Die Zahl des Tages

Emre reicht mir ein Attest. „Ist von vorgestern,“ erklärt er mir, „ich war Arzt.“
„Mein Gott,“ sage ich, „was ihr immer zum Arzt lauft! Unfassbar! Jeden zweiten Tag!“
„Ich musste! Wegen Blut!“
Ich sitze am Pult und schichte die Deutscharbeiten aufeinander. Emres Arbeit liegt ganz oben. Die erste Aufgabe ist unvollständig, das sehe ich schon.
„Ich habe voll viel geübt“, sagt Emre, „aber das mit dem Reim wusste ich nicht, also aa und bb und so!“
„Frl. Krise!“ Necla drängelt sich vor Emre. „Denken Sie nicht, ich bin dumm, wenn Sie meine Arbeit lese! Ich habe ganz viele Aufgaben nicht! Ich hatte keine Zeit, ich habe nicht geübt!“
„Frl. Krise!“ Emre ist auf einmal wie elektrisiert. Er schiebt Necla beiseite.
„Ich muss Ihnen noch was erzählen!“
Es hat geklingelt und die Schüler verlassen langsam die Klasse.
Nur Emre und Ömür bleiben noch vor mir stehen.
„Ich war doch gestern Arzt. Da hat der mich zu einem anderen Mann geschickt. Der hat gesagt, ich bin hochbegabt!“ Emre ist ganz aufgeregt.
„WAS???“
„Ja, der hat so Test gemacht. Ich hab 130!“
„Hundertdreißig WAS?“
„Intelligenz! Ich bin hochbegabt!“

Ich sehe Ömür an und Ömür sieht mich an.

„Hochbegabt!“ sagen wir wie aus einem Munde.

„Ja, der hat gesagt, die normalen Leute haben so 80 bis 90 und ich habe 130!“
„Moment mal, Emre, was für ein Test war das?“
„Da waren fünf Leute und wir mussten so Fragen beantworten…hat lange gedauert und hinterher hat der Mann gesagt, ich habe 130.“
„Hmmm…130!“ Ömür wackelt mit dem Kopf. „Da wärst du aber an eine andere Schule, wa, Frl. Krise?“
„Warum haben die denn den Test mit dir gemacht, Emre?“ Ich verstehe das alles nicht…
„Keine Ahnung!“ Emre sieht mich hilflos an.
„Hast du das Ergebnis schriftlich?“ frage ich.
„Nö!“
Ömür hat inzwischen seine Stulle ausgepackt und reingebissen.
„Aber die Reime konntest du nicht, war doch voll leicht, wa, Frl. Krise? “ Er spricht so undeutlich, wie man eben mit vollen Backen spricht.
„Mann, Ömür, man muss doch nicht in jeder freien Minute essen!“ Eines Tages wird er platzen, denke ich und jetzt auch noch ein Hochbegabter….
Ich nehme meine Arbeiten und wir trudeln die Treppe runter. Aus Emre bekomme ich nichts Verwertbares mehr heraus…

Im Lehrerzimmer erzähle ich Frau Schaum und Frau Herz, was mir Emre gerade erzählt hat.

„130…!“ sage ich, “ Angeblich!“
„Aber was….?“ sinniert Frau Herz

„Bestimmt Blutzucker!“ sagt Frau Schaum und rührt energisch in ihrem Kaffee.

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96 Antworten zu Die Zahl des Tages

  1. Minou schreibt:

    😀
    Jap, das wirds sein.

  2. Mrs. Porcelain schreibt:

    hehehe Emre ist gut! aber haben die meisten Menschen nicht eher einen IQ-Wert so zwischen 85 und 110? nicht 80 / 90? wer weiß, was er hat – 130 – vielleicht einen zu hohen Puls?

  3. Marco schreibt:

    Ach, sowas, und ich hab das hier für authentisch gehalten.

  4. rotezora schreibt:

    Könnte auch der Blutdruck gewesen sein, dann allerdings müsste man sich Sorgen machen in seinem Alter. Aber warum eigentlich nicht IQ? Emre ist doch ein helles Kerlchen? Unklar ist nur, warum ein Allgemeinmediziner einen Intelligenztest veranlassen sollte, und wer ihn durchgeführt haben könnte. Ich hoffe auf Aufklärung.

  5. Inch schreibt:

    Ja, ich bin jetzt auch etwas verwirrt

  6. Olaf schreibt:

    Das klingt eher nach Blutdruck – für einen pubertären jungen Helden nicht gerade ein optimaler Wert (als erstes für die Systole, danach kommt dann ein „/“ für die Diastole – oder so), aber soo dramatisch klingt es mit 130 noch nicht. Ab 140+x wird es eher stressig.
    Hoffentlich wird es das dann nicht wirklich.
    Hätte mein Blutdruckwert von vor einem Jahr (Streß/ burn out) etwas mit Intelligenz zu tun gehabt, dann wäre Albert Einstein für mich damals bestenfalls als Pizzabote geeignet gewesen.
    Na ja – alles Beste in Ihre Stadt für alle Bewohner und Schüler.

  7. fraufreitag schreibt:

    tippe auch auf blutdruck

  8. kingkenny7 schreibt:

    Nein, nein, nein. Der Test hatte 131 Fragen und er hatte halt 130 Fehler. Ist doch ganz klar…

    Übrigens finde ich Ihre gestrige Überschrift „Der letzte Auftritt“ in Anbetracht heutiger Ereignisse ziemlich prophetisch. Wer noch nicht genug vom Thema Wulff hat: http://ziegenhodensuppe.wordpress.com/2012/02/17/der-arme-wulff-und-die-bosen-medien-vorerst-letzter-teil/

  9. Fräulein Müller-Meier-Schulze schreibt:

    Verwunderlich ist das Wort „hochbegabt“. Woher sollte Emre das kennen, wenn es der Artzt nicht kurz zuvor gesagt hat? Oder der Artzt hat einen Scherz auf Emres Kosten gemacht. Mir hat auch mal eine Schülerin gesagt, sie wurde getestet , immerhin bei „der Psychotante“ zu der unsere Schüler bei unaufhörlichen Problemen immer müssen. Demnach sei sie „Hyperintelligent oder so ähnlich“, die Zahl hatte sie aber vergessen. Bei unseren Problemschülern kommt übrigens nicht selten ein überdurchschnittliches Ergebnis heraus. Das sind aber nicht selten auch die, die sich noch nicht einmal zur ärtztlichen Untersuchung ins Gymnasium trauen, weil sie denken, dort gemobbt zu werden, oder die, die ihren Joint im Unterricht rauchen und den Lehrer anraunzen, er möge jetzt mal leise sein, damit sie in Ruhe chillen können (Okay leicht übertrieben, aber wirklich nur leicht).

