Die liebe Verwandtschaft….

Es ist kurz nach acht Uhr und über meiner Gruppe hängt die schwere Wolke Müdigkeit.
„Lass ma‘ was ganz Ruhiges machen, Frl. Krise,“ sagt Gülten und gähnt herzzerreißend. Die anderen brummeln zustimmend und ich nicke, denn ich fühle mich auch noch ganz dösig. Dabei bin ich mit dem Fahrrad gekommen und schon seit einer halbe Stunde in der Schule.
So, wer fehlt? Aynur, Betül und Sarah!
Sarah! Die war gestern auch schon nicht da.
„Was ist los mit deiner Schwester? Ist die krank?“ frage ich Syma. Sarah hat keinen einzigen Bruder, aber jede Menge Schwestern, drei oder vier gehen in unsere Schule.
Syma antwortet nicht, sondern guckt in die Luft.
„Hallo! Syma!“ rufe ich. „Ich hab dich gefragt, was mit deiner Schwester los ist.“
„Die ist nicht da!“ sagt Syma und verschränkt die Arme vor der Brust.
„Das seh‘ ich, deshalb frag ich dich. Ist sie krank?“
Syma guckt zu Boden und schweigt.
„Nein.“ sagt sie dann.
„Jetzt lass dir doch nicht so die Würmer aus der Nase ziehen! Was ist denn nun mit ihr?“ insistiere ich.
„Sie kommt in 14 Tagen!“ flüstert Syma.
In diesem Moment brettert Aynur in die Aula.
„Mein Bus hat..äh..ich hab Bus verpasst!“ ruft sie, knallt ihre Tasche in die Ecke und holt sich einen Stuhl und setzt sich mit Getöse zu uns in den Kreis..
„Ist was?“ fragt sie und blickt in die Runde. „Ist so ruhig hier.“
„Psst! Sei mal still!“ sage ich. „Wie jetzt, Syma? Die Ferien sind seit gestern zu Ende! Wo ist sie?“
„In Jordanien.“
Ich bin mit einem Schlag hellwach. Jordanien!
Davon hat sie vor den Ferien nichts gesagt und Sonderurlaub gibt es nicht.
Das hat nichts Gutes zu bedeuten!
„Was macht sie da? In Jordanien?“ frage ich.
Syma schweigt.
„Sie heiratet!“ schieße ich probeweise ab. Sarah ist gerade 18 geworden, höchste Zeit….
„Nein! Sie verlobt sich,“ gibt Syma zu.
„Mit wem?“
„Mit ein Kuseng!“
Ich bin für einen Moment sprachlos.

Drei Mantren gibt es im Biounterricht, die ich meinen Schülern immer und immer wieder vorbete. Wenn sie die behalten würden….dann hätte mein Unterricht schon einen Sinn gehabt!

Das Erste lautet: Nie ungeschützten Sex mit Leuten, von denen man nichts Genaues weiß!
Das Zweite heißt: Am Geschlecht eines Kindes ist der Vater „schuld“ und nicht die Mutter.
Und das Dritte: Heirate unter keinen Umständen einen Cousin!!!!

In der Hofpause läuft mir eine andere Schwester von Sarah über den Weg. Sie erzählt mir, dass Sarah eigentlich schon am Freitag zurückkommen wollte, aber da war irgendwas mit dem Flieger…
„Hm….! Ist der Verlobte echt ein Cousin?“ frage ich noch einmal nach.

„Ja, klar!“ sagt sie. Und sieht mich angeekelt an. „Soll sie etwa einen ganz Fremden heiraten? Iiiiiihhhhhh…..! Niemals!“

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68 Antworten zu Die liebe Verwandtschaft….

  1. Ellen schreibt:

    Da überläuft es mich kalt.

  2. fast-wurzelkind schreibt:

    Oh, das sieht ganz finster aus. Da hat wohl jemand doch Ihre 3 Regeln vergessen. Bloß wieder mal typisch wie die eigene Familie dazu steht, da kann man (Sie) predigen….wirklich schade, dass die Mädchen sich nicht aus so einer Zwangsehe, ohne Hilfe von außen, nicht entziehen können, aber vielleicht wird es nichts und sie darf doch noch Kind in Deutschland bleiben. Hoffen wir mal.

