Finstere Aussichten….

„Erkan! Diese email-Adresse geht doch g a r nicht!“
Ich zeige auf: king-styler@xy.de
Erkan guckt mich mit großen Augen an. „Warum nich?“
Ich antworte: „Mensch Maier, das hab ich doch schon x-mal erklärt!“
Ich bin’s langsam leid..
Ich weiß nicht mehr, wie oft ich schon im letzten Jahr heruntergebetet habe, was bei einem Bewerbungsschreiben geht und was nicht.

Unsere zweiundzwanzig Schüler sitzen in den zwei großen Computerräumen.
Karl, Kollege Baum, Kollegin Wacker, Frau Hirte – eine Berufseinstiegsbegleiterin- und ich springen um sie herum.

Die Schüler sollen sich aus den Bewerbungsseiten im Internet passende Lehrstellen heraussuchen und eine oder mehrere Bewerbungen schreiben, die so perfekt sind, dass sie weggeschickt werden können. Alle haben das nun schon öfter geübt, ihre Unterlagen sind im Computer abgespeichert. Vier Schulstunden Zeit haben sie.

Gleichzeitig ist auch noch unsere Berufsberaterin im Haus und zehn Schüler haben einen Termin bei ihr. Die Eltern sind auch dazu eingeladen worden. (Drei kommen!)

Nach einer halben Stunde habe ich Sodbrennen und leichte Kopfschmerzen. Wir sind viel zu wenig Lehrer! Fast jeder Schüler bräuchte einen neben sich. Es ist unfassbar, wie schwer es ihnen fällt, diese Aufgabe zu bewältigen.

„Voll verrostet!“ sagt Aynur,“ Wie oft haben wir das gemacht! Macht kein Spaß!“
‚Persöhnlich Daten’ und ‚Besondere kenntnise’ lese ich auf ihrem Lebenslauf. Kommas kennt Madamchen nicht und die Formatierung ihres Bewerbungsschreiben ist eine einzige Kathastrophe…
‚Ich strebe mein Abitur an,“ schreibt Hassan, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die allergrößten Schwierigkeiten haben wird, die Realschulprüfung zu bestehen.
„Du bist doch hier noch nicht in der gymnasialen Oberstufe! Erst kommt mal der mittlere Abschluss!“ sage ich.
„Was mittlerer Abschluss!“ fährt Hasan mich an. „Ich mach mein Abitur! Sie werden sehen! Wollen wir wetten?“
Meine Schüler glauben an die magische Kraft der Wette….

Fuat hat einfach eine Bewerbung abgeschrieben – der Himmer weiß, wo. Eine Kostprobe:
„Ich bin ein flexibler und motivierter junger Mann mit viel Potential, der eine neue berufliche Herausforderung sucht.“
Fuat weigert sich, den Text mit meiner Hilfe zu ändern.
„Was heißt denn ‚neue’ berufliche Herausforderung?“ Er zuckt mit den Achseln. Was Potential ist, weiß er auch nicht. Er wird wütend, löscht den Text komplett und schmollt den Rest des Morgens.

Azzize kommt gerade von der Berufsberaterin zurück. Sie schmeißt sich auf ihren Stuhl und sagt trotzig: „ Ich mach gar nix mehr!“
Man hat ihr gesagt, die Lehrstellensuche würde mit Kopftuch schwierig, erzählt sie dann. Auch nichts Neues. Aber wenn ich das sage, glaubt mir das ja keine. Kosmetikerin wolle sie werden? Das könne sie mit Kopftuch vergessen. Medizinische Fachangestelle? Auch schwierig, schwierig. Sicher, es gäbe vereinzelt Arzte, die Mädchen mit Kopftuch einstellten…
„Dann werd ich eben Friseuse“, sagt sie. „Dann zieh ich morgens mein Kopftuch aus. Da sind keine Männer bei der Ausbildung, sagt meine Kusine!“
Mahtab regt sich auf: „ Natürlich findest du Lehrstelle mit Kopftuch. Ist doch viel besser mit Kopftuch. Fallen keine Haare raus! Wenn du Mc Donald arbeitest oder so!“

Später berichtet mir die Berufsberaterin, dass die vier Kopftuch tragenden Mädchen ihr besonderes Kopfzerbrechen machen. Aber auch Hanna, die Lichtjahre von einem Kopftuch entfernt ist, macht ihr große Sorgen. Ihr Verhalten und die schlechten Schulleistungen…wenn sie wenigstens kooperativ wäre!

