Danke, YouTube!

Frau Herz, die für die Organisation unserer zweitägigen schulinternen Fortbildung zuständig ist, sagte am Freitag zu mir: „Du, Frl. Krise, ich gehe gleich Himbeeren pflücken. Ich könnte auch ein paar Pflaumen mitbringen. Dann können wir einen Kuchen für Montag backen!“
„Für Montag?“ fragte ich begriffstutzig.
„Ja, doch! Für unsere Fortbildung. Um die Kollegen bei Laune zu halten.“
„Warum nicht…,“ sagte ich ein bisschen lustlos -wir hatten 30 Grad im Schatten- und vergass das Projekt sofort.

Am Samstag rief Frau Herz an: „Ich hab voll viele Pflaumen gepfückt, Frl. Krise. Wir können backen! Komm Sonntag Nachmittag zu mir!“

Wir teilten die Arbeit gerecht auf.
Frau Herz knetete den Quark-Ölteig und ich ensteinte die Pflaumen – eine Arbeit, die nicht gerade zu meinen Favoriten gehört.
„Zu zweit macht das ja das richtig Spaß!“ sagte Frau Herz uffzend und presste den Teig mit aller Macht zusammen, so, als wolle sie Wasser aus einem Stein gewinnen.
„Voll hart,“ sagte Frau Herz.
„Sieht irgendwie trocken aus!“ sagte ich.
„Ist auch bisschen wenig für ein Blech!“ sagte Frau Herz.
„Ist sowieso zu wenig, ein Blech für 20 Leute“! sagte ich.
„Dann machen wir eben zwei!“ sagte Frau Herz.
Aber erstmal musste der Teigklumpen aufs Blech. Das war gar nicht so leicht, denn er verhielt sich reichlich unkooperativ und Frau Herz hatte ihre liebe Müh und Not ihn auszurollen.
Ich dachte, wenn das mal was wird, der wirkt ja jetzt schon wie ein alter Keks.
„ Bei meinem Ofen stimmt die Temperaturangabe nicht mehr,“ sagte Frau Herz düster, als sie das Backblech in den Gasherd schob.
„Deshalb backe ich nie. Wir müssen ihn im Auge behalten!“
Dann verschwand sie und ließ mich stundenlang mit Herd, Kuchen, Pflaumen und der Verantwortung alleine in der Küche zurück. Gottergeben entsteinte ich eine weitere Partie.
„Selber schuld,“ murmelte ich gerade erbittert, als Frau Herz hereintänzelte und frohgemut verkündete: „Ich war Internet! Ich weiß jetzt, wie es geht!“ Sie hatte sich die Teigzubereitung sogar bei YouTube angesehen und da sieht man mal wieder, wofür das Internet gut ist, denn der zweite Teig wurde kein bisschen hart, sondern schön glatt und geschmeidig.
Inzwischen rissen wir immer wieder die Backofentür auf, aber der Teig sah uns bleich an und dachte gar nicht daran, gar zu werden.
Entschlossen stellte Frau Herz den Temperaturregler hoch. In Windeseile war der Kuchen fertig. Er sah allerdings den sonnengetrockneten steinharten Sandkuchen meiner Kindheit verdammt ähnlich.
„Na, bitte, geht doch,“ sagte Frau Herz zufrieden, angelte das Blech aus dem Backofen und schob das zweite hinein.
Zeit für ein Tässchen Kaffee. Gerade hechelten wir ausführlich die unglückliche Romanze einer Kollegin mit einem verheirateten Urologen durch, als Frau Herz aufsprang und rief: „Riechst du das? Der Kuchen!“
In der Tat! Es roch ziemlich verbrannt…

So kam es, dass unsere Kollegen heute beim Kuchenessen die Wahl zwischen einer Art Hundekuchen mit Pflaumen und einem Brikett mit Pfaumen hatten.

Sie haben aber alles aufgegessen…..

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38 Antworten zu Danke, YouTube!

  1. Tagpflückerin schreibt:

    Jo mei … bei uns im Lehrerzimmer herrscht das Motto: Wer irgendwelche Reste zuhause nicht wegbekommt – Lehrer essen alles!
    Überschuss aus dem Obstgarten (leicht überreif, gatschig)
    Weihnachtskekse, die im Februar immer noch nicht aufgegessen sind…
    lg Tagpflückerin

  2. zweitesselbst schreibt:

    ah, wenn man keine Ahnung hat, sollte man sich zumindest trauen, jemanden zu fragen. ^^

  3. KC schreibt:

    Ohja…nach irgendwelchen Lehrerkinderkonfirmationen und runden Geburtstagen kamen immer irgendwelche bedauernswert aussehende Kuchenteller auf die Tische, wo es in jeder Bäckerei Reklamationen gegeben hätte…und eine Pause später war alles weg…nun ja, aber vielleicht hat die Verdaulichkeit dieser Produkte ja mit irgendwelchen geheimen Schnapsvorräten in der Kaffeeküche zu tun, die ich bei bisher jedem Praktikum zu meiner Verblüffung in großen Menge direkt neben der Kaffeemaschine vorgefunden habe ;D
    Aber eigentlich schmeckt Vollkornhefeteig doch viel besser als Quark-Öl unter Pflaumen, mit schönen Zimtstreuseln obendrauf…

  4. Jürgen schreibt:

    Ja, die essen wirklich alles, weil sie oft unterzuckert sind.
    Statt Youtube empfehle ich das blaue bayerische Schulkochbuch!
    Genial… auch was Teige angeht.

