Campingplatzgeflüster I

Wir hatten einen dermaßen unstressigen Urlaub, dass es eigentlich fast nichts zu erzählen gibt. Deshalb hier nur eine kleine Anleitung zum Zelten bei extremen Wetterlagen – vielleicht ist es aber auch eher eine Abschreckung….

Zelten bei Gewitter:
Wie wird es so schön von Generation zu Generation weitergegeben:
„Eichen sollst Du weichen, Kiefern,Fichten such mitnichten, Weiden sollst du meiden, aber Linden sollst Du finden und Buchen sollst Du suchen.“
Mal abgesehen davon, dass der Spruch sprachlich wohl voll misslungen ist und ich ihm auch aus wissenschaftlichen Gründen inhaltlich nicht folgen möchte, campieren wir natürlich immer auf Zeltplätzen, die mit hohen Kiefern bzw. Pinien bestanden sind. („Kiefern such mitnichten!“).

Ok., der normale Ablauf ist etwa so:
Es ist tagsüber heiß und abends sieht es nach Gewitter aus. Die Campingplatz bewohner schauen immer häufiger zum Himmel auf und machen sich Sorgen. Mir fällt auf, dass unser Zelt eigentlich genau in der Senke unseres Emplacements steht, was Männe manchmal durch das halbherzige Schaufeln eines kleines Grabens rund ums Zelt auszugleichen sucht. (Einen Klappspaten hat der versierte Camper ja immer dabei).
Dann geht man schlafen, bleibt einem ja nichts anderes übrig, obwohl es mindestens in drei Himmelsrichtungen wetterleuchtet. Gut gegessen, zu viel Rotwein – man schläft sofort ein. Jedenfalls ich.
Dann aber knallts auf einmal. DONNER! Ich fahre hoch. Männe ratzt natürlich ungerührt weiter. Es blitzt, aber erst viel später donnert es wieder, es beginnt zu stürmen…. Das Gewitter ist noch weit weg, beruhige ich mich, bestimmt zieht es vorbei und sinke wieder in den Schlafsack. Es fängt an zu regnen, ach, das ist ja so gemütlich, wenn es so sanft auf die Zeltplane trommelt, ich liebe das und schlafe beruhigt wieder ein.
DONNER! BLITZBLITZBLITZZZZZDONNER BLITZBLITZZZDONNER !!!!!!!!!!!
Da haben wirs! Mehrere Gewitter toben über uns, um uns herum und überhaupt überall. Der Regen trommelt nicht mehr, sondern prrrrrasssssselt und unser Zelt bewegt sich, es wird vermutlich gleich abheben. Mein Kopfkissen ist patschnass. Was soll DAS jetzt!?
DONNER! BLITZBLITZzzzzBLITZDONNER BLITZBLITzzzzzDONNER !!!!!!!!!!!
Ich sage anklagend zu Männe: „Gewitter!!!!“
„Hm,“brummt Männe, „schon seit Stunden!“
„Echt?“ sage ich erstaunt, „Ich glaub, es regnet rein!“
„Hm“, sagt Männe und vergräbt sich in seinem Schlafsack.
DONNER! BLITZzzzzzzzBLITZBLITZzzzBLITZBLITzDONNERDONNER !!!!!!!!!!!
“Ich habe Angst!“ sage ich kläglich.
„Musst du nicht haben!“ sagt Männe tröstlich und schnarcht ein bisschen.
DONNER! BLITZBLITZBLITZzzzzzDONNER BLITZBLITzDONNERDONNER !!!!!!!!!!!
DONNER! BLITZzzzzzzzzzzzzzBLITZBLITZDONNER BLITZBLITzDONNER !!!!!!!!!!!
“Ich geh jetzt auf der Stelle ins Auto!“ sage ich, „ich will weder von einem Blitz noch einem Ast erschlagen werden!“
Männe weiß jetzt, Widerstand ist zwecklos. Ich ruhe und raste nicht, bis wir beide ziemlich durchnässt, aber heil im Auto sitzen. Wir sind ganz normal dahin gerannt. Obwohl im Gewitter-Ratgeber steht:
„Wegrennen ist nicht die beste Lösung. Wichtig ist es, die Füße eng nebeneinander zu stellen. Will man dringend weg, sollte man sich nach Expertenratschlägen am besten mit Schlusssprüngen vom Ort des Gewitters entfernen.“ Dem Typ, der das geschrieben hat, würde ich ja mal gerne die Meinung sagen.
Schlusssprünge! Bei Gewitter! Sonst noch was?
Ich finde es jetzt saugemütlich im Auto. Es ist trocken, der Regen knallt fröhlich auf die Scheiben, ich mummle mich in meine Decke, aber da fällt mir ein: „Sie sollten vorsichtshalber im Auto den Metallrahmen nicht berühren“. Ich kugele mich also ein. Jetzt bloß kein Metall berühren! Männe stöhnt und findet die ganze Aktion höchst überflüssig. Er ist kein bisschen dankbar, dass ich sein Leben gerettet habe. Er hat Rücken, friert und will zurück ins kuschelige Zelt. Nach zehn Minuten habe ich auch Rücken und will zurück, aber ich traue mich nicht, denn Gewitter am Atlantik dauern in der Regel Stunden und werden gerne so heftig , dass schließlich alle Leute mit der Decke oder dem Kopfkissen im Arm bibbernd im Waschhaus stehen. Macht voll Spass. Abenteuer und so. Und man lernt Leute kennen.
Gegen Morgen schleichen zurück wir ins Zelt. Das Gewitter hat nachgelassen. Ich drehe mein nasses Kopfkissen um, Männe pruschelt noch irgendwie im Zelt herum. Ach, ist das herrlich! Ein Zelt ist ja sowas von gemütlich.
Da donnert es. Meinetwegen, solls donnern, mir reichts. Ich schlafe. Gewitter hin oder her.
Am nächsten Morgen sagt Carl: „Wir hatten eine richtige Überschwemmung im Zelt! Marlenes Katzensarg schwamm an mir vorbei!“
Katzensarg! Da sieht man wieder mal, wie unsensibel Männer sein können! Er meinte ihr schweineteures Beauty-Case!
Außerdem hat ihr Zelt zwei Risse! Kiefernzapfen können echt äußerst scharf sein.
Unser olles Zelt hat es mal wieder heil überstanden… Wir auch!
Aber garantiert gibt es in der nächsten Nacht wieder so ein Gewitter! Ist schon wieder so drückend!