Nesrin geht als Letzte zur Berufsberaterin. „Bitte, bitte, Frl. Krise, gehen Sie mit,“ fleht sie mich an. Ich lasse mich breitschlagen. Nesrin hat nämlich gestern, als wir wieder mal im BIZ waren ( „BIZ nervt voll“ sagte Aynur), endlich ihren Traumberuf gefunden:
A s s i s t e n t i n!
Mit leuchtenden Augen sagte sie: „ Assistentin ist voll schööööön! Dann zieh ich immer Hackenschuhe an!!“
(Pflegeassistentin stand übrigens auf ihrer Liste – immerhin besser, als Rolladenmechatroniker, wie letztes Jahr!)
Ich versuchte ihr klarzumachen, dass es „die Assistentin“ als eigenständigen Beruf gar nicht gibt, außer vielleicht fälschlicherweise in amerikanischen Fernsehserien, die in der Chefetage spielen. Nesrin ist uneinsichtig.
„Doch, das werd ich! Friseuse mach ich nicht mehr, Frl. Krise,“ sagt sie, „meine Schwester erzählt mir immer. Die wird das! Abooo! Das ist voll anstrengend.“
Ich bin gespannt darauf, was die Berufsberaterin von ihrem Berufswunsch hält. Die hört zu, lächelt, seufzt unhörbar, guckt auf das Zeugnis, blättert in ihren Unterlagen ( sie ist nicht zum ersten Mal bei uns!) und schlägt Nesrin vor, sich testen zu lassen.
Überhaupt sollen etliche aus der Klasse getestet werden.
„Allerdings hat unser Psychologischer Dienst eine lange Warteliste,“ sagt sie, „vier, fünf Monate kann das noch dauern, bis ihr dran seid!“
Nesrin nickt zutraulich. Ich glaube, sie ist ganz froh, dann hat sie noch viel Zeit, von dem herrlichen Assistentenjob zu träumen.

Am Ende des Morgens haben die wenigsten ein vernünftiges Ergebnis vorzuweisen. Wir werden morgen weiter daran arbeiten müssen, auch wenn’s weh tut.

„Die Frau hat gesagt, wir müssen bestimmt 50 Bewerbungen schreiben, bis wir was haben!“ sagt Gülten düster und holt das Lipgloss aus ihrem Handtäschchen.
„Das mach ich nicht! Zehn reichen…! Wa, Frl. Krise?“

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60 Antworten zu Finstere Aussichten….

  1. Olaf schreibt:

    Oh oh (Besserwiss- und Hinweismodus an) !!

    „Voll verrostet!“ sagt Aynur,“ Wie oft haben wir das gemacht! Macht kein Spaß!“
    ‚Persöhnlich Daten’ und ‚Besondere kenntnise’ lese ich auf ihrem Lebenslauf. Kommas kennt Madamchen nicht und die Formatierung ihres Bewerbungsschreiben ist eine einzige Kathastrophe…<
    Kat-wieschreibtmandas ? Zehnmal:
    Katastrophe
    Katastrophe
    Katastrophe
    Katastrophe
    Katastrophe
    Katastrophe
    Katastrophe
    Katastrophe
    Katastrophe
    Katastrophe
    (Besserwiss- und Hinweismodus aus – sorry) 😉

  2. leocat/Kathrin schreibt:

    50 Bewerbungen – ist das nicht ziemlich optimistisch? Ich habe damals anno 1997 (mit mittelprächtigem (2,5er) Abitur) an die 300 (!) Bewerbungen geschrieben bis ich „was hatte“. Und ich wollte „nur“ Buchhändlerin (oder Mediengestalterin Bild/Ton) werden… Mein Makel: Ossi (!) – O-Ton: „Suchen Sie sich doch was in Ihrer Nähe.“ „…passen nicht in unsere Unternehmensstruktur.“ Wie wäre das erst mit „Migrationshintergrund“ gewesen? Naja, seitdem sind 14 Jahre ins Land gegangen… wahrscheinlich können die Unternehmen inzwischen froh sein, wenn sie überhaupt ausreichend „ausbildungsreife“ Azubis finden…

    • stahldame schreibt:

      ob da 50 oder 300 steht, dürfte für Fräulein Krises Schüler grad egal sein… Klingt so oder so nach Arbeit.
      (Ich hab zufällig das Richtige studiert – einmal 4 Zusagen auf 8 Bewerbungen, beim nächsten Mal 3 auf etwa 15. Kostet genug Nerven.)