    • Frau X. schreibt:

      Sorry, Fräulein Müller-Meier-Schulze, als Lehrerin sollten Sie aber wissen, wie man Arzt und ärztlich schreibt! Jaja, ich weiß, Orthographie wird heutzutage völlig überbewertet und man kann weder von Abiturienten noch von Hochschulabsolventen eine orthographisch korrekte Bewerbung erwarten, immerhin wird mir ja soviel Intelligenz zugetraut, daß ich die Bewerbung zumindest richtig interpretieren kann. Aber so als Lehrer hat man doch eine gewisse Vorbildfunktion, oder wird das auch überbewertet? Allerdings sollte man sich dennoch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, sonst könnte man als Pausenaufsicht Probleme bekommen 🙂

      • Fräulein Müller-Meier-Schulze schreibt:

        Das mit der Rechtschreibung verstehe ich ja noch, aber was Sie mit Bewerbung interpretieren, aus dem Fenster lehnen und der Pausenaufsicht meinen nicht. Könnten Sie sich bitte etwas differenzierter Ausdrücken?

  10. GG schreibt:

    „Hundertdreißig WAS?“ – Bin auch gespannt!

  11. Soundcheck schreibt:

    Es gibt Lehrer die das Wort hochbegabt, insbesondere aus dem Mund von Eltern, nicht mehr hören können.

  12. Jürgen schreibt:

    Blutdruck, Blutzucker, Kilo, Bauchumfang, Körpergröße, € Taschengeld im Monat, Freunde auf Facebook…

  13. Lieblingsschüler schreibt:

    Ich gebe zu, ich bin verwirrt.
    Wie kam es zu diesem Test? Warum beim Hausarzt? Und warum waren da noch andere Personen? Und warum 130??? Fragen über Fragen…bitte erlösen Sie mich!

    130 ist übrigens genau die Grenze zur Hochbegabung, bitte nicht übertreiben 😉

  14. Kejo111 schreibt:

    130 *Minuten* brauchte er für den Test. Andere 80 – 90.

  15. michael schreibt:

    > Denken Sie nicht, ich bin dumm,

    Grottenschlechte Arbeit abliefern, aber nicht für dumm gehalten werden wollen. Unmöglich!

  16. Croco schreibt:

    Hochbegabt gilt bei mir nur schriftlich.
    Alle anderen Aussagen von Eltern oder anderen Berufenen gilt es mit Distanz und zunehmendem Misstrauen zu beäugen.
    Ich hab übrigens noch nie ein Gutachten gesehen.

    • Susann schreibt:

      Nett finde ich dann immer das Label „Hochbegabter Minderleister“. Wie heißt es doch gleich? Genie ist 10% Inspiration und 90% Transpiration. Hochbegabt nutzt Uin der Schule) auch nicht viel, wenn die 90% Transpiration nicht aufzubringen sind.

    • Anka schreibt:

      Vielleicht weil man das nicht bekommt.
      (Vielleicht auf Nachfrage, aber das weiß ich nicht)
      Ich bin so eine Mutter und ich habe so ein Kind. Der Test wurde im Rahmen einer Diagnostik gemacht. Ohne dass wir es zuvor wussten. Das Ergebnis gab es bei einem Arztgespräch.
      Wie hier schon gesagt wurde, sagt das aber lediglich etwas über die kognitiven Potentiale aus, aber nichts über die Schulleistungen.
      Die sind von so vielen Faktoren abhängig, also: Wer weiss?
      Lediglich der Gruppentest irritiert mich ein wenig.

      • fast-wurzelkind schreibt:

        na, die haben den Test in der Gruppe gemacht, was der eine nicht wusste, hat er von dem anderen genutzt niest… haha

  17. zat schreibt:

    Er saß wohl im Wartezimmer und hat dort in irgendeinem Wartezimmerlesezirkelblatt einen Artikel über unerkannte Hochbegabte gesehen. Das hat ihn tief beeindruckt. Und in dem Artikel stand auch, wie das so abläuft: der Arzt schickt den unerkannten Hochbegabten zu einem anderen Mann, der einen langen Test macht. Und dann ist der unerkannte Hochbegabte plötzlich ein erkannter Hochbegabter und alle Probleme der Welt lösen sich in Wohlgefallen auf.
    Und neben dem Artikel war bestimmt eine Frage abgedruckt, die nur Hochbegabte mit IQ 130 beantworten können. Und darunter stand die Auflösung. Und Emre hat sich gedacht: Wenn man mich das gefragt hätte, dann hätte ich das ganz bestimmt beantworten können.
    Und dann hat Emre mit Bedauern festgestellt, dass er ungerechterweise immer noch ein unerkannter Hochbegabter ist und er hat sich überlegt, wie er das ändern kann. Aber wenn man IQ 130 hat, ist das kein großes Problem.

    • rotezora schreibt:

      Das wäre doch schon ein Hinweis auf Hochbegabung, wenn Emre im Wartezimmer freiwillig einen längeren Artikel über Hochbegabung samt Frage und Auflösung gelesen hätte, oder Frl. Krise?

  18. Wylf schreibt:

    Wenn wir mal annehmen, dass es tatsächlich ein Intelligenztest war, der dort abgehalten wurde, so befindet sich der Gute ja noch relativ innerhalb der Norm. Soweit mir bekannt (und von der Wikipedia bestätigt) liegt der durchschnittliche IQ zwischen 85 und 115. 130 wäre dann tatsächlich ich wenig oberhalb des Durchschnitts – was aber im Prinzip nicht allzuviel zu sagen hat. Eine hohe Begabung zu haben heißt ja noch lange nicht, dass man diese nutzt. Mal ganz davon ab, dass diese Tests in den meisten Fällen eher das Grundverständnis im logischen und sprachlichen abfragen. Hab‘ vor ein, zwei Jahren auch einen gemacht und kam ebenfalls auf einen IQ Wert von 130+, obwohl meine Noten in der Schule damals eher… mäßig waren.

