Ausbildung rockt!

Cihan fixiert einzelne meiner Schüler. „Das ist hier Kinderkacke! Ihr seid Kinderkacke!“ sagt er verächtlich. „Ich war auch mal wie ihr. Aber jetzt sag ich euch, macht mal nicht so! Sonst werdet ihr sehen. Nichts wird aus euch, nichts!“
Oho, denke ich, der ist doch erst seit gerade mal vier Monaten weg von der Schule, und schon solche Erkenntnisse….
„Ich hab erweiterten Hauptabschluss,“ doziert Cihan. „Das ist nichts, gar nichts. Damit wird man schief abgeguckt!“
„Wieso?“ schreit Hanna, „ist doch voll gut, Erweiterter! Besser als nur Haupt!“
„Du hast keine Ahnung, Mädchen!“ Cihan richtet sich auf. „Nichts ist das, ein Dreck ist das! Ich wollte Einzelhandelskaufmann machen, aber mit dieses Abschluss kann ich nur Verkäufer!“
Meine Schüler sehen ihn zweifelnd an. Wovon spricht der da eigentlich? Was soll das?
Jetzt lädt man schon einen Azubi ein und dann redet der wie Frl. Krise, nur noch drastischer…
„Ist nicht wie Schule, Ausbildung!“ Cihan wird laut. „Ist anders! Chef sagt, was los ist. Kannst du nicht sagen, ey Chef, will ich nicht oder passt mir nicht! Guckst du Chef schief an, zack! Bist entlassen. Vier Monate Probezeit. Muss er nicht erklären warum..“
„Und was machst du so alles in dein Laden?“ fragt Nesrin leicht verstört.
„Bei lidl? Ich mache Regale auffüllen. Kasse auch, aber Büro macht nur Filialleiter.“
„Und wie ist das denn mit Verspätungen, Cihan?“ frage ich heimtückisch.
„Hah! Verspätungen! Geht nicht, Verspätung! Zweimal! Dann kannst du gehen!“
„Aber wenn doch der Bus zu früh gekommen ist,“ werfe ich Stil von Nesrin ein, „eine Minute oder so, das macht doch sicher nix….“
Cihan schüttelt den Kopf. „KEINE Minute! Ich muss 20 Minuten vor Anfang da sein!“
Erkan schreit auf. „Niemals!“
„Ich war auch wie du, früher,“ sagt Cihan finster,“ auf der Couch sitzen, Körner essen, die Wand anstarren! Mach ruhig so! Wirst du schon sehen!“
Langsam wird meine Klasse unruhig. So ewas wollen sie nicht hören.
„Verdienst du viel?“ fragt Hanna, um mal auf was Schönes zu kommen.
„Ich verdien gutes Geld,“ sagt Cihan, „aber wenn ich fertig bin bekomme ich Stelle mit halben Stunden. Davon kannst du nicht heiraten oder Kinder ernähren. Frau muss auch arbeiten, wie der Prophet gesagt hat. Sonst geht es nicht.“
Nesrin guckt groß. Sie will mal reich heiraten. Also ein lidl –Verkäufer fällt aus, das steht jetzt schon fest!
„Ihr seid Träumer!“ Cihan zeigt auf Jasmin, die gelangweilt den Spliss ihrer gefärbten Haarspitzen untersucht.
„Wie ihr euch benehmt! Wenn ich noch mal hier gehen könnte! Glaubt mir, ich würde alles anders machen! Oder mein Kusin! Kennen manche von euch! Bülent. Sitzt zu Hause und hat nichts. Keine Stelle, nichts. Er hat Depression! Versteht ihr? Depression! Und kein Geld! Wollt ihr SO werden?“

Als Cihan nach einer halben Stunde geht, sind alle schwer beeindruckt. Außer Azzize, Gülten und Leila, die kichern schon wieder und Erkan und Mustafa, die wälzen sich am Boden.

So langsam setzt sich vielleicht doch noch die Erkenntnis durch, dass es hier demnächst auf ein Ende zugeht, denke ich, und dass sie…

„Frl. Krise,“ ruft da Aynur, „ vallah, der hat aber voll übertrieben, der Junge, wa?“

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44 Antworten zu Ausbildung rockt!

  1. Ich eben wer sonst schreibt:

    Hey Frl. Krise was ist das denn hier für ein Geschreibsel?