  3. frau freitag schreibt:

    na, wenn sie keinen bruder hat, dann muss sie doch einen kuseng heiraten.

  4. Olaf schreibt:

    Da hilft dann wohl auch nicht Mantra Nr. 3, wenn die Familie oder wichtige Angehörige den Cousin aufdrängen.
    Oh je. Ich werde so etwas wohl nie verstehen, da treffen Welten aufeinander.
    Man kann wohl wirklich nur hoffen, daß der Cousin nicht will und die Familie lockerläßt.
    Und es gibt wahrscheinlich – wenn überhaupt – nur wenige Möglichkeiten, von außen da etwas zu bewirken. Oder können Sie doch etwas machen ?

  5. Rana schreibt:

    Da gefriert einem das Grinsen. LG von Rana

  6. die Schmith schreibt:

    Da kann man echt nur hoffen, dass das ein ganz weit entfernter Cousin ist. o.O

  7. Inch schreibt:

    Gott ist das gruselig!!!

  8. Claire schreibt:

    Ist denn die jordanische Definition von „Kuseng“ die gleiche wie bei uns? Oder ist vielleicht auch der Sohn des Kusengs vom Vater ein „Kuseng“? Oder der des Großkusengs um drei Ecken oder so? Unsere deutschen Verwandtschaftskategorien sind ja meist enger gefasst als die anderer Gesellschaften.

    • frlkrise schreibt:

      Ja, es könnte eventuell auch ein etwas entfernter Kuseng sein. Aber da gerne und schon immer innerhalb des Clans geheiratet wird, kann auch das bereits zum Verhängnis werden……

  9. Blümchen schreibt:

    Du hast da sicher schon Erfahrung: Ab welcher Klasse muss ich auf meine Mädels aufpassen? Wann geht es los mit der Ausführung der Heiratspläne? Meine 5er sind doch noch nicht betroffen, oder? Nun gut… meine verschollene Fünftklässlerin hatte vor dem Verschollen Krücken. Da hoffe ich, eher da einen Zusammenhang zu sehen…

    • frlkrise schreibt:

      Bei uns geht es so ab Klasse acht/neun los- Zum Glück passiert es nicht sehr häufig!

      • genova68 schreibt:

        Und wie könnte man Ihrer Meinung nach, Frl. Krise, das Phänomen in den Griff kriegen? Finden diese Heiraten auch deshalb statt, weil man danach darauf setzt, den Cousin via Familienzusammenführung nach Deutschland zu holen? Und passiert das dann auch?

        Ansonsten will ich Ihnen mal sagen, dass ich diesen Blog sehr gerne lese. Die Art, wie Sie Ihre Schüler darstellen, lässt mich viel über die Thematik lernen. Danke.

      • frlkrise schreibt:

        Der Cousin kommt nach Deutschland ! Wenn sie heiraten….

    • Jürgen schreibt:

      Aufpassen nützt hier nichts. In diese Strukturen kommen wir nicht hinein, vor allem deswegen, weil die Jugendlichen sie verinnerlicht haben und alle Beteiligten schützen, wenn es denn darauf ankommt.

      • Anka schreibt:

        Und an deren sicher extrem leistungsstarken Kinderchen dürfen sie dann wieder abarbeiten und vielleicht sogar an den Kinderchen dieser Kinderchen mit noch nicht geborenenen Kusengchen und Kusinchen…Sie sind ja noch jung!
        Prost Mahlzeit!
        Anka

    • Anka schreibt:

      Vor dem „Verschellen“ ! Was macht diese Schule mit unseren Lehrern?

  10. Personal Trainer Kiel schreibt:

    Und ich dachte sowas wird nur auf dem Land praktiziert ^^

  11. Das ist eine ganz klar Zwangsheirat und so etwas ist einfach nur zum Kotzen!!!

    • stroheim schreibt:

      Woher wissen Sie das? Es ist ja vollkommen unklar, welche Meinung Sarah zu der Verlobung hatte. Möglicherweise wollte sie ja diesen „Kuseng“.

      • frlkrise schreibt:

        Mit 18! Vielleicht findet sie den ja wirklich cool, allerdings wird sie ihn kaum gut kennen. Denn der lebt in Jordanien!

