Sprechen Sie ruhig weiter….

Gerade war ich bei Frau Freitag, die eine geübte Benutzerin der öffentlichen Verkehrsmittel ist. Sie machte sich über mich lustig. Ich fahre ja sonst meistens Fahrrad oder Auto, bin jetzt aber dank der Schneefälle zum Busfahren verdonnert und ganz angetan von den Erlebnissen in Bus und Bahn.
Ich verkrieche mich aber auch nicht in mich selbst, wie sie das immer tut, um mich vor der feindlichen Mitfahrerschaft zu verstecken, ganz im Gegenteil, ich bin kurz davor, mein pädagogisches blog (DAS blog hört sich grauenhaft an) in ein Busblog umzuwidmen…..um die Perlen der deutschen Sprache, die mir hier ungewollt zukullern auch  gebührend zu würdigen:

Eben quetsche ich mich als Letzte in den schon knallvollen Bus, da höre ich aus dem Funkteil beim Fahrer noch gerade ein:
“……bist du ganz voll?“
Ich sehe den Busfahrer scharf an…Alkoholabusus am Steuer, womöglich? Und das im öffentlichen Verkehr?
Er nickt und sagt :
„Total voll, geht nicht mehr“.
Na, danke schön!
Die andere Stimme: „Gut, dann fahr Kennedy-Platz, dann schmeißt du deine Fahrgäste zu mir und ich nehm sie über.“
“Mach ich,“ sagt der Fahrer und fährt leicht schlingernd los.
Was bin ich froh, dass ich zwei Stationen vor Kennedyplatz aussteigen musste….

Mein Kollege Kessler war  heute auch nicht schlecht, was Wortschöpfungen betrifft.
Er  setzt sich nach Schulschluss zu mir.
„Frl. Krise,“ sagt er, „du bist doch die Muttileiterin der 9b, oder…?“
Ich schaue ihn leicht geschockt an.
Muttileiterin…was ist das denn?
„Du bist doch die Muttileiterin von Fuat!“ insistiert der Kollege.
„ Niemals!“ sage ich laut und deutlich….

Muttileiterin…jetzt geht’s wohl los…..

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20 Antworten zu Sprechen Sie ruhig weiter….

  1. die Schmith schreibt:

    Sag doch nich so, Frollein Krise. Ist doch schön die Klassenmutti zu sein. Das schafft doch gleich ein familiäres Klima. Ist doch prima. 😉

  2. fraufreitag schreibt:

    muttileiterin will ich auch sein. die muttis stressen doch bestimmt nicht so, wie die kinder…

  3. Dreystein schreibt:

    Vielleicht is Ihnen nach einem Erfahrungsaustausch:

    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/498477

    mit freundlichen Grüßen
    Dreystein

  4. Andre schreibt:

    Muttileiterin klingt nach Osten bzw. Ostkollege – bei Freunden aus Erfurt gibts auch ein „Muttiheft“, wo die Lehrerin mit der Frau Mama kommunizieren kann.

    Ansonsten kommt es mir ja sowohl bei Ihnen, Frl. Krise, als auch bei Frau Freitag immer so vor, als würde sich das quasi alles bei mir um die Ecke in Nord-Neukölln abspielen – immer eine ganz spannende Vorstellung, quasi über die Geschichten einen Einblick hinter manche Fassade und die Lebenswelten der Leute hier zu bekommen. Insofern muß ich gestehen, daß ich ein klitzekleines bißchen enttäuscht war, als ich vom Kennedyplatz gelesen habe 😉 Trotzdem vielen Dank für die Einblicke, die ich immer sehr gerne lese.

  5. Juliane schreibt:

    Müsste es nicht eigentlich heißen:
    „Ich verkrieche mich aber auch nicht in MIR selbst“?
    (Nee, nix klugscheißern! Bin nur interessiert!)

    • frlkrise schreibt:

      Ja…nein…weiß nicht….in ‚mir‘ hört sich genauso falsch an wie ‚mich‘, finde ich!

      • Julius schreibt:

        Eigentlich geht beides:
        (1) Wohin verkrieche ich mich? In mich.
        (2) Wo verkrieche ich mich? In mir.

        Ich persönlich finde das von Ihnen, frl. krise, gewählte Mich schöner.

      • FrauB schreibt:

        Da meldet sich gleich mal die diensthabende Germanistin zur Stelle.
        Ob „in mir“ oder „in mich“ kommt sozusagen auf die Qualität des Verkriechens an. Wenn das Subjekt es satt hat und sich davonstehlen will, fragen wir „in wen oder was“ –> Akkusativ, also „in mich“. Wenn es aber schon weg ist und diesen Zustand bekräftigt, so können wir fragen „in wem oder was ist das Subjekt denn verkrochen“ –> Dativ, also „in mir“.

        Und beim Kollegen Kessler würde ich auch dafür plädieren, mal nach Wurzeln im Osten zu graben. Da gab es neben dem „Muttiheft“ nämlich auch noch die „Pionierleiterin“.

        Viele Grüße von FrauB

  6. Sanna schreibt:

    Hachnee – – -, da war ich bisher der Meinung, ich vervollständige die offenbar lückenhaften Kenntnisse meiner Muttersprache, indem ich alle paar Wochen mal den Discounter im Multikulti-Ortsteil meines Dorfes aufsuche. Hochbegeistert lausche ich dann den kreischenden Kids und schimpfenden Müttern (ganz seltenl sind’s auch Väter – aber in der Regel holen die sich ihren Bölkstoff ohne minderjährigen Anhang) die neuesten Vokabeln ab. Satzbau und Wortwahl sind …äh ja… von schlicht-kreativer Eindringlichkeit. Versteht der Nachwuchs prompt, wenn Mama zwei Gänge weiter lauthals brüllt: „Schannntallll! *Bitte wahlweise Kewwiiinnnn/Dschastiiiin/Dschannätt einsetzen* Gezz komma endlich bei uns! Du krichst gleich ein‘ geballert – da fliechse aba inne nächste Ecke!“

  7. Anna Nuehm schreibt:

    „Komm mal bei misch bei, de Omma hat heute Füße und kann disch nisch nachlaufen, Brittnäi-Schakkeline!“
    „Dat heißt nisch „gib misch eine Zuckerwatte“ Rihännah-Schoschona, dat heißt „gib misch BITTE eine Zuckerwatte!“.

  8. Der Lehmann schreibt:

    Anstatt sich über Verfehlungen aufzuregen, die die deutsche Umgangssprache bietet, würde ich mich über die unzähligen Möglichkeiten, die diese bietet, freuen, anstatt sich darüber aufzuregen, Frollein Krise. Versuchen Sie doch mal Ähnliches auf Englisch oder Französisch.

    • frlkrise schreibt:

      Ich rege mich nicht darüber auf, wertester Herr Lehmann, sondern ich ERFREUE mich daran (jedenfalls meistens)….Und wie die Überschrift dieses Artikel beweist: Ich wünschte mir, mehr davon zu bekommen…

  9. Der Lehmann schreibt:

    Nett, dass sie mir den Wiederholungsfehler nicht angekreidet haben. Es ist ja schon spät, und ich habe einiges kopiert und eingefügt, um einen halbwegs akzeptabelen Kommentar zu formulieren. ;o)
    hm – ich habe wohl, aufgrund der letzten Zeilen, Ihren Netzlogbucheintrag negativ interpretiert. Ich halte die Ohren offen und werde berichten, wenn mir Formulierungen zu selbigen kommen, die erwähnenswert sind.

  10. Laura schreibt:

    „Muttileiterin“. Das werde ich mir auf’n T-Shirt drucken lassen.

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