MfG…

Frau Freitag erzählt immer von ihren herrlichen Stunden…wie spannend das ist und wie sich die Schüler in die Arbeit stürzen und dann erst die Ergebnisse!!
Na ja, das kann ich zur Not auch:
Deutsch. Es geht um das Thema Briefe schreiben. Nein, leider keine Liebesbriefe (gibt’s das noch?) sondern offizielle Briefe!
Unsere Schüler schreiben so was oft, nämlich ihre Entschuldigungzettel fürs Fehlen. Ob die Eltern dazu morgens zu faul oder des Schreibens nicht mächtig sind, soll hier jetzt nicht erörtert werden.
Jedenfalls unterschreiben die Eltern das Kinder-Geschreibsel dann  noch und fertig ist die Entschuldigung.
Meistens bekomme ich  einen abgerissenen,  karierten Zettel, ein Drittel so groß wie ein Din A 4 –Bogen in die Hand gedrückt. Man spart, wo man kann.
Der Text tut noch ein Übriges:

Liebes Frl. Griese.
Ich möchte  mein sohn Theo endschuldigen, weil er gefelt hatt, weil er hate eine gripalen Infegt. Ich möchte sie bedanken für das Verstendnis.
Krickekrackel
(Unterschrift)

Insgesamt  dringend überarbeitungswürdig. Das wäre doch ein Super-Einstieg ins Briefe schreiben….

Ich habe diese durchschnittlich gräßliche Entschuldigung kopiert und teile sie aus.  Das heißt, Hanna teilt aus. Sie liebt das.
Die Namen in der Entschuldigung sind geschwärzt. Die Klasse wird ja nicht erwähnt.
Die Schüler sollen nun in Partnerarbeit nach allem fahnden, was falsch ist.

Am interessantesten finden sie natürlich die geschwärzten Stellen. Alle wollen unbedingt herausbekommen, was da ursprünglich stand. Eifrig wird das Blatt hin und her gewendet, gegen das Licht gehalten, mit einem zusammengekniffenen Auge genau geprüft, es werden Vermutungen ausgestoßen und ausgetauscht.
„Vallah, ich kenne die Schrift! War Ali, aus 10a!“ Hassan ist sich sicher.
„ Was redest du! Ist voll Mädchenschrift!“ findet Aynur.
„Kinder, darauf kommt es doch überhaupt nicht an!“ sage ich ungeduldig und mit null Verständnis für die einzige interessante Frage, die es im Zusammenhang mit dieser Enschuldigung gibt!

„Jetzt fangt doch mal endlich an!“ drängele ich, schließlich hatte ich ungefähr acht Minuten für diese Phase eingeplant und sechs sind schon rum.
Alle berappeln sich endlich und schreiben brav auf den Zettel, was fehlt, Datum und Zeitraum des Krankseins und: „Nein! M f G geht nicht! Das heißt: Mit freundlichen Grüßen!“
Natürlich muss ich, von einem kleinen inneren Teufel gezwungen, sofort leise M f G – Mit freundlichen Grüßen, die Welt liegt uns zu Füßen und wir stehn drauf, wir gehen drauf …von Fanta 4 skandieren.
Zum Glück kennen das meine Kinder nicht mehr, sonst wäre gleich wieder alles zusammengebrochen. Nur Emre guckt mich schräg von unten an, so als sorge er sich ein bisschen um meine geistliche Gesundheit.
Auch die Rechtschreibfehler werden mit Hilfe des Duden unter großem Gestöhne dingfest gemacht und mit den richtigen Wörtern und  unter meinem mütterlichen Zureden wird ein neuer Text gebastelt.
Dann dürfen alle ihren Text auf eine Overheadprojektorfolie schreiben.
Großes Geschrei, jede Minigruppe will ihre Entschuldigung zuerst an die Wand schmeißen.
An der steht dann:

Liebes Frl.Krise,                                                                              14.2.2011

Bitte entschuldigen Sie das Fehlen von meinen Sohn Theo, Klasse, 9.a. Er hatte einen grippalen Infarkt von 12.-13.-2.11. Er war Arzt.

Mit freundlichen Grüßen
Unterschrift

Fast perfekt! Allerdings der Infarkt…na, das klären wir demnächst mal in Bio.
Die anderen wollen ja auch noch dran kommen…

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51 Antworten zu MfG…

  1. Erbloggtes schreibt:

    Ich finde, darauf sollten Sie noch einige Schulstunden mehr verwenden. Schließlich ist das eine lebensnahe Kernkompetenz. Und im Berufsleben macht es ganz schön was her, wenn man saubere DIN-A-4-Geschäftsbriefe einreicht, um sich zu entschuldigen, dass man wegen eines leider dringend notwendig gewordenen Zahnarzttermins eine halbe Stunde verspätet zur Arbeit erscheint. 😉
    Anstelle einer Klassenarbeit könnten Sie dann auch einfach die Entschuldigungsschreiben der Schüler aus dem nächsten Halbjahr auswerten und benoten, ob sie etwas aus dieser Unterrichtseinheit gelernt haben.

