Frl. Krise benimmt sich schlecht

Das Publikum unserer Aufführung benimmt sich saumäßig. Es sind nur 4 oder 5 Erwachsene, also Eltern, gekommen, dafür ist aber ist alles an Schülern, was negativen Rang und Namen hat, teilweise auch noch von schulfremden Elementen unterstützt , angerückt.

Während der Stücke werden ständig Stühle gerückt, es wird sich mit Getöse umgesetzt, laute Kommentare werden reingerufen, man unterhält sich völlig ungezwungen, lacht und höhnt.
Die Schauspieler, eben noch auf der Bühne Leidtragende diesen Verhaltens, benehmen sich, kaum dass sie wieder Teil des Puklikums sind, keinen Deut besser.

In einer Ecke ist es besonders schlimm. Es sind etwas 12 Jungen unserer Nachbarklassen und einige meiner Ehemaligen, die zu Besuch gekommen sind. Sie sitzen ganz eng zusammen und versuchen die Aufführungen massiv zu sprengen. Wir fischen welche raus, aber es wachsen neue nach. Ich werde immer wütender, ich könnte echt draufhauen.

Einer der Praktikanten läuft die ganze Zeit mit einer fetten Kamera rum und fotografiert. Er war neulich mit in meinem Unterricht und ist mir äußerst ungenehm aufgefallen, weil er sich unglaublich an die Schüler ranschmiss. Er lümmelte sich betont megacool auf seinem Stuhl, (kein einziger Schüler hing auch nur annähernd so an seinem Platz), klatschte sich ständig mit Schülern ab, laberte mit ihnen wie ein Gleichaltriger und meinte dann auch noch, er käme super mit denen klar- ein ganz einfaches Rezept: Wenn er respektvoll wäre, dann wären die auch respektvoll.
Ach, der arme Tropf.
Die Schüler würden doch bei dem machen, was sie wollten! Denen könnte der gar nichts entgegensetzen. Nur seinen Respekt und der würde ihm schneller abhanden kommen, als ein Eiswürfel im Heißgetränk.

Ich ging nur kurz raus um noch Papier zu holen und als ich wiederkam, hatte er schon seine liebe Müh und Not, die Schüler  überhaupt in der Klasse zu halten. Er stand vor der Türe und alle umdrängten ihn.
Als sie mich sahen, gingen sie sofort sehr bescheiden und respektvoll auf ihre Plätze.

Respekt alleine bringt nämlich gar nicht und je jugendlicher und undistanzierter man sich als Erwachsener benimmt, desto weniger kann man davon erwarten.

Dieser Praktikant ging jedenfalls nach der Aufführung genau zu der Gruppe der beschriebenen Störfälle, kniete sich vor ihnen nieder und begann sie mit seiner dicken Kamera zu knipsen. Er hatte wohl  gescheckt, dass das die tonangebenden Macker sind…. und mit denen wollte er sich natürlich gut stehen.
Die Jungen nahmen immer angeberischere Posen ein und warfen sich voll in die Brust.
Da riss mir der Geduldsfaden.
Stinkwütend, wie ich  ohnehin schon war, schnauzte ich den Praktikanten volles Rohr an: „Mann, musst du dich so bei den Schülern einschleimen, siehst du denn nicht, dass das die übelsten Störer von allen hier sind?! Und zur Belohnung musst du die auch noch fotografieren. Damit die sich noch toller vorkommen oder was…!“
Ich fürchte, ich habe (ziemlich respektlos)  noch ein paar mehr Freundlichkeiten abgelassen und der Arme flüchtete sich mitsamt Kamera zu den anderen Praktikanten, die mich alle leicht düpiert anstarrten.

Ich bin dann mal kurz raus aus der Aula , aber ziemlich gleich wieder rein und habe mich bei dem Praktikanten entschuldigt.

Ich habe ihm erklärt, dass mich das Verhalten dieser Jungen total angekotzt hätte und er hätte es dann leider abgekriegt.
Wenn er die auch  mit seiner blöden Fotografiererei so hervorhebt und würdigt….!
Glaubt man’s denn? Wie blöd kann man eigentlich sein?
Gerade merke ich, ich bin überhaupt nicht beschämt darüber, dass ich mich so schlecht benommen habe…..nein, im Gegenteil, ich werde schon wieder wütend…!

