Ex-Ferien

Unsere erste Konferenz fing erst um 10 Uhr an, deshalb hatte ich alle Zeit der Welt mich morgens ganz in Ruhe fertig zu machen und das ist mir auch auf Anhieb gelungen.
Ungefrühstückt, abgehetzt und atemlos schwang ich mich auf mein Fahrrad.
Ist mir völlig schleierhaft, wie ich das ab nächster Woche noch gut zwei Stunden früher hinkriegen soll…

Die Kollegen schwirrten hektisch im Lehrerzimmer herum, zeigten sich ihre Stundenpläne, räumten Unterrichtsmaterialien hin und her, erzählten sich was über die Ferien und planten schon mal die ersten Stunden und Tage.
Gute Lehrer können so was gleichzeitig.
Ich setzte mich unauffällig an meinen Platz und trank zur Beruhigung ein Tässchen Cola.
„Du siehst desorientiert aus“, sagte Karl und traf den Nagel auf den Kopf- ich fühlte mich wie im falschen Film – rausgerissen aus einer Feriendoku, reingeschmissen in das wirkliche Leben.
Eigentlich war das aber gar nicht soooo schlimm. Das sonderbare Ambiente verwandelte sich langsam in das gewohnte Lehrerzimmer und die Konferenz tat ein Übrigens um den Ferienmodus endgültig zu beenden.
Danach gabs noch eine Konferenz und dann halfen Frau Herz und ich ein bisschen beim Spülen und Aufräumen des restlichen Geschirrs von der Feier.

Überflüssigerweise machte ich im Zuge dieser Aktivitäten den Kühlschrank im Lehrerzimmer auf.
Nenenenenenene!!!!!!!!!!! Hätte ich das mal lieber gelassen!
Da stand und lag ja noch alles vom Lehrergrillen!
Zum Glück kein Fleisch, aber…ich möchte mich nicht in Details verlieren…
Die beste Methode wäre zweifelsohne gewesen, sich den ganzen Kühlschrank zu schnappen und ihn schmucklos zu entsorgen, aber der war uns einfach zu schwer.
Immerhin haben wir mit spitzen Fingern und unter großem Lamento alles ausgeräumt. Bis auf eine angefangenen Flasche Martini. (Wer säuft heimlich bei uns?)
Saubermachen kann den aber wer anders! Echt eklig. Komisch, bestimmt sind alle Kollegen zu Hause superpingelig, aber der kollektive Kühlschrank sieht aus wie der früher in der WG.
Die Forscher sollten sich bei Epidemien unbedingt Kühlschränke in Lehrerzimmern vornehmen, da könnten sie bestimmt voll interessante und bis dato unbekannte Bakterienstämme entdecken, gegen die der EHEC-Erreger ein harmloser Schlumpf ist.

Dann war es auch schon 17.00 Uhr. Crazy, gleich am ersten Tag und auch noch freitags, mehr oder weniger freiwillig so lange in der Schule zu bleiben!

Abends dann eine ausführliche Telefonkonferenz mit Frau Freitag, die auch schon scharrend in den Startlöchern hockt…

Und die Schule hat uns wieder!

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21 Antworten zu Ex-Ferien

  1. Patsy schreibt:

    „Ist es nicht im eignen Haus, lässt man schnell die Sau mal raus“ :mrgreen:
    Ernsthaft……….. ich habe 4 Jahre im Hotel als Zimmermädchen gearbeitet – mehr willst du gar nicht wissen *lach*

  2. Gertje schreibt:

    Ich bin froh, dass das mit dem Kühlschrank keine Berufskrankheit ist, wie ich sie in meinem Stande vermutet habe, sondern auch andere Menschen, zumindest aber Lehrer, am Arbeitsplatz befällt

  3. Olaf schreibt:

    Hallo Frollein Krise,

    seien Sie einfach froh, daß der bisherige Sommer nicht so richtig heiß war, sonst wäre der Kühlschrank wohl in einem noch schlimmeren Zustand, was seinen Inhalt angeht.
    Aber dann können Sie sich sicherlich/ vielleicht vorstellen, wie der Inhalt eines Gefrierschranks aussieht, der im Hochsommer mit entsprechenden Temperaturen (konstant so um die 30° C) über drei Wochen unbemerkt ausgefallen ist.
    Ein Tiefkühlhähnchen in Kunststoff-Folie mit Metallclipsen (die in gefrorenenem Zustand geradezu tailleneng sitzt) zum Beispiel schwabbelt nach drei Wochen entspannt in einer knallprallen Plastikblase mit rosa-/ lachsfarbener Brühe, alle viere von sich gestreckt, der body des Hähnchens ist violett angelaufen. Man denkt sich als Betrachter der Hülle unwillkürlich: „Wenn Du j.e.t.z.t platzen solltest, dann… “
    Hat der Kühlschrank im Lehrerzimmer auch so e.l.e.n.d.i.g gestunken ?
    Grünkohl in einem Edelstahlkochtopf in einem dauerhaft unbetriebenen Kühlschrank bildet nach ca. sechs Wochen einen üppigen fluffigen hellgrünen Flaum, der sanft und lautlos den Deckel anhebt. Und dann – wenn man die Kühlschranktür öffnet – …
    …knallt man sie wieder zu, rennt hinaus, kommt mit Raumspray wieder, hält drauf und hinein und stellt den Kühlschrank kotzwürgend beim Schleppen auf den Sperrmüll (den gab es damals in Hamburg noch).
    Aber das ist lange her.
    😉

  4. Backspin schreibt:

    Das mit dem Kühlschrank kommt in vielen Firmen vor. 😀

    Ich bin schon gespannt was dieses Schuljahr alles passiert und werde wieder fleißig hier im Blog mitlesen. 😉

  5. Frede schreibt:

    oje oje, dagegen scheint unser WG Kühlschrank ja außerordentlich ordentlich zu sein. abgesehen von einer Salami mit grünen Punkten und einem angelaufenen Käse gibt es nur im Schimmelkäse Schimmel und den verkrafte ich ganz gut. Und riechen tut er auch nur komisch, wenn mein Mitbewohner seinen Fisch einlagert 😉

  6. michathecook schreibt:

    Willkommen zurueck im Arbeitsleben.
    Alles nicht so schlimm..