    Ömür mag also durchaus hochbegabt sein, er ist nur zu faul, diese Begabung auch wirklich zu nutzen (und mal ehrlich, ist das nicht bei den meisten Schülern der Fall?).

    • Tobias W. schreibt:

      Dann lies dich bitte noch einmal aufmerksamer ein. Ein IQ von 130 liegt zwei Standardabweichungen über dem Mittelwert und nicht relativ innerhalb der Norm oder wenig über dem Durchschnitt, Einen IQ von 130 oder höher haben knapp zwei Prozent der Menschen.

    • Marco schreibt:

      Schaun wir mal, wer noch zu faul ist, seine angeblichen intellektuellen Fähigkeiten zu nutzen:
      Wenn man in Mathe aufgepasst hat, dann weiß man ja, wie ein Durchschnitt berechnet wird: Alle Werte werden addiert und das Ergebnis wird durch die Anzahl der Werte geteilt. Das Ergebnis ist eine Zahl, kein Wertebereich, und diese Zahl liegt beim IQ üblicherweise bei exakt 100. Immer noch dicht dran an 130? Dann weiter.
      Wenn man ein paar Jahre später in Mathe immer noch aufpasst, stößt man unweigerlich auf den Begriff „Gauß-Verteilung“. Hartgesottene Lehrer verwenden da noch „Glockenkurve“, bei pubertierenden Schülern kann das aber schwierig werden. In dem Zusammenhang lernt man dann auch das Wort „Standardabweichung“ kennen, und das endlich ist ein Wertbereich, juhu. Die Details kann man bei Wikipedia nachlesen, aber jedenfalls: der IQ gilt als Normalverteilt, bei den üblicherweise in Deutschland verwendeten Tests gilt eine Standardabweichung von 15. Gemäß der Normalverteilung bedeutet das: rund 68% aller Testpersonen landen im Bereich einer Standardabweichung um den Mittelwert, also im Bereich 85 bis 115. Innerhalb von 2 Standardabweichungen finden sich rund 95% aller Testergebnisse, das wäre dann IQ 70 bis 130. Die verbleibenden (rund) 5% haben entweder einen IQ von unter 70 oder einen IQ von über 130, und zwar halbe-halbe. Wieder gerundet sind das jeweils 2%.
      Ich hatte in Mathe ja immer einen Fensterplatz, aber für mich klingt 2% nicht für „wenig oberhalb“ des Durchschnitts. Mal sehen: ich bin hochbegabt, du bist hochbegabt, Emre ist hochbegabt – jetzt brauchen wir schon 150 nicht hochbegabte, damit die Statistik wieder stimmt.

  19. Wylf schreibt:

    Ich meinte natürlich Emre… Verzeihung für die Verwechslung der Namen.

  20. maldrueberreden schreibt:

    Was Emre da den Tag zuvor für ne Sendung gesehen hat? Glaube auch es hat eher mit Blutdruckwerten zu tun…

  21. Ich tippe auch auf Blutdruck. Laut WHO Einteilung (http://goo.gl/5NPF8) wird der Blutdruck bei systolischen Werten zwischen 130 und 139 als „hoch normal“ bezeichnet. Das ist üblicher Ärtzte-Jargon. Wahrscheinlich hat Emre nur bis „hoch“ zugehört und sich den Rest „dazugeträumt“.

  22. krizzydings schreibt:

    naja ich vermute, dass es schon den ein oder anderen hochbegabten nach der beobachtungsstufe auf die hauptschule verschägt, aber vermutlich ist es nicht emre…und überhaupt kann ich mir nur sehr schwer vorstellen , dass diese hochbegabten nicht spätestens bei irgendwelchen schriftlichen klassenarbeiten oder bei anderen dingen, die sie eben von naur aus können „erwischt werden“ (sozial auffällig aber in mathearbeit immer komplizierte rechnungen die zu richtigen lösung führen oder kritik am mathematischen problem, schulisch nicht gerade eine leute aber in sport, musik, kunst oder sozialen problemlösungen wie streitschlichtung positiv aufgefallen) letzteren würde erkannterweise auch nicht so leicht über einen MSA kommen…

  23. krizzydings schreibt:

    hmmmm… vlt hat ihn der arzt zu einem berufsberater geschickt und die haben dort ein assesement center für aushilfsberufe gemacht….und die punkte hachja ich bin auch einfach nur gespannt was da herauskommt…

  24. Lily schreibt:

    Welcher Arzt lässt denn erst Fragen beantworten, und gibt dann ein Blutdruckergebnis zum Besten? Noch dazu mit „so fünf“ Leuten? Vermutlich war es eine Diabetikerschulung. Die sind so. Und beim Blutzuckermessen gibts auch eher einzahlige Ergebnisse, im Gegensatz zum Blutdruck, da sind das doch meistens zwei. Also (auch ich mag, als ehemalige Jugendamtsmitarbeiterin das Wort mit dem h und dem ochbegabt dahinter nicht hören) meine 5 Euro setze ich auf Diabetes.

  25. Mascha schreibt:

    Fragen Sie mal Ihren Schüler was das so für Fragen waren. Würde mich mal interessieren. Vielleicht gibt uns das Anhaltspunkte….ich sterbe gerade vor Neugier!!!!

  26. joanna schreibt:

    Frl. Krise, Sie tischen uns ja einen richtigen Cliffhanger auf!

    Was ist die spektakuläre Wahrheit hinter dem mysteriösen Test?
    Ist Emre tatsächlich hochbegabt, und wird den Schulabschluss über Nacht mit 1,0 schaffen (spielend leicht, ob der plötzlichen Erkenntnis?)
    Uns wird er als IHR Erfolg gefeiert werden – als Wiedergutmachung dafür, dass er Sie eigentlich nicht mag?

    Schalten Sie nächste Woche wieder ein, wenn es heißt: “ Frl. Krise interveniert!“

    (Einstellung auf Frl. Krise, die ihre Haare in slow motion zurückwirft, über die Schulter schaut, und Abspannmusik)

    Frl. Krise, you’re my star!