      • stroheim schreibt:

        Nee, ich finde es auch eher schräg, sich mit 18 zu binden. Aber das pawlowsche Geschrei in diesem Fall nützt Niemandem.
        1. Es ist eine Verlobung und keine Heirat.
        2. Wir wissen nicht, ob Sarah Zwang ausgesetzt war.
        3. Wir wissen nicht, welche genetische Linie zu Jemandem besteht, der als „Kuseng“ bezeichnet wird.

        Wenn man Sarah wirklich etwas Gutes tun will, dann müsste man diese Fragen in ihrem Umfeld klären und nicht gleich „Zwangsheirat“ schreien, weil man dem Klischee im Kopf folgt. Das Konzept der Liebesheirat ist auch in Mitteleuropa erst als Idealvorstellung seit Rousseau vorhanden, setzt sich aber in der Realität erst langsam, seit dem 68er-Umbruch durch. Arrangierte Ehen vermittelt auch RTL z.B. mit „Bauer sucht Frau“.

        Wenn wir Mädchen wie Sarah wirklich helfen wollen, dann gelingt dass nur, wenn wir die kulturellen Vorstellungen von ihr und ihren Familie ernst nehmen und uns damit auseinandersetzen. Ich habe mein Abitur in den 80er Jahren auf einer Gesamtschule in Berlin-Kreuzberg gemacht und war nicht nur da, sondern auch später noch in meiner Nachtbarschaft in ähnliche Fälle involviert. Die wurden auch mal dadurch zum Guten gewendet, dass sich das betroffene Mädchen, der Imam ihrer Moschee und ich mich zusammen gesetzt haben um eine Strategie zu entwickeln, wie wir ihren Willen gegenüber ihrer Familie durchsetzen konnten.

        Und ich vertrete freiheitliche Werte sehr offensiv!

  12. Emi schreibt:

    Ja leider ist das in vielen Ländern so. Schade kann ich da nur sagen.
    Ich lese ja sehr viel über dieses Thema (und ähnliches).
    Hier mal ein kleiner Buchtipp. Ist sehr empfehlenswert.

    http://www.buchtips.net/rez1615-die-fremde-braut-ein-bericht-aus-dem-inneren-des-tuerkischen-lebens-in-deutschland.htm

  13. RogueEconomist schreibt:

    Andere Länder, andere Sitten. Leider. Aber wenn wir ehrlich sind müssen wir hier in Deutschland auch nicht in die ganz finsteren Ecken, um in kleineren Städten Großfamilien auszumachen, von denen es wiederum diverse Ableger gibt…
    Ich finde übrigens Regel 2 ganz überragend.

  14. Ulla 39 schreibt:

    Schon lange warte ich auf so eine Nachricht. Traurig, traurig und zum K…….Das sind so die Situationen, in denen ich nicht nur denke, sondern auch sage „Ab heim, dorthin, wo die Eltern hergekommen sind“. Ja, klingt böse und sonst noch was; ich steh‘ aber dazu, nach bald 50 Jahren der Erfahrungen und Beobachtungen.

    • Ulla 39 schreibt:

      Nachtrag, nachdem ich den Link zu einer Buchbesprechung gesehen habe. TROTZ meiner Äußerungen teile ich nicht die Ansichten der betr. Autorin oder von Sarr…

  15. S. Van Lure schreibt:

    Uff… das ist wirklich heftig. schon alleine das „verloben“ im ausland weil es „jetzt zeit dafür ist“ und dann noch mit einen familienangehörigen…
    mir will sowas nicht in den kopf. armes mädchen.

  16. halab schreibt:

    Als ich meinen Mann heiratete, meinte ich nur zu ihm, es wäre doch ganz gut, dass ich frisches Blut in die Familie bringe. Er hat mir nur zugestimmt…

  17. goldfischmama schreibt:

    Wenn ich sowas lese, kriege ich ganz dolle Bauchschmerzen.

