Statt Plätzchen

Und samstags immer wieder zum Discounter. Einkaufen.
Ich sollte es mir da lieber auf einer Getränkekiste gemütlich machen, den Notizblock in der Hand und mitschreiben, was die Leute so alles sagen. Wäre interessanter als Einkaufen und würde sich lohnen! Ein Lidl-oder Aldiblog! Dafür dürfte ich dann bestimmt umsonst da einkaufen, das hätte doch was…

Gestern schlich ich wieder lustlos durch die Gänge. Manchmal kann ich mich kaum dazu aufraffen, immer den selben Quatsch in den Wagen zu legen, aber muss ja, muss ja, wie Frau Freitag zu sagen pflegt.
Also: Kaffee, Eier, Milch, Paprika, scharfe Linkskurve, Mandarinen, Hefe, Saft. Rechtskurve in den nächsten Gang, gäääähn, dann Cola, Rotwein und Weihnachtsplätzchen. Ach, nein, lieber nicht. Machen nur dick, Plätzchen.
Da höre ich eine Frau, die sich im Parallelgang befindet, aber für mich unsichtbar ist: „Hakan, ben üolüsum dün yadkam Baumkugeln üzerundu cok bülurere?“*
Ein Mann, den ich ebenfalls nicht sehen kann, ruft aus einer anderen Ecke des Geschäfts laut zurück: „Evet!Olsun güzel Baumkugeln almak!“*
Daraufhin saust die Frau um die Ecke in meinen Gang, schnappt sich zwei Pakete „Baumkugeln“ und weg ist sie.

Grinsend gehe ich weiter.
Käse, Jogurt, Waschpulver…

* Achtung, nicht versuchen zu übersetzen, ist nur erfundenes Türkisch!

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34 Antworten zu Statt Plätzchen

  1. frl freizeit schreibt:

    Ja, das ist Integration. Ich war Zeuge einer ähnliche Unterhaltung neben den Sonder-Aktionsartikeln beim Aldi:
    „Türkisch, türkisch, türkisch Dominosteine, valla, 1 Meter türkisch, türkisch, AANNNNEEEE BITTE!!!! Türkisch, türkisch…
    Liebe Grüße

  2. Chocii schreibt:

    na, ganz so erfunden isses nich hahah es macht FAST einen Sinn („Ben, Evet und Olsun, dün und güzel kann ich noch übersetzen) ^^ Erstaunlich was man so von den türkischen Mitmenschen aufschnappt obwohl mans gar nich so wahrnimmt

  3. Olaf schreibt:

    Uzun arac.
    Lütfen.
    Mehr kann ich auch nicht so richtig. Aber „Almanya“ ist großartig – guckst Du hier:

    Herzlichst aus Hamburg… 😉
    Erster Advent, 27. November 2011.

    • frlkrise schreibt:

      oh, wie geil! DANKE

      • Schrödingers Katze schreibt:

        Armer Cenk!

      • Olaf schreibt:

        Miss Krise,

        vielen Dank, sehr gern. Eine ehemalige Nachbarin und sehr gute und liebe Freundin (Susan) von mir hat durch Heirat an einer sehr ähnlichen Familienbiografie mit Übergang nach Deutschland, Hamburg, dann Berlin und dann wieder Hamburg teilgenommen (allerdings mit Ursprung in Algerien). Ich dann auch – es war/ ist wunderbar.
        Man muß auch was diese Filmgeschichte angeht, kein türkisch können, um den Film in einigen – türkischen – Sequenzen zu verstehen. Es ist so menschlich und spricht für sich selbst.
        Ich habe so sehr viel gelernt durch diese guten Menschen aus einer für mich damals eher fremden Welt in Nordafrika (Algerien). Bei ihnen gab es zunächst ein herrliches Couscousessen auf dem Bettlaken auf dem Boden (mit Süßigkeiten obendrauf/ danach), ich habe dann kurz danach mit Lammkoteletts, grünen Bohnen/ Petersilie und Rosmarinkartoffeln gekontert. Und es gab/ gibt weitere wechselseitige Freundlichkeiten aller Art.
        Alles war – und ist noch immer – gut.
        Eine wahre Bereicherung meines Lebens, für die ich sehr dankbar bin.