  27. Seifenfrau schreibt:

    …ich hoffe doch stark, dass sich das noch aufklären wird…

  28. BB schreibt:

    Nach dem Lesen der Kommentare hoffe ich inständig – vermutlich vergeblich – dass es sich bei den Kommentatoren nicht um Lehrer und anderes Fachpersonal, das mit den betroffenen Schülern umgeht, handelt. Sie offenbaren eine eklatante Unwissenheit, die uns als Eltern eines tatsächlich hochbegabten Kindes (und ja, wir haben das schriftlich mit Brief und Siegel, und nein, wir bilden uns das nicht ein, wir wussten nicht mal, was Hochbegabung ist, haben erst nach dem Testergebnis angefangen zu recherchieren) täglich begleitet.

    Ca. 2% der Bevölkerung haben einen IQ, der sie als hochbegabt qualifiziert. Trotzdem behaupten die meisten Lehrer, noch nie ein hochbegabtes Kind gesehen zu haben. Hier wird immer Hochleistung mit Hochbegabung verwechselt. Hochbegabte Kinder sind nicht die, die immer toll mitarbeiten, alles können und wissen und gute Noten haben. Und mit der Diagnose „Hochbegabung“ fangen die Probleme erst an, hauptsächlich, weil die meisten Lehrer über das Thema nicht richtig informiert sind und weil viele hyperehrgeizige Eltern, deren Kinder eben nicht hochbegabt sind, dies aber behaupten und so ein schlechtes Licht auf das ganze Thema Hochbegabung werfen. Das hat dazu geführt, dass wir die Hochbegabung lieber geheim halten und nur, wenn es problematisch wird, darüber sprechen, und dann auch nur mit ausgewählten Lehrern.

    Unser Sohn ähnelt in seinem Arbeitsverhalten sehr den von Frl. Krise und Fr. Freitag geschilderten Schülern. Er ist stinkendfaul, tut überhaupt nichts, wenn man ihn nicht ab und zu antreibt, und ist der größte Chaot, den man sich vorstellen kann, schwierig im Umgang, muss immer das letzte Wort haben und alles bis zum letzten Pups ausdiskutieren. Seine Noten lassen sehr zu wünschen übrig, und ganz oft fragen wir uns am Rande der Verzweiflung, ob dieses Kind überhaupt wirklich hochbegabt sein kann, eben weil das Bild, das wir als Nicht-Betroffene uns von der Hochbegabung machen, völlig falsch ist.

    Ab und zu blitzt dann aber doch die Genialität durch. Bereits mit fünf Jahren, bevor er überhaupt eingeschult wurde, hat er sich selbsttätig die Minuszahlen erschlossen. Als die Minuszahlen in diesem Schuljahr dann tatsächlich mehrere Wochen im Unterricht behandelt wurden, hat er sich so gelangweilt, dass er sich selbst eine Methode ausgedacht hat, wie man lineare Gleichungssysteme mit mehreren Unbekannten lösen kann. Allerdings rennt er nicht hin und zeigt das den Lehrern, sondern hält sich ebenfalls bedeckt (könnte ja sein, dass man sonst noch mehr gute Leistungen von ihm erwartet). Zum Glück hat er in diesem Schuljahr einen großartigen Mathelehrer, dem wir uns dann geoutet haben, und der uns bzw. unseren Sohn jetzt unterstützt (was für ihn sicher eine nicht unerhebliche Mehrarbeit bedeutet, und wir wissen das sehr zu schätzen).

    Aber um zum Thema zurückzukommen, die Symptome von Überforderung und Unterforderung sind gleich, und es sind schon viele unerkannte Hochbegabte an Sonderschulen gelandet. Ich würde mir wirklich wünschen, dass sich mehr Lehrer mit dem Thema auseinandersetzen, denn für Betroffene ist es ein ständiger Kampf mit der Unwissenheit.

    Eine gute Anlaufstelle ist Jutta Billhardt von der Hochbegabtenförderung, ihre Vorträge sind sehr zu empfehlen. Lehrerinformationen gibt es z.B. hier:

    http://www.hbf-ev.de/index.php?id=57

    • frlkrise schreibt:

      Es ging mir nicht um die Frage, ist Emre hochbegabt oder nicht, sondern darum, was war das für eine komische Untersuchung?
      Hingeschickt hat ihn übrigens ein Hautarzt, kein Allgemeinmediziner, was die Sache kein bisschen klarer macht….

      • BB schreibt:

        Ich habe auch nicht Sie gemeint, Frl. Krise. Sie haben sich zu dem Thema selbst ja gar nicht geäußert. Ich war nur erschrocken über einen Teil der Kommentare… naja, was heißt erschrocken, das begegnet mir ja leider dauernd.

    • Ulla 39 schreibt:

      Irgendwie kommt mir die Beschreibung des hochbegabten Kindes vertraut vor, wenn es auch schon mehr als 30 Jahre her ist. Damals waren viele Lehrer mit den Problemen der Hochbegabung von Schülern vertraut – oder hatten wir nur Glück? Damals war die Lösung ein Internat, das für Hochbegabte eine eigene Oberstufe eingerichtet hatte. Die Schüler arbeiteten in einem halben Jahr den Stoff eines Jahres durch und konnten sich für das zweite Halbjahr Unterricht wünschen. Die Schüler wirkten gelöst und erlöst. Bei anderen lösen solche Kinder leider Ängste aus, weshalb dann überheblich kommentiert wird (nicht nur hier)., wie KON geschrieben hat.

