Frl. Krise lebt wild und gefährlich….

Voll schöööööööööön sieht der Schulhof nach 24 Stunden Schneefall aus… So still und weiß!
Ein Foto, ich muss ein Foto machen!
Gerade kommt Karl  aus Haus Zwo,  gefolgt von einem Schüler.  Ich drücke ab, die Reinheit der weißen glitzernden Fläche wird  durch die Personen noch leicht betont… Es geht doch nichts über ein gelungenes Foto…

Karl spricht kurz mit dem Schüler, der geht Richtung Ausgang und steckt sich noch im Abgang demonstrativ eine Kippe in den Mund und zündet sie an. Dann  verlässt er cool und breitbeinig den Hof.
Hä???
Karl winkt mich herbei.
„Kannst du  bitte mal aufs Mädchenklo im Haus Zwo gehen?“ fragt er und zeigt auf den entschwindenden Jugendlichen.
„Hast du den erkannt?“ Ich schüttele den Kopf.
„Das war Fikri!“
Huh…Fikri…! Der Name klingelt und scheppert  in meinen Ohren, – Fikri – ein jugendlicher Straftäter, der bis vor einem Jahr auf unsere Schule ging!  Er wurde  nach langem Hin und Her der Schule verwiesen und hat jetzt Hausverbot. Siebtzehn, achtzehn wird er inzwischen sein….
„Er war im 2. Stock auf dem Jungsklo,“ sagt Karl, “ und auf dem Mädchenklo ist noch jemand, eine Freundin von dem oder was weiß ich….“

Das sind Aufgabenstellungen, wie ich sie liebe! Frl. Krise bei der Kripo!

Aber da ist sie schon, die Braut! Schwungvoll tritt sie vor die Tür des Gebäudes und guckt uns verächtlich an…
Typ Disco-Islam,  glitzerndes lilafarbenes Kopftuch über einem offensichtlich sehr voluminösen, hohen Haaraufbau, dunkelbraun verbranntes Gesicht, fette falsche Wimpern, ein Mund mit zu viel knatschrosanem Lippenstift und Glitzergloss, hüftkurze weiße, wattierte Jacke, hautenge Röhre, weiße hochhackige  Stiefeletten… einfach nuttig, sorry, muss ich mal deutlich sagen, auch wenn die Bloggemeinde jetzt wieder aufschreit.

„Was wollen Sie?!“ plärrt sie uns an, bevor wir etwas sagen können, „Ich geh schon und außerdem bin ich vielleicht ehemalige Schülerin?!“
Karl und ich sehen uns an. Wir kennen diese Dame nicht…
„Ich hatte vielleicht früher auch noch nich Kopftuch?? “ fährt sie fort und ich schlucke gerade noch ein: “ …..und war vielleicht früher auch noch nicht so fett geschminkt??“ herunter. Ja, vielleicht war sie früher bei uns, keine Ahnung, wir erkennen sie nicht und wir möchten jedenfalls jetzt, dass sie uns sofort verlässt! Sofort! Ich wedele mit dem Arm und zeige auf den Ausgang. In der Hand habe ich immer noch meine kleine Kamera.
„Was wollen Sie mit Kamera, wehe, sie fotografieren mich, dann….!“ kreischt sie.
Ich winke müde ab und wir nehmen sie in die Mitte, damit sie weiß, was das Stündlein geschlagen hat…
Kurz vor dem Ausgang kommt Fikri uns entgegen!
Hey, den hatteKarl doch schon erfolgreich rausgeschmissen!!!

Karl, der ein Ausbund an Geduld ist, sagt höflich: „Fikri, ich bitte dich, jetzt SOFORT das Schulgelände zu verlassen!“
„Und du gehst mit !“ sage ich etwas schärfer und zeige auf die Braut.
Fikris Blick fällt auf meine Kamera und er wird wild: „Haben Sie mich fotografiert?“ schreit er und baut sich drohend vor mir auf.
„Ich nehm ihnen Kamera weg! Ich schlag Kamera kaputt!!!!  Ich schlag dich, wenn du mich fotografierst! Hässlichkeit!!!! Hast du mich fotografiert ?“

„Hör auf, mich zu bedrohen!“ sage ich und: “ Was glaubst du , wer du bist! Weshalb sollte ich dich wohl fotografieren?“

Karl schiebt sich zwischen Fikri und mich und sagt ruhig und beschwörend: „Du gehst jetzt sofort, Fikri! Sofort!“
„Lass mich,“ schreit Fikri und kommt mir ganz nahe. Er ist nicht besonders groß, aber doch ein ganzes Stück größer als ich, bestimmt durchtrainiert und auf jeden Fall gewaltbereit. Auf der Straße kriegte ich jetzt total Muffensausen, zu Recht!  Komisch, auf dem Schulhof nicht…. zu Unrecht wahrscheinlich….

