Die Krise

„Voll süüüüß das Armband! Von H & M?“
„Du musst Haare jeden Morgen glätten, mach ich auch!“
„Meine Kusine hat heute Henna-Abend, ich zieh neues Kleid an…“
„Mein Verlobter hat morgen Geburtstag,…“
„Warum machst du nicht Ohrpiercing, sieht voll schön aus, guck…“
„Ich will Fingernagel abmachen, aber geht nicht, muss ich erst zu…“
„Gehst du mit Schuhe kaufen bei…“
„Sie mit mit ihn geheiratet, aber er hat….“
„Frau Wacker hat mir gemeint, mit diese Noten bekomme ich keine…“
Die Mädchen meines Zehner Theaterkurses, sitzen im Kreis und unterhalten sich. Die Jungen fehlen. Keine Ahnung, warum. Ich sitze auch da und möchte anfangen, denn es hat geklingelt. Aber daran ist kein Denken. Zuerst müssen alle lebenswichtigen Themen durchdekliniert werden. Alle quatschen und quatschen und ab und zu springt auch eine der Damen auf und läuft zu einer anderen hin, denn schließlich ist es schwierig aus der Entfernung das neue Glitzersteinchen auf dem Zahn zu begutachten oder diffizile Feinheiten des Augen-Make-ups zu erkennen.
Ich schweige und warte. Warten bringt es. Normalerweise. Heute leider nicht.
„Und wir gehen mit Auto Türkei, macht voll Spaß mit viele Autos zusammen…“.
„Sie kann mich ma, Frau Wacker! Ich mache, was ich…“
„Meine Schwester war Vera Moda, aber hatten sie nicht mehr da, die Bluse…“

Es geht immer weiter und weiter. Mit buddhistischer Geduld (tief in mir drin beginnt etwas zu brodeln) sage ich milde: „Manchmal ist es schwer, aufzuhören mit der Unterhaltung, aber es hat geklingelt und ich möchte jetzt anfangen!“
Null Erfolg.
„Da hab ich ihn gesagt, er kann mir eine…“
„Abooo, voll gemein von Frau Wacker…!“
„Ich putze Zähne immer mit so Weißmacherzahnpasta, weil…“

Neuer Anlauf: „ Bitte stellt jetzt eure Gespräche ein, wir fangen an!“

Genauso erfolgreich hätte ich der kleinen Fliege, die im Zick-Zackflug um mich herum kurvt, sagen können, sie solle einen doppelten Looping machen….
„Er hat mir gemeint, er hat voll schöne Jacke in Laden bei Kennedyplatz…“
„Wir gehen Jordanien, auch mit Auto, ist voll weit und mein Verlobter…“
„Ist sie behindert? Diese Frau kann mich…!“
Ich atme tief ein und aus. Bauchatmung. Nützt aber nicht viel. (Das brodelnde Etwas in mir scheint sich zu einem Vulkan zu entwickeln…)
„Wir machen zuerst eine kleine Leseprobe. Nehmt bitte den Text auf Seite 78.“
Keine Reaktion.
„Meine Kusine hatte ganz billigen Händyvertrag mit Flat…“
„Sie is Spast, diese Lehrerin! Ich würde sie am liebsten…“
„Was Färben? Sind nur bisschen getönt, vallah…“
(Der Vulkan in mir stößt heftige Lavaströme aus, ich bekomme Angst, sie könnten bis zu meinem Mund vordringen… ) Ich atme stoßweise aus und sage laut und scharf: „Ruhe jetzt! Sofort! “
„Was wollen Sie? Darf man nicht mal was SAGEN?“
„Was jetzt?“
„Chill ma, Frl. Krise!“