  7. freiheitssymbol schreibt:

    interessanter Blog, Klingt vielversprechend auf eine abwechselungsreiche Zeit beim Lesen, um auch mal die andere Seite zu sehen, denn von den Kindern kommt es immer so rüber, als seien Lehrer keine Menschen. 😉

  8. ahornproduction schreibt:

    Na, dann wünsche ich dir mal einen guten Schulstart. Wir haben auch schon eine Woche Schule gahabt. (Mein letztes Jahr)

  9. Ludowika schreibt:

    Wenn den Damen und Herren Koleginnen und Kollegen tatsächlich nur der Zustand des Kühlschranks Sorgen bereitet …

  10. Jürgen schreibt:

    Ich glaube, das passiert nur einmal.
    So war es jedenfalls bei uns und seitdem wird in der letzten Schulwoche GNADENLOS alles entsorgt, was im Kühlschrank drin ist, außer brauchbares Geschirr. Und wenn jemand zu spät schreit, dann ist er selber schuld.

  11. lest mich schreibt:

    Amüsanter Artikel, erinnert mich an meinen damaligen Lieblingslehrer, der zu Beginn jedes Schuljahres ähnliche Ereignisse schilderte 😉

  12. Pisces schreibt:

    In der guten alten Zeit gab es für Schüler die Möglichkeit, sich einen Ferienjob bei der Kommune zu ergattern, bei dem man in den Sommerferien den Putztrupp der Schule unterstützte: Tische und Stühle von Bleistiftzeichnungen und Kaugummis befreien, Tonbröckchen von der Decke im Werkraum kratzen etc.
    Die Putzkolonne machte auch vor dem Lehrerzimmer nicht halt, man wischte die Ablagefächer sauber und sammelte Kaffeetassen an den unmöglichsten Stellen wieder ein.
    Etwas verwundert stellte ich fest, dass mein Musiklehrer damals fünf oder sechs Tassen in Gebrauch hatte und erfuhr von der regulären Putzfrau, dass es für jeden Tag der Woche eine gäbe. „Logisch, bis die eine gespült und wieder zurück ist, nimmt er die nächste“. Dachte ich. „Nein. Herrn U.s Tassen werden nur in den Sommerferien gespült. Den Rest des Jahres darf man die nicht anrühren. Er lässt täglich einen Rest Kaffee in der aktuellen Tasse zurück und nimmt die Tasse erst wieder, wenn die Pfütze eingetrocknet ist. Je nach verbliebener Kaffeemenge kann das ein-zwei Tage dauern.“
    Rückblickend frage ich mich, ob der gute Herr U. auf diese Weise unauffällig halluzinogene Pelze kultiviert und genossen hat. Würde sein Verhalten jedenfalls teilweise erklären.

  13. Daniela schreibt:

    Der Kühlschrank könnte doch ein prima Projekt für die Biologie-AG werden.

    Erst mal all die leckeren Stämme isolieren. Dann auf viele bunte Nährböden setzen und gucken, was sie fressen und was nicht. Das macht richtig Spaß!
    Und dann putzen und gucken, was dann immernoch lebt.
    Hinterher ist der Kühlschrank sauber und die Kindelein sagen in Zukunft nicht mehr „Igitt“ sonder n: „Boah guck mal Serratia Marcescens, voll krass!“

  14. Tricia McMillan schreibt:

    Oh nein! Sie haben das Penecillin-Projekt ihres Biologie-Kollegen zerstört!!!

  15. mountainmona schreibt:

    Was ist schlimmer als der Lehrer Kühlschrank? Der Schüler Klassenschrank.
    Ich erinnere mich noch gut an die 8. Klasse, die wie wir ja wussten die für uns letzte in diesem Klassenraum war. Zum Abschied haben wir alle ein Jahr lang die Brote die wir nicht mochten in den Klassenschrank gelegt. Bereits nach den ungewöhnlich heißen Osterferien war allerdings der Gestank im Klassenraum so schlimm dass wir umziehen dürften.
    XD

  16. Rika schreibt:

    Ja, der Kühlschrank…
    Erinnert mich (seit 18 Monaten im Ruhestand) mit Wehmut an unzählige Dienstbesprechungen, in denen wieder mal eine neue Regelung zwecks Ordnung und Sauberkeit für Kühlschrank und Küchenzeile diskutiert wurde. Beliebt waren auch die ständig wiederkehrenden Mahnungen die ungespülten Tassen auf der Anrichte betreffend oder die von Zeitungen und Werbebroschüren überquellenden Tische im Lehrerzimmer.
    Das scheint einfach dazu zu gehören.
    Ein gutes, möglichst stressfreies und schönes Schuljahr wünsche ich!

  17. MIcha schreibt:

    dachte nur unser Lehrerzimmer schaut chaotisch aus (Prospekte, Gläser, Kaffeetassen…)
    In den Kühlschrank habe ich einmal geschaut….. urgs.

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