Klara schreibt krank

Den ganzen Nachmittag habe ich beim Arzt verbracht! Grauenhaft. Ich  hasse Wartezimmer! Und Arztbesuche!
Meine Schüler dagegen gehen übertrieben gerne und oft  zum Arzt. Am liebsten zu Klara Kunze, ihres Zeichens Allgemeinmedizinerin, gleich bei uns  um die Ecke…
Offenbar gibt es für meine ‚kränklichen’ Kinderlein nichts Schöneres, als sich stundenlang in ihrem Wartezimmer rumzudrücken, Zeitungen durch zu blättern, am Händy herum zu nesteln und sich dem in Wartezimmern erwünschten Nichtstun hinzugeben.
Krank zu sein scheint für sie mit einem Lustgewinn verbunden zu sein:
Es ist das Attest, das sie glücklich macht…und das bekommt man hier leicht.

Ömür hat eine Woche gefehlt….
„Na, Ömür, wieder gesund?“ sage ich aufbauend. „Was hattest du denn?“
„Ja, ich war voll krank,“ sagt Ömür fast stolz, „ ich hatte Fieber und so Schmerzen hier und da.“ Er piekt sich mit dem Zeigefinger in seinen rundlichen Bauch.
„Ich war Arzt,“ sagt er.
Ein Attest hat er also. Sehr schön.
Allerdings stammt die Krankschreibung aus der Feder von Frau Klara Kunze…Das gefällt mir weniger!
Mensch! Deren Atteste möchte ich doch am liebsten gar nicht mehr annehmen!
Ich habe nämlich den berechtigten Verdacht, dass diese gute Frau ohne großartige Untersuchung jeden krank schreibt, der sich ihr nähert. Bevorzugt meine Schüler….

Ein Schüler aus meiner Klasse fehlte  lange Zeit jede Woche ein bis zweimal, immer mit einem Attest von Frau Kunze. Bis ich eine Schulversäumnisanzeige machte, dann war Frau Kunze plötzlich raus aus der Nummer…Der müsste das doch auffallen, wenn so ein strammer Bursche alle paar Tage angeblich krank bei ihr aufkreuzt…oder?

Ein anderes Beispiel: Bülent gibt mir ein Attest ab, das sehr komisch aussieht, nämlich so, als ob sich jemand mit Tippex an dem Name zu schaffen gemacht hätte.. Eine äußerst plumpe Fälschung!
Ich gehe der Sache sogleich auf den Grund: Ich durchleuchte den Wisch, kratze mit einem Skalpell vorsichtig einen Teil der weißen Schicht ab und entdeckt einen ganz anderen Namen, nämlich den von Kaan. Aha. Schlau, aber nicht schlau genug! Diese Halunken!
Ich rufe in der Praxis Kunze an und bekomme nach etwas Hin und Her die Bestätigung:
Kaan war wirklich am Ausstellungstag des Attests in der Sprechstunde..

Ich befrage Kaan und Bülent. Zuerst einzeln, dann zusammen…..

Kaan beteuert, er sei nicht in der Praxis gewesen!
„Aber dein Name steht doch auf dem Attest, das kannst du doch nicht leugnen!“
Nein, Kaan windet sich und streitet alles ab.

Schließlich gibt Bülent zu, ER sei mit Kaans Krankenkassenkarte zu Frau Kunze gegangen. Die kennt offensichtlich nicht jeden Patienten persönlich, was man ihr nicht verdenken kann, bei dem großen Patientenstamm. Warum er nicht mit seiner eigenen Karte ging, bleibt im Dunkeln.
Leider hat Klara Kunze  dann natürlich Kaans Namen auf das ersehnte Attest geschrieben. Das  hatten die beiden Spezialisten nicht bedacht und so kam zu der Erschleichung der Krankschreibung auch noch eine Dokumentenfälschung dazu.
(Christian, ist ein Attest ein Dokument?)
Beide Jungs sehen blühend aus, sind selbstverständlich kerngesund und ich frage mich, wie diese mehrtägige Krankschreibung zustande kommen konnte…