    Und Cihan hat schon Recht, aber wie der redet voll komisch ne?!

  2. michathecook schreibt:

    der hat so recht der gute….

  3. Wendy schreibt:

    Seufz – sie merken es immer erst später…. alle….

  4. heini schreibt:

    Wenn der Cihan Ausbildung fertig hat, kann er es bei entsprechender Motivation über den 2ten Bildungsweg versuchen. Sind halt im Endeffekt einige „verschenkte Jahre“; auf der anderen Seite war er wahrscheinlich vor einigen Monaten noch nicht so weit wie jetzt.

    Ich bin ja Gymnasiumschule (richtig?) gegangen, ich hatte Glück, dass es einfach nie in Frage gestellt wurde, dass ich Schule mache und so. Hab immer so gerade genug gemacht, um nicht hängenzubleiben, besonders im Alter Ihrer Schüler hier. Wäre auf Hauptschule auch nicht anders gewesen. glaub ich.

    Leide innerlich mit, wenn ich solche Geschichten höre.

    P.S. die Freiheit = Faulheit-Effekte hatte ich dann im ersten Studienabschnitt, war bisserl spät und hat dazu geführt, dass ich ein Jahr länger als geplant studiert habe. Hinterher ist man halt immer schlauer (hoffentlich).

    • frlkrise schreibt:

      Hinterher sind IMMER ALLE so schlau, das ist ja das DRAMA!

    • Anka schreibt:

      @heini
      Sie haben immer gerade genug gemacht, um nicht hängen zu bleiben.
      Das setzt aber voraus, dass sie auch im größten hormonellen Chaos noch wussten, wann es Zeit wird, die Notbremse zu ziehen und was man in diesem Fall zu tun bzw. zu unterlassen hat.
      Dass sie dazu in der Lage waren, ist nicht zuletzt auch die erzieherische Leistung ihrer Eltern, die es anscheinend nicht versäumt haben, ihnen rechtzeitig das entsprechende Rüstzeug mitzugeben.

  5. fraufreitag schreibt:

    bringt doch alles nix. ach doch, cihan hatte bestimmt einen heidenspaß.

  6. Heuchler schreibt:

    Ein Leben ohne Probleme ist wohl auch ein Problem. Vielleicht das größte. Wir sollten unsere Lieblingsprobleme hüten, sonst kommen die Unliebsamen!

  7. 西の魔女 schreibt:

    Gibt es eigentlich auch Schüler, die gar keine Zukunftswünsche haben? Man hört ja immer mal wieder von Jugendlichen, die sich schon auf Hartz4 vorbereiten, gibt es die wirklich, oder sind die ein Mediengespenst?
    Ich denke nach der Schule ist man immer viel schlauer, und ich finde es sehr gut, dass Sie Cihan in Ihre Klasse geholt haben, um ein wenig darüber zu sprechen, wie es wirklich ist. Dass Ihre Schüler das trotzdem nicht so ganz glauben – schade.

    • frlkrise schreibt:

      Nein, Hartz4 ist nicht das Ziel. Aber sie haben noch nicht verstanden, wie man ans Ziel kommt…..

    • halab schreibt:

      Leider gibt es wohl doch den einen oder anderen mit Hartz IV Absicht.
      Eine Bekannte von mir hat letztens dem Sohn ihres Lebensgefährten (9. Klasse, Hauptschule) ins Gewissen geredet und ihn unumwunden gefragt, wie er sich mit VIER fünfen im Moment seine Zukunft vorstellt. Antwort: HARTZ IV
      Ihre Reaktion war eine glatte Lüge: „Selbst bei Hartz IV musst Du vorher gearbeitet haben!“ Der Junge hat es aber wohl geglaubt.

      Aber ansonsten weiß ich, dass man eigene Erfahrungen nicht an die Jugend weitergeben kann. Das Leben ist der beste Lehrmeister.
      Ich wünsche Cihan, dass er bald nicht mehr der Schule hinterher heult, sondern versucht, über den sogenannten 2. Bildungsweg etwas zu erreichen.
      Leider wird es wohl nicht funktionieren.

      Ich bewundere immer wieder Fr. Krise. Ich an ihrer Stelle würde die Kinder jeden Tag nur schütteln…
      Aber anders hätte ich nicht die Kraft ihnen ein zu bläuen, dass sie selbst ihres Glückes Schmied sind.