    • Pumucklchen schreibt:

      Ich wollte eben das selbe sagen: Habe mit einem guten FOR Abschluss, Durchschnitt 2,3 auch aufgehört bei 120 Bewerbungen zu zählen .. Ich denke die 180 hab ich auch geknackt ..
      Is schon scheiße ..

  3. abz schreibt:

    Oh, Frl. Krise, es ist sooo herrlich, die eigenen Erfahrungen in Ihrem Stil zu lesen. Auch, wenn ich gerade eine 5. Klasse habe. Neben den trotzigen Schülern gibt es ja auch noch die engagierten Eltern: „Meine Mutter macht das jeden Tag, die sagt, man muss so schreiben. Die stellt grad jede Woche 50Bewerbungen ein, ich mein schmeißt 50 weg!“ Na, prima, da beleidigt man mit seiner gutgemeinten Korrektur auch noch die Eltern.
    Ein Mädchen würdigte mich wochenlang keines Blickes mehr, weil ich über ihren Satz in einer Bewerbung zur Kassierin: „Ich wollte schon immer mal bei Ihnen abkassieren…” gelacht habe. Später traf ich sie allerdings tatsächlich an einer Kasse und wir lachten zusammen über die Erinnerung.
    Ich fühle mit Ihnen.
    Nächsten Monat ist es bei mir wieder soweit, bei den Achten.

  4. Blüte schreibt:

    Ach Fräulein Krise, ich fühle mit Ihnen…. Ich kenne diese Aktionen sooo gut von meinen HSA 9 bzw. HSA 10 Klassen und nun versuche ich seit 1,5 Jahren mein uneinsichtiges Patenkind, das offensichtlich Ihre Klasse besucht, von der Notwendigkeit eines Schulabschlusses und eines realistischen Berufswunsches samt Bewerbung zu überzeugen….. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und hoffe, dass Sie auch über Positives berichten können!!!!

  5. PeterLe schreibt:

    Sieht das so bitter aus? Kein Wunder, dass ihre Schützlinge von Popstars, DSDS und Topmodel träumen. Das sieht wenigstens nach einer reellen Chance für sie aus. Bei solchen Prognosen hätte ich auch keine Motivation auf einen Abschluss, wenn mein Name oder ein Kopftuch schon heissen, den/die können wir nicht gebrauchen/wollen wir nicht.

  6. Bewerbungen Bahhh, wie ich das hasse….!!!! Da habe ich meinen Nachnamen regelrecht gehasst. Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass bei gleicher Qualifikation am Ende doch die Deutsche/Österreicherin den Job bekommen.

    Daher mache ich mir auch große Sorgen um Ihre Schützlinge Frau Krise!
    Vielleicht ist es ganz gut, dass sie so jugendlich naiv an die Sache rangehen.
    Zeit für die Zerstörung Ihrer jugendlich naiven Traumberufvorstellungen wird es noch genug geben.

    • RogueEconomist schreibt:

      Schade eigentlich, wo man doch soviel liest über offene Lehrstellen. Und hier stellt das Anschreiben wahrscheinlich noch die geringste Hürde dar…
      Ich schiebe aber auch vieles auf jugendlichen Leichtsinn. In ein paar Jahren sehen die meisten viele Dinge ganz anders. Davon wären viele den Berichten nach auch NOCH gar nicht reif für eine Ausbildung, selbst wenn man mal bei den Anschreiben ein bzw. beide Augen zudrückt und das Bewerbungsgesprach akzeptabel verlaufen würde. Thema Pünktlichkeit, Leistungsbereitschaft oder Berufsschule, um nur einige wenige zu nennen. Aber das gibt sich hoffentlich mit den Jahren.
      Tja und dann das leidige Thema Diskriminierung. Passiert leider viel zu schnell (und fast jeder diskriminiert unbewusst) und nicht nur bei „Ausländern“. Da haben uns manche Systeme durchaus was voraus, wenn sie Namen, Geschlecht, Alter und Foto schwärzen.

  7. puzzle schreibt:

    Man kann ihnen nur wirklich viel Glück wünschen … irgendwie habe ich nicht nur Mitleid mit Ihnen.

  8. Wendy schreibt:

    Ich bekommen Bewerbungen auf den Tisch – und einmal habe ich mir die Mühe gemacht, eine Lehrerin zu kontaktieren und zudem dem Schüler die Bewerbung korrigiert und umformuliert zurück gesandt (soviel Zeit hab ich normalerweise nie). Froh war sie schon – aber auch bitterlich betrübt…. weil offenbar alles üben nicht auf fruchtbaren Boden gefallen war, sondern der Schüler mit Migrationshintergrund alle Ratschläge in den Wind geschlagen hat und es besser wußte…. heraus kam eine latent machohafte, leicht sexistische (und leider ernst gemeinte) Bewerbung. Albanischer Familienbackground….

