen „Erfolgsabhängige Vergütung? Abhängig von den Noten die ich gebe? Das Haus in Frankreich kann ich dann ja mal direkt bestellen!“ 🙂

    • Thomas schreibt:

      Noten sind hier eine ineffiziente Kennzahl. Orientieren Sie die erfolgsabhängige Vergütung am späteren versteuerten Durchschnittseinkommen der Absolventen.

      • Ivory Tower schreibt:

        Thema erfolgsabhängige Vergütung: Mein Freund unterrichtet an einer englischen „comprehensive“, also auch Gesamtschule, in der Nähe von London. Die englische Schulaufsichtsbehörde hat in puncto Qualitätskontrolle extrem die Daumenschrauben angezogen und macht sehr häufig „Lehrproben“. Die Messlatte liegt für Lehrer sehr hoch, immer interessanten, gut vorbereiteten Nicht-Frontalunterricht zu machen, bei denen er alle Schüler dazu bringen muß, mitzumachen. Läuft die Klasse in der Lehrprobe Amok, weil sie nur aus Chaoten besteht, bekommt der Lehrer ein „ungenügend.“ England hat es außerdem sehr einfach gemacht, Lehrer, die diesen Qualitätsstandards mehrfach nicht genügen, zu kündigen.
        Seine Schüler – wie Frau Krises Schüler – bringen selten bis nie eigene Stifte mit. Statt, daß man ihn dabei unterstützt, sie dazu zu bringen, mit Arbeitsmaterial zu erscheinen, wollen seine Vorgesetzten, daß er welche kauft, um die Konfrontation mit den Schülern zu vermeiden (für > 300 unterrichtete Schüler).
        Viele Kurse sind für den Abschluß irrelevant, die Schule sieht aber in den Statistiken besser aus, wenn er völlig unmotivierte Schüler trotzdem irgendwie durch den Kurs durchzieht, egal, ob die sich hinterher irgendetwas dafür kaufen können.
        Das Lehrmaterial wird aus politischen Gründen häufig geändert (die Kurse werden von privaten Institutionen lizensiert und von der Schule _gekauft_ , für jede abgelegte Prüfung bekommt das private Institut Geld).
        In den Lehrproben sieht man in erster Linie dann gut aus, wenn man es schafft, seine Lehrproben häufig mit einer halbwegs motivierten Klasse abzulegen und immer irgendwelche Gimmicks (Gruppenarbeit, Motivationstechniken…) in den Unterricht einzubauen. Viel von der eigentlichen Lernstoffvermittlung, die bei meinem Freund auch zu guten Resultaten in den Prüfungen geführt hat, ist eben aber leider doch Frontalunterricht.

        Es gibt Disziplinprobleme an der Schule. Das Management macht es aber schwierig, gegen randalierende Schüler vorzugehen, weil für jede Eskalierung (z.B. an den Schulleiter) wahnsinnig viel Papierkram notwendig ist und vorgesetzte Lehrer im Zweifel eher den Schülern als den Lehrern glauben.

        Nach den letzten Prüfungen gab es eine kleine Verschlechterung der Schülerresultate im Fachbereich Naturwissenschaften. Das lag daran, daß in diesem Fachbereich im vorherigen Jahr ein neuer Lehrplan mit veränderten Unterrichtsinhalten eingeführt wurde. Die Schule hat darauf mit 9 Wochen verstärkter „Qualitätskontrolle“ beim Unterricht in diesem Bereich reagiert. Nach wenigen Wochen waren die Lehrer zermürbt und unmotiviert und ernteten durch die Bank knapp „genügende“ oder „ungenügende“ Bewertungen ihres Unterrichts. Resultat: Sämtliche Lehrer, die die Schule wechseln _können_, wechseln dieses Jahr woandershin, so auch mein Freund.

        England hat seit Jahren Lehrermangel. Die Lehrer werden schlecht bezahlt und machen einen undankbaren Job.

      • frlkrise schreibt:

        Sehr interessant! Der Trend geht in D ganz allmählich auch in diese Richtung…

    • huhnic schreibt:

      Sag das mit der erfolgsabhängigen Vergütung bloß nicht zu laut. Das machen die glatt. Dass solch ein Verhalten auch im Elternhaus begründet sein könnte, wäre ja zu einfach gedacht…

  12. Mel schreibt:

    Wussten die Schüler, dass diese Prüfung (für den Hauptschulabschluss) eigentlich für Lernbehinderte war? wenn nicht, hätte ja vielleicht eine Motivation sein können.
    Vielleicht nützt der Schock ja etwas, oder die, die es jetzt nicht geschafft haben besinnen sich in einigen Jahren und versuchen es noch einmal, aber dann, weil sie es selbst wollen, nicht auf Druck.Es gibt ja glücklicherweise viele Möglichkeiten, Schulabschlüsse nachzuholen.

    • hajo schreibt:

      ich halte Mels Vorschlag zumindest für diskussionswürdig, denn wer (unter diesen Schürern (m/w)) möchte einen Vergleich mit „Behinderten“ oder gar eine derartige Einstufung. Das ist zwar nicht fair, den wirklich Lernschwachen gegenüber, aber heiligt nicht in diesem Fall wirklich der Zweck die Mittel, mal abgesehen, dass es den eigentlich „Betroffenen“ nicht wirklich weh tuen würde.

  13. rhadamanthys schreibt:

    @Thomas
    „Interessant wäre noch zu wissen, wo diese wirklichkeitsfremde Haltung, dass es schon funktionieren wird, bei den Schülern herkommen mag.“

    Aus der Beobachtung des Alltags. Wie frlkrise schreibt, es bleibt bei der Bußgeldandrohung. In der Verwandschaft arbeitet nur ein kleiner Teil? Die leben auch alle, im Verhältnis zu den Herkunftsländern teilweise sogar trotzdem gut. Jemand aus dem Bekanntenkreis begeht Straftaten? Macht nichts, teilweise werden Bewährungsstrafen auch bei Mehrfachtätern ausgesprochen.
    Woher sollen die denn etwas anderes lernen?

    • RogueEconomist schreibt:

      Im Vergleich zu den Herkunftsländern… Ja genau, denn weil Ali, 18 Jahre alt und geboren in Duisburg, natürlich auf Hartz IV aus ist, denn damit gehts ihm besser als in seinem Herkunftsland. Solche Aussagen sind einfach so unglaublich platt. Aber „die“ müssen es ja lernen.

      • frlkrise schreibt:

        @ RogueEco: Danke für den Kommentar!

