Putz mal wieder….!

Der Biotest ist weg! Unauffindbar.
Mit schlechtem Gewissen trabe ich über den Hof in Richtung Biologieräume. Letzten Montag hab ich den Test schreiben lassen – heute wird natürlich von mir erwartet, dass ich ihn zurückgebe.
Würde ich auch ja auch sehr gerne, aber ich finde ihn nicht. Voll peinlich! Ich habe am Mittwoch meinen Platz in der Schule aufgeräumt, dabei ungefähr eine Tonne Papier weggeworfen und befürchte, die paar Arbeitszettel waren auch dabei.
Eigentlich können die sich freuen, wenn die Arbeit weg ist, denke ich, die war eh daneben, das hatte ich schon beim flüchtigen Überfliegen nach dem Einsammeln festgestellt. Hat ja auch wieder mal keiner gelernt. Sogar Emre und Ömür haben nur an ihren Stiften herumgekaut und versucht unauffällig in ihre Hefter zu schielen….
Aber jetzt werden alle behaupten, sie hätten voll viel gelernt und mindestens eine Zwei geschrieben und ich wäre schuld, wenn …Bin ich ja auch…*SEUFZ.

Da stürzen Turgut und Fuat auf mich zu: „Ist keiner da!“ stößt Turgut hervor, „können wir Ausfall haben?“
„Spinnst du?“, sage ich betont unfreundlich. Können wir Ausfall haben? Was ist denn das für eine dämliche Frage.Tsssss…!
„Was heißt überhaupt, ist keiner da?“ erkundige ich mich und stemme die Haustür auf. Fuat berichtet, das ALLE bei so einem naturwissenschaftlichen Projekt sind, nur SIE nicht.
Stimmt, ich erinnere mich schwach, da war doch was…..
„Wir gehen Hof, ja, Frl. Krise? Ist voll warm!“ versucht Turgut mich einzuwickeln, aber darauf lasse ich mich gar nicht erst ein. Ich marschiere stur weiter.
Und sieh mal da!!
Vor der Tür des Bioraums stehen ja noch ein paar versprengte Schäfchen, die mir schon von weitem  „Ausfall!“  „Hof!“ „Spazieren gehen!“ „Keiner da!“ und „Voll gemein!“ zuschreien.
Für solche Fälle ist ein bisschen Schwerhörigkeit durchaus von Vorteil. Ungerührt schließe ich die Tür auf und packe meine Unterlagen aus.

Wenn ich nur wüsste, wo ich die Bioarbeiten……

Sechs Schüler sind da, die sich motzend einen Platz suchen. Das ist gar nicht so einfach, gibt ja soviel leere Stühle. (Ich kenne das Phänomen, wenn ich auf einen großen leeren Parkplatz fahre,  weiß ich auch nie, wohin ich mich stellen soll.)
Die Damen und Herren sind äußerst schlecht gelaunt, fühlen sich vom Leben benachteiligt und haben auf alles Lust, bloß nicht auf regulären Unterricht.

An die Bioarbeit denkt zum Glück unter diesen Umständen keiner und ich werde mich hüten, jetzt was davon zu sagen…..
Gülten steigt aufs Fensterbrett, um ein Fenster zu öffnen und besieht sich hinterher fassungslos ihre hellen Hosenbeine.
„Was das!“ schimpft sie, „Voll dreckig hier!“
Ich muss ihr recht geben, gegen den Bioraum war unsere Klasse sogar VOR dem Putzen klinisch rein. Die weißen Tisch sind ekelhaft beschrieben und bemalt und überall liegt dicker Staub.
„Wie wäre es mit ein bisschen Putzen und dann Bio?“ frage ich vorsichtig und alle sind sofort Feuer und Flamme……außer Turgut. Der erzählt gerade Erkan von seiner neuen Heldentat:
Auf facebook hat er bei so einem Spiel 276mal in einer Minute  mit der Maus geklickt…. Weltrekord! Voll jackpott …! Damit kann er bei der bald anstehenden Berufswahl bestimmt echt viel anfangen. Macht sich perfekt im Bewerbungsschreiben! Auf sowas fahren die Arbeitgeber bekanntlicherweise total ab!
Die Mädchen sehen mich augenrollend an.