    • CansimFelis schreibt:

      Ich kenne Schüler an unserer Schule, die klar sagen, dass sie keine Ausbildung oder Job, keinen Abschluss oder überhaupt Schule brauchen, da sie später doch Hatz4 kriegen. So wie bei ihren Eltern, bräuchten sie nicht mehr – das killt jede Beruftsvorbereitung!

  8. seelenhafen schreibt:

    Wunderbar, wie unterhaltend so was sein kann. Die Pointe war echt gut 😉
    Ich stell mir Ihre schockierte Klasse geradezu bildlich vor…

    Seltsamerweise hat man mir als Realschüler damals auch immer erzählt, dass alles unglaublich kompliziert wird…

  9. Jörg schreibt:

    Hmmm … so ist das, wenn man in jungen Jahren nicht auf’s Leben vorbereitet wird. Wer’s zu gut mit seinem Nachwuchs meint, tut ihm leider nichts Gutes. Die Verantwortung liegt in Eltern Hand. Wenn die Eltern nicht steuernd eingreifen, kann die Schule es auch nicht hinbiegen. Das Leben erzieht sie dann. Und das Leben ist ein unnachgiebiger Lehrer.

  10. Ulla 39 schreibt:

    Liebe Krisi, es ist für mich doch besser, erst im Laufe des Tages hier mitzulesen. Es ist zu traurig. Mein Tag fängt schlecht an; ich kenne das ja, nicht nur von Jugendlichen, nein auch von Erwachsenen, wirkt also wie ein Verstärker.
    Es war eine sehr gute Idee, Cihan einzuladen. Vielleicht kann er auch mal den zugehörigen Eltern von seinen Erfahrungen erzählen? Damit die ihren Kindern …?

  11. Inch schreibt:

    Naja, so traurig das ist, verstehen kann ich Ihre Schüler schon. Wer glaubt in dem Alter schon anderen, die einem was vom Ernst des Lebens erzählen wollen? Ich hab das nicht getan. In dem Alter glaubt man doch, die Welt stünde einem offen. Man fühlt sich bärenstark.
    Die Erkenntnisse und Ernüchterungen kommen erst später, aber aus der eigenen Erfahrung. Reden hilft da nicht viel bis gar nicht.

  12. Jessi schreibt:

    gut, dass ein ehemaliger Schüler eingeladen wurde. vielleicht hat er ein paar Leuten ja wirklich die Augen geöffnet =)

  13. Mithrandir schreibt:

    Na Frl. Krise, Sie sind doch Pädagogin. Wenn ich es recht weiß haben Sie keine Kinder.
    Trotzdem sollten Sie wissen, dass ein Kind trotz aller ERmahnungen erst die Finger vom Herd lässt, wenn es sich wirklich verbrannt hat.
    „Learning by burning“ Cihan hats erfahren, die anderen werden es wahrscheinlich auch durchmachen.

    • frlkrise schreibt:

      Natürlich hab ich kinder! Und dann streich ich am besten mal diesen ganzen Berufsorientierungsunterricht, oder wie?

      • daisy schreibt:

        Nee, mach ma lieber nich.
        Mich besuchen manchmal Ehemalige, die müssen, ob sie wollen oder nicht, gleich mit in den nächsten Unterricht. Dann unterhalte ich mich vor den anderen mit ihm/ ihr. Kommt sehr oft vor, dass sie den Schülern die Leviten lesen. Kommt voll gut!! War also doch nicht ganz vergebens. Die Schüler sitzen oft mit offenem Mund da und können es kaum fassen.
        Bloss nicht aufhören mit BO!

  14. Hajo schreibt:

    Frl. Krise, wie viel hast Du ihm bezahlt? 😉

  15. Olaf schreibt:

    Ich dachte immer, es gäbe auch bei Ihnen in der Stadt eine Art „türkischer Gemeinde“, in der sich so etwas – leicht „generationenverschoben“ – herumspricht, so daß m. o. w. jeder einen Cihan kennt, der ein oder zwei Jahre voraus ist und berichten kann, wie sich das alles dann tatsächlich darstellt.
    Irgendwo hatten andere (und ich auch) leicht wehmütig darüber geschrieben, daß man Schule und so manchen Lehrer erst im Rückblick zu schätzen gelernt hat, wenn alles vorbei ist.
    Und Herr Goethe hatte wohl recht, wenn er sinngemäß einmal gesagt hat, daß die Wirklichkeit so weit reicht, wie der Geist begreift.
    Zugleich muß man wohl sagen, daß es in den siebziger Jahren noch leichter war voranzukommen, was Ausbildung etc. angeht. Heute möchte ich lieber nicht mehr Schüler sein und ins Arbeitsleben starten müssen.
    Bitter ist die Lage schon, gerade für Ihre Kinder.