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27 Antworten zu Campingplatzgeflüster I

  1. Wendy schreibt:

    Na ja – so lang kein Mistral ist, ist alles nur halb so schlimm. Gibt doch das Gerücht, daß Mord unter Mistral-Einfluß nicht so streng bestraft wird. Die Frage: Ist das gut oder schlecht?

  2. schloertenaehtwas schreibt:

    Wenn ich das hier so lese, Frl. Krise, bin ich mir noch sicherer, warum ich NICHT gerne zelten gehe.
    Hoffe, Sie werden trotzdem erholt wieder kommen.

  3. EDVler schreibt:

    >>„Eichen sollst Du weichen, Fichten such mitnichten, Weiden sollst du meiden, aber Linden sollst Du finden und Buchen sollst Du suchen.“<<

    Kam nich erst auf Galileo das das alles Kappes ist und man sich vor Bäumen allgemein fernhalten soll? Und warum spukt mir jetzt "Der Becher mit dem Fächer hat den Wein gut und rein.“ durch den Kopf..

  4. puzzle schreibt:

    Wahrscheinlich weiß man die Schönheit der Beschreibung erst so richtig zu schätzen, wenn man es auch schon mal erlebt hat – herrlich. Vor allen würde ich gern mal jemanden sehen, der den Gewitterhäschensprung wirklich ausführt. 😀