Ich besorge schnell etwas Putzmittel und ein paar Schwämmchen und schon wird geschrubbt. Nur Turgut…der lässt zu Hause putzen und hat diese niedere Tätigkeit infolge dessen auch in der Schule nicht nötig. Ha! Da kennt der mich aber schlecht. Frl. Krise kann ja mies hartnäckig sein und schließlich gibt er auf und streichelt mit spitzen Fingern und einem patschnassen Lappen seine Tischplatte.
„Guck mal, Gülten, voll der Schwächling,“ sagt Asli und Turgut bemüht sich seufzend um ein bisschen mehr Armschmalz.

Dann machen wir Bio. Macht im sauberen Raum gleich viel mehr Spaß! Zwar kommen wir vom Hölzchen aufs Stöckchen und in der zweiten Prüfung wäre ich wohl mit dieser Stunde glatt durchgefallen, aber macht nix, Hauptsache, alle arbeiten mit.

Später treffen wir im Flur Frau Schneider, die die andere Hälfte meiner Klasse in Bio unterrichtet . „Waren bei dir aus so wenige?“ fragt sie, „wir haben geputzt, war super, deine Leute haben sich richtig reingehängt.“
„Wir haben auch geputzt“, sagt Turgut.
„Du auch, etwa?“ fragt Frau Schneider.
„’türlich“, sagt Turgut und Frau Schneider sieht ihn bestürzt an…..

Übrigens- ihr braucht jetzt nicht schreiben: typisch Lehrer, zu faul Arbeiten nachzugucken, verlieren sie lieber, unordentlich und bla.

Ich habe die Arbeit gefunden! Sie lag in einer Deutschmappe. Und ich habe sie sogar schon nachgeguckt.
Niederschmetternd!

Man sollte sie in die blaue Tonne klopfen…..

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29 Antworten zu Putz mal wieder….!

  1. meineperspektive schreibt:

    Interessant – sobald die Schüler selbst betroffen sind, sind sie gerne bereit, den Feudel zu schwingen. Persönliches Eigentum wiegt eben doch schwerer als mutmaßkich fremdes wie schnöde Atlanten oder Duden.

    Beste Grüße,
    FX

  2. Herr Anton schreibt:

    Blaue Tonne – das würde ich mir zweimal überlegen. Sieht man einmal davon ab, dass solch „niederschmetternde“ Ergebnisse eindeutig in die Kategorie Sondermüll fallen, müssen Sie doch eine neue Arbeit erstellen und korrigieren.
    Weiterhin viel Vergnügen bei spontanen Putzstunden!
    Herr Anton

  3. die Schmith schreibt:

    Doch nicht in die Tonne. Da werden diese Mieseligarbeiten ja recycelt. Neeee. Dann lieber als Grillanzünder verwenden. 😉

  4. Hajo schreibt:

    wäre das nicht eine Idee, die Bioarbeit einfach „unter den Tisch“ fallen zu lassen
    .. so als Belohnung für die „Übriggebliebenen“
    Da fiele Dir sicherlich nicht wirklich ein Zacken aus der Krohne.
    Ob’s allerdings danach besser werden würde, steht sicherlich in den Sternen (oder wo auch immer) 😀

  5. Hajo schreibt:

    sorry, da ist mir doch (Fachidiot Ingenieur) ein „h“ zuviel rausgerutscht: Krone 😦

  6. WarMalSchüler schreibt:

    Bin ich ganz klar auch dafür: entsorgen, neu schreiben.. „die war so schlecht, das machen wir gleich nochmal. Und vorher noch ins Bio Buch schauen schadet auch nicht, wenn man noch nen zusätzlichen Punkt oder mehrere abstauben möchte“

    Denken Sie doch auch mal daran, wie ruhig die Klasse ist, während ein Test geschrieben wird. Das sind für den Lehrer doch 45 Minuten Erhohlung pur.. ok, fast.. da fällt das erneute Korrigieren müssen doch gar nimmer ins Gewicht..

    • frlkrise schreibt:

      Maximale Schreibzeit: 20 Minuten! Neu schreiben bringt erfahrungsgemäß wenig. Wer einmal nicht gelernt hat, lernt in den allerseltesten Fällen beim 2. mal. Traurig, aber wahr.

    • michael schreibt:

      Wenn ich daran denke, dass wir mal ne Arbeit wiederholen mußten, nur weil sie zu gut ausfiel,… .

      • frlkrise schreibt:

        Was war denn das für eine streberschulle?

      • michael schreibt:

        Nix Streberschule, nur ein fähiger Lehrer, bei dem die Schüler ausnahmsweise mal was gelernt hatten. Leider war die schwachsinnige Schulleitung der Meinung, dass die Arbeit viel zu leicht war, weil die schlechtetste Note eine 3 war. Also mußte die Arbeit neu geschrieben werden.