  16. Christjann schreibt:

    Ich habe an der Uni auch mal einen reizenden Vortrag gehört mit dem Titel „Was soll aus uns (weltfremden Germanisten) nur werden?“ – Danach dachte ich auch, so ein Trottel, so eine Angstmache, natürlich werde ICH nicht in der Verwaltung von Jacques Weindepot landen… die Realität ist auf jedem Niveau so lange fremd, so lange man noch in irgendwelchen Ausbildungsinstitutionen steckt. Eltern hin, Lehrer her… isso…
    seufzende Grüsse
    Christjann

    • Hajo schreibt:

      aber jieber Christjann, so schlecht sind die Produkte in J. W. doch nun auch nicht 😉
      is‘ irgendwie auch ein Ausgleich, oder?

    • ingo schreibt:

      haha, wie wahr, wie wahr …

      ich habe im bekanntenkreis und der verwandtschaft reichlich leute die seinerzeit ein studium der sorte gemacht haben das ich als „arbeitslos deluxe“ bezeichnet habe – museologie, linguistik, kulturhistorik, japonistik usw.
      wenn ich seinerzeit skeptisch gefragt habe „und was kannst du später damit anfangen?“ gab es immer empörung pur, wie man sowas fragen könne, es müsse ja nicht immer alles nur dem geldscheffeln unterworfen werden, bildung habe noch niemandem geschadet, und wer eine gute ausbildung hat der kann ja immer … kein einziger von ihnen arbeitet heute auch nur entfernt im bereich seines studiengebietes, und dem bildungsgrad angemessene positionen hat auch keiner von ihnen. von der bardame bis zum büchersortierer bei amazon alles ganz prima lebensläufe -> ein mieser (bis gar keiner) plan für die zukunft und eine krasse fehleinschätzung der tatsächlichen lage auf dem arbeitsmarkt ist bei weitem kein merkmal nur von hauptschülern.

  17. Karl Eduard schreibt:

    Ja, wenn man die Zeit zurückdrehen könnte. man würde ja soooo auf die Lehrer hören. Zu Spät.

  18. Trician McMillan schreibt:

    Wenigstens geht Cihan Lidl, die zahlen 10 Euro Mindestlohn. Meine Schwiegermutter arbeitet Edeka für 7, 50 Euro und ist da eine der Besserverdienenden, mit Realschulabschluß und Einzelzhandelsausbildung… Voll krass unfair!

  19. Richard schreibt:

    Cihan hat natürlich recht, aber es wird nichts bei den Schülern bewirken. Ein Mahner aus einer vermeintlich anderen Welt! Oder Galaxie, oder noch weiter weg… Also sollen sie halt ihre Zeit im Anschluss an den Abschluss, wenn er denn kommt, verschenken. Ist eh das einzige, was sie haben und jemals haben werden – Zeit. Klingt zwar traurig, ist aber leider so.

  20. B wird Lehrerin schreibt:

    Vallah! Toller Azubi, macht erst mal Ansage! Der sollte öfter kommen, auch zu meinen Schülern 🙂

  21. die Schmith schreibt:

    Würde mich ja freuen, wenn das jetzt gefruchtet hat. Lehrer können ja viel reden. Aber bei einem, der noch gar nicht lange aus der Schule raus ist, sieht das schon wieder ganz anders aus.

    Vielleicht hilfts auch, wenn ihr noch mal (*seufzt*) über die gewünschten Berufe redet. Es scheint ja nicht allen so richtig klar zu sein, was jetzt die Unterschiede zu den einzelnen Berufsbezeichnungen sind. Auch noch mal ein bisschen genauer, was die Ausbildung so mit sich bringt.

