Ein Menetekel….

Ferien ja, aber gibt noch ein bisschen aus der letzten Schulwoche nachzutragen. Es passiert ja soviel, dass ich mit dem Schreiben oft gar nicht hinterher komme…

Kunstunterricht, 10. Klasse, ein Tag nach der „Prüfung in spezieller Form“ .
Das ist EIN Teil der Prüfung für den mittleren Bildungsabschluss (welcher von den Schülern auch gerne und falsch ‚Realabschluss’ genannt wird, im Gegensatz zum ebenso falschen ‚Hauptabschluss’).

Dieser Prüfungsteil ist eigentlich herrlich, weil absolut schülerfreundlich!
Denn: Der Delinquent sucht  sich eine Gruppe, sucht sich ein Thema, sucht sich einen Lehrer und bespricht mit demselben das Thema.
Alle Mitglieder der Gruppe bereiten zusammen das Ganze vor (dazu hat man wochenlang Zeit und es kann einem helfen, wer will – merkt ja niemand) und teilen sich die Präsentation des Themas auf.
So erzielt man mit großer Wahrscheinlichkeit eine gute Note und kann damit eine Fünf in den schriftlichen Prüfungen (Mathe, Englisch oder Deutsch) ausgleichen.

Dachten die schlauen Erfinder dieser Prüfung…..

Ich gebe in der Zehn nur Kunst und darin will sich niemand prüfen lassen. Schade…
Aber ich bin ein neugieriger Mensch und fragte bereits im Januar:
„Na, Miriam/Mohamed/ Martin, hast du denn schon ein/e Thema/Gruppe/Lehrer ?“ und erntete in der Regel ein dumpfes Brummen und eine unwillige Kopfbewegung, die ich zu Recht, glaube ich, als  ’nein/hayir/la‘  interpretierte.
Hm.
Also ich an deren Stelle würde ja mal langsam anfangen mich  zu kümmern, dachte ich und wurde stellvertretend ein bisschen nervös.
So ging das wochenlang. Die Winterferien gingen vorüber und langsam wurde es eng.

März: Wir unterhalten uns über die eventuellen Themen…. Viele sind noch völlig unschlüssig, einige wollen das Thema ihres/r Kusins/e nehmen, der/die Gymnasiumschulle geht. (https://frlkrise.wordpress.com/2010/12/16/wohl-der-die-einen-kuseng-hat/)
Andere wechseln wöchentlich das Thema. Wieder andere verweigern die Auskunft und nur einige wenige sagen: „ Bin fertig. Läääääängst.“
Hm.
April: Je näher der Termin rückt, desto weniger traue  ich mich nachzufragen und desto einsilbiger werden die Schüler.

Dann ist alles vorbei. Ich war nicht mal Protokollantin, habe also wirklich gar nichts von den Prüfungen mitbekommen.
Und, wie gesagt: Wir haben Kunstunterricht,  ein Tag nach der Prüfung.

Ich frage: „Na, wie wars?“ und eine Flut bricht über mich herein. Alle reden gleichzeitig! Von 14 Leuten haben nur drei eine DREI gemacht! Die anderen haben alle Vieren oder sogar Fünfen! VOLL ungerecht!
So schlechte Ergebnisse! Ich bin entsetzt.
Die Schüler auch.
Denn das ist vollvollvollvoll ungerecht! Vallah!
„ Frl. Krise, ich habe Vier, aber ich war voll gut! Ich habe voll viel gelernt und konnte alles auswendig!“
„Konntest du denn auch auf Fragen anworten?“
„Tschüüüch Fragen! Voll behinderte Fragen! Hatte ich noch nie was von gehört, was die mich gefragt haben!“

„ Sina, und du hast eine Fünf? Das glaube ich nicht!“ Sina ist eigentlich ein fleißiges Mädchen…
„Aboooo, voll gemein! Wir hatten Powerpoint auf Stick und Sarah hat Stick vergessen. Mussten wir ohne machen!“
Die anderen finden das auch voll gemein. Konnte Sina doch nix dafür!
Was Gruppenprüfung!