    Bei sehr vielen der hier lebenden, vor Jahrzehnten eingewanderten Mitbürgern ist in den Köpfen die Zeit stehen geblieben (kulturell und moralisch), während sich im Heimatland vieles gewandelt und weiterentwickelt hat. Sie leben hier die Werte, die sie aus ihrer Kindheit noch kennen, und geben diese an ihre Sprösslinge weiter, sprechen die „alte“ Sprache, singen die alten Lieder.
    Ich fühle mich da immer an die Amish People in den USA erinnert, die auch nach 200 Jahren z. B. an einem teils veralteten deutschen Dialekt festhalten. Viele von ihnen sind überzeugt, dass in Deutschland so gesprochen wird, wie bei ihnen. Und sind daher sehr überrascht, dass es zwischen ihnen und Deutschen zu Verständigungsschwierigkeiten kommt.

    Ein Handwerker hat mir mal gesagt, dass er sich zuhause (in „Unserdorf“ in der Türkei) nicht mehr beheimatet fühlt, Es sei gar nichts mehr so, wie er es von früher kenne. Alles wäre so anders, fast schon deutsch. In seiner Nachbarschaft in Deutschland fühle er sich wohler, da sei alles viel türkischer und ganz wie damals.

    Und dazu gehört wohl auch, die männlichen Nachkommen zu vergöttern. Die Mädchen zur Hausarbeit heranzuziehen und ansonsten – bis zur Verheiratung mit einem Kuseng – nicht weiter zu beachten.

    • Ulla 39 schreibt:

      Das „Vergöttern“, Verwöhnen, der männlichen Nachkommen ist eine Investition in die Zukunft. Die werden dann in der Regel – also gibt’s Ausnahmen – später tüchtig „ausgenommen“, müssen vieles bezahlen. Die Mädchen sind dann ja in einer anderen Familie zu Hause, deshalb muß man sie in ihrer Kindheit und frühen Jugend ausnutzen. Das erstere ändert sich wohl langsam durch die Berufstätigkeit und Rente der Älteren. Dort, wo Besitz vorhanden ist und eine höhere Bildung, ist die unterschiedliche Behandlung von Jungen und Mädchen allerdings wenig ausgeprägt.

  18. Frau-Irgendwas-ist-immer schreibt:

    Wow – da sollte man in einer stillen Stunde den Schwestern mal klar machen (oder es versuchen) wieviele männliche Familienmitglieder da noch so warten ……
    Wenn ich den Mann hätte heiraten müssen mit dem ich mit 18 Jahren zusammen war …. brrr!!! Und das war bei mir freiwillig, sowohl das Zusammensein als auch die Trennung!

    @halab
    Glückwunsch zu diesem Mann – gemeinsamer Humor und ähnliche Sicht auf die ‚liebe Familie‘ verbindet!

  19. Karl Eduard schreibt:

    Das hört sich nach kruden genetischen Thesen an, daß Verwandtenehen genetische Defekte hervorbringen. Das ist doch völlig absurd und menschenverachtend! 😉 Jedenfalls hat die deutsche Lebenshilfe e.V. so immer schön zu tun.

    • frlkrise schreibt:

      http://www.taz.de/!78862/ und guck ma im Netz! Hattest du keinen Bio-Unterricht? Und den alten Herrn Mendel?

      • Anka schreibt:

        Karl Eduard ist nur ein politisch korrekter Gutmensch.
        Ganz wie es sich gehört in unserem Land.
        (Aber er zwinkert zumindest dabei).

      • Peikko schreibt:

        Vielleicht war’s ja auch einfach Ironie und deshalb der Smiley? Faende ich naehliegend.

        Komisch finde ich aber, dass es im Artikel als schlimme Inzest dargestellt wird, in Deutschland ja aber auch erlaubt ist, also, den/die Cousin/e heiraten. Wir haben hier ein deutsches Aerztepaar mit vier Kindern, da ist das der Fall.

      • frlkrise schreibt:

        Das ist bedenklich, weil die Eltern und Großelter oft auch schon innerfamiliär geheiratet haben!

  20. Pingback: Aus dem deutschen Schul-Alltag « Ralfschuler's Blog

  21. Tricia McMillan schreibt:

    Mein Biolehrer hat uns in der 11. Klasse erzählt, wir Mädchen würden jetzt schon alle Spätgebährende sein, weil die Natur vorsieht, daß wir Junge werfen, sobald wir körperlich dazu in der Lage sind. Da ist es mit 18 schon wirklich an der Zeit.
    Und beim Kuseng bleibt dann ja alles in der Familie, auch die Erbkrankheiten…
    Wenn Sarah nen netten Kuseng in ihrem Alter heiratet kann das jedenfalls netter sein, als den 65-jährigen Nachbarn zu heiraten.