    Habt ihr auch schon über die Möglichkeiten der freiwilligen Jahre gesprochen? FSJ oder wie auch immer sich das jetzt nennt. Wissen die auch, dass es schulische Ausbildungen gibt? Wobei vielleicht nur wenige dafür in Frage kämen. Ist ja recht wenig Praxis im Vergleich zur dualen Ausbildung.

    Hach, wenns doch endlich klick machen würde…

    • FSJ ist doch mehr für G8-Abiturienten, die nocj nicht wissen was sie machen wollen 😉

      schulische Ausbildung ist doch keine ri9chtige Ausbildung und mehr eine Randerscheinung, aber wenigsten gibt es da Kindergeld und die Eltern glauben, man lernt etwas. Bei uns in NDS gibt es 1-jährige Beruifsfachschulen, die als erstes Lehrjahr angerechnet werden können. Viele Schüler nutzen das als Durchgangsstation und um ein Jahr keinen Stress zu haben, und es gibt eben Kindergeld. Spricht man mit denen, dass sie im erstem Ausbildungsjahr sind, bricht die blanke Panik aus……….

      • Hajo schreibt:

        Christian: „G8-Abiturienten … Viele Schüler nutzen das als Durchgangsstation“
        warum soll das nur für Abiturienten gelten, wie man sieht, gilt das Selbe auch für Hauptschüler, ob erweitert oder nicht 😉

  22. in-der-12-abbrecher schreibt:

    boah.

    jetzt isses ganz schlimm geworden

    bis neulich konnte ich immer eine woche warten und dann montags die ganze woche einverleiben.

    JETZT gugge ich schon mehrmals täglich obs was neues gibt.

    Vallah, wenn Frl. Krise aufhört zu bloggen komme ich in die Schule und blogge weiter.

  23. petergagamann schreibt:

    Hehe… zu spät kommen is nicht… Herrlich.

  24. KC schreibt:

    der klassiker…aber ganz ehrlich, wenn es sie beruhigt…mit universitätsschulenstudenten klappt das auch nicht, denen kann man auch täglich sagen, dass sie für die ganz besonders schwierigen übungen wenn möglich gestern angefangen haben sollen, zu arbeiten…ich freu mich schon auf die tut-sitzung vor der klausur 😀

  25. meandern schreibt:

    Lassen Sie doch mal ihre Schüler „Personaler“ spielen, legen verschiedenen Bewerbungen vor und finden heraus, für wen die sich entscheiden würden. Am Ende würden sich ihre Schüler wahrscheinlich selbst aus dem 100-Bewerbungen-auf-eine-Stelle-Stapel aussortieren… Ja, Kinder ihr seid nett – aber das wird „nie“ einer erfahren (ok, sehr negativ, ich hab hoffentlich unrecht), weil ihr erst einmal nur Papier und Zahlen seid – keine Menschen.

    • Florenz schreibt:

      Ich finde die Idee super aber langsam frage ich mich warum SIE als Englisch/Kunstlehrerin die Schüler fast schon zum Vorstellungsgespräch tragen müssen. O.o
      Wie weit geht die Verwantwortung der Schule in diesem Fall?
      Wir haben damals auch unsere ersten Lebensläufe in der Schule gemacht, aber bewerben/informieren mussten wir uns schon alleine.
      Da kam niemand mit Infomaterialien, Bewerbungstrainern und Berufsberatern in die Klasse. Soviel Einsatz ist bewunderswert.

      Ist den Schülern auch klar das sie auch während der Lehre/Ausbildung in die Berufsschule gehen müssen? Bei uns am Land muss man pro Jahr, 2 Monate am Stück von 08:00 bis 18:00 Uhr die Schulbank drücken.

      • frlkrise schreibt:

        Englisch? Nee, Deutsch, Bio, Kunst und diverses, aber no Englisch.
        Es gibt inzwischen ein FACH für die die Berufsvorbereitung, 2-stündig in der Woche und das ist gut so! Jetzt in der heißen Zeit lasse ich sogar den Ethikunterricht unter den Tisch fallen und mache in den beiden Stunden auch noch das! Die wenigsten haben zu Hause jmd., der ihnen helfen kann. Das ist schon ok. so! Kein Fünfzehnjähriger schafft das alleine!