Der hat es doch voll verdient, vallah!

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47 Antworten zu Frl. Krise benimmt sich schlecht

  1. Shannon schreibt:

    Huch, da möchte ich nicht an der Stelle des Praktikanten gewesen sein… Aber Ihre Wut kann ich durchaus verstehen. Merkwürdig, dass ich fast grinsen muss, als ich das lese. Wenn er respektvoll ist, dann sind die Schüler auch respektvoll, das ist eine geniale Idee, und er sicher der erste Mensch, der damit kommt. 😉
    Genau denen Aufmerksamkeit zu schenken, nun, das ist doch auch irgenwie wie immer, oder? Das muss er selbst lernen… Aber ob er das wird? So wie Sie ihn beschreiben… Oh Mensch, Frl. Krise, es ist zu spät für solche Gespräche. Ich versuche es einfach morgen noch einmal.

  2. educatingRita schreibt:

    Ja, das finde ich auch. Habe auch so ein „Problem“ im Kollegium. Man stellt Regeln auf und der „Schülerschleimer-Lehrer“ reißt sofort alles wieder ein, damit er wieder besser schleimen kann. Man geht mir das auf den Keks. Wenn ich die Regel dann durchsetze, bin ich natürlich die Böse! Ich habe das Gefühl, als ob ich gegen Windmühlen kämpfe. O-Ton: Ach, die armen Kleinen, ist doch voll ok, wenn die mich Atze nennen. Und duzen ist für mich auch in Ordnung. Nein, das ist mir nicht zu laut in der Klasse, die sind eben sehr lebhaft….
    Dumm nur, dass die Schüler nun denken, dass sie auch andere Lehrer mit Atze ansprechen können! Also, wer hat den Ärger? Ich natürlich………. mein Name ist nämlich Frau Rita 😉

  3. Ja, so ist das mit den Kumpel-Typen. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht irgendwann dabei ertappt, wie man bei den Schülern um die ‚Beliebtheit‘ mit so einem Kumpel konkurriert.
    Toll, wenn Leute (die bis dahin noch keine Lehrer waren) meinen, wie man mit Schülern umgehen muss, damit der Laden läuft. Der Praktikant hat noch nicht erkannt, dass man den Respekt bei den Schülern in der Rolle des Lehrers gewinnen muss und nicht in der des Kumpels. Und wenn Schüler von Lehrern respektiert werden wollen, muss schon mehr passieren als Macker-Gehabe in der Pausenhalle.

  4. Ja, so ist das mit den Kumpel-Typen. Man muss nur aufpassen, dass man sich nicht irgendwann dabei ertappt, wie man bei den Schülern um die ‚Beliebtheit‘ mit so einem Kumpel konkurriert.
    Toll, wenn Leute (die bis dahin noch keine Lehrer waren) meinen, wie man mit Schülern umgehen muss, damit der Laden läuft. Der Praktikant hat noch nicht erkannt, dass man den Respekt bei den Schülern in der Rolle des Lehrers gewinnen muss und nicht in der des Kumpels. Und wenn Schüler von Lehrern respektiert werden wollen, muss auch mehr passieren als Macker-Gehabe in der Pausenhalle.

  5. Sisi schreibt:

    Er wird früher oder später merken was er davon hat. Aber ehrlich gesagt versucht er wenigstens einen Weg zu finden. Das dieser nicht funktionieren wird, merkt er noch früh genug.

  6. boxi schreibt:

    vermutlich hätte ich auch so reagiert oder wäre wegen „nervigkeit“ rausgegangen. ich hab natürlich keine ahnung was für eine art praktikant er ist, denn mit manchen kann so eine art kumpeltyp ja ok sein. wenn er aber selbst mal zumindest teile der stunde leiten soll, hättest du jegliche autorität der kinder dem praktikanten gegenüber vernichtet. da jetzt wieder rauszukommen ist sehr schwer.