      • rhadamanthys schreibt:

        Bitte genau zitieren, ich nehme an, das „teilweise“ wurde bewußt weggelassen. Ich nehme auch nicht an, daß ernsthaft bestritten wird, daß mit Hartz4, von dem ich übrigens nichts geschrieben habe, ein höherer Lebenstandard möglich ist als in vielen Ländern mit einfacher Arbeit. Erst Recht mit einfacher Arbeit hier. Letzteres kann man in Deutschland nämlich auch ohne Schulabschluß erreichen. Während der Umkehrschluß nicht zulässig ist. Ich kenne persönlcih Schulabbrecher, die in der selben Firma mehr verdienen als Kollegen mit Studium. Allerdings sind das sicher die Ausnahmen und nicht jeder Schulabbrecher hat die Chance und die Fähigkeit sich bspw. als Systemadministrator weiterzubilden.
        Natürlich träumt jeder von einem tollen Job, wird hier ja oft genug beschrieben. Wenn allerdings aus dem privaten Umfeld die Anschauung von Anstrengung, zielgerichteten Arbeiten fehlt, wird es für die Schule sehr schwierig das auszugleichen.

    • Miramar schreibt:

      Und sie lernen das von klein auf. Ich kenne Frl. Krises Schüler als Erst- bis Viertklässler.
      Da läuft es genau so und mit der absulten Deckung der Eltern: keine Meldung beim Fehlen der Kinder, Rückrufe von Seiten der Schule laufen ins Leere und nach zwei Wochen unauffindbarem und unentschuldigten Fehlens gibt es rückwirkend ein ärztliches Attest…
      Und selbst die Erstklässler haben schon ein breites Entschuldigungsangebot bei Verspätungen drauf von: mein kleiner Bruder musste noch Hustensaft bekommen bis Mama sagt ich sollte ausschlafen….

    • Tricia McMillan schreibt:

      Genau, wir sollten einfach mal ein paar Hartz IV-Empfänger verhungern lassen und Straftäter öffentlich auspeitschen. Und vielleicht wieder Prügelstrafe in der Schule? Bei Schwänzern Beugehaft und dann mit dem Schlagstock von Polizisten zur Schule prügeln lassen? Bildungsfernen Familien nur noch Arte und Phoenix erlauben und andere TV-Sender sperren. Und wenn eine Kind ne schlechte Note schreibt, die ganze Familie zum Nachhilfeunterricht verdonnern, bei weiteren Mißerfolgen Deportation ins Heimatland der Urgroßeltern. Mit der Kuschelpolitik unserer Regierung muß endlich Schluß sein!!!

      • rhadamanthys schreibt:

        Wie wäre es einfach mal damit, die vorgesehenen Maßnahmen auch tatsächlich anzuwenden?

      • Kejo111 schreibt:

        Ach rhadamanthys … die „vorgesehenen Maßnahmen“ führen auch dann, wenn man sie anwendet, nicht zum Erfolg. Ich habe noch keinen Schüler erlebt, der nach der Verhängung des Bußgeldbescheids (oder gar mehrerer) regelmäßig die Schule besucht. Im Gegenteil – es stellt sich heraus, dass sie schließlich vorm Jugendrichter und danach im Arrest landen oder Sozialstunden abarbeiten. Schulbesuch kommt aber nicht dabei heraus.

  14. Blogolade schreibt:

    Ein trauriges Fazit. Aber mein Mitleid hält sich in Grenzen, die Lehrer sind nicht dafür da, den Schülern hinterher zu rennen. Jeder ist seines Glückes Schmied. In einigen Jahren werden sie zurückblicken und merken, dass das Schülerleben mit blaumachen und scheißegal langfristig ein Schuss in den Ofen war.
    Blogolade, hat selbst gerne mal blau gemacht wenns vertretbar war und trotzdem Abi geschafft.

  15. nadineswelt schreibt:

    Das ist ein echt mieses Ergebnis. Besonders um Emre und Ömür tut es mir Leid.

  16. Ich eben wer sonst schreibt:

    *klugscheiß* Es heißt FaZit

    • frlkrise schreibt:

      Das hat man nun davon, dass man das Große Latinum hat..(FAZIT von lateinisch facit = es macht)

      • Olaf schreibt:

        Ob „facit“ oder „fazit“. Möge es machen oder nicht.
        Ob Madrid oder Mailand, Hauptsache Italien…
        Shit – ich bin wirklich etwas recht traurig, was Ihre Schööler angeht und lese aus Ihren Worten ähnliches.
        Ich habe auch immer an Emre und Ömür & Co. geglaubt – sehr schade das ganze. Und dennoch, es könnte bei beiden und anderen ja doch noch etwas werden. Immerhin haben Sie ja schon einmal von ehemaligen Schülern nach Jahren gute Nachrichten erhalten.
        Dennoch traurig troll.

      • rotezora, das aus derselben Quelle stammt. schreibt:

        Wahrscheinlich kam das z auf dem Umweg über das Kirchenlatein in das Wort „Fazit“, denn dort wird das c vor e und i wie z ausgesprochen, im Originallatein dagegen wie k, daher „Faktum“, das dieselbe Wurzel hat.
        Das Klugscheißen ist eine déformation professionelle , pardon.

  17. Rennewart schreibt:

    Vielleicht hat es einfach mit der elterlichen Erziehung zu tun. Ich habe in meiner ganzen Schulzeit nur 2 Stunden geschwänzt; zur Schule zu gehen, war schlicht eine Selbstverständlichkeit, über die nicht reflektiert wurde. Es war mein Beruf als Kind.

    • michaela schreibt:

      Danke für diesen Kommentar. NATÜRLICH tragen die Eltern für diesen Schlamassel die Verantwortung. Weder die Politik, noch die Lehrer, noch die Ärzte.

      Ist es etwa ein Zufall, dass Kinder asiatischer, persischer oder afghanischer Auswanderer sehr häufig äußerst fleißig sind und studieren – trotz aller „Umstände“ (Verfolgung, Flucht, Asyl, Sprache, etc.)? Ich kann da diverse Beispiele nennen.

