Es kommt auf die Perspektive an….!

Dieser verhängnisvolle Ferienmodus, er hat sich viel zu früh in die Hirne unserer Schüler eingeschlichen. Die Sommerferien sind doch noch weit….
Die Projektwoche, das Wochenende, dann der bevorstehende Feiertag plus Brückentag, die Mini-Hitzewelle vorgestern und gestern…das alles liegt wie ein Schleier über den grauen Zellen.

Genau drei von 16 Schülern des zehnten Jahrgangs sind in der ersten Stunde pünktlich. Nach und nach trudeln noch ein paar ein. Um kurz vor Neun sind wir schließlich zu acht. Diese Zehntklässler haben letzte Woche ihre Ergebnisse für die Mittelschulprüfung bekommen. Erschreckend viele sind durchgefallen, einige können aber noch eine Nachprüfung machen.
„Voll gemein,“ sagt Paul, „ich hab sechs in Deutscharbeit geschrieben! War voll schwer! Aber ich mach’ Nachprüfung!“
Dann stellt sich raus, dass er eine EINS in dieser Prüfung machen muss, um die Sechs auszugleichen.
„Das schaff ich nicht!“ stellt er realistisch fest.
„Und was willst du dann tun?“ frage ich ihn.
„Ich wiederhole, was sonst,“ sagt er und zuckt mit den Achseln.
Das sagen die Zehner schon seit Monaten. Jedes Jahr das gleiche Spiel. Leider ist die Erfolgsquote bei den Wiederholern sehr gering, da sich bei den wenigsten Schülern die Arbeitsmoral verbessert.
„Das kommt den Staat ganz schön teuer, das Wiederholen,“ sage ich.
„Wieso?“ Paul sieht mich erstaunt an. „Das kostet doch nix!“
„Nee,“ sage ich, „dich kostet das nix, aber DU kostest! Und zwar nicht billig!“
„Wie jetzt?“ Paul ist voll verwirrt.
Ich erkläre ihm (16 Jahre ist er alt!), dass Schule Kosten verursacht, pro Schüler, pro Jahr etwa 5000-8000 €.
„Rechne dir das mal aus,“ sage ich. „Was da zusammenkommt, bei den vielen Wiederholern. Weil so viele Schüler faul sind, denn, mal ehrlich! Mit etwas mehr Einsatz hättest du das schon packen können! Und etliche andere auch.“
Paul öffnet seinen Mund und schließt ihn wieder.

Dann bricht es aus ihm heraus:
„ Kann ich doch nicht dafür! Ist doch Staat selbst schuld! Was macht er auch so beschissene Prüfungen!!!“

So kann man das natürlich auch sehen……

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36 Antworten zu Es kommt auf die Perspektive an….!

  1. zweitesselbst schreibt:

    eija, ich seh schon, du hasts auch nicht leicht.

    vllt sollten sich aber auch die Schüler eine bessere Schule wählen, statt die Schule sich bessere Schüler. oder was meinst du?

    • frlkrise schreibt:

      Ja, es wäre auf JEDEN FALL besser, wenn Schüler verschiedener Leistungsniveaus an einer Schule wären!
      Wir haben z.B. kaum Schüler, die von ihrer Grundschule für das Gymnasium empfohlen waren!
      In meiner Klasse sind fast alle hauptschulempfohlen, nur 3 oder 4 waren für die Realschule empfohlen… Du kannst dir sicher vorstellen, dass das Niveau dann auch nicht besonders hoch sein kann.
      Ein Schulwechsel ist übrigens schwierig, solche Schüler werden ungern aufgenommen, je besser die Noten sind, um so leichter ist ein Schulwechsel.

      • Weltenbummlerin schreibt:

        Dem kann ich nur zustimmen. Ich war von der 5. bis zur 10. Klasse in einer Gesamtschule – auch mit Gymnasialempfehlung -, die sehr gemischte Klassen hat. Ich weiß noch, dass ich es manchmal als sehr anstrengend empfand, aber immerhin wurden einige der schlechteren (fauleren?) Schüler mitgezogen und als ich Abschluss machte, hatten nur zwei Schüler keine Ausbildungsstelle oder eine weiterführende Schule.
        Mir hat es jedenfalls, im Nachhinein betrachtet, schon sehr geholfen, an einer so „gemischten“ Schule zu sein (sie liegt mitten in einem Brennpunktgebiet in meiner Heimatstadt), denn es hat mich in vielen Dingen offener und entspannter gemacht (auch wenn das immer so ein bisschen komisch klingt). Durchhalten, Frl. Krise! 🙂

      • manuel schreibt:

        Tut mir leid, liebes frlkrise und liebe Weltenbummlerin, aber ich bin schon sehr froh, dass ich nicht mit Ihrer Kundschaft zur Schule gehen musste. Ich wurde zum Glück am Gymnasium gemobbt statt an einer Gesamtschule. Bei dem Eindruck, den ich durch Ihr Blog von Ihren Schülern gewonnen habe, will ich mir nicht vorstellen, was die mit mir gemacht hätten. Bitte nehmen sie mir das nicht übel. Außerdem: Gemeinsamer Unterricht wird doch mit Sicherheit das Niveau nivellieren, statt nur die untere Grenze anzuheben? Leistungen werden auch bei stärkeren Schülern an die Erwartungen und an die Umgebung angepasst. Mal ein (eher mittelguter) Vergleich: Sie haben zwei Autos gleichen Typs. Beides keine tollen Autos, ein bisschen angeschrammt, sagen wir: 15 Jahre alter Honda-Civic. Bei einem sind leider Kupplung und Anlasser kaputt, der andere hat noch ein Jahr TÜV und man kann ihn noch fahren. Weisen Sie dann einen Mechaniker an, die Anlasser auszutauschen, damit ihre Autos künftig nicht mehr so unterschiedlich gut funktionieren? Die Autos sind im Durchschnitt gleich kaputt wie vorher, leider müssen sie jetzt jeden Morgen ein Auto anschieben, das andere taugt immernoch bestenfalls als Hühnerstall…

        TLDR:
        Ich find’s doof, wenn problematische Schüler auf Kosten weniger problematischer Schüler entproblematisiert werden.

      • EDVler schreibt:

        Frl Krise (hah, ohne E! ich bin lernfähig! .. sorry.. ),

        das mit dem Konzept Gesamtschule müssen Sie mir mal erklären, ich hab von sowas ja keine Ahnung..

        ..aber bin lernfähig , wie ich gerade festgestellt habe..

        ..schadet es denn nicht dem Gymischule-Empfehlungs-Kind, wenn es in einer Gesamtschule mit (ich nehme doch an) (bitte nicht hauen) niedrigeren Anforderungen (?) unterrichtet wird?

        Ist es denn nicht sinnvoller, nach Leistungswillig-/fähigkeit getrennt zu gruppieren und gezielt zu fördern?

      • gaelic lupin schreibt:

        @ manuel

        Zur Gefahr der Niveau-Nivellierung wurden etliche Studien durchgeführt und das Ergebnis war immer gleich: Das Niveau der besseren Schüler sinkt minimal, das der schlechteren Schüler steigt aber erheblich. Und ich finde es im Gesamtergebnis wesentlich wichtiger, dass alle Leute einen Schulabschluss im guten bis befriedigenden Bereich machen, als ein paar Leute im sehr guten Bereich, ein großer anderer Teil im richtig miesen. Das Problem der Segregation ist einfach, dass positive Vorbilder in der eigenen Peer-Group fehlen – sowohl was Lernen-wollen, als auch anderes Verhalten angeht. 2 lernunwillige, aggressive Schüler in einer gemischten Klasse ziehen nicht die ganze Klasse mit hinunter. 2 lernunwillige, aggressive Schüler in einer insgesamt eher lernunwilligen, aggressiven Klasse (wie es in z.B. Hauptschulklassen gebündelt der Fall ist. Stichwort: Problemlösefähigkeiten – und auch da gibt’s Studien zu) hingegen ziehen recht schnell mal eine ganze Klasse mit.
        Was mir an der segregierten Schule auch einfach nicht gefällt: unsere Gesellschaft ist doch *eigentlich* auch nicht segregiert. Man muss sich doch als Mensch mit guten Schulleistungen auch mit Menschen mit weniger guten Schulleistungen ‚herumschlagen‘ – und vice versa. Es sind nun mal nicht alle Leute Einstein – die wenigsten eigentlich – und wenn man als heranwachsender Mensch 8/9 Jahre in einer sozial homogenen Gruppe gelebt hat und dann auf den (sozial sehr heterogenen) Rest der Welt losgelassen wird, woher zum Henker soll man die Fähigkeiten haben, mit diesem „Rest“ tatsächlich sinnvoll umzugehen?
        [Ich selbst war während der Sekundarstufe I in einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe – in den Klassen waren also Schüler sehr verschiedener Leistungsniveaus, alle haben gemeinsam einen 10-Klassen-Abschluss gemacht und wer konnte und wollte hatte die Möglichkeit an der selben Schule auch sein Abitur zu machen. Ich habe Mobbing in meiner Klasse nur sehr begrenzt mitbekommen – und es ging NICHT von den leistungsschwächeren Schülern aus! Es ist keiner Sitzengeblieben, bis auf 1 haben alle haben den Abschluss geschafft. Für die Sekundarstufe II bin ich auf ein regulären Gymnasium gewechselt und erst dort habe ich aktive Ausgrenzung anderer erfahren – vor allem Ausgrenzung leistungsschwächerer Schüler. Und ein gesamtes Wir-sind-besser-Gefühl, bezogen auf „die Gesamtschüler und Realschüler und so“ -> soziale Kompetenzen im Umgang mit weniger leistungsstarken = 0.]