  7. michael schreibt:

    > „wir haben geputzt, war super, deine Leute haben sich richtig reingehängt.“

    Kann es sein, dass die mitmachen, wenn sie unmittelbar den Erfolg oder Mißerfolg ihres Tuns sehen?
    Früher gab es ja neben Kunst auch noch Werken (Hämmern, Feilen, Sägen, .. alles was das Herz begehrt und viel besser und lehrreicher als Grammatik.) Ob es das heut noch gibt?

    > „Waren bei dir aus so wenige?“ fragt sie, „wir haben geputzt,…. “

    Auf Wunsch von Herr Knurrhahn eingefügt:

    „Frl. Krise, darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Ihre Schüler ein Recht auf
    45 Minuten Unterricht haben?“

  8. mascha27 schreibt:

    Was war das Thema der Bioarbeit?

  9. nixverstehn schreibt:

    Ich würde den Schülern erzählen, dass ich die Arbeiten verloren habe, mir das schimpfende Geschwafel anhören und die Arbeiten zufällig unter dem Pult oder sonstwo finden. Geschwafelkontrolle!!!

  10. Frau Antsche schreibt:

    Die Erde ist rund , nichts geht verloren, alles ist in einem Kreislauf, herzlichen Glückwunsch und herzlichstes Beileid.

  11. sockenbergen schreibt:

    Warum ist das unseren Lehrern eigentlich nie eingefallen?
    Wir durften/mussten nie putzen, dafür immer viele komische Vertretungsstunden
    machen und selbst mit 2 Schülern gab es knallharten Unterricht.
    Nur der Mathelehrer in der 10 war okay, wir durften sogar die Mathestunden zum Selbstlernen gebrauchen, weil er eine Knieop hatte statt Vertretungsunterricht. Ich muss sagen, die Mathearbeit damals war die beste, die die Klasse je geschrieben hatte. Ein klasse Zusammenarbeit damals.
    Nur putzen mussten / durften wir nie. Dabei hätten es die Räume echt nötig gehabt.

  12. flosch schreibt:

    Was ich jetzt interessant fand: die Schüler hatten Schwierigkeiten, sich zu entscheiden, wo sie sich hinsetzen wollen? Haben die keine Stammplätze? Also, bei uns gab’s zwar keine Reservierungen, mit voll Ärger wenn Platz falsch! Aber irgendwie hatte ab Woche 3 in jedem Fach (und wir sind viel von Raum zu Raum gezogen) jeder so seinen Platz, den er dann normalerweise auch für mindestens das Halbjahr, und manchmal länger, nicht mehr verlassen hat. Außer bei Stuhlbruch oder ähnlichen Sonderfällen.

    • frlkrise schreibt:

      Doch, sie haben feste plätze, aber wenn nur 6 leute da sind, setzt man sich natürtlich anders hin…ist doch klar!

      • yvys schreibt:

        Natürlich alle in die letzte Reihe 😉

        Habe mir übrigens auf die Empfehlung hier das „Chill mal Frau Freitag“- Buch gekauft. Meine Hochachtung gegenüber Lehrern wächst. Weiter so! 🙂
        Werde sogar langsam neidisch darauf, nicht etwas „anständiges“ zu studieren.

  13. croco schreibt:

    Meine müssen auch putzen.
    Obwohl wir Gymnasiumsschule sind.
    Aber wer Tische vollschmiert kann auch Tische reinigen.
    Hat die Natur so eingerichtet 😉

  14. alleliebenwilli schreibt:

    Erinnert mich an meine Schulzeit. Manche Lehrer haben da so ein Gen dafür, Schularbeiten und Klausuren zu verlieren. Einer hat jedesmal erzählt, ihm wäre der rote Korrekturstift ausgegangen. So oft, bis er zugeben musste, die Arbeit nicht mehr wieder zu finden. Bei ihm gab es auch ein Schuljahr, da wurde keine schriftliche Arbeit gewertet. Entweder war sie zu schlecht oder verloren gegangen. Es hat sich keiner drum beschwert…

    • frlkrise schreibt:

      Ich lege Wert darauf festzustellen, dass ich so ein Gen NICHT habe! (Wär aber auch ziemli. unpraktisch!)
      Ich kenne Kollegen, die Arbeiten im Bus liegen lassen, auf einer Parkbank, in Moskau…usw.

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