Ferien-facebook

Facebook – wie immer wieder ein Hort der Freude und des Staunes.
Vorgestern schrieb mich eine Frau an, die sich als ehemalige Schülerin der ersten (!) Klasse, die ich als Klassenlehrerin hatte, outete. Den Namen habe ich sogar erkannt… Dazu postete sie gleich noch zwei Klassenfotos aus jener grauen Vorzeit. Ich hätte mich wegschmeißen können. Wie wir aussahen!
„Frl. Krise!“ schrieb sie dazu,“ich habe mich so gefreut, sie zu finden..!“
Ich freue mich auch.
Meine Tochter schüttelt den Kopf. „Ist ja echt nett von der,“ sagt sie leicht ungläubig, „aber mal ehrlich, ich käme im Traum nicht auf die Idee, meine alten Lehrer bei Facebook zu suchen!“
„Ja, duhuu!“ Ich bin ein bisschen gekränkt. Bin ich aussätzig? Darf man mich nicht suchen? Jeder sucht doch mal nach Gestalten aus der Vergangenheit…warum nicht auch nach Lehrern oder Lehrerinnen suchen?
Jedenfalls schrieb mich daraufhin gleich noch eine Schülerin aus jener Klasse an und ich fand’s herrlich.

Abends dann, nein, es war schon mehr nachts, kurz nach eins, husche ich, um den Tag ordnungsgemäß zu beenden, noch einmal rasch über den virtuellen Marktplatz.
Während ich über eine etwas dunkle Nachricht einer Freundin, die sich über Sinn und Unsinn von Weihnachten auslässt, nachsinne, piept es.

Mustafa schättet mich an!
Er denkt sich wohl: Eine Lehrerin ist auch in den Ferien immer im Einsatz, egal, wie spät oder früh es ist und bei face schon mal sowieso!
Er hält sich auch nicht mit unnützen Vorreden auf, sondern teilte mir kurz und schmucklos mit:

Frl. Krise ich bin wieder single!

Ich: Ohh! Und wie fühlt sich das an?“
Er: irgendwo entspannter alles
Ich: Ja, war aber auch stressig!
Er: total, aber das größte ist ja, das sie mich wieder verarscht hat -.-‚
Ich: Auch das noch! Vergiss sie, du findest noch eine Nettere!

Na bitte! EIN Drama scheint beendet zu sein. Und ich gehöre mal wieder nicht nur zu den gut unterrichtenden Kreisen, sondern sogar zu den gut unterrichteten….
Dann habe ich mich schleunigst davon gemacht.
Nachts um eins! Glaubt man das!

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20 Antworten zu Ferien-facebook

  1. Olaf schreibt:

    Frollein Krise –

    schön, wieder von Ihnen zu lesen.
    Bevor es verloren geht: Ihnen wünsche ich ein erfolgreiches Neues Jahr 2012 !

    Vor Jahren habre ich (auch) in Anwandlung von wehmütiger Erinnerung nach der Gymnasiumschulle auch versucht, meinen alten Philosophielehrer wiederzufinden, der mich damals sehr gefördert hat, jedenfalls mehr als üblich. Ich habe seinen Unterricht geliebt (!).
    Beispiel: „Schreibe darüber: ‚Wer sein Kind liebt, der schickt es auf die Reise.'“
    Weil er am Ende aus Altersgründen „nur noch“ Lehrbeauftragter war, konnte ich mein Abitur (1975) nicht auch in Philosophie machen, da er nicht mehr prüfen durfte. Er war ein guter Mensch, sozial sehr engagiert. Mit wuchtigen Augenbrauen, ein knorziger älterer Herr, der sich über manchen Schööler auch ärgern konnte.
    Gefunden habe ich ihn leider nicht – er dürfte jetzt wohl auch nicht mehr unter den Lebenden sein, sonst wäre er jetzt etwa so 103 Jahre alt.
    Ach – das Leben… Ist doch etwas wunderbares.
    Und armer Mustafa.
    Hier kommt Hilfe:

    Es stimmt wohl doch: The fundamental things apply, as time goes by…
    Glaube ich wenigstens. Als alter Knacker von 55 Jahren.

    Ihnen ein schönes besonderes Wochenende !

  2. kamerakidz schreibt:

    hammer! also die ganze geschichte.
    übrigens habe ich weder bei facebook noch bei google nach meinen ex-lehrerInnen geguckt – nicht weil die aussätzig oder so sind, aber irgendwie hat es mich wohl nicht interessiert. mir scheint manchmal, die schule hat sich seit meinen zeiten gewaltig verändert und dann komme ich mir uralt vor.

