Showdown

Sarah starrt mich feindselig an. „Bloß weil ich verlobt bin!“ zischt sie.
„Was hat DAS denn damit zu tun, dass ich dich ständig ermahnen muss?“ frage ich.
„Ja, ist bei mir auch so!“ assistiert jetzt Zeynap aus der Parallelklasse, die auch in meinem Kurs ist. „Meine Klassenlehrer dissen mich voll, seit ich verlobt bin!“
Ich seufze. Dissen! Als hätte ich sonst nichts zu tun. Ich versuche Unterricht möglich zu machen, mehr nicht.
Die beiden sind echt durch den Wind. Warum auch immer…
Es wird schon irgendwas mit der Verlobung zu tun haben, ob im positiven oder negativen Sinn.
Jedenfalls gibt ein Wort das andere und Sarah haut nach der 2. Stunde einfach ab.
Das war am Montag.
Am Dienstag treffe ich sie im Treppenhaus. Wir müssen beide hoch in unseren Klassenraum.
„Wo warst du am Montag nach der 2. Stunde?“ frage ich sie.
Sarah holt tief Luft und keift mich an: „Ich bin nach Hause gegangen! Weil Sie so…so…eine….mich voll schlecht behandeln. Nur wegen meine Verlobung. Ich hab alles mein Vater erzählt! Der kommt und wird Sie Bescheid sagen! Geht Sie gar nichts an meine Verlobung! Und…“!
„Stopp!“ sage ich, „es geht mich sehr wohl etwas an, wenn du 7 Schultage ohne Erlaubnis fehlst!“
Sarah keift weiter, ich komme gar nicht mehr dazwischen. Wie gemein ich bin, was ich alles gesagt habe, was ich alles darf und nicht darf und was sie alles darf und warum usw. usw. Drei Stockwerke lang….Frau Schaum, die uns entgegenkommt, sieht uns beeindruckt an und schüttelt den Kopf.
Oben angekommen bleibe ich stehen und sage kurzatmig: „ So, das reicht! Wenn du glaubst, dass…“
„Lassen Sie mich in Ruhe! Was haben Sie gegen mich? Bloß weil ich verlobt bin! SIE SAGEN JA NUR SO, WEIL SIE KEINEN ABGEKRIEGT HABEN!“ kreischt Sarah.
Dann rennt sie laut schreiend wieder die Treppe runter – direkt in die Arme von Frau Saum. Ich höre etwas von “ Handy ausmachen“ und „ nicht in diesem Ton“, dann tierisches Gezeter von Sarah, Türschlagen und schließlich ist endlich Ruhe im Treppenhaus.

Nach dieser Stunde kommt es zum Showdown.
Die Darsteller sind Sarahs Vater, Sarah, ihre Schwestern, meine Klasse, etliche Schaulustige, die sich schnell sammeln und ich. Der Ort ist wieder das Treppenhaus.
Sarahs Vater ist so aufgebracht, dass ich mich bedroht fühle. Dabei bin ich in der Beziehung nicht besonders zimperlich.
Ich breche das Gespräch nach drei Sätzen ab – und Gespräch ist auch der völlig falsche Begriff.
Jetzt muss die Schulleitung ran!
Die springt aber nicht auf Knopfdruck und so findet dort nur ein kurzer Wortwechsel statt.
Sarah soll sich heute Morgen noch einmal bei Herrn Fischer melden. Der ist leider mächtig im Termindruck, ab acht ist er voll verplant. Deshalb bestellt er sie auf halb acht, eine äußerst unchristliche Zeit, zu der sie wahrscheinlich noch nie in der Nähe der Schule war.
„Die kommt nicht pünktlich,“ sage ich zu ihm, als ich ihm noch rasch die Akte vorbeibringe.
„Sie hat gesagt, kein Problem, sie käme immer so früh!“ Herr Fischer ist guten Mutes.

Die einzigen, die heute in der Frühe um halb acht auf dem Schulhof vom Rad klettern, sind Fischer und ich. Von Sarah ist weit und breit nichts in Sicht und auch das Foyer ist dunkel und gähnend leer.
Ich verziehe mich ins Lehrerzimmer und kopiere ein bisschen, koche Kaffee, studiere den Vertretungsplan, lege meine Utensilien für die ersten Stunden zurecht und unterhalte mich mit Frau Herz und der Erzieherin über die grassierenden Verlobungsviren.

