Brautschau

So, der Mobbingfall ist durch. Die Täter sind ermittelt (5 Jungen der Parallelklasse, einer von uns). Von einer Anzeige wurde abgesehen, weil Nadir das nicht wollte. Eine Schulstrafe wurde ausgesprochen und außerdem gibt es noch eine Sonderbehandlung in Richtung Wiedergutmachung nächste Woche. Die Täter erscheinen allerdings nicht sehr geknickt, die haben schon so viel auf dem Kerbholz, dass die einiges gewohnt sind.

In meiner Klasse war es heute in Kunst ganz schön. Die Sonne schien in den Raum, wir haben friedlich vor uns hingepinselt und nur Gülten und Aynur haben sich dermaßen laut unterhalten, dass ich mich von hinten anschlich und ihnen volles Rohr: „Ruhe jetzt!“ ins Ohr brüllte. Das hat sie aber nur für Sekunden zum Verstummen gebracht. Sie hatten bestimmt beide Vuvuselas unter ihren Vorfahren …
Ich schlendere ein bisschen herum.
„Was macht ihr denn am Wochenende?“ frage ich Nesrin, „geht ihr wieder auf eine Hochzeit?“
„Nein! Ich geh nicht mehr gerne auf Hochzeiten!“
„Seit wann das denn?“
„Bestimmt seit zwei Monate!“
„Abo…Frl. Krise! Es ist jetzt voll schlimm auf Hochzeiten!“ mischt sich Azzize ein.
„Ja! Wie sie einen angucken! So rauf und runter! Voll schrecklich!“ Nesrin schüttelt sich und schmeißt ihren Pinsel auf den Tisch.
Ömür bringt sein Bild in Sicherheit. „Ey, pass ma auf, du!“
Dann klopft er auf den freien Stuhl neben sich. „Ach, Frl. Krise! Hier ist doch frei!“ Ich setze mich folgsam. Emre ist schon gegangen – er ist Hautarzt. Wegen so ein paar winzigen Pökel auf der Ohrmuschel…dieser Hypochonder. Meine Klasse ernährt nach wie vor mühelos eine ganze Armee von Ärzten jeglicher Fachrichtung.
„Wer guckt denn so auf den Hochzeiten?“ erkundigt sich Hanna.
„Die Jungen!“ „Die Väter!“sagen Nesrin und Azzize wie aus einem Munde.
„Bei mein Vater waren schon bestimmt fünfzehn Väter!“ berichtet Nesrin. „Wissen Sie, wie schrecklich das ist, Frl. Krise!?“
„Ich kanns mir vorstellen, Nesrin! Was sagt denn dein Vater dazu?“
„Der sagt, ich bin ja erst 15. Ich soll erstmal Ausbildung machen!“
„Frl. Krise, mich hat schon eine Frau in Türkei auf der Straße gefragt, ob ich verlobt bin! Ich hab gesagt, Tante, ich habe Freund in Deutschland. Die wollte das wissen, wegen ihren Sohn!“ Azzize hat auch aufgehört zu malen und ist nähergerückt.
Nesrin nickt. „Die denken in der Türkei, weil wir in Deutschland leben, wir sind Schlampen!“
„Oh jeh,“ seufze ich, „das muss man sich doch nicht alles gefallen lassen! Ihr habt doch auch eine Meinung und einen Willen!““
„Meine Schwester ist siebzehn, sie hat schon lange Freund. Aber das wird nichts! Er gefällt mein Vater nicht. Kein guter Charakter und kein Geld! Wie meine Schwester!“
„Meinst du deine Schlägerbraut-Schwester, Azzize?“ frage ich.
Azzize grinst.
„Ihr habt ja noch ein bisschen Zeit…“ sage ich, „lasst euch bloß nicht drängen!“
„Ich heirate auch noch nicht!“ Ömür fühlt sich offenkundig vernachlässigt.
„Wer will dich schon heiraten!“ faucht Hanna giftig.
„Oh…wartet mal ab! Der geht weg wie warme Semmel!“ prophezeie ich. „Ihr werdet euch noch freuen, wenn der mal bei euren Vätern anklopft!“
„NIEMALS!“ schreien Azzize, Nesrin und Hanna gleichzeitig und Ömür verschließt entsetzt die Augen und ruft: „Frl. Krise! Sagen Sie nicht so!“
„Wie sieht denn deine Traumfrau aus, Ömür?“ Das interessiert mich jetzt wirklich.
Aber Ömür hat genug von unseren Gesprächen:
„Dazu muss ich hier keine Auskünfte sagen!“ antwortet er hoheitsvoll und verschwindet schleunigst mit seinem Wasserglas Richtung Waschbecken.

