Zugige Ansagen…

Gestern bin ich zurückgefahren.
Kinder, Kinder, war das eine uninteressante Fahrt. Draußen alles trüb und grau und die Rückseiten der Städte bei diesem Wetter noch deprimierender als sonst….
Ich saß ganz alleine, jedenfalls die Hälfte der Zeit und kein einziges beobachtungswürdiges Objekt gab es in meiner Nähe. Trostlos!
Also hielt ich mich an einer Freud-Biographie fest, die mich auch nicht gerade heiter stimmte.

Nur einmal kam es zu einer kleinen Ermunterung.

In einem Bahnhof bleibt der Zug länger als erwartet stehen. Info-los sitzen wir dummen Passagiere da und es wird schon leise gemurrt..
Dann eine Durchsage: „Aufgrund einer technischen Störung verlängert sich unser Aufenthalt in D. um einige Minuten.“
Auch das noch…
Schließlich die erlösende Mitteilung: „Meine Damen und Herren, wir verlassen D. in wenigen Minuten, wir warten nur noch auf einen Fahrplan“.

WORAUF warten wir?

Die ganze Durchsage wird zwei Minuten später noch einmal wiederholt…..! Ich habe mich also nicht verhört!

Ich verrenke mich nun, um den ganzen Bahnsteig zu übersehen, damit ich bloß nicht den Fahrplan verpasse, der vermutlich mit wehendem Schal und fliegender Tasche jeden Moment auf den Zug springen wird.
Nichts zu sehen…. Vielleicht fährt der Fahrplan ja auch 1. Klasse…!

Unsere kleine Verspätung (12 Minuten) ist natürlich schuld daran, dass jede Menge Zugverbindungen platzen, was wiederum eine ewig lange Durchsage zu Folge hat.
Den Passagieren nach Leipzig wird geraten, nicht in Hannover umzusteigen, sondern weiter zu fahren und Stunden später in einer ganz anderen Stadt umzusteigen.
Die ärgern sich aber jetzt, denke ich, eine Stunde Verspätung ergibt das bestimmt und schon telefonieren etliche Leute rundherum und vermelden ihren Lieben die verschärfte Abhol-Lage.

Der Mann vor mir presst seinen Kopf seitlich nach hinten an die Scheibe und spricht ganz verquer in sein Händy, vermutlich, damit sein Nachbar nichts versteht. Dafür verstehe ich jetzt alles:

„Hallo Schatz!“
——————
„Du, wir haben Verspätung, ich bekomme den Zug in Hannover nicht.
Ich muss weiter fahren nach X. und da umsteigen.“
——
„Ja, typisch. Find ich auch! Kotzt mich an.“
———————–
„Ja, natürlich, zwei Stunden bestimmt. Wenn das reicht! Die machen hier so unklare Ansagen.Wie immer Scheiß-Informationspolitik von der Bahn! Ich muss mal sehen in X.“
————-
„Nein! Du musst nicht auf mich warten. Geh ruhig zu Jana!“
———
„Nein, Astrid! Ist doch Quatsch.Wer weiß, wann ich komme.“
———
„Ich rufe dich dann noch mal an, aber geh ruhig, ich nehm mir ein Taxi.“
—————
„Alles klar, viel Spaß, bis dann !“

Dann wählt er gleich noch einmal. Diesmal spricht er aber bedeutend leiser, er haucht regelrecht ins Händy, so dass auch ich nur noch Fetzen verstehen. Aber ich schwöre, er sagt zu diesem Wesen am Telefon was von ‚am Bahnhof abholen‘ und zum Schluss höre ich ganz deutlich:
„Bis gleich, mein Hase!“

Hallo!?
Geht meine Fantasie mit mir durch?
Heißt der Taxifahrer Hase?
Oder IST es das, was ich denke?
Aber sich dann später bei der Schaffnerin über die Verspätung aufregen und garantiert VerspätungsVergnügüngsknete beantragen und kassieren!

Herr Freud, was sagen Sie dazu?

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18 Antworten zu Zugige Ansagen…

  1. oxypelagius schreibt:

    sowas kann unserem FRÄULEIN Krise natürlich nicht passieren, weder aktiv noch passiv. 🙂 Wo hat denn das FRÄULEIN ihre Kinderchen bloß her? ;-)))))
    Hm hm hm.. 🙂

    • michael schreibt:

      > Wo hat denn das FRÄULEIN ihre Kinderchen bloß her?

      Hassan, Aynur, Gülten, Emre, Erkan et al ?

      • oxypelagius schreibt:

        Neiheihen! Hat die Gute nicht mal was von eigenen Liebesfrüchten geschrieben? Oder verwechsel ich da was?
        War das Frau Freitag? Nee das ist ja eh ein und die Selbe ( Ui GermanistInnen vor: ist das so zu schreiben?)