„Frl. Krise, MUSS man sich vorher mit dem Lehrer treffen, der Prüfung mit einem macht?“
„Ja, natürlich! Dafür bekommt ihr doch extra Termine! Du musst doch auch klären, was eigentlich von dir erwartet wird! Und außerdem ist das ja auch ein Hilfe…!“
Tammy schüttelt den Kopf: „Bin ich nicht hingegangen. Deswegen habe ich schlechtere Punkte. Voll gemein!“

Dann erzählt Dennis noch, dass er verschlafen hat und zu spät kam und dann setze ich mich hin und gucke mir die Truppe an. Sie sind echt entrüstet und haben das Gefühl, man hat ihnen übelst mitgespielt. Nicht ein einziger zeigt  Ansätze von Selbstkritik…

Auf mein Nachfragen geben sie zu, ja, doch, es hätte auch gute Noten gegeben, sogar eine ganze Menge, nur hier in diesem Kurs eben nicht…
„Mert hat  eine Eins! Dabei ist der voll schlecht in der Schule!“ beklagt sich Tammy.
Mert ist höllenfaul, aber ziemlich gewitzt, denke ich, der hat bestimmt nichts sinnlos auswendig gelernt, sondern  sich ein Thema gesucht, das ihn interessiert und der wusste dann, wovon er spricht….

Jetzt hilft nur noch eins: GASGEBEN, damit die schriftlichen Prüfungen klappen. Mit einer Vier kann man ja nichts ausgleichen.
„Gut, dass es jetzt Ferien gibt“, sage ich tröstlich,“ da habt ihr Zeit und könnt ein bisschen für die Schule arbeiten!“

Das haben dann auch alle hoch und heilig versprochen.

Na ja, jedenfalls Marvin, Sina und Zeynab ….

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27 Antworten zu Ein Menetekel….

  1. Christian schreibt:

    Ist das richtig: Die Schüler können sich ein beliebiges Thema auswählen, also auch ein Hobby von sich, und müssen darüber nur einen kurzen Vortrag halten und ein paar Nachfragen beantworten? Das kann doch nur gute Noten geben!

    • frlkrise schreibt:

      DAs Thema sollte schon irgendwie mit einem Fach zu tun haben. Der ausersehene Prüfer begleitet u. berät die Schüler seiner Prüfungsgruppe in der gesamten Vorbereitungsphase. Medien sollen den Vortrag unterstützen, Powerpoint , Plakat, Experiment, Folien, Bilder, Video – alles geht.
      Die Gruppen präsentieren ihren Vortrag und dann stellt der Prüfer /Prüfungsausschuss Fragen zu Inhalt und Präsentation.
      Der Eigenanteil jedes Schülers an der Präsentation sollte ca. 10 Minuten betragen, das Kolloquium dann jeweils 5 Minuten. Bei einer Gruppe von drei Schülern würde damit eine Gesamtprüfungszeit von 45 Minuten entstehen.
      Die Schüler erhalten eine individuelle Bewertung ihrer Leistung.

      Kann man schaffen, oder?

  2. meineperspektive schreibt:

    Syptomatisch für jene, die es sich zu einfach machen wollen.

    Ich bereite in dieser Woche bei uns in der Berufsvorbereitung einen Kurs auf seinen externen Abschluss vor. Die ersten Prüfungen sind am 11. Mai – den Ernst der Lage hat bisher jedoch noch keiner Begriffen.

  3. gedankenfest schreibt:

    Schade, dass die Schüler oftmals nicht sehen, welche Chance man ihnen damit in vielerlei Hinsicht bietet.

    In den Ferien lernen. Jaja. Ich habe es mir auch immer vorgenommen, aber ich habe es nur einmal in meinem Leben gemacht. Das waren auch die Osterferien. Aber unmittelbar in der Woche nach den Osterferien begannen auch die Abiturprüfungen.

    Viele merken leider gar nicht, wie sehr das dünne Eis schmilzt, auf dem sie sich sowieso schon bewegen. Schade.

  4. Sebastian Krämer schreibt:

    Kommt mir sehr bekannt vor. Nur in diesem Fall aus der Vaterperspektive. Die lange Zeit, die es mal war. Die Dreisilbigkeit. Zweisilbigkeit. Einsilbigkeit. Und dann die Woche der Prüfungen … alles gut gegangen, selbst Mathe (fragwürdige Arbeitshaltung also noch belohnt worden), aber vor den schriftlichen Prüfungen im Mai wird mir anders …

  5. michael schreibt:

    > Wir hatten Powerpoint auf Stick und Sarah hat Stick vergessen. Mussten wir ohne machen!

    Erinnert mich an:

    Kommt ein Mann mit einem Stoffbeutel in eine Kneipe, bestellt sich ein Bier, trinkt und schlägt ab und zu mit dem Stoffbeutel auf dem Tisch. Nach einiger Zeit will der Barkeeper wissen, was das soll. Der Mann: “ Ich hab meiner Frau erzählt, dass ich sechs Richtige getippt habe. Worauf die Frau meint, dass sie meinen Lottoschein nicht abgegeben hat.“ . Berkeeper: “ Der hätte ich den Kopf abgerissen!“. Mann: „Was, glauben Sie, was in dem Stoffbeutel ist.“

    > Mert ist höllenfaul, aber ziemlich gewitzt, denke ich,

    Der Mert, mit dem Sie Schlägerei hatten?