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68 Antworten zu Brautschau

  1. Emanuel schreibt:

    Arangierte Hochzeiten… Irgendwie total furchtbar 😦
    Die armen Mädchen. Von wegen „Das ist eine andere Kultur. Für die Frauen ist das dort ok. Das ist eine andere Denkweise“
    Alles BS.

    • Dirk schreibt:

      Das betrifft doch nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer.
      Und man sollte schon etwas mehr reflektieren, über die Grenzen seines eigenen Kulturkreises hinweg zum Beispiel. Aber hier kommt gleich wieder automatisch der westliche Reflex, dass „unser“ System natürlich per definition das überlegene ist. Dass aber das Glücksgefühl nachhaltig höher ist bei selbstgewählten Hochzeiten, ist empirisch überhaupt nicht belegt. Und arrangierte Hochzeiten waren übrigens 3, 4 Generationen weiter zurück auch bei uns noch völlig normal und der Regelfall.
      Nur weil unsere Gesellschaft den höcsten Wert auf das Individuum legt, müssen das andere Gesellschaften noch längst nicht tun. Damit sage ich auch nicht, dass ich das persönlich gut finde (auch ich bin in unserem Kulturkreis aufgewachsen und setze auf den Individualismus), allerdings muss ich deshalb nicht andere Kulturen herabsetzen.

      • frlkrise schreibt:

        Wer will hier was herabsetzen?
        Die Mädchen formulieren ihr Unbehagen darüber, öffentlich auf ihre Heiratswürdigkeit abgecheckt zu werden. Das gefällt keiner Frau, egal in welcher Kultur!
        Die Jungen sind wenigstens in einer aktiven Rolle.

      • Nania schreibt:

        Ich halte defacto gar nichts von arrangierten Ehen. Muss aber auch immer wieder Leuten (gerade in älteren Generationen) den kulturellen Spiegel vorhalten.
        Gerade, wenn meine Großeltern darüber schimpfen, dass die Mädchen aus der Türkei ja alle zwangsverheiratet werden, muss ich immer dran denken, dass die Großeltern einer Freundin von mir, immer noch nicht wissen, dass ihr Freund eine andere Konfession hat. Ich sage euch, wenn die das wüssten, dann Holla die Waldfee. Gibt es leider noch recht häufig im ländlichen Raum.

        Wichtig fände ich es – da (wie Frl. Krise es schon angesprochen hat) die Mädchen das ja selbst nicht schön finden – das Selbstvertrauen zu stärken, aufzuzeigen, dass man in Deutschland nicht heiraten muss und das man sich den Mann/die Frau selbst aussuchen darf.
        Vielleicht, und ich weiß, dass das ungeheuer schwer ist, müsste man auch deutlich machen (eine „Wie“ hab ich da auch nicht), dass es in Deutschland keine Schande ist, mit der Familie zu brechen. Ich weiß, dass das wohl kaum einem Menschen leicht fällt.

        Der Vater von Nesrin scheint mir aber schon auf einem guten Weg zu sein. Wichtig ist, dass seine Tochter erstmal eine Ausbildung macht. Dann ist sie schon ein Stück älter, und vielleicht – für sie hoffe ich das – auch ein bisschen selbstständiger.

