Wildlife in school ground

„Da! Was das? Hilfe!“ Nesrin klammert sich an meinem Arm fest und schreit und hopst und zeigt in Richtung Ausgang. Ein paar andere schreien mit und fuchteln ebenfalls mit ihren Armen in der Luft herum.
Der Grund der Aufregung: Ein großes rötlich-braunes Tier schnürt gerade quer über den
Schulhof, verlässt durch das offenstehende Tor das Schulgelände und biegt vorschriftsmäßig rechts auf den Radweg ab.
Fehlte nur noch, dass es den Blinker setzt…
„Was das?! Ein Hund?!“ Nesrin guckt mich fassungslos an. „Aber voll komischer Hund, wa, Frl. Krise?“
„Das war ein Fuchs!“ sage ich und schüttele den Kopf. „Ein richtiger großer Fuchs!“
Aynur rennt zu uns rüber.“ Habt ihr gesehen? Was das? Wo kommt das her? Wen gehört der?“
„Das war ein Fuchs, der gehört niemandem! In der Stadt leben viele wilden Tiere“, ich falle nolens volens in den Biolehrerin-Modus, “ z. B. Wildschweine, Füchse, Hasen!“
„Hasen sind nicht wild!“ behauptet der kleine Süleyman aus der Sieben. „Hasen sind voll süß!“
„W i l d s c hw e i n e ????!!“ Nesrin dreht sich einmal um die eigene Achse. „Wo??? Hiiiiier???“
„Ja,“ sage ich, „guck, da ist schon eins“, und zeige auf Erkan, der sich zu uns stellt. Erkan hat zum Glück nichts gehört.
„Vallah, haben Sie gesehen?“ fragt er. „Da war eben voll übertrieben großes Tier…kam aus dem Schulgarten!“
„War Fuchs!“ sagt Nesrin wichtig.
„Wohnt der da?“ fragt Süleyman und wackelt mit seiner Butterstulle in der Hand!
„Wahrscheinlich…“ sage ich, „da waren schon öfter Füchse! Aber so einen riesengroßen habe ich noch nie in meinem Leben gesehen.“
„Isst der so Brot mit Sucuk?“ Süleyman scheint mit dem Gedanken zu spielen, sein Brot für eine Fuchsfütterung zu opfern.
„Bist du bescheuert! Spast! Das isst der nicht! Frl. Krise? Was essen Füchse?“ fragt Nesrin und späht in alle Richtungen. Wer weiß, was noch gleich um die Ecke kommt….
„Hasen, kranke Rehkinder, Mäuse, Ratten, Vögel …und in der Stadt sicher auch Abfälle, “ doziere ich.
„Auch Menschen? Ich meine, beißt der?“ fragt Jessica und guckt beunruhigt in Richtung Schulgarten.
„Der hat bestimmt mehr Angst vor euch, als ihr vor dem!“ sage ich. “ Aber man darf nicht versuchen den anzufassen oder so! Solche Tiere können auch Tollwut haben!“
Das zu erwähnen war natürlich ungemein schlau von mir.
Tollwut…!
Den Rest der Pause verbringen wir mit einer angeregten Debatte über sämtliche Symptome, die ein Mensch mit und ohne Tollwut produzieren kann…

Endlich! Es klingelt zur Stunde. Alle strömen ins Schulhaus.

Nesrin hängt sich ganz fest bei mir ein und sagt :
„Echt jetzt, Frl. Krise! In Schulgarten sind bestimmt auch Wildschweine?! Ich geh nicht mehr Schulhof! Voll übertrieben gefährlich hier!“

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50 Antworten zu Wildlife in school ground

  1. p schreibt:

    Hallo Frau Krise,
    puuh endlich alles gelesen und nicht einmal gelangweilt –
    dankeschön und viele Grüße
    p

  2. claudia o. schreibt:

    Also Tollwut im Tollhaus, ich weiß gar nicht warum ich gerade diese Assoziation habe?! Nachdenkliche Grüße von claudia o.!