        Mein erster Kommentar und ich gehe gleich in die Vollen…
        Naja. Auf jeden Fall lese ich seit einiger Zeit und sehr gerne hier, Frl Krise. 🙂

      • frlkrise schreibt:

        Danke, du ersparst mir manche Erklärung!!!!!!!!!!

      • RogueEconomist schreibt:

        Aber Politik wird ja nunmal von Leuten gemacht, die gewählt werden. Und die Leute die wählen gehen haben anscheinend kein Interesse daran, ich nenne es einfach mal gemischte Klassen zu bilden. Schade eigentlich, dass wahrscheinlich Pauls Eltern eher nicht den gang zur Urne tun. Das Argument mit „lieber im Schnitt durchschnittliche Abschlüsse als ein paar weniger Gute“ ist ja auch wieder so eine Sache was die Eltern erwarten. Die Eltern von Christian und Charlotte wollen natürlich, dass die beiden Medizin studieren. Und dafür braucht man bekanntlich den NC. Und ob der so gut erreicht wird wenn man zehn Jahre lang die Bank mit Fuat, Emre, Aynur und Necla drückt? Aus Sicht der Eltern bestimmt nicht. Und weil Charlottes Eltern wählen gehen und sich engagieren, Ronnies Eltern aber nicht… Individuell haben die Eltern von Charlotte alles richtig gemacht, für die Allgemeinheit wäre es aber vielleicht besser gewesen sie hätten ihre Tochter in die gemischte Klasse geschickt um andere Kinder mitzuziehen.
        Tja, und zum Thema Humankapital… Schule/Bildung kostet. Sowas. Aber wer kann von Paul auch erwarten, sowas ernsthaft durchzudenken? Nur hat der Staat ja grundsätzlich schon ein Interesse daran, dass seine Bürger an gewisses Maß an Bildung sammeln. Davon ab, hier stellt sich ja schon die (von den meisten als sehr unmoralische empfundene) Frage, ob Paul besser abschneiden würde wenn Pauls Eltern die Kosten für die Extrarunde bezahlen müssten. Schwierig, wenn Pauls Eltern nicht das Geld haben. Hier müsste dann im Zweifel sowieso der Staat einspringen. Oder lässt man Paul dann einfach auf der Straße stehen, weil Bildung dann eine Frage des Geldes wird (ist es das nicht eh schon?) und der Staat besser damit läuft, ihm Transferzahlungen zu zahlen als drei Ehrenrunden zu finanzieren? Über Bildung in Verbindung mit Geld zu reden ist immer ein sehr heisses Pflaster.
        Ich habe mich ja auch gefragt, ob man den Typus Schüler, den Frl. Krise vor der Nase hat, mit 100 Euro für jedes Sehr Gut motivieren kann. Wäre mal ein interessantes Experiment, aber ich glaube Frl. Krises Aussage mit „Die Motivation muss von innen kommen“ sagt einfach alles. Da nützen auch keine Strafen oder Anreize. Wenn man einfach keinen Bock hat, kann man noch so viel reden.

      • Ute schreibt:

        Liebes Frl. Krise, als Ex-Schülerin und bald Schulkind-Mutter befasse ich mich schon lange „freiwillig“ mit dem Thema Gesamtschule vs. mehrgliedriges System. Einiges habe ich dazu auch schon geschrieben; meine beiden Haupttexte dazu finden sich hier

        http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/fischblog/allgemein/2010-05-12/welche-schulform-ist-die-richtige

        und hier:

        http://www.rueckspiegel.org/index.php/site/comments/hamburg/

      • frlkrise schreibt:

        Ich bin für die Gesamtschule!