      • frlkrise schreibt:

        Musst du Film drehen!

      • Olaf schreibt:

        Hier die Auffrischung des ganzen (11.05.2012)…

        http://www.movie2k.to/Almanya-Willkommen-In-Deutschland-online-film-887997.html

        Herzlichst

        Olaf

    • Christjann schreibt:

      schön! *heul*… danke!

  4. FrauVau schreibt:

    Mein erster Freund (Türke, Friseur) hat sich mit seinem Bruder (Friseur-Azubi) immer so unterhalten (genauso erfundenes Türkisch): „Bir güzel ekmek Lockenwickler hayir cok bülent Dauerwelle?“
    Ich hab mich immer weggeschmissen…

  5. mehrkatzenhaus schreibt:

    Für jemanden wie mich, der in einer Region ohne türkisch-sprachige Mitbürger beheimatet ist, klingt Ihre sprachliche Variante sehr authentisch…

  6. Hajo schreibt:

    Ich finde dieses nahtlose Umschalten zwischen verschiedenen Sprachen genial (vielleicht auch deshalb, weil ich alles Andere als ein Fremdsprachgenie bin).
    Wir hatten mal einige Jahre eine finnische Familie als Nachbarn, deren Kinder im Vorschulalter waren, als sie (ohne grössere Deutschkenntnisse) nach Deutschland kamen. Schon nach ein paar Wochen waren sie soweit, dass sie sich verständigen konnten und auch untereinander sprachne sie deutsch
    .. vor Allem, wenn sie schimpften
    .. die „normalen“ Unterhaltungen wurden dann in finnisch/deutsch geführt, wobei ich immer fasziniert war über die Kunst, ohne Absatz von einer zur anderen Sprache zu wechseln.
    Aber, wie geschrieben: alles nur Neid meinerseits 😦

  7. karfunkel86 schreibt:

    Hallo, bin zum ersten mal hier.
    Na,na,na, da kann aber eine ganz gut türkisch. Der Satz des Ehemannes ergibt einen Sinn.
    Ja, ich finde dieses Umschalten von einer Sprache in die andere auch witzig.
    Interessant wird das Ganze aber, wenn in so einem Satz das Wort „Baumkugeln“ fällt. Was macht ein türkisches Ehepaar mit Baumkugeln????

    birinci advent in kutlu olsun

  8. mozzarella schreibt:

    Vor ungefähr 20 Jahren hatte ich meine erste ABC-Klasse. Das war eine Klasse für Kinder (mit „Migrationshintergrund“) im Alter zwischen 7 und 13 Jahren, die in ihrem Land niemals eine Schule besucht hatten und ganz neu in Deutschland waren. Meine Klasse war gerade neu eingerichtet worden und bestand damals aus 2 (!!!) Schülern.
    Auch mit wenigen Kindern versuchte ich „deutsche“ 🙂 Weihnachtsstimmung zu verbreiten.
    Fast rührte es mich, als Schüler 1 seelig vor sich hin sang: “ Jingle bells, jingle bells. ..“
    bis ich genau hinhörte – die Melodie stimmte, aber der Text: „Kindergeld, Kindergeld ..!“

  9. karfunkel86 schreibt:

    Ach übrigens frlkrise: Ich glaube, durch ihren Blog könnte ich mich dem Lehrerstand sogar wieder ein bisschen positiver annähern. Sehr schön und witzig geschrieben,

  10. Type schreibt:

    Na Frl. Krise, hängen Sie auch gebannt an den Lippen des Herrn Jauch und seiner bescheidwissenden Gäste in Bezug auf die Mängel des Schulsystem und der Integration nicht-wurzeldeutscher Kinder?

  11. Ulla 39 schreibt:

    @Mozarella: Wie geht der Text weiter?