    • frlkrise schreibt:

      Ach, das hat doch NICHTS mit dem Migrationshintergrund zu tun! Die Bewerbungen dieser Schülerklientel sind alle mangelhaft.

      • RogueEconomist schreibt:

        Hier zeigt sich wieder: Faulheit und mangelndes Interesse ist und bleibt international. 🙂

      • Jürgen schreibt:

        Stimmt. Es ist diese Klientel, egal ob deutsch oder mig. Manche, manchmal viele, Mig-Schüler sind besser dran als die deutschstämmigen.
        Die Bedürftigkeit zieht sich durch diese Schicht (früher durfte man ja Klasse sagen).
        Ach, Krisie, wenn es sie nicht gäbe, wäre es zappenduster.

      • Wendy schreibt:

        In dem konkreten Fall leider schon (ich kann da leider nicht zu sehr ins Detail gehen – aber sein Frl. Krise hat fast geweint am Telefon)

  9. nobelix schreibt:

    Hallo Frl.Krise,

    wenn der Rest der Bewerbung in Ordnung ist, wird eine E-Mail-Adresse wie „king-styler@xy.de“ nicht grade ein Ausschlusskriterium sein – obwohl es sicherlich zu einer Nachfrage führen könnte (Auf die Antwort wäre ich ziemlich gespannt…). Mir jedenfalls sind in Bewerbungen schon deutlich schlimmere E-Mail-Adressen untergekommen (Krönung war so etwas ähliches wie „ichmachdirschmerz@provider“)…leider bei genau so schlimmen Bewerbungen. Dabei ist es doch eigentlich gar nicht so schlimm, seinen Namen als Adresse einzurichten. (sagt der, der selber mit Pseudonym schreibt 😉 )

  10. KC schreibt:

    Gibt es denn überhaupt Hoffnungsträger in der Klasse? Fräulein Krise, Sie müssen doch schon ganz grau um den Kopf sein oder härtet man mit der Zeit ab?
    Irgendwas muss die doch aus ihrem Wolkenkuckucksheim mal rausreißen, so verbohrt kann man doch gar nicht sein.

  11. ollie schreibt:

    Moin Moin Frl. Krise!
    Ich bin ja nun einer der deine Mannschaft potentiell ausbilden würde, weil unser tolles kleines Bundesland sich das auf die Fahnen geschrieben hat und ich dann auch noch bei einem Unternehmen arbeite, das dass auch wirklich ernst nimmt.
    Also ein wenig Erfahrung bringe ich dann schon mit. Defizite zu sehen geht recht einfach und ist im lesen auch wirklich lustig aber wenn du wirklich mal was bewegen willst, dann kannst du mir gerne mal eine Mail schreiben, ein paar tricks, kniffe und hinweise als „personalentscheider“ für kleine rabauken und rabaukinnen steuer ich gerne bei. denn Potentiale haben deine kleinen nach dem was ich lesen konnte nun wiklich!
    schreib mich gerne an!
    liebe grüße
    Oliver

  12. michael schreibt:

    Für Nesrin wüßt ich einen Beruf: Gesellschafterin bei Frl. Krise oder Frau Freitag. Wenn Frl. Krise ermüdet von der Schule nach Hause kommt, hat Nesrin schon Tee zubereitet und eine Kleingikeit zum Essen gemacht. Frl. Krise braucht sich dann nur am Kamin niederlassen und wird dann von Nesrin betüdelt.

  13. Nania schreibt:

    Ich habe auch schon einige merkwürdige Bewerbungen gelesen – auch von Studenten auf einen HiWi-Job (Hilfswissenschaftler). Dabei ist die E-Mail Adresse wirklich meistens das kleinste Problem, denn auch wenn diese merkwürdig sein sollte – als Schüler benötigt man nicht zwangsläufig eine Adresse alla „Max.Mustermann@XY.de“ Da reicht meist etwas lustiges und alle sind zufrieden. Unternehmen sollten das meines Erachtens berücksichtigen und bei einer guten „Rest-Bewerbung“ diese Tatsache einfach mal ignorieren. Wie jemand seine private e-Mail Adresse nennt, so lange er keine Geschäftilche braucht, ist seine Sache. Vielleicht sollte man aber wirklich nicht mit „sexymouse.hot@XY.de“ antreten. Das wirkt schon komisch.

