Ferien im Ausland

„Was machst DU denn in den Ferien?“ Meine neue Lieblingsfrage.
Die Antworten sind ein bisschen eintönig.“Wir gehen Türkei/Libanon“ oder „Nix“ ,selten mal ein „Wissen wir noch nicht.“
Die Nicht-Wegfahrer geben gleich zu Protokoll, dass es auf jeden Fall voll langweilig wird. Schwimmbad, was sonst? Für manche Mädchen nicht mal Schwimmbad.

Die Wegfahrer zählen mehrere Urlaubsstationen auf: Sie fahren kreuz und quer durch die Türkei, besuchen die halbe oder ganze Verwandtschaft, hier und da ist auch noch von einem kleinen verwandtschaftslosen Urlaub in Antalya die Rede. Sieh mal einer an – Antalya ist wirklich noch immer eins der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen.

Aber die Fahrt dahin! Tagelang ist man unterwegs! Mit vier Kindern im Auto! Im Convoi mit Freunden und Verwandten! Und wie voll das Auto ist. Das ganze Gepäck, die Geschenke! „Geschenke für die ganze Familie,“ erzählt Necla. Die Eltern wechseln sich beim Fahren ab, erst fährt Baba, dann Ane.
Der fliegende Ömür hats gut! Aber der muss ja dann zum Ausgleich noch mit dem Bus fahren.

Istanbul! „Eine schöne Stadt!“ sage ich.
„Mm“, sagt Samir aus der Nachbarklasse, „nee, gefällt mir nicht.“
„Wieso?“ will ich wissen.
„Ja…ist schön so für Urlaub, wegen Meer! Aber ist voll laut und so. Hier gefällts mir besser, ist gechillter.“
Ach.
„Wir gehen Izmir!“ „Wir Ankara!“ Die Kinder freuen sich auf die Kusinen und Kusins, seit dem letzten Urlaub vor zwei oder drei oder vier Jahren sind wieder neue dazugekommen, die sie noch nicht kennen.
Wenn es da bloß nicht so heiß wäre! Puh, nicht zum Aushalten…. Aber mit allen Kindern zusammen draußen auf der Terrasse schlafen, weil es auch nachts nicht abkühlt, das macht voll Spaß.

Ein bisschen störend ist, dass sie in der Türkei wie Ausländer angesehen werden. Gut, vielleicht nicht direkt wie Ausländer, aber auch nicht wie richtige Türken.
„Vallah, Frl. Krise, die merken sofort, wo wir herkommen. In Türkei bin ich Alman! Die bescheißen uns genau wie die Touristen auf dem Markt. Ich nehme immer Kusin mit.“

„Und wer fährt in unser Dorf?“
„Ich! Voll schön!“ Nesrin wird schwärmerisch.“ Ich freu mich so! Aber ist kein Dorf, Frl. Krise! Ist kleine Stadt!“Sie sucht auf der Karte herum. „Wo ist das bloß?“ Sie findet es nicht.

„Ramadan ist dies Jahr in den Ferien! Ist besser in Türkei als hier,“ berichtet Fuat. „Der ganze Ramadan?“ frage ich hoffnungsvoll.
Leider nein, es geht erst am 1.8. los, erfahre ich. Na, dann haben wir wenigstens nach den Ferien auch noch was davon, nämlich unausgechlafene, hungrige Schüler.
Aynur hat eine gute Idee: „Fasten Sie mal mit, Frl. Krise, dann merken sie das nicht so…!“
„Ok.“, sage ich, „ reicht es , wenn ich damit anfange, wenn ihr wieder da seid?“

„Ich fahre nicht weg, ich arbeite“, sagt Hassan und guckt markig, „bei mein Onkel.“
Was und wo erfahren wir nicht, denn Nesrin schreit: „Ich habs gefunden!“ Unser Dorf meint sie. Es ist eine mittelgroße Stadt, wie sich rausstellt.
„Aber wir fahren auch in ein richtiges Dorf, voll klein, zu Schwester von meine Mutter!“ sagt Nesrin. „da ist es voll schön, aber ich will nicht da wohnen!! Die haben da so komische Klos und da gibts voll große Spinnen und Käfer!“
So, jetzt werden erst einmal alle wilden Tiere der Türkei aufgezählt. Afrika ist nur ein Ponyhof gegen die Türkei! Schlangen, Skopione und was weiß ich alles, ein Wunder dass bisher noch alle lebend wiedergekommen sind!