      • mackuus schreibt:

        @michaela … dann schauens sich ma an was für eine soziale Schicht da aus den genannten Ländern geflohen ist und wer da z.B. aus der Osttürkei gekommen ist …

        und schulmüde wird man auch im bildungsbürgerhaushalt wenn man möchte. irgendwann kann man sich auch dauerhaft den kreisenden Helikoptermoms entziehen, scheisst auf die ermahnungen des Vaters nach Feierabend. Ob man nun zur Schule geht um physische präsenz zu zeigen oder ob man sich das völlig spart spielt dann auch keine Rolle mehr

        in den westlichen wohlstandsghettos sind inzwischen die meisten Kinder in solchen Sonderklassen und sonstigen auffangeinrichtungen autochthone teutonen. bildungshintergrund der Eltern nach Wahl. Bunter wird es nur wenn mal wieder irgendwo im nahen europäischen Ausland ein neues progromistan ausgerufen wird.

  18. 西の魔女 schreibt:

    Ich hoffe auch, dass die ganzen Schüler, von denen man so viel mehr erwartet hätte, Sie nach einigen Jahren besuchen kommen, mit Ausbildung / Job und realistischen Vorstellungen von der Zukunft. Sonst ist das echt zu deprimierend.

  19. Nania schreibt:

    Ich weiß ja nicht, wie alt Ihre Schüler sind, doch habe ich immer die Hoffnung, dass sie mit zunehmendem Alter erkennen, was sie tatsächlich erreichen können – und auch erreichen wollen.

    Wenn ich im Studium im 6. Semester Leute vor mir habe, die immer noch nicht wissen, was sie nach dem Studium machen wollen, dann wird mir ein kleines bisschen schlecht.
    Denn mit 22-23 sollte man schon so eine ungefähre Ahnung haben.
    Und dann denke ich an diejenigen, von denen solche Entscheidungen schon mit 16-17 verlangt werden und frage mich, ob man hier nicht genau in die falsche Richtung geht.
    Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke – weiha. Auf dem Gymnasium ist die Lage zwar noch mal eine andere – aber dennoch waren viele in meiner Stufen mit 16-17 noch nicht in der Lage, derart weitreichende Entscheidungen zu treffen. Die meisten wollten sich durch das Schuljahr durchboxen, Noten waren nebensächlich, das Leben empfängt einen mit offenen Armen. Man will feiern, genießen, Freiheiten haben, die man sich als junger Mensch wünscht. Berufswahl, Zukunft, Schulabschluss… all das ist in so weiter Ferne bis plötzlich – peng! – der Tag der Abrechnung da ist. Und wenn man dann – einen Kandidaten hatten wir – durchs Abitur fällt, hat man bemerkt, dass man vorher etwas hätte machen können. Aber bekanntermaßen ist man nachher immer schlauer.

    Und noch ’ne kleine Anmerkung zum Thema „erweiterter Hauptschulabschluss“. Vielleicht liegt hier auch ein Problem der Gesellschaft. Denn was ist denn schon ein – salopp formuliert – „Hauptschulsabschluss“? Will man einen guten Job, benötigt man entweder Praktika in Massen, oder einen Realschulabschluss. Heute wird doch lieber ein Abiturient als Schreinerlehrling angenommen, als ein Hauptschüler – zumindest scheint es in einigen Betrieben (vielleicht nicht unbedingt Schreinereien) so zu sein – ganz egal, ob der Hauptschüler vielleicht viel besser mit seinen Händen arbeiten kann.

    Und hier finde ich, sollte sich die Gesellschaft an die Nase fassen und überlegen, ob es nicht auch Berufe gibt, die ein Hauptschüler mit schlechtem Hauptschulabschluss ausführen kann – und dies zur Zufriedenheit aller. Und damit meine ich nicht unbedingt den Lageristen oder Hafenarbeiter.

    • Kejo111 schreibt:

      Es gibt ja eine ganze Reihe von Berufen, die „niedrigschwellig“ sind, da dauert die Ausbildung nur zwei Jahre. Außerdem ist sie im Theorieanteil stark „abgespeckt“. Da haben Hauptschulabsolventen mit mäßigen oder gar schlechten Noten durchaus gute Chancen.

      • rhadamanthys schreibt:

        Stimmt, es gibt immer noch viele Stellen, bei denen man fast nichts können muß. Aber man muß bei allen Stellen pünktlich erscheinen. Man kann sich hohe Krankenstandszeiten wegen Miristschlecht & Co. nirgendwo leisten.

      • Kejo111 schreibt:

        Das stimmt, rhadamanthys, dass Zuspätkommen, Fehlen und Miristschlecht für diese Kids im Arbeitsleben ein Riesenproblem sind und dass viele kläglich daran scheitern, sich an die üblichen Erfordernisse anzupassen. Das ist noch schwerer, als die schulischen Wissenslücken zu stopfen.

    • Kleeblatt schreibt:

      Hast du in den letzten Jahren mal einen Hauptschüler beim Praktikum in einem Betrieb erlebt? Ich habe während des Studiums als Aushilfe in einer großen Druckerei gearbeitet. Da waren auch oft Praktikanten. Sie Firma hat ständig neues Personal gesucht, egal ob als Fahrer, Buchbinder, Drucker, Lagerist usw. Sie hat auch ausgebildet und gerne Praktikanten übernommen. Aber die von der Hauptschule waren einfach nicht in der Lage die einfachsten Dinge ordentlich zu erledigen. Beim Abnehmen von der Maschine haben sie es nicht geschafft die passende Anzahl an Broschüren in den Karton zu packen, beim Einpacken von Waren haben sie die Waren dem falschen Kunden zugeordnet (Bei Briefpapier! Da steht der Empfänger doch schon drauf!), höflicher Umgang mit Kollegen klappte auch nicht, auf Anweisungen gab es Widerworte und nach drei Tagen waren viele plötzlich krank oder kamen gar nicht mehr. Von so etwas „kompliziertem“ wie Tageszettel ausfüllen wollen wir gar nicht reden… das konnten die nicht einmal richtig abschreiben…
      Vorher dachte ich, das wären alles nur Clischees, aber bald wusste ich, warum der Chef sich dann entschieden hat, von nun an keinen Hauptschüler mehr in seinen Betrieb zu lassen. Die machten einfach mehr Arbeit als Nutzen…
      Und das alles passierte in einer sehr ländlichen Kleinstadt…
      Schade nur für die Hauptschüler, die praktisch echt etwas auf dem Kasten haben und dann auch keine Chance mehr bekommen. Die brauchen dann echt Beziehungen, um sich in einem Praktikum beweisen zu dürfen.

      • Kejo111 schreibt:

        „Hast du in den letzten Jahren mal einen Hauptschüler beim Praktikum in einem Betrieb erlebt?“ – Ja, Seit Jahren. Permanent.

        Und deshalb sage ich: Du scherst da ganz gewaltig und ungerechtfertigt die „Hauptschüler“ alle über einen Kamm!