  6. michael schreibt:

    > Die anderen finden das auch voll gemein. Konnte Sina doch nix dafür!
    Was Gruppenprüfung!

    Ja, was Gruppenprüfung ? Schrieben Sie nicht: Die Schüler erhalten eine individuelle Bewertung ihrer Leistung. ?

  7. Seufz,…. wieso nur? Wann raffen die endlich, was für die auf dem Spiel steht?

    Naja, Fr. Krise sie geben ja Ihr Bestes, mehr können Sie auch nicht tun!!!

  8. Frau Ladybird schreibt:

    Schule ist schuld, neumodischer Kram, Gruppenprüfung, kann doch nix taugen. Wer sich das wieder ausgedacht hat. Und dann auch noch Medien. Hilft doch nix, wenn man Stick dabei hat und dann geht der Beamer nicht. Und Poster ist unhandlich, lässt sich nicht auf dem Fahrrad transportieren. Ach nee, nix für mich, so ne Gruppenprüfung.

  9. willicklesn schreibt:

    Voll fies, dieses Lehrerpack! Eine Falle nach der nächsten! 😀

  10. lub schreibt:

    danke für den interesannten Beitrag

  11. Seifenfrau schreibt:

    …Oh nein, was für eine tolle Chance haben die Schüler da
    an sich vorbeiziehen lassen. Freiwählbares Thema, das „irgendwie“ mit Schule“ zu tun hat?! Die müssen doch Hobbies haben, die dafür verwertbar sind?
    Kopfschüttel….

    • frlkrise schreibt:

      chillen, schätten, shoppen…..

      • die Schmith schreibt:

        Shoppen is doch voll Mathe oder was, wo Wirtschaft mit dazu gehört. Und Schätten is voll Informatik. Chillen ist ne besondere Form des Yoga. Wo man das unterbringt, weiß ich nicht so genau. Kann man aber auch gut Vortrag über die Wichtigkeit halten.
        Wo haben die da bloß ihre Probleme?

  12. Bluey schreibt:

    Ich lese hier jetzt schon ein paar Wochen mit, was „vallah“ heisst weiss ich mittlerweile aber was heisst „Abooooo“ ?

  13. Tanja Werdenberg schreibt:

    Tja, wie bringt man einer Schülerin oder einem Schüler bei, zur eigenen Verantwortung zu stehen?

    Ich meine: ich habe vor ca. drei Wochen einen kleinen Verkehrsunfall mit Sachschaden gebaut (Moped beim Ausparken touchiert und minimal beschädigt). Wegen großer Eile weder Besitzer (unbekannt) gesucht noch sofort Selbstanzeige erstattet, das erst schriftlich bei der Polizei am Abend des Tages, damit dort wenigstens die (Versicherungs-) Daten aufliegen. Gestern dafür wegen verspäteter Selbstanzeige Polizeistrafe ausgefasst.

    Meine Beifahrerin (die Zulassungsbesitzerin des Pkw) hat sich darüber so was von mokiert, wie man nur „so blöd“ sein kann, selber zur Polizei zu rennen (tja, wenn der Mopedbesitzer zufällig nebenan wohnt, Unfall war vor ihrem Wohnhaus, hätte er das Unfallfahrzeug früher oder später identifiziert, dann hätte sie eine Lenkererhebung beantworten müssen [oder es hätte ihr wer die Luft aus den Reifen gelassen, oder den Lack zerkratzt…], und ich hätte eine mit Sicherheit deutlich höhere Strafe gekriegt).

    Die Sozialisation hat also auch Menschen meiner Generation schon gelehrt: Fersengeld geben, die Verantwortung abwälzen, zu nix stehen, Dreck bleibt bei dem picken, der einfach Pech hat – und der ist dann eben ein „Verlierer“. Und vor allem: Schuld sind immer die anderen! („Hätte Herr/Frau Werauchimmer sein/ihr blödes Moped halt nicht hinter meinem Auto geparkt!“)

    Wie kann man da von Schülerinnen und Schülern verlangen, es anders zu sehen?

  14. nixverstehn schreibt:

    Frollein Krise hat Urlaub!!! Ich krieg die Kriiiiise!!!!

  15. pocalinde schreibt:

    reden die wirklich so???? ich hör das ja immer wieder im fernsehn, aber ich kann das kaum glauben das jugendliche wirklich so reden !?!??!

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