Die neunte Stunde bringts voll!

Heute gab es von allem zuviel: Unterricht, Vertretung, Aufsicht, Konferenz und Eltern.
Und genauso fühle ich mich auch jetzt.

Meine zur Vergesslichkeit neigende Klasse hatte, als ich zur Deutschstunde um drei anrückte, schon ihr geistiges Pulver komplett verschossen.
Besonders die Vorfälle von gestern waren in einen gnädigen Nebel des Vergessens gehüllt. Immerhin erzählten mir Gamze fast stolz, ALLE hätten ihre Stühle hochgestellt und sie betonte dann mehrmals, dass SIE persönlich meinen Stuhl auf den Tisch befördert hätte.
Immerhin…
Ansonsten waren sie im Prinzip wie immer.

Nesrin (wieder mit Coldpack) ist gegen halb vier mit dem Kopf auf dem Tisch liegend eingeschlafen und wir haben sie nicht geweckt.
Sie tat mir leid – bis 16.00 Uhr in der Schule zu sein und dann auch noch mit Zahnschmerzen, ist, wie Fuat völlig zu Recht sagte: „echt unmenschlich überkrass“.

Und ich finde außerdem, sie  musste nicht  unbedingt eine Diskussion mitbekommen, in der es darum ging , ob man das Wort Präsens, das bekannlicherweise die Bezeichnung für eine  Zeit ist,  verwechselt kann, darf, sollte, muss  mit dem ebenso bekannten und geschätzten Wort Präserativ. Erkan war da nämlich ein bisschen auf dem Holzweg…..

Gegen Ende der Stunde (es ging um die Zeiten, wohlgemerkt!) fragte plötzlich Necla unvermittelt:
„Hat man eigentlich Zwillinge in der Erbschaft, Frl. Krise?“
Ich: „??????“
Necla: „ Mein Opa hat das!“
Alle: „???????????????“

Kurzer Rede langer Sinn: Madamchen wollte wissen, ob sie vielleicht mal Ane (Mama) von Zwillingen werden könnte, denn ihr Opa ist ein solcher……

Auf meine besorgte Frage, wie zum Teufel, sie denn jetzt DARAUF käme, sagte das holde Wesen vorwurfsvoll:
„Na, SIE reden doch  immer von Präsenstiven oder wie das heißt !“

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22 Antworten zu Die neunte Stunde bringts voll!

  1. Shannon schreibt:

    Frl. Krise, jetzt, wo ich mich aus meiner Schockstarre des gestrigen Tages gelöst habe, muss ich sie doch unbedingt etwas ganz Wichtiges fragen. Es war nämlich so, dass ich ganz stark an sie denken musste, als wir gestern im Theater waren.

    • frlkrise schreibt:

      Was gabs? „Die Schönen und das Biest?“

      • Shannon schreibt:

        Neiiiiiiiiin, ganz falsch, es gab ein Stück von Cornelia Funke. Aber darum geht es gar nicht. Es geht darum, was außerhalb der Bühne passierte.
        Denn dieses Schülertheater war der reinste Horror, zumindest für mich.

        Schülerverhalten:
        -die Schüler haben geschrien, als zu Beginn des Stückes das Licht ausging
        -sie haben (sechste Klasse?!) die Brustgröße der einen Schauspielerin kommentiert
        -geschrien. Durchgehend. Egal, ob man ganze Szenen lang kein Wort des Stückes verstand
        -in der Anfangsszene den Schauspieler als „Schwuchtel“ u.ä. beschimpft
        -sich laut erkundigt, um was es geht
        -sich beschwert, dass das alles besch***en wäre
        -noch mehr geschrien
        -aus der Loge Essensreste und den Inhalt ihrer Wasserflaschen auf uns geworfen

        Lehrerverhalten:
        -bei den meisten nichts
        -eine ist aus dem Raum gegangen
        -zwei sind „eine paffen“ gegangen
        -eine hat rumgeschrien

        Und das Beste war noch, dass die Lehrerin ein paar Reihen vor mir, als ich mit dem Kollegen völlig fertig aus dem Theater kam, nur schulterzuckend meinte, es wäre doch ganz gut gelaufen. o.O
        Ich habe dann doch mal nachfragen müssen, ob das ihr Ernst sei, und sie meinte dann, dass das doch immer so wäre und wir wohl einfach an der falschen Schule unterrichten würden…

        Ist das bei Ihnen auch „normal“? Ich meine, das liegt doch bitte nicht an meiner Schulform, oder bin ich hier überempfindlich?

      • frlkrise schreibt:

        Ich habe auch schon erlebt, dass sich Schüler furchtbar benommen haben. Das waren aber nicht die „Schlimmen“, sondern solche, von denen ich es nie erwartet hätte. Die haben sich im Dunkeln auf einmal ganz dicke getan. (Drum gehe ich auch nicht mehr mit klassen ins kino) . Wir haben die dann aber rausgeholt und draußen geparkt. Theater außerhalb der Schule ist eigentlich ganz ok.. .Am schlimmsten ist es bei unseren eigenen Aufführungen, da lassen wir aber nicht mehr alle rein, dann gehts.