        Es ist richtig, dass vielen von ihnen grundlegendste Kompetenzen fehlen, wie du es geschildert hast. Es ist aber auch richtig, dass viele von ihnen im Betrieb regelrecht aufblühen und endlich zeigen können, was ihnen steckt.

        Außerdem entwickeln oft diejenigen, die nicht so fit sind, im Praktikum einen gewissen Ehrgeiz, Dinge zu lernen, die sie vorher nicht gelernt haben. Und warum? Weil sie durch die praktischen Tätigkeiten endlich erkennen, wozu man das eigentlich braucht!

      • evasbuecherkiste schreibt:

        Und mit Ihrem letzten Satz formulieren Sie das in meinen Augen bestehende Problem: Es gibt sicherlich viele Hauptschüler, die zufriedenstellend arbeiten würden, aber das Risiko möchten immer wenige Betriebe eingehen. Und damit hat man dann den Salat, dass wenn das Prädikat „Hauptschule“ einmal vergeben worden ist, man tendenziell die schlechteren Karten hat.
        Und WEIL man die Leute so über den Kamm schert, ist die Hauptschule doch erst in dieses zwielichtige Licht geraten. Darüber sollte Ihr Chef/der Chef des Betriebs m.E. nachdenken. Denn auch wenn die Hauptschüler erstmal den schlechteren Eindruck machen, können sie doch vielleicht mit einiger Arbeit zu vernünftigen Mitarbeitern werden. Man muss sich m.E. aber im Klaren darüber sein, dass diese Menschen eben noch Jugendliche sind, keine voll ausgereiften Erwachsenen. M.E. sind die Schwierigkeiten natürlich zu bennern, aber sie sind kein Grund (wiederum m.E.) für einen Job als Lageristen nur noch Realschüler einzustellen. Und bei aller Liebe: Natürlich haben sich die Generationen geändert und die Prioritäten anders verteilt. Aber das muss man auch als Betrieb sich eingestehen können und diese Prioritäten m.E. auch als gegeben nehmen und sie nicht von vornherein verurteilen. Einem neu Eingestellten Schüler heute müssen Sie wohl kaum noch erklären, wie er den PC anschaltet, oder eine E-Mail versendet. Glauben Sie mir, solche Menschen kosten auch unnötig Zeit. Und gibts sicherilch noch in vielen Firmen.

      • Kleeblatt schreibt:

        evasbuecherkiste, oh, ich erkläre meinen 9.-Klässlern in der Schule regelmäßig wieder wie man eine Mail (vor allem mit Anhang) verschickt, weil die das nicht können Am Computer können die hauptsächlich Facebook, die Jungs noch Zocken und die Mädels mit Hilfe Shoppen. Richtig Tippen können die noch immer nicht, obwohl wir das ab Jahrgang 6 mit denen in der Schule üben. Von Word und co haben sie trotz zahlreicher Bemühungen im Unterricht ebenfalls keine Ahnung.
        Tut mir leid, da wusste ich aber mit 10 Jahren schon deutlich besser mit PC und co umzugehen und ich gehe langsam auf die 30 zu.
        Und ansonsten muss ich sagen, dass ich den Chef des Betriebs wirklich verstehen kann. Wer möchte denn mit solchen Jugendlichen zusammenarbeiten? Ich erkläre wirklich gerne und geduldig und finde es vollkommen normal, dass man nicht sofort alles richtig macht. Aber ich kann doch nicht erst einmal fünf Jahre einen Mitarbeiter durchfüttern, der mehr Arbeit macht als Nutzen bringt. Dafür sind auch Azubis zu teuer. Außerdem ist es ärgerlich, wenn durch ihre schlechte Arbeit Kunden vergrault werden. Das führt nur dazu, dass sämtliche Mitarbeiter ihren Job verlieren.
        Besagter Chef ist nun dazu übergegangen Angestellte aus einem benachbarten Bundesland zu wählen. Dort muss man eindeutig mehr für einen Schulabschluss leisten, dadurch sind diejenigen, die einen solchen haben, auch deutlich leistungsbereiter, also auch Hauptschüler bereit zu arbeiten und in der Lage einfache Aufgaben zu erfüllen.
        Und bei einer Quote von knapp 20 Praktikanten aus unserem Bundesland, die alle, wirklich alle!, ein Reinfall waren, finde ich es schon ok, wenn man da zunehmend verallgemeinert.

      • frlkrise schreibt:

        Dass die nicht mit Word umgehen können, wundert mich sehr! Unsere können das!

      • Kejo111 schreibt:

        Hm. Ich stelle fest, dass in der Tat etliche unserer Schüler nicht in der Lage sind, mit Word richtig umzugehen. Typisches Beispiel: Viele benutzen am Ende jeder Zeile (!) die Enter-Taste, als wären wir noch im Schreibmaschinenzeitalter. Oder sie „zentrieren“ mit Hilfe von Leerzeichen (!) usw. usf. Oder sie sind zu dusselig, ihre Bewerbungen und Lebensläufe sachgerecht, unter aussagekräftigem Namen und an sinnvollem Speicherort zu speichern, um jederzeit wieder darauf zugreifen zu können – stattdessen fangen sie immer wieder von vorne an. Aaargh!

        Nee, von den angeblichen PC-Kenntnissen vieler meiner Schüler ist nicht wirklich viel zu halten …

      • Peter McCoy schreibt:

        Kejo, das machne die Studis an mindestens einer deutschen Uni ganz genauso!
        Ein nicht unerheblicher Teil meiner Kunden aber auch, das scheint irgendwie ein allumfassendes Problem zu sein mit Word.

      • Nana schreibt:

        @ Kleeblatt:
        „Richtig Tippen können die noch immer nicht, obwohl wir das ab Jahrgang 6 mit denen in der Schule üben.“
        Was ist denn „richtig“ tippen? Zehn-Fingersystem, während man nicht auf die Tasten oder den Bildschirm schaut, sondern auf das, was man abtippt? Wenn man danach geht, bin ich einer Handvoll Leuten bisher begegnet, die das konnten. Das waren bis auf eine Sekretärinnen. (Den einzigen Sekretär, dem ich je begegnet bin, habe ich nicht tippen sehen.) Die Letzte hat Kurse für das Zehn-Fingersystem gegeben.
        Die meisten fangen heute an zu tippen, bevor sie wissen, wie man mit System tippt. Ich zumindest bin mit einer Zwei-bis-drei-Finger-Methode im Laufe der Jahre so schnell geworden, dass ich dabei bleibe, weil umlernen zu langsam geht.