„Los, schieb ab, “ sage ich und befördere die Kamera vorsichtshalber unauffällig in meine Manteltasche.

„Ich schlag dich tot,“ schreit Fikri,  „ich schlag die Kamera kaputt! Ich schlag die ganze Schule kaputt!“ … aber er dreht sich um und geht. Ab und zu dreht er sich noch mal um und schickt eine Salve von Beschimpfungen zu uns rüber. Die Stiefelettenmaus stakst   umknickend neben ihm her.

Karl und ich gehen langsam rein.
“ Mann….! “ sagt Karl, “ Aber wir haben uns durchgesetzt! Dieser Kerl! Gut, dass du ihn nicht fotografiert hattest!! So, wie der drauf war!“

Ich fummele die Kamera aus der Tasche: „Hier!“ sage ich und zeige ihm das Foto.
„Ihr beide! Sieht schön aus, wa? So auf dem verschneiten Schulhof….!“

Karl starrt mich entgeistert an.

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28 Antworten zu Frl. Krise lebt wild und gefährlich….

  1. Sanna schreibt:

    Mensch, Frollein Krise – jetzt sind Bodyguards gefragt!!! Fragen Sie doch mal die starken Jungs aus ihrer Klasse…

  2. theomix schreibt:

    Spannend.
    Und wo ist nun das Foto? (Gerne auch mit verpixelten Personen…)

  3. Shannon schreibt:

    Deshalb liebe ich die Kollegen. Weil die dann in solchen Situationen doch immer da sind.
    Aber das mit dem Schulhof ist wirklich ein Trugschluss. Eine ehemalige Studienkollegin von mir ist sogar auf dem Schulhof ihrer Schule überfallen worden… Sicher ist man dort also nicht, auch wenn man das immer denkt.

  4. bitbull schreibt:

    Foto her!
    Oder ich glaub garnichts.

    Und überhaupt: FiKRI ….. FrlKRIse ….. ein Kuseng von Ihnen?
    verschneite Grüsse, achten Sie auf sich und schöne Weihnacht!

  5. Noga schreibt:

    Der Krimi des Tages aus der Parallelgesellschaft. Wenn es Ihnen in der Schule zuviel wird, dann wäre das Verfassen von Dokusoaps eine Alternative.

    • Shannon schreibt:

      Das tut sie doch schon längst! Und bei uns als ihrem Blogger-Publikum betreibt sie geheime Vortests, ob die Fernsehlandschaft ihr diese Storys abkaufen wird. 😉
      Und morgen sehen Sie in „Die Schulermittlerin“:
      Frl. Krise auf der Suche nach dem verschwundenen Büroschlüssel. Hat Fikri etwas damit zu tun? Oder seine Freundin, die schon bei der ersten Begegnung unangenehm auffiel. Aber auch im Kollegium selbst scheint es Probleme zu geben, die sich Frl. Krise nicht erklären kann. Doch erst nach einer weiteren interessanten Entdeckung wird der Super-Lehrerin bewusst, wie groß die Außmaße der Sache, an der sie hier dran ist, wirklich sind…

  6. fraufreitag schreibt:

    du hättest die im klo fotografieren sollen. was haben die dann da gemacht? die ehre IHRER familie zerstört???? hat denn fikri kein eigenes klo? und frl. Krise, ich glaube niemals, dass es einen schüler mit so einem komischen namen gibt.

  7. theomix schreibt:

    Fotos!
    Wo sind die Fotos?
    Her mit den Fotos!

  8. tina schreibt:

    Und? Selbstverteidigungskurs schon gemacht?

  9. Shannon schreibt:

    Da haben Sie mich jetzt erwischt, Frl. Krise. Aber was soll ich denn auch tun? Bei uns fällt morgen wieder die Schule aus, schneefrei. Wie soll ich denn sonst Geld verdienen? Etwa Bücher über Pädagogik schreiben?
    Na also, Sie sehen es. Ich habe gar keine andere Wahl.