„SCHLUSS! RUHE! ES REICHT! Seit vier Stunden höre ich mir dieses dumme Geschwätz an. In Deutsch, in Kunst und jetzt auch noch hier. Schminke, Schmuck und Klamotten! Was anderes gibt es bei euch ja nicht! Was ist eigentlich in euren Köpfen los? “ (Der Vulkan! Die Lava! Es knallt volle Kanne!….) Ich könnte platzen!
„Vallah, voll übertrieben! Ich war gar nicht bei Sie in Kunst!“ beschwert sich Aynur und sendet mir Messerblicke. Ich antworte mit Rasierklingen und schnaufe.
„Was seid ihr für Mädchen? Gibt es IRGEND etwas, das euch interessiert? Irgend was? Außer eurem Bauchnabel? Eurer Kleidung? Euren Kusinen? Der Kleidung eurer Kusinen? Dem Henna-Abend?! Und der Verlobung??? Mir reichts! Soviel Desinteresse habe ich noch nie erlebt! Kein Wunder, dass ihr alle keine Lehrstellen findet!“
Bong! Das hat gesessen. Und ehe es mir leid tut, dass ich so gemein war, hole ich tief Luft und lade nach: „Ihr seid siebzehn, achtzehn Jahre alt! Ihr wollt als Erwachsene behandelt werden! Und wie benehmt ihr euch?“
„Ich bin erst sechszehn!“ rufen Aynur und Necla.
„Egal! Seit fünf Stunden geht es bei euch nur um diesen Quatsch. Wie jeden Tag! Weil die Prüfungen vorbei sind, denkt ihr, alles ist vorbei! Dabei haben wir noch vier Wochen bis zu den Zeugniskonferenzen und selbst, wenn ihr die Prüfungen bestanden habt, braucht ihr noch einen bestimmten Notenschnitt. Aber nein…wen interessiert’s? Hauptsache, die Frisur sitzt und der Verlobte ist stolz!“

Die Lavaströme ebben langsam ab….dafür erbosen sich jetzt die Mädchen:
„Voll gemein! Frl. Krise!“
„Was will sie? Voll übertrieben!“
„Nur, weil ich Verlobten hab!“
Wenn Blicke und Gesten töten könnten, läge ich garantiert in Form einer monströsen Hackfleischboulette vor der Bühne…
Dann regen wir uns ab. Wir lesen ein bisschen, sprechen verhalten miteinander und mehr ist nicht drin.
Noch vier Wochen.
Und wenn wir übernächste Woche die Prüfungs-Noten verkündet haben, ist eh alles zu spät.

Frau Herz im Lehrerzimmer ist schon bestens informiert: „Die Mädchen haben gesagt, du bist ausgerastet. Vallah! Schlimmer als Frau Wacker! Haben die gesagt.“
Yep! ZU RECHT!

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58 Antworten zu Die Krise

  1. Frau Falke schreibt:

    Wie ich die Schüler einschätze, schütteln sie die Asche des Vulkanausbruchs schneller ab, als es gut ist.

  2. karicartoons schreibt:

    „Chill ma, Frl. Krise!“ *LOL*
    Aber mir wird ganz flau im Bauch, wenn ich an die Zukunft unserer Sozialsysteme denke und wer finanziert den Mädels eigentlich die ganzen Klamotten, Piercingsteinchen und Lippenbuntanmalstifte?

  3. Olaf schreibt:

    Tja – es scheint
    divergierende Prioritäten
    im Leben
    zu
    geben.

    Oh je –
    das war ja schon ein Gedicht.
    Das sollte es eigentlich gar nicht werden.
    Hilf- und ratlos in Hamburg…
    Und nu‘ ? 😉

  4. fraufreitag schreibt:

    du brauchst power plate.

    • Olaf schreibt:

      Miss Friday,

      bis eben wußte ich nicht, daß es so etwas überhaupt gibt.
      Interessant. Aber ob das hilft ?

  5. Katrin schreibt:

    Kein Grund zur Scham, Sie haben ja niemanden persönlich beleidigt und es entspricht ja auch der Wahrheit. Nur schade, dass es wohl nicht zu den Mädels durchdringen wird. Wobei das Verhalten vermutlich aus einer Mischung aus dem Frauenbild des Elternhauses (gute Mutter und Ehefrau sein) und dem der Medien (immer jung, sexy, schlank,…immer die neuestens Trends mitmachen) resultiert. Beides sind Bereiche, auf die man als Lehrer wirklich nur begrenzt einwirken kann. Bspw. der Versuch, einen kritischen Umgang mit Medien zu erlernen, kann auch voll in die Hose gehen, weil es nun einmal Teil der Pubertät ist, dass man sich von der Erwachsenenwelt abgrenzt und dadurch meist genau das Gegenteil gut findet. Wenn man den Mädels doch bloß vermitteln könnte, dass das Ideal, dem sie da hinterherrennen, eigentlich nur dazu führen kann, dass sie in Zukunft das bisschen Selbstbestimmung, das sie aufgrund ihrer Jugend noch haben, vollkommen verlieren werden. – Alse erfolgreiches Model müssten sie schließlich gut englisch können und diszipliniert sein.