        „Von Word und co haben sie trotz zahlreicher Bemühungen im Unterricht ebenfalls keine Ahnung.“
        Word ist auch nicht immer das übersichtlichste Programm. Es ist Standard, ja. Aber freie Schreibprogramme bieten auch die Möglichkeit, dass die Schüler sie kostenfrei und legal auf dem heimischen PC haben können. Vielleicht spart die Schule dabei sogar Geld.
        Und vom PC-Unterricht in der Schule ist bei mir ganz allgemein eigentlich gar nichts hängen geblieben. Sei es, dass ich es vorher kannte/konnte, sei es, dass ich nur ein anderes Programm kannte, sei es, dass es mich nicht interessierte. Selbst Sachen wie Powerpoint waren Ausprobieren, Rumprobieren, Rumspielen, Verwerfen und anders machen.

        @ kejo111 und Peter McCoy:
        O.O / 😯
        Allerdings gibt es zumindest an meiner Fakultät auch Computerkurse, sie teilweise basics erklären. (Besuch glücklicherweise nicht verpflichtend) Allerdings haben wir an der Fakultät auch das Betriebssystem mit der Frucht.

        Nana

  20. michael schreibt:

    > Aynur, Leila, Erkan, Hanna, Fuat und Turgut

    Ist schon merkwürdig, dass Aynur und Erkan so schlecht abschneiden. Beide sind ja keineswegs unfähig oder dumm, in einer anderen Umgebung hätten die vielleicht eine bessere Schulkarriere hingelegt.

    > Gülten ist auch weg vom Fenster – ist ihr aber egal, sie hat ja Lehrstellen ohne Ende.

    Wenn in ihrem Ausbildungsvertrag was von Realschulabschluss drinsteht, könnte sie aber demnächst ziemlich blöd aus der Wäsche schauen.

    > Das sind: Hassan, Necla und vielleicht noch Gamze.

    Dann hoffen wir mal, dass mindestens die das Ergebnis noch verbessern.

  21. halab schreibt:

    Meiner Erfahrung nach kommt es zu 50/50% auf das Kind und die Eltern/Umgebung an.
    Wie schon erwähnt, besucht mein Sohn (fast 13 Jahre) eine selbsternannte Eliteschule.
    Im Moment haben wir sehr damit zu kämpfen, dass meinem Herrn Sohn weder seine Eltern noch unsere Wohnung gut genug sind.
    Seine Mutter hätte bitte schön sofort ihr Abitur an der Abendschule nachzuholen (sein Vater würde es ja eh nicht schaffen) und wir müssten uns sofort von Mutters Erbe ein Haus oder wenigstens eine Eigentumswohnung kaufen.
    Er weigert sich im Moment auch, Freunde mit nach Hause zu bringen, weil unsere Wohnung nun einmal bei zwei vollberufstätigen Eltern nicht immer SO sauber aussieht.
    Warum erzähle ich das hier alles? Das Umfeld (in diesem Fall die Schule und seine dortigen Freunde und Eltern) unterstützen nur etwas „positiv“, was sowieso schon in meinem Sohn schlummert. Es stachelt seinen Ehrgeiz an und er schaut nur nach oben.
    Mir ist das in seinem Alter (und auch noch viele Jahre später) alles voll kommen egal gewesen.
    Wenn ich die Unterstützung und das Vorbild meiner Eltern nicht gehabt hätte, wäre aus mir vielleicht auch ein „Aynur, Leila, Erkan, Hanna, Fuat und Turgut“ geworden.

    • gwendolynkucharsky schreibt:

      Und diese Haltung ihres Sohnes ist erstrebenswert? Solche arroganten Aussagen würde ich mir von einem Dreizehnjährigen gesichert nicht anhören! Soll er doch putzen und aufräumen, wenn ihm der Zustand der Wohnung so irre peinlich ist…

  22. Philipp schreibt:

    Bin ich der einzige, dem das wie eine große Trumanshow vorkommt?

    Szene gestern Abend: (meine Frau sitzt am Computer, ich lese im Bett)

    Frau: „Bei Frl. Krise hat nur einer den Abschluß geschafft!“
    Mann (murmelt): „Wer? Emre?“
    Frau: „Nee, eben nicht! Fatih.“
    Mann: „Wer isn Fatih?“
    Frau: „Der ist wohl unauffällig bis zum Abschluß gekommen.“
    Mann: „Aber Emre hatte doch so einen Drive, seit er die Praktika gemacht hat. Ach schade.“
    Frau: „Das mit Kathi hat ihm wohl nicht gut getan.“
    Mann: „Ich sag ja: ohne Frauen hätten Männer viel weniger Kummer.“
    Frau: „Püh …. und rat mal, wer ohne Abschluß abgeht.“
    Mann: „Turnichtgut?“
    Frau: „Jo.“
    Mann: „War ja absehbar.
    usw.

    Wenn die wüssten, wie groß das Interesse so vieler Menschen an ihnen ist/war … mich würde schon interessieren, wie die Schüler reagierten. Es ist ein seltsamer Gedanke, dass die jetzt von der Schule gehen und nie erfahren werden, dass wir alle ihre letzten Schuljahre mitbegleitet haben.

    Danke aber für auf jeden Fall für die interessanten Einblicke und die Mühe, dieses Weblog zu führen.

  23. Tricia McMillan schreibt:

    Das ist so traurig!
    Ich habe nur die Hoffnung, daß Sie (vielleicht per Facebook) noch ein wenig Kontakt halten können und irgendwann doch von einem Happy End erfahren. Besonders Emre und Ömür wünsche ich doch eine hoffnungsvollere Zukunft!

    • frlkrise schreibt:

      Das werde ich bestimmt. Und hier geht’s ja auch weiter und wenn ich etwas von meinen demnächst „Entlassenen“ weiß, werde ich davon berichten….

  24. in-der-12-abbrecher schreibt:

    Das es schlimm wird dachte ich mir schon aber SOOOOOOOO schlimm?

    hammer …..

  25. in-der-12-abbrecher schreibt:

    da fällt mir spontan Nadine ein.

    könnte sie auch eins Ihrer Schäfchen gewesen sein?

