Necla passt auf…..

Eine Mutter habe ich gestern unterschlagen…die von Necla.
Ich treffe sie im Treppenhaus, sie will zu einem Kollegen – nicht zu mir, es gäbe doch wohl keine Probleme mit Necla bei mir, meint sie.
„Ja, nein…,“ ich zögere, eigentlich gibt es schulisch wirklich nicht viel zu besprechen…… andererseits…
Soll ich die Mutter darauf ansprechen, dass ihre Tochter so vehement den Ehrenmord befürwortet…?
Ich wüsste zu gerne, wie die Eltern dazu stehen, wird so etwas in der Familie laut gesagt oder ist es unterschwellig vorhanden? Bezieht die Mutter dazu klar Stellung oder ist sie ambivalent…?
Wird sie überhaupt offen mit mir über so ein heikles Thema reden oder lieber gleich alles abstreiten? Das vermute ich fast.
Für ein schnelles Gespräch im Flur ist das gar nichts. Ich sage deshalb:
„Falls Sie es schaffen, kommen Sie doch bitte noch mal zu mir, ich würde mich freuen! Ich möchte gerne noch etwas mit Ihnen besprechen.“
Neclas Mutter nickt und da biegt auch schon ihre Tochter um die Ecke.
„Meine Mutter muss nich zu Ihnen, Frl. Krise, wa?“ fragt Necla betont unschuldig und hängt sich bei ihrer Mutter ein. Sie macht ganz auf brav, diese kleine Schlange….!
Ich sage: „Ach doch, das das wäre gut!“
„Aber wegen was?…Ich hab nichts gemacht….Wegen Deutsch? Ich hab Drei geschrieben!“  Necla geht sofort in den Ring.
„Nein, nicht wegen Deutsch,“ sage ich und bereue es sofort.
Sie sieht mich mit schmalen Augen scharf an und ich bin mir in diesem Moment sicher, sie weiß, was ich ihre Mutter fragen will.
„Wir gehen jetzt erst zu Herr Böck und Herr Fischer und wir waren schon bei Frau Saum,“ plappert Necla und zieht ihre Mutter am Arm. „Frau Saum hat mich voll gelobt!“

Wir verabschieden uns und ich gucke von oben auf die beiden , wie sie die Treppe runterlaufen. Necla blickt noch einmal rauf und winkt mir zu.

„Ich habe gewonnen“, heißt das Winken.
Und tatsächlich- die Mutter kommt nicht mehr.

Vielleicht ganz gut.
Ich werde mit einigen Kollegen  überlegen, wie wir vorgehen- wir müssen mit den Eltern sprechen. Dazu werden wir uns Hilfe holen, es gibt auch alle möglichen türkischen Stellen, mit denen man zusammenarbeiten kann.

Eins steht fest: Das Thema ist noch lange nicht vom Tisch!

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10 Antworten zu Necla passt auf…..

  1. Shannon schreibt:

    Ich würde sagen, Necla hat es einfach drauf. Von der kann man sicher noch etwas lernen. 😉

    • michael schreibt:

      Ja,
      aber durch ihr Manöver weiss man nun, dass ihre Mutter wohl eine andere Einstellung hat. Also möglicherweise eine Vebündete für das arme Frl.Krise ist.

      • frlkrise schreibt:

        Nein, das glaube ich nicht, dass die Mutter eine andere Einstellung hat. Necla will ihre Mutter davor schützen, sich mit mir darüber unterhalten zu müssen. Das ist ein Tabu-Thema, das verhandelt man nicht so ohne weiteres mit Ungläubigen…. Außerdem ist es Necla todsicher peinlich, wenn sie denkt, ich denke, ihre Mutter ist „rückständig“…Es ist alles wirklich viel komplizierter, als man es sich so gemeinhin vorstellt.

  2. iris schreibt:

    Nicht aufgeben Frl. Krise! Das kann doch nicht sein, dass moderne junge Mädchen und Jungen so eine Einstellung perpetuieren, ich bin wirklich entsetzt.

  3. kennow schreibt:

    Ist schon eigenartig, wie sich die Schule verändert hat. Früher war die Lehrkraft eine unumstrittene Respektsperson und heutzutage wird jede Kleinigkeit hinterfragt. Es beruht auf Gegenseitigkeit: Eltern verhätscheln ihre Kinder und handeln hyperprotektiv, aber auch die Lehrkräfte trauen sich zu nichts mehr, wollen nur noch in ihrem Amt bleiben und keine Risiken auf sich nehmen. Obwohl es doch keine Risiken gibt, wenn man in der Schule auf seinem Standpunkt besteht. In diesem speziellen Fall scheint es besonders schwierig, da man davon ausgehen kann, dass die ganze Familie ganz klar gegen Ihre Kritik steht.

    • frlkrise schreibt:

      Wer scheut welches risiko??????

    • RobivanKenobi schreibt:

      Spricht Neclas Taktik nicht eher dafür, dass zumindest ihre Mutter offen für die Frl.Krise-Kritik wäre? Wenn dem nicht so wäre, dürfte Necla doch nichts dagegen haben, das „Sie verstehen das nicht, das ist bei uns halt so!“ mit ihrer Mutter im Chor aufzusagen.

  4. michael schreibt:

    Seit wann gehen die Kinder zum Elternsprechabend mit? Zu meiner Schulzeit gingen die Eltern alleine.

    Auch damals waren die Lehrer im übrigen keine Respektpersonen. Aber sie hatten halt fast immer die Eltern auf ihrer Seite.

    • frlkrise schreibt:

      Bei uns ist es erwünscht, dass die schüler mitkommen! Eltern und kinder sollen beraten werden, und ohne kinder ist es eher sinnlos. Man kann man die gören ja rausschicken, wenn es mal um Dinge geht, die sie nicht hören sollen.

  5. Herr Rektor schreibt:

    Is so ne Sache…
    Wenn ich früher Ärger mit einem Lehrer hatte und daheim was davon angekommen ist, gabs was an die Löffel. Hab ich dann auch noch gesagt, dass ich doch aber im Recht war, gabs gleich noch mal was an die Löffel und ich durfte zwei Seiten darüber schreiben warum ich nicht im Recht war 😉

    Wenn du heute einem acht Jahre alten, hyperaktivem Kind , morgens um acht Uhr, die Cola bis zu Unterrichtsende abnimmst (ihm dafür eine Flasche Wasser gibst) steht am nächsten Tag der Vater in der Schule und verzapft was von Anzeige…

    Was willst da machen…

    Um ein Auto zu fahren musst in die Fahrschule, aber ein Kind (v)erziehen darf jeder …..

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