  2. Herr Anton schreibt:

    Präsens, Präsenz, Präsent, Präservativ – ja wer soll das denn auch noch alles unterscheiden? Für die ganzen Zeitformen etc. greife ich – zumindest innerlich – immer noch brav auf die guten alten deutschen Bezeichnungen aus Grund- und Hauptschule zurück. Wie sollen Ihre Schüler damit klarkommen?? Obwohl sie ja andererseits über umfangreiche praktische Erfahrungen zu Absenz und Absentismus verfügen!?! Und das ohne jede Praxisschule …
    Grüße
    Herr Anton

  3. Tagpflückerin schreibt:

    Hach, ihre Herzchen möchte ich (nicht!) haben, aber sie sind doch wirklich köstlich!
    Da lobe ich mir meine Jungstruppe, von denen die Hälfte (es sind nur 6) einen Traktor besitzt, am liebsten im ganzen Dorf den Schnee damit fort-pflügen würde und viel und gerne aus Stall und Hof erzählt.
    (Die Amy-Winehouse-Mädels muss ich zum Glück nicht fördern und fordern, die haben wir natürlich auch).
    lg Tagpflückerin

  4. Mei Lin schreibt:

    Liebes Frl. Krise,

    ich liebe Ihren Blog und ich liebe Sie. Sie haben wirklich eine wundervolle Art zu schreiben. Sehr unterhaltsam, obwohl es auch sehr ernst ist und ich sehr gut Ihre, ich nenne es mal „Verzweiflung“ verstehe.
    Da bekomme ich glatt heimweh. Jahrelang (naja, bloß 3) habe ich selbst an einer Schule wie Ihre, in solch einer Gegend, mit solchen Schülern unterrichtet. Ich vermisse es. Die Arbeit dort hat mir viel mehr gebracht, als jetzt in einer „Dorfschule“. Hier passiert gar nichts, die sind alle so „brav“. Hat zwar auch seine Vorteile bzw. seine guten Seiten, jedoch stumpft man hier viel schneller ab.
    Ich würde sofort mit Ihnen tauschen.

    Liebe Grüße
    Mai Lin

    • frlkrise schreibt:

      Oh, vielen Dank!
      Dorfschule! Ich glaube, das wäre mir auch zu langweilig….aber ab zu ein bisschen dorfschule (besonders nach der mittagspause) wäre bestimmt nicht zu verachten….

  5. fraufreitag schreibt:

    wieso ist doch dorf – hast du noch nie gehört: bei uns im dorf ist das aber so…

    • frlkrise schreibt:

      jaaaa….aber wie öd wird es erst in DIESEN türk dörfern in der hintersten Wüstenei sein!….hu, da will ich ja nich mal ABGEMALT sein.

      • Ulla 39 schreibt:

        „Bei uns im Dorf ist das aber so…“ können die Schüler mit, ja, wie nenn‘ ich sie bloß?türkischer Herkunft?mit Migrationshinergrund? na ja, Sie wissen, was ich sagen will, also die können das hier in Deutschland ungehindert erzählen, weil sie selten auf Deutsche treffen, die auch nur wenige Tage in einem solchen Dorf verbracht haben. Da können sie sich nämlich nicht im entferntesten das herausnehmen, was angeblich in ihrem Dorf so ist. Die Dorfgemeinschaft – jeder kennt jeden und alles macht schnell die Runde – übt eine strenge Zensur aus, schnell ist sogar etwas in unseren Augen Harmloses dort aber ayib,d.h. es gehört sich nicht, oder schon günah, Sünde.

      • frlkrise schreibt:

        Das wird immer mit einem verklärten Augenaufschlag gesagt: „Bei uns im Dorf…“ ! Vor allem ist es da „voll schöööön“, viel schööööööner als hier, aber leben will da keiner, haha…..

  6. Schnuppenstern schreibt:

    Präservativ ist eigentlich ziemlich kreativ! Naja wenn man das Eine vergisst bekommt man eine schlechte Note beim Andern halt einen Kind der Unterschied ist ja nicht sooooo krass groß !
    Ich habe letzten die Regeln bei einer Zeltfreizeit besprochen und……bei dem Wort „Regel“ haben jedes mal alle gelacht!!!

  7. michael schreibt:

    > Besonders die Vorfälle von gestern waren in einen gnädigen Nebel des Vergessens gehüllt.

    Die leben halt nach der Devise: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Oder haben Sie etwa Schuldgefühle gegenüber ihrer Lehrerin erwartet.

  8. molekuel schreibt:

    Klasse! Das wird ab jetzt mein Lieblingsblog!

  9. die Schmith schreibt:

    „Na, SIE reden doch immer von Präsenstiven oder wie das heißt !“
    *kugelt sich*

  10. annagoesaustralia schreibt:

    Danke, das war mal wieder genau das richtige zum lachen.

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