      • manuel schreibt:

        @gaelic lupin:
        Es gibt auch Studien, die beobachten, dass heterogene Gruppen nicht so gut funktionieren, wie Sie das darstellen. Ein Autor stellt z.B. fest, dass die Häufigkeit von Gewalt an Gesamtschulen nur insignifikant niedriger ist als an Hauptschulen. Er schreibt: „Dies ist deshalb erstaunlich, weil das theoretische Konzept der Gesamtschule mit einer bewusst auf Heterogenität angelegten Schülerschaft zur Förderung von Peer-Education und zum Ausgleich sozialer Unterschiede, sich in diesem Ergebnis als unproduktiv erweist.“ (Klett, Kristian (2005) Gewalt an Schulen. Eine deutschlandweite Online-Schülerbefragung zur Gewaltsituation an Schulen. PhD thesis, Universität zu Köln. S. 78)

        Ist es nicht dumm, mehr Schüler als notwendig einer besonders gewaltgeladenen Atmosphäre auszusetzen? Ist es nicht gerechter, wenn hauptsächlich die aggresiven Schüler unter so einer Atmosphäre zu leiden haben?

        Wenn ich mich richtig erinnere, lagen Schulen mit mehreren Bildungsgängen und integrierte Gesamtschulen in Vergleichsstudien (PISA, DESI-Studie) näher an Hauptschulen als an Realschulen. Ich weiß natürlich nicht, wie sich die Schülerschaft an diesen Schulen zusammensetzt- vielleicht gibt es dort zu wenig gute Schüler, um die anderen mitzuziehen. Aber der gewünschte Effekt scheint zumindest in Deutschland nicht einzutreten.

        Ich glaube ihnen gerne, dass es Studien gibt, in denen die von Ihnen beschriebenen Effekte, tatsächlich beobachtet werden, aber warum diese Effekte eintreten übersteigt meinen Horizont, und ihr Eintreten selbst meine Vorstellungskraft.

        Sie sagen, dass Problem liege darin, dass in der Peer-Group positive Vorbilder fehlen. Aber wie kämen denn die Schüler dazu, sich lernwilligere Schüler zum Vorbild zu machen? Ich kann hier leider nur aus meinem Erfahrungsschatz schöpfen, aber ist nicht bei Jugendlichen typischerweise der größte Störer – also der größte Rebell gegen die Ordnung der Erwachsenen – der größte Held?

        Wieso können zwei Störer nicht eine Leistungsstarke Gruppe von der Arbeit abhalten? Wenn ich jemanden von der Arbeit abhalten will, dann schaffe ich das auch, indem ich ihm seine Arbeitsmaterialien wegnehme, sie kaputt mache, und ihn notfalls in eine Schlägerei verwickle…

        Warum sollte ein Jugendlicher, der gerne liest, wegen dieser Freizeitbeschäftigung an einer Gesamtschule nicht noch viel eher gehänselt werden als an einem Gymnasium? Er ist ja dann noch viel eher ungewöhnlich.

        Ich habe von Pädagogik, Didaktik und Gruppendynamik soviel Ahnung wie ein Frosch vom Fallschirmspringen, deshalb erschließen sich mir die Antworten auf diese Fragen nicht, aber könnten Sie mir Literatur nennen, die geeignet ist, mich zu überzeugen? Denn ich lasse mich gerne davon überzeugen, dass ich hier Unrecht habe: Es gäbe dann eine einfache Lösung für unser Bildungsproblem.

        Zu Ihrer Erfahrung mit Ausgrenzung von Leistungsschwächeren Schülern: Das scheint die Ausnahme zu sein. Im von mir persönlich erlebten Fall wurde ich als mittelmäßiger Schüler von vier Sitzenbleibern über ein gesamtes Schuljahr hinweg permanent und heftig sekiert. Es scheinen in der Regel eher problematische Schüler zu sein, die zu Mobbern werden:

        „Persons who bullied others were more likely to be involved in other problem behaviors such as drinking alcohol and smoking. They showed poorer school adjustment, both in terms of academic achievement and perceived school climate. “ (Nansel et. al., Bullying Behaviors Among US Youth-Prevalence and Association With Psychosocial Adjustment, JAMA, April 25, 2001—Vol 285, No. 16:2094-2100). Die Autoren stellen also fest, dass Mobber gerade störende, leistungsschwache Schüler sind, die Probleme mit Regeln haben. Sie beobachten aber gleichzeitig, dass diese Schüler bei ihren Peers nicht unbeliebt sind. (Vorausgesetzt, dass sich deutsche und amerikanische Jugendliche ähnlich genug sind, um diese Ergebnisse übertragen zu können.)

        Zur segregierten Gesellschaft: Naja, in Teilen doch schon. Personen, die bestimmten Mileus zugehörig sind, haben natürlich den Großteil ihrer Kontakte dort. Ob das jetzt wünschenswert ist oder nicht, es wird nicht zu ändern sein.

        Ohjeh, das war aber ein langer Kommentar :/

      • gaelic lupin schreibt:

        @manuel

        Uff, da stellst Du mir aber eine kleine Mammutaufgabe – sowohl in der Beantwortung Deines langen Posts, als auch insgesamt.