  3. Sanne schreibt:

    Och menno – ich hätte es viel toller gefunden, wenn da ein Wildschwein um die Ecke gebogen wäre (aber ein krass-voll-echtes!).

  4. Olaf schreibt:

    Sie sind ja an einer echten Erlebnisschule zugange.
    Haben SIe auch den Schaum in den Mundwinkeln erwähnt, wenn Tollwut ausbricht ?
    Sie könnten ja auch einmal ein Wildschwein grillen, sollte es solche in Ihrem Ort geben, was ja vorstellbar ist 🙂
    Das ganze didaktisch geschickt z. B. mit einer Asterixlesung bzw. -sichtung (es sind ja auch Bilder darin) etc. eingeleitet. Da fällt mir ein, Schweinefleisch ist ja nix für Ihre meisten Schüler. Mist, wäre bestimmt abenteuerlich romantisch geworden.

    • Nele schreibt:

      Aber Wildschwein über offenem Feuer grillen wie bei Asterix funktioniert nicht! Das muss man erst eine Weile in einer Milch- oder Joghurtmarinade einlegen, damit es genießbar wird.

      • Olaf schreibt:

        Frau Nele –

        haben Sie eventuell Rezepte zum Grillen nach der Milch- oder Joghurtmarinade ? So mit Rosmarin und Knoblauch ? Ich bekomme Hunger…

      • Chak schreibt:

        Wenn das vernünftiges Fleisch ist und keine olle Sau, dann muss man das mitnichten.

  5. hattifnatte schreibt:

    Die Städte von heute sind voll wildtierischer Gefahren! Aber wenn erstmal ein süüüüßer Waschbär über den Schulhof getapst ist, wird Nesrin sicher mit der Natur versöhnt sein…

  6. KC schreibt:

    Na immerhin haben sie in der Pause was gelernt 😀 😀 😀

    • Anka schreibt:

      Das dachte ich auch…
      Irgendwann kann man ja lernen wie ein Fuchs ausseht und was er so frisst .
      So was ist Inhalt von Vorschulliteratur und Gesprächen mit dem Kind oder, wenn das versäumt wurde, wovon man ausgehen muss, Grundschulstoff!
      Ich bewundere sie,Frl. Krise. Ich glaube, ich würde verzweifeln angesichts des (nicht vorhandenen) „Weltwissens“, auch wenn es sich zugegebenermaßen sehr amüsant liest.

  7. puzzle schreibt:

    „übertrieben gefährlich“ ist eine wunderbare Wortschöpfung vonNesrin.

  8. Emi schreibt:

    Ich könnt mich beömmeln :-D. Füchse sind hier bei uns keine Seltenheit. Ich treffe jeden morgen um 4 uhr einen auf meinem Weg zur Arbeit. Der läuft mir seit einem Monat etwa 500 Meter hinterher. Ich finds lustig.

  9. Anneke schreibt:

    Fehlte nur noch, dass es den Blinker setzt… – made my day! Danke dafür. 🙂

  10. Mrs Future schreibt:

    Hihi, ich hatte letztens Marienkäfer. Das war große Aufregung und Hysterie. In der 13!

  11. frau freitag schreibt:

    „Der hat bestimmt mehr Angst vor euch, als ihr vor dem!“
    Oh mann, dieser spruch… was ist denn mal, wenn das gefährliche tier doch nicht mehr angst hat, als man selbst? und für tollwut ist eure schule wahrscheinlich nicht toll genug. unsere auch nicht.

  12. Elvira schreibt:

    Toll die Wut. Toll!

