Das pG nun wieder!

So, wir haben uns heute nochmal unterhalten, Sarah und ich. Ein ganz vernünftiges Gespräch von Frau zu Frau. Wir haben unsere Positionen ausgetauscht, uns gegenseitig zugehört und vielleicht auch ein bisschen besser verstanden.
Der Verlobte wird demnächst, wenn er seine Ausbildung beendet hat, nach Deutschland kommen.
Sarah will aber auf jeden Fall ihren Schulabschluss machen, das sei ihr sehr wichtig, sagt sie.
Mir auch.
Hoffen wir also das Beste.

Herr Schadow eröffnet mir, dass ich gleich Vertretung Kunst in der Sieben habe.
Das musste ja mal passieren. Seit den Sommerferien hatte ich in diesem Jahrgang noch keine einzige Stunde, höre mir nur die mehr oder weniger unerbaulichen Storys meiner Kollegen an.
„Ich nehme Mirko mit zu mir in Sport,“ sagt Herr Schadow, „ dann bist du den schon mal los!“
Das soll mir recht sein, ich kenne diesen Knaben zwar nicht, aber Herr Schadow wird schon wissen, was er tut, schließlich ist er sein Klassenlehrer.
Ich kopiere noch schnell eine Vorlage aus einem Kunstbuch, denn ich werde mich auf keinen Fall darauf einlassen, dass jeder malt, was er will. Da sind die nämlich fast immer fast alle nach ein paar Minuten fertig und dann beginnt das Generve und Gezeter. Und wenn ich in einer Vertretungsstunde auf etwas keine Lust habe, dann darauf.
Vor dem Kunstraum toben schon ein paar paar Gestalten herum. Wie die Jecken! Einen kenn ich! Mit dem hab ich mich doch beim Theaterbesuch neulich angelegt. Na toll!
„Wo ist Frau Schaum?“ fragt der.
„Die ist krank!“
„Haben wir Ausfall?“ fragt ein Mädchen.
„Nö!“ antworte ich, „Ihr habt jetzt bei mir!“
Wenig schmeichelhaftes Aufgeheule.
„Ich mag euch auch,“ sage ich und schließe die Tür auf . Dabei werde ich, noch nicht ganz im Raum drin, schon fast umgemangelt, einer reißt mir die Türklinke aus der Hand und einer tritt mir im Getümmel auf den Fuß.
Hallo? Nee, so geht das nicht! Spinnen die?
Ich lege den Rückwärtsgang ein und schließe die Tür wieder.
„Das üben wir jetzt noch mal,“ sage ich, „mal sehen, ob ihr das auch anders könnt.“
Augenrollen, Protestgemurr, aber beim zweiten Anlauf klappts.
Dass mir dabei alle Blätter hinfallen, ist meine eigene Dämlichkeit. Immerhin hilft ein Mädchen beim Aufheben.
Endlich sitzen alle. Ich erkläre die Aufgabe.
„Dürfen wir malen, was wir wollen?“ fragt der, mir dem ich mich neulich in der Wolle hatte.
„Nein,“ sage ich, „hast du nicht zugehört, ich habe es doch gerade erklärt!“
„Warum nicht?“ insistiert der hoffnungsvolle Knabe.
Ich habe nicht die mindeste Lust, es ihm zu erklären. Das liefe doch nur auf eine unerbauliche Debatte hinaus.
Ich merke, dass ich sauer werde. Diese kleenen Stöppkes gehen mir auf die Nerven. Laut, ungebärdig und frech, jawohl! Und aufpassen tun sie auch nicht. Der eine hat schon sein Blatt ganz zerknittert und die Mädchen haben zum Teil nicht mal ihre Jacken ausgezogen.
Meine Laune geht langsam in den Keller.