  2. umblaettern schreibt:

    Natürlich muss ich, von einem kleinen inneren Teufel gezwungen, sofort leise M f G – Mit freundlichen Grüßen, die Welt liegt uns zu Füßen und wir stehn drauf, wir gehen drauf …von Fanta 4 skandieren.

    << Das hab ich gemacht, sobald ich die Überschrift gelesen habe.

  3. anna schreibt:

    Danke, jetzt habe ich ’nen Ohrwurm ;-). Übrigens hat bei mir auch schon das MfG alleine gereicht, funktioniert immer. Hätte ich damals geahnt, wie lange er mir erhalten bleibt, hätte ich den Text nicht auswendig gelernt — nur um eine lächerliche Wette ohne ernsthaften Einsatz zu gewinnen…

    Den „gripalen Infegt“ finde ich beeindruckend; hätte gedacht, man kennt den Begriff entweder überhaupt nicht oder gleich in der richtigen Schreibweise.

  4. Dreystein schreibt:

    hmm,

    der Ort fehlt noch und Arzt sein ist an sich schon eine Entschuldigung.

    mfg
    Dreystein

    • michael schreibt:

      Den Ort wird Frl. Krise entfernt haben, sonst wüßten wir ja, in welcher Stadt sie unterrichtet.

    • Hajo schreibt:

      „.. Arzt sein ..“
      Dreystein: es heisst in dem Schreiben: er WAR Arzt und da er offensichtlich noch am Leben ist, bleibt nur der Schluss, dass ihm die Approbation entzogen wurde.
      .. war da nicht kürzlich etwas in einem anderen Fachgebiet? 😉
      Immerhin, er lebt noch und besucht auch wieder (mal) die Schule. Man sollte auch für Kleinigkeiten dankbar sein, oder?

  5. Shannon schreibt:

    Ach, Frl. Krise,

    das ist doch mal schülernaher Unterricht. Endlich lehren wir die Schüler etwas fürs Leben, etwas, das sie tatsächlich gebrauchen können. Obwohl ich als Deutschkollegin ja zwischendurch wirklich vor dem Herzinfarkt stand -und ich meine hier nicht Infekt. Dennoch, wenn man als Lehrer schon für das Verständnis bedankt wird, kann das Ganze ja so schlimm nicht sein, oder?
    Das mit den Zetteln treiben wir unseren übrigens seit einem guten Vierteljahr aus. Es sollen jetzt alle wie die Oberstüfler ein Entschuldigungsheft führen. Aber ob das klappt wage ich doch zu bezweifeln…

    MfG,
    Shannon (die das Lied zu singen begonnen hat, als sie den Titel las)

  6. Sanna schreibt:

    Also wüüüürklich. Sie sind aber pingelig! Wenn die Rechtschreibung (fast) korrekt ist, könnten Sie nun wirklich darüber hinweg sehen, daß der Infekt sich zum Infarkt ausgewachsen hat. Immerhin war Theo laut Schreiben ja sogar Arzt! Seine Selbstdiagnose ist sicherlich voll korrekt. Bestümmt!!!
    🙂

  7. notizbuchfragmente schreibt:

    Sehr schön (oh, mein erster Kommentar hier)!

    Frank McCourt hat ein ganzes Kapitel auf die Entschuldigungszettel verwandt und das fast genauso aufgezogen – er hat aber seine Schüler selbst Entschuldigungen schreiben lassen, als kreatives Schreiben. Kommt aus dem Buch „Teacher Man“ von Frank McCourt, Kapitel 6, S. 83-90. Sehr cool … 😉

  8. theomix schreibt:

    Das heißt doch „krippaler infarkt“ 😯
    und den gibt es doch bloß um weihanchten herum…

  9. IO schreibt:

    Das der kleine Theo schon jetzt seine Karriere als Mediziner hinter sich hat…
    Vielleicht hatte er sich den Doktortitel geGutenbergt. Das wurde auch den frühen Abschied aus der Profession erklären…
    Ob zu Gutenberg nun auch wieder zur Schulbank zurückkehrt?

  10. Andre schreibt:

    Präpositionen scheinen immer mehr aus der Mode zu kommen – Theo war Arzt, Ömür war Döner und sogar meine sonst nicht sprachsparsame Schwagercousine geht ständig Klo 🙂

  11. fraufreitag schreibt:

    Also Frl. Krise…du planst deinen unterricht in Minuten…wer soll denn das glauben? Und wann hast du denn diese Stunde gehalten? 🙂 Und jetzt komm mal von diesem kranksein – arzt thema weg. am ende wirst du auch noch krank…

    • frlkrise schreibt:

      Danke für Fanta 4! Das war die letzte deutschstunde in meiner Klasse! Und das mit den Minuten habe ist mir in Fleisch und Blut übergegangen…das brauche ich nicht mehr zu planen…ätsch!

  12. bohemia1973 schreibt:

    Früher war alles besser …
    Nee, echt jetzt mal, *AUA*

  13. tonari schreibt:

    Und in einer der nächsten Stunden wird ein gemeinsames Formular entwickelt:
    Lückentext für Schulfreistellungen. 😉

    Leider ist in Brief 2 nun Dank für Verstendnis auf Strecke geblieben, aber dafür war er ja Arzt. 😆

  14. fraufreitag schreibt:

    ach kinder… kindermund rund und bunt.