        Ich sehe gern mal, was ich Dir an einführender Literatur empfehlen kann (das ist für thematische Einsteiger, glaube ich, am Besten). Aber dafür bräuchte ich ein wenig Zeit – wenn Du hier regelmäßig mitliest & ggf. auch kommentierst, schreibe ich Dir das zu einem späteren Zeitpunkt einfach mal. 🙂
        Das kommt dann thematisch aus der (Grundschul)Lehrerbildungs- und Sozialpädagogenbildungsecke – wenn Du also Interesse und Zeit und eine gute (z.B. Uni-)Bibliothek in der Nähe hast, schau Dich da einfach ein bisschen um (Stadtbibliotheken sind da m.E. nach nicht soo zu empfehlen, da sie tendenziell veraltete oder ziemlich simplifizierende Literatur zum Thema bietet).

        Zu mehr/Konreterem habe ich grad leider keine Zeit. Ich freu mich aber über aufgeschlossenes Interesse – daher später gern mehr. 🙂

  2. Christian schreibt:

    16 Jahre – das ist weit weg, heute bin ich mehr als doppelt so alt. 16 – das war damals in den frühen 1990ern. Wir haben Musik gemacht, wollten die Wale retten und das Ozonloch bekämpfen. Haben am Wochenende den Jugendraum im Gemeindehaus bunt angestrichen. Sind mit der Schule in den Osten gefahren, um exotische Städte wie Stralsund, Greifswald und Stettin zu entdecken – terra incognita.

    Dass wir in zwei, drei Jahren Abitur machen würden, war ganz sicher. Läppische Aufgaben wie den Zitronensäurezyklus auswendig lernen, Madame Bovary lesen, einen kleinen Kanon komponieren oder das Ahlener Programm der CDU kommentieren hat uns nicht davon abgehalten, den Sommer zu genießen und am Abend in der einzigen Musikkneipe der kleinen Stadt unsere Freunde zu treffen.

    Wir hatten es so gut und wußten es nicht. Armer Paul.

  3. Die Räubertochter schreibt:

    Huhu,

    diese Einstellung vieler Schüler kenne ich leider auch, und das aus der Klasse, welche ich besuche!
    Dabei ist es schon von vielen die 2te oder 3te Chance und sie machen trotzdem nichts daraus. 😦

    Schade eiegntlich, denn dumm sind wirklich die wenigsten. 😦

  4. chefarbeiter schreibt:

    AAAAAAAARGH! Wie schafft man es, da nicht auszurasten und den Kerl anzuschreien?

    • michael schreibt:

      Indem man ausrechnet, was er kostet, wenn er die Schule verlassen hat, und keine Ausbildungsstelle bekommt oder keine Arbeit findet ?

  5. zweitesselbst schreibt:

    apropo irgendwie muss ich grad an Bremsen denken, die einige daran hindert, das zu tun, was sie tun wollen bzw ohne Bremsen könnten.

  6. michathecook schreibt:

    Der Staat ist an allem dran Schuld ?!?!?!!
    Pruefungen zu schwer
    Lehrergehaelter eh zu hoch
    Wiederholen zu einfach
    und danach wenn man alles ausgenutzt und abgesessen hat gibts was nettes vom Herrn Hartz.
    Der Staat….mensch mensch.

  7. Tades75 schreibt:

    Ein sehr gewichtiger Grund für solches Verhalten ist doch:
    Ein Lehrer ist heutzutage doch keine Respektsperson. Punkt.

    Bei der geringsten -angeblichen- ungerechten Behandlung durch den Lehrer rennen wir Eltern doch heutzutage den Schulen die Türe ein und nötigen die Lehrer sich zu rechtfertigen, tun so als würden Lehrer ihre Noten nur nach Sympathie und Antipathie geben und die Schüler dementsprechend behandeln. Das kriegen die Schüler ja mit.

    Oder dann gibt es noch MANCHE Hartz4-Empfänger- NICHT alle- die ihren Kindern vorleben, das man auch ohne Arbeit durchkommt.

    Dann wiederum gibt es manche türkische Eltern, die keinen Wert auf Bildung legen und gerade DAS will mir nicht in den Kopf. Viele diese türkischen Eltern sind erzkonservativ, schlimmer als in der Türkei und versuchen die türkische Kultur zu bewahren. Zur türkischen Kultur aber gehört auch der hohe Stellenwert der Schulbildung und dass man sich als Eltern gottverdammt noch einmal den Arsch aufreißt, damit Kinder die bestmögliche Bildung genießen. Siehe die Türkei. Weil das dortige Schulsystem teils so miserabel ist, arbeiten seeeehr viele Eltern wie die Wahnsinnigen und geben nicht selten einen großen Teils ihres Lohns für eine dieser privaten Nachhilfeschulen aus, von denen es Tausende in der Türkei gibt, nur damit die Kinder auf ein gutes Lyzeum kommen oder auf eine gute Universität gehen dürfen.