„Frl. Krise,“ meldet sich da mein pädagogisches Gewissen. „jetzt reiß dich mal zusammen! Das ist eine ganz normale Sieben. So sind die nun mal.“
„Aber die gehen mir auf den Keks“ antworte ich, „außerdem…meine schöne Freistunde!“
„Stell dich mal nicht so an,“ sagt das pG, „eigentlich hattest du wenig Vertretung in letzter Zeit“.
„Pöh! Dafür sind alle Kollegen krank, mit denen ich heute normalerweise zusammen Unterricht hätte!“ sage ich beleidigt. „alleine unterrichten, das ist vielleicht auch anstrengend!“
„Ja, ja,“sagt das pG, „jetzt hab dich nicht so. Außerdem – dafür können die Kinder hier nichts. Guck mal, die sind doch eigentlich ganz niedlich!““
„Niedlich? Naja…was du so unter niedlich verstehst!“
Das pG lässt nicht locker: „Statt so schlecht gelaunt herum zu zicken, könntest du mal freundlicher sein,“ sagt es, „mal ein bisschen loben oder so. Die Kleine hier zum Bleistift, die macht das doch ganz gut!“
„Aboooo…na, meinetwegen!“ Mann, das hat mir gerade noch gefehlt. Das pG am Montag! Aber gut, wenn es denn sein muss…
„Sehr schön“, sage ich etwas lahm zu der Kleinen, „das ist aber ein guter Anfang!“
Das Mädchen strahlt mich an.
„Und meins? Ist das auch gut?“ Ihre Nachbarin hält mir ihr Bild entgegen. „Ja, prima!“ sage ich. Beide Mädchen lächeln geschmeichelt, werfen mir zutrauliche Blicke zu und stürzen sich in die Arbeit.
„Na, siehste!“ sagt das pG zufrieden
Das pG geht mir auf den Wecker. Aber es hat recht.
Ich lobe mich also einmal durch die Mädchen, nöle, wenn auch nur verhalten, ein bisschen mit den Jungen und setze mich an den Tisch, an dem die größten Zappelphilippe sitzen. Mit gutem Zureden fangen die dann auch langsam an. Das pG klatscht Beifall. Ach, halts Mund, pG!
Meine Laune steigt langsam…., die sind ja soweit doch ganz ok, diese Kleinen, denke ich.

Die Bilder werden ganz schön, ich bin soweit zufrieden. Es ist nix Dolles, aber immerhin.
Als es klingelt, kommt ein Kollege, um die zweite Kunststunde zu halten. Er ist kein Kunstlehrer und hocherfreut, dass alles so angenehm angebahnt ist.

Ich entschwinde, schnell rüber in meine Klasse!

Dazu schweigt das pG.
Das wollte ich ihm auch geraten haben! Das hier kann ich schon alleine….

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24 Antworten zu Das pG nun wieder!

  1. Johannes schreibt:

    Bin ich froh, dass ich an der Uni kein pG brauche…

  2. fraufreitag schreibt:

    du hättest ihm sagen müssen, dass er sie zeichnen lassen soll, was sie wollen. und ja, die siebten sind schon anders, als die großen… ich habe ja NUR siebte und eine gräßlich achte.

  3. Jürgen schreibt:

    Ihr beiden seid großartig. Warum arbeitet ihr nicht im Süden. Ist doch schon fast Italien. 90 Minuten und schon auf dem Brenner, ich schwör.

  4. Croco schreibt:

    Das pG, die alte Schlampe .

  5. rotezora schreibt:

    Ich freu‘ mich, dass die Kommunikation mit Sarah wieder klappt, das lässt doch hoffen. pG könnte man auch für die Abkürzung für ‚positive Gedanken‘ halten, die sind überlebensnotwendig, wenn’s auch manchmal schwer fällt.

  6. Robivan schreibt:

    He he, vielleicht sollte das pG einen eigenen Blog eröffnen… 😉

  7. Haben Schüler auch ein Gewissen…..dem Lehrpersonal gegenüber?

  8. Hajo schreibt:

    dass Ihr Beiden (Du und das pG) per Du seid, lässt aber etwas professionellen Abstand vermissen 😉
    so wirst Du’s nie lernen 😦

  9. Walking-Girl schreibt:

    Das pG kann manchmal wirklich sehr anstrengend sein und an einem Montag ganz besonders. Mein Beileid. 😉

  10. frau schaum schreibt:

    Aus Frau Saum wurde Schaum, passt eigentlich besser. Das mit dem rein und wieder raus und noch mal probieren hab´ich bei einer Klasse dreimal hinter einander gemacht, da war die erste fast Stunde um. Prima so ein p.G. kauf ich mir auch, später. Ja, ja.ja, Loben loben loben es geht den Menschen wie den Leut

  11. Mirakel schreibt:

    „Der Verlobte wird demnächst, wenn er seine Ausbildung beendet hat, nach Deutschland kommen.“

    Geht das denn so einfach? Muss man da nicht neuerdings Sprachkenntnisse auch beim Familiennachzug nachweisen?

  12. christaschule2010 schreibt:

    pG hieß also die Stimme, die ich immer wieder im Unterricht höre. Warum sagt die eigentlich nie was Nettes? Wohl zu schlecht geschlafen oder unterzuckert! Na ja – eine leichte Zeit frl. Krise und ohren steif halten

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