Kurz vor dem ersten Klingeln gehen wir los Richtung Unterricht.
Im Flur steht Herr Fischer, der schon wieder auf dem Absprung ist und spricht mit Sarah. Die ist sichtlich verlegen. Sie ist gerade hereingeschneit und hat verschlafen… Vallah, kann doch mal passieren!

Herr Fischer ist not amused. Sarah ist 18, sie hat ihre Pflichtschulzeit bereits beendet, wir unterrichten sie sozusagen freiwillig noch ein Jahr und können sie deshalb sofort ausschulen, wenn es Probleme gibt. Und die sind ja eben reichlich vorhanden….
Aber wir hatten uns gestern darauf verständigt, ihr noch eine allerletzte Chance zu geben…. Sie soll einen richtigen Schulabschluss haben und nicht nur Verlobte sein.

Das wollte er heute Morgen mit ihr besprechen.
Zu spät!
Er schickt sie nach Hause – ohne Klärung kein Recht auf Unterricht.

Morgen allerletzter Anlauf.
Um halb acht….

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61 Antworten zu Showdown

  1. kamerakidz schreibt:

    puuuuh! dann doch lieber frau freitag mit brötchen zu „unchristlicher“ zeit.

  2. FrauVau schreibt:

    Das arme „KInd“ merkt noch nicht mal, was sie sich selbst antut.. Momentan genügt ihr „verlobt sein“ voll und ganz, das Elend kommt später. Scheixxe.

  3. Jürgen schreibt:

    „Nach dieser Stunde kommt es zum Showdown.“
    Hier muss die Schulleitung ran, Krise, koste es, was es wolle.

  4. Blümchen schreibt:

    Wie kann man mit 18 Jahren noch so bekloppt sein? In dem Alter hört das mit dem Pupertieren doch endlich auf… in dem Alter trifft man lebenswichtige Entscheidungen und selbst der Staat geht davon aus, das man dann die Verantwortung für das eigene Sein übernehmen kann. Doch vielleicht sollte man Volljährigkeit bzw. Mündigkeit doch mit einer Prüfung verbinden…
    Echt Krass! Daneben kommt ich mir mit meinen 24 Jährchen ja reifer als meine Omi vor 😉

  5. Kay schreibt:

    Tschuldigung, jetzt kommt was politisch Unkorrektes, aber bei der Steilvorlage…:
    mit einer „unchristlichen“ Uhrzeit dürfte es in dem konkreten Fall doch kein Problem geben, oder?
    Wie gesagt, nicht politically correct. Aber mein Gedanke.

  6. Mel schreibt:

    ohje…
    Hat sie vielleicht auch so einen Fastentag vor sich und ein Fest und viele Gebete und so? Bei meinem Schüler ist nämlich etwas los, Sonntag Bayram (oder so ähnlich) morgen fasten, und wir wurden aus dem Esszimmer verbannt, weil das zum Gebetszimmer umfunktioniert wurde…..dauernd sind die Eltern am Beten, und das Fasten macht dann dass alle Sünden weg sind. Praktisch. Fand zumindest mein Schüler. Alle Geschwister und er sind ziemlich aus der Spur, aber ich weiß nicht ob es ein allgemeines islamisches Fest ist oder nur bei denen? wenn doch, wäre es ja eine kleine Erklärung für Sarahs Verhalten heute.

    Hihi, bei ‚unchristliche Uhrzeit‘ musste ich allerdings auch etwas schmunzeln 🙂

  7. hafensonne schreibt:

    Puh, ich kann mir überhaupt keine Situation vorstellen, in der ich einen meiner Lehrer dermaßen angepöbelt hätte… und ich gehörte durchaus zu den „unbequemen“ Schülern. Merkwürdig, dass der Rückhalt aus der Familie (Papa) beinhaltet, dass der Institution (Lehrer) überhaupt kein Respekt entgegengebracht wird.

