Frl. Krises Steinzeit….

In den Ferien kam ich durch Zufall an meiner ersten Schule vorbei und meine Azubizeit als Lehrerin fiel mir wieder ein…..zum Beispiel dies hier:

„Niemand soll mich finden“, schwor ich mir und stapfte tiefer in das Dickicht des Waldes hinein. Beim Versteckspielen war ich schon immer ehrgeizig und nichts hasse ich mehr, als Mitspieler , die sich seitlich hinter den nächsten bleistiftdünnen Baumstamm stellen und glauben, sie seien unsichtbar.
Wir befanden uns auf Klassenfahrt in der Rhön und mein Kollege hatte sich morgens krank gefühlt.
„Bleib ruhig in der Jugendherberge und leg dich noch ein bisschen hin.“ bot ich ihm großzügig an. „Das kleine Picknick schaffen wir auch ohne dich!“

Ich ducke mich hinter eine Baumwurzel und warte. Die Kinder rufen und schreien in der Ferne und ich lache mir ins Fäustchen. Hier wird mich so leicht niemand finden.
Nach einer Weile werde ich unruhig. Die Stimmen sind verhallt und ich hocke immer noch in meinem Versteck.
Ich beschließe zurückzukehren, schließlich habe ich auch noch eine Aufsichtspflicht!
Der Weg, den ich einschlage, ist überwuchert von wilden Sträuchern und Fallholz, ich stolpere über Wurzeln und Äste, ein Eichhörnchen beäugt mich mit schwarzen Knopfaugen und Spinnenweben verfangen sich in meinem Haar. Längst hätte ich wieder auf der Lichtung sein müssen, auf der wir unser Lager aufgeschlagen haben.
Mir wird langsam bang ums Herz. Ich verfüge zwar über eine ausgezeichnete Orientierungsgabe in der Stadt, doch in der Natur versage ich kläglich. Das viele Chlorophyll verwirrt mich und die Bäume und Waldwege sehen für mich alle gleich aus. Entmutigt setze ich mich auf einen Baumstamm und überlege krampfhaft aus welcher Richtung ich eigentlich gekommen war. Um mich herum herrscht tiefe Stille, abgesehen von einem gelegentlichen Rascheln und Knacken. Ich verfluche die moderne Unsitte überall in den Wäldern wilde Tiere auszusetzen und nehme mir fest vor, sollte ich wider Erwarten heil zurückfinden, endlich mein Testament zu schreiben.
Dann gehe ich in irgendeine Richtung weiter und rutsche, mich an Ästen und Zweigen festhaltend, eine kleine Böschung hinunter.
Der Wald wird dichter und ich immer mutloser.
Da hörte ich leises Rufen!
„Fräulein Kriiiiiiiiiiise! Fräulein Kriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiise!“
Meine Schüler! Die Guten! Sie vermissen mich…
Ich versuche die Richtung, aus der die Rufe kommen, zu orten….

Ich will es kurz machen. Nach längerem Herumirren fand ich meine Klasse wieder und selten haben wir uns sooo freudig begrüßt.

Dem Kollegen haben wir vorsichtshalber nichts von meinem Abenteuer erzählt. Schließlich war er krank und musste geschont werden…

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21 Antworten zu Frl. Krises Steinzeit….

  1. michael schreibt:

    Das doch cool gewesen. Frl Kriese verirrt sich im Wald und mehrere Hundertschaften der Polizei müssen sie suchen. Vielleicht ein teurer Spass, aber was solls.

  2. Zwergrocker schreibt:

    Jaja, da fällt mir der Witz wieder ein, den ich letztens irgendwo las:

    Warum spielen Lehrer nie Verstecken?
    .
    .
    .
    Weil keiner sie suchen würde!

    Sie haben offenbar das Gegenteil bewiesen 😉

  3. sockenbergen schreibt:

    Welche Klasse? Fünfte?
    Die Zehner hätten Sie doch niemals gesucht, aber mit denen spielt man ja nu auch kein Verstecken mehr.