    So viel dazu.

    Andere Sache: Das Kopftuch. Ich finde es gerade zu beschäment, dass die BERUFSBERATERIN hier dem Mädchen anscheinend klar machen möchte, dass ihre Berufswünsche wegen eines religiösen Gegenstandes schwer zu realisieren sind. Dann würde ich doch eher versuchen, sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie gute Noten benötigt und vielleicht auch schon mal ein Praktikum. So macht man dem Mädchen doch nur klar, dass sie wegen des Kopftuchs doch eh keiner will…. Und Mädchen mit Kopftuch sieht man mittlerweile immer verstärkter in Arztpraxen, Zahnarztpraxen, an Kassen usw. Friseur ist natürlich so ne Sondersache, aber es wäre es auch wert, hier einzugreifen und klar zu machen, dass das Kopftuch nichts darüber aussagt, wie ein Mensch arbeitet oder wie intelligent ein Mensch ist.

    Eine Kommillitonin (hat mittlerweile leider das Studienfach gewechselt) ist Kopftuchträgerin und trägt auch diese langen Mäntel (gerade den Fachbegriff vergessen). Sie durfte sich vor einem Unigebäude von einer älteren Frau mal den Spruch anhören, ob sie denn überhaupt in der Lage wäre zu studieren, ob sie das denn überhaupt dürfe. Sie war damals echt pikiert und das finde ich mehr als bedenklich. Wäre ich Chef, mir wäre es egal, ob jemand Kopftuch bei der Arbeit trägt (solange das möglich ist. Am Hochofen wäre es vielleicht doch etwas ungünstig) oder nicht.
    Es gibt aber einige Ausnahmen, über die man längerfristig mal diskutieren müssten

    • frlkrise schreibt:

      Beschämend ja…aber auch realistisch. Insofern hat die Berufsberaterin recht. Mit Kopftuch ist das Angebot geringer. Das mit den Noten u. dem Praktikum ist bei der Beratung IMMER Thema!!!!!!

      • Ricky schreibt:

        Ist aber auch so, dass das Kopftuch zumindest auf Praktikantenseite auch gerne mal als Ausrede genommen wird. Mein extremstes Beispiel war eine junge Dame, die vor einigen Jahren bei mir zwei Wochen eines achtwöchigen (bezahlten!)Praktikums absolviert hat. Studienbegleitend, also auch eigentlich in einem Alter in dem man wissen sollte, was man da macht…
        Sie
        – kam wann’s ihr passte (einen Tag stand sie eine Stunde vor Start vor der Bürotür weil sie hat schon da war, und wollte die Stunde angerechnet haben, dann wieder kam sie teilweise um Stunden zu spät)
        – ging wann sie wollte (mal pünktlich, mal ein Stündchen früher, mal schon mittags…)
        – ihr angestrebtes Berufsziel war, Übersetzerin zu werden. Nach sechs Semestern Studium hätte sie dazu in der Lage sein sollen, schon mal ein Projekt zumindest unterstützt selbst zu bearbeiten. Das war ihr zu anstrengend und zu langweilig.
        – mündlich angebrachte Korrekturen meinerseits, der Lektorin oder einer Kollegin wurden grundsätzlich nicht umgesetzt sondern bestenfalls schnippisch kommentiert.
        – ausdrückliche Arbeitsanweisungen hielten 20-30 Minuten vor
        – nachdem sie uns informierte, dass das Projektbearbeiten wohl nicht so war wie sie sich das vorgestellt hätte, und ob wir ihr nicht was anderes zu tun könnten, durchlief sie innerhalb von zehn Tagen buchstäblich jede Arbeit, die man in einem Übersetzungsbüro machen kann, jede endete mit „mag ich nicht“, „kann ich mich nicht drauf konzentrieren“ (das ist der Versuch, höflich zu sagen „ist mir zu langweilig“), oder Abgabe von Arbeitsergebnissen, die nicht verwertbar waren, da Arbeitsanweisungen, inkl. schriftliche, zumeist ignoriert wurden.
        – schließlich wurde sie noch wiederholt auf Facebook, ICQ, youtube und wie sie alle heißen angetroffen, während der (bezahlten) Arbeitszeit…
        Wir haben das ganze dann nach zwei Wochen beendet.

        Einige Zeit später erfahre ich via Facebook, dass ich sie „rausgeworfen habe weil [sie] Kopftuch [trägt]“…

        Gut zu wissen… Wie man sich doch über seine eigenen Motive täuschen kann.

      • radierer schreibt:

        Realistisch ja…aber auch beschämend.