„Das kann ich Ihnen sagen“, verrät mir Sonja aus der Zehn. „Du gehst zu Frau Kunze und erzählst ihr was und sie fragt dich, wie lange du krankgeschrieben werden willst….“

Die ganze Schule scheint in der Praxis Kunze aus und ein zu gehen….
Nur ich war immer noch nicht da. Auch heute nicht.
Braucht jemand eine Auszeit?
Ich empfehle Klara Kunze, gleich bei uns um die Ecke…

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52 Antworten zu Klara schreibt krank

  1. Shannon schreibt:

    Okay, eine verrückte Idee: Wenn Sie Klara Kunze dazu bekommen sich selbst krankzuschreiben, dann haben Sie wieder gaaaaanz viele Schüler in der Klasse sitzen.
    Die Frage ist nur, wollen Sie das wirklich? 😉

  2. sofiapierrot schreibt:

    So eine Frau Kunze war in unserer Ortschaft damals auch sehr beliebt und bekannt. Gerade zu Abi-Zeiten wurde er, bei uns dann eben Herr Kunze, gaaanz regelmäßig besucht. Denn er hat von uns Schülern nicht einmal eine schlechte Ausrede erwartet sondern ganz Kumpelgleich empfangen: „Na? Morgen wieder `ne Arbeit? Nicht? Egal, also Margen-Darm kannst du immer bringen, kann ja keiner überprüfen, ne!? Hö hö, ich sehe, wir verstehen uns.. Einfach nicken, wenn es Magen-Darm werden soll.. Ja? Gut, das verschafft dir auch locker 3-5 Tage krankgeschrieben. Wann ist denn der Nachschreibetermin? Achso, ja, nee.. Kein Problem, verlängern wir dann..“.
    Ja, so war er, unser Herr Kunze. Die Schule wusste natürlich bescheid, hat aber nie was unternommen..

  3. FrauB schreibt:

    Gibt es in jeder Stadt, so einen Arzt. Oder in jedem Kiez.
    „Maßnahmen“-Teilnehmer müssen ja eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen, nicht nur ein Attest. Aber da scheint der Stift genauso locker zu sitzen. 80% der AUBs, die mir vorgelegt werden, stammen von genau einem Arzt (von 9, die es in der Stadt gibt). Auch hier ist überliefert, dass man an der Anmeldung sagen muss, wie lange man den krank sein wolle. Er schreibt auch dann AU, wenn die jungen Kranken nachweislich nicht dort waren (weil sie in der fraglichen Zeit in meinem Unterricht saßen – der Teilnehmer-Vater hatte es gut gemeint und eine AUB „geholt“ weil er dachte, sein hoffnungsvoller Nachwuchs sei früh nicht aus dem Bett gekommen).
    Ich habe mich auch schon erkundigt – man kann halt wenig bis nichts gegen dieses Verfahren tun. Aber mich macht es immer noch wütend…
    Gesundheit! wünscht
    FrauB

  4. Christian schreibt:

    > Krank zu sein scheint für sie mit einem Lustgewinn verbunden zu sein

    In der medizinischen Psychologie nennt man das nach Freud „sekundärer Krankheitsgewinn“. Das Gesundheitssystem kostet er Milliarden.

  5. die Schmith schreibt:

    Oh, solche Fälle kenne ich. Und bei manchem Leuten wurden nur noch Krankschreibungen vom Amtsarzt akzeptiert.
    Kann die Schule denn Atteste von bestimmten Ärzten verweigern?

  6. Christian schreibt:

    > (Christian, ist ein Attest ein Dokument?)

    Holla, in dieser Geschichte ist genug Strafbarkeit für eine Vorgerücktenübung im Strafrecht, also 3. bis 5. Semester. Da ich momentan noch in der Kanzlei sitze, kann ich die Strafbarkeit der Beteiligten nicht umfassend prüfen, aber später am Abend setze ich mich spaßeshalber mal ran… 🙂

    • frlkrise schreibt:

      Oh, das ist spannend….!