  7. Seifenfrau schreibt:

    Frlkrise, das muß der Praktikant halt noch lernen!
    Und Sie helfen ihm doch gut dabei!
    Nun geben sie ihm doch noch eine Chance, evtl noch eine Nachhilfestunde?
    Vielleicht ist er ja ein Einzelkind ohne viel Sozialerfahrung?
    Nun nehmen Sie ihn mal unter ihre Fittiche, ja?

  8. oxypelagius schreibt:

    Die Hirnis rätseln dann warum die Schulen, welche besonders strenge Regeln – gerne mit Schuluniform signalisiert – besonders erfolgreich sind. Die Schüler lernen gerne, viel und nachhaltig. Das funktioniert nur, wenn der Rahmen definiert ist: Alle Primärtugenden sind selbstverständlich, die Sekundärtugenden soweit es die Jugend nicht als Jugend, der Schönheit des Heranwachsens, bedroht auch gelebt und gelehrt. Werden unsere “ Spacken“ ( Berliner Spezialausdruck) einmal befragt, was ihnen wichtig ist, werfen sie sich in die Brust: “ Respekt Mann! Respekt!“ Für wen oder was, aktiv oder nur passiv, wissen sie schon nicht mehr. Am Weihnachtstag 2007 ( Zufall) stoppte einer dieser Respektspersonen eine vollbesetzte Rolltreppe der Ubahn „Spaaaß“ per Notaus. Es wäre beinahe einige Leute runtergepurzelt. Als ich ihn fragte, was er sonst noch könne, fuchtelte er mir mit einem Butterflymesser vor der Nase rum. Ich schlug ihm reflexartig mit der Faust auf die Nase. Der Held lief schimpfend und schreiend davon. Ich fühlte mich, trotz schwellenden Knöchels, gar nicht so schlecht.

    • Schwarzmüller schreibt:

      Hmm… Gewalt ist doch aber keine Lösung….
      Und wenn diese Person zugestochen hätte? Dann hätten wir am Abend in der Tagesschau von einem neuen Helden mit viel Zivilcourage gehört?

  9. oxypelagius schreibt:

    .. Regeln durchsetzen.. muss es heissen

  10. Germanistikstudentin schreibt:

    Gestern bin ich zufällig auf diesen Blog gestoßen und kann gar nicht mehr aufhören zu lesen. Sie Ärmste, was sie da mitmachen müssen, das ist ja grauenhaft! Diese Menschen benehmen sich ja wie Tiere! Das ist unbegreiflich. Und so bildungsresistent, dass man fast weinen möchte… Hier in Finnland gibt es so etwas (noch) nicht in dieser Form. Alles ist ganz anders, angefangen damit, dass es nur eine Schulform für alle gibt, und dass die wenigen Flüchtlinge und Einwanderer, die wir haben, meist Somalis, so auf Klassen und Schulen verteilt werden, dass sie immer eine finnische Mehrheit um sich haben. Alle lernen mindestens zwei Fremdsprachen in der Schule, meistens Englisch und Schwedisch (Pflicht, da zweite Landessprache). Wenn man eine andere Muttersprache als Finnisch hat, probiert die Schule, einen Lehrer für diese Sprache zu finden, und man hat dann automatisch Finnisch als erste Pflichtfremdsprache. In Helsinki gibt es glaube ich sogar eine Schule, an der man als Fremdsprache Chinesisch oder Japanisch lernen kann. Um ein Minimum an Bildung kommt man hier einfach nicht herum, und niemand benimmt sich so asozial, dass er eine Theateraufführung sabotieren würde. Und das, obwohl die Lehrer hier normalerweise geduzt werden… Die Schüler, die Abitur machen wollen, machen nach der 10. Klasse einfach noch zwei Jahre weiter, während die anderen eine Ausbildung anfangen. Allerdings haben wir auch Aufnahmeprüfungen für die Universität, auf die man sich lange hart vorbereiten muss, weil es nur eine bestimmte Zahl von Studienplätzen gibt. Wenn man da wirklich hin will, geht es eben nicht ohne eigene Anstrengung und harte Arbeit. Das versteht auch jeder. Wer trotzdem in der Schule versagt, bekommt kostenlose Extranachhilfe von den Lehrern in speziellen Förderklassen, nach dem Motto „Kein Kind wird zurückgelassen“. Wenn jemand hier seine Chancen nicht nutzt, ist er selber schuld. Fragt sich nur, wie lange das noch so gut geht. In Finnland geht es mit allem genauso bergab wie im Rest von Europa. Hier gibt es auch immer weniger Geld und immer mehr Staatsschulden. Aber im Moment ist alles noch gut…