  3. Wilde Henne schreibt:

    Frl. Krise, ich war ein schlimmes Kind. Meine Klassenlehrerin war saustreng. Wenn ich erzählt habe, zu wem ich in die Klasse gehe, haben meine Gegenüber Schweissausbrüche gekriegt, die Augen verdreht, mich bemitleidet. Ich fand es gar nicht schlimm. Ich habe genau diejenigen LehrerInnen gemocht, die mir Paroli geboten haben, die mich zu Diskussionen herausgefordert haben – die waren spannend, interessant, cool.
    Und genau diesen LehrerInnen hat man sein Herz ausgeschüttet, genau denen hat man erzählt, dass man eine neue Freundin hat, genau da hat man sich verstanden gefühlt – damals noch ohne Facebook und Handy.
    Frl. Krise, nachts um eins gut unterrichtet zu sein darüber, was bei Ihren Schülern abgeht, das ist Vertrauen. Bewahren Sie dieses gut auf.

    Lieben Gruss vom Wilden Huhn

  4. Jürgen schreibt:

    Ja, die Tochter…

  5. frauschwierig schreibt:

    Ich käme auch nie auf die Idee nach aktuellen oder gar nach ehemaligen Lehrern bei Facebook zu suchen. Nicht, weil ich sie nicht mag oder ähnliches, aber mein Privatleben geht denen nun wirklich nichts an.

  6. michael schreibt:

    Ich wette, dass Herr Mustafa sich noch ein drittes mal verarschen läßt. Wollten Sie den nicht mal mit Nesrin verkuppeln? Aber was solls.
    Jedenfalls wünsch ich ein frohes neues Jahr.

  7. trina59 schreibt:

    Danke für die Geschichten aus dem Schulalltag. Habe Ihre ganze Klasse und einschließlich Lehrerin und Kollegium ins Herz geschlossen. Bin gespannt, wie es 2012 weiter geht. Wünsche Ihnen einen guten Rutsch und ein glückliches Neues Jahr! Trina

  8. Wild Flower schreibt:

    Auch von mir gute Wünsche für den Jahreswechsel.

    Aber stresst das nicht, auch noch abends und in den Ferien für die Schüler erreichbar zu sein? Klar, Sie _müssen_ sich nicht bei Facebook einloggen, aber irgendwann schaut man ja doch rein, oder?

  9. Despicable_Me schreibt:

    Das nennt man vollen Einsatz! Schön, dass engagierte Lehrerinnen wie Sie den schlechten Ruf des faulen Beamten wieder nach oben korrigieren!
    Guten Rutsch!

  10. Anika schreibt:

    ich glaube, man muss als lehrer schon sehr beeindrucken bzw. guten, nachhaltigen und eindruck hinterlassenden unterricht gemacht haben, damit ein schüler auf die idee kommt seinen lehrer zu suchen; die lehrer, deren unterricht oder die man als person blöd fand, die sucht man doch nicht – ich zumindest.

    würd ich also als kompliment auffassen! 🙂

    ich geh jetzt mal meine englisch-lk-lehrerin suchen. insofern: guten rutsch!

  11. Madame Chaos schreibt:

    Ich habe auch schon öfter drüber nachgedacht „alte“ Lehrer von früher nochmal aufzuspüren 😉 aber ob diese wohl bei facebook zu finden sind? Ich mache mich gleich mal auf die Suche 🙂

  12. Ute schreibt:

    Sagen wir mal so: Ich habe schon öfter mal nach meinem Klassenlehrer aus der Grundschulzeit gegooglet. Die ist 33 Jahre her…

    Auf Facebook, Twitter & Co. ist er nicht vertreten. Vor einigen Wochen fand ich ihn dann aber in der Ankündigung für ein Konzert hier in der Nähe – und bin am Donnerstag extra seinetwegen hingegangen (mit meiner Tochter). Das Lustige: Er hat mich sogar wiedererkannt, mich seiner Frau vorgestellt (mit den Worten „Das ist die Ute, von der ich dir schon so oft erzählt habe!“ *g*) und mich auch direkt nach meiner Adresse gefragt, so daß wir in Kontakt bleiben können.

    Manche Lehrer hinterlassen eben Spuren, die auch nach Jahrzehnten nicht auszulöschen sind. Und zwar schöne. 🙂

  13. die Schmith schreibt:

    „Und ich gehöre mal wieder nicht nur zu den gut unterrichtenden Kreisen, sondern sogar zu den gut unterrichteten….“
    Ähm … *kratzt sich am Kopf* … entweder ich lese mal wieder was falsch oder da steht tatsächlich das gleiche zweimal.

    Tja, Krisi, da siehst du mal, dass du eben doch die Klassenmutti bist. Bevor deine Schüler sowas ihren Eltern sagen, kommen sie zu dir. Ist doch toll. 😉

  14. therarebrains schreibt:

    Liebes Frl. Krise,
    bei mir tauchen ehemalige Lehrer meiner Schule immer in der Freundeempfehlungsliste auf, aber ich füge sie nie hinzu, weil ich nie bei denen Unterricht hatte. „Meine“ Lehrer sind nicht bei facebook. Irgendwie traurig.

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