  5. Olaf schreibt:

    Wundervoll ! Ich mag so etwas. Ich liebe es. Da erfährt der Mensch unabhängig vom Geschlecht und Alter, wie klein er ist im Angesicht der Naturgewalten.
    Ich liebe auch dieses leicht gedämpfte „Ritsch/ Ssssitt !“ der Zeltreißverschlüsse, wenn alles vorbei war. Und wenn es wirklich cowboy- na ja: pfadfindergemäß bereitet war (die richtige Wahl des Platzes für das Zelt [leicht erhöht], der Graben drumherum etc.), dann läßt es sich hervorragend im Schlafsack kuscheln und einschlafen.
    Als ich klein war (so sechziger Jahre) waren wir (Eltern und Bruder) öfter in Dänemark zelten und haben im Wald (Nordeesandstrand, Dünenstreifen, Heide, dann kam Nadelwald) Pfifferlinge en masse gesammelt (a.b.g.e.s.c.h.n.i.t.t.e.n, nicht herausgerissen, das Myzel hätte sonst gelitten), dann mit Speck geschmort, dazu gab es Bratkartoffeln.
    Und wenn es zu regnen und zu donnern begann, dann habe ich (natürlich ganz der Held) immer gesagt, daß wir meine Mami beschützen werden, wenn etwas passieren sollte. Und sie war beruhigt. Mein Bruder war einverstanden, mein Vater reagierte eher indifferent. Alles war gut.
    Die Aluminium-Zeltstangen könnten in der flachen Ebene u. U. einen Blitzfänger darstellen, was ich damals nicht wußte (diese „Zauberwurfzelte“ gab es da noch nicht).
    Aber wir blieben damals alle am Leben.
    Mein übelstes Gewitter gab es übrigens in Venezuela, 1996. Das hat mir wirklich gereicht. Angsteinflößend, bin eben kein richtiger Held mehr. 😉

  6. dasrotkaeppchen schreibt:

    Ich hab‘ schon ein paar Mal gezeltet, aber abgesehen von einem eher harmlosen Gewitter auf Korsika hab ich nicht viel böse Witterung abbekommen – ich hab dennoch lieber ein festes Dach über dem Kopf – ein Glück, dass mein Mann mehr Angst vor Gewitter und noch weniger Lust auf Zelten als ich hat.

  7. Su schreibt:

    Heute gab es bei uns Gewitter. Ich frage meinen Sohn (kommt dieses Jahr in die Schule), was er machen muss, wenn ihn ein Gewitter auf offenem Feld überrascht. Er erklärt alles richtig und sagt dann zum Schluss: „Und wenn jemand Christ ist, dann muss er zu seinem Gott beten.“

  8. mayarosa schreibt:

    So ähnlich war meine erste (und einzige) Zelterfahrung als Erwachsene. Wir sind auf 1.600 m in den Dolomiten mit dem Zelt quasi geschwommen. Nach zwei Nächten (oder war es nur eine – ich erinnere mich nicht mehr so genau) haben wir uns eine Pension gesucht und weil das (für uns als Studenten damals) teuer war, sind wir was früher als geplant zu Freunds Kumpel nach Umbrien. Da gab es dann: gemütliches Bett in schicker alter Villa, heile Sonnenschein und Kumpels Mama hat gekocht 🙂

  9. asty schreibt:

    Wir lagen auch letzte Woche in Fronkreisch in einem Zelt und um uns herum gewitterte es gewaltig!!! Allerdings am Ognion und nicht am Atlantik.

    Irgendwie ist es schon unheimlich, wenn das Zelt, dass ja nun wirklich keinen Schutz bietet (vor abbrechenden Ästen z.B. oder umfallenden Bäumen) so am Ufer eines Flusses steht, der von hohen alten Bäumen gesäumt ist………..

    Aber das Prasseln des Regens aufs Zelt, das Donnergrollen und das permanent hell erleuchtete (rote!!) Zelt ist andererseits auch wieder extrem eindrücklich.

    Wir lagen zu fünft (2 Erwachsene, 3 Kinder) in einem Zelt und erstaunlicherweise schliefen die Kinder wie die Engel, während wir Eltern aufmerksam lauschten, ob es denn nun bald mal ruhiger werden würde. Sicher dreimal wurde es ruhiger und fing dann aber wieder von vorne an.

    P.S.: wir sind auch zuerst ins Auto geflüchtet, übrigens ohne Schlusssprung……..

    • frlkrise schreibt:

      Sehr leichtfertig- ohne Schlusssprung, das hätte schief gehen können!

      • EDVler schreibt:

        Was ist denn dieser lebensrettende Schlusssprung? Wie muss man sich das vorstellen?

      • frlkrise schreibt:

        Füße nebeneinanderstellen und so aus dem Stand weiter hopsen. Super Fortbewegungsart.

      • RogueEconomist schreibt:

        Nur mal so nebenbei, was bringt das mit dem Schlusssprung (ausser das es möglicherweise dämlich ausschaut)? Und muss man ins Auto reinspringen?
        Ich habe übrigens vor vielen Jahren auf einem Festival aus dem Auto heraus beobachtet wie bei einem Sturm ein Zelt hinfort geweht wurde und die stark betrunkenen Bewohner des Zeltes dieses wieder versuchten einzufangen und bei Sturm wieder aufzubauen. Das hatte gewissen Unterhaltungswert.