    • fishly schreibt:

      > Holla, in dieser Geschichte ist genug Strafbarkeit für eine Vorgerücktenübung im Strafrecht, also 3. bis 5. Semester.

      wie lustig, das war auch mein Gedanke beim Lesen. „Wie haben sich K, B und DrK strafbar gemacht?“ lang lang ist’s her… 🙂

    • lorem42 schreibt:

      Von wegen Urkundenfälschung eine Geschichte, zwar nicht aus Deutschland, dafür aus der Schweiz. Ich denke, die Gesetzgebung wird ähnlich sein.

      Als ich 1993 meinen Militärdienst versah, gab es dort einen Rekruten, der immer mal wieder Gebrechen und Wehwechen hatte, wegen denen er vom Truppenarzt auch immer wieder sog. „Dispensen“ für diese oder jene militärische Aktivität (Marschübung, Drill, …. etc.) bekam. Allerdings bekam er irgendwann diese Dispensen nicht mehr, er hatte sich das Motto „Klagen ohne zu leiden“ doch zu sehr verinnerlicht.
      Auf jeden Fall tauchte er irgendwann mal wieder mit so einer Dispens auf, worauf es seinem Offizier zu bunt wurde.
      Darauf sprach der Offizier mit dem Truppenarzt und es stellte sich heraus, das es dem Rekruten gelungen war leere „Dispensationsformulare“ zu beschaffen und er diesen dazu verwendete sich selbst Dispensen auszustellen, auf denen er die Unterschrift des Artztes „nachmachte“, damit er gewisse körperlich anstrengende Aktivitäten schwänzen konnte.

      Den Waffenplatzkommandanten hatte es einiges an Mühe gekostet den Untersuchungsrichter von der Kaserne fern zu halten um das eigentlich in diesem Falle anzuwendende zivile Strafrecht zu umgehen, bzw. damit dieses eben nicht zur Anwendung kam: nach Schweizer Strafrecht stellt diese „Bagatelle“ Urkundenfälschung dar, die mit mit bis zu einem halben Jahr Gefängnis oder bis CHF 10’000.- Busse bestraft werde kann. Die Folgen wären für den Rekruten massiv gewesen, inkl. einem Eintrag im Strafregister wegen Urkundenfälschung, was ihm dann doch sicher einiges an Schwierigkeiten hätte bereiten können.

      Bei der Urkundenfälschung kommt es nicht auf das Fälschen einer Unterschrift an. Es geht dabei um das abändern eines Dokumentes um sich damit Leistungen oder Vorteile zu erschleichen, die einem nicht zustehen. Ich bin zwar kein Jurist und Ungenauigkeiten mögen in meinem Beispiel sein, aber der obige Fall zeigt deutlich, dass aus vermeintlichen „Bagatellen“ schnell eine schwerwiegende Straftat folgen kann. Auch in Deutschland.
      Bitte machen Sie das Ihrem Schüler klar, dass er damit ein absolutes „NO GO“ überschritten hat!
      Wobei nach meiner Interpretation nicht nur Urkundenfälschung vorgefallen ist (Name ersetzt) sonder auch noch Betrug (Verwenden einer anderen Krankenkarte) hinzukommt.

      Ich würde eine massive disziplinarischen Straffe vorschlagen um auch gleich den Mitschülern die schwere der Tat zu vermitteln. Diese Strafe sollte aber nicht „Schulverweis“ sein…

      P.S.: Der besagte Rekrut verbrachte dann drei Tage in militärischem Arrest. Da er es mittels Einsprache so hinbiegen konnte, dass dieser Arrest nicht auf einen Wochenendurlaub fiel, beauftragte mich der Kompaniekommandant (ich war dort Feldwebel) den Rekruten zum Wachdienst während des nächsten Wochenendurlaubes einzuteilen (damit wenigstens irgend ein nachteiliger Effekt aus seiner Tat resultierte, sind drei Tage unter der Woche in einer Zelle herumliegen doch nicht wirklich eine Straffe). Dies brachte mir wiederum eine gehässiges Telefonat des Vaters des Rekruten ein, der sich über die masslose Willkür und übertriebene Härte in der Kaserne beschwerte…. Undank ist der Welten Lohn.

