Neuigkeiten…

„Deine Mutter ist schwanger, Jasmin?“ Ich bin platt. Die war doch erst neulich in der Schule und ich habe das nicht bemerkt. Na gut, sie trug einen weiten Mantel. Abgesehen davon dachte ich auch, sie sei aus dem gebärfähigen Alter heraus…
Jasmin lacht. „Die war! Und die war doch voll dick!“ sagt sie.
„Hm, ist mir nicht so aufgefallen. Erzähl doch mal! Ist das Baby da?“ will ich wissen. Jasmin hat gestern gefehlt, sie hat angerufen, dass sie nicht kommen kann, weil ihre Mutter ins Krankenhaus muss und sie auf die Geschwistern aufpassen soll.
„Da gibt’s nich viel zu erzählen.“ Jasmin zuckt mit den Achseln. „Ging morgens um sechs los, oder nee, war noch früher… Mein Vater kam in mein Zimmer. Oh, Mann es war noch voll dunkel, ich hatte kein bisschen Lust aufzustehen. Ich hab noch voll geschlaf…“
„Jasmin! Das interessiert mich nicht! Was ist mit dem Baby?“
Jasmin sieht mich verständnislos an. „Was soll sein mit dem Baby?“
Himmel, kann das sein? Was ist mit der los? Ich frage nochmal: „Ist es da, das Baby?“
Jasmin nickt. „Ja, ist da!“
„Und was ist es, Junge oder Mädchen?“
„Mädchen.“
„Mensch, Jasmin, du lässt dir aber die Würmer aus der Nase ziehen. Wie heißt es denn?“
„Weiß ich nicht. Es kam doch zu früh!“ Jasmin guckt gelangweilt in der Gegend herum.
„Ach jeh, zu früh! Wieviel denn zu früh?“
„Ich weiß nicht genau, ich glaub vier Wochen.“
„Ist alles in Ordnung mit dem Kind?“ Ich fasse es nicht, wie gleichgültig Jasmin ist.
„Ja, aber wir gehen erst heute hin. Gestern durften wir nicht!“
„Freust du dich nicht?“
Jasmin guckt mich verständnislos an. „Wir sind das gewöhnt,“ sagt sie.
„Ihr seid was gewöhnt?“ Jetzt stehe ich auf der Leitung.
„Baby. Wir haben doch erst vor zwei Jahren…!“ Jasmin gähnt.
„Wieviel Kinder habt ihr denn?
„Sechs“, sagt Jasmin, „also sieben jetzt.“
Meine anderen Schüler interessieren sich nicht für unser Gespräch. Die meisten leben in kleineren Familien. Zwei bis vier Kinder sind die Norm.

„Wie alt ist eigentlich deine Mutter?“ möchte ich wissen.
„Zweiundvierzig.“
„Sag ihr schöne Grüße und herzliche Glückwünsche!“ Jasmin nickt. Jasmins Mutter ist übrigens Biodeutsche, ihr Vater Araber.
Mathab mischt sich in unser Gespräch ein. „Wir haben auch sieben,“ sagt sie, „aber wollten wir nicht, die letzten waren Drillinge!“
„Drillinge!“ Ich falle fast in Ohnmacht.
„Zwei Jungen und ein Mädchen!“ sagt Mathab.
„Die kamen doch sicher auch zu früh?“ frage ich.
„Nö, ganz normal!“ Jetzt ist Mathab genauso emotionslos wie vorhin Jasmin.
„Wie groß ist denn dein Schwesterchen und wie schwer?“ wende ich mich an Jasmin.
„Keine Ahnung. Habs ja noch nicht gesehen!“
Ich gebe es auf. Aus denen ist ja nichts rauszubekommen.
Aber vielleicht ist es auch wirklich für die Geschwister keine besondere Freude, wenn in einer Drei- oder Vierzimmer-Wohnung mit acht Personen noch ein Kind auf die Welt kommt…

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30 Antworten zu Neuigkeiten…

  1. ullli23 schreibt:

    Aber es war ja auch noch krass früh und so dunkel draußen… 😉

  2. michael schreibt:

    > Ich gebe es auf. Aus denen ist ja nichts rauszubekommen.

    Frl.Krise ist einfach zu neugierig.

    >Vielleicht ist es auch wirklich für die Geschwister keine besondere Freude,

    Wohl wahr. Kein eigenes Zimmer, immer Krach und alles dreht sich um die Babys. Warum sollten Jasmin und Mahtab begeistert über weitere Geschwister sein?

    • Ulla 39 schreibt:

      Wenn ich gehässig bin – und das bin ich jetzt mal – dann müssen die älteren Schwestern sich um die jüngeren Geschwister kümmern (vielleicht nicht bei einer bio-deutschen Mutter), aber sonst… Warum sollen die sich also über Zuwachse freuen?