    • Casey schreibt:

      Vielleicht liegt das daran, dass Frl. Krise eine Frau ist und daher auch nicht fuer voll genommen wird. Anscheinend hat der Vater deshalb auch keine Lust mit HERRN Fischer zu sprechen, den kann er ja nicht so behandeln.

  8. Personal Trainer Kiel schreibt:

    Oh, man drücke die Daumen, das Sarah noch zur Besinnung kommt. Frage mich was bei ihr alles im argen liegt, dass sie so abgeht und alles und jeden anmacht?! Viele Erfolg bei dem Gespräch und gute Nerven.

  9. S. Van Lure schreibt:

    ach du backe, ich bin gespannt wie das ausgeht! :-/

  10. KC schreibt:

    Was für ein nettes Kind -.-

  11. 西の魔女 schreibt:

    Ich frage mich, warum sie ihren Herrn Papa mit zur Schule bringen muss, wenn sie schon so erwachsen ist, dass sie sich verloben kann. Als ich damals mit 16 aufs OSZ gewechselt bin, war’s das eigentlich mit „Mama und/oder Papa regeln das schon“.
    Leider habe ich aber auch schon von Eltern gehört, die nicht nur Lehrer, sondern auch Mitschüler ihrer Kinder bedrohen… Irgendwo hört der Spaß doch auf.

  12. Olaf schreibt:

    Oh je,
    all das klingt nicht wirklich gut.
    Muß PapaVaterBabaMann sich „kulturell“ bewähren und muß Tochter Sarah dabei loyal und selbstlos „assistieren“ ?
    Ich meine das nicht abwertend, es ist sicher eine sensible Sache.
    Aber wäre ein anderer Termin nicht womöglich besser gewesen, an dem auch Sie hätten teilnehmen können ?
    Hoffentlich geht das ohne Sie gut. Herr Fischer scheint sehr optimistisch und – sorry – ein wenig unbedarft.
    Bitte lassen Sie uns wissen.

    • frlkrise schreibt:

      Herr Fischer macht schon ganz richtig! Und so was muss schnell geregelt werden, sonst gibt es zu große Mythenbildung…. schließlich ist eine Schule eine einzige Gerüchteküche…..

  13. rotezora schreibt:

    Wenn ich mit einer Entscheidung nicht im Reinen bin, muss ich sie umso vehementer / unverschämter / paranoider gegen jede gefühlte Bedrohung von außen verteidigen. Ich muss diese gefühlte Bedrohung regelrecht inszenieren, damit sie rückwirkend sinnstiftend auf diese „Beziehung“ wirkt. So geht es Sarah gerade. T’schuldigung, hab grad eineinhalb Glas Rotwein intus. Ist das noch verständlich?

  14. Der Mathehügel schreibt:

    HÄ? „Bloß weil ich verlobt bin!“
    Die Kleine spinnt doch, oder? Wie lange kennt die unser Frl. Krise schon? Die muss doch wissen, dass unser Frl. Krise so einen Blödsinnn niemals machen würde. Welcher Lehrer reduziert eine Schülerin auf sowas?
    Hart bleiben. Entschuldigung verlangen. Papa ignorieren. Und immer wieder:

    KOPF SCHÜTTELN

  15. Der Mathehügel schreibt:

    Achja, habe mal einen Schüler, der auch auf so einem Tripp war gefragt:

    „Glaubst Du, ich bin ein Nazi?“
    Schwupps, war das Thema durch.
    Allerdings war auch kein Matheunterricht mehr möglich 😦

  16. Ulla 39 schreibt:

    Ach, liebe Krisi, in Gedanken geht es bei mir hin und her, was von meiner Meinung lasse ich verlauten?? Besser nichts. Da klopfen mir dann wieder – bildlich gesprochen – die Falschen auf die Schulter, und die Richtigen wenden sich ab.

    • Anka schreibt:

      Das ist aber schon ein wenig…na ja!
      Und in meinen Augen symptomatisch und letztendlich Teil des Problems wenn nicht Mitursache dessen, was hier schief läuft.
      Und schief läuft einiges.
      Und nein, das muss ich jetzt wohl extra betonen,ich halte ganz und gar nichts von den Falschen.
      Ich bin aber wohl, da weder kaugummitolerant noch mit unendlichem Verständnis noch mit allzu großer Langmut gesegnet, per Definitionem anscheinend auch keine Richtige?
      Meine Grenzen zumindest wären (wahrscheinlich nicht erst und nicht nur) hier erreicht gewesen!