        Aber es ist kein Problem, was inherent der eher arabisch/muslimischen Kultur inne wohnt. Dafür gab es arrangierte Ehen bei uns auch noch sehr, sehr lange.

      • Emanuel schreibt:

        Nenn mir nur einen einzigen positiven Aspekt daran seine 14/15 jährige Tochter wie ein Stück Rindfleisch zu verschachern.
        Jede Kultur hat Ihre Schwachstellen – wir sind mit Sicherheit ned fehlerfrei. Aber arrangierte Hochzeiten sind grundlegend FALSCH. Und nichts wird daran je etwas ändern.

      • rhadamanthys schreibt:

        Was heißt hier herabsetzen, die Mädchen schildern aus ihrer Sicht für sie unangenehme Situationen. „mich hat schon eine Frau in Türkei auf der Straße gefragt, ob ich verlobt bin! „

    • waldmonster schreibt:

      Arrangierte Ehen halten oft länger als freiwillig geschlossene. Ist statistisch nachgewiesen.

      • Zimtapfel schreibt:

        Ja, weil die so verheirateten meist gar keine andere Wahl haben (oder zu haben glauben) als ein Leben lang bei dem ihnen von der Verwandtschaft auserkorenen Partner zu bleiben. Und nicht, weil sie da so unheimlich glücklich und zufrieden wären. Seien es wirtschaftliche Zwänge, sei es die Angst, den Rest des Lebens als von ihrer Gemeinschaft ausgestoßene verbringen zu müssen.

      • waldmonster schreibt:

        Nichtmal unbedingt so, natürlich sind die von dir genannten Aspekte total wahr und zutreffend, aber oft arrangiert man sich auch einfach damit, dass man eben nicht Mr. oder Mrs. Perfect hat – wir sind doch alle nur auf Fehlersuche bei der Partnerwahl, seien wir da doch mal ehrlich – und so eben durchaus ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen kann. Ich bin keinesfalls ein Freund von solchen Eheschließungen, aber dennoch sollte man sowas nicht nur schwarz sehen. Es gibt, wie sooft, zwei Seiten der Medaille.

        Es gab sogar einen Film darüber, letztes Jahr oder so, hab auf jedenfall einen Trailer dazu gesehen, ich such mal eben….

      • Nik schreibt:

        Belege für diese These?

      • Susann schreibt:

        Wie oft länger?
        Auch verständlich, der Druck der Familien wird hoch sein, dass die Ehe hält (besonders, wenn die Familie Mitgift gezahlt hat), die Alternativen für die Frau ausgesprochen bescheuert (zurück zu den Eltern/Kinder bleiben beim Mann/kein Einkommen/Schande) und falls die Frau nicht gefällt, passiert mitunter auch mal ein Mitgiftmord statt einer Scheidung. Das Ehepaar ist nicht unbedingt glücklich miteinander – eine Scheidung hält nur noch viel unattraktivere Überraschungen bereit.
        Sorry. Die (unbelegte) Statistik überzeugt mich nicht, ich muss mir nur kurz vorstellen, an einen von meinen Eltern ausgesuchten Wildfremden verheiratet zu werden – ohne viel Alternativen – und schon ist diese Statistik für mich völlig irrelevant.

      • waldmonster schreibt:

        Ich sagte auch nicht umbedingt etwas von „glücklicher“. „Glücklich“ und „Länger“ haben nichteinmal entfernt etwas miteinander zu tun, auch wenn beides in Sachen Eheschließung sehr wünschenswert ist. Die Statistik habe ich in einer Zeitung gesehen, tut mir leid, dass ich nicht alle Artikel sammel, um sie zur Not nachweisen zu können. Ich find es nur sehr interessant, wie das westliche Modell so hoch gelobt wird. Dass jede 2. Ehe geschieden wird, lässt den Gedanken aufkommen, das mindestens zwei Konzepte nicht aufgehen: 1. die Ehe und/oder 2. das der freien Wahl. Natürlich wird hier jeder, mich inklusive, aufschreien, dass man seinen Partner doch bitte selbst wählen soll, und natürlich gibts auch negative Beispiele wie eben Mitgiftmord, etc pp. Man sollte nur hin und wieder einfach hinter den eigenen Tellerrand sehen und gucken, was sich dahinter befindet. Nicht allen Frauen in arrangierten Ehen geht es schlecht…