      • michael schreibt:

        > vielleicht nicht bei einer bio-deutschen Mutter

        Auch da. Geht ja auch nicht anders, wenn die Mutter mit den Kleinkindern beschäftigt ist.

      • krizzydings schreibt:

        vielleicht nicht bei einer bio-deutschen Mutter

        was war das denn für ein unüberlegter spruch?
        auch in einer „normalen“ deutschen familie werden die älteren geschwister zur hilfe genommen…was spricht denn eigentlich des deutschen meinung nach dagegen? Solange diese auch mal privatsphäre genießen dürfen und vor allem (und das ist der wichtigste faktor) alle grundbedürfnisse (schlaf, ernährung,hygiene, platz) gedeckt sind…

        Meine ehemalige klassenkameradin ist tochter eines grundschulleiters und einer selbständigen (SportStex) Yogalehrerin die haben insgesamt 7 Kinder und die zwei grossen schwestern müssen kräftig mit anpacken, sind aber trotzdem sehr glücklich über jeden familienzuwachs…die unzufriedenheit liegt vlt. an mangelnder zuwendung, platz und geldsorgen…aber das nichts mit der nationalität der mutter zu tun

  3. 4enno schreibt:

    Ja das ist aber auch hart – Drillinge! Ich meine Zwillinge sind schon übel, aber da kann man noch eins links und eins rechts… Aber bei Drillingen?
    Ich meine wer schon Sechs hat und ein Siebtes will – okay.
    Aber wer grade so vier hat und „naja, vielleicht noch so ein kleines Süßes“ und – ZACK! – brauchste nen Anhänger für den T5-Bus…
    Gratuliert man da eigentlich?
    @Mahiat: verkneif‘ es Dir. Ich habe nix gesagt…

  4. KC schreibt:

    In dem Alter ist wahrscheinlich kaum einer begeistert, wenn er noch ein kleines Geschwister kriegt, denk ich mal. Da wird man die nur nervig finden, weil man mit denen überhaupt nichts anfangen kann und bestenfalls der billige Babysitter sein darf, wenn die Eltern mal keine Zeit haben.

  5. Artur schreibt:

    Ungünstig, wenn man benachteiligt situiert ist. In meinem Elternhaus haben früher drei Familien gleichzeitig gewohnt. Die spätere Stube diente dabei Eltern, Tochter und Verlobem zugleich als Wohn- und Schlafzimmer; mag man sich gar nicht vorstellen. Als ich sie später kennenlernte, wirkten sie aber sehr anständig.

  6. kingkenny7 schreibt:

    Ich glaube, ich wäre auch nicht vor Begeisterung ausgeflippt, wenn ich schon so viele Geschwister hätte, aber viel wichtiger: Gibt´s noch eine Fortsetzung von der Geschichte gestern?

  7. Jürgen schreibt:

    Bei uns sind so große Familien auch nicht gerade selten.

  8. Wendy schreibt:

    Oh – ich kann die mangelnde Begeisterung auch verstehen. Es fängt als Teenie doch schon damit an, sich vorzustellen, daß diese „uralten“ Eltern tatsächlich noch…… SEX haben! Und was bedeutet so ein Baby – daß man für noch eins (oder zwei oder drei) mehr babysitten soll und das Geld noch knapper ist und wieder Windeln im winzigen Bad rumliegen…..

  9. Despicable Me schreibt:

    Sorry, wenn ich nachfragen muss, aber was ist eine Biodeutsche?

  10. Problemschüler schreibt:

    …so ein Geschwisterchen, welches sämtliche Aufmerksamkeit (die eh schon rar gesät ist) auf sich zieht, ist verständlicherweise nun wirklich kein Grund zur Freude. 😉

  11. krizzydings schreibt:

    jeder neue Weltenbürger ist die Freude wert.

    • 4enno schreibt:

      solange nicht sieben davon einem die Einrichtung beim Spielen in Schutt und Asche legen.

      Außerdem ist das Ansichtssache, Zimmer teilen ist bei Jugendlichen ja ungeheuer beliebt, habe ich mal jemanden sagen hören. Diese Ansicht ändert sich später, da ist das schon in Ordnung 😉

  12. paule t. schreibt:

    Ach, es muss ja gar nicht sein, dass das Mädchen es doof findet, noch einen Konkurrenten mehr um Elternaufmerksamkeit, Platz in der Wohnung u.dgl. zu haben oder möglicherweise öfter Babysitter spielen zu müssen. Das ist mit der mangelnden Aufregung und Begeisterung, die aus dem Dialog deutlich wird, ja noch nicht gesagt.
    Es hat halt nur nicht den Neuigkeitswert, den es für ein Kind hat, das das erste Geschwisterchen kriegt.