    Sie tun mir wirklich leid bei diesen Zuständen, die sie ertragen müssen, und die Schüler auch, die offensichtlich nicht kapieren, dass sie sich mit ihrem Verhalten nur selber Eigentore schießen. Hoffentlich tragen ihre Mühen doch noch Früchte, beim einen oder anderen zumindest.
    Ich wünsche Ihnen viel Kraft, Energie, Ausdauer, Erfolg und Rückenwind bzw. „tsemppiä“! 🙂 Sie leisten übermenschliche Arbeit und verdienen es nicht, auf so undankbare Art verheizt zu werden. Aber ich bin mir sicher, dass Ihre Schüler Sie nie vergessen werden. An seine besten Lehrer erinnert man sich nämlich ein Leben lang.

    Viele Grüße aus Finnland
    von einer neuen Leserin

    • frlkrise schreibt:

      Nein, wie Tiere weise ich zurück! Sie benehmen sich in der Gruppe so schlecht, pubertierende kleine ungebildete Machos. Einzeln sind sie durchaus auch liebenswert!
      Aber wie es nun mal so ist: in einer ungünstig zusammengesetzten Gruppe schwindet der Verstand vorübergehend.

      • Soninke schreibt:

        Eigentlich hätte man durchaus annehmen können, dass Sie nach dem gestrigen Erlebnis zwecks Stressabbau dankbar jeden Zuspruch hier auf dem Blog einsammeln.

        Dass Sie dennoch aus dem (durchaus informativem Beitrag über das finnische Schulsystem) genau jene no-go-Äußerung über die wilden Tiere kritisch herausgreifen und nicht auf den Zug allgemeines Schülerbashing aufspringen, sondern das Verhalten der Schüler situationsbezogen differenzieren, genau das macht die Qualität Ihres Blogs aus.
        Respekt, Frl. Krise!

  11. Ute schreibt:

    Zitat: „Respekt alleine bringt nämlich gar nicht und je jugendlicher und undistanzierter man sich als Erwachsener benimmt, desto weniger kann man davon erwarten.“

    Sehr schöner Satz. Genau auf den Punkt. Signalisiert so ein Benehmen doch nichts anderes als „ich will zu euch gehören“. Man ist Bittsteller – und hat sich somit automatisch selbst entmachtet.

  12. moebelexperte schreibt:

    So hat ja jeder am Ende – wie auch immer – seinen Auftritt gehabt. Also hat die Veranstaltung doch ihren Zweck erfüllt. Ihr Zorn zeigt, dass Sie sich ein Stückweit in den Kampf um Aufmerksamkeiten haben hinein ziehen lassen. Man muss dies aber nicht zwingender Weise tun.

    Gute Besserung
    🙂

  13. cassa schreibt:

    mhm… Ich glaube, ich hätte die Aufführung einfach abgebrochen… Wäre sicher ein Schock für alle gewesen, aber evtl. ein heilsamer?

    • frlkrise schreibt:

      Nein! Die karawane zieht weiter….. Und was ist mit den Darstellern? Die werden doch dann hauptsächlich bestraft.

      • cassa schreibt:

        Öhm… Kleine Privatvorführung vor ausgewähltem Publikum (die 5 Eltern)? ;o) Oder Eintritt! Oder Theateraufführungen nur in direkter zeitlicher Konkurrenz zu anderen, für Krawallierende attraktiveren Events…

  14. kuestensocke schreibt:

    Frl. Krise, hier hat sich nur der Praktikant schlecht benommen! na und die Schüler.
    Immer dieser Reflex, sich zu entschuldigen….hätten Sie nicht tun müssen, ist meine Meinung. Der Praktikant müsste sich bei Ihnen entschuldigen – hat wohl nicht kapiert wie es laufen sollte. Wer ordentlich unterrichten will (und sei es in er Zukunft), der muss nunmal die Seite wechseln, und kann nicht mehr zum Lager der Schüler gehören.
    Also nicht mehr ärgern Frl. Krise und heute schön erholen.