  4. Markus schreibt:

    Uahh das kenn ich. Ich wollte mal auf einer Nachtwanderung bei einer Kinderfreizeit die Kinder erschrecken.
    Dafür hatte ich mir extra ein Skelettkostüm besorgt und dann bei Tage einen nahegelegenen Hochsitz ausgekundschaftet von dem ich unter infernalischem Geröchel herunterklettern wollte.
    Blöderweise bin ich dann nachts auf dem Weg zu eben diesem Hochsitz nicht auf den entsprechenden Weg abgebogen, sondern einfach an einer Stelle quer in den Wald gelaufen, den ich für diesen Weg gehalten habe.
    Ich hab mit ach und krach zur Jugendherberge zurückgefunden…

  5. Walking-Girl schreibt:

    Schön, wenn man vermisst wird…

  6. puzzle schreibt:

    besonders gefallen hat mir dies: „Ich verfluche die moderne Unsitte überall in den Wäldern wilde Tiere auszusetzen“ 🙂

  7. Sisi schreibt:

    Oh je…. Hat die Natur dich angegriffen???

  8. Olaf schreibt:

    Was hätten wir bloß gemacht, wären Sie damals verloren gegangen ?
    Was wäre uns alles verloren gegangen ?
    Nicht auszudenken.

  9. Tricia McMillan schreibt:

    Haben Sie denn jetzt endlich Ihr Testament geschrieben? Ich wette nicht!

  10. Florence schreibt:

    Ich kenne da so einige Schüler, die ihre Lehrpersonen nicht wieder suchen würden… 😉 Glück gehabt, sag ich da nur.

  11. nobelix schreibt:

    Versteckspielen einmal anders – in diesem Fall hat sich der Rückweg versteckt 😉 Ich kann mich noch gut an eine Episode aus meiner Schulzeit erinnern:
    Während der Klassenfahrt noch Juist wollten wir abends noch eine „kleine Runde“ gehen – mit der ganzen Klasse. Von der Herberge zum See und drumherum wieder zurück. So war es jedenfalls geplant – leider ändern Pläne sich gelegentlich und die Klasse ging am Strand zurück. Die ganze Klasse? Nein, denn einige unentwegte liefen auf dem immer weiter zugewucherten Seeweg weiter – bis wir uns alle an einer Wegeskreuzung wieder trafen. Eigentlich ganz lustig, wären nicht zwei von den vorweggelaufenen leicht in Panik geraten…aber so war das Wiedersehen um so schöner, lagen die Damen der Klasse sich doch tränenüberströmt in den Armen…

  12. Seraphina schreibt:

    „Das viele Chlorophyll verwirrt mich und die Bäume und Waldwege sehen für mich alle gleich aus.“ Böses Chlorophyll 🙂

  13. die Schmith schreibt:

    Die Natur ist aber auch fies und gemein. Die hätte ja auch mal nen Ton saen können, wo es lang ging. 😉

  14. KC schreibt:

    tja…ein navigationsfähiges Handy mit GPS hätte da echt weitergeholfen 😀 😀 😀

  15. EDVler schreibt:

    Grad hier aufm Land isses ja ganz schlimm, kaum zur Tür raus, überall Natur, fast schon unnatürlich. Meine Hunde schleppen die auch ständig mit ins Haus, vor allem jetzt wo es seit Tagen nur noch regnet. Guck mal, da is Natur auf meiner Couch, alles voll..Mach das mal einer weg..

  16. fast-wurzelkind schreibt:

    Volles Mitgefühl, ich bin auch eine geografische Null in der Natur. In der Steinzeit wäre ich wahrscheinlich auch immer schön in der Nähe der Höhle geblieben…
    Aber die Ausrede mit dem Chlorophyll werd ich mir merken, die iss guat.

  17. Florian schreibt:

    Ach das erinnert mich an meine Schulzeit … ^^
    http://erkenntnisseeinesmannes.wordpress.com/

  18. christaschule2010 schreibt:

    Oh ja, das Chlorophyl ist echt verwirrend! Ein hartes Erlebnis. Gut, dass die lieben Schüler dann doch noch gesucht haben, sonst gäbe es dieses schöne Blog nicht!!!

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