    • krizzydings schreibt:

      ^^oooh ich glaube davon habe ich auch schon gehört…
      meine mutter hat hier im norden ne bayrische kollegin, die mal auf einer schule für hauswirtschaft war und hat uns neulich ein pizzateigrezept gegeben…(die kollegin ist nicht gerade der prototyp von hausfrau, daher hatte ich mich auch nach der herkunft des rezepts gefragt)

      • Exilbayerin schreibt:

        Kann mich Jürgen nur anschließen! In welchem aktualisierten Kochbuch findet man sonst schon Sätze wie „Kleingebäck ist der Hausfrau größter Stolz“. Aber im Ernst, das ist wirklich klasse!

  5. Wendy schreibt:

    Hefeteig laß ich immer meinen Brotbackautomat machen – geht prima. Wenn ich dann noch jemanden finde, der ausrollt, ist mein Glück perfekt (ich back gern, aber ich HASSE Teig ausrollen – egal ob Hefeteig oder Mürbeteig). Und im übrigen: Nichts, was nicht durch VIELE Streusel noch besser würde!

    PS: Bringen Sie bitte Ihren Schülern bei, daß es NICHT Streußel heißt. Und auch nicht Sträußel….ich les das öfter bei Bäckern und das macht mich ganz wuschig.

  6. Anna schreibt:

    *mitlach*

  7. Christine Schley schreibt:

    *lach* auch!!
    Aber LehrerInnen essen in den Pausen wirklich alles – Sachen, die sie zu Hause niemals auch nur anschauen würden.
    Zum Beispiel Pralinen aus riesigen Pralinenschachteln, die gefühlt 99 Cent kosten!

  8. fraufreitag schreibt:

    ihr zwei schleimer…für die kollegen backen…tzzzzz

  9. Olaf schreibt:

    Ich auch 🙂
    Lehrer gelten ja als eher anspruchslos und sollen den Rotwein sogar aus der Tetrapacktüte trinken. Stimmt das ?
    Und Klatsch hat immer nachteilige Wirkung…
    (Nicht hauen !)

  10. Tanja Werdenberg schreibt:

    Also Backen kann man auch schon mit Youtube lernen. Schauschau, man lernt nie aus! Ob’s demnächst auch den Klassenstoff……*duck-und-weg!*

  11. hollaender schreibt:

    Kuchen und Lehrer üben eine ziemlich starke Anziehung aufeinander aus. Ähnliches scheint wohl auch für Hundekuchen und Brikette zu gelten. Die Pflaumen scheinen zumindest kein Hindernis zu sein 😉

  12. ein_Leser schreibt:

    *kicher*

  13. sternfisch schreibt:

    Das war dann wohl die Generalprobe, den Profikuchen gibt’s dann zu Eid ul-Fitr 😉

  14. sigi schreibt:

    Lol!!!!!
    Guten Appetit gehabt zu haben!

  15. Frollein Rot schreibt:

    Und ich dachte, dass sei nur ein Phänomen in meinem Lehrerzimmer.
    Stell etwas hin, wenn niemand anwesend ist, gehe fünf Minuten aus dem Raum – alles weg.

  16. Seifenfrau schreibt:

    …und wurden die Kuchen benotet?

  17. Conny schreibt:

    Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Lehrer in Lehrerzimmern alles nur einigermaßen Essbare (also nicht gerade toxisch) nahezu inhalieren. Die Geschwindigkeit in der alles vernichtet ist, hat mich immer wieder stutzig gemacht.

  18. gast schreibt:

    ist eh bekannt, dass lehrer umso verfressener sind, je weniger das essen kostet. 😉

  19. eine leserin schreibt:

    frl. krise, sie sind doch nicht aus unserm lehrerzimmer?
    Jedesmal glaub ich das, wenn mich die müdigkeit zu ihrem blog treibt. Am sonntag stand ich in der küche beim pizzateigkneten, obwohl ich es verrückt finde, wenn 35 lehrer fortbildung haben mit einer std mittagspause und das ganze essen da im lehrerzimmer steht und alle zwischen korrekturbergen und projektkisten mit messer und gabeln…
    Na, ja, ich hatte eh migräne und was soll man sonst da tun außer für die schule arbeiten.
    Neben dem phänomem „stell was essbares ins lehrerzimmer und …“ gibt es noch die einhellige meinung „wir können das genauso gut“ weil lehrer können ja alles (nur nicht richtig)

  20. Don Ferrando schreibt:

    Aber dafür gibt es doch Kurzzeitwecker und das hier:
    http://www.amazon.de/Das-Backbuch-Verlag-für-Frau/

    🙂

  21. RogueEconomist schreibt:

    Quark-Ölteig? Mir ist bis heute ein Rätsel was alle Welt an diesem Teig findet bzw. warum alle Welt ausgerechnet diesen Teig beim Pflaumenkuchen nutzt. Mit Hefeteig schmeckt das doch soviel besser…

  22. Mel schreibt:

    Das mit dem Quark-Öl-Teig liegt garantiert an Norddeutschland….als ich damals leider zeitweise mal da oben wohnen musste, habe ich natüüüürlich den Quark-Öl-Teig gelernt….(in der Schule), aber bei uns im Süden habe ich natüüüürlich den Hefeteig in der Schule gelernt 🙂 Pflaumenkuchen mit Hefeteig ist ja das bayrische und österreichische Zwetschgendatschi…sowas ist nach da oben noch nicht vorgedrungen oder gilt als ‚Feind‘ *lach* Im Süden gibts ja auch keinen schwarzen Tee mit Kluntjes 🙂

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