  15. Lunocat schreibt:

    Frl. Krise,
    der Spiegel berichtet u.a. über Sie: http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,748463,00.html

    Grüße
    Lunocat

  16. sic schreibt:

    Erinnert mich an den letzten Referendar hier, zwei Wochen her. Kein Gruß, als er das Lehrerzimmer betritt, stellt sich vor einen hin, Hände in den Taschen, und kündigt die Hospitation in der bevorstehenden Stunde an. Nachdem man zweimal nachfragt, ob er denn weiß, das er gerade mit jemandem spricht, geht ihm ein Licht auf, und die Hände sehen die Umwelt wieder. Auf die nächste Frage, ob er sich den für die Hospitation angemeldet habe, kommt ein „Nein, wieso?“. Nachdem man ihm dann erläutert, daß es Stunden gibt, bei denen eine Hospitation witzlos ist, weil man beispielsweise eine Arbeit schreibt, und das man gerne gefragt wird, ob man einen Hospitanten mit in die Klasse nimmt, kommt immerhin die Frage, ob es denn diese spezielle Stunde jetzt gehen würde, und ob er dann auch hospitieren darf. Immerhin war seine Nachbereitung der Stunde halwegs brauchbar.

    Man darf nie vergessen, daß Praktikanten wie auch Referendare immer noch Schüler sind. Sie lernen zwar woanders, und versuchen teilweise, ihr Auftreten von heute auf morgen zu ändern, was den Kontakt mit zukünftigen Kollegen angeht, aber soweit sind so oft lange noch nicht. Und dann ist das einzig richtige, in den Volllehrermodus zu wechseln, und die Tippeltappeltour, die man mit 5t-klässlern macht, die all die Kommandos aus der Unterstufe noch draufhaben, und auf ‚wir setzen uns ordentlich hin‘ auch tatsächlich noch reagieren, mit den eigentlich schon erwachsenen durchzuziehen. Die Reflexe funktionieren auch da noch, man muß nur dran denken, daß der/diejenige erst ein paar Jahre raus ist.

    • frlkrise schreibt:

      Das kommt mir seeeeehr bekannt vor.
      Volllehrermodus..haha…ja, in dem war ich gestern…!

    • Erziehungshilfestudentin schreibt:

      Ich finde es ganz schön fies so mit einem Referendar umzugehen. Waren sie denn nie in der Ausbildung? Und ihr Verhalten war immer einwandfrei? Ich hoffe ich komme in meinem Referendariat nicht an einen Lehrer wie sie. Ich habe schon drei sehr unterschiedliche Schulen in meinem Studium erlebt (LA f. FöS). In der ersten fühlten wir uns willkommen und durften überall hospitieren, wir konnten alles und jeden fragen und bekamen von den zukünftigen Kollegen viele wertvolle Tipps. In der zweiten Schule mussten wir am Lehrerzimmer jedesmal klopfen, wenn wir rein wollten – es war permanent verschlossen und wir bekamen (trotz 5 Wochen Anwesenheit) keinen Schlüssel. Hier waren wir Praktikanten bei den meisten Lehrern unerwünscht. Es fielen Worte wie: „Integration – nein Idioten wollen wir hier nicht haben, die können mal schön auf der SONDERschule bleiben.“ Tja und meine Praxisanleiterin war dann laufend auf Tagungen, krank zuhause, krank mit Kind zuhause, auf Klassenfahrt mit einer anderen Klasse. Sehr befriedigend – ich durfte nämlich ALLEINE ihre 7. HS Klasse unterrichten in Mathe, Geschichte, Religion, Deutsch und Kunst. Die Schüler waren extrem unverschämt und ich bekam sehr oft den Satz zu hören: „Was wollen sie denn machen, sie können uns ja keine Noten geben! Sie sind ja nur Praktikantin!“ In den Pausen wurde in dieser Schule auf den Touiletten geraucht und keiner der „Volllehrer“ sah da wirklichen Interventionsbedarf. Ich beschreibe hier übrigens eine Schule mit sehr kleinem Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund!
      Na und meine dritte Praktikumsschule? Ein Traum – ich würde gern sofort da anfangen. Nette Kollegen, die differenzieren können zwischen Schülern und Studenten! Ich wurde sofort mit in das Kollegium aufgenommen und bekam einen Platz neben meinem sehr motivierten, aufgeschlossenen Mentor. Er ließ mich an Entscheidungen teil haben und an der Beratung von „Volllehrern“ (ja, die Studentin mit dem totem Unifachwissen durfte alte Kollegen beraten – die sich im Anschluss bedankten!!!).
      Praktikanten und Referendare sind keine unmotivierten Schüler – wir treten uns selbst oft genug in den Hintern. Wenn es Anlass zu Kritik gibt, dann kann man diese sachlich und direkt äußern, nicht durch dämliche Andeutungen!