  22. flosch schreibt:

    Blöde Frage: Gibt es einen biologischen Grund, warum Cousins besonders problematisch sind? Also, problematischer als ähnlich nahe Verwandtschaften? Regel 3 klingt so, als wären gerade Cousins die schlimmste Wahl von allen.
    Und wie RogueEconomist würde es mich nicht wundern, wenn man das auch heutzutage „op’m dorp“ nebenan noch häufiger findet.

    • schlimmer sind nur eltern oder geschwister. denn mit einem cousin 1. grades hat man ja trotzdem 50% der gene gemeinsam. da ist die warscheinlichkeit, dass ein gendeffekt auftritt, der bei beiden eltern vorhanden sein muss um in erscheinung zu treten direkt mal ne ganze ecke groesser als bei fremden erbgut.
      und die moeglichen defekte sind kein pappenstiel.

      dazu kommt ja, dass die heirat unter cousins tradition hat. es ist also warscheinlich, dass bereits die eltern einen cousin geheiratet haben, und die grosseltern… je kleiner der clan, desto kleiner der genpool. mit jeder generation wird daher die chance auf schwere defekte groesser.
      das problem und die damit verbundenen umstaende werden hier ganz gut erklaert:
      http://news.bbc.co.uk/1/hi/programmes/newsnight/4442010.stm

  23. justagirlonherway schreibt:

    Schonmal was von Mendel gehört O.o und Vererbungslehre? Durch die Heirat zwischen Verwandten ist es viel wahrscheinlicher dass Erbkrankheiten auftreten, die rezessiv und eigentlich eher selten sind.

  24. flosch schreibt:

    Naja, aber bei Cousins, vor allem wenn man den Begriff jetzt mal was weiter auslegt, ist die Ähnlichkeit doch nicht mehr zwangsläufig so hoch? Es geht hier ja nicht um Geschwister. Bei uns sind ja in den letzten Jahrhunderten auch nicht reihenweise Dörfer an der Inzucht ausgestorben, und da war doch auch am Ende jeder mit jedem verwandt.

    DIe spanischen Habsburger sind letzen Endes an der Inzucht ausgestorben, aber da hatte Karl II. anstatt 32 verschiedenen Urururgroßeltern auch nur 10; das ist dann noch mal ne andere Kategorie.

    • flosch schreibt:

      Und ich verspreche, nächstes Mal gebe ich mir mehr Mühe mit dem Tippen. 😦

    • aber wenn in jeder generation auf dem dorf nur innerhalb der familie geheiratet wird, dann haben die auch keine 32 verschiedenen ururururgrosseltern mehr. wird das problem jetzt etwas deutlicher?

      oder so: wenn sie den cousin heiratet, dann haben warscheinlich auch ihre und seine eltern eine/n cousin/e geheiratet. und die grosseltern, und deren eltern…

  25. oachkatz schreibt:

    Das ist alles nicht so einfach. Aber egal, was wir wirklich wissen von der ganzen Geschichte: Frl. Krise äußert – für mich verständlich – ihre Sorgen und sofort bricht der entrüstete Sturm der Selbstgerechten los. Woher nehmen hier eigentlich alle ihre tiefe Einsicht und die Überzeugung in ihr eigenes Urteilsvermögen? Kennt sich hier jede Kommentatorin und jeder Kommentator so gut aus sowohl mit den Gepflogenheiten in Jordanien als auch mit der Vererbungslehre? Es ist ein fremdes Gebaren, dass die Eltern den Ehemann (oder die Ehefrau) aussuchen, von Zwang muss hier allerdings noch nicht die Rede sein. Natürlich bin ich froh, solchen Normen nicht unterliegen zu müssen, aber ich bin auch anders aufgewachsen und sozialisiert. Und wenn ich mir so manche Ehe um mich herum ansehe, bin ich mir nicht sicher, ob es nicht besser gewesen wäre, ein weises, altes Familienmitglied hätte die Auswahl getroffen…was den Kuseng angeht: keiner weiß, wie verwandtschaftlich nah er Sarah tatsächlich steht, oder? Aber mal schön alle druff…