  13. KC schreibt:

    Sind Füchse denn eigentlich halal? Wäre mal eine interessante Frage…
    Wildschweine mit Sicherheit nicht 😀

  14. Adem Yalcinkaya schreibt:

    was los alles türken oda was klingt so als macht ihr idioten türken schlecht als ob wir noch nie fuchs gesehn hätten

  15. sternfisch schreibt:

    Wie unglaublich genial! Das koennte man jetzt noch erweitern um „Huch, da sitzt ja ein Schimpanse am Konferenztisch“ – „Was denn, das ist der Praesident…!“

  16. Chris schreibt:

    Ein Fuchs muss tun was ein Fuchs tun muss…

  17. schiffmo schreibt:

    @Adem Yalcinkaya:
    Ich denke nicht, dass das so gemeint ist. Obwohl ich ein Landkind bin und von klein auf weiß, wie ein Schaf, eine Kuh, ein Schwein oder ein Huhn aussieht und dass man in Gegenwart von Schafen nicht ins hohe Gras tritt, und mir die scheuen Rehe so oft gezeigt wurden, bis ich tatsächlich eins erblickte, weiß ich genau, wie sich das anfühlt, wenn man ein Tier einer Art sieht, die man noch nie vorher gesehen hat.
    Stadtkinder, die ihre Neugier eher auf urbane Sachen richten und wirklich noch nie einen Fuchs gesehen haben, reagieren dann genau so. Das Vieh ist verglichen mit einem Meerschweinchen oder einer U-Bahn-Maus tatsächlich „voll übertrieben groß“ und hat ganz offensichtlich Zähne, die perfekt dazu geeignet sind, zuzubeißen. Wenn ein „Landkind“ dabei ist und türkisch oder deutsch sagt, das sei nur ein Fuchs, entwickelt sich die Situation ganz anders.

  18. Hajo schreibt:

    ja ja, die lieben Kleinen (insbesondere, wenn sie in einer Grossstadt wohnen) und die Natur, das ist schon was Besonderes, das fängt doch oftmals schon bei domestizierten Tieren (gibt es Kühe mit einer anderen Farbe als Lila?)
    immerhin haben sie den Fuchs schon als etwas Aussergewöhnliches wahrgenommen 😉

  19. Mea schreibt:

    Also Frl. Krise,
    ich bin das erste Mal hier gewesen und hab eine nicht übertrieben dringende Bitte:
    Diese „Kurzgeschichten“ sollten dringend als Buch herausgegeben werden! So herzerfrischend würden sie sicher eine Menge Leute – nicht nur Lehrer – zum Schmunzeln bringen. So in der Art „Aus dem Leben eines Buchhändlers“, nur eben „Aus dem Leben einer Lehrerin“….
    Ist mein krasser Ernst, wirklich!
    Lieben Gruß
    Mea

  20. Karicartoons schreibt:

    …vor allem viele Rindviecher gibt’s in den Städten 🙂 Klasse Beitrag, Frl.Krise!

  21. Bitte erzählen sie ihren Schülern nie, dass in England tatsächlich ein Fuchs in ein Haus eingedrungen ist und dort ein Kind angefallen hat. Füchse sind nicht ganz soooo ungefährlich wie wir glauben. Nichtsdestotrotz habe ich Ihren Artikel wieder mit einem breiten Grinsen gelesen. Danke

  22. neuling schreibt:

    Linktipp:

    „Türkisch- und arabischstämmige Jugendliche stecken oft zwischen Missverständnissen fest, sagt Soziologe Aladin El-Mafaalani. Anerkennung finden sie nur bei ihren Peers.“

    http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2011-09/migranten-jugendliche-bildung-integration

    • Ulla 39 schreibt:

      Ein sehr nützlicher Artikel über das unterschiedliche Verhalten, das eine türkische Respektsperson von einem Kind erwartet und eine deutsche. (Auch wenn die beiden anderen Erziehungsstile nicht beschrieben werden.) Die Kinder sitzen zwischen zwei Stühlen.

    • Teacher schreibt:

      Vielen Dank für den Link zu diesem interessanten Interview.