  7. fraufreitag schreibt:

    und die müssen noch nicht mal die praxisgebühr bezahlen, oder? unserer fragt übrigens immer: wie lange und welche farbe soll der lutscher sein.

  8. winternachtstraum schreibt:

    Vielleicht sollte Frl. Krise mal auf Kopien der Atteste bestehen, diese ein paar Wochen sammeln und die Arztpraxis der Frau Kunze damit aufsuchen – um Besorgnis bezüglich des Gesundheitszustands der Schülerschaft zu äußern…

    (aber ich, so als Schülerin, schätze Ärztinnen wie Fr. Kunze. – Kann durchaus angenehm sein, wenn man keine Kreislaufprobleme und Kopfschmerzen vorschwindeln muss, nur weil man einfach mal ein langes Wochenende BRAUCHT… :D)

    • Katarina schreibt:

      Jenau, Schätzelein. Und irgendwann hast Du dann einen Job, da schleppst Du dich noch mit 40 Grad Fieber hin, weil Du Deine Kredite abbezahlen musst, und weil Deine Kollegen eingespart wurden, und weil 50 frischausgebildete für das halbe Gehalt zu habende bereit stehen um Deinen Job zu übernehmen, und weil irgendwer sich ja um den Kunden/Patienten/Schüler kümmern muss.
      Und dann kannst Du Dir einen Zettel an die Wand hängen, auf dem steht: ich büße nur für meine Sünden 😀

      • michael schreibt:

        Gerade das ist ein Grund, in der Jugend das Leben zu genießen. Danach auf der Arbeit und im Ruhestand wird man sowieso abgezockt und verarscht.

      • sofiapierrot schreibt:

        Japp, ich finde auch.. In der Schule sollte man seine Freizeit noch genießen.. Schon im Studium wird das nämlich schwieriger und an die Arbeitswelt mag ich noch gar nicht denken 😉

    • KS schreibt:

      Genau….in der Arbeitswelt wird das dann weiter fortgeführt….

      Die Kollegen, die montags oder freitags zur Arbeit kommen, sind selber schuld, wenn sie die Arbeit für Sie übernehmen müssen (Der Kollege, der sich Dienstags krankschreiben lässt, weil er Geburtstag feiern will und dessen Arbeit Sie übernehmen müssen, ist selbstverständlich ein Egoist)

      Oh, und die Arbeitgeber sind allesamt Mistkerle, wenn sie Sie wegen häufiger Fehlzeiten auf einen unterqualifizierten und schlecht bezahlten Job setzen. Oder Ihre Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz ablehnen, weil so und so viele Fehlzeiten eingetragen sind.

      Oh, natürlich. Sie werden selbstverständlich studieren. Da ist das ganz anders, viel lockerer und so. Hat man ja gehört (Die Studenten, die versucht haben zu erklären, dass sie die Klausur montags nicht schreiben konnten, weil sie sonntags saufen mussten, fallen übrigens trotzdem durch).

  9. tonari schreibt:

    Frl. Krise, kleiner Tipp:
    Machen Sie den Unterricht doch gleich im Wartezimmer 😉

  10. Pete schreibt:

    Warum eigentlich die Mühe mit Attest und Co?
    Ich vermute, selbst mit vielen unentschuldigten Fehlstunden droht keine Abschulung – und die entschuldigten tauchen doch ebenfalls im Zeugnis auf und sagen jedem potentiellen Arbeitgeber, dass hier besser nicht eingeladen wird.

  11. Toni schreibt:

    Frl. Krise,

    Ich bitte Sie, etwas gegen diesen offenen Missbrauch zu unternehmen. Gibt es nicht irgendeine Stelle, die das überprüfen kann? Ärztekammer und/oder Krankenkassen?