      • frlkrise schreibt:

        Schlägt ein Blitz in den Boden ein, breitet sich die Spannung kreisförmig von der Einschlagsstelle aus und verliert dabei an Stärke. Sind beide Füße, weil man gerade einen Schritt macht, weit voneinander entfernt, liegt somit zwischen beiden Füßen ein Spannungsunterschied vor. Und Spannungsunterschied bedeutet: Strom fließt. (Sagt der Ratgeber……)

      • EDVler schreibt:

        Ahja.. danke! Und das hilft?
        Mal abgesehen davon, dass es mich beim Rumhopsen im Regen wahrscheinlich so dermassen auf die Nasen hauen wird, ist mir mit Schrecken grad noch was anderes aufgefallen, warum ich bei Gewitter wohl keine Überlebenschancen habe:
        Ich kann trotz Bio LK eine Fichte nicht von einer Birke unterscheiden und Buche, Eiche oder Linde is doch auch alles das Selbe. Ich kenne nur „Baum“, alles über 1 Meter ist „Baum“.

      • Hajo schreibt:

        FrlKrise, sich in Känguru-Manier über den Platz bewegend
        .. das wär doch was für YouTube
        schade, dass sie sich sooo heftig dagegen wehrt 😦

  10. kiwikar schreibt:

    Schlimm wirds erst, wenn zu dem ganzen Gewitterlärm noch eine Notfallsirene dazukommt. Sei es von einem Krankenwagen oder der Feuerwehr…. So passiert letztes Jahr in Leipzig. Ich habe keine Ahnung, wie ich wieder eingeschlafen bin (im Zelt!).

  11. Herr Gi schreibt:

    Heute ist mir endlich auf- und eingefallen, an wen mich Ihre Art zu schreiben erinnert: Kishon!
    Voller Liebe, nicht nur zu Ihren Schölern, sondern auch zum Detail und insbesondere, so meine Schlussfolgerung nach dem Gewitterbericht, zum Leben.
    Danke für angenehmsten Lesestoff und Gruss aus Calgary – hier wird noch gern und oft ohne Waschhaus gezeltet… Da waren mir Frankreich und Portugal fast lieber.

  12. oxo schreibt:

    „katzensarg“ iss goil … muß ich mir merken … ich schwör!

    🙂

  13. alpinkatze schreibt:

    Herrlich – genau so läuft es bei uns jedes Jahr im Zelt-Urlaub ab! Nur dass mein Freund sich mittlerweile nicht mehr zum Umzug ins Auto überreden lässt – na gut, wandere ich halt allein aus! Schlägt der Blitz halt bei ihm ins Zelt ein oder der Ast fällt drauf… mir doch egal! Aber ich bin dann doch immer wieder froh, wenn ich mich dann nach 30 min bis 2 Stunden wieder zu ihm kuscheln kann und es ihm gut geht.
    Ich liebe zeltln! 🙂

  14. der_emil schreibt:

    Aus diesem Grund bin ich dafür, die letzten 12 km zum Zeltplatz zu wandern. Dann steht kein Sch…-Auto in der Nähe. Und: Ich plädiere für die obligatorische Nutzung von Ohropax!

  15. Tricia McMillan schreibt:

    Wir gehen auch in ein paar Tagen zelten – im Garten meiner Schwiegereltern. Unterm Kirschbaum, der sollte ja neutral sein, quasi die Schweiz unter den Bäumen. Und wenn wir Angst kriegen, campen wir bei denen im Wohnzimmer weiter. Mit nem 2-Jährigen Kind die beste Art zu Zelten!!!

    • EDVler schreibt:

      Die Schweiz unter den Bäumen.. hmm.. dann passen Sie bloss auf Ihre Geldbörse auf, beim Geld wars historisch gesehen mit der Neutralität der Kirschbäume nie weit her

  16. mia schreibt:

    sowohl ihr text, fr. krise, als auch die kommentare haben mir gerade den lachanfall der woche beschert! danke 😀 (und ja, ich glaub, ich geh den sommer auch noch zelten!:))

  17. theomix schreibt:

    Schlussssprünge zur Lebensrettung. Danke für den blitzgescheiten Tipp!

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