    Um aber wieder auf die Lehrer zurückzukommen, wir wären damals im Traum nicht auf die Idee gekommen unverschämt zu werden, manchmal etwas frech, ja, aber so, dass manche Lehrer eher geschmunzelt hätten. Gott, ich hab‘ michmanchmal noch geschämt, wenn ich keine Hausaufgaben gemacht hatte. Gibt es so etwas überhaupt noch ?

    Aber was soll’s, für Müllmänner, Putzfrauen und andere Berufe braucht man auch immer Nachschub und so wie es dank Blöd-Zeitung und arroganten Konservativen mit den Kürzungen der Sozialleistungen in Deutschland weitergeht, werden Arbeitslose eh irgendwann zu solchen Jobs gezwungen.

    Vielleicht wäre so ein Schreckensszenario eine Motivation.

    • frlkrise schreibt:

      Nein, eine Motivation muss von innen kommen! Schreckensszenarios haben keine Nachhaltigkeit……. Nach der Pubertät darf man wieder hoffen…!

    • Ulla 39 schreibt:

      Hm, „zur türkischen Kultur gehört auch der hohe Stellenwert der Schulbildung“. Nach meiner Beobachtung klaffen das, was ab der Mittelschule von den Schülern erwartet wird und das, was die Schule für die Schüler tut, himmelweit auseinander. Wie Sie sagen, das Schulsystem ist miserabel, ich meine durchgängig. Unter den vielen, vielen Türken, die ich in Deutschland kennengelernt habe, hat allerdings ein verschwindend kleiner Teil die Türkei wegen der besseren Bildungsmöglichkeiten verlassen, die anderen schlicht des Geldes wegen. Statt daß türkische Regierungen sich um ihre Landleute im Land selbst gekümmert haben, haben sie sie „exportiert, finanziell profitiert und binden sie bis heute durch Vielerlei zugleich an sich – nicht so sehr das Schüsseltv- weil privat- , sondern die türkischen Zeitungen und nicht zu vergessen, die DITIB, türkische Religionsbehörde, mit ihren allzuoft ….. Imamen. (Die Pünktchen stehen für ein Adjektiv, das der Selbstzensur zum Opfer fiel.) Mir tut einfach leid, daß es so ist, wie es ist.

  8. Olaf schreibt:

    „Wir hatten es so gut und wußten es nicht. Armer Paul.“ (Christian)

    Ja – das habe ich irgendwann auch gedacht. Es stimmt.
    Und meine Schulzeit war in den sechziger/ siebziger Jahren, als es für Gymnasiumschulle noch Aufnahmeprüfungen (!) gab.
    Frollein Krise, Sie bringen mich mit Ihrem blog auch dazu, mir wieder öfter Gedanken um meine damalige Schulzeit zu machen. Und am Gymnasium (siebziger Jahre) haben wir – politisch natürlich „links“ (so ab 15, Batikhemden, lange Haare etc.), Klassensprecher (gibt es so etwas noch ?), Schulsprecher – trotzig g.e.g.e.n unsere Lehrer gelernt und freiwillig (!) „unbequeme“ Referate gehalten (WiSo, Geschichte, Deutsch), so richtig radikal und all das.
    Als wir dann 1975 Abitur gemacht haben, da kamen sie alle an und fanden es „schade“, daß wir nun abgehen, weil es nun langweilig würde.
    Da kommt dann Freude auf, das war dann doch ein Kompliment. Wirklich. Wir hatten es tatsächlich gut. Lang ist’s her…

  9. gedankenfest schreibt:

    Ich war auch jahrelang eine grottenschlechte Schülerin. Die Grundschule war gut, dann ging ich aufs Gymnasium. Da war nichts mehr gut. In der 7. Klasse folgte bereits die Nachprüfung – bestanden! In der 8. Klasse blieb ich hängen. Zack – der Schalter war umgelegt. Ich wurde wieder gut in der Schule, ich hatte (und habe noch immer) SPAß am Lernen!