  6. Jürgen schreibt:

    Coole Reaktion Ihrerseits.

  7. Roxy schreibt:

    Genau DAS ist der Grund, warum ich niemals Lehrerin werden könnte, Frl. Krise!

    Ich finde das wirklich bewundernswert, wie ruhig Lehrer bleiben können. Wenn ich mich an meine schlimmsten Zeiten in der Schule erinnere, weiß ich manchmal gar nicht, wie die Lehrer das ausgehalten haben…

    Und manchmal, muss der Vulkan halt einfach ausbrechen! Ich finde, Sie haben das richtig so gemacht.

  8. rhadamanthys schreibt:

    Offensichtlich ist der Vulkanausbruch zu spät erfolgt, die merken es im Augenblick nicht. Verlobt mit siebzehn ist den Kreisen cool, vermutlich wäre es nicht mehr so cool, wenn der Familiennachzug nur bei Nachweis der Eigenversorgung ginge und bei Nichtvorliegen die Reise mit umgekehrten Vorzeichen stattfände.
    Aber es scheint ja so zu sein, daß ein dummes Huhn mit einem Friseur aus Jordanien die einzige Chance ist, das Land in eine strahlende Zukunft zu führen.

    • frlkrise schreibt:

      Hat das jetzt irgendwas mit Atomkraft zu tun???

      • rhadamanthys schreibt:

        Die Assoziation hatte ich gar nicht, da war eher „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit, Brüder zum Lichte empor. Hell aus dem Dunklen vergangnen leuchtet die Zukunft hervor.“ der Auslöser.

  9. kingkenny7 schreibt:

    Gerade bei diesen Themen kann ich die Reaktion gut verstehen. Wenn die Damen sich wenigstens über Politik, Bücher, (ja,ja, ich weiß…) Filme oder Sport unterhalten würden, aber bei diesem oberflächlichen Mist…

    • Kleeblatt schreibt:

      Das Problem ist, denke ich, weniger, dass sie sich über oberflächlichen Miste unterhalten. Das hört man auch in der Uni im Master unter echten Studentinnen. Das Problem ist nur, dass Frl Krisis Mädels kein Bewusstsein dafür haben, dass das oberflächlicher Mist ist. Und dafür müsste die Schule die Möglichkeit und das Budget bekommen, den Schülern die interessante Welt außerhalb dieser Oberflächlichkeiten Schmackhaft zu machen…

      • kingkenny7 schreibt:

        Interessante Gedanken, da kann ich zustimmen. Ich hatte mich allerdings in Frl. Krise versucht hineinzuversetzen. In der Situation wäre ich bestimmt auch ungeduldig gewesen. Bei einem anderen Thema (wie beispielsweise Politik) hätte ich mich über das Interesse der Damen gefreut und vielleicht kurz zusammen mit ihnen diskutiert,..

  10. Nele Abels schreibt:

    Ob sich die Mädels als erwachsene Frauen benehmen? Natürlich benehmen sie sich wie erwachsene Frauen! Eben als die Art von erwachsenen Frauen, die von primitiven patriarchal-religiösen Kulturen als Putz- und Gebärmaschinen herangezüchtet werden.

    Aber was soll man dagegen tun? Schwierige Frage…

    • frlkrise schreibt:

      Ziemlich krass dein Kommentar! Du glaubst doch nicht im Ernst, dass sich die urdeutschen Mädchen der eher bildungsferneren Schicht anders verhalten? Da heißt es nur: ‚Freund‘ statt ‚Verlobter‘ und mit 16 ist man auch schon mal gerne schwanger….