  26. oxypelagius schreibt:

    Es war kürzlich in einem Wissenschaftsbeitrag der FAZ (?) zu lesen. Geschwister und nahe Verwandte haben alle den gleichen winzigen genetischen “ Webfehler“. Dieser wird durch Fortpflanzung mit „fremden“ Erbgut ausgeglichen. Bei Fortpflanzung innerhalb der Familie potenziert sich dieser Fehler. Ein Trick der Evolution…

  27. Anonymous schreibt:

    Solche Sachen sind für uns in der westlichen Welt kaum zu verstehen und wir fragen uns, warum die Familien ihren Töchtern so etwas antun.
    Was ich hier explizit nicht mit sagen möchte, ist, dass ich eine Zwangsheirat gut heiße. Im Gegenteil, ich empfinde diese Zwangsheiraten als etwas furchtbares, etwas antiquiertes, was es in Deutschland (wenngleich auch noch nicht sooo lange) nicht mehr geben darf.
    Ich finde, dass hier die Polizei auf Bitten der Frau viel härter durchgreifen sollte und das auch das Gesetz hier mit voller Härte zuschlägt. Es darf jedoch nicht sein, dass man per se die Familien verdammt, die in ihrer Tradition leben. Näheres dazu in weiteren Ausführungen.

    Denn genauso, wie es Frauen gibt, die freiwillig in Sexshops arbeiten, gibt es auch Frauen, die sich auf ihre Heirat freuen. Es ist ein schmaler Grad und sicherlich überwiegen die Frauen, die tatsächlich „gezwungen“ werden. Und damit meine ich ganz bewusst gegen ihren eigenen Willen. Wenn sich dieser Wille allerdings nie gebildet hat, weil es einfach „dazugehört“ ist es schwierig von einem Zwang zu sprechen.

    Mein Großvater (73) hat meinem Vater (51) eine Ohrfeige gegeben, weil er als Beamter aus der Stadt (30.000 Einwohner) meine Mutter vom Land (heute: 7800 Einwohner) heiraten wollte.
    Da saß die Tradition noch fest, dass meine Mutter jemanden heiratet, der entweder Gärtner, Bauer oder Schreiner ist. Ein Beamter? Ne, das ging gar nicht.
    Auch eine gute Freundin von mir (25) hat ihrem Großvater (82) noch nicht gesagt, dass ihr Freund (25) evangelisch ist. So festgefahren sind da teilweise noch die alten Strukturen.

    Worauf ich hinaus will? Man kann nicht sagen, ob das Mädchen vielleicht selbst gar kein Problem mit der Heirat hat (natürlich kenne ich sie nicht, die Lehrerin natürlich besser) und sich sogar darauf freut.
    Man muss ihr eigentlich nur deutlich machen, dass sie als in Deutschland lebendes Mädchen (ich weiß nicht, ob sie einen deutschen Pass hat, sonst wäre Bürgerin hier natürlich korrekt) aus dieser Ehe jeder Zeit raus kann. Und das sie, wenn sie möchte, hier auch gegen ihre Eltern gerichtlich vorgehen kann.

    Es hilft nichts, ständig zu monieren, das solche Ehen grausam sind und ungerecht und immer mit Zwang verbunden, solange man nicht die verkrusteten Strukturen aufbricht. Und das geht nicht, in dem man diese Eltern und Kinder verdammt (weil die Eltern es vermutlich auch nicht anders kennen), sondern indem man behutsam vorgeht. Und das heißt auch, dass man sich mit der Tradition auseinandersetzt und nicht per se die Tradition verdammt. Damit schafft man sich im Endeffekt nur Feinde. Es ist ein langer Weg hin, zu solchen Strukturen, wie es sie mittlerweile in Deutschland gibt. Es ist noch nicht all zu lange her, da waren arrangierte Ehen Gang und Gebe auch noch in Europa.