      • Neuer Leser schreibt:

        Natürlich dürfen Menschen nicht wegen ihrer offensichtlichen Religionszugehörigkeit diskriminiert werden. Auf der anderen Seite stellt sich aber auch die Frage, in wie weit offen getragene religiöse Symbole (aller Religionen) ins Berufsleben gehören… Speziell bei Berufen im öffentlichen Dienst ist die religiöse Neutralität doch sehr wichtig.

  14. CansimFelis schreibt:

    Immerhin streben die Kids noch einen Beruf an und beschränken sich im O-Ton:
    „Ich brauch keinen Job. Ich heirate nen reichen Mann.“ oder „Ich krieg Hartz4, warum soll ich arbeiten gehen?“ Und im gleichen Atemzug jedes Praktikum verweigern.
    Da lob ich mir doch jede noch so rechtschreiblich falsche Bewerbung… und hoffe mit Ihnen und den Kids auf den Traumberuf!

  15. CansimFelis schreibt:

    „beschränken sich nicht – im O-Ton – auf:“
    ….. wollt ich sagen….

  16. Ricky schreibt:

    Äh.. Ich seh solche Bewerbungen gelegentlich Reihenweise… von jungen Damen und Herren (zumeist Damen, aber das liegt am Fach – Übersetzen) , die einen Universitätsabschluss anstreben (Praktikum) oder schon haben… Kommt besonders gut, sich als Übersetzer INS DEUTSCHE zu bewerben und schon in der Bewerbung zu beweisen, dass man weder Groß-/Kleinschreibung, noch Grammatik, noch Zeichensetzung, noch Rechtschreibung beherrscht, und nebenbei nicht weiß, wo bei Word die Rechtschreibprüfung angeht…

    Wenigstens versucht man bei Ihnen, den Schülern beizubringen „wie so was geht“. Die Gymnasiasten, Abiturienten und Studenten haben davon z.T. ihr Leben lang noch nichts gehört. Und zu dem jungen Herrn, der abgeschrieben hat kann ich nur sagen – immerhin zeigt er gewisse Problemlösungsansätze. darauf, mal im Internet zu schauen, wie so was denn aussehen könnte oder auch nur dort eine Musterbewerbung abzuschreiben ist unter meinen Bewerbern noch keiner gekommen.

    • evasbuecherkiste schreibt:

      Leider auch ein generelles Problem im Unterricht:
      Denn anstelle länger Grammatikunterricht zu bekommen, hört das irgendwann auf und man schreibt bis zum Erbrechen Aufsätze. Manchmal kommen vielleicht noch so Einschübe, dass nach einem „Etwas“ das betreffende Wort i.d.R. groß geschrieben wird, aber anderes fällt total unter den Tisch und man darf sich ein Leben lang fragen, was denn nun richtig ist. Dazu kommt eine gewisse Arroganz der Lehrer, Fehler anzustreichen, aber nicht auf die korrekte Version hinzuweisen.
      Ich glaube weniger, dass die deutsche Rechtschreibung unter Word und dem Einsatz der Fehlerkorrektur leidet, sondern eher darunter, dass man den Schülern keine Regeln mehr beibringt – im grammatikalischen Sinne – sondern nur noch fokusiert, dass diese irgendwelche Texte analysieren. Das kann ganz sicher auch nicht jeder und erst Recht hat nicht jeder Spaß daran.

      In Englisch fand ich das noch schlimmer als in Deutsch, wo man irgendwann auf den Grammatikunterricht verzichtete, aber viele Ausdrücke und Ausdrucksformen immer noch nicht durchgesprochen hatte. Kein Wunder, dass man die gleichen Fehler immer und immer wieder macht.

      Es gibt übrigens auch genug Erwachsene, die mit ihrer ach so guten alten Schulbildung immer noch nicht wissen, wann man „mir“ und wann man „mich“ benutzt und auch von korrektem Gebrauch des „dass“ mit Doppel-„S“ keine Ahnung haben.
      Das sind dann meistens die Gleichen, die sich über die schlechte Rechtschreibung der Jugendlichen aufregen. Mit der richtigen Groß- und Kleinschreibung haperts dann auch häufig und die Zeichensetzung ist auch nicht unbedingt korrekt.

      • frlkrise schreibt:

        Ich muss bei der Korrektur jeden Fehler VERBESSERN!
        Die Schüler lernen alle Regeln. Sie anzuwenden fällt ihnen aber schwer.
        Aufsätze werden in der Form, wie es früher war, bei uns gar nicht nicht mehr geschrieben.
        Das ANALYSIEREN von Texten …naja… ich würde das, was wir da machen nicht analysieren nennen, sondern den Versuch zu verstehen, was da überhaupt steht.
        Noch Fragen?