      • Immigrant schreibt:

        Da stimme ich der Frl. Krise absolut zu! Solche Kommentare spiegeln die Gedanken so mancher Menschen zu 100 % wieder !

      • lao tse schreibt:

        frlkrise, vulkan nicht erloschen? Ich lese da nicht, das er nur nicht deutsche meint!
        Primitiv patriarchalisch-religiöse Kulturen sind islam und (!) christentum, meiner meinung nach 🙂

        Also locker bleiben, ich habe übtrigens auch keinen deutschen Pass

      • rhadamanthys schreibt:

        Ich fürchte, in den zitierten „eher bildunsgferneren Schichten“ ist das Frauenbild auch nicht mit dem Frauenbild eines, sagen wir mal Parteitagsbesuchers der Grünen in Übereinstimmung zu bringen. (Nicht daß die letzteren alle gebildet wären.)

      • Kejo111 schreibt:

        So isses! In meinen Klassen treffen beide Welten aufeinander, und sie unterscheiden sich keineswegs grundlegend. Und viel zu früh Mutter werden eigentlich immer nur die „urdeutschen“ Mädchen. Ganz ohne „primitive patriarchal-religiöse Kulturen“; in einer Welt, in der sie problemlos Zugang zu zuverlässigen Verhütungsmitteln und ggf. zu Schwangerschaftsabbrüchen haben.

      • abichaos schreibt:

        Ich denke, hier haben beide Statements ihr recht.
        Wahr ist, dass Frauen in den von Herrn Abels beschriebenen Kulturen sich eben meistens gut um den Haushalt kümmern sollen können und Kinder kriegen liegt da auch nicht so fern. Häufig sehe ich immigrierte Familien aus eben solchen Kulturkreisen, die Kinder produzieren wie am Fließband, da sind Familien mit 6 und mehr Kindern eher die Regel als die Ausnahme. Und bei dieser hohen Kinderanzahl, wer will da von den Frauen verlangen, dass sie einer Erwerbsarbeit nachgehen und sich um ihre berufliche Ausbildung bemühen?? Meistens hapert es da bereits an der deutschen Sprache, wie ich aus eigener Erfahrung feststellen konnte… 😦 Leider!
        Und da gibt es dann die „urdeutschen Mädchen“, die meistens schon in der 2. oder 3. Generation ihren Eltern nacheifern. Sozialer Status wird meist vererbt und Eltern bildungsferner Schichten haben weniger Möglichkeiten und, ich unterstelle das mal, auch weniger positiven Antrieb ihren Kindern gewisse Dinge, wie Interesse beispielsweise an Literatur, Kunst, Geschichte oder auch Mathematik, zu vermitteln. Die meisten Menschen, die von Hartz4 leben haben das Vertrauen in unseren Staat, in Bildung und Weiterbildungschancen verloren. Ich komme selbst aus 10 Jahren Hartz4-Bezug… Dieser beschriebene Umstand bedingt, dass die Kinder dieser Eltern keinen eigenen Antrieb entwickeln und, um überhaupt eine lebensfüllende Aufgabe zu bekommen, eben häufig sehr früh schwanger werden. Weil: Dann sind sie wer. Nämlich Mutter. Und Mutter-sein wird heute, zwar weniger, aber immer noch, anerkannt als ausfüllende sinnbringende Tätigkeit. Schön zu sehen ganz häufig in so TV-Sendungen wie „Teeny-Mütter“ oder auch „Frauentausch“. Das Milieu „Hartz4“ ist nicht zu unterschätzen, es bietet vielen perspektivlosen Mädchen die Möglichkeit Mutter zu werden, und schon ab der Schwangerschaft leicht zu beantragende Zuschüsse zu erhalten. Über verschiedene kirchliche Stellen können mittellose werdene Mütter (oder Paare) sogar bis zu 1000 Euro für die Erstausstattung erhalten! Und dann ist da eben der Punkt, dass man als Mutter ganze 3 Jahre nach der Geburt eines Kindes nicht vom Staat gezwungen werden kann, arbeiten zu gehen oder Manahmen mitzumachen! Daher bekommen dann viele spätestens am Ende der 3 Jahre ein weiteres Kind. Und wieder 3 Jahre Geld ohne sich Sorgen machen oder arbeiten zu müssen.
        Hartz4 ist ein großer Anreiz für Mädchen, die mit Hartz4 aufgewachsen sind, auch dort zu „verbleiben“ und das schafft man ganz mühelos indem man Kinder bekommt.
        Das mag jetzt hart formuliert sein, aber es ist die Wahrheit. Fürs Mutter-werden braucht man keine Ausbildung, keinen Schulabschluss und keine Qualifikation. Und doch erhält man mindestens 3 Jahre „Narrenfreiheit“ und Geld quasi „kostenlos“. Und die soziale Anerkennung durchs Mutter-sein steigt auch in gewissem Maße. Besser als jung, arbeitslos und „Schmarotzer“ sein, der sich hier und dort-hin schubsen lassen muss. Die harte Realität. Und diese jungen Mädchen wissen ganz genau, was sie tun können um die Annehmlichkeiten zu bekommen. Hier auch wieder: Leider gibt es solche Mädchen immer wieder, die diesem kurzlebigen Schein hinterher-hechten und die nicht erkennen, dass sie ohne anständige Ausbildung auf Dauer auf ihre Nase fallen müssen, trotz Mutterschaft…