    • Fräulein Müller-Meier-Schulze schreibt:

      Mein Lehramtsstudium habe ich vor ca. 2 Jahren beendet und kann daher nur sagen, dass das Thema Hochbegabung, Hochleistung, hochbegabt aber underchiever sein sehr intensiv behandelt wurde, ebenso wie LRS, Dyskalkulie, ADS und ADHS. Seminare, Proseminare, Vorlesungen und Hausarbeiten wurden dazu abgehalten und verfasst. Wie in solch einem Fall die Aufgaben (Stichwort offene Aufgaben) zu stellen sind und wie individuelle Lehr- und Lernpläne geschrieben werden. Was zu meinem Leidwesen gar nicht behandelt wurde sind die Themen Schulverweigerung bei physicher Anwesenheit und Respektlosigkeit und Beleidigung gegenüber dem Lehrer und ich meine hiermit nicht das fehlende „Guten Morgen“, sondern Aussagen, die die Grundrechte verletzen. Eine Kommilitonin schrieb einmal eine Hausarbeit zum Thema Disziplinstörungen im Unterricht. Diese Arbeit wurde mit einer fünf bewertet mit der Begründung, es gebe keine Disziplinstörungen, es gibt nur schlechten Unterricht. Tipps und Tricks erhoffe ich mir nun hier im Block, denn DAS sind die eigentlichen Tabuthemen! (Bitte nehmen Sie, BB, meinen scharfen Ton nicht persönlich. Sie haben natürlich Ihre schlechten Erfahrungen gemacht.)

    • Frau X. schreibt:

      Vielen Dank für diesen Kommentar. Wir sind ebenfalls mit zwei hochbegabten Kindern gesegnet (ebenfalls mit Brief und Siegel!), die beide nicht gerade mal so nebenbei die Schule durchlaufen haben. Hochbegabung ist mitnichten ein Garant für ein 1-er Abitur; im Gegenteil, meine Kinder haben sich in der Schule zu Tode gelangweilt und gegen Defizite, die man durch ständige geistige Abwesenheit im Unterricht aufbaut, hilft auch der höchste IQ aber mal sowas von garnichts! Wir haben sehr viel Nerven gebraucht, um die beiden durch die Schule zu bringen, denn die schnelle Auffassungsgabe, die den meisten Hochbegabten gegeben ist, führt ganz oft dazu, dass sie im Gegenzug stinkfaul sind, weil, WENN sie sich mal dazu herablassen, mitzuarbeiten, sind die Ergebnisse meistens „brillant“ (Lehrerzitat!) und das führt zu völigen Fehleinschätzungen der eigenen Leistung. Und ich habe noch keinen Lehrer kennengelernt, der mit hochbegabten Kindern umgehen konnte. Es ist genauso, wie hier auch schon gesagt wurde: gerade Lehrer erwarten von solchen Kindern Höchstleistungen, sind aber in keinster Weise bereit, auf die speziellen Probleme dieser Schüler einzugehen. Ich bin inzwischen heilfroh, dass beide die Schule hinter sich haben und ja, TROTZDEM haben beide Abitur!

      • Frau X. schreibt:

        Oh, der obige Kommentar ist ein wenig „verrutscht“.
        Er sollte unter den Kommentar von BB.
        Ach, und bitte, Frl. Krise, in der zweiten Zeile ist ein „nicht“ zuviel; wenn Du so freundlich wärest…

  29. Tin@ schreibt:

    Man kann hochbegabt und ein Schulversager sein, weil Hochbegabung nicht vor Lernen schützt. Langeweile, Unterforderung und eine entsprechende Erwartungshaltung des Umfeldes machen aus so ziemlich jedem cleveren Kerlchen einen zukünftigen Sozialfall. Witzig geht anders.

  30. JT schreibt:

    Könnte es nicht auch sein, dass man ihn wg Ausdrucksweise und Sozialverhalten für weniger intelligent hält, als er ist? Ein IQ-Test hat übrigens eine Genauigkeit von plus/minus 20 Punkten. Können also bei 130 ganz durchschnittliche 110 sein.
    Und: Intelligenz ist das, was von einem Intelligenztest gemessen wird.

    • Tobias W. schreibt:

      Das ist so nicht richtig, ich bin aber sehr neugierig auf deine Quelle. Ein Zeitungsartikel, bei dem unter 1000 mit zwei verschiedenen Tests (oder dem gleichen in großem Abstand) getesteten Personen die höchste Abweichung bei 20 Punkten lag, zählt nicht.

    • Wylf schreibt:

      Eben das wollte ich mit meinem ersten Kommentar ausdrücken 😀 Mal ganz davon ab, dass zwischen „intelligent sein“ und „sich intelligent verhalten“ ein Meilenweiter Unterschied besteht.

    • Marco schreibt:

      So ein IQ-Test ist tatsächlich total ungenau. Wenn ich mich beispielsweise für morgen zu einem Test anmelde, mich heute abend noch meine Freundin rausschmeißt, ich daraufhin eine Flasche Wodka trinke und auf einer Parkbank übernachte – dann wird der Test morgen zweifellos ergeben, dass ich einen IQ habe wie Knäckebrot. Und selbst wenn ich da einigermaßen fit auflaufe – wenn ich Prüfungsangst habe oder einfach einen schlechten Tag, dann wird die gemessene Performance nicht dem vorhandenen Potential entsprechen, wie hoch das auch immer sein mag. Allerdings geht diese Abweichung nur in eine Richtung – Emre kann also bei gemessenen 130 wohl einen tatsächlichen IQ von 150 haben, aber keinen von 110.
      Man kann aber auch dafür sorgen, dass die gemessene Performance über dem Potential liegt. Dazu muss man in jedem Fall wissen, welchen Test man machen wird. Eine Möglichkeit ist dann, sich ähnliche Aufgaben zu besorgen und wie doof zu lernen. Die andere Möglichkeit ist, sich genau den Test zu besorgen und einfach auswendig zu lernen. Letzteres scheitert an der Verfügbarkeit der Tests – und ich würde meinen, beide Möglichkeiten scheitern an Emre. Aber kann jeder selber entscheiden. Mit intensiv üben sind jedenfalls wohl bis zu 5 Punkte drin. Bestenfalls. Und selbst dann wäre unklar, ob nicht doch erst dann das volle Potential genutzt (und eben auch gemessen) werden würde.
      Fakten sind bei dem Thema ja immer sehr unbeliebt, deshalb leg ich noch einen drauf: die Tests messen immer nur in einem bestimmten Bereich gut, und die meisten Tests sind so geeicht, dass sie für viele Menschen einsetzbar sind. So ein Test lässt sich dann vielleicht verwenden, um zu schauen, ob jemand einen IQ von 101 oder 102 hat, gibt aber ab 130 überhaupt keine genauen Werte mehr. Andere Tests sind so ausgelegt, dass sie höhere Bereiche gut messen, die taugen dann im Bereich des Mittelwertes nicht. Emre würde vermutlich einen „normalen“ Test gemacht haben, und die Aussage wäre dann, dass er einen IQ von über 130 hat. Der kann dann 130 sein, 145, …
      Ansonsten empfehle ich das wunderbare Heftchen „25 beliebte Mythen zum Thema Hochbegabung“. Das macht die Kommunikation auch viel leichter. Emre wäre zum Beispiel 2, aber nicht 6! Vielleicht 7. Ganz sicher 11. Während ich 3, 9 und 12 bin. (Und 13, aber das ist ein anderes Thema.) Emre und ich sind aber auf keinen Fall18. Viel kürzer, oder?