    • rhadamanthys schreibt:

      Aus wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Gedanken_sind_frei

      „Immer wieder war das Lied in Zeiten politischer Unterdrückung oder Gefährdung Ausdruck für die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit.“

      Sind wir wieder soweit, dass man seine Gedanken nicht mehr äußern kann? Diesmal nicht mal aus Furcht vor staatlicher Unterdrückung, sondern ganz freiwillig aus Furcht von Beifall aus der „falschen Ecke“. Damit sind wir aber auf dem falschen Weg, keine Benennung von Problemen als Problemlösung hilft normalerweise nicht, man möge sich das nur in der medizinischen Diagnostik vorstellen.
      Akzeptieren von „Neusprech“ hilft die vorhandenen Probleme zu verdrängen und damit eine Lösung zu verhindern.

  17. halab schreibt:

    Etwas fehlt mir beim Überfliegen der Kommentare.
    Ist das nicht ein typisches Beispiel für Vorurteile von beiden Seiten?
    Sarah kann einfach nicht verstehen, dass es Ihnen als Lehrerin beruflich gesehen nur um die unentschuldigten Tage geht. Sie hat das „Vorurteil“, dass Deutsche einfach nicht verstehen können, dass man sich mit 16/17 bereits verlobt und dieses Ereignis für einen wichtiger als die Schule ist.
    Aus Sarahs Sicht wird sie erst mit der Verlobung als Frau anerkannt. Sie hat einen höheren Status erhalten.
    Aus deutscher Sicht ist der höhere Status einfach eine mindestens solide Ausbildung und finanzielle Sicherheit.
    Ich habe gestern einen interessanten Bericht gelesen, den ich an dieser Stelle gerne mit Ihnen allen Teilen möchte: http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/0,1518,794461,00.html

    • Ulrich schreibt:

      Verstehe ich nicht. Wo liegt denn da das Vorurteil bei Frl. Krise?

      Den Spiegelartikel habe ich auch schon entdeckt. Ein schönes Beispiel, das Mut macht. Das aber auch zeigt: Integration kann nur gelingen, wenn man die Werte der Gesellschaft akzeptiert in der man leben will. Aber bevor ich mich der Einseitigkeit verdächtig mache: Integration kann weiterhin auch nur dann gelingen, wenn diese Gesellschaft die Arme offen hält.

      In diesem Zusammenhang möchte ich noch http://www.ismail-tipi.de/inhalte/2/aktuelles/19278/offener-brief-an-ministerpraesident-erdogan/index.html anfügen.

      • halab schreibt:

        Ich habe nicht Frl. Krise speziell gemeint, sondern unsere Gesellschaft.
        Ich schätze einfach mal, dass sich 90 – 95 % aller Deutschen hinter das „Vorurteil“ stellen, dass eine so frühe Verlobung „bockmist“ ist.
        Genauso viele muslimische Mitbürger werden daran festhalten, dass man am Besten einen Ehepartner importiert.
        Ich denke einfach nur, wenn beide Seiten etwas offener werden, hätten wir weniger Probleme.

    • Meerschweinchen schreibt:

      Mit Rolf Zuckowski auf Tour gehen – das kann man Einwanderern bei aller Liebe nun wirklich nicht abverlangen!

    • Anka schreibt:

      Vorurteile kann ich auch keine erkennen.
      Ach ja, eine ganz ähnliche Erfolgsstory las ich übrigens erst kürzlich unserer Regionalzeitung:
      Die Tochter: Gute Schülerin, akzentfreies Deutsch, heute erfolgreiche Anwältin.
      Die Mutter : Analphabetin, mit der Tochter aus der Türkei eingewandert, dem prügelnden Ehemann dort entflohen, starke Frau – und alleinerziehend!!!
      Hier und dort nicht gerade die typische Familiensituation muslimischer Familien, oder?