  15. die Schmith schreibt:

    Ich war ja nicht Ärztin und habe dropsdem grippalen Infarkt. Hab ich mich angesteckt bei Freundin und hab ich nicht geschrieben Entschuldigung, weil hab ich einfach angerufen. Telefon gute Erfindung. 😉

    Besagte Freundin versteht diese Art zu sprechen übrigens gar nicht. Die guckt dann ganz irritiert und will wissen, ob ich nicht doch besser was anderes nehme, es scheint mir ja nicht gut zu tun. 😉

  16. nadineswelt schreibt:

    *auch mitsing*
    Mfg, mit freundlichen Grüßen, die Welt liegt uns zu Füßen und wir stehen drauf. Wir gehen drauf für ein Leben voller Schall und Rauch, bevor wir fallen, falln wir lieber auf!
    Kann jetzt vermutlich NICHT schlafen, wegen Ohrwurm. Supa.

  17. ST schreibt:

    *LOL*
    Theos Todesanzeige! Die Familie trauert um ein wertvolles Mitglied.
    „Er war Arzt….“ 😀

    Vielen Dank für den Lacher am Abend!!

  18. Conny schreibt:

    Sehr gewählt formulierte Entschuldigungen können da durchaus mithalten.

    Beispiel:
    „Sehr geehrter Herr xyz,

    bitte entbinden sie meine Tochter Jaqueline beim Schwimmen“

  19. Twix schreibt:

    Wie jetzt, „er war Arzt“. Wieso „war“? Ist er jetzt nicht mehr Arzt? Hat er umgeschult?? Aufgestiegen, zum Chirurg?? Versteh ich nicht…

    • nixverstehn schreibt:

      Es fehlt das Wörtchen „beim“ im Satz „Er war Arzt“. Die richtige Stelle verrate ich aber nicht!

  20. Ulla 39 schreibt:

    Diesmal nehme ich als Gewinn aus dem humorigen Text das Verb „guttenbergen“, „sich etwas Guttenbergen“. Danke!!

    • Ulla 39 schreibt:

      Entschuldigung! Natürlich „sich etwas guttenbergen“!

      • Annika schreibt:

        *lach* DEN Begriff hab ich auch noch nicht gehört … sich etwas guttenbergen … merk ich mir 🙂

      • zimtapfel schreibt:

        Anstelle von abschreiben im Sinne von plagiieren sagt man jetzt auch „abguttern“. 😀

      • nixverstehn schreibt:

        „sich etwas von und zu guttenbergen“ bitte. Alles ohne Präpositionen. Ich bin doch nicht in der Klasse von Frl. Krise…

  21. Brunhildegard schreibt:

    Hm, ich glaub auch eine Entwicklung eines Formulars für die Zukunft ist wohl sinnvoller 😉
    MfG
    Brunhildegard, die froh ist dieses Blog heute gefunden zu haben

    • renosch schreibt:

      Mensch, Brunhildegard, das heißt doch

      „Bin froh Blog gefunden.“

      Präpositionen werden doch so was von überbewertet!

  22. Kat schreibt:

    Abgerissene Zettel werden akzeptiert? Wow!

  23. bibliomanin schreibt:

    Hach, ein grippaler Infarkt, herrlich 🙂 Aber es stimmt schon – wie viele Schulstunden gehen dafür drauf, sich mit (eigentlich) Selbstverständlichem zu beschäftigen, mit etwas, das die Kinder ab einem gewissen Alter beherrschen sollten?
    Das ist sehr schade und zeigt, dass auf vielen Gebieten noch viel Arbeit geleistet werden muss.

  24. Seifenfrau schreibt:

    …alles köstlich,
    aber sich etwas „von und zu guttenbergen“ ist seht gutt…äh gut.
    MFG heißt übrigens auch Mitfahrgelegenheit.

  25. nix schreibt:

    Frl. Krise … Wo sind Sie? Sind Sie krank? … Gestern gab es gar keinen Blogeintrag *schnief*

    … Und das ohne Vorankündigung und Entschuldigung … ts … lassen Sie doch eine Entschuldigung von Ihren Schülern verfassen 😉

    • frlkrise schreibt:

      Liebe/r Nix,
      Frl. Krise war Elternsprechtag bis 20.00 Uhr. Danach sie war tote Lehrerin…aber hat mir gemeint, sie schreibt heute wieder
      MfG
      Schüler von Frl. Krise

      • nix schreibt:

        🙂

      • renosch schreibt:

        Ih, tote Lährerin! Am Ende hänt sie ürgendwo übam Zaun. Wir wissn ja nich, wo ’se wohnt.

      • michael schreibt:

        @renosch

        Eifrig Zeitung lesen:

        Wenn Du dann von einer toten Lehrerin liest, die nach einem Monat von ihren Schülern an der MerkNix-Schule aus XYZ als vermißt gemeldet wurde, kennst Du den Ort ihres lezten Wirkens.

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