      • alica schreibt:

        Zitat eines Vorgesetzten (praktischer Beruf mit kaum bis null schriftlichem Kundenkontakt):
        „Warum achtest du eigentlich auf die Rechtschreibung? Interessiert doch eh keinen.“

        Danke -.-

  17. sockenbergen schreibt:

    So viele Lehrer für 22 Schüler, was für ein Luxus.
    Und es reicht immer noch nicht. Lassen Sie doch die Eltern mitarbeiten, vielleicht hülftst.

  18. Frau Antsche schreibt:

    „Verrostet“ das ist ein echt toller Ausspruch den muss man sich merken, von wegen es kommt nichts Neues hinzu!
    Frau Saum

  19. Die Blöde schreibt:

    Ich las gerade heute:

    „Initiativbewerbung um einen Praktikumsplatz
     
     
     
    Sehr geehrte Damen und Herren,
     
    seit Monaten verfolge ich die meiner Ansicht nach sehr positiven Aktivitäten Ihres
    Unternehmens genau. Nun möchte ich die Initiative ergreifen und freue mich, mich mit diesen
    Unterlagen bei Ihnen – Im Rahmen des 3-Wöchigen Schülerbetriebspraktikums – als
    Praktikant bewerben zu dürfen.
     
    Kurz zu meiner Person: Ich bin 15 Jahre alt, ledig und möchte mich gerne einer neuen
    Herausforderung stellen.
     
    Mit mir gewinnt Ihr Unternehmen einen sorgfältigen, zielstrebigen sowie ehrlichen
    Praktikanten, der sein Wissen und Können täglich verbessern und erweitern möchte. Zu
    meinen Stärken zählen: Loyalität, strategisches Denken und Intelligenz.
     
    Sollte meine Bewerbung Gefallen finden, würde ich Ihrem Unternehmen ab dem …. bis
    zum …….. als Praktikant zur Verfügung stehen können.“

    Klasse 9 – noch Fragen??

  20. evasbuecherkiste schreibt:

    Da ich leider nicht direkt antworten kann:
    Bei uns wurde das nicht gemacht und ich war 8 Jahre lang auf einem Gymnasium. In den ersten drei Jahren, ja, da standen noch die Fehler daneben und wir mussten sie verbessern. Danach? Fehlanzeige.
    Da stand dann noch ein R oder ein Z oder gar ein A. Aber sonst nichts. Genauso in Englisch. War schön, wenn man dann bei der Verbesserung erneut raten durfte, wie es denn richtig ist. Zudem habe ich erst neulich versucht, meiner Mutter zu sagen, wann man „mir“ und wann man „mich“ benutzt. Wenn man dann mit „Dativ“ und „Akkusativ“ anfängt, hat man schon verloren.
    Desweiteren ist Deutsch wirklich keine einfache Sprache. Selbst Arabisch, was ich jetzt an der Universität lerne, halte ich für einfacher, als Deutsch. Trotz der ganzen verschiedenen „hs“ und der Pluralformen.

    Ich möchte in keinem Falle Sie persönlich kritisieren, da ich Ihren Unterricht auch gar nicht bewerten kann. Ich hinterfrage nur die Methoden, die ich aus meiner Schulzeit (die auch erst zwei Jahre her ist) kenne – und die waren im Rückblick gesehen, wirklich nicht so toll. Wie oft uns im Literaturstudium schon gesagt worden ist: Wir fragen nicht: „Was möchte der Autor uns damit sagen?“ Was höre ich einige Tage später von meiner Cousine (14)? Jenen berühmten Satz solle sie in ihrer Hausaufgabe beantworten.
    Jawoll.

  21. Sgt. Hartman schreibt:

    Da ich der zeitlich nachgeordnete Betreuer von Frl. Krises Klientel bin, fühle ich mich berufen, zu diesem Thema meinen Senf dazuzugeben: Alle meine Schützlinge hatten mal einen Ausbildungsplatz, manche davon sogar einen – im Verhältnis zu ihren schulischen Leistungen – überraschend guten. Wenn ich meine KandidatInnen frage, warum sie ihre Lehrstelle verloren haben, bekomme ich höchstens in 5 % der Fälle die ehrliche Antwort, die auf 95 % der Biographien zutrifft („weil ich Scheiß gemacht hab“). Die Mehrheit fühlt sich als Opfer von „Differenzen im Ausbildungsbetrieb“ bzw. von Mobbing – im Klartext bedeutet das, dass den Damen und Herren Pünktlichkeit, ein einigermaßen friedliches Sozialverhalten (eine Vorstrafe wegen Körperverletzung ist bei unseren jungen Männern Standard), widerspruchsloses Befolgen von nicht zu beanstandenden dienstlichen Weisungen oder die Verweigerung von 3 Wochen Urlaub in der betrieblichen Hauptsaison nicht zuzumuten sind.