  26. Nania schreibt:

    Meines Erachtens liegen viele Probleme in den gebotenen Perspektiven. Weniger, was die Schule betrifft, als vielmehr die Gesellschaft. Wo man früher noch prima mit einem Hauptschulabschluss arbeiten konnte, werden heute die Plätze von Realschülern oder sogar Gymnasiasten besetzt.
    Mein Vater konnte damals noch von der Hauptschule aufs Gymnasium wechseln (nach der zehnten Klasse, versteht sich), ohne sich dafür eine zweite Fremdsprache aneignen zu müssen. Das ist auch ein Anreiz.

    Wenn Kinder nur bestimmte Sachen vorgelebt bekommen (Hartz4, schlechte Schulbildung, schlechter Arbeitsplatz), dann sehen sie für sich keine andere Perspektive. Und hier liegt meines Erachtens auch das Problem des „Abstempelns“ in der Gesellschaft. Denn wenn die Gesellschaft in Hauptschülern nur den „Dreck“ des Schulsystems sieht, dann ist das ein Problem, welches sich nicht so einfach beheben lässt.
    Ich könnte mir z.B. vorstellen, dass viele Jungen und Mädchen später (und die Wahl des richtigen Berufes gestaltet sich sehr, sehr schwer und ist m.E. mit 16 noch gar nicht so richtig machbar, außer in Ausnahmefällen) ganz hervorragend in ihrem jeweiligen Beruf werden können – wenn man sie nicht darauf trimmt, dass sie bestimmte Berufe sowieso nicht erreichen werden

  27. Anka schreibt:

    Ich nehme mal an, Ihr Vater gehört eher meiner Generation an:
    Von 42 (!) Erstklässler sind bei uns damals nur 3 aufs Gymnasium gewechselt, weitere 3 sind in die Realschule gegangen. Der logischerweise immer noch sehr heterogene Rest blieb auf der Hauptschule, was ja überhaupt nichts Ehrenrühriges war, hat danach eine Lehre absolviert oder den 2. Bildungsweg beschritten. Nicht einer (!) verließ die Schule als nicht ausbildungsreif. Viel älter als heute waren sie auch nicht.
    Allerdings gab es auch kaum Kinder mit Sprachproblemen (oder gilt breitester Dialekt?), es herrschte annähernd Vollbeschäftigung, die meisten Familien waren zumindest nach außen hin intakt, den Müttern reichte (wenn sie überhaupt arbeiteten) meist ein Halbtagsjob,die Erziehung war noch nicht so „nah dran“ am Kind, das heißt, Regeln waren vorhanden und klar formuliert und nahmen noch relativ wenig Rücksicht auf die kindlichen Befindlichkeiten, die Strafen beim Brechen fielen teiweise ziemlich drastisch aus. Sekundärtugenden fand man zwar auch schon ein wenig spießig, trotzdem wurden sie von Elternhaus und Schule noch vermittelt und eingefordert, die Gesellschaft war weniger hedonistisch, die Technisierung und Automatisierung war noch nicht so weit fortgeschritten…
    Kurz: man kann die damalige Gesellschaft mitsamt ihren Rahmenbedingungen tatsächlich nicht mit der heutigen vergleichen, man kann die Kinder von damals nicht mit den Kindern von heute vergleichen, die Eltern ebenso wenig und wahrscheinlich auch nicht die Lehrer und ich behaupte, dass man gerade einen Hauptschüler von damals nicht mit einem heutigen vergleichen kann.
    Es ist nicht mehr die heterogene Mehrheit von damals, die diese Schulform besucht und das Wissesniveau der Kinder heute ist leider viel zu oft unterirdisch, das kann man hier ja schön verfolgen. Anstatt dieser Entwicklung gegenzusteuern, korrigieren die lieben Kultusministerien lieber einfach die Anforderungen immer weiter nach unten in der Hoffnung…ja, in welcher eigentlich?
    Die Prüfungen sind objektiv betrachtet inzwischen fast schon lächerlich einfach und trotzdem scheitern immer noch viel zu viele Kinder daran…einfach traurig und wenig Mut machend.

    Im übrigen ist es- in unserem Bundesland – auch heute noch möglich, das fachgebundene Abitur mit nur einer Fremdsprache zu erlangen.

  28. dienyx schreibt:

    Herrlich plastisch beschrieben. Noch herrlicher, wie der Verdrängungsprozess mit Verzögerung eintritt. Vallah, der hat doch voll übertrieben der Junge…

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