    • Susann schreibt:

      Ach bitte, unter diesen Vorzeichen ist so gut wie alles eine „primitiv patriarchal-religiöse Kultur“. Ich unterrichte 100% deutsches Urgestein, und ein beträchtlicher Prozentsatz der Damen ist für intellektuellere Themen nicht zu haben, da mit Haarebürsten und Fingernägelbetrachten völlig gefordert. (Bei den Herren ist es dann Fußball, auch nicht gerade das Betätigungsfeld für die Giganten der Geistesgeschichte).Und man braucht sich kein bißchen wundern, solange die Zeitschriftenregale meterweise InStyle und Cosmopolitan und was immer vermarkten (oder Kicker, um die gender divide zu berücksichtigen). Die Jugendlichen tun nur mit etwas größerer Konsequenz das, was sie bei Erwachsenen sehen. Was sie natürlich oft nicht sehen, ist, dass die Erwachsenen viele Stunden arbeiten, um sich dann mit dem selbstverdienten Geld Fingernagellack et al. zu kaufen. 🙂

    • halab schreibt:

      Ihr richtiger Name ist nicht zufällig Thilo Sarrazin, oder? 🙂

    • Mascha schreibt:

      Mit Sarrazin verwandt?

  11. OPT schreibt:

    Ach, Frl. Krise. Aber einen Weg werden sie schon finden. Manchmal gibt’s sogar nette Überraschungen. Eines meiner Nachhilfeschäfchen hat mir das da gebracht und will verstehen („genau!“), was die singen:

    (Hat nicht mal entfernt mit seinem Stoff zu tun, aber: Es ist das erste Mal, dass er etwas von sich aus verstehen will. Ich habe mich noch nicht erholt.)

    • Hein Donix schreibt:

      Da hast du ja nochmal Glück gehabt – stell dir nur vor es (das Schäfchen) wär mit sowas ankommen: http://www.youtube.com/watch?v=8Uee_mcxvrw .
      „Tun immer ein auf voll schlau, und wenn man mal was wissen will verstehnse auch kein Wort“ – seine (des Schäfchens) Motivation wär dahin.

      • OPT schreibt:

        Als ehemaliger Punk hätte ich vermutlich gegrinst. Aber damit wäre er kaum angekommen, er ist eher so der sehr gepflegte Typ. Zumindest für den Refrain dürfte sein Englisch auch reichen.

        Hinter dem Wunder steckt wohl persönlicher Bezug: Der Arme hat üblen Liebeskummer und ohne die Worte erahnt, worum’s im WotE-Video geht. Widmen wir uns eben eine Weile dem Liebeskummer in Literatur und Musik, mir soll’s recht sein. (Natürlich nicht sein Liebeskummer, aber die Verknüpfung zwischen Text und Bedeutung öffnet ihm endlich das Tor, an dem er bisher immer vorbeiging.)