      Nun hat Sarah aber wie meisten der anderen Mädchen mit ähnlichen Hintergrund offensichtlich einen Vater, wahrscheinlich auch noch Brüder und Kusengs in nächster Nähe und bald auch noch einen Ehemann, der auch nicht gerade ein Verfechter westlichen Lebensstils sein wird…

  18. Ich hoffe sie kommt noch zur Vernunft….nur Verlobte….das ist nicht abendfüllend….

  19. Landei schreibt:

    „Wenn ich mit einer Entscheidung nicht im Reinen bin, muss ich sie umso vehementer / unverschämter / paranoider gegen jede gefühlte Bedrohung von außen verteidigen. Ich muss diese gefühlte Bedrohung regelrecht inszenieren, damit sie rückwirkend sinnstiftend auf diese „Beziehung“ wirkt. So geht es Sarah gerade. T’schuldigung, hab grad eineinhalb Glas Rotwein intus. Ist das noch verständlich?“

    Genauso ist es, armes Mädchen!

  20. sakasiru schreibt:

    Na, wenn da mal nicht hinterher das Gerücht durch die Flure zieht, man hätte sie von der Schule geschmissen weil sie sich verlobt hat…
    Ich glaube fast, sie macht so einen Aufstand, weil sie WILL, dass jemand was dagegen hat. Ganz im Reinen ist sie mit ihrer Entscheidung (wenns denn ihre war) offenbar nicht.

  21. Herzmama schreibt:

    Danke, Frl. Krise, für so viele Lachtränen und unzählige Déja-vu-Momente. Ich kenne sie nur zu gut, die Emres und Sarahs… Das kann man nur mit viel Humor ertragen! (oder mit Alkohol;-) )
    Vielleicht löst sich das Problem mit Sarah ja morgen ganz von selbst…

  22. krizzydings schreibt:

    heute nichts neues bei krises hoffen wir nicht, dass es am kräftezerrenden fortbildungs/sarahmanagen -tag liegt sondern sarah sich reuig gezeigt hat und von Herrn Fischer die allerallerallerzweiteste chancebkommen hat und sie nichts schreiben, weil sie sich um das arme kränkelnde freitagchen kümmern…

  23. http://des-lebens-ganze-fuelle.blogspot.com/ schreibt:

    Hätten sie der glücklichen, volljährigen, frisch verlobten, jungen Dame zum freudigen Ereignis mal lieber zwei Teetassen geschenkt. Unverfänglich aus dem Erlös von Pfandflaschen bezahlt, die andere aus der Klasse freiwillig gesammelt hätten. Dann hätte es eine Runde Baclava gegeben und das weitere Schuljahr wäre gerettet gewesen.

  24. http://des-lebens-ganze-fuelle.blogspot.com/ schreibt:

    Oh je, das war missverständlich, es geht doch tugendhaft zu, ich habe mit freudigem Ereignis lediglich die Verlobung gemeint. Sorry!

  25. Jörg schreibt:

    Nein, nein, nein … so einfach ist das alles nicht. Sarah ist die Schule nicht wichtig. Sie hat nicht die gleichen Wertvorstellungen wie Sie. Sarah will einen Mann, der sie beschützt, ernährt, kleidet und sie glücklich macht. Eine Karriere, eigenes Geld verdienen, das ist nicht ihr Ding. Das hat nichts mit dem Alter zu tun, das ist eine Einstellung, die zwar sehr verbreitet im arabischen Raum ist, aber noch vor 50 Jahren auch in unseren Land nichts Ungewöhnliches war. Ich erinnere – für alle, die sich hier so köstlich echauffieren – daran, dass die deutsche (!) Ehefrau noch in den 50er Jahren den (Götter?)Gatten um Erlaubnis fragen musste, wollte sie arbeiten gehen. Kein Scherz. Also, so lange ist das mit der Freiheit der Frau auch bei uns nicht her.