    Aber leider gibt es noch genügend AkteurInnen in diesem System, die meine Zielgruppe in ihrer Opferrolle bestärken. Meine Mädels und Jungs wissen genau, wem sie was erzählen müssen: Gegenüber ihren BewährungshelferInnen und DrogenberaterInnen wird da nur so gegreint und geweint und der Joker „Die böse Gesellschaft ist an allem schuld“ aus dem Ärmel geschüttelt. Dass sie bei mir mit so einem Schwachsinn auf Granit beißen, merken meine Leute ziemlich bald. Und dann entsteht überaus häufig eine konstruktive Arbeitsatmosphäre, die zu positiven Ergebnissen führt. Ja, ich gehöre zur Kategorie „harter Hund“, aber wenn ich nicht so wäre, würden mich meine Schützlinge nicht ernst nehmen.

  22. Neuer Leser schreibt:

    Bei mir haben nach dem Studium 10 Bewerbungen gereicht… Dazu hatte ich 3 Bewerbungsgespräche, bis ich den Job hatte.

  23. EDVler schreibt:

    Bewerbungen schreiben ist suboptimal, das tun alle. Man muss heute auffallen, der Weg der klassischen Bewerbung hat ausgedient. Frei nach W.C. Fields: If you can’t dazzle them with brilliance, baffle them with bullshit… Die ausgelatschen Wege verlassen, aktiv werd… hmm.. ich glaub ich seh das Problem…

  24. frau freitag schreibt:

    ojeeeee, ich habe deja-vu. frl krise, was regst du dich auf? findet eh keiner eine ausbildung. wird auch keiner die bewerbungen abschicken – abo, wissen Sie wie voll postbank immer ist…
    und leute, die kopftuchausrede ist sooo lahm – sollen die schüler doch mal ihre bewerbung mit einem deutschen namen und einem bild ohne kopftuch abschicken und dann sehen, dass sie mit den zensuren und den fehlzeiten keine chance haben. frl krise – kopf hoch – heute beginnt das wochenende.

  25. Christine schreibt:

    Wieeee, die Assistentin als Beruf gibt es nicht?! Klar, das bin ich doch. Team-Assistentin nämlich. Und ich zieh mir auch immer Hackenschuhe an 🙂 Gelernt hab ich übrigens Kauffrau für Bürokommunikation.

  26. Christine Schley schreibt:

    Liebes Fräulein Krise,

    Kopf hoch, es wird echt besser! Bin seit 20 jahren Grundschullehrerin in hamburgs Osten. Die Klassen werden kleiner ( anfangs 29 SchülerInnen , aktuell 17 ) und fast alle Kinder haben inzwischen Vorschul- oder Kindergartenerfahrung. Dort wird die Förderung der Kinder mit „Migrations- und/oder soziokulturell schwierigem Hintergrund“ immer gezielteer und erfolgreicher gestaltet. Die „problematischen“ Eltern ändern ihr Verhalten im Schneckentempo, die Kinder sehr viel schneller.
    Es geht wirklich aufwärts!!!!! Und in einigen Jahren hast du dann meine SchülerInnen. Freu dich drauf!

  27. Don Ferrando schreibt:

    Ich möchte mal weiterdenken, was so in 10 … 20 Jahren aus den Schülern geworden ist.

    Da wundert es mich auch nicht, dass sich die Unternehmen beschweren, von wegen 25% ausbildungsunfähig….

  28. Gast schreibt:

    >>„Was mittlerer Abschluss!“ fährt Hasan mich an. „Ich mach mein Abitur! Sie werden sehen! Wollen wir wetten?“<<

    Den Satz habe ich in der letzten Woche auch mehrfach gehört. Allerdings von SuS, die mit großen Problemen ihren Hauptschulabschluss gemacht haben und für die ein mittlerer Abschluss nicht erreichbar scheint. Lösungsvorschlag: "Ich brauche keine MIttlere Reife, ich mach im nächsten Schuljahr mein Fachabitur! Wollen wir wetten?"

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