    Weniger wegen Ihrer Schüler (wohl hoffnungslos), sondern wegen der Kosten für die Krankenkassen und letztendlich der Allgemeinheit. Die Ärztin kassiert für jede Behandlung, es werden z.T. sicher auch unnötige Medikamente verschrieben usw. Solchen Ärzten muss man dringend das Handwerk legen. Das ist keine Bagatelle mehr.

  12. Renate schreibt:

    Hier gibt es auch so einen Arzt. Der schreibt die Leute krank- wie Frau B. es schildert-über die Anmeldung-ohne sie sich vorher angesehen zu haben.War echt fassungslos- als ich das mitbekommen habe.( Ist aber nicht mehr mein Doktor)

    • Marlies schreibt:

      …nicht zu vergessen: Es gibt so viele Hausärzte, die einfach so (ohne einen überhapt zu sehen) Rezepte für die Pille schreiben, wenn man am Empfang beteuert die schon länger zu nehmen. Isn Traum.

  13. Nun ja, Atteste – auch Krankschriften für Schüler – sind eine kostenpflichtige Leistung. Gibt ein Arzt sie kostenlos ab, kann das unlauterer Wettbewerb ausgelegt werden. Auf dem Attest muss die Abrechnungsziffer plus Faktor stehen, daraus ergibt sich der zu zahlende Betrag. Vielleicht würden weniger Schüler krank feiern, wenn sie jedesmal dafür zur Kasse gebeten werden?
    LG
    Elvira

  14. kinderdok schreibt:

    auch ich kann nur dafür plädieren, diese atteste zu sammeln, sich mit anderen lehrern zusammen zu tun und evtl. einen befreundeten arzt (gibts das bei lehrern 😉 ?) zu rate zu ziehen — gefälligkeitsbescheinigungen sind unethisch im ärztestand und können zu abmahnungen durch die ärztekammer und kassenärztliche vereinigung führen.

    ich mache – von der anderen seite – leider die beobachtung, dass immer häufiger von schulen ärztliche atteste tatsächlich eingefordert werden – entgegen der bestimmungen des schulgesetzes – was wiederum zum run auf die praxen führt, obwohl der patient nur minimal´s schnüpfle hat. das führt zur überlastung der praxis, mag sein, dass sich manche der kolleg(innen)en nicht anderes wehren können, als atteste an der anmeldung zu verteilen – sehr fragwürdig natürlich

    • frlkrise schreibt:

      Das ist richtig! Die geforderten Atteste sollten eigentlich verhindern, dass sich die kids selbst ihre Krankschreibungen anfertigen, bzw. wegen jedem kleinste Pips fehlen…

  15. bei uns nannte man ihn „dr. schnelltod“.
    keine firma in der umgebung hat krankschreibungen von ihm akzeptiert.

  16. Conny schreibt:

    Mit Genuß lese ich seit einiger Zeit Ihren Blog!

    Solche Arztpraxen gibt es, glaube ich, in jedem Kiez!

    Die Nutzung dieser Möglichkeiten beherrschen auch die Eltern schulpflichtiger Grundschulkinder und leben ihren Kids vor, wie sie es einige Jahre später nutzen können.

    Ich war 35 Jahre mit Herzblut Lehrerin, zuletzt 13 Jahre Schulleiterin an einer Grundschule im sozialen Brennpunkt und bin letztlich an den von Ihnen geschilderten „Arbeitsbedingungen“ krank geworden und vorzeitig aus gesundheitlichen Gründen aus dem Dienst geschieden.