  23. Tricia McMillan schreibt:

    Boah Frl. Krise, ich dachte schon die ganze Zeit, daß Ihr Beruf voll übertrieben gefährlich ist, aber jetzt noch voll die wilden Tier! Abo, ein Glück das Sie da waren, Ihre Liebsten zu beschützen!
    Und jetzt bringen die sicher Entschuldigungen mit, daß sie nicht zur Schule kommen können, weil sie gegen Tollwut allergisch sind…

  24. wolf schreibt:

    Seit den Tollwutschutzmaßnahmen -Ausbringung von geimpften Ködern- ist die Tollwut in der Bundesrepublik eine zu vernachlässigende Krankheit. Sie kommt kaum noch vor.
    Laut Wikipedia war der letzte Tollwutfall bei einem Menschen in der Bundesrepublik 2007.
    Der wurde in Marokko von einem Hund gebissen!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tollwut

    Seit den Tollwutschutzimpfingen hat die Population der Füchse rasant zugenommen.
    Kommt es zu einer -eher seltenen- Begegnung mit einem Fuchs, sollte man auf seinen Allgemeinzustand achten. Sieht er propper und gesund aus, ist Tollwut eher auszuschließen.

    Füchse sind übrigens Allesfresser. Fleisch steht bei ihm hauptsächlich in Form von Mäusen auf der Speisekarte.
    Erwachsene gesunde Hasen oder Kaninchen kriegt er im Normalfall nicht. Dazu ist er zu langsam!
    Jungtiere und kranke Tiere schon.
    Füchse legen ihren Kot bevorzugt auf höheren Stellen ab. So dick wie ein Frankfurter Würstchen, bis zu 5 cm lang, an einem Ende spitz, am anderen stumpf. Wenn man genau hinschaut, sind Speisereste zu erkennen
    Füchse markieren so ihr Revier.

  25. aprikaner schreibt:

    …schade das Ihre Kids schon so groß sind hätten die mal letzte Woche Löwenzahn geguckt…
    *grins*…voll gefährlich in der Stadt…

  26. Oberlehrer Paul schreibt:

    Seit 2006 gibt es praktisch keine Tollwut mehr in Deutschland.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tollwut#Deutschland

  27. Lea schreibt:

    Unser Schulhof ist auch gefährlich!
    Das laufen Neuntklässler rum und schütten ein mit Cola voll… Aber bist auf den Hund von unserer Biolehrerin hatten wir da noch kein Tier (ok, Mäuse, Eulen und EIchhörnchen schon…)

  28. malesawi schreibt:

    Das überzeugt mich. Ich will auch nicht mehr auf den Schulhof.

  29. Ute schreibt:

    Jou, als ich sieben Jahre alt war (1976), sind meine Eltern mit mir in den Herbstferien in Die Große Stadt gefahren. Eines Abends weigerte sich der Taxifahrer, eine Fahrt von Punkt X nach Punkt Y zu übernehmen. Da sei ihm die Gefahr zu groß, daß ihm in der Dämmerung ein Wildschwein vors Auto renne. Tja… Scheint sich seitdem nicht viel geändert zu haben. 😉

  30. zahnwart schreibt:

    Ich sah übrigens einmal ein Wildschwein, mitten in Berlin. Naja, nicht mitten, aber immerhin in Zehlendorf. Als ich auf dem Weg zum Interview war. Die Wildschweinbegegnung verstörte mich Stadtkind so nachhaltig, dass sie das gesamte Interview (und auch den daraus entstandenen Text) überlagerte: Ich weiß ganz und gar nicht mehr, wie mein Interviewpartner damals aussah, während ich mich an das Tier erinnere als ob es gestern gewesen wäre.

    (Schöner Text, Frl. Krise, wollte ich auch noch gesagt haben.)

  31. Karl Eduard schreibt:

    Über das Vorurteil, daß Hasen voll süß sind und deshalb nicht wild wären, sollte auch noch mal diskutiert werden. Was die mit Möhren und Kohl anstellen!

  32. juniwelt schreibt:

    „Voll übertrieben gefährlich“ gefällt mir ganz besonders…werde ich mal in den Sprachgebrauch übernehmen 🙂

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