Och neeeeeee !

Wenn mich was ärgert, dann sind es Fortbildungen mit Referenten, die irgendwelche,  an sich ganz gute Methoden,  als ALLHEILMITTEL vorstellen…

So à la:
„….und dann erzählte mir meine Kollegin, dass sie eine ganz schwierige und hochaggressive Mädchengruppe hätte, die sich für gar nichts interessierte. Meine Kollegin war schon völlig mit den Nerven runter und ganz verzweifelt und konnte kaum noch in die Schule gehen. (oh, Mann, jetzt kommt bestimmt gleich der pädagogische Hammer…)
Ich habe ihr den Rat gegeben, sie solle die Mädchen fragen, was sie gut könnten und da haben die nach langem Hin und Her gesagt, sie könnten nichts. Nichts. Nein, doch…. sie könnten eins, nämlich sich gut schminken.
Nun, es war gerade Karnevalszeit (ach, wie passend, typisch, bei mir wäre es sicher gerade Juli gewesen!) und so sagte ich zu ihr: ‚Dann bieten Sie doch den Mädchen am Rosenmontag an, alle Kinder der Schule zu schminken ( das Ganze fand natürlich in der Grundschule statt)!
Meine Kollegin war sehr skeptisch. Aber sie hat einen Raum zur Verfügung gestellt und die Mädels haben sich tagelang schwer in Zeug gelegt und ganz viel Schminke besorgt ( was meint die mit „besorgt“ ?) und dann haben diese bad girls einen ganzen Tag voller Freude und Zuwendung die Kinder geschminkt und es hat ihnen groooooooßen Spaß gemacht und danach waren sie wie umgewandelt und sie haben sich im Unterricht viel besser benommen und haben in allen Fächern bessere Noten bekommen und sie hatten auf einmal ein prima Verhältnis zu der Lehrerin und alle waren total begeistert und meine Kollegin ging wieder mit Freude in die Schule und die Eltern haben sich bei ihr bedankt und wenn sie nicht gestorben sind, dann…..“

Solche Geschichte machen MICH hochaggressiv. Weil das Quatsch ist.

Klar – hat es den Mädels Spaß gemacht und das Verhältnis zu ihrer Lehrerin hat sich bestimmt auch etwas entspannt…aber, wenn es WIRKLICH problematische Mädchen waren, dann wurden die nicht durch so ein einmaliges kleines Schmink-Event völlig geläutert und umgekrempelt! Niemals! Das kann die mir nicht erzählen!
Nur weil ihnen einmal was zugetraut wurde, verändern die sich nicht komplett.
So einen Scheiß will ich mir auf einer Fortbildung nicht anhören.

Ich will hören, dass die Referentin sagt: „ Und das war der erste kleine Schritt in die richtige Richtung, aber da müssen noch viele viele weitere Schritte folgen… Lasst uns mal gemeinsam überlegen, wie es weitergehen könnte…..“
Das wäre ehrlich… ! Und vielleicht auch ein bisschen konstruktiv…..

Aber nein, den ganzen Tag ging es heute um so komische Spontanheilungen …
“ Trauen Sie ihren Schülern etwas zu. Machen Sie ein kleines Tanzprojekt, führen Sie ein Musical auf…“…..ich hätte platzen können. Die Methode ist im übrigen ja gar nicht schlecht, aber diese blödsinnigen Heilshoffnungen…einmal mit dem Finger geschnipst und alle Störungen sind wie weggepustet!
Wenn wir eine Theateraufführung hinkriegen (unter großen Verrenkungen und Schmerzen schaffen wir das – fall ICH mir zutraue, wieder ein Jahr lang diesen Stress auszuhalten) dann fallen wir uns nach der Aufführung auch in die Arme und wir fühlen uns jäckpott und lieben uns,  die Schule und die ganze Welt.

Aber am nächsten Tag steht in Deutsch, Kunst, Bio und Ethik wieder das alte Frl. Krise in der Klasse, das auf einmal keine in der Schule weltberühmte Regisseurin mehr ist und sie will kein Autogramm von Hassan haben, sondern verlangt ein bisschen Pünktlichkeit und einen funktionierenden Bleistift, vallah! Hach…!

So, jetzt geht es mir wieder etwas besser…

Meine persönlichen schwierigen Mädchen habe ich übrigens nur kurz in der großen Pause gesehen. Sie haben laut geschrieen bei meinem Anblick und haben mich getätschelt und geherzt und gerufen: „Frl. Krise, wir haben Sie voll vermisst!“ „Und sie hat ihre Haare geglättet!“ „ Sieht voll hollywood aus!“ „ Endlich ist sie wieder da….!!!!!“
Da sieht man’s.
Um den Kindern ein bisschen Freude zu machen, muss man bloß mal fehlen und zwar länger als 5 Tage. Dann haben sie alles Schlechte vergessen, einen Haufen Ärger mit fremden Kollegen bekommen  und sind ganz glücklich, wenn man wieder auftaucht.

Ich sollte auch mal Fortbildungen geben…

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21 Antworten zu Och neeeeeee !

  1. puzzle schreibt:

    Ach, aber das ist ja so schrecklich unpädagogisch, daß es im weiten Feld der Sozialberufe ähnlich verpönt ist, wie in den „echten“ therapeutischen; nur in Business-Managements-Seminaren einen angesehenen Namen tragen darf: „management by love“.

  2. fraufreitag schreibt:

    haare geglättet… ich denken Sie waren krank und eigentlich waren Sie frisör…

  3. fraufreitag schreibt:

    kenn ich – aber kennen Sie wer sich nicht kämmte verpennte seine rente?
    ich muss mir jetzt die haare kämmen und föhnen, sonst gehe ich morgen als rasta zur schule.