  13. EDVler schreibt:

    Jungere Geschwister, das weiß ich aus eigener Erfahrung, werden erst dann interessant, wenn man sie für 50 Pfennig das Fahrrad putzen lassen kann oder im fairen Tauschhandel sonstige eher ungeliebten Aufgaben erledigen lässt: hier geh mal an Kippenautomat oder hol doch mal ne Limo ausm Keller.. Vorher sind die doch eher störend. Und nur paar Jahre später isses dann wieder nix, wenn das Brüderchen zwar zum Kippenautomat geht, aber dann die halbe Schachtel mopst, das Fahrrad putzen plötzlich 5,- Euro kosten soll von wegen Mindestlohn und so.. und die Diskussionen um Ausbeutung, Sklavenarbeit etc. plötzlich lästiger werden als selber schnell in den Keller zu schlappen..

    • yourmummy schreibt:

      … oh EDVler, das hast du schön auf den Punkt gebracht! Genau so isses! Ich hab nur ein Geschwister, das war lange ersehnt und als es dann da war die pure Enttäuschung, das plärrende Ding! Dann kamen die Phasen, die du beschreibst und jetzt ist es schon seit Jahren meine allerliebste Schwester, die ich um nichts in der Welt missen möchte! Um zu diesem Verhältnis zu kommen, mussten wir aber beide erst mal die Pubertät hinter uns lassen… Insofern versteh ich die Mädels, die auf neue Geschwister nicht so begeistert reagieren, wie es den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht.

  14. Mascha schreibt:

    Also erstmal muß ich sagen RESPEKT, daß die Mutter mit 42 Jahren noch ein Kind bekommen hat…Wahnsinn…und ich mach mich jetzt schon verrückt wegen der biologischen Uhr….so wie ich das hier lese, kann sie noch locker über 10 Jahre weiterticken…Puh…
    Naja, ich kann natürlich nicht verstehen, warum man so gleichgültig sein kann, wenn ein Geschwisterchen geboren wird…aber naja, bei so vielen Geschwistern….hmm, und ehrlich gesagt, wer kann sich heutzutage leisten 6-7 Kinder zu haben??!! Ob aus all denen was wird…..ich weiß nicht….

  15. maldrueberreden schreibt:

    Na ja. Das da keine große Begeisterung da ist, kann ich ja verstehen. Mehr Arbeit, Geschrei und Konzentration auf das neue Geschwisterchen…. Aber, wie Frl. Krise richtig bemerkte, sollte Interesse am Wohl und der Gesundheit von Mutter und Geschwistern vorhanden sein. Sprachstile wie „Biodeutsche“ scheinen für eine Pädagogin wohl eher „untypisch“ zu sein. 😛 Manchmal seint es so, als ob ihre „Schützlinge“ Sie kommunikativ „assimiliert“ haben…

  16. RogueEconomist schreibt:

    Ich bin peinlich berührt. Irgendwie. Aber ob meiner selbst. Da setzt eine Familie das siebte Kind in die Welt, und ich selbst denke bei noch nichtmal einem vorhandenen Kind über Themen wie die Finanzen nach. Oder das ich in der jetzigen Wohnung wohl auf mein Arbeitszimmer mit den unzähligen Büchern verzichten müsste… Und ich verdiene sicherlich einen Tacken mehr als Jasmins Vater. Man sitzt als DINK schon irgendwie auf einem hohen Ross.

    • Mullewop schreibt:

      Peinlich berührt? Weshalb denn? Weil Sie sich über genau die Dinge Gedanken machen (Finanzen), die anderen egal zu sein scheinen? Ich bin sogar ein SINK (Single Income, No Kids) und muss mir so manche Ausgaben zweimal überlegen. Wenn ich dann sehe, in welche finanziellen Zustände manche Leute Kinder setzen, kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

  17. Ulla 39 schreibt:

    @krissydings: Was ich meine, ist das System „abla“, ältere Schwester in der türkischen Familie, was der „normale“ Deutsche nicht kennt, d.h. derjenige, der mehr oder weniger von außen auf türkische Familien sieht. ( Ich kenne seit fast 50 Jahren die Außen- und die Innenansicht, daher!)
    Statt „BioDeutsche“, Wurzeldeutsche oder Deutsche ohne Mh könnten wir vielleicht schreiben: eine DoMh? !Auf Abkürzungen kommts in der Computersprache wohl nicht mehr an.
    Abla in positivem Sinn wird übrigens für Mentorin, Agabey ( älterer Bruder) für Mentor gebraucht.

  18. hajo schreibt:

    Frl Krise, wenn erst mal zwei Kinder da sind, kommt es auf die wieteren auch nicht mehr an.
    Fazit: eigentlich uninterresant, bis zum Alter, wo man mit den Kleinen angeben kann oder (sehr viel später) wenn sie zu verschiedenen „Diensten“ gut sind 😀

  19. ich hätte eine technische frage zum blog. finde leider keine andere kontaktmöglichkeit.

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