Der Ernst der Schule….

Heute durfte ich endlich mal super super streng sein.  Nein, ich durfte es nicht, ich musste es sein! Ich war dienstlich dazu verpflichtet!
Das war strange und kam daher, dass wir heute eine sogenannte Vergleichsarbeit geschrieben haben.
Da wird der Lernstand eines ganzen Jahrgangs in allen Schulen mit ein und derselben Arbeit, die zur gleichen Zeit geschrieben wird, getestet.

Die Schüler von Gymnasiumsschulle bekommen die gleiche Arbeit wie die, die sich am voll entgegengesetzten Ende der Leistungsskala befinden. Das ist kein bisschen jäckpott, vallah, aber den Schülern bekannt, was es natürlich nicht besser macht. Noten gibt es keine, aber die Ergebnisse werden statistisch ausgewertet und allerhöchste Stellen ziehen kluge und weniger kluge Schlussfolgerungen draus,  die wiederum zu irgendwelchen sinnvollen und weniger sinnvollen Veränderungen des Schulalltags führen. Das ganze Verfahren ist selbstverständlich  genormt und man muss sich GENAU an die Vorgaben halten, damit alle Gruppen gleich benachteiligt sind!

Und wer ist schuld? Irgend so ein Turm in Pisa, das hat mir jedenfalls neulich Harry aus dem 7. Schuljahr glaubhaft versichert. Seine Klassenlehrerin hat ihm das angeblich erzählt. Was die Kollegen so alles von sich geben…

Schlauer wird keiner von der  ganzen Testerei… Aber das soll wohl auch nicht Sinn der Übung sein.

Die Deutschtruppe, die es zusammen mit mir trifft, kommt schon mal zu spät, weil sie vorher in der ganzen Schule versprengt unterrichtet wurde und die meisten Gören selbstverständlich vergessen hatten, dass wir diesen Test nicht im Klassenraum machen, weil es da wegen der Baumaßnahmen zu laut ist. Die wenigen Pünktlichen hibbeln vor der verschlossenen Türe auf und ab, während ich drinnen, streng nach Vorschrift, die Arbeiten auf die Tische lege.
Ich komme mir sehr wichtig vor. So staatstragend, wie eine Beamtin. Und ich bin ja auch eine.

Eine Kollegin treibt uns die verlorenen Schafe zu und endlich sitzen alle und es geht los..

Ich muss die Anweisungen vorgelesen – dabei ist es so mucksmäuschenstill, dass ich schon mal schwer beeindruckt bin. Die Schüler sitzen ganz ungewohnt wie die Puppen an ihren Tischen und hören hochkonzentriert zu.
Ich komme mir ein bisschen albern vor, wie ein Roboter, aber Vorschrift ist Vorschrift.
Komisch, dass jetzt niemand stöhnt und jammert, 1000 Fragen stellt, versucht über den Umfang der Arbeit zu verhandeln oder einfach nur den Nachbarn kitzelt. Auch höre ich zum ersten Mal nicht den Satz: „Hat mal jemand ’ne Patrone für mich?“

Offensichtlich sind sie krass beeindruckt von diesem offiziellen Klimbim und arbeiten – natürlich erst auf MEIN Signal hin – los, als ob sie es bezahlt bekämen.
Gut, einige halten nicht bis zum Schluss durch. Die Konzentration reicht nicht aus. So viel lesen! Und dazu die ganzen Fragen beantworten…da werden 40 Minuten ganz schön lang.
(Meine Klasse hat es letztes Jahr geschafft, nur ungefähr 10 Minuten an diesem Test zu arbeiten –  dann war es schon aus und vorbei! )
Den anderen läuft die Zeit weg, 40 Minuten sind echt zu knapp für die vielen Aufgaben.

Ich bin ein bisschen gerührt, wie sie da so gebeugt über den Aufgabenheften brüten. Ganz ernsthaft und angestrengt mit roten Köpfen und  einem Gesichtsausdruck, der verrät, dass man hier eine wichtige Aufgabe zu erledigen hat.
Bei der Realschulprüfung nehmen die Delinquenten das nicht alle so ernst!

Dann ist die Zeit abgelaufen und die Arbeiten eingesammelt.