„Frl. Krise! Und sie gehen wieder Frankreich? Haben Sie da jemanden?“
„Nö“, sage ich, „ich habe da keine Tante oder so, falls du das meinst.“
„Ist doch langweilig, immer Frankreich!“ sagt Fuat.
„Immer Türkei ist euch ja auch nicht langweilig,“ sage ich.
„Manchmal ist es langweilig!“ sagt Nesrin. „Vallah, ich freu mich immer, wenn wir da hinfahren und ich freu mich immer voll, wenn ich zurückkomme! Ich schwör!“

Und genauso so soll es ja auch sein!

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29 Antworten zu Ferien im Ausland

  1. Dirk schreibt:

    Die armen fahren wirklich mit dem Auto bis in die Türkei? Ich kann mich erinnern, dass ich mal bis Ungarn gefahren bin und das kam mir schon endlos vor. Und dann mit Kindern? Die Eltern brauchen aber starke Nerven 🙂 Obwohl, was man hier sonst so liest, müssen die Eltern wahrscheinlich eh schon nerven aus Drahtseilen haben.

    Vallah, voll toll die neue Kommentarfunktion übrigens. Ist mir noch gar nicht aufgefallen. War das früher nicht mit zum anmelden? Da hatte ich keine Lust drauf, aber jetzt wird gnadenlos kommentiert. Ich schwör!

  2. Christina Zacker schreibt:

    ich kenn das von portugal – alle meine „einheimnischen“ freunde hier mussten als kinder immer von deutschland aus vier wochen heimaturlaub machen. okay – sind „nur“ ca. 2.500 km, aber auch die ziiiiehen sich.
    jedenfalls: wünsch ich schöne ferien, frl.krise. mashalla. und wehe, wenn sie nicht weiterbloggen 😉

  3. renosch schreibt:

    Hey Frl. Krise!

    ‚Die Deutschen … essen Menschen. – Was sind wir denn jetzt: Türken oder Deutsch?‘ Das wird Ihren Kindern sicherlich gefallen?!

    Gruß & schönes Wochenende

  4. renosch schreibt:

    off topic: Ich bin mal gespannt, was Sie am Montag vom Spiel der deutschen Frauen-Fussball-Nationalmannschaft berichten und ob und wie die WM in Ihrer Klasse aufgenommen wird.

  5. christjann schreibt:

    Wo denn Frankreich Frl. Krise? Hier ist voll schön, nur auch Scheiss-heiss :))

    Gruesse aus dem kleinen Dorf neben Nizza
    Christjann

  6. krizzydings schreibt:

    och ne polnische freundin meiner ehem. franz&reli-lehrerin ist nach der wende direkt in so ne art bully gestiegen und mit ein paar französischkomilitonen direkt nach paris gefahren…

    • krizzydings schreibt:

      vlt geh ich auch paris im august, mashall, wenn ich spare^^…türkische freundin macht ausbildung an der syndicale voll schöön

  7. Ich bin auch immer nach Frankreich gefahren. Habe mich jedesmal gefreut…..und ich war nie glücklich wieder zu Hause zu sein….ich schwöre 😉

  8. 6kraska6 schreibt:

    Der „fliegende Ömür“? Hoffentlich verfliegt der sich nicht, im Ramadan…

  9. Anna schreibt:

    Liebes Frl. Krise,
    ich habe jetzt in 2 Tagen ihren kompletten Blog gelesen (ich glaube, das ist selbst für einen Schnellleser wie mich voll gut!) und ich bin schlichtweg begeistert! Da ich selbst in einer Stadt arbeite, in der der Anteil der türkischstämmigen Bevölkerung bei über 20 % liegt und ich täglich mit vier (recht jungen) türkischen und einer dreiviertel deutschen Kollegin zu tun habe, kommen mir sehr viele ihrer Geschichten nur allzu bekannt vor.
    Vallah, voll wie Heimat hier, voll schöööön !!!

  10. sockenbergen schreibt:

    och wir sind immer zuhaus in Deutschland geblieben, an Nord- oder Ostsee, im Vogtland (nach der Wende), in der Eifel, in MecPom (nach der Wende), im Bergischen Land – soll auch schön sein.
    Mein Pa versteht doch im Ausland nichts, dann wird da auch nicht hingefahren *lach*

  11. Peter schreibt:

    Auja, mit dem Auto bis in die Türkei fahren, das wäre mal was! Nach Aliaga bei Izmir, Schiffe abwracken kucken.