      • pantherle schreibt:

        Vater geworden??? 🙂

      • waldmonster schreibt:

        Dazu fehlen mir die anatomischen Mittel.

  2. Ich eben wer sonst schreibt:

    Oooh jetzt hast du aber den armen Ömür in Verlegenheit gebracht. Ich glaube, ich weiß wie seine Traumfrau sein soll. Hihi http://www.youtube.com/watch?v=Zt1Bkug1h7Y

    • Kirchenmaus schreibt:

      Das ist aber jetzt mal ganz was anderes… ich tippe eher, er heiratet die Tochter eines Dönerbudenbesitzers und übernimmt dann den Betrieb

    • rhadamanthys schreibt:

      Vielleicht findet er ja hierbei etwas, vielleicht auch ein neues Rollenmodell für die Mädchen?

      Zumindest ist danach der Unterricht gelaufen.

      Duck und weg.

    • christaschule2010 schreibt:

      So stimmt – Ömür hat „total schlecht Wochenende“ – und kommt fies gelaunt Montag in die Schule! Der Mulan-Ausschnitt dazu auch kriminell!! ggl

  3. Minou schreibt:

    Ömür ist ja mein persönlicher Liebling 😀
    Aber ich hab das Gefühl: Ihrer auch 😉
    Viele Grüße

    • Kirchenmaus schreibt:

      Meiner auch! Können wir bei Facebook keine Fanseite für ihn einstellen? Frl. Krise, büüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüütte

  4. Frau Weh schreibt:

    Hat er Recht, der arme Ömür. Privatsphäre!

  5. Sophie schreibt:

    Ömür ist einfach der Beste 🙂

  6. manchmalnormal schreibt:

    Ach, der Omür…ich glaube, das ist echt ein ganz Süßer 😉

  7. die Schmith schreibt:

    Achgottl, Ömür…

  8. Mrs. Porcelain schreibt:

    „Sie hatten bestimmt beide Vuvuselas unter ihren Vorfahren …“
    HERRLICH!!

  9. HarryHirsch schreibt:

    Sehe ich genauso, Mrs. Porcelain!
    Außerdem: Frl Krises Kommentar trifft exakt den jumping point (wie der Franzose sagen würde). Frage mich nur, ob einige Ihrer Grazien da neulich beim Schloß dabei waren – mit den Wuwusehlas…

  10. Nadine schreibt:

    Kann man den Ömür hier irgendwo seperat liken? Bitte! Der is soooo lieb! Ich kenn den gar ned, und selbst ich will ihm Butterbrote schmieren und aufpassen, dass er nicht ohne Jacke ausm Haus geht – da kommt das Muttertier in mir hoch.

  11. KC schreibt:

    Beziehungsstatus etc. ist auch immer ein besonderes Interessenthema von Lehrern, oder?

  12. Tades75 schreibt:

    Schön zu sehen, dass das in den letzten Jahren in den Medien und der Gesellschaft immer beliebtere Spiel „Hau den Moslem“ schon so weit Früchte trägt, dass das Image von Menschen muslimischer Religion mittlerweile so weit ist, dass man ganz selbstverständlich davon ausgeht, dass bei diesen NUR noch zwangsverheiratet wird.

    Hallo? Bitte aufmerksam lesen! Nesrins Vater hat alle 15 Väter, die einfach nur höflich um die Hand seiner Tochter anhielten, weggeschickt. Und Azizes Vater WEISS vom Freund seiner Schlägertochter, obwohl er ihn nicht mag und das schon lange.