    • halab schreibt:

      Liebe(r)?? Anonymous,
      ganz Deiner Meinung!!!! Besonders: „gibt es auch Frauen, die sich auf ihre Heirat freuen. Es ist ein schmaler Grad“ und „Und das geht nicht, in dem man diese Eltern und Kinder verdammt (weil die Eltern es vermutlich auch nicht anders kennen), sondern indem man behutsam vorgeht.“

  28. Anka schreibt:

    Sie haben in vielen Punkten sicher recht:
    Dennoch ist die arrangierte Ehe , egal wie der jeweilige Betroffene selbst es auf Grund seiner Sozialisation auch sehen mag, nicht mit der Vorstellung einer freiheitlichen Gesellschaft und auch nicht mit der Verfassung des Landes vereinbar, in dem wir uns nun mal befinden.
    Mit Verständnis, Behutsamkeit und endloser Toleranz hat sich bislang auf alle Fälle noch überhaupt nichts verändert (zumindest nicht zum Besseren) und damit bricht man verkrustete Strukturen nur dann auf, wenn diese von den Betroffenen als verkrustet erkannt oder beurteilt werden, woran ich so meine Zweifel habe.
    Und ich hasse es, an dieser Stelle das Gefühl zu haben, wieder betonen zu müssen, dass ich alles andere als xenophob bin und mich auch nicht zum rechten Spektrum hingezogen fühle!

    • oachkatz schreibt:

      Inwiefern widerspricht eine arrangierte Ehe der Verfassung des Landes in dem wir uns (ich nehme an, wir beide auch) befinden?
      Ich halte Verständnis, Behutsamkeit und endlose Toleranz für wertvolle Eigenschaften im Umgang miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft, die wir nun einmal haben in diesem unseren Land. Sie sollten nur nicht mit einer Laissez-Faire-Haltung an der Grenze zu Ignoranz und Faulheit verwechselt werden.
      Und so möge jeder Fall für sich und differenziert betrachtet werden, statt sich eine auf mehr oder minder Halbwissen begründete Meinung zu bilden, die dann in jeder passenden oder unpassenden Situation halbgar zum Ausdruck kommt.

      • Anka schreibt:

        Die Grundrechte sind zwar in erster Linie als Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat zu verstehen, verkörpern aber weiterhin auch eine objektive Wertordnung, die als verfassungsrechtliche Grundentscheidung für alle Bereiche des Rechts gilt….
        Ansonsten ergänze ich gerne:
        „Mit Verständnis, Behutsamkeit und endloser Toleranz( alleine)…

  29. Su schreibt:

    @anonymus: Wobei arrangierte Ehe ja auch nicht gleich Zwangsehe heißt!
    Es gibt genug Menschen, die sich ihre Ehe freiwillig arangieren lassen, innerhalb ihrer sozialen Schicht. Und wenn man halt „ein hoffnungsloser Fall“ ist, nicht den Nerv und das Talent dafür hat, sich selbst einen Partner zu suchen aber trotzdem heiraten will, dann lässt man sich halt jemanden suchen. Und muss dann nur noch, nachdem man sich einige Male getroffen hat, zustimmen, kann aber auch ablehnen….
    Wobei ich nach der Schilderung von frl. Krise bezweifle, dass Sarah die Möglichkeit hatte, mitzuentscheiden.

    • Anonymous schreibt:

      Ich wollte auch gar nichts anderes sagen. Zwangsehe und arrangierte Ehe sind zwei unterschiedliche Dinge.
      @Anka:
      Die Grundrechte sollen den Bürger vor dem Staat schützen. Richtig. Und keiner verbietet, eine arrangierte (NICHT ZWANGSHEIRAT) Ehe. Das ist in den verschiedensten Kulturen üblich und auch noch nicht so lange in Deutschland eher unüblich.

      • Anka schreibt:

        Formalrechtlich d`accord!
        Ich habe nicht korrekt unterschieden,mein Fehler!
        Halten wir fest: Nur Zwangsheirat ist ein Straftatbestand.
        Nun ist das hier aber kein Juraforum und die Grenzen zwischen arrangierter Ehe und Zwangsehe sind m. E. sehr fließend!
        Für die Einordnung ausschlaggebend ist die Freiwilligkeit.
        Ob die Freiwilligkeit bei „sanftem“ moralischen Druck der Familie aber noch gegeben ist, halte ich in einigen (sicher nicht allen!) Fällen für äußerst fragwürdig.
        Natürlich beeinflusst meine kulturelle Prägung diese Einschätzung, aber sie entspricht nun mal im Wesentlichen dem Wertesystem dieser Gesellschaft (aber natürlich nicht dem aller Einzelmitglieder derselben!).
        Dass gewisse Dinge in anderem Gesellschaften immer noch üblich sind oder auch hier vor nicht allzulanger Zeit üblich waren ist für mich in diesem (!) Zusammenhang kein wirkliches (Import-)Argument.
        Eine unter welchem Druck auch immer arrangierte Ehe, wird und kann zwar in diesem Land nicht bestraft werden, steht aber trotzdem in Wiederspruch zu Art.1 und 3 des Grundgesetzes.
        Nicht mehr und nicht weniger wollte ich zum Ausdruck bringen..
        Und nun ist gut.

  30. Sunny schreibt:

    Also Biologin weiss man dann aber doch auch das es nur gefahren bei Kindern aus Verwandtschaft ersten Grades gibt, unsere Koenigshaeuser sind ein Paradebeispiel dafuer was ueber viele Generationen ueber diverse Grade passieren kann,
    dennoch wenn es um Behinderung geht, ist die Wahrscheinlichkeit viele hunderttausend mal hoeher das ein Behinderter seine Behinderung weitergibt als dass dadurch eine Behinderung entsteht, auch bei Verwandtschaft ersten grades ist die Chance immer noch knapp 8% niedriger als bei genetischer Behinderung, unter den schlimmsten Umstaenden. Wobei es unter den schlimmsten Umstaenden bei der Fortpflanzung zweier Behinderter mit der gleichen Behinderung wieder ganz anders aussieht.

    Davon abgesehen finde ich es auch komisch in die Verwandschaft zu Heiraten.

    Aber wenn es passt, dann passt es halt, wir und unsere romantische Liebe sind extrem unerfolgreich in jeder Hinsicht, insbesonders wenn es um so etwas wie Familienzusammenhalt geht. Der Grossteil der Welt handhabt es anders und laut vielen Anthropologen, bedeutend erfolgreicher, egal ob Liebe, soziale Sicherheit, Kindererziehung.

    • Tades75 schreibt:

      „Also Biologin weiss man dann aber doch auch das es nur gefahren bei Kindern aus Verwandtschaft ersten Grades gibt, unsere Koenigshaeuser sind ein Paradebeispiel dafuer was ueber viele Generationen ueber diverse Grade passieren kann“

      Da muss ich Ihnen aber widersprechen, werte Dame, denn sehen Sie in folgendem Link, was passieren kann …

      Was die Kuseng-Ehe angeht, habe ich auch eine Meinung, will mir aber nicht schon wieder die Fingerchen wundschreiben.

      P.S.: ENDLICH wieder deutsche Tastatur !!!!

  31. Wild Flower schreibt:

    Ob sie ihren „Kuseng“ aus Jordanien besser kennt als irgeneinen Fremden? Das Argument zur Bekanntschaft finde ich nämlich völlig daneben.

  32. Henry schreibt:

    Dieser HErr erklärt warum es erlaubt und erstrebenswert ist.Unten drunter viele Links z Verwandtenehen.Das Risiko steigt mit jeder Generation die ebenfalls verwandt ist.

    Hier ein paar erschreckene Zahlen:
    http://pjmedia.com/blog/the-problem-of-inbreeding-in-islam/

    Today, 70 percent of all Pakistanis are inbred and in Turkey the amount is between 25-30 percent (Jyllands-Posten, 27/2 2009 „More stillbirths among immigrants“). A rough estimate reveals that close to half of everybody living in the Arab world is inbred. A large percentage of the parents that are blood related come from families where intermarriage has been a tradition for generations.

    A BBC investigation in Britain several years ago revealed that at least 55% of the Pakistani community in Britain was married to a first cousin. The Times of India affirmed that „this is thought to be linked to the probability that a British Pakistani family is at least 13 times more likely than the general population to have children with recessive genetic disorders.“

    The BBC’s research also discovered that while British Pakistanis accounted for just 3.4% of all births in Britain, they accounted for 30% of all British children with recessive disorders and a higher rate of infant mortality. It is not a surprise, therefore, that, in response to this evidence, a Labour Party MP has called for a ban on first-cousin marriage.

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