    Hier: http://www.flickr.com/photos/peixesloucos/3800198585/#/

    oder hier: http://www.panoramio.com/photo/27244580

    Oder Schiffe fotografieren in Istambul am Bospurus:

    http://www.shipspotting.com/gallery/photo.php?lid=1336756

    • Ulla 39 schreibt:

      Lieber nicht, das ist doch ziemlich traurig. Aber den fahrenden Schiffen auf dem Bosporus zusehen, denen, die die Wasserstraße zwischen den einzelnen Stadtvierteln Istanbuls kreuzen und denen, die auf ihr entlang vom Schwarzen Meer kommen oder dorthin fahren- das ist spannend und gar nicht traurig.

    • frlkrise schreibt:

      Der morbide Charme des Rostes…ich ziehe intakte Schiffe vor!

  12. AnnaFlitz schreibt:

    Wir sind früher auch immer mit dem Auto (VW-Bus) in die Türkei gefahren – hat vier Tage gedauert. Allerdings haben wir auch schon mal einen Zwischenstopp in Griechenland eingelegt. Hach ja, das war eine schöne Zeit! Und wenn wir nicht in die Türkei gefahren sind, waren wir fast immer in Frankreich. 😉

  13. petrahannover schreibt:

    Na hoffenltich darf frlkriese im Ramadan bloggen 😉
    Ich gehe dieses Jahr nix Türkei, mal ein Jahr Pause. Sonst bekomme ich noch irgendwann nen Türkischen Paß *lol*

  14. christjann schreibt:

    Klar Rotwein! aber immer auch mal’n Glas Wasser zwischendurch… c’est la canicule! hier trinkt man hingegen viel kuehlen Rosé mit vielen Eiswuerfeln, was das Zwischendurch-Wasser ersetzt 😉 ist nur auf dem Campingplatz schwieriger zu bewerkstelligen diese Kuehlung — weiss gar nicht, ob Sie zelten, ich habe am Atlantik immer gezeltet, deswegen diese Assoziation… bon voyage! *wink*

    • frlkrise schreibt:

      Ja, wir zelten auch – mit null Kühlung, höchstens mal gekauftem Eis!

      • RogueEconomist schreibt:

        Sie zelten echt? Für so einen Typ hätte ich sie nicht gehalten.

      • frlkrise schreibt:

        1. Schaffen wir es nie, was zu mieten!
        2. Will ich im urlaub nur verwahrlosen, lesen, baden und auf keinen Fall irgend einen Handschlag arbeiten.
        3. Wie sind keine klassischen Cämper, seufz, uns fehlt immer noch eine ausgefeilte Cämpingausrüstung….
        4. Am Atlantic muss man zelten, besonders wenn es tagelang schüttet…..oder gewittert wie blöd, dann kann man die Großstadt wieder schätzen…

      • RogueEconomist schreibt:

        Ich hab die Vorteile der Zivilisation (Betten, Toiletten, sauberes Geschirr) auch erst wirklich bei der Bw im Biwak (= Besonders Im Winter Arschkalt) zu schätzen gelernt… In diesem Sinne hoffe ich, dass ihnen der Wassergraben ums Zelt nicht überläuft und der Rotwein (für den man gottlob keine Kühlung braucht) nicht ausgeht.

  15. Halab schreibt:

    Kennt jemand den Begriff „Deutschling“? So werden wohl türkischstämmige genannt, die nur ihren Urlaub im „ehemaligen“ Heimatland verbringen. Das sie in der Türkei teilweise über`s Ohr gehauen werden, glaube ich sofort. Wie schwer es für die zugereisten hier in Deutschland war, wissen in der Türkei (und anderswo) die wenigsten. Ich kenne nicht viele „Ausländer“, die ihrer Familie ehrlich erzählen, wie sie sich hier fühlen. Im Ausreiseland platzt die Familie vor stolz, dass ihre Ableger in Deutschland leben und hier tun die Kinder teilweise für Jahrzente alles, um ihre Lieben in dem Glauben zu lassen. Ein wenig Ehrlichkeit könnte nicht schaden.

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