    • Gänseblümchen schreibt:

      *tz* Da kann die Studentin der erfahrenen Lehrerin auch mal einen Beautytip in Sachen Faulheit geben:
      Nach einem elenden Tag abends heiß duschen und dann nur noch faul aufs Sofa bzw. ins Bett fallen ist auch ohne Haarpflege möglich – und das sogar bei langen Haaren -, wenn man sich für den nächsten Morgen etwas praktisches von Rossmann bzw. DM gekauft hat:
      Leichtkämmspray für kleine Prinzessinnen
      Das zeug riecht zwar etwas rosa und ist für Kinder, wirkt aber wahre Wunder: Einfach üppig ins Haar sprühen und das Haar lässt sich wunderbar zottel- und knotenfrei Kämmen, bekommt einen gesunden Glanz und fällt hübsch und glatt.
      Da ist zwar bestimmt böses Zeugs drin, aber ein bisschen Opfer muss man schon bringen…

    • michael schreibt:

      Frl. Krise hat mindestens zwei hervorragende Friseusen in Ihrer Klasse. Die nehmen vielleicht nicht einmal Geld dafür.

  4. Nicole schreibt:

    Die Fortbildungsreferenten haben wohl zu viel Hollywood-Filme geschaut? Eine feine Idee und alles ist wieder rosarot .. und alle haben sich lieb.. jajaa… schön wär´s ja. Wie im Märchen ;-D

  5. theomix schreibt:

    Warum so gurufeindlich?
    Die Messitsch muss rüberkommen, gudd Waibräjschns müssen da sein. Dann zieht der Guru weiter zum nächsten Auftritt. Hoffentlich war das Kollegium ein gutes Publikum und hat ordentlich geklatscht.
    Und gab es wenigstens lecker Süßkram?

  6. Elfchen schreibt:

    Und? Haben Sie nur innerlich gekocht oder den Referenten ein entsprechendes Feedback gegeben? Mich würde sowas auch aufregen. Erinnert mich irgendwie an das Buch von J. U. Rogge „Kinder brauchen Grenzen“. Der macht das genauso.

  7. Seifenfrau schreibt:

    Und wie war das Feedback auf ihr Feedback?

    Bei Ihrer Schilderung sind mir übrigens spontan die „Strengsten Eltern der Welt“ eingefallen – da geschieht die Läuterung der schlimmsten Kids ja auch innerhalb von 7 oder 10 Tagen – das kann ja wohl auch nicht sein?

    …ich bin froh, dass Sie wieder gesund und hoffentlich wohlfrisiert in Ihre Klasse zurückgekehrt sind!

  8. Silke schreibt:

    Merke: Viele Seminare/Fortbildungen/Workshops sind eher für die Arbeitgeber, als für die Arbeitnehmer. Das Ganze ist als Streicheleinheit zu sehen, neudeutsch incentive, um dem gebeutelten Arbeitnehmer das Gefühl zu geben „Chef tut was für mich und dann wird AAAALLESS wieder gut“.
    Und dann holt einen die Realität ganz schnell wieder ein, krawumm!
    Kopf hoch, Frl. Krise 🙂

  9. HolgerG schreibt:

    Solche Referenten gibts in jeder Branche. Ich nenne die „Bungee Experten“.
    Die kommen von oben in meinen Kosmos rein, werfen einen kurzen Blick
    auf mein Problem, wissen sofort alles – uns sind wieder weg. Am schlimmsten ist
    es wenn sie ihre Meinung voller Halbwissen dem Chef mitteilen.
    Lustig ist immer wenn diese Schilderung von einzelnen Erfolgsanekdoten auf
    ein allgemeines Niveau erweitert wird ohne die Grundlage für die Erweiterung
    zu liefern. Auf der Ebene funktioniert sogar Placebo.
    Zum Glück sind diese Experten genauso schnell wieder weg wie sie gekommen sind.

  10. die Schmith schreibt:

    Vallah, machsu Abo mit IKEA für Bleistifte. Hassu immer viele Bleistifte für Schüler da, weissu? 😉

    Ach, Krisi, wusstest du etwa gar nicht, dass solche einmaligen Aktionen immer nur an anderen Schulen und immer nur in anderen Klassen, mit Schülern, die man gar nicht kennt, passieren? Immer woanders passieren diese Wunder. Wirklich. Das ist voll ungelogen. Nur man selbst hat die schwererziehbarsten Schüler der Welt, mit denen man sowas nie hinkriegen würde. Da muss man sich schon täglich was einfallen lassen, nicht jährlich. 😉

  11. blogwesen schreibt:

    Ach, ja…Ich durfte Mal als Schüler (SV-Team) …Lang, lang ist es her (11 Jahre)….mit Lehrern zusammen eine Fortbildung machen…
    Da sollte man in einer Gruppe von 5 Personen 10 ‚Leitlinien‘ formulieren, die den Charakter der Schule darstellen…
    Dazu brauchte man einen Protokollant…bzw.jemand der diese 10 Dinge an eine Tafel anschreibt…..
    Schwierig….Sehr schwierig….Denn alle Lehrer meiner Gruppe hatten sehr gute Gründe,warum sie weder Protokolle führen noch Dinge an Tafeln schreiben wollten…Überhaupt seien 10 Leitlinien völliger quatsch und die Fortbildung auch eine Zumutung… Ich fragte dann mal lapidar in die Runde: „…Soll ich das etwa übernehmen????“ Alle schauten verschämt unter sich…
    Das hat mich weltbewegend gewandelt…Ja…

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