  12. paule t. schreibt:

    Dieses Code-Switching finde ich auch süß. Hört man an der Uni auch öfter, nur dass dann zwischen dem Türkisch „Leistungsnachweis“ und dergleichen auftauchen, und die Leute auch oft völlig problemlos ganz auf deutsch umschalten – wenn es dann mehr um Fachliches als um Alltag geht, nehme ich an.

    Und statt Türkisch können es auch schon mal Chinesisch, interessant gefärbtes englisch oder französich oder noch andere Sprachen sein, aber dann ist das Deutsch meistens nicht so gut.

  13. hafensonne schreibt:

    Cola und Rotwein? Mach nicht so, Frl. Krise!

    Aber witzig, Ihr lautmalerisches türkisch mutet ungarisch an, obwohl beide Sprachen ein verwandtschaftliches Verhältnis tapfer leugnen!

  14. Mari schreibt:

    Ich hab mich im Bus lauschend auch immer gefragt, wie es dazu kommt, dass man in einem Satz zwei Sprachen mischt.
    Dann war ich zusammen mit einer Freundin für 3 Monate in Spanien und des Rätsel wurde gelüftet, weil die Erfahrung selbst machten. Wir unterhielten uns den ganzen Tag auf Spanisch (schließlich waren wir da um es gescheit zu lernen) – das ging die meiste Zeit ziemlich gut – und wir verwendeten wir auch deutsche Einwürfe: Wenn wir aufgeregt waren, und schnell etwas mitteilen wollten, uns die Vokabel fehlte oder es einfach kein adequates Wort für das zu sagende gab, entstanden so einige Mischsätze.
    Und wir selbst empfanden die Sprachmischung als ganz natürlich, denn das Gegenüber weiß ja, was man meint. 🙂
    Hach ja, jetzt krieg ich Fernweh!

  15. Diana Loos schreibt:

    Die zweisprachigen Misch-Masch-Sätze erinnern mich an die Zeit, als ich dabei war, meine Tochter zweisprachig (deutsch/englisch) zu erziehen. Ich sprach mit ihr nur Englisch, ihr Vater und alle Welt sprach Deutsch. Herrliche Sätze kamen manchmal vor – ich werde nie vergessen, wie sie vom Kindergarten nach Hause kam und gestand, „Mami, ich habe a little bit meine Pants gewettet!“-!!!!!

  16. Magdeburgerin schreibt:

    Als Mitglied einer deutsch-peruanischen Familie geb ich auch mal meinen Senf dazu:

    Man mischt auch die Sprachen, weil es den Begriff (Baumkugeln…) einfach in der anderen Sprache nicht gibt und dann auch, wenn einem das Wort die Sache in der einen Sprache besser bestimmen zu scheint. Merkt man nicht beim Reden und genau so kamen Begriffe wie Radio oder Wein ins Deutsche.

    Und die Blauäugigkeit gegenüber der Realität der Arbeitswelt: auch jemand mit glänzendem Abitur, glänzendem Studium (bis zur „Wende“, denn als doofer rassistischer Ossi durfte ich unter den neuen besseren Herren das letzte halbe Jahr nicht beenden) und mit inzwischen drei IHK-geprüften Berufen + 20 Jahren Berufserfahrung findet nur schwer eine Arbeit, vorallem, wenn man davon eine Familie ernähren will (und ich meine ernähren. Urlaub oder dickes Auto, davon träumt hier niemand mehr).

    Die Realität ist noch viel härter. Dafür sind „unsere“ Türken hier sind besser integriert als die Russen (aber nicht so gut, wie die Vietnamesen).

    Übrigens sind in den Klassen meiner Kinder die nicht-wurzeldeutschen im vorderen Drittel. Wie meine Mischlinge. Hilfreich sind wahrscheinlich die glücklicherweise recht kleinen Klassen.

    Viele Grüße wohin auch immer

    ne Magdeburgerin

  17. Ahuefa schreibt:

    Musste mir grad n Handtuch holen, so doll gelacht habe ich schon lang nicht mehr – v.a. weil das Asteriskchen dann erklärte, es sei gar kein echtes Türkosch.
    Besten Dank für diesen Aufsteller!

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