  17. oxypelagius schreibt:

    Wenn ich sehe, was ich Steuern zahle und dann lese, wie dieses Volk ohne sich eine Sekunden einen Gedanken drüber zu machen, was das alles kostet und wer das zahlt, schwillt mir der Kamm gewaltig! Ich will Frl. Krise für die Lernwilligen haben, welche dereinst unsere Renten zahlen. Ich will, daß Frl. Krise belohnt wird mit dem Erfolg ihrer Schutz- und Lehrbefohlenen. Ich will nicht, daß Menschen wie sie an dieses PAck verheizt wird. Dieses Wollen und Fordern darf wer Willen und Forderungen selbst erfüllt hat. So was nennt man Generationenvertrag. Es ist zum Kotzen. “ Isch werd isch erst ma Haatz IV, dann mach ich Türsteha Fiama auf oder werd isch ivend-mänätscha, kriechsu achttausend für eine Party!“ hörte ich so eine Knalltüte kürzlich in der Bahn schwadronieren.

    • frlkrise schreibt:

      Oxypelagus, jetzt übertreibst du aber ein bisschen… Pack…nee, die allermeisten sind kein Pack.

      • oxypelagius schreibt:

        Das Finanzamt will mich trietzen und wenn ich nicht zahle lande ich in Moabit und kann in die Freiheit jenseits der Mauer kucken, wie die das, was ich absitze verschwenden… Nein so schlimm ist es bei Weitem nicht.. Das mit dem Pack nehme ich zurück.. letztlich sind es nur unaufgeklärte Dumme..Sei immer aufrichtig zu Deinen Mitmenschen, aber sag ihnen nie, wenn sie dumm und/oder häßlich sind. „Hast Du das kapiert Du blöde Kröte! “ würde ich … ach was würde ich eben nicht..

      • frlkrise schreibt:

        Hässlichkeit! Du musst Hässlichkeit sagen!!!! Du Ochsipelagius!

  18. kinderdok schreibt:

    über all die kunze-hetze: fräulein krise, ich hoffe, sie sind nicht ernsthaft erkrankt? – denn der einleitende satz galt ja immerhin ihnen.

  19. zimtapfel schreibt:

    In meiner Unistadt gab/gibt es einen Doc, den man schon wohlweislich mit seiner Praxis direkt im Mensagebäude angesiedelt hat, damit er all die Studenten, die eine Verlängerung für ihre Examensarbeiten brauchen, schnell mal krankschreiben kann, ohne das diese dafür allzuweit laufen müssen… Mein Mitbewohner war mal da (er brauchte ebenfalls Verlängerung) und berichtete hinterher, der Doc habe ihn weder begrüßt noch direkt angesehen, nur gefragt, für wie lange es denn sein soll.

  20. nadineswelt schreibt:

    Letztes mit einer Lieblingskollegin aus Jobcenter telefoniert, die nen Teil meiner Fälle geerbt hat. Die, die immer genau dann krank sind, wenn sie auch nur ne halbe Stunde mal über ihre Zukunftsplanung mitm SB sprechen sollen, kriegen die Auflage, ne Bettlägrigkeitsbescheinigung vom Arzt vorzulegen. Soll heißen, Arzt bescheinigt, dass Patient so krank ist, dass er das Bett nicht verlassen darf/kann, und nicht nur ne leichte Erkältung oder Fuß verknackst hat.
    Unser aller Liebling ist nun also seit 6 Monaten immer bei einem Termin bei ihr mit Bettlägrigkeitsbescheinigung krank geschrieben – die Bescheinigung gibt er immer am selben Tag oder am Tag vorher PERSÖNLICH am Empfang im Haus ab. Irgendwie hatte ich beim Telefonat das Gefühl, dass Kollegin unseren Stadteigenen Herrn Klara am liebsten mal durch den Hörer ziehen würde.
    Wer lässt sich schon gern verarschen???
    Insofern kann ich das Frl. Krise sehr gut verstehen.
    Aber kann man nicht ab – keine Ahnung 30 Fehltagen im Schuljahr wirklich n Attest vom Schularzt verlangen?