    Und, Frl. Krise, Sie machen Ihren Job wirklich gut. Sie sollten bloss nicht versuchen, die ganze Welt zu retten, denn manche wollen sich partout nicht retten lassen. 🙂

    • Ulla 39 schreibt:

      Wie wahr, Jörg, wie wahr!
      Als ich 1967 bei einer noch heute bestehenden Großbank ein eigenes Konto eröffnen wollte, was eine notwendige Voraussetzung war, daß mein Mann mich „korrekt“ beschäftigte („Ehegattenbeschäftigung“), verlangten die Bankfrauen die schriftliche Zustimmung meines Mannes zu meinem eigenen Konto. Kommentar überflüssig.
      Noch etwas: Die Kinder aus sogen. binationalen Ehen erhielten automatisch die Staatsangehörigkeit des Vaters. Das Kind eines Deutschen und einer Ausländerin erhielt daher die deutsche, das Kind einer mit einem Ausländer verheirateten deutschen Frau die ausländische Staatsangehörigkeit. Bis wir betroffenen Frauen uns wehrten und 1974 diese Kinder gleich gestellt wurden.

    • frlkrise schreibt:

      Sarah ist die Schule schon wichtig, aber das ist im Moment durch die Verlobung in den Hintergrund geraten. Da der Verlobte weit weg ist, besteht die Hoffnung, dass sie sich wieder fängt…. erstmal müssen wir morgen den Konflikt aus der Welt räumen….

      • Ulla 39 schreibt:

        Innerlich ein bißchen widerstrebend versuche ich, mich in Sarah und andere junge Mädchen ( ich sage mal lieber nicht „Frau“) hineinzuversetzen, die sich durch eine plötzliche Verlobung glücklich fühlen: Zum allerersten Mal in ihrem Leben dürfen sie mit sichtbarer Freude und Zustimmung der Eltern und der anderen Angehörigen mit einem jungen Mann zusammensein. (Oh, nicht im mitteleuropäischen Sinn! So weit denn doch nicht.) Eine vom Clan gebilligte „Verliebtheit“, bei ihnen die Vorstufe zur Heirat (bei „uns“ Beginn einer konkreten Beschäftigung mit dem anderen Geschlecht). Der Clan hat nun ganz eigene Interessen unterschiedlicher Art; das Wohl der Tochter sehe ich an letzter Stelle, na gut, an vorletzter.
        Welche Aus-Bildung hat eigentlich der Bräutigam von Sarah?

    • mozzarella schreibt:

      Ich finde, Lob kann sich manchmal ganz schön anmaßend anhören. Männer!

  26. Wolfgang Pfeiffer schreibt:

    Wie kommt es, dass Sie eine immerhin volljährige Frau duzen? Könnte doch sein, dass genau dies ein Teil des Problems ist. Denn wieso sollte sich eine Achtzehnjährige nicht wie eine 12-Jährige benehmen, wenn Sie sie ansprechen, als wäre sie ein Kind??

    Ich erinnere mich, dass wir in meiner Schulzeit von den Lehrern ab etwa der 4. oder 5. Gymnasialklasse – also ab etwa 14 Jahren – mit ‚Sie‘ angesprochen wurden. Und zwar unabhängig davon, wie wir uns benommen haben.

    • frlkrise schreibt:

      Ist bei uns nicht üblich und 8 nicht genehmigte Fehltage bleiben 8 Tage, egal ob Sie oder du!

      • halab schreibt:

        Darf ich mich hier nochmals einmischen?
        Ich finde den Einwand sehr gut.
        Sicherlich kenne ich weder die problematische Schullandschaft im Allgemeinen noch die Ihrige im Besonderen aber als „Laie“ meine ich, sollte man zumindest darüber diskutieren, „siezen“ ab ??? einzuführen.
        Ich könnte mir vorstellen, dass einige Kinder darauf positiv reagieren.
        Aber wie gesagt, Sie sind die Pädagogin.

      • Tades75 schreibt:

        bzgl. „Du“ und „Sie“:

        Das soll jetzt kein Angriff gegen sonst irgendjemanden sein, aber gesiezt zu werden als Mittel, zickige Schüler zu besänftigen ist doch wirklich Blödsinn.

      • frlkrise schreibt:

        Ja, das ist schwer zu vermitteln….