    Als Schülerin war mir auch nicht bewusst, wie teuer ich eigentlich bin. Wie teuer meine Bildung ist. Aber mal ganz abgesehen davon, gibt es mehr Anreize, um zu lernen. Deutlich mehr. Dagegen sind viele Schüler leider resistent. Seufz. Und in 20 Jahren sitzen sie da, bereuen es und versuchen (hoffentlich), ihren Kindern zu vermitteln, wie wichtig das Lernen und der Abschluss ist. Vielleicht argumentieren sie auch mit den Kosten pro Schüler und pro Jahr. Und vielleicht sitzen die Kinder dann da und sagen:

    „ Kann ich doch nicht dafür! Ist doch Staat selbst schuld! Was macht er auch so beschissene Prüfungen!!!“

  10. PeterLe schreibt:

    Tiefe Bewunderung, wie Sie es schaffen sich jedenTag aufs Neue zu motivieren. Wenn meine Leistung so mit Füssen getreten und missachtet werden würde, könnte ich nicht weitermachen. Die Bewunderung gilt natürlich nur, wenn das hier wirklich real sein sollte. Ansonsten ist es zumindest aufmerksam beobachtet und verdammt gut geschrieben.

  11. MavoDaMi schreibt:

    „Wir hatten es so gut und wußten es nicht. Armer Paul.“
    Jetzt, wo ich die Schullaufbahn meines Sohnes verfolge, weiß ich auch erst zu schätzen, wie gut wir es hatten. Da relativiert sich ganz schnell so manches, damals vermeintlich erlittene Ungemach.
    Ich hoffe für meine Kinder, daß sie im Laufe ihres Schülerlebens immer auf engagierte Lehrerinnen und Lehrer treffen, die ihnen dabei helfen, alle ihre Chancen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu nutzen.

  12. Hajo schreibt:

    „Das kostet doch nix!“
    kann man von einem 16Jährigen ganzheitliches Denken erwarten, wenn selbst in Rang und „Verantwortung“ stehende – na sagen wir mal – weit-mehr-als-Sechziger das nicht schaffen? 😉

  13. Frollein Ronja schreibt:

    Hallo Fr Krise,

    ist ein interessantes Thema. Ich war früher auf einer Klosterschule, und da gab es natürlich Elitedenken deluxe. War natürlich ein Gymnasium, und wir haben Latein gesprochen! Uha. Da kam man wenig mit „dummen“ Menschen in Kontakt, und ein wenig dieses Elitedenkens hällt sich auch heute noch hartnäckig in meinem Kopf und führt manchmal zu einer etwas arroganten Haltung – auch wenn ich mich versuche dagegen zu wehren.
    Die Schule die ich jetzt besuche, eine Berufsschule, hat das ein wenig geändert. Dadurch, dass diese Ausbildung von vielen unterschiedlichen Auszubildenden gemacht wird, gibt es natürlich ein großes Mischmasch – es sind nur wenige, welche Abitur haben und einen ähnlichen Background wie ich. Trotzdem trennen sich die Schüler ein wenig in der Klasse, ein richtiges Mischen ist es nicht. Wir versuchen zwar, mit allen in Kontakt zu bleiben, aber leider gesellen sich hier doch gerne Gleich und Gleich. Wie so oft im Leben.
    Daher denke ich schon, dass es sinnvoll wäre das auch in der „normalen“ Schule mehr von Anfang an gemischt wird. Denn ich merke an mir selbst, dass es verdammt schwer ist sich ein einmal antrainiertes Abgrenzen gegenüber vermeintlich weniger intelligenten Gruppen abzuerziehen.

  14. clara schreibt:

    Es gibt inzwischen einige psychologische Studien im arbeits- und organisationspsychologischen Forschungsbereich, die besagen, dass negatives Feedback jeden (Manager, Studenten, Angestellte) demotiviert und die Tendenz erhöht, dass sich die Leute von den Aufgaben zurückziehen, weniger involviert sind und die Motivation verlieren. In über 30% der Fälle folgen aus negativem Feedback schlechtere Leistungen als zuvor und bei sehr häufigem negativen Feedback, egal was für Versuche die Leistung zu verbessern unternommen werden, wird Hilflosigkeit erlernt und die Personen werden passiv-desinteressiert.

    Kein Wunder, dass die Schüler an einer Hauptschule, die ihr Leben lang immer und immer wieder mit negativen Reaktionen und negativem Feedback zu kämpfen haben, so reagieren, wenn sie erneut Misserfolg erleben.