      • Marco schreibt:

        Ach nee, moment, verwechselt. Ömür ist nicht 18.

      • JT schreibt:

        @ Tobias W. und Marco:
        Meine Quelle war nur ein befreundeter Psychologe, auf welche Daten er sich bezog weiß ich nicht (kann aber auf Wunsch nachfragen) und das mit der Abweichung um 20 Punkte hab ich dann falsch verstanden. Jetzt im Nachhinein ist es natürlich logisch, dass die nur nach oben gehen kann und ich entschuldige mich für die Verbreitung von Falschwissen!

  31. Marco schreibt:

    Immer wieder bemerkenswert, wie viel Meinung es bei wie wenig Wissen gibt… 130 ist „wenig oberhalb“ des Durchschnitts, der Test hat eine Genauigkeit von 20 Punkten… Und natürlich auch unser alter Freund: „Intelligenz ist, was von einem Intelligeztest gemessen wird“. (Temperatur ist, was von einem Therometer gemessen wird. Länge ist, was von einem Zollstock gemessen wird, …? Messen wir Luftdruck neuerdings mit der Waage?)
    Wenn ich auch Schwierigkeiten habe, die Geschichte von Emre für wahr zu halten, ist sie doch (neben toll erzählt) super geeignet, um mal wieder deutlich zu zeigen, was das Problem mit der Inklusion und der Gesamtschule ist.

    • Tobias W. schreibt:

      Für mich ist nicht deutlich, was das Problem mit der Inklusion und mit der Gesamtschule ist. Bitte um Aufklärung.

      • Marco schreibt:

        Im Grunde ist mein Nachsatz nur als Reaktion auf die muggelhaften Kommentaren hier entstanden und noch unter dem Eindruck eines Gesprächs, in dem es darum ging, ob HBs nicht besser dran wären, wenn man sie möglichst früh erkennt und dann aus dem normalen Betrieb rausnimmt (meine Meinung) oder nicht (Gesprächspartners Meinung). (Natürlich kommt dann wieder jemand an uns sagt „Ihr haltet euch für was besseres, ihr müsstet wohl mal mehr Zeit mit uns verbringen, damit ihr die Bodenhaftung nicht verliert“, aber letztlich ist das ja auch nur ein Muggelkommentar.) Außerdem noch unter dem Eindruck verschiedener anderer Gespräche über fehlgeleitete Inklusion in letzter Zeit, die allesamt darauf hinweisen, dass sich Barrieren in den Köpfen nicht durch Schulreformen beseitigen lassen.
        Insgesamt ist der Satz hier aber nicht sonderlich gehaltvoll, und er wird sicher auch nicht besser, wenn ich jetzt nachträglich versuchen würde, ihn auszuführen. Also bitte einfach streichen.

      • Tobias W. schreibt:

        @Marco: Okay, da darf man unterschiedlicher Ansicht sein. Ich selbst war auf einer (bischöflichen, aber nicht sehr offensichtlich katholischen/christlichen) Gesamtschule und habe mich nach meiner Einschätzung ganz gut entwickelt; zumindest hadere ich nicht mit meinem normalen Schulweg.

        Deine Worte und Formulierungen sind mir sehr vertraut, gerade der „Muggel“. Das lässt mich vermuten, dass wir im gleichen Verein sind möglicherweise über die gleichen Mailinglisten schreiben, wo zum Beispiel die Sinnhaftigkeit der Abgrenzung vom „Muggel“ mehrfach ausführlich und kontrovers diskutiert worden ist. 😉

      • Marco schreibt:

        @Tobias W.: Ok, bevor das hier zum Zwiegespräch wird, sollten wir wohl besser aufhören. Also zum Abschluss: Verein stimmt, Liste hab ich eine Zeit lang mitgelesen. Aber eigentlich müsstest Du jetzt erklären, wie Deine Selbsteinschätzung und Deine Beteiligung an der Liste zusammen passen. 😉

      • Tobias W. schreibt:

        Ich schöpfe mein Potential sicher nicht voll aus. Aber bei der Liste habe ich eher aus Neugier mitgelesen und diskutiert — mittlerweile lasse ich die Nachrichten automatisch in einen anderen Ordner verschieben und sehe sie nur noch, wenn ich gerade gezielt Lust darauf habe 🙂

    • JT schreibt:

      Intelligenz und Länge sind aber dann doch dahingehend unterschiedlich, dass Intelligenz schwieriger zu erfassen und zu messen ist und es unterschiedliche Konzepte und Begriffe davon gibt. Ich möchte damit ja nicht Hochbegabten ihre Hochbegabung absprechen, sondern sagen, dass einerseits manchmal Begabungen mit einem Test nicht erkannt werden (z.B. wenn durch Leseschwäche oder Sprachprobleme die Aufgabenstellung nicht verstanden wurde, oder der Teilnehmer nicht motiviert ist…) und andererseits unter dem Begriff Intelligenz oft auch Dinge verstanden werden, die der Test eben nicht misst, und die mit dem Sozialverhalten zu tun haben, beispielsweise Verhandlungsgeschick oder Einfühlungsvermögen (wobei Hochbegabte ja auch häufig besonders empathisch sind – und wieder keine Quelle, irgendwo gelesen, womöglich in nem Buch?^^). Und noch andererseits sagt ein Durchschnittswert eben wenig aus, denn bei 100 könnte man bei einem Aufgabentyp extrem gut und dafür bei einem anderen extrem schlecht gewesen sein, oder bei allem so mittel. Dafür gibts ja dann normalerweise auch ne Auswertung.