      • halab schreibt:

        Ich habe das nicht vorgeschlagen, um zickige Schüler zu besänftigen, sondern um Ihnen zu vermitteln, dass sie so langsam aber sicher keine Kinder mehr sind.
        Sie sind erwachsen genug, um sich zu verloben. Gut, aber dann müssen sie auch begreifen, was Verantwortung heisst.
        Und acht Tage unentschuldigt der Schule fernbleiben, ist verantwortungslos.
        Jetzt wird Frl. Krise ob meiner Naivität bestimmt schmunzeln:-)

        Deshalb wiederhole ich nochmals einen vorherigen Eintrag von mir:
        Bei diesen Kindern ist man mit der Erziehung 10-13 Jahre zu spät dran.

        Ich bewundere Frl. Kriese.

      • Wolfgang Pfeiffer schreibt:

        Ich wiederhole mich ungern, aber bei der Harthörigkeit, die hier gelegentlich üblich zu sein scheint, tu ich es mal: Im Zusammenhang mit der Duzerei habe ich geschrieben: „Könnte doch sein, dass genau dies ein Teil des Problems ist.“

        Also: *Teil* des Problems.

        Ich behaupte natürlich nicht, dass mit einem freundlichen, verbindlichen Umgang in der Klasse, zu dem unter Umständen eben auch das „Sie“ bei älteren Schülern gehört, die im Artikel beschriebenen Probleme verschwunden sind.

        Allerdings ist diese ungefragte Duzerei – egal wo sie statt findet – meistens eine Unverschämtheit. Und ich würde – angesichts der Probleme der Autorin mit den Schülern, sicher einmal nachfragen, ob die Jungen das ähnlich sehen. Es könnte übrigens durchaus sein, dass ihnen das Du lieber ist, oder dass ihnen der Unterschied zwischen Du und Sie überhaupt nicht klar ist.

        Wie man in den Wald hinein schreit, so hallt es gelegentlich wider. So einfach.

      • frlkrise schreibt:

        Ihnen ist das DU lieber… nur der Schulleiter siezt sie, das finden sie zwar cool, aber auch sehr distanziert.

      • Tades75 schreibt:

        Gerade wenn man anfängt, Schüler, welche man vorher jahrelang geduzt hat, auf einmal zu siezen, würden Schüler ob dieser plötzlichen Distanziertheit verwirrt werden. Als wir damals in die Oberstufe kamen, fanden SÄMTLICHE Schüler die Frage „Du oder Sie“ (O-Ton) bescheuert. Volljährig ist nicht automatisch gleich erwachsen. Stellen SIe sich vor, Frl. Krise würde besagte Schülerin, welche jahrelang (?) geduzt wurde auf einmal siezen. Was wäre 100 pro die erste Reaktion ?

        – „bescheuerte Frl. Krise, ich schwör, nur weil ich jetzt verlobt bin, macht die mich fertig, siezt mich plötzlich, die frustrierte Alte will mir wohl zeigen, wie egal ich Ihr bin, oder wie dumm ich bin mich zu verloben, aber is‘ mir auch scheißegal, vallah!“

        Sorry an Frl. Krise, wegen meiner Wortwahl.

  27. uhupardo schreibt:

    Wenn ich manchmal, ganz selten, überlege, ob ich meinem ersten Impuls hätte folgen und doch lieber Lehrer als Journalist werden sollen, zeigen mir solche Berichte, dass ich alles richtig gemacht habe. 🙂

    Saludos del Uhupardo

  28. lilalotus schreibt:

    Hachja – ich erlebe im Job auch häufiger Situationen, die einen regelrecht von den Füßen nocken können. Manchmal kann man über das Verhalten und die Ideale (?) unserer Teens wirklich nur staunen!
    Ich wünsche Ihnen viel Energie und gute Nerven! 🙂

  29. Christina Schöppl schreibt:

    Ich bin 17 und seit Anfang Jänner verlobt. Allerdings bin ich katholische Österreicherin (und Gymnasiastin) und habe meinem Freund (übrigens ab Sommer fertiger Akademiker) in vollem Bewusstsein das Eheversprechen gegeben. Ich finde, dass man so pauschal nicht sagen kann, dass man sich in dem Alter das Leben „verbaut“.

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