  26. ms. elle schreibt:

    Frl. Krise, ich lese Ihren Blog so gern, habe aber noch nie was kommentiert. Ich muss aber so oft laut lachen, denn Sie unterrichten quasi „meine“ Schüler, nur in groß und pubertär. Welch Einblick in die Zukunft meiner wilden Gruppe.. 😉

    Was mich am Lehrerdasein an meiner Schule (Brennpunkt in der Hauptstadt) gelegentlich frustriert ist die Tatsache, dass sich die „Aynur, Leila, Erkan, Hanna, Fuat und Turgu“-Gruppe als Fünftklässler sei Jahren bereits glasklar herauskristallisiert hat, Fehlzeiten und Arbeitseinstellung inklusive. Wenn ich meine Klasse nächstes Jahr verabschiede, werde ich sicher noch mehr bange Fragezeichen im Kopf haben. Schade, dass man die Schulkarriere (wie auch immer der Erfolg, es gibt ja auch Hoffnungsträger) seiner einem so ans Herz gewachsenen Schüler in einer Großstadt so schlecht weiterverfolgen kann..

  27. Elisabeth schreibt:

    Viele Regelungen kommen mir sehr fremd vor. Welches Bundesland ist das denn eigentlich, wo Sie da unterrichten?

    • krizzydings schreibt:

      Liebe Elisabeth,
      bitte nehmen sie es Frl. nicht übel, dass sie möglicherweise noch nicht geantwortet hat.
      Es gibt hier schon eine kleine Stammleserschaft (ich gehöre etwa seit Mai 2011 dazu…juhu lesejubiläum!), die immer recht gerne auf FAQs antwortet…Ich denke das erleichtert vlt, Frl Krise auch gelegentlich das Kommentieren.

      Frl. Krise und Frau Freitag sind befreundete Lehrerinnen, die in der selben Großstadt in verschiedenen Geamtschulen arbeiten. Das Bundesland wird verständlicherweise aus Rücksicht auf die Anonymität der Schüler nicht verraten. Was im Grunde auch nicht wichtig ist, da es in vielen deutschen Großstadtstadtteilen so zugehen mag…Es wird immer wieder von Norddeutschland gesprochen (also vermutlich irgendwas nördlich der Südgrenzen NRWs,Niedersachsens oder Brandenburgs) Aus spaß bringen die beiden gerne verwirrende Stadtmerkmale ein (irgendwelche seit 10 jahren insolventen drogeriemärkte in der nähe braunschweigs, shoppingkultur der hauptstadt, lebensgewohnheiten von NRWlern etc)

      Ich selber kommentiere manchmal zwei wochen nicht , manchmal jeden kommentar anderer user…mache mir aber immer shr viel gedanken über das schulsystem,eigene bildungsbiografie , förderung dieser „sogenannten“ problemfälle, lehrerberuf etc…

      • Tades75 schreibt:

        Krizzydings,

        sehr gut formuliert und kleine Ergänzung: manche Leser beider Blogs stellen immer wieder die Vermutung an, Frl. Krise und Frau Freitag wären identisch, was aber bei regelmäßiger Lektüre widerlegt wird, da beider Schreibstil- und häufigkeit verschieden ist.

      • frlkrise schreibt:

        He, Tades! Was laberst du, natürlich sind wir eine Person, die Freitag und ich!!!

  28. kerstin schreibt:

    Armes Frl. Krise, irgendwie nimmt man das ja auch als persönliche Niederlage…. tut mir echt leid. ABER: Ich hab nen Auftrag für Sie: Bitte rufen Sie mal Frau Freitag an und fragen Sie, ob Sie Hilfe braucht….. nicht, dass sie umgefallen ist. oder ausgewandert, oder so was… Sie fehlt mir….

    • frlkrise schreibt:

      Keine Sorge. Ich sprach vor einer Stunde mit ihr! Frau Freitag geht es bestens…also ziemlich bestens und wer ihren Blog liest, weiß auch, was sie diese Woche über gemacht hat…

      • Kejo111 schreibt:

        Dann hat sie die Klassenfahrt also unbeschadet überstanden? Dafür ist sie jetzt bestimmt ferienreif. Wir machen nicht oft mehrtägige Klassenfahrten, aber wenn, dann sind fünf Tage 24/7 mit meinen Bagaluten so anstrengend wie sonst acht Wochen Schule …

      • Heini schreibt:

        Kein Wlan auf der Klassenfahrt?

      • krizzydings schreibt:

        ich tippe auf klassenreeeeeeise! ich hoffe die olle freitag ❤ hat klassisch tagebuch geführt…nicht, dass dem blog (oder einem drittbuch, apropos nur noch 2 monate bis zum zweitbuch!!! 😀 ) artikel einer ganzen wochenlänge entgehen!!!

  29. Tehrep schreibt:

    Frl. Krise ich fühle mit Ihnen, habe selbst heute mal wieder eine Zahnop hinter mir gehabt und die Schmerzen sind schwer zu ertragen.

    Ich wünsche Ihnen gute Besserung und freue mich weiterhin auf Ihr gutes Bloggen.

  30. klosterfrau schreibt:

    Soweit ich weiß dürfen Ärzte nicht rückwirkend krankschreiben, oder irre ich mich da? Ansonsten wünsche ich frohe Pfingsten!

    • FrauB schreibt:

      Doch doch, da gibt es eine Richtlinie irgendeines Bundesausschusses. Da heißt es dann „nur ausnahmsweise und nur nach gewissenhafter Prüfung und in der Regel nur bis zu zwei Tage“, und diese Formulierung lässt so ziemlich alles offen.
      Bei Schülern aller Art spricht sich in der Regel schnell herum, wer der örtliche Doc Holiday ist, dessen „gewissenhafte Prüfung“ öfter mal zu einem schülerfreundlichen Ergebnis kommt. Belangen kann man die Ärzte nicht.
      Gruß
      FrauB („Fehlzeitenmanagement“ steht sogar in meiner Stellenbeschreibung 😉 )

  31. rotezora. schreibt:

    Upps, jetzt weiß ich, in welchem Nirwana ein Teil meines Kommentars abgeblieben war…

  32. DonFerrando schreibt:

    Als allererstes sollte einmal konsequenter gegen die hohen Fehlzeiten der Schüler vorgegangen werden. Ganz klar eine Sache der Politik. Hier helfen wohl nur klare rechtliche Regeln. Z.B. regelmäßiges und ausnahmsloses Vorführen von Schwänzern durch die Polizei oder Schulhelfer, bei wiederholten Fällen auch Konsequenzen für die Eltern, die von Anfang an einbezogen werden müssen. ZB.: Bußgeld, Streichung des Kindergeldes für die Fehltage, bis hin zur zeitweiligen Entziehung des Sorgerechts.
    Für ganz schwere und hartnäckige Fälle wird ein Erziehungscamp (früher Jugendwerkhof genannt) ohne Händi und elektronischen Schnickschnack eingerichtet.