Die Schüler verwandeln sich wieder in zu laute dreizehnjährige  Pubertanten und -onkel und tun so,  als hätten sie gerade das Abitur mit Erfolg abgelegt und mir fällt auf, dass ich jetzt was zum Korrigieren habe….

Aber das Beste ist:

Keiner hat GESCHUMMELT!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Achtung Fallgrube! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Der Ernst der Schule….

  1. die Schmith schreibt:

    „damit alle Gruppen gleich benachteiligt sind!“ – Das klingt ja fieselich. Bin ich froh, dass andere Länder zu meiner Schulzeit nicht so wichtig waren.
    Konnten die den Kram wenigstens ren theoretisch wissen? Also, die Fragen wirklich beantworten? Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das wirklich sinnvoll ist, bei so unterschiedlichem Bildungsniveau an den Schularten, dass alle den gleichen Test kriegen. Kein Wunder, dass Deutschland so schlecht abschneidet.

    Hmm, jetzt noch ganz fest wünschen, dass alle Tests so ablaufen und immer so schöne Ruhe und Ordnung herrsschen. 😉

  2. kaethe schreibt:

    Bei mir liefs heute ähnlich, nur dass bei uns dabei die Fachlehrer die Klassen tauschen. Alle sitzen gespannt und ich bin beeindruckt, wie leise die sind. (Muss glatt mal nachfragen, ob die immer so sind.)
    Selbst bei meinen Regeln zum Trinken, Musik hören und Klogang meckert keiner.
    Alle arbeiten ruhig und konzentriert. Ich finde ja, dass die Aufgaben ihren Horizont bei weitem uebersteigen, aber sie halten sich tapfer. Nach 40 Minuten ist die Luft aber raus. Die nachfolgenden 2 Schreibaufgaben werden nur noch halbherzig erledigt und es wird lauter. Wir alle sind froh, als es vorbei ist.
    nur noch schnell alles verpacken, Protokoll ausfuellen und ab damit. Zum Glück muss ich es nicht korrigieren, das erledigen die vom LI.

    schoen, dass es uns heute zur selben Zeit genauso ging.
    Lieben Gruss

  3. Smilla schreibt:

    Vielleicht müsst Ihr mehr am offiziösen Flair Eurer Realschulabschlussprüfung arbeiten? Streng-staatliches Interieur, beamtliche Ärmelschoner, kleine Guillotine direkt neben dem Tisch des aufsichthabenden Beamten,…

    • michael schreibt:

      Womöglich mit dem abgehackten Kopf eines renitenten Schülers, damit alle wissen, dass Frl. Kopf ab Krise es ernstmeint.

  4. sbeedy schreibt:

    „streng“ und „strange“ so kurz hintereinander – also, das hat meine Dechiffrier-Kompetenz schon gehörig auf die Probe gestellt… Ist das auch Pisa hier?

  5. Ingo schreibt:

    Aber das Beste ist: Keiner hat GESCHUMMELT!

    Da saßen ja schlißlich auch Schüler und nicht Minister… 😉

  6. IO schreibt:

    Deine Zöglinge gieren ja geradezu nach Strenge.

  7. fraufreitag schreibt:

    keine angst morgen wird wieder so schei…e wie immer. aber man darf ruhig hoffen…die hoffnung stirbt ja zueletzt – das sagen meine schüler immer, wenn es um ihre abschlüsse geht und ich antworte, inshallah

  8. PepeB schreibt:

    „Pubertanten und -onkel“ – sehr schön!

  9. Neuer Leser schreibt:

    Wie hat es Georg Schramm einmal in der Sendung „Scheibenwischer“ so schön artikuliert:
    „Früher haben noch die Lehrer Angst und Schrecken verbreitet – heute machen das die Schüler!“ 😉

  10. Ersin Kaluk schreibt:

    Hey, das ist ja lustig, ihc hatte auch mal einen Klasen kamerraden in meiner Schulzeit in meiner Klasse der hiers auch „Georg Schramm “
    Der heisst jetzt „jessica C.“ und arbeitet in Oberhausen als „promiskuitiv Freizügig lebendes etwas“
    Ich wollte ihn“ sie mal sprechen, aber als ich ES gesehen habe hat er mir 80.-€ gezahlt 😀

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s