      Also alles in allem wollte ich nur sagen, 130, warum denn nicht? Muss doch nicht zwangsläufig falsch sein. Unabhängig davon, was das jetzt tatsächlich für ein Test war, denn das klang wirklich komisch.
      Was für ne Debatte jetzt daraus geworden ist^^

  32. Cylia schreibt:

    Ein Hausarzt macht keinen offiziellen IQ-Test. Der kann vllt. Spieltests machen, die eine grobe Bestimmung des IQ-Bereiches ermöglichen, aber einen Punktgenauen IQ-Test gibt es entweder bei den Mensa Teststellen (da für 50€) oder beim Psychologen für ein paar hundert Euro. Diese Tests sind dann auch ziemlich genau, sie haben nur eine „schlechter Tag“ Schwankung von höchstens 8 Punkten.

    Ein IQ von 130 bedeutet übrigens, dass man zu den „oberen 2%“ gehört. Das ist die zweite Standardabweichung nach oben der Normalverteilung. Durchschnitt ist zwischen 85 und 115, das sind etwa 66% der Bevölkerung.

    Aber wer weiß, vielleicht hat Emre wirklich eine höhere Begabung als man denkt und wird nur durch sein Umfeld in die falsche Richtung beeinflusst? Der IQ beschreibt nur das Potential, ob man es nutzt ist eine ganz andere Geschichte.

  33. Barkai schreibt:

    ist es absolut sicher, dass Emre von seinem Arzt weitergeschickt wurde?
    Ansonsten, ist Scientology in der Stadt oder in der Nähe der Arztpraxis aktiv? wenigstens in manchen englischsprachigen ländern hat Scientology schon mal mit einem kostenlosen IQ-Test geworden.

    Ist es auch sicher, dass Emre tatsächlich ein Attest vorgelegt hat? Gemäß der vom 73. Deutschen Ärztetag beschlossenen vorgaben, ist das Ausstellen eines Attestes Homorarplfichtig. wenn ein arzt (oder Zahnarzt) nur einen kurzen Schrieb ausstellt, um zu bescheinigen, dass der Schüler aus gesundheitlichen Gründen nicht fähig war am Unterricht teilzunehmen, ist es eine Schulunfähigkeitsbescheinigung. (Nach Angaben des deutschen Ärzte-Verlages war es der 73. Deutsche Aärztetag, der honorarpflicht beschlossen hat, und es erscheint so auch auf den vorgedruckten Attesten, die man dort erwerben kann)

  34. Alea schreibt:

    Ich finde es ein bisschen gemein, dass dem Emre seine mögliche Hochbegabung vollkommen abgesprochen wird, nur weil er vielleicht keinen großen Wortschatz hat, sich so verhält wie seine Freunde und nie für die Schule lernt. Das klingt alles so nach: „Der ist so schlecht in der Schule, der kann ja wohl nicht intelligent sein.“
    Ich bezweifle zwar auch ein bisschen, dass wirklich sein IQ getestet wurde, aber aus ganz anderen Gründen:
    1. Normalerweise bekommt man selbst sein Ergebnis nicht als Zahl gesagt, sondern nur die Eltern. Ich weiß nicht, wie alt Emre ist, aber er ist ja auch noch nicht erwachsen und dann sagen die das einem eigentlich nicht.
    2. Ihm wurden von 5 Personen Fragen gestellt, aber normalerweise sind diese Tests (zumindest teilweise) schriftlich. Mit Zahlenreihen, Muster vollenden und so weiter. Dann können zwar noch Fragen gestellt werden, aber dafür braucht man keine fünf Leute, sondern nur einen.
    3. Wenn die Eltern von der Hochbegabung ihres Kindes erfahren, findet direkt ein Gespräch statt, wie man die Situation verbessern könnte. Vor allem, wenn das Kind auf die Hauptschule geht, müsste der Psychologe betonen, dass es viel mehr könnte als von ihm gefordert wird. Und dann würden Lehrer auch ziemlich schnell davon erfahren, und schriftlich gäbe es das Ergebnis sowieso.
    4. Er ist wegen einem Bluttest zum Arzt gegangen, der hat ihn dann weiterverwiesen an einen anderen Arzt (müsste für den Intelligenztest ein Psychologe sein). Aber wieso sollte der Arzt ihn denn dorthin schicken? „Oh, dein Blut sieht intelligent aus, mach mal den IQ-Test bei meinem Kollegen“? Ergibt keinen Sinn.
    5. Eigentlich kostet so ein IQ-Test was, wenn die Eltern entscheiden, einen machen zu lassen. Und wenn es keinen „Verdacht“ auf Hochbegabung gibt, gibt man für den Test auch eigentlich kein Geld aus.

    Also liebe Frl. Krise, wir wollen UNBEDINGT wissen, was es denn nun war! Bin schon ganz gespannt.

    • nönö schreibt:

      Also mein Sohn war sehr auffällig in der Schule und ich bin mit ihm damals zum Psychologen gegangen: (Haupschule)
      zu 3. u., 5…. der Psychologe hat einen Intelligenztest gemacht und einen IQ von 130 festgestellt.
      Beratung? Keine.
      Kosten? Auch keine.
      Kommentar Psychologe: Also, wir können ihm Ritalin verschreiben, die Entscheidung überlasse ich ihnen.

      • JT schreibt:

        DAS ist krass. Anstatt die Eltern zu beraten und das Kind zu fördern einfach mal ruhig stellen. Aber immerhin hat er ihnen noch großzügig die Wahl gelassen… Hat der vielleicht bald aufgehört und schon keinen Bock mehr gehabt?
        Da gibt es garantiert auch andere. Psychologische Psychotherapeuten können ja gar keine Medikamente verschreiben und schlagen bestimmt in den seltensten Fällen vor, das Kind einfach bloß vollzupumpen. Aber „damals“ klingt so, als sei Ihr Sohn schon aus der Schule raus…

      • Alea schreibt:

        Ich hoffe mal, dass euer Psychologe eine Ausnahme war! Klingt ja furchtbar.

    • fast-wurzelkind schreibt:

      Ein IQ Test kostet gar nichts, wenn der Sozialpädagoge im Zuge einer psychologischen Untersuchung einen veranlasst.

  35. Kon schreibt:

    Das stimmt und wird oft übersehen. Auch wenn es sich hier natürlich um ein Missverständnis handeln könnte, finde ich die meisten Kommentare hier ziemlich überheblich.

  36. Emre schreibt:

    Gibt´s Prrrobleme? Hä?!

  37. jogohe schreibt:

    vieleicht darf/hat dein Schüler auch jetzt:
    130… auf der Autobahn fahren?
    130… Kilogramm gewicht?
    130… Frei-SMS
    130… Leberflecke
    130… Haare pro Quadratzentimeter?

    • rotezora schreibt:

      Wie, in Hessen ist morgen frei? Das wüsst ich aber! Bei uns gibts kein Fasenachtspardon.

      • jogohe schreibt:

        Ja, ich vergaß, dass dies von Schulamtsbezirk zu Schulamtsbezirk individuell gehandhabt wird.
        Helau! Alaaf! Miau! … hoffentlich ist dieser zwangsweise organierte Spaß bald vorbei 🙂

  38. Leseratte schreibt:

    Ehrlich gesagt würd mich das garnicht wundern wenn da was dran wäre. Interessant wäre welchen Test für welche Altersgruppe er gemacht hat.

  39. sockenbergen schreibt:

    Mysteriös – Artikel und Kommentare.
    Nun warte ich auf Auflösung und hoffe, dass Sie liebes Frl. Krise etwas aus Emre herausbekommen, was zur Aufklärung beiträgt.
    Meinen IQ will ich nicht wissen. Was soll er aussagen? Ein Testergebnis, welches am nächsten Tag schon ganz anders sein kann?
    Schulergebnisse, Uniergebnisse, Assessmentcenterergebnisse – alles nur Noten / Ergebnisse, die in einer Prüfungsleistung nach vorgegebenen Maßstäben ermittelt werden. So bald man von der Norm abweicht, spiegeln Noten und Ergebnisse nicht umbedingt das Potenzial wider.

    • Marco schreibt:

      „So bald man von der Norm abweicht, spiegeln Noten und Ergebnisse nicht umbedingt das Potenzial wider.“
      Aber genau dafür ist ein Intelligenztest gut. So schwierig das auch mit der Definition von „Intelligenz“ ist, so gesichert ist eben auch, dass beispielsweise Intelligenz und Erfolg im Schulsystem stark korrelieren. Stellt sich nach einem Intelligenztest heraus, dass das im konkreten Fall nicht so ist, dann wäre da auf jeden Fall ein guter Ansatzpunkt für Veränderungen. (Und ein guter Grund auch.) Also wenn man das Gefühl hat, dass im eigenen Leben alles mit rechten Dingen zugeht, Leistungen korrekt vom Umfeld eingeschätzt werden, alle gewünschten Möglichkeiten auch gegeben sind – naja, dann will man das vielleicht gar nicht so genau wissen. Alle anderen sollten aber vielleicht einen Intelligenztest machen, bevor sie zum Psychater gehen oder sich ADHS oder Autismus diagnostizieren lassen.
      Und das Testergebnis kann natürlich auch nicht am nächsten Tag „ganz anders“ sein. Außer man geht besoffen zum Test, wie oben schon irgendwo geschrieben.

  40. milan8888 schreibt:

    Evtl. sprach der Arzt einfach nur davon das Emre die Werte eines Hochbetagten hat?

  41. Tricia McMillan schreibt:

    Nach allem was ich in diesem Blog schon so gelesen habe, würde ich sagen, daß Frl. Krise einige hochbegabte und viele niedrigmotivierte Schüler hat. Leider hebt das eine das andere auf…

  42. fast-wurzelkind schreibt:

    Also, ich hoffe ja auch, dass ein Kind in dem Alter unterscheiden kann, was der Arzt sagt, d.h. meint er einen medizinisch körperlichen Wert oder ein schriftliches Testergebnis, da sollte man dran bleiben… bin gespannt wie ein Flitzebogen…

  43. vanCham schreibt:

    Dies mag ein sehr später Kommentar sein, aber möglicherweise liest das ja noch jemand.

    „Emre“ erzählte ja vor einigen Monaten recht stolz von seinem Abenteuer auf der Pressekonferenz mit Frau Merkel.

    Sollten Sie, Frl. Krise seine Kommentare relativ wortgenau wiedergegeben haben, halte ich die IQ=130 These für nicht unplausibel.
    Insbesondere sein Hinweis auf die Problematik des verwendens von Fremdwörtern (kurz: er würde wohl gemobbt werden, falls er diese in seinem sozialen Umfeld verwenden würde) hat mich sehr stutzig gemacht.
    Eine Erkenntnis dieser Problematik (deren Beschreibung mich an meine eigenen Erfahrungen im Gymnasium erinnert) passt nicht zu einem (unter-)durchschnittlich begabten Hauptschüler, ebensowenig wie seine weiteren Ausführungen.

    Die Erfahrungen von Eltern (hoch)begabter Kinder kommen mir ebenfalls leider allzu bekannt vor.
    Es ist für die schulische Entwicklung von Kindern mMn nämlich nur sehr bedingt förderlich, wenn Lehrer auf die Nachfrage eines Erstklässlers, ob ‚2-5‘ ‚-3‘ ergäbe, standhaft behaupten dass man das nicht rechnen könne oder dass dabei natürlich 0 herauskäme, oder Lehrer in der 7. Klasse erst einmal mit Unterstellungen aufwarten, wenn ein Kind die Ergebnisse von Gleichungen im Kopf herleiten kann, ohne sich mit der überflüssigen verschriftlichung kleinteiliger Zwischenschritte aufzuhalten.

    Dass sich diesbezüglich in der Ausbildung der Lehrkräfte etwas getan zu haben scheint, wenn Frl. Müller-Meier-Schulzes Ausführungen zu ihren Studiumserfahrungen generalisierbar sind, erfreut mich darum sehr.

    Sollten Sie, Frl Krise, dem ‚Emre‘ noch einmal über den Weg laufen, könnten Sie ihn ja vielleicht noch einmal auf diesen ominösen Blutzuckerfettiq-Test ansprechen.
    Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige Leser der sich hier über eine Rätselslösung freuen würde.

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