    • schorse schreibt:

      die nummer mit dem kindergeld geht mir als lehrer in bvj und bek schon einige zeit nicht mehr aus dem kopf.

      aber da müssten wir uns ja erstens richtig kümmern und den allgemeinen kuschelkurs verlassen. wir wollten mal einen schüler zwangsweise vorführen lassen, aber die zuständige dame vom jugendamt hatte zuviel schiss vor dem papa, der irgendwie in der rechten szene war, obwohl die polizei dabei war.

      und da die hartz-IV-familien oft mehr geld zur verfügung haben, als hart arbeitende aufstocker im niedriglohnbereich, wäre der kindergeldentzug schon eine interessante maßnahme.

      schnelle bearbeitung durch das jugendgericht bei nichtzahlung von anzeigen wäre auch schön, aber wohl eher ein schöner traum. bei uns zählen für die owis übrigens nur volle fehltage, wer 1 stunde da war, ist dann schon raus…..

      • frlkrise schreibt:

        Ach…die Nummer mit dem Kindergeld… bei manchen würde es sicher nutzen, aber wie bei allen komplexen Problematiken wird mit eindimensionales und schnellen Maßnahmen nicht viel gewonnen…

      • Kejo111 schreibt:

        “ da die hartz-IV-familien oft mehr geld zur verfügung haben, als hart arbeitende aufstocker im niedriglohnbereich“

        Was für ein polemischer Stuss. Wer arbeitet, hat aufgrund der Freibeträge IMMER mehr als ein ALG2-Empfänger, der nicht arbeitet.

      • Ulla 39 schreibt:

        <>> Was „owi“ bedeutet, weiß ich nicht, wie mir hier viele Abkürzungen unverständlich sind. ABER daß 1 Stunde Anwesenheit schon als komplette Anwesenheit zählt, das erinnert mich doch irgendwie an Bundestagssitzungen…

      • frlkrise schreibt:

        Eine Stunde ist bei uns eine Stunde – und ein Fehltag ein Fehltag! So komige Berechnungen kenn ich nicht…

    • rhadamanthys schreibt:

      Fehltag kenne ich aus den USA anders. In der betreffenden Schule gibt es nur wenig allgemeine Ferien, es ist aber eine gewisse Anzahl von Schultagen erforderlich. Kommt man morgens zu spät, zählt der Tag nicht als anwesend.
      Im Kindergarten war es für die Eltern umgekehrt, Abholen nach der offiziellen Schlußzeit kostete die Minute 1 US$.
      Nein, keine Gerüchte, nahe Verwandschaft.

    • Nana schreibt:

      *Korinthen ausstreu*

      „Kindergeldstreichung“

      Nehmen wir mal an, dass einer der Schulschwänzer aus einer Familie stammt, die Hartz IV bekommt. (Rein statistisch muss es mindestens einen solchen Schulschwänzer geben.) In diesem Fall nützt es exakt gar nichts, das Kindergeld zu streichen, da dieses komplett auf den Regelsatz angerechnet wird. Wenn es gestrichen wird, gilt der Regelsatz. Die Familie bekommt dann genauso viel Geld wie vorher auch.
      Ob es eine Lösung ist, dann den Hartz-IV-Regelsatz für Kinder zu kürzen, kann ich nicht beurteilen.

      Und bei Schulschwänzern, die aus Familien kommen, die nicht Kindergeld bekommen, sondern den Kinderfreibetrag, könnte das am Ende des Jahres auch in Bürokratie ausarten.

      *Korinthen wieder einsammel*

      Nana

      • DonFerrando schreibt:

        Man kann doch unbürokratische Regelungen erlassen, was in Deutschland leider ein Fremdwort ist, 1 Stunde Fehlzeit halber Kindergeldbetrag weg, 3 oder mehr Stunden ganzer Satz weg, für Hartz IV Empfänger wird der Kinderzuschlag pro Tag gestrichen, außerdem regelmäßige Vorführung durch die Polizei, Sicherheitsdienst oder Schulhelfer. Arbeitslose gibt es genug. Vor allem muß man den Eltern auf die Pelle rücken, und Stress machen, früher genügte ein Anruf im Betrieb, und man war vor der Brigade etwas blamiert. Bei Dauerschwänzern zwangsweise Vorladung der Eltern, auch mit Hilfe der Polizei zur Schule oder Jugendamt zu einem Gespräch, wie gesagt in einem Bundesland wird ausprobiert als letztes Mittel das Sorgerecht zu entziehen. Das ist bereits in Kraft.
        Wie weit sind wir schon gekommen… :-/

  33. Stephan schreibt:

    Liegt der Schnitt immer so schlecht, das nur einer im ersten Anlauf den Realschulabschluss schafft? Mich würde auch mal interessieren, in welchen Lehrberufen die landen, die einen erweiterten Hauptschulabschluss erreichen! Schade das die Kids nicht im letzten Halbjahr noch zum Endspurt ansetzten, dann wenn Sie vielleicht auf der „Ziellinie“ noch Ihre gesteckten Ziele erreichen können. Aber wer weiß, vielleicht haben Sie alle nur kein Bock und wollen raus aus der Schule! Nah dann wünsche ich noch angenehme Wochen bis zu den Sommerferien und dann geht es danach mit neuen Elan ins neue Schuljahr!

    • frlkrise schreibt:

      Nein, normalerweise schaffen zwischen 20-30%. Die Klasse war für eine Gesamtschule in jeder Hinsicht extrem. Für eine Hauptschulklasse allerdings ziemlich normal….
      Lehrstellen: Verkäuferin, „Kfz“, „beim Arzt“, Maler, und viele machen erst mal berufsqualifizierende Maßnahmen oder schulische Ausbildungen..