  21. gismolinchen schreibt:

    Bei uns gab es auch damals eine Frau Kunze, jawohl, Frau Kunze war männlich und so alt, daß wir jungen Hüpfer unsere Akten selber raussuchen mußten. Diese waren in Leitzordnern einsortiert und alle auf dem Boden abgestellt. Das war für uns kranke Hüpfer nicht so einfach *lach*. Die Atteste wurden dann irgendwann von unserer Schule nicht mehr anerkannt, daß empfanden wir als sehr schade, zumindest damals. Heute sehe ich das allerdings anders. Nach dem Auszug unseren jüngsten Sohnes kann ich nun aufatmen. Denn auch er hatte scheinbar eine Frau Kunze gefunden. Was gab es da für Diskussionen bei uns zuhause. Ich mag mich gar nicht mehr erinnern wollen.

    Heute habe ich ne Kollegin und die hat auch eine Frau Dr. Kunze – 6 Wochen war se weg, nu ist sie wieder da – fragt sich nur: wie lange?
    Liebe Grüße

  22. Pingback: schuldigung – blogtipp « kids and me

  23. Turtle schreibt:

    Solch lustige Dinge hatten wir an meiner Uni auch, bei den BWLern: Wenn die Pruefung in Privatrecht anstand, sind fast alle zur Pruefung gekommen (ausser denen die wirklich krank waren). Dann haben sie die Aufgabenstellung gelesen, einem gewissen Teil der Studenten ging es dann schlagartig „schlecht“ und sie mussten zum Arzt (als die Pruefung irgendwann samstags stattfand sind sie alle in Krankenhaus in die Notaufnahme). Irgendwann hat die Uni dem ganzen einen Riegel vorgeschoben und fuer Krankmeldungen am Pruefungstag grundsaetzlich ein amtsaertzliches Attest verlangt (Abmeldung bis 2 Tage davor mit „normalen“ Attest, davor ohne Bedingungen). Das hat funktioniert und die BWLer mussten genau wie alle anderen Studenten die Pruefungen nehmen wie sie kamen.

  24. croco schreibt:

    Es gibt ja für sowas den medizinischen Dienst der Krankenkassen.
    Arbeitgeber können ihn benachrichtigen, wenn sie an den Krankschreibungen von Doc Urlaub zweifeln. Die fahren dann hin, und schauen, ob der Patient wirklich und tatsächlich krank ist.
    Man kann über die Krankenkassen anfragen.
    Doch für Schulen arbeiten sie nicht. Schüler sind ja keine Gehaltsempfänger ( und schaden somit der Volkswirtschaft nicht.?)

  25. blogwesen schreibt:

    Deine Schüler sollte man mal zu meinem Hausarzt schicken, der ist super gut in moralischen Standpauken und nimmt sich auch 5min Zeit den Schulschwänzern ins Gewissen zu reden…Sehr gute Erziehungsmaßnahme…

    Ich fand es beeindruckend wie überzeugend ‚böse‘ mein Arzt so werden kann, weil zu mir ist er ja immer die Freundlichkeit in Person…(Ich saß gerade vor der Tür des Behandlungszimmers als so ein Schülerexemplar zusammen gestaucht wurde..Der war ganz schön kleinlaut nachher)

  26. Auriel schreibt:

    Ja, es ist sehr leicht eine AU zu bekommen. Ich war vor ein paar Wochen schwer erkältet, hatte Rüsselseuche, Fieber und alles was dazu gehört. Da ich erst vor kurzem umgezogen bin, bin ich nicht zu meinem Hausarzt gefahren, sondern zu der Allgemeinmedizinerin im nächsten Dorf. Was soll ich sagen, ich habe es nicht mal bis über die Sprechstundenhilfe hinaus geschafft, es gab folglich auch keine Untersuchung, dafür aber eine AU, wie gewünscht, über 3 Tage.
    Sehr unverantwortlich, schließlich hätte ich bei einer schweren Erkrankung genauso gut auf dem Heimweg kollabieren können.

  27. Julia schreibt:

    @oxypelagius Gott, als ich deine Kommentare gelesen habe, hätte ich sie dir am liebsten vor die Füße gekotzt. Bist du immer so selbstgerecht und doppelmoralisch? Und kalt wie ´ne Hundeschnauze?