    Desweiteren gibt es einen Unterschied zwischen arrangierten Hochzeiten ( können SEHR glücklich verlaufen) und Zwangsheiraten.

    Zwangsheiraten habe ich in der Türkei nicht erlebt, häufiger jedoch arrangierte Hochzeiten.
    Zugegeben, Sex vor der Ehe ist deutlich seltener der Fall als in unseren hiesigen Breiten. Dies ist in konservativ-christlichen Ländern aber auch nicht viel anders, wie etwa in Portugal, Griechenland oder Süditalien.
    Bei den arrangierten Hochzeiten in der Türkei lief es immer so ab, dass Junge und/oder Eltern ein Mädchen gefällt. Wenn das Mädel nicht kategorisch nein sagte, dann wurde „das Wort gegeben“, d. h. das Mädchen bekundet Ihr Interesse den Jungen näher kennenzulernen.
    Dann folgt ein längerer Zeitraum, in welchem das „Paar“ über mehrere Tage oder Wochen öfters gemeinsam ausgehen, ins Café, Kino usw, natürlich in „gesittetem“ Rahmen und wenn beide sich mögen, wird dann verlobt. Verlobungszeit kann mehrere Wochen bis Monate dauern und man hat schon die Absicht zu heiraten. Dennoch kann man in dieser Zeit noch immer NEIN sagen, sowohl Mädchen oder Junge, was aber zugegebenermaßen selten vorkommt. Aber es kommt vor.

    Selbstverständlich gibt es Zwangsheiraten, auch in der Türkei, aber es ist bei weitem nicht SO viel, wie hier gerne suggeriert wird. Mittlerweile bekommt man hier den Eindruck, dass Zwangsheiraten die Regel sind, oder die deutlich überwiegende Mehrheit der Eheschließungen, aber dem ist mitnichten so, zumindest bei den Türken und diese stellen hier in Deutschland die deutliche Mehrheit der muslimischen Bevölkerung.

    Dieses übertriebene, verzerrte Moslem-Bild, welches in unserer Öffentlichkeit vorherrscht bereitet selbst mir, einem nicht fastenden, Alkohol trinkenden, in seiner Jugend kiffenden, Kopftuch ablehnenden, nicht betenden, politisch links der SPD stehenden, strikt laizistisch eingestellten, säkularen, Islamisten hassenden, das Christentum/die Bibel besser als den Islam/den Koran kennenden, Recep Tayyip Erdogan hassenden, aber als Moslem geborenen Deutsch-Türken, Übelkeit.

    • frlkrise schreibt:

      Die Mädchen, die ich kenne, haben schon ein entscheidendes Wörtchen mitzureden! Da hast du völlig recht! Und die Eltern sind in der Regel auch daran interessiert, dass alles passt.

    • Ulla 39 schreibt:

      Wieder einmal: Danke, tadeS!

    • RogueEconomist schreibt:

      Sehr schöner Beitrag. Aber es ist und bleibt leider immer einfach auf andere zu zeigen, auch wenn der eigene Vorgarten in Unordnung ist. Und da wird sich wohl nie was dran ändern.

  13. Mascha schreibt:

    Also ich lebe nun schon seit 6 Monaten in Indien und hier werden 90% aller Ehen arrangiert. Die Männer und Frauen haben bis zur Hochzeit keinen Kontakt zum anderen Geschlecht. Männer und Frauen….jeder Gruppe für sich und isoliert….ich habe so viele Männer getroffen, die schon 30 oder älter sind und noch nie eine Frau berührt haben, weil die Eltern noch keine Braut fanden. Oder ich sehe Frauen wie sie vom Vater an den Ehemann weitergereicht werden und dann der Schwiegermutter als Haussklavin dienen….über Mitgiftmorde, Gewalt in der Ehe usw. will ich gar nicht erst anfangen zu reden….sicher kann Liebe wachsen, aber die meisten Ehen…zumindestens hier….. werden unter den Gesichtspunkten: Finanzieller Statuts, mag die eine Familie die andere Familie, Kaste, Herkunft usw. Ob das Paar zusammenpasst….nebensächlich…..ich will nicht sagen, daß jede arrangierte Ehe unglücklich ist, aber für mich ist diese Nummer aus dem Mittelalter….und ich finde es schrecklich zu hören, daß das anscheind in der Türkei noch heute völlig normal ist…Nachbarn von uns….ein Land, daß in die EU will.

  14. Mascha schreibt:

    1. Sehe gerade, daß ich einige Rechtschreibfehler gemacht und auch Worte verschluckt habe. Peinlich….aber Verteidigungsargument: Hier ist es 7 Uhr morgens und ich schlafe noch halb.
    2. Letzter Satz über die EU ist fraglich….momentan geht es der EU nicht gut….vielleicht ist die Türkei froh nicht drinnen zu sein.

    *Mascha macht einen Abgang*

  15. maldrueberreden schreibt:

    Widerwärtige „Bräuche“, wie Zwangsverheiratungen gehören, unabhängig vom jeweiligen Kulturkreis, auf den Müllhaufen der Geschichte.

  16. clarence schreibt:

    Man muss unterscheiden zwischen arrangierter Ehe (kann auch ganz gut funktionieren)und Zwangsverheiratung – so wie Frl. krise das erzählt, ist zumindest bei den beiden nicht zu erwarten, dass sie eines Tages ins Herkunftsland der Eltern gekarrt werden und nicht mehr raus dürfen. Aber- schon 15 Väter wollten das Mädchen? Die muss wirklich hübsch sein – und die Eltern müssen zumindest ein bißchen Geld haben, oder?

  17. Nele Abels schreibt:

    Zum Thema Zwangsehen ist der Film „East is East“ (1999) extrem sehenswert!

    Bauchgrimmen verursacht mir der Begriff „Sonderbehandlung“. Dieses Wort ist seit der NS-Zeit eindeutig in seiner Bedeutung als Tarnbegriff für „Tötung aus rassistischen und ideologischen Gründen“. Ich weiß, dass das im Text nicht so gemeint ist – als Historiker stoße ich mir schlicht und einfach nur daran den großen Zeh und habe das Bedürfnis, das Problem zu erklären.

    • tom625 schreibt:

      “Sonderbehandlung” … ist seit der NS-Zeit eindeutig in seiner Bedeutung als Tarnbegriff für “Tötung aus rassistischen und ideologischen Gründen”. ???

      Nö, vielleicht unter Historikern, aber wohl kaum im allgemeinen Sprachgebrauch.

      In der NS-Zeit wurde auch „Desinfektion“ als Euphemismus fürs Vergasen benutzt … ich erlaube mir trotzdem das Wort gelegentlich zu benutzen ohne vorher die Bedeutung auszudiskutieren.

    • Sandro schreibt:

      OMG, die Nazikeule…
      Wie nennen Sie denn, politisch korrekt, ihre Dusche?

      • Tades75 schreibt:

        Mit Worten ist das so eine Sache, es kommt immer darauf an, welche Bedeutung man Ihnen zumisst. Bei Sonderbehandlung denke ich im Normalfall auch an nichts Schlimmes, wenn ich aber gerade erst vor kurzem einen Artikel gelesen oder einen Film gesehen hätte, welcher den Holocaust zum Thema hatte, würde ich bestimmt eher an die Gaskammern denken.

        Je nach Sprache können bestimmte Worte auch völlig verschiedene Assoziationen hervorrufen.
        Ältere US-Amerikaner denken bei dem Wort „Fräulein“ an das „Fräuleinwunder“ der 50er Jahre. In der Türkei habe ich in gebildeteren Kreisen aber erfahren, dass man bei „Fräulein“ an SS-Lageraufseherinnendenke und z.B. besonders strenge Lehrerinnen in Internaten so genannt werden.

        Dass man selbst sehr sensibel auf manche Wörter reagiert ist in Ordnung, aber bei der harmlosen Nutzung selbiger von Anderen darüber hinwegsehen

  18. Nele Abels schreibt:

    Und „dazu muss ich hier keine Auskünfte sagen“ gefällt mir richtig gut! Recht hat der Knabe. 🙂

  19. Inch schreibt:

    Ich glaube, glückliche und unglückliche Ehen gibt es sowohl unter der „frei gewählten“ als auch unter den arrangierten. Wahrscheinlich ist der Anteil überall gleich hoch. Arrangierte Ehen haben unter gewissen Voraussetzungen auch ein Berechtigung, nämlich dort, wo Menschen noch das, was sie zum Leben brauchen, tatsächlich selbst erwirtschaften. Denn der beste Jäger ist ziemlich verloren, hat er nicht eine Frau zu Hause, die ihm die Klamotten in Ordnung hält usw. Arbeitsteilung machte nämlich früher durchaus Sinn.
    Deshalb finde ich es vermessen, über andere Kulturen zu urteilen. Ich finde es auch falsch, dahin zu gehen und etwas ändern zu wollen. Wenn die Frauen da unzufrieden sind, müssen sie das selbst tun. Nur dann hat so was nämlich auch Bestand, also so eine Änderung.
    Ganz anders ist es natürlich, wenn zB türkische Mädchen hier geboren und aufgewachsen sind und ihre Eltern an Traditionen festhalten, die nicht nur nicht in unsere Gesellschaft passen, sondern die betreffenden Mädchen auch aller in Deutschland üblichen Rechte berauben

    • Nania schreibt:

      Wichtiger, letzter Satz.
      Deshalb sage ich in einem Kommentar weiter oben, dass man die Mädchen auch in der Hinsicht sensibel aufklären sollte. Und ich weiß nicht, in wie weit eine Schule das (auch noch) leisten soll.

    • scrooge schreibt:

      Ich finde auch den letzten Satz sehr wichtig. Bei meiner Arbeit (ich gebe Sprach- und Integrationskurse in den Niederlanden) habe ich mit der Elterngeneration dieser Kinder zu tun. Gelegentlich gibt es da in der Gruppe auch recht hitzige Diskussionen zu diesem und ähnlichen Themen. Der Druck, der da manchmal auf die Kinder ausgeübt wird, ist aber keine reine Moslem-Angelegenheit. Einmal sagte eine syrisch-orthodoxe Frau: „Wenn mein Sohn mit einem Mädchen ankommt, das keine Christin ist, kommt er mir nicht mehr ins Haus!“ Ich erzählte der Gruppe, dass ich genug mitgekriegt habe von Famileinzoff, bei dem die Leute nicht mehr miteinander reden, und dass das sehr oft für alle direkt und indirekt Beteiligten richtig schlimm ist. Ich fragte sie, ob sie das ihren Kindern und auch sich selbst wirklich antun möchte. Danach waren sie und andere ziemlich nachdenklich. Aber ich denke, dass hier noch ein langer Weg zu gehen ist.

  20. Frau Falke schreibt:

    Ich weiß gar nicht, was mir besser gefällt, die Artikel unter „Achtung Fallgrube!“ oder die Diskussionen, die entbrennen. 😉

  21. kasparalleinzuhaus schreibt:

    Einen richtig schalen Beigeschmack hinterlässt bei mir, dass den Mädels im Alter von 15 Jahren bereits der Spass an Hochzeiten verloren gegangen ist. Wie soll das erst sein, wenn sie selbst soweit sind?

  22. Lieblingsschüler schreibt:

    Wie oft heiraten denn deren Verwandten?

    • frlkrise schreibt:

      Du meinst, wie oft sie auf Hochzeiten sind? Sehr oft, da ja immer auch die entfernteste Bekanntschaft
      eingeladen wird. Nesrin kam in 3 Monaten locker auf 8-10 Hochzeiten.

      • Lieblingsschüler schreibt:

        Ich war in meinem Leben erst einmal auf einer Hochzeit. Und ich bin 18. Aber ist doch doof, wenn eine Heirat dann gar nichts Besonderes mehr ist.
        Allerdings auch praktisch, ich habe das Kleid seit dem nie mehr tragen können 😀

  23. Matthias schreibt:

    Reden die Mädchen den mit ihren Vätern über diese Probleme bzw. ermuntern Sie sie dazu. Da die Mädchen ja in den meisten Fällen auch Brüder haben, werden diese Väter ja wahrscheinlich ebenso auf Brautschau gehen.
    Änderungen dieser Traditionen gehen eben nur in kleinen Schritten und können, wie schon Inch weiter oben schrieb, nicht mit erhobenem Zeigefinger von außen aufgezwungen werden. Auch wir ach so fortschrittlichen Deutschen sind nicht in 10 Jahren aus dem Mittelalter in die aufgeklärte Jetztzeit gehüpft.
    Die Väter kann ich aber auch ein bisschen verstehen – wollen diese doch nur das Beste für ihre Töchter/Söhne. Und wenn jede Woche ein böser Brief aus der Schule kommt, die Zensuren durchweg mies sind, Gruppenschlägereien unter 10.-Klässerln stattfinden etc., woher sollen die Väter das Vertrauen haben, dass ihre Töchter ausgerechnet bei der Wahl ihres Zukünftigen mal was richtig machen? Wo doch Eltern sowieso immer besser wissen, was für ihre Kinder gut ist 😉

  24. pantherle schreibt:

    Gibt’s noch Fleißpunkte für Archiv komplett durchgelesen haben? 🙂

  25. johenna schreibt:

    Anfangs dachte ich: Ui, wie furchtbar, auf den Hochzeiten gucken die sich schon Grundschulkinder zum Heiraten heraus… Dann bekam ich mit, dass die Kids keine 8, sondern eher 15 sind. Plötzlich sehe ich den Blog mit ganz anderen Augen! Das sind ja alles fast schon keine Kinder mehr.

    • frlkrise schreibt:

      ZEHNTE KLASSE!

      • Tades75 schreibt:

        UNSERE ZUKUNFT!
        Übrigens … nettes Bild, Johenna …. Single? Liebstes, Fräulein, darf ich’s wagen, mich Euch anzutragen? Ganz ohne Arrangieren, freiwillig natürlich!
        😀
        Kleiner Spass am Rande, Grüße von einem glücklich Verheirateten. Und seit 2 Tagen sogar noch glücklicher! 🙂

  26. pantherle schreibt:

    Oh, die Frage war @Tades75

  27. pantherle schreibt:

    Vater geworden???

  28. Tades75 schreibt:

    Oh, habe Ihren Kommentar erst jetzt gelesen, Fräulein Krise. Und Danke!
    Sie und Ihre Leser sind die Einzigen, die davon wissen, Anonymität sein Dank. Meine Erstgeborene ist in 2 Jahren so weit. Über die Grundschule mache ich mir keine Sorgen, erst nach der Grundschule. Wer weiß, welche Art Schulen wie dann haben.

    Und um beim Thema zu bleiben, meine Tochter wird selbstverständlich männliche Freunde haben dürfen, wenn sie älter ist. Nur werde ich es dann so handhaben wie Al Bundy mit den Freunden seiner Tochter, in ganz freundlichem Ton natürlich:

    „Herzlich Willkommen, Freund meiner Tochter, komm ich zeig‘ Dir mal unsere Wohnung. Hier, das ist unsere Wohnzimmerwand“
    *DOING*
    „Das hier unsere Küchentür“
    *BONG*

    usw.
    😀

  29. Teacher schreibt:

    Wer sagt eigentlich, dass Ömür sich für Frauen interessiert?

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