  34. Mel schreibt:

    Ich habe heute von meinem Nachhilfeschüler, zu dem ich heute total spontan kommen sollte wegen einer Englischarbeit morgen (der Vater wollte glatt, dass ich die Lehrerin anrufe und genau nachfrage, was in der Klassenarbeit drankommt! Es sei ja Montag…habe erklärt, dass ich nicht glaube, dass die Lehrerin das so toll findet, da ja eigentlich ein Tag wie Sonntag ist, sogar ein bisschen mehr als Sonntag), gehört, dass es aus seiner Klasse (total migrantisch) keiner in den Gymnasialzweig geschafft hat. Er geht auch auf eine Gesamtschule, kommt jetzt in die siebte und es gibt nun verschiedene Kurse, die den verschiedenen Schulstufen entsprechen. (Und was total interessant war: Ich hatte ihm vor einem Jahr gepredigt, wenn er gewisse Dinge in Englisch jetzt nicht lernt, wird er es später brauchen aber es nicht können – was konnte ich heute sehen? Genau das, was er damals nicht konnte, und keine Lust drauf hatte zu lernen, braucht er jetzt, steht natürlich auch nicht mehr im Buch drin, und er kann es immer noch nicht, einschließlich dem Miniwörtchen ’soon‘, was ihm schon damals nicht in den Kopf wollte.). Er träumt aber trotzdem vom Abi…studieren, um dann allerdings in sein Heimatland zu gehen, weil es dort viel schöner ist und dort kauft er ein Haus und arbeitet toll als Studierter…Hat eine Frau, ein Junge und ein Mädchen, die Frau kriegt den Garten…und er einen riesigen Plasma-Fernseher.

    • Kejo111 schreibt:

      Ach ja, immer diese hochtrabenden Pläne und Träume … dass das nichts wird, wenn man nicht lernt, begreift er halt noch nicht. Da nützt auch Nachhilfe nicht wirklich, wenn der Schüler selbst nicht in die Puschen kommt. Ich verzweifle auch oft an den Schülern, die nach 6 (!) Jahren Englisch „he, she, it, s muss mit“ nicht verinnerlicht haben und deren Grundwortschatz noch immer nicht sitzt. Am Freitag schreiben wir die letzte Arbeit, heute üben wir noch mal dafür – bin mal gespannt, wer noch einen Endspurt hinlegt …

    • rotezora. schreibt:

      Nein, die Kurse entsprechen in einer Integrierten Gesamtschule eben NICHT den Schulstufen, sonst könnte man ja gleich bei der Dreigliedrigkeit bleiben. Aus der Gesamtschau der Kurse und Noten ergibt sich eine Tendenz zu einem Abschluss, die ab Klasse 8 auch mit dem Zeugnis mitgeteilt wird, die Voraussetzungen für die verschiedenen Abschlüsse sind Schülern und Eltern bekannt. Am Ende der Klasse 9 werden die Hauptschulabschlüsse, am Ende der 10 die Realschulabschlüsse vergeben bzw. die Qualifikation zum Besuch der algemeinbildenden gymnasialen Oberstufe bescheinigt. So wird die Durchlässigkeit gewährleistet, auch wenn natürlich keine Wunder zu erwarten sind und auch nichts verschenkt wird.

  35. erik schreibt:

    Super, dann sind da sicher auch ein paar starke Persönlichkeiten in der Klasse, die sich nicht von einem System haben kleinkriegen lassen, welches ihre nicht zugestandenen Menschenrechte mit Füßen tritt – und zwar koste es was es wolle. Nun ist es an den Unternehmern ihr Potential zu erkennen und ihnen eine faire Chance zur Selbstentfaltung zu geben. Wenn nicht, gibt’s irgendwann Kratzer im Porsche (vielleicht wenigstens auch in denen der Kultusminister). Denn einige der Kids werden leider nicht früh genug erkennen, dass es nicht sonderlich klug ist Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten, also auf die (psychische) Gewalt mit Gegengewalt zu antworten. Und so nimmt die gesellschaftliche Entwicklung ihren Lauf …

  36. rhadamanthys schreibt:

    Welche nicht zugestandenen Menschenrechte?
    Die bekommen ein kostenloses Bildungsangebot, das sie nicht wahrnehmen und auch noch denen wegnehmen, die es wahrnehmen wollen. Offensichtlich geht eine erheblicher Teil der Aufwendungen, Personal und Einsatzzeit der Lehrer, für die drauf die nicht so können oder wollen.

  37. oachkatz schreibt:

    Auch wenn die Form wie immer gefällt, kann ich bei diesem Inhalt doch nicht einfach auf den Button drücken…arme Schüler, die die Kurve nicht gekriegt haben und armes Frl. Krise beim Kampf gegen alle möglichen Windmühlen…

  38. Lieblingsschüler schreibt:

    Armes frl Krise :/ aber Sie haben wirklich alles getan!
    Freut mich, dass Nesrin den einfachen Abschluss geschafft hat! Was ist denn ein erweiterter? Ist das besser?

  39. Summer schreibt:

    Das erinnert mich an die Geschichte einer Abiturientin aus dem jetzigen Abiturjahrgang an meiner Schule (ich bin in der 10. Klasse, hab also zum Glück noch ein bisschen Zeit): Da war es tatsächlich so, dass ihr genau ein Punkt zum Bestehen des Abiturs gefehlt hat. Aber nicht etwa schriftlich oder gar als GFS-Note, oder so. Sondern mündlich. Und der Lehrer in diesem Fach, Bio, wollte ihr diesen einen Punkt wirklich nicht geben. Okay, ich meine, wenn es schriftlich ist, wo man ja wirklich auch beweisen kann, dass das genau so wie es ist auch absolut und zweifellos berechtigt ist…Da kann ichs noch nachvollziehen, wenn da der Lehrer den Punkt nicht noch nachträglich gibt. Aber mündlich? Wegen einem Punkt? Das ist schon echt…Bitter.

    Ich selbst habe diesen Lehrer auch in Bio und er ist – mit Verlaub gesagt – ein echter Idiot. Meine Klasse ist wirklich, wirklich gut, wir sind nur alle etwas ruhig. Aber bei ihm… Mittlerweile traut sich keiner mehr was zu sagen, weil wir alle Angst vor ihm haben. Einerseits weil er uns als Klasse gerne fertig macht und Einzelne gerne bloßstellt und andererseits, grade die Mädels (und davon hat es 22 in der Klasse und nur 4 Jungs) wollen nichts mehr sagen, weil er oft sehr sehr anzüglich ist, zu nahe kommt und und und. Wollte eigentlich gar nicht so viel hier schreiben, musste mich nur ehrlich mal aufregen.

  40. Frau Lehmann schreibt:

    Oje, angekommen in der Realität.
    Zu Schade – kein Ömur-Emre-Polizei-Duo 😦

  41. michael schreibt:

    aus einer Artikel der SZ

    Dürrs Ziel: Möglichst viele sollen den Hauptschulabschluss schaffen. Die Erfolgsquote ist hoch: Vergangenes Jahr haben acht von 13 Schülern schließlich ihren Abschluss gemacht.

    Also fünf (wie hier), die keinen Hauptschulabschluss erlangt haben.

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