Überflüssig wie ein Kropf – Fortsetzung

Gestern nach Unterrichtsschluss kam es nun doch noch zum großen Showdown. Hätte man sich denken können…
Natürlich war diesmal kein Lehrer weit und breit! Wir schmorten alle zu diesem Zeitpunkt in einer Konferenz und machten uns rein theoretische Gedanken über unsere Schüler, die sich inzwischen draußen ganz praktisch die Köpfe einschlugen.

Heute morgen stürzen meine Mädchen auf mich zu und schreien alle durcheinander.
Nur Azzize nicht, die sitzt scheinbar unbeteiligt mit Busenfreundin Leila an ihrem Tisch.
Aus der Geräuschkulisse schält sich langsam heraus, dass es gestern mächtig zur Sache ging…
„Sara ist mit ihre Freundinnen gekommen, mit ganz viele, mehr als zehn oder so und haben auf Azzize gewartet. Dann haben die beiden sich geschlagen, bis Schwester von Azzize kam.“ erzählt Gülten. „Und die anderen haben dann die Schwester geschlagen!“ ruft Esra und Necla ereifert sich: „Azzize hat ihren Vater angerufen und der kam auch noch und war voll sauer und dann hat der Sara geschlagen! Der Vater will Sara anzeigen.“
„Er hat sie nicht geschlagen!“ Azzize ist aufgesprungen. „Wie sie lügt!“
„Wer lügt?“ Neclas Augen funkeln wild. „Ich habs doch genau gesehen!“
„Leute, seid friedlich!“ Ich treibe die Mädel auf ihre Plätze. Ein bisschen Abstand kann nicht schaden!
„Und danach später am Bus haben die Freundinnen von Sara meine Schwester so hin und her gestoßen und danach sie haben ihr Kopftuch abgerissen.“ Azzize schäumt. „Das Kopftuch! Voll schlimm!“
„Na, wenn deine Schwester so großzügig Klatsche verteilt, kann ihr das schon mal passieren,“ sage ich. „Ich hoffe, sie lernt was draus!“
„Die lernt nix,“ sagt Necla, „die war doch schon Anti-Gewalt-Training.“
„Aber Frl. Krise, sie wissen ja noch nicht, Sara war auch noch an der Schule von meine Schwester, am Montag, wo wir hier vor der Schule waren und hat da Freundin von meine Schwester geklatscht! “ Azzize schüttelt ihre Fäuste.
„Und gestern kam auch Polizei! Und Sara will Azzize anzeigen! Und die Polizei haben uns andere gelobt, dass wir nicht mit geschlagen haben!“ berichtet Aynur.

„Und jetzt?“ frage ich. „Wie soll das weitergehen? Am besten setzen wir uns mit euch noch mal zusammen hin und besprechen…“
„Ist nicht nötig! Wir machen nichts mehr!“ beteuert Azzize. „Niemals! Ich schwöre! Und das war ja auch nicht in der Schule…geht die Schule also nichts an.“

Kurz darauf werde ich aus dem Unterricht zur Schulleitung gerufen. Da sitzt Sara. Sie hat um Hilfe gebeten, wird mir berichtet. Aha, typisch, der Konflikt, der „nicht in der Schule war“ soll jetzt von der Schule bereinigt werden. Wie immer.
Überhaupt Hilfe? Weshalb?
Wegen Azzize! Die habe angekündigt heute nach der Schule würden IHRE Freundinnen auflaufen, bestimmt zwanzig, um es den anderen mal richtig zu zeigen!
Ach nee! Ich bin echt platt! Gerade eben hat Azzize noch geschworen…. Das nimmt ja langsam Formen an!
Sara markiert das Lämmchen. Sie berichtet mit zitterndem kleinen Stimmchen, wie gemein die böse Azzize zu ihr war.
„Nur, weil ich ihr mein Stift wieder abgenommen hab‘!“ haucht sie. „Aber ich zeige sie an!“

Azzize wird nun auch noch geholt. Dann beginnt die Krisensitzung.
Allerdings ohne Frl Krise.
Die entfernt sich – muss eine Arbeit schreiben in der Neun. Das macht echt mehr Spaß.

Allerdings weiß ich jetzt nicht, wie’s ausging…

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34 Antworten zu Überflüssig wie ein Kropf – Fortsetzung

  1. Johannes schreibt:

    Der Staatsanwalt wird’s regeln. Ganz bestimmt, da können Sie drauf vertrauen.

    Nur lösen wir das nichts.

    • 4enno schreibt:

      Gar nix wird der Staatsanwalt. Das bekommt irgendeine blutjunge Amtsanwältin, schaut da gelangweilt drüber, schaut auf den Stapel links, den Stapel rechts, erinnert sich schmunzelnd an die Worte des alten Biolehrers, der immer sagte: „Nichts vermehrt sich schneller als Meerschweinchen und Aktenberge“ – und stellt die Sache ein.
      Alleine die Zeugenbefragung bringt so viele unterschiedliche Aussagen, dass sowas nur eingestellt werden kann.
      Schade eigentlich.

      • Johannes schreibt:

        Das wird nach Nachnamen des Beschuldigten sortiert, nicht nach Alter des Bearbeiters 🙂 Und im Vorverfahren wird es allenfalls eingestellt, wenn die beiden noch nichts auf dem Kerbholz haben.

      • frlkrise schreibt:

        Oh no, das läuft hier anders…!

      • 4enno schreibt:

        Schon, nach Nachnamen. Natürlich. Ist hier in Berlin auch so. Einer für A-X,Z und zwei für Ü, Y.*
        Allerdings wird die Tat kaum nachweisbar sein. Die Eine sagt, die andere war’s, die Andere sagt, die Eine hat zuerst geschlagen, jede der Freundinnen behauptet etwas ähnliches, egal auf welcher Seite stehend und es endet damit daß der Vater 15,- Euro wegen ner OWi zahlt, weil er während der Klärung im Halteverbot stand. Das ist doch immer so, egal wie oft einer von den beiden schon auffällig wurde, da ja wohl der Streit auf Gegenseitigkeit basierte.
        Da könnte man aber im Rechtssystem auch nachbessern: Pauschal 10 Arbeitsstunden für die Hauptbeteiligten und jeweils 5 für alle, die drum herumstanden. Entweder lernen die es dann, oder kommen vor lauter Gassigehen-mit-Tierheim-Hunden nicht mehr dazu, vor der Schule zu warten.

        * Dieser Satz enthält eine satirische Aussage.

    • rhadamanthys schreibt:

      Die Staatsanwaltschaft mag ja vielleicht ermitteln, aber was kommt dabei raus?

      http://www.ksta.de/html/artikel/1328540373173.shtml

      „Ein 15-jähriger Hauptschüler hatte einen Mitschüler auf dem Schulhof erschlagen. Die Richter am Kölner Landgericht sprachen den Jungen der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Das Urteil nach Jugendstrafrecht: zwei Jahre auf Bewährung.“

  2. 4enno schreibt:

    Hmmm….

    das stimmt nachdenklich. Ich sollte das auch mal ausprobieren, 20 Leute anrufen: „Ey Leute, gibt Schlägerei! Direkt vor Haustür bei mich. Weissu noch, wo mein Haus wohnt?“ und wenn dann alle da sind: „Schlägerei? Hab ich Schlägerei gesagt? Ich meinte Umzug. Aber jetzt, wo ihr schon mal da seid…“

    Azzize und Sara sind in vier Wochen beste Freundinnen. Wirste sehen, Frl. Krise. Die schaffen das!

    und hauen dann gemeinsam Leila, oder so 😉

  3. Olaf schreibt:

    Das einzige, worum es wohl nicht gehen dürfte, ist der Stift, der aus dem Fenster geflogen ist.
    Für alles andere bin ich vermutlich zu dröge (trocken) norddeutsch. Was für ein Streß…
    Unglücklich, daß auch die Eltern bzw. Väter wie die Kinder agieren.
    Unsereiner hat sich (vor vierzig Jahren) in der achten Klasse auch noch mal vereinzelt gerauft oder um etwas gerungen (nicht „geprügelt“). Das ganze aber allein und diskret, unter „Männern“ 😉 – und dann war gut. Vor allem gab es kein hysterisches Nachtreten und auch keine Fortsetzung. Danach konnten sogar gute Freundschaften daraus werden. Wurden es sogar auch.

    • christjann schreibt:

      mir gefällt auch am wenigsten, dass bei so einer Kleinigkeit gleich Väter mitmischen und vielleicht oder auch nicht Mädchen schlagen… wenn es so weiter geht, dann kommt gleich der Gegenvater und schlägt den Vater… statt dass sie irgendwie Ruhe reinbringen. Wegen eines Stiftes!

  4. RogueEconomist schreibt:

    Ähem. Irgendwie ist mir zwischendurch abhanden gekommen wer hier welche Schwester mit wessen Freundinnen geklatscht hat… Wie auch immer. Aber da zeigt sich wieder, dass handfeste Konflikte sich an Banalitäten entzünden können.

  5. Emanuel schreibt:

    Ach was sind Mädels in dem Alter kompliziert. Wenn ich damals mit wem ein Problem hatte sind wir rausgegangen auf die Blutwiese und habens Mann gegen Mann ausgetragen bis die Sache durchbesprochen und ausdiskutiert war.
    Meine Eltern hätten mir die Löffel langgezogen wenn ich sie mit sowas konfrontiert hätte.
    Sowieso scheinen wir Österreicher da anders zu sein: Ich hatte einmal ne ziemlich üble Schlägerei in der Disco mit dem Ergebnis das wir (Kontrahent und ich) zwei Stunden später die Schmerzen gemeinsam im Bier ertränkt haben.

    • Olaf schreibt:

      Lieber Emanuel – so unterschiedlich oder anders scheint das alles nicht zu sein.
      Eher unkomplizierter unter Jungen.
      Siehe 29.02.1012, 07:48 h…
      Ja – so ging das damals noch zu, nicht unbedingt österreichspezifisch… 😉
      Und meine Eltern haben das alles auch nicht erfahren.
      Beste Grüße aus Hamburg

  6. schloertenaehtwas schreibt:

    …wenn ich das so lese…
    Ich mag nicht mit Ihnen tauschen, liebes Frl. Krise. Ich drücke Ihnen die Daumen und hoffe, dass sich doch noch alles zum Guten wendet!

  7. Jürgen schreibt:

    Die Vorfälle wirken natürlich in die Schule hinein. Aber wir befassen uns auch zu oft mit Sachen, die wir nicht lösen können.

  8. Nik schreibt:

    Cliffhänger vom Feinsten…

    Bleiben wir gespannt, wie das weitergehen wird. Denn weitergehen wird es.

  9. Der Herr Kollege schreibt:

    … ist doch egal wie’s ausgeht – ist doch sowieso immer das Gleiche…

    … ich erinnere mich da an ein Vorstellungsgespräch an einer Realschule in der Kölner Innenstadt vor gut zehn Jahren: Da lauerte die gesamte Pennälerschaft vor dem Schultörchen auf eine Gang aus Mühlheim, die – womöglich wegen ähnlicher Nichtigkeiten wie einem Stiftchen – den linksrheinischen Kinderlein Blutrache geschworen hatte. Im Lehrerzimmer huschte eine darob aufgebrachte Pädagogenschar hilflos umher und wartete auf die Polizei – zwischendurch wurde noch die Frage erörtet, was man denn nun mit den drei Fünftklässlern anfangen solle, die man mit der Huka auf dem Schulhof erwischt hatte – schließlich behaupteten die lieben Kleinen ja halsstarrig, sie hätten nicht inhaliert…

    Wie auch immer: Ich hätte den Job haben können – wollte aber nicht.

    Sollen sie sich getrost gegenseitig ausdünnen…

    Ich für meinen Teil mag mich mit sowas jedenfalls nicht abgeben – nicht für viel Geld (… und schon gar nicht für zu wenig…).

    Schließlich muss man wirklich nicht jeden liebhaben.

    Wenn man’s kreativ angehen wollte, wäre mein Vorschlag für das nächste Schulfest:
    Käfigkämpfe organisieren – der Erlös könnte einem guten Zweck zugeführt werden…

    Gruß in den Moloch

    … der ma‘ widder foll unmänschlische Herr Kollege uss Kölle

    • michael schreibt:

      > Käfigkämpfe organisieren – der Erlös könnte einem guten Zweck zugeführt werden…

      Warum nicht gleich SchlammCatchen mit dem Herrn Kollegen als Schiedsrichter ?

      • Der Herr Kollege schreibt:

        … ach, Schlammcatchen ist nix für mich,…

        aber es gibt zuweilen Tage, da stiege ich freiwillig mit in den Käfig…

  10. wortklaubereienundmehr schreibt:

    Und ich habe gedacht, Mädchen in diesem Alter klauen sich Haarspangen, oder so. Aber prügeln?

    • frlkrise schreibt:

      Viel mehr Kinder als man denkt machen Gewalterfahrungen in der Familie und lösen ihre Konflikte eben auch auf diese Weise…

      • 4enno schreibt:

        Das ist doch aber irgendwann verboten worden, die Pänz zu verprengeln, oder?
        Ich verstehe nicht, weshalb das noch nicht bei allen angekommen zu sein scheint.

        Das Problem bestand übrigens schon zu meiner Schulzeit. Es gab einige gewaltnahe Familien, deren meist (jedoch keinesfalls ausschliesslich!) kinderreiche Brut sich prügelnd mit der Umwelt verständigte. Einige davon landeten früher oder später für kurz oder lang „in Plötze“, wie die örtliche Jugend-JVA gerne genannt wird.
        Allerdings war das Verhalten wenig verbreitet. Vielleicht 5%, maximal?

        Der Rest hat sich nur gepflegt – wenn überhaupt – mal gegenseitig eine runtergehauen – dann war’s das aber auch.

      • Ulla 39 schreibt:

        …und deshalb, liebe Krisi, fürchte ich, daß diese Kämpfe nicht aufhören werden, weil wir nicht an die Eltern herankommen…es ist ein Jammer

    • michael schreibt:

      Ja, man soll sich da nicht vormachen. lieb und brav war mal.

  11. BOWMORE Darkest schreibt:

    Jeden Tag etwas Neues. Interessanter Job. Voll die Muckibude.
    C.H.

  12. Frau Päd. schreibt:

    Mir kommt die Story von dem Mädchenkrieg echt bekannt vor und solche Streitereien stehen wohl desöfteren auf der Tagesordnung. So ein öffentliches Schauspiel ist mir persönlich lieber als hinterhältiges
    Gemobbe, was man erst nach
    Monaten mitbekommt. Ich tippe übrigens auch, dass die beiden Mädchen sich demnächst zusammentun und ein anderes Mädchen wegen einer anderen Kleinigkeit ( Kajalstift oder so) fertigmachen. 🙂

  13. Inch schreibt:

    Naja, gehauen haben wir uns früher auch, das stimmt schon. Aber danach war auch gut. Da gabs nicht so ein morgen komme ich mit allen meinen Freunden, übermorgen muss ich mich dann vor all Deinen Freunden in Acht nehmen. Also dieses Rachdingens.
    Und ob Staatsanwalt oder blutjunge Amtsanwältin, 4enno, ist völlig Wurst, weil weder der eine noch dar andere die Ursache beseitigt. Und das ist doch das Grundübel unserer Gesellschaft: Da wird lieber noch ein Jugendknast gebaut, statt das Geld in der Vorbeugung einzusetzen. Auch Kinder aus gewaltnahen Familien haben eine gewisse Chance. Oder hätten sie, wenn wir als Gesellschaft uns grundsätzlich mehr um Kinder und Jugendliche kümmern und sorgen würden.

  14. Lily schreibt:

    Ich sehe (wohl eher: Höre) diese Seite der Welt nur morgens im Bus. Wobei da nicht so voll krass dialektet wird, aber die Inhalte sind ähnlich. Allerdings sind es hier meist die 10-11 jährigen Knaben, die da ähnliche Kreuzzüge ankündigen. Zum Glück sind die meisten etwas älteren Kids um die Zeit noch nicht wach, und haben nur ihren Avatar in den Bus geschickt, so dass man von denen nur das Gepiepse ihrer Lebenserhaltungsysteme (vulgo Smartphones) hört.

  15. maldrueberreden schreibt:

    Das nimmt ja wirklich kriegsähnliche Zustände an… Vielleicht wäre mal eine Klassenfahrt zum Weißen Ring o.Ä. drin, um die Schüler mal in direkten Alltag über Gewalt zu unterrichten. Na ja, andere Vorschläge zur Gewaltprävention aus meiner Schulzeit sind leider nicht mehr zeitgemäß, weil abschreckend und wirkungsvoll. Vielleicht mal ne Jugend JVA besuchen, wäre vielleicht ein Vorschlag.

  16. Britta M. schreibt:

    Als nächstes kommen Brüder und Onkels (und deren Brüder, usw.) mit Dönermessern. Dann wird es ganz spaßig…

  17. christaschule2010 schreibt:

    Also doch Gekloppe! Schade eigentlich! Im Anschluss an „Frau Päd.“ – in dem Alter wechseln Sympathien und Antipathien so schnell, da könnte das Gemobbe einer dritten wirklich das nächste Thema sein.
    Auf eine bessere Zeit!

  18. Sisi schreibt:

    Und das Schlimmste ist: WIR wissen auch nicht wie es ausgegangen ist…. Voll die Straßengangs bei euch!

  19. KC schreibt:

    ja, aber bevor sich die beiden miteinander verbrüdern, wird einer von beiden bestimmt noch die Haare abgeschnitten, oder solche Späße.

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