  17. TylerDurden schreibt:

    Liebe Fräulein Krise,

    ich bin über den SPON Artikel auf Ihr Blog gestossen und war von der ersten Sekunde an fasziniert: Sie beschreiben den offenbar sehr herausfordernden und harten Schulalltag in einer wunderbaren, sehr gut zu lesenden Art und Weise. Ich selber bin kein Lehrer und würde mir deshalb auch niemals anmassen zu behaupten, ich wisse „wie man mit den Schülern umzugehen hat“ – obwohl einige meiner Freunde Lehrer sind und ich schon oft Zeuge ähnlich verlaufender Diskussionen bei abendlichen Raclette-Gelagen wurde.

    Derzeit arbeite ich in Finnland und leite zwei Softwareprojekte. Die Zusammensetzung dieser Projekte ist wahrlich international: Inder, Bangladeshi, Finnen, Kolumbianer – alles vertreten. Und während ich so Ihre herrlichen Zeilen lese, entdecke ich immer wieder Parallelen zu meiner aktuellen Situation! So „unglaublich“ das auch klingen mag (immerhin habe ich es hier mit erwachsenen Menschen zu tun – sollte man meinen), aber die Frage nach Respekt und wie man ihn sich erarbeitet stellt sich natürlich auch hier: Kumpelmasche? – dann wird aus dem Projekt ganz schnell ein TEAM („Toll ein andrer machts“). Laufen lassen? Dann werden alle Zeitpläne und Deadline gerissen. Garantiert.

    Ich befürchte, das Sie mit ihrer Beobachtung, das die kollektive Intelligenz mit steigender Gruppengrösse abnimmt (oder sich zumindest „verlagert“ – (-: ) nicht nur ein „Naturgesetz“beschreiben, sondern das sich dies altersunabhängig und landes-unabhängig verhält und somit eher eine „Naturkonstante“ darstellt.

    Nichtsdestotrotz: Ihnen und Ihrer Arbeit gilt meine ehrliche Hochachtung und ich wünsche mir für die Zukunft, das meine Kinder das Glück haben, Lehrerinnen wie Sie zu bekommen!

    Herzliche Grüsse aus Finnland,
    TD

  18. GH schreibt:

    Gratulation zur Erwähnung bei Spiegel-online: jetzt würde es sich endlich lohnen Werbung zu schalten 😉 zb für Nachhilfeinstitute
    http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,748463,00.html

  19. Hektor der Drache schreibt:

    *seufz* Liebes Frl. Krise,
    haben Sie vielleicht auch eine klitzekleine positive Praktikantenerfahrung in diesem Durchgang gemacht?
    Sind wir echt alle so merkbefreit und lernresistnt? Macht das die Gehirnwäsche in der Uni mit uns?
    Praktikant sein ist nämlich wirklich voll nicht einfach! Da muss man nämlich immer zwischen Schulrealität, Praktikumsberichtsillusionen/-dozentenwünschen und eigenen Panikattacken vermitteln und gleichzeitig versuchen nicht vor Langeweile bei den Hospitationen zu sterben. Aber da gibt es doch sicher auch Praktikanten mit guter Erziehung, die einen für alle vertretbaren Mittelweg finden, oder?
    Langsam verstehe ich, warum so viele Schulen keinen Praktikanten mehr nehmen…
    Ich hoffe, ich habe mich ein klein wenig besser angestellt 😉

    • frlkrise schreibt:

      Ja, doch, selbstverständlich! Mit drei sehr netten aufgeschlossenen Praktikanten hatte ich zu tun! Natürlich gibt es IMMER auch SEHR engagierte und fitte Praktikanten.