    (Und 49% meiner erfolgreich verkauften Scripts sind übrigens hier abgekupfert…dann noch 49% bei Frau Freitag…Ich ändere die Namen, lasse die Schwester was mit dem besten Freund des Bruders anfangen und schwupps- ein weiteres Nachmittagsformat ist glücklich.

  10. Frau Buntstift schreibt:

    Fräulein Kris e iss voll tafff!

    Eiiih!

    Good luck!
    B.

  11. kingofmonks schreibt:

    „Typ Disco-Islam“

    wo ist das bewerbungsformular für das wort des jahres 2010? hoffentlich ist der annahmeschluss noch nicht vorbei. meine nachbarn haben inzwischen sicher die polizei gerufen („da iss ener in parterre, der lacht janz irre um die uhrzeit, wa. det is doch net normaaal!“) – deshalb lege ich mich jetzt still ins bett und tu so als wäre nix gewesen.

    typ disco-islam… kicher.

  12. mariebastide schreibt:

    Hallo Krise – hier das Chaos!

    Schöne Schulhoferlebnisse sind das. Passen zu dem, was ich in einer Unterkunft für Asylbewerber, die heute nicht mehr steht, erlebt habe. Tiefer Winter, hoher Schnee. Als pflichtbewusste Beraterin schippe ich vor dem Eingang mehr weg als nötig. Und werde dafür bald von Fidan, Shkurte & Co. angemacht. „Hey was machsdu da?“ „Wie sieht das aus? Wie plantschen?“ Erst nachdenken, dann sprechen. In meinem schwitzenden Arbeitseifer hatte ich dieses Grundprinzip der Kommunikation vergessen. Abgesehen von dem Wort plantschen an sich verstehen die Jugendlichen natürlich auch keine noch so platte Ironie. Sie stellen sich also um mich rum, alle mit dicken Dockers, wattierten Jacken und Schals (ja, die Ehrenamtlichen achten sehr darauf, die Kleiderkammern gut zu füllen, aber ehrlich, wer will schon mit den Bogner-Klamotten vom letzten Winter rumlaufen?). Einer zückt sein Handy und macht ein Foto von mir. „Wie wärs mal mit helfen?“ frage ich. Und ernte nicht mehr als ein uniformes Grinsen. „Kriegn wir Geld?“ „Nö. Aber ihr helft ner alten Dame.“ Das Grinsen wird zum Gelächter. „Selbst schuld, wenn du musst arbeiten. Warum du hast kein reichen Mann?“ Eben. Da hakt es. Wie soll Integration funktionieren, wenn gerade mal die Sprache vermittelt wird, aber nicht die sozialen Grundstrukturen unserer Gesellschaft?
    Als ich dann auch noch anfange, den Schnee vor meinem Bürofenster wegzuschaufeln, werden die Jungs richtig aggressiv. Bedrängen mich. „Geh ins Büro. Arbeiten!“ Shkurte, eine siebzehnjährige Schönheit, die allerdings lieber bei einer Fastfoodkette unterm Mindestlohn arbeiten als die Schulbank drücken will, ist nen Tick heller als ihre Freunde. Sie nimmt mir einfach die Schaufel ab. „Danke“, sage ich und haste ins Büro zum klingelnden Telefon.

    Erst im darauffolgenden Frühjahr entdecke ich aus purem Zufall den Grund für ihre plötzliche Hilfsbereitschaft. Der Schnee diente ihnen als Zwischenlager für ihr Drogendepot……

    Notabene: Nicht alle dieser Jugendlichen sind so. Die Mehrheit ist anders! Aber: denen, die wirklich weiterkommen wollen, daheim oder hier oder sonstwo, werden oft bürokratische Steine in den Weg gelegt, während für andere mit offenkundig fruchtlosen „Integrationsmaßnahmen“ Unsummen ausgegeben werden. Und genau die sind es, die auffallen, öffentlich werden und das Bild verdunkeln, die Meinung negativ prägen.

  13. die Schmith schreibt:

    Hey, Krise, wo ist Foto von Schulhof? 😉

  14. Arbeitstier schreibt:

    Oh Frl. Krise, da liest man einmal einen Tag zu spät und dann war da gleich eine solche Story! Puuhhh gut, dass Sie da noch gut rausgekommen sind!

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