      • frlkrise schreibt:

        Von hinten nach vorne: Nein das schreibt man nicht so! Nein, F.F. und ich sind keine siamesischen Zwillinge, höchstens im Geiste! Ja, ich habe Leibesfrüchte weiblichen Geschlechts.
        Noch Fragen?

  2. mia schreibt:

    Ganz eindeutig: Sie haben sich verhört, Frl. Krise! Freudsche Fehlleistung? 🙂

  3. Der Behrens schreibt:

    Gut, ich heiße jetzt nicht Freud, aber ich hätte da schon was zu sagen:

    Liebes Frl. Krise, ich mag die Art, wie sie schreiben, sehr! Und ich bin oft hier und lese! Klasse! Ich finde es immer wieder amüsant, nachvollziehbar oder witzig.

    Wo lernt man bitte, sich derart zu artikulieren? Ich möchte es lernen… 🙂

    Was Freud jetzt sagen würde? Vielleicht: Liebe dich selbst und vergiß deinen Nächsten…zunächst!

    Ich freue mich schon auf weitere, amüsante, witzige, nachdenkliche und aus dem leben gegriffene Artikel von Ihnen! Weiter so!

    Liebe Grüße aus Ostfriesland,
    Henric

    P.S. Nehme Sie jetzt auf…in meine Blogroll….

  4. chefarbeiter schreibt:

    Ich möchte X lösen und kaufe ein B! 😀

  5. michael schreibt:

    > Herr Freud, was sagen Sie dazu?

    Vergnügüngsknete ? Ha, schon ganz die Türkin. Aber gnügüng kann man wenigstens vorwärts und rückwärts lesen.

    D = Doofdorf oder Dortmund ?

  6. Marc schreibt:

    „Oder IST es das, was ich denke?“
    Ja, wenn es quakt wie eine Ente, ist es eine Ente. Hoffentlich löscht er auch die Nummer aus der Liste der gewählten Nummern.

    „vermutlich, damit sein Nachbar nichts versteht.“
    Wenigstens hat er ein schlechtes Gewissen. 🙂

  7. Kat-HH schreibt:

    *gnihihihi*

    Bei dem „Heisst der Taxifahrer Hase?“ hats mich grad gerissen. Häääärlüsch!

  8. Diedeli schreibt:

    Oder delmenhorst
    Oder duesseldorf
    Oder oder oder…

  9. annagoesaustralia schreibt:

    Mit dem Zug fahren ist doch immer wieder lustig. Die besten Geschichten erfährt man doch immer noch in der Bahn.

  10. nixverstehn schreibt:

    Siggi (Freud) wird sich in diesem Zusammenhang wahrscheinlich über das Personenspiel „Fräulein Krise“ und der „Mann vor ihr“ wundern…

    „Ein guter Freund von mir“ hat seine Frau auch schon mal betrogen!
    Natürlich würde ICH das nie tun….

    Frollein Krise ich find Sie klasse!!!

  11. Sonja schreibt:

    So ähnliche Zuggeschichten lese ich hier: http://www.belauscht.de
    😉 Da schüttelt man manchmal nur den Kopf.

  12. zahnwart schreibt:

    Hihi. Ich hörte mal Folgendes im Zug mit: „Nein, ich war die Nacht über noch in Hamburg, das Meeting dauerte länger. // Natürlich im Hotel, was denkst du denn? // Blödsinn, ich habe doch gar keinen Kontakt mehr zu der! Schon seit Jahren nicht mehr, ich weiß gar nicht, ob sie überhaupt noch in Hamburg wohnt! // Nein, ich sag dir doch … // Ich ver-spre-che dir, da ist nichts! Hundertprozentig, ich würde dir da nichts vormachen, ehrlich. // Wenn da was wäre, würde ich es dir sagen. Du würdest es als erste erfahren, also, als erste meine Frau, aber dann würde ich es dir sagen, verspochen!“ (redet immer weiter, bis Berlin.)

  13. Knut schreibt:

    Wer will auch auf Dauer mit einer zusammen sein, die Astrid heißt?!

  14. Annonymus schreibt:

    Hm, der Blog begeistert mich jedes Mal wieder. Sofern nichts dagegen kommt, werde ich Sie mal in meinen Blogroll aufnehmen, so gute Texte muss man einfach so weit wie möglich verbreiten.

    Die Bahn gibt einem immer gute Geschichten… ich saß mal in nem Zug, der wegen zehn Minuten Verspätung auf die ICE Strecke gefahren ist um das wieder aufzuholen… Angkommen sind wir mit 20 Minuten…

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