  15. evasbuecherkiste schreibt:

    Auch wenn der Blogeintrag schon was älter ist…
    Das Konzept Gesamtschule – wie es hier häufiger angesprochen wurde – ist eine zwiespältige Sache.
    Auf der einen Seite kann man die schlechteren Schüler wirklich mitziehen, auf der anderen Seite muss ich sagen, dass aus eigener (wohl gymnasialer Erfahrung) die schlechten Schüler auch die ganze Klasse immens verlangsamen können. Durfte ich in der 5-7 Klasse erleben, wo letztendlich von 30 Schülern die angefangen hatten noch 10 übrig waren + 10, die zwischendurch gekommen, oder pappen geblieben sind. Wir hatten teils richtig Lernstoff nachzuholen, im Vergleich zu anderen Klassen, was unsere Lehrer in der achten Klasse gott sei dank größtenteils schafften. Ich möchte gar nicht wissen, wie der Lernstand gewesen wäre, wäre ich auf einer Gesamtschule gewesen.

    Meine kleine Cousine (jetzt in der sechsten glaub ich) ist, nachdem sie von der Grundschule eine Hauptschulempfehlung bekam (sie kann ganz schlecht lesen und obwohl ihr Vater Oberstudienrat ist, hat sie als Kind kaum etwas vorgelesen bekommen – meist von MEINER Mutter, wenn wir mal da waren oder sie bei uns – und dauernd vorm Fernseher gesessen) ist jetzt auf der Gesamtschule. Sie ist Klassensprecherin, total beliebt…. und kann immer noch nicht richtig lesen. Sie hat sowohl Probleme mit dem Verstehen von Texten, als auch mit einfachem Vorlesen. Sie ist keine Analphabetin, schreiben kann sie gut, nur beim Lesen haperts.

    Natürlich hat die Hauptschule in Deutschland einen extrem schlechten Ruf. Aus unterschiedlichen Gründen – und sicherlich auch Standortsabhängig.
    Ein Gesamtschulkonzept sollte meiner Meinung nach stärker auf Kurse ausgelegt sein, so dass man – wenn man Stärken im einen Fach hat, hier schon weitere sein kann, als in Fächern in denen man schlecht ist. Das mit Abschlüssen zu koordinieren ist sicherlich schwierig, dürfte aber drin sein. (Dann könnte z.B jemand in Mathematik im fünften Kurs sein, in Deutsch aber erst im dritten o.ä.) Damit könnte man dann auch den Schwächen und Stärken von Schülern besser und gerechter begegnen. Ist aber wohl leider schwierig umsetzbar.

    • EDVler schreibt:

      >>Ein Gesamtschulkonzept sollte meiner Meinung nach stärker auf Kurse ausgelegt sein, so dass man – wenn man Stärken im einen Fach hat, hier schon weitere sein kann, als in Fächern in denen man schlecht ist.<<

      Fände ich ne prima Sache..

  16. Grendel schreibt:

    Die Gesamtschule macht nur Sinn, wenn sie das einzige System darstellt. Parallel zum dreigliedrigen Schulsystem kann es nicht funktionieren. Das Gymnasium ist die heilige Kuh der Schulbildung, dass die geschlachtet wird, dürfte niemand von uns erleben… und als Vater von zwei Kindern überlege ich nicht lang, sondern schicke meine Kinder auf die Schule, die für sie am besten ist. Wenn das das Gymnasium wäre, hätte ehrlicherweise die Gesamtschule weder Platz noch Existenzberechtigung in diesen Überlegungen.

    • gertjeedelmann schreibt:

      Dem pflichte ich bei. Solange es das „alte“ Schulsystem noch gibt, wird auch die Gesamtschule als Schule 2. Klasse empfunden, denke ich.
      Zu allem, was hier gegen das Konzept der gemischten Schulen gesagt wurde, kann ich nur sagen: Ich komm ja aus dem Osten. Da gingen alle bis zur 8. Klasse gemeinsam in die Schule. Ab der 9. gingen wirklich nur die, bei denen abzusehen war, dass sie das Abi auch ohne sitzenzubleiben schaffen, auf die EOS, die man ja, wenn alle so am Wort Gymnasium hängen, gern so nennen könnte. Überfliegende Spätentwickler konnten nach der 10. Klasse auch noch an die EOS(= Gymnasium). Meine beiden Kinder sind nun im neuen Schulsystem groß geworden. Die Älteste hat Realschulabschluss, die Jüngste macht grad Abitur. Und immer wieder frage ich mich, was ist an diesem Saystem eigentlich besser, außer das es aus dem „Westen“ ist. Von denen, die in der ehemailigen DDR die Schule besucht haben, haben es auch ein paar zum Arzt oder Pfarrer gebracht, selten allerdings hat jemand mit Abitur eine Lehrausbildung gemacht. Die blieb den Abgängern der POS (10. Klasse) vorbehalten. Und die, die es nur bis zur 8. Klasse geschafft haben, waren ihr ganzes Schulleben mit zukünftigen Rechtasnawälten und Krankenschwestern zusammen im Klassenverband. Ich sehe nicht, wo das jemanden geschadet hat.

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