  12. Der Mathehügel schreibt:

    „Chill ma, Frl. Krise!“
    Das ist bei mir der Punkt, an dem mein Vulkan das zweite Mal hochgeht. Bei uns im Nordwesten ist die Schülersprache im Unterricht nicht ganz so krass wie bei Ihnen, aber dieses „Chill mal“ haben wir auch. Und ich hasse es!
    Habe vollstes Verständnis für Ihr Verhalten.

    Und das PG soll ma ruhig abchillen!

  13. Curima schreibt:

    „Wenn Blicke und Gesten töten könnten, läge ich garantiert in Form einer monströsen Hackfleischboulette vor der Bühne…“
    Muhahaha…an der Stelle musste ich laut lachen. Armes Frl. Krise. Ich glaub, ich würde da auch ausrasten.

  14. Tricia McMillan schreibt:

    Vallah, Frl. Krise, was schreien Sie? War Theaterkurs und nicht wichtiges wie Kosmetikkurs oder Flirtkurs. Chillen Sie ma und lassen Sie ma die Kinder die Prioritäten setzten, die wissen am besten was ihnen wichtig ist!

  15. Elli Spirelli schreibt:

    Es ist halt leichter sich in die Welt von Make-Up und Klamotten zu flüchten, als den eigenen Zukunftsängsten ins Gesicht zu sehen oder gar noch mit anderen darüber zu reden … .

  16. 360hcopa schreibt:

    „Und ehe es mir leid tut, dass ich so gemein war“ – so etwas brauchen Sie nicht mal zu denken, wenn man hier ne Weile mitliest, ist es die 100% Wahrheit und die muss auch mal verkündet werden. Das es vielleicht nun nichts mehr nützt und sie auch nur ein kleiner Mosaikstein in dem Leben dieser Kinder sind, ist leider auch war.
    Ich digitalisiere gerade meine alten Tagebücher und auch wenn ich in dem Alter die Schule nicht besonderes mochte – Anstrengung, war immer das Ziel, man wollte doch was aus sich machen. Wo ist dieser Wille geblieben?

  17. Pingback: Gemeinsam Musik machen | Graugrüngelb

  18. mauzipauzi schreibt:

    Da ist es ja super, dass Sendungen wie „Shopping Queen“ den Eindruck vermitteln, dass es ohne Style kein Leben geben kann. Sieh super aus, der Rest ist egal. Eine Stunde auf vox ist auszuhalten, oft leider auch unterhaltsam, aber stundenlanges Äußerlichkeiten-Theater in der Schule, da hast du mein volles Mitgefühl frl. Krise!!

  19. rotezora schreibt:

    Kleine Mädchen spielen mit Barbie-Puppen, zum Entsetzen ihrer emanzipierten Mütter. Widerstand zwecklos. Bei den meisten wächst sich das zum Glück aus. Teenies malen sich dicke Balken um die Augen, fliegen auf die bescheuertsten Typen, haben vor allem ihr Styling im Kopf und halten alle über 25 für mega-out. Das ist manchmal schwer auszuhalten, geht bei den meisten aber auch vorbei. Tragisch ist es dann, wenn in dieser Lebensphase unwiderruflich Weichen gestellt werden, z. B. durch eine frühe Verlobung oder gar Heirat/Schwangerschaft. Dann werden die Handlungsspielräume eng, selbst wenn die jungen Frauen darauf kommen, dass es noch andere lohnende Ziele im Leben gibt als das ultimative Styling.

    • Olaf schreibt:

      Hamburg, S-Bahn (Bahn AG, Nahverkehr), noch nicht lange her….
      Drei Girlies, ca.15 – 17 Jahre alt reden über eine Freundin und ihre neueste Errungenschaft. Ncht böse. „Was ? Der ist schon zwanzig ?? Sooo alt ???“
      Wie alt ich mich da gefühlt habe ? Mit 56 Jahren. Es fehlt noch die Frage: „Na, Opa, wollen Sie sich nicht doch besser setzen ?“
      Frage an den Punk, der neben mir steht: „Junger Mann, wie spät ist es ?“
      (Cool) „Zu spät für Dich, Opa.“
      That was it…
      Nun weiß ich Bescheid, was meine Stunde geschlagen hat.
      Dennoch – ich fühle mich nicht wie 56 Jahre alt, eher zehn Jahre jünger…
      We’ll see.
      Kann mich jemand mal aufmuntern ?
      Es könnte helfen.