    Ich kenne jemanden, der hat sich während seiner Ausbildung ungefähr die Hälfte der Zeit krank schreiben lassen, weil er den „Schwachsinn“, der dort passiert (die Schulen heute sind vom Bildungsniveau her nicht mehr so weit..) nicht ausgehalten hat. Er hatte Gott sei Dank einen netten Arzt, der ihm die Scheine mit Freuden ausstellte. Letzendlich hat dieser Jemand seine Ausbildung erfolgreich mit einem Durchschnitt von 1,0 bestanden und die Arbeitgeber streiten sich um ihn. Mag eine Ausnahme sein, klar, die andere Seite gibt´s sehr viel häufiger – aber dieses pauschalisierte, undifferenzierte Gequatsche alá „Die liegen dem Staat auf der Tasche“ find ich echt unerträglich.

    Als ob das Problem bei gutmütigen Ärzten läge! Das Problem beginnt bei der Erziehung! Bei den Eltern!
    DA muss man ansetzen.

  28. Julia schreibt:

    Hmhm. Wollt mich für den obrigen Kommentar „entschuldigen“. Ich mein das zwar schon so alles, wie gesagt, aber ich hab mich ein bisschen … emotional… ausgedrückt.

    Dass mit mir aber auch immer die Ponys durchgehen müssen. :/

    ´Schuldigung.

  29. Ben schreibt:

    Bei uns gabs nie Atteste und man konnte sich in der Oberstufe (also mit Erreichen der Volljährigkeit) selbst abmelden. Natürlich gab es da ein recht willkürliches Limit, wenn man eben zu viel gefehlt hatte, dass da der Vertrauenslehrer ein ernstes Wörtchen mit einem gewechselt hat, aber das waren vielleicht gerade mal vier oder fünf im Jahrgang, die es soweit übertrieben haben. Wenn man was verpasst hat, dann war das persönliches Pech und man musste sich eben selbst darum kümmern, den Stoff nachzuholen. Und vor Arbeiten drücken ging bei uns gar nicht. Bei nächster Gelegenheit wurde nachgeschrieben.

  30. Antje schreibt:

    ich gestehe… wir hatten auch unseren Lieblingsarzt
    Wenn wir wirklich krank waren sind wir aber lieber zu anderen Ärzten gegangen.
    Natürlich haben WIR es nicht übertrieben *grins*

  31. Undo schreibt:

    Erstmal ein herzliches Hallo Frl. Krise. 🙂

    Deinen Blog habe ich per SPON eher zufällig entdeckt, lese mich nun so langsam und chronologisch in die Gegenwart, und bin fasziniert! Wobei „fasziniert“ als eine Art, hmm, Containerformat herhalten muss für: lachen, ungläubig staunen, gruseln, und Kopp auf Tischplatte hauen. Wie eine Supernova, oder sonstige Naturkatastrophe. Aus sicherer Entfernung sind sie atemberaubend, beeindruckend, fast schon ein Kunstwerk. Aber wer mittendrin steht sieht das wohl anders…

    Zum Thema, bei uns gab es auch einen bevorzugten Arzt der ganz nach Wunsch krank schrieb. Besonders gefragt, nachdem selber krankschreiben (FOS, daher alle schon über 18 und mit 50% Abwesenheit an Freitagen) untersagt wurde.
    Leider habe ich diesen lieben Mediziener nie kennengelernt, da ich den einzigen Vorteil von 70 km Anreise voll ausspielen konnte: „Mein Auto ist liegen geblieben“ (war wirklich bockig das Ding) wurde zum geflügelten Wort der ganzen Klasse. 🙂

    Puh, bisschen viel Kommentar… aber ich bin gespannt wie es mit Deiner Klasse weiter geht. Vielen Dank für diese wunderbaren Texte aus der Schule. Ich selbst war eher mies, trotz viel Hilfe und teils sehr cooler Lehrer, aber hatte scheint’s immenses Glück mit meinen Schulen. In einem anderen Einzugsgebiet wäre ich wohl der Herde nachgelaufen und nun ganz woanders gelandet.

    Alles Gute für Dich und Deine Schüler!

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