      • Frau Buntstift schreibt:

        Liebes Fräulein Krise,
        ich konnte Ihren Unmut gestern recht gut nachvollziehen, war aber des Nächtens nicht mehr in der Lage zu reagieren.

        Ja was soll ich sagen?!
        Ich bewundre Ihre Größe sich entschuldigt zu haben.
        Vorbildlich.
        Vielleicht hat der Herr Praktikant durch die Entschuldigung gemerkt wie unangemessen er sich verhalten hat.

        (Und Sie sind hoffentlich auf der Couch!)

        Gruß von Ihrer mitfühlenden Frau Buntstift

      • kunstlehrerin schreibt:

        liebes frl. krise, frau freitag war doch ihre referendarin.!? das war doch sicherlich auch eine bereicherung für beide seiten.
        der praktikant ist nach ihrer beschreibung wirklich ein unsympath. aber ich will hier noch mal dem kommentar von hektor dem drachen nachdruck verleihen:
        schulpraktikum und referndariat sind einfach total schwierig und oft sehr unangenhem. gerade weil man diese grätsche zwischen lehrer-sein und schüler-sein vollführen muss und ansprüchen von sämtlichen seiten genüge tuen soll. und zusätzlich zu all den neuen eindrücken und anforderungen steckt man ständig in situationen in denen man merkt, dass man das alles eben echt noch nicht kann und dann manövriert man sich irgendwie so zwischen lernen und lehren hindurch und wenn man dann noch zu dieser überforderung auf ablehnung im kollegium stößt oder ungewünscht bei hospitationen ist, wirds noch unangenehmer. man muss schließlich hospitieren. glücklicherweise habe ich ein wirklich nettes kollegium und erfahre sehr viel unterstützung, aber ich höre von anderen ständig referendariats-schauergeschichten.
        ich finde ihre reaktion sehr nachvollziehbar und ich freue mich trotzdem für den praktikanten, dass sie sich sogar noch dafür entschuldigt haben. mit sicherheit wird er so eher noch mal über sein verhalten nachdenken.
        viele grüße von einer maximal viertel-lehrerin, zur voll-lehrerin ist es noch sehr weit.

  20. yvys schreibt:

    Der arme Praktikant ist in den typischen Selbstschutzmodus verfallen: Wenn ich lieb zu den Bösen bin und mich mit ihnen anfreunde, dann müssen sie auch lieb zu mir sein. Fehler der Logik: Bösewicht bleibt Bösewicht. Oder auch Störenfried Störenfried…

    Wenn man noch jung ist, fühlt es sich einfacher an sich mit den Schülern anzufreunden, als den älteren „der Feind“ zu sein…

    Erwachsen werden ist schwer. Kopf hoch!

  21. GH schreibt:

    Wie alt ist denn so ein Praktikant? Wenn man doch bereits Abitur und Wehrdienst hinter sich hat, „verbrüdert“ man sich doch nicht mit 15-16 jährigen…?

  22. Andreas schreibt:

    Wieso ENTSCHULDIGT ?

    Solche Kandidaten haben wir dann spaeter in der Lehre – anstatt zu leisten, erwarten sie Nachsicht fuer jede ABSICHTLICHE Gammelei…

    Armes Deutschland.

    • frlkrise schreibt:

      DEN habt ihr nicht in der Lehre, sehr vermutlich. Dieser Praktikant ist ein Lehramtsstudent…..! Die müssen in der Schule ein 4-wöchiges Praktikum machen, das gehört zum Studium.

  23. bibliomanin schreibt:

    Woa, und der ist Praktikant, d.h. er will selbst mal Lehrer werden? Na dann viel Glück…

  24. Pingback: Ein Blog als eine Art Therapie? | Mein WordPress Heft

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