      • OPT schreibt:

        Olaf, darf ich empfehlen, 40 Jahre zurückzudenken? Wie alt erschienen Dir da Leute jenseits der Dreißig? Eben 🙂

      • frlkrise schreibt:

        Was soll’s? Nicht ärgern, die werden auch mal 56….!

      • Olaf schreibt:

        @ OPT: Alles klar, Du (darf ich das sagen ?) hast ja recht. Das war ja auch keine ernstgemeinte „Klage“ von mir, eher eine kleine Sammlung von Erlebnissen/ Gedanken über Unterschiede der Generationen, wobei ich mich natürlich jetzt bzw. schon lange auf der „anderen“ Seite wiederfinde.
        Ich kann mich daran gut erinnern, wie ich vor ca. 40 Jahren „Erwachsene“ gesehen habe, und nun bin ich (schon lange) selber einer. Wenn „erwachsen“ überhaupt eine brauchbare Kategorie ist. 😉
        Einer der Gründe, weshalb ich so gerne hier mitlese und auch kommentiere ist ja die Tatsache, daß die Jugendlichen von heute auch Kinder ihrer und unserer Zeit sind (so wie es ja immer war) und irgendetwas manchmal m. o. w. „Verrücktes“ (das meine ich auch nicht abfällig) oder auch Vernünftiges daraus machen. So wie wir damals, nur natürlich etwas anders. Das Leben ist eben einfach schöpferisch.

      • Olaf schreibt:

        Frollein Krise, fühlen auch Sie sich angesprochen. 😉
        Sorry.

      • thymi schreibt:

        Lieber Olaf, wenn Sie den auch mit „junger Mann“ anreden…
        Sachliche Frage wird auch sachlich beantwortet…
        sagt jemand, der n o c h ein bißchen älter als 56 ist und sich n i c h t so fühlt und auch nicht so behandelt wird.
        Hamse mich, junger Mann?

      • Olaf schreibt:

        Thymi – daran hatte ich noch gar nicht gedacht… 😉
        Das nächste Mal werde ich es mal anders mit einem Anliegen versuchen. Vielleicht einfach einmal so: „Hey Opa, wie spät ist das ?“
        Mal sehen was dann passiert… 😉

  20. RogueEconomist schreibt:

    Aber Hauptsache die Frisur und der Schlüppi sitzt, ne? 🙂
    Ich ziehe mal wieder den Hut vor ihnen, denn an ihre Ruhe hätte ich manchmal gerne. Auch wenn man dann und wann mal explodiert.
    Davon ab sind doch fast alle Menschen irgendwie einseitig. Ob jetzt Steiling oder Oper, Leute die nur ein Thema haben nerven. Ganz egal wie pseudo-intelektuell.

  21. Frau K. aus M. schreibt:

    Ganz toll ist, wenn nach dem fünften Versuch endlich die Gespräche zu unterbrechen, um mit dem Unterricht zu beginnen, der Spruch kommt: „Ham Se schlechte Laune?“ Das ist dann spätestens bei mir der Moment an dem der Vulkan explodiert. Gut zu wissen, dass es auch anderen Lehrerinnen so geht! Die Schilderung des Vulkans, der immer mehr brodelt, hat mich sehr an mich erinnert. 😉

  22. Mascha schreibt:

    Super, daß Sie das mal rausgelassen haben. Das haben Sie gut gemacht!! Meinen Sie da ist irgendetwas hängengeblieben? Oder geht das bei den Kids spurlos vorbei?

  23. Stephan schreibt:

    Ich finde auch die Lehrer dürfen mal „ausflippen“! Natürlich nicht gleich mit Stühlen werfen, aber ich denke es tut auch den Kids ab und zu gut, wenn sie merken, dass vor ihnen ein Mensch mit Emotionen steht!

    • frlkrise schreibt:

      So sieht es in unserer Schule nicht aus! Wir achten sehr auf ein gepflegtes Ambiente mit viel Kunst und so. Wenn was kaputt ist, wird es in Windeseile repariert. Und zum Glück haben wir gerade eine neue Mensa und auch teilweise neue Klos bekommen…

  24. pzychobunny schreibt:

    Ach du meine Güte!!! Ich bin fünf…sechs, in seltenen Fällen auch sieben Jahre älter als die Mädels und krieg schon eine Gänsehaut, wenn ich ähnliche Exemplare im Zug die deutsche Grammatik vergewaltigen höre, als würden sie dafür bezahlt werden. Und dann noch diese Masse an Vulgärworten. Ich bewundere Ihre Geduld! Mir reichen die 20 Minuten täglich, die ich mit einigen Mädels und Jungs in dem Alter Zugfahren muss (mit geteilter Musik aus minderwertigen Handylautsprechern versteht sich…). Manchmal habe ich das Gefühl, das bei einigen Jugendlichen Scheuklappen inklusive sind, die sie für den Eindruck, den sie bei ihren Mitmenschen hinterlassen imun machen.

    • Susann schreibt:

      Wenn sie im Pulk sind, nehmen sie nicht wahr, wie sie auf andere wirken. Ist auch altersbedingt.
      Ich bin mal mit pubertierenden Schülern in der S-Bahn unterwegs gewesen. Drei haben einem Mann so intensiv und unverschämt in die Zeitung geguckt, dass der irgendwann genervt fragte, „Wollt ihr die Zeitung haben, oder was?“ – freudiger Dank aus Schülermund.
      Als ich die dann nach vollendeter Fahrt stinkesauer auf ihr unpassendes Verhalten angesprochen habe (in der S-Bahn zur Stoßzeit hätte ich über mehrere Dutzend Köpfe hinwegbrüllen müssen), sagten sie zu mir singngemäß: Ich weiß gar nicht, was Sie haben, den Mann hat das doch nicht gestört, der hat uns doch seine Zeitung geschenkt!

  25. 2simplehearted schreibt:

    Ich finde, was manche (aber zum Glück nicht alle) Leute hier so drunter schreiben, ist echt das Letzte. Hier wird so getan, als wären sämtliche Schüler und Schülerinnen, mit denen Frl. Krise es hier zu tun hat, eine andere Art Menschen, über die man in aller Ruhe und nach Lust und Laune herziehen kann, von denen man sich aber gleichzeitig abgrenzt, weil man ja eindeutig etwas viel Besseres ist als sie.

  26. suann schreibt:

    @alll and 2simplehearted :
    derselbe gedanke kam mir auch beim durchlesen. Und deshalb ein bisschen zur “ abkühlung“ :
    1. in deutschland werden jedes jahr lebensversicherungen im wert von rund 1,1 milliarden ( versicherungssumme) abgeschlossen. obwohl nun selbst in mainstreammedien darauf hingewiesen wird, dass lv`s nur für einen partner ein geschäft ist – für die versicherung. die kunden dieser lv sind – erwachsene
    2. vor kurzem wurde von telekomaktionären ( ich glaube es waren 35 000 ) klage darüber geführt, dass die telekom die aktionäre betrogen hätte. der grund für die klage war, dass die aktien der telekom nach dem kauf doch tatsächlich in den keller gingen auch dies waren deutsche erwachsene.
    3. täglich kann man in irgendwelchen blättern lesen, wie gefährlich doch das internet ist. da wird von bösen rechnungen und noch böserern ra`s berichtet, die gnadenlos geld eintreiben. und die „armen rentner“ usw. die doch tatsächlich auf einer website ihren namen, adresse und kontoverbindungen eingaben, konnten nun nicht wirklich wissen, dass sie etwas bezahlen müssten – auch alles deutsche erwachsene.
    ich erspare mir weitere beispiele. aber als beweis, dass deutsche erwachsene mit sicherheit nicht sehr viel intellegenter sind, als die ach so “ blöden und doofen ausländerkinder “ mag das genügen.
    eine etwas wütende suann

  27. krizzydings schreibt:

    Frau Weh, Grundschulkollegin aus ihrem heimatlichen Bundesland empfiehlt bei Disziplinproblemen auffällige Nagellacke!

  28. waldmonster schreibt:

    Was macht man da nur? :